Test: U-He Bazille, Software-Synthesizer

Oszillatoren

Die Oszillatoren gehören gewiss zu den interessantesten und komplexesten Modulen von Bazille und verfügen über eine Vielzahl von Parametern, deren Sinn und Zweck sich einem nicht auf den ersten Blick erschließen.

Komplex und ungewohnt: der Aufbau der Oszillationen

Komplex und ungewohnt: der Aufbau der Oszillationen

Gehen wir mal der Reihe nach.

Oben links finden sich zwei Regler für die Stimmung, „Tune“ und „Modify“. Der Tune-Regler kennt fünf verschiedene Betriebsarten: Semitone erlaubt eine Stimmung in 24 Halbtönen; Overtone folgt der natürlichen Obertonskala (auch Naturtonreihe genannt) und eignet sich für FM-Klänge, und Undertone ist sein Pendant für Subharmonische Frequenzen. Diese drei Betriebsarten eignen sich v.a. für tonales Spiel der Oszillatoren. Schließlich lassen sich die Oszillatoren auch in Hertz (zwischen 0 und 24 Hz) oder als Vielfaches der anliegenden MIDI-Clock („Clocked“) betreiben, was v.a. für LFOs sinnvoll ist.

Modify beeinflusst die Grundstimmung des Tune-Reglers und kennt auch verschiedene Betriebsarten: er kann zwecks Feinstimmung die Frequenz um plus/minus 100 Cent anpassen oder in der Betriebsart Multiply die Grundfrequenz mit einem festen Wert multiplizieren und wird somit zu einer Art Oktavwahlschalter. Ferner sind noch die Modi 5 Hertz (Regelung der Frequenz um maximal plus/minus 5 Hertz) und Beats (Justierung, die sich relativ zum Tempo der Hostsoftware verhält) zu nennen. So sehr ich dieses flexible System der Frequenzkontrolle schätze, so vermisse ich dennoch einen designierten Fine Tune Knopf, um beispielsweise die Grundfrequenz zu multiplizieren und gleichzeitig ein klein wenig gegenüber den anderen Oszillatoren zu verstimmen.

Die Parameter in U-He Bazille werden übrigens unabhängig von der gewählten Betriebsart stets in relativen Werten angegeben, „Modify 7“ kann also „7 mal 0,1 Hertz“ oder auch „7 mal 2 Cent“ bedeuten. Alles folgt einer streng mathematischen Logik, die Intuition bleibt da manchmal außen vor.

Die Tonhöhe kann moduliert werden, auch hier lässt sich der Wirkungsbereich wählen (maximal 100 Cent oder 5 bzw. 50 Halbtöne).

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    nativeVS  

    Mann kann doch für kleine verstimmungen den u-he feintrieb verwenden (bei windows shift gedrückt halten und poti drehen).
    Die effekte sind halt erst nach den abschwächern, da sie monophon gehalten wurden. Würde man die effekte in die signalkette integrieren müssten sie polyphon aufgebaut sein. Ausserdem kann man die reihenfolge der effekte zueinander ändern.

  2. Profilbild
    tompisa

    DAS nenn ich einen Test. Vielen Dank für den Hinweis , dass das Teil endlich geboren ist und vor allen Dingen Danke bezogen auf den hervorragend geschrieben Testbericht samt pers. Einschätzungen und Klangbeispielen.

  3. Profilbild
    Triple-U

    Hallo Martin, das mit den Polyrythmen musste ich gestern gleich mal ausprobieren. Mit dem Mod-Sequenzer geht das wirklich nicht. Aber mit einer Kombination aus LFO, Mapping Generators, evtl. auch den Stack Voices kann man sehr viele rythmische Kombinationen (z.B. 7/4 auf 3/4 aber auch viel abgedrehtere Sachen) verwirklichen. Als kleine Rätselaufgabe… ;)

    Mit dem Sequencer wäre es vllt. praktischer und man würde nicht so viele Module verbrauchen, aber man würde auch nicht auf NOCH ungewöhnlichere Rythmen kommen.

  4. Profilbild
    Urs  

    Hi,

    das ist ein super Test, vielen Dank!

    Kleine Anmerkung: Die Effekte lassen sich per Drag’n’Drop in der Reihenfolge verändern. Dort ist momentan noch dasselbe Bedienelement am Werke, das auch in Zebra die modulare Verschaltung ermöglicht. Da dies leider etwas unkomfortable ist, habe ich vor, dieses noch vor dem offiziellen Release für Bazille’s Bedürfnisse zu verbessern, weshalb dies auch noch nicht vollständig im User Guide berücksichtigt ist – und wer weiß, vielleicht erlauben wir auch eines Tages paralelle Verschaltungen.

    Allerdings wird es sehr schwiereig, die Parameter der Effektsektion über Kabel zu kontrollieren. Alles was verkabelt ist, ist ja polyphon. Wenn man mit sowas dann die Effekte steuert wird’s schnell brenzlig. Das wäre eher was für eine monophone Variante, die dann auch bei losgelassenen Tasten noch prozessiert.

    LG,

    – Urs

    • Profilbild
      Martin Andersson  RED

      Hallo Urs

      danke für Deinen ausführlichen Kommentar. Was Du schreibst, leuchtet natürlich ein. Wie ich schon im Text schrieb, ist meine Kritik an den Effekten als Anregung gedacht.

      Hingegen ist die fehlende Potiskalierung durchaus ein Problem, zumindest für meine Wenigkeit. Aber vielleicht habe ich da auch etwas Fundamentales übersehen?

      Alles in Allem ist dies ein wunderbarer, modularer Software Synthesizer, der mich (beinahe) wunschlos glücklich macht.

      Lieben Gruß

      Martin

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