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Test: Tsakalis AudioWorks, Room #40, Verzerrer-Pedal

16. November 2021

Marshall in a box - der Room #40

Test: Tsakalis AudioWorks, Room #40, Verzerrer-Pedal

Wenig hat in den letzten zwei Jahren soviel an Zugkraft gewonnen wie das Prinzip „Amp-in-a-box“. Das Prinzip kennt mehrere Variationen. Manche Pedale beschränken sich darauf, den Sound und die Essenz eines Amps einzufangen und in eine Box zu verfrachten. Andere Pedale gehen einen anderen Weg, wie das Strymon Iridium oder das Walrus Audio AC30 und liefern eine Vielzahl an Amp- und Cab-Modellen gleich mit.

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Manche Pedale beschränken sich jedoch darauf, das Spielgefühl einer bestimmten Amp-Klasse zu transportieren. So auch der Room #40 von Tsakalis – Marshall Mojo in a Box – so beschreibt es die Firma auf der Website. Und ja – der Sound eines guten (!) Marshalls kann etwas absolut Besonderes sein. Die Jungs aus Athen haben sich hier also keine kleine Aufgabe gestellt: einen Overdrive zu produzieren, der mit dem Sättigungs-Feel und Breakup-Sound aufgedrehter Marshalls punkten kann. Schauen wir uns das mal an.

Tsakalis Room #40 – Marshall Sounds in Pedalform

Also – welche Marshall-Modelle haben sich Tskalais Audioworks hier genau als Vorbild genommen? Das Room #40 fährt zwei Modi, die per Kippschalter angefahren werden können: die Non-Master-Volume-Versionen von PLEXI Super Lead und Super Bass Modellen sowie den Master-Volume JMP & JCM800 (2203/2204) Modus, der durchaus bissiger ausfällt. Doch der Reihe nach.

Test: Tsakalis AudioWorks, Room #40, Verzerrer-Pedal

Der Tsakalis arbeitet wie folgt: Die jeweilige Amp-Variation erlaubt es, zwei getrennte Inputs gemäß Vorbild über die beiden Volume Controls zu mischen. Emuliert wird hier ganz konkret die Power Amp-Sektion und der für Van Halen typische „Brown Sound“. Was heißt das konkret? Entweder offenes oder stark komprimiertes Sustain nach Marshall Vorbild.

  • PLEXI-Mode: In diesem Modus kümmert sich Volume 1 um den Treble-Input und Volume 2 um den normalen Input. Wer beides mischt, bekommt einen offenen, für PLEXI typischen, crispy Sound, der parallel mit den beiden Inputs gefahren wird und von seiner Reaktivität her ein authentisches PLEXI-Gefühl transportieren soll.
  • JMP & JCM800-Mode: Die beiden Kanäle werden hier nicht parallel, sondern in Kaskade gefahren. Hier wird komprimiert und gedrückt und ein saftiges Sustain erbracht. Hier wiederum bedient Volume 1 den Preamp-Volume und Volume 2 betrifft „Body“ – also die tiefen Frequenzen und das „Low-Bottom“ des Sounds.

Soweit, so gut. Fassen wir noch mal zusammen: Der Room #40 fährt zwei Amp-Modi mit jeweils zwei Kanälen, einen PLEXI und einen JMP & JCM Master Volume. Es ist wie gesagt der typische „Van Halen“ Brown Sound, der komprimierte Mitten-Attack, der besonders gut kommt, wenn die unteren Frequenzen stabil stehen. Entsprechend orientieren sich auch die restlichen Regler am Amp-Parameter. Die untere Reihe mit schwarzen, kleinen Potis liest sich wie die Front eines Marshall 3-Band-EQ und Presence:

  • Presence: Die hohen Frequenzen spielen bei Marshalls eine besondere Rolle. Durch Präsenz könnt ihr diese hervorheben oder zurückdrehen. Strenggenommen handelt es sich nicht um einen Treble – der wird separat abgerichtet. Presence soll helfen, den Sound auf den Klangcharakter des Amps abzustimmen.
  • Treble: Hier lassen sich die hohen Frequenzen einpendeln, die vor allem für die Betonung eurer Anschläge wichtig und für Durchsetzung im Sound nützlich ist.
  • Middle: Zuständig für die mittleren Frequenzen. Je nachdem ob ihr einen Mid-Scoop bevorzugt oder eine Mitten-Pyramide wollt – die Durchschlagskraft eurer Riffs kann hier angepasst werden.
  • Bass: Zuständig für das Low-End und die Bassfrequenzen in eurem Sound.

Test: Tsakalis AudioWorks, Room #40, Verzerrer-Pedal

Der linke Fußschalter aktiviert einen Mitten-Boost. Hierüber werden die höheren Mitten noch mal ein bisschen angeschärft, damit ihr besser durch den Mix schneidet. Aber entscheidend für die authentische „Brown-Sound“ ist der Variac-Regler.

  • Variac: Eddie Van Halen arbeitete mit einem sog. Ohmite Variac, der es ermöglichte, die Spannung, die durch den Amp läuft, zu variieren. Das schlägt sich radikal auf den Sound nieder. Nichts anderes passiert hier: von 7,5 Volt bis 21 Volt kann die interne Spannung des Pedals eingestellt werden. Weniger Volt haben einen etwas schleppenden Sound, weniger Headroom, weniger Attack, mehr Kompression, während er sich Richtung 21 Volt spürbar öffnet, mehr Headroom hat, mehr „Spark“ – und sich mehr wie ein Amp anfühlt.

Soviel dazu – doch wie klingt das alles letzten Endes? Finden wir es raus.

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Tsakalis AudioWorks Room #40 – in der Praxis

Durch die großartige Reaktivität des Quad Cortex auf Pedale bietet es sich an, das Pedal durch das Neural DSP Meisterstück zu jagen, um zu zeigen, was klanglich alles drin steckt. Wichtig ist zu überprüfen, ob eine gewisse klangliche „Essenz“, die man mit Marshall assoziiert, auch wirklich rüberkommt. Das ist nicht garantiert und in der Vergangenheit gab es immer wieder Beispiele von Amp-in-a-box-Ansätzen, die seltsam unnatürlich wirken.

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Tatsache ist, dass man sowohl mit Singlecoil als auch Humbucker eine Menge Sounds aus dem Gerät rausholen kann, die wirklich dem Marshall Druck nahe kommen. Speziell der Plexi Modus hat es mir angetan, der zwar leider ein bisschen an Low-End-Mangel kränkelt, aber das Kunststück tatsächlich ansonsten vollbringt.

Die JVM & JCM Master Volume klingen bisweilen massiv – ordentlich Low-End, ordentlich Druck mit dem Marshall-typischen bissigen Höhen-Touch. Wir haben zunächst den cleanen Referenz-Sound vorgeschoben und bringen dann im Laufe der Klangbeispiele dieses Breakup-Gefühl zustande, das man normalerweise von heißgelaufenen, aufgedrehten JVMs kennt.

Für einen kurzen, unmittelbaren Vergleich, spielen wie eine Riff-Variation mit identischen Einstellungen, sowohl beim 19 als auch 22 Modus. Ersichtlich wird, dass sie sich erstmal nicht so wirklich unterscheiden – und dass der Unterschied zum Tragen kommen, wenn man mit den beiden Volume-Heads arbeitet.

Der knarzige und bissige Plexi-Sound klingt nahe am Vorbild. Ein PLEXI hat schon ein ganz eigenes Low-End, manchen ist es zu wenig, manchen zu viel, manchen matscht er zu viel zu. Wir agieren mit dem Volume 1 Poti, um die Treble-Präsenz herauszukitzeln. Das leicht „Schaumige“, speziell bei abgedämpften Riffs, kennt man tatsächlich von Plexis. Wir demonstrieren darüber hinaus den Variac-Regler und drehen ihn langsam zunehmend hoch. Man kann förmlich spüren, wie der Kleine hier zu Leben kommt. Es knarzt, es beißt, es setzt sich durch. Speziell für den Live-Gebrauch dürfte die Mittenthematik des Room #40 viel wert sein.

Die bisherigen Klangbeispiele wurden mit dem Humbucker an der Bridge-Position meiner Godin HSS Strat gespielt. Wir vermitteln aber noch mal ein Klangbild mit dem Singlecoil. Auch hier zeigt sich: Dieses „Muffige“, das viele Amp-in-a-box-Geräte haben, wird hier gekonnt umgangen. Dieser Breakup-Touch lässt mich nicht los – funktioniert auch wirklich gut mit den Coils. Es geht um diese bissigen Mitten, wenn man schon einen „Marshall-in-a-box“ haben will, diesen Druck, den ein Marshall 1959 oder Plexi vermitteln kann, ohne die Höhen zu zermatschen. Mir ist nicht ganz klar, wie die Jungs das geschafft haben – auf der Website ist vom Trial-and-Error-Prinzip die Rede – aber speziell in der Interaktion der beiden Volume-Heads lassen sich eine Menge kultiger Sounds rausholen. Das Gerät klingt besser als viele digitale Marshalls. Der Clean-Kanal des digitalen Amps jedenfalls lässt erahnen: Wer mit dem Room #40 an einen Amp geht, kann bisweilen verblüffende Resultate erzielen. Wäre zum Beispiel nicht uninteressant, den Marshall-Sound des Room #40 durch den Zerrkanal eines Orange Rockerverbs zu jagen. Oder den Clean-Kanal eines Laney.

 

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Fazit

Zerren gibt’s wie Sand am Meer – mit dem Room #40 haben Tsakalis AudioWorks aber was Besonderes hingekriegt: eins der besseren Plexi-in-a-box-Pedale auf dem Markt, dessen JCM & JVM Modus fast noch besser klingt. Ordentlich Low-End, ordentlich Transparenz, präsente Höhen, drückende Mitten: Die Marshall Essenz haben die Jungs aus Athen problemlos eingefangen. Guter Preis, gute Sounds, gut verarbeitet.

Plus

  • tolles Prinzip
  • Cross-Fades der Volume-Heads erlaubt viel Spielraum
  • bissige Marshall Sounds

Preis

  • 239,- Euro
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Klangbeispiele
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  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Nach meinem persönlichen Geschmack leidet die Aussagefähigkeit der Audiofiles etwas unter den „digitalen Laborbedingungen“ 😉.
    Einen Simulator in einen Simulator routen ist ja kein Verbrechen …

    Es wäre aber toll gewesen, wenn Du zum Vergleich noch Beispiele für den den „klassischen“ Signalweg … also pber einen echten AMP gehabt hättest.

    So weiß ich jetzt nicht so recht, ob dass mitunter etwas höhenlastige Klangbild vom Pedal oder vom Quad oder von beiden kommt.

    Ironie an:
    Es kann natürlich sein, dass Du Sekundär-Werbung für das Quad-Cortex betreiben wolltest😉.
    Ironie aus.

    …. trotzdem ein interessantes Pedal.

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