Test: U-He Bazille, Software-Synthesizer

Sequencer

Der Stepsequencer verfolgt einen etwas ungewohnten und dennoch ziemlich intuitiven Ansatz. 16 bipolare Schieberegler definieren die Werte der ebenso vielen Schritte. Bei jedem vierten Schritt kann die Sequenz abgegriffen werden und wird dann automatisch an der besagten Stelle geloopt.

Über eine Art Wahlrad erhält man Zugang zu insgesamt acht Sequenzen, zwischen denen in stufenloser Geschwindigkeit gemorpht wird, was wiederum durch eine externe Quelle gesteuert werden kann. Klanglich ziemlich interessant.

Der Sequencer ist herstellerseitig in Vierteltönen gerastert, so dass der Wert 24 einer Oktave entspricht, 14 einer Quinte und 6 einer kleinen Terz. Hier ist wieder mal Rechnerei angesagt.

Hätte ich drei Wünsche frei, so wären dies einerseits eine Aufnahme-Funktion, mit der man eine Sequenz kurzerhand mit dem Keyboard einspielen könnte. Damit ließe sich viel Zeit sparen. Ferner wünschte ich mir eine mögliche Begrenzung der Sequenzen auf jede beliebige Schrittlänge. Es soll nämlich Musiker geben, die sich auch in der elektronischen Musik mit sogenannt ungeraden Rhythmen beschäftigen; ich selbst experimentiere sehr gerne mit Fünfer, Neuner, Elfer oder Vierzehner Rhythmen, was mit dem Bazille Sequencer schlicht nicht möglich ist.

Und schließlich vermisse ich eine Speicherfunktion für Sequenzen, um diese für verschiedene Klangprogramme zu nutzen.

Der Sequenzer von Bazille.

Der Sequencer von Bazille

 

Mapping Generators

Die Mapping Generators sind in erster Linie frei definierbare, grafische Wertetabellen mit Werten zwischen 2 und 128. Dies geschieht mit einer von vier Betriebsarten: Mit jeder neu gespielten Taste wird der nächste Wert abgerufen (Alternate), jeder Taste wird ein eigener, statischer Wert zugewiesen (Key) oder die Mapping Generators werden von einer beliebigen Modulationsquelle durchgefahren, entweder in gestuften Werten (Map Quantize) oder geglättet (Map Smooth). In Kombination mit einer ADSR lässt sich so beispielsweise eine mehrstufige Hüllkurve erzeugen.

Mit der Maus lassen sich beliebige Verläufe zeichnen, diese lassen sich anschließend auf bestimmte Wertstufen quantisieren, invertieren oder spiegeln (ein Rechtsklick zeigt zahlreiche Optionen an). Außerdem kann man einige vordefinierte Formen laden, beispielsweise ein Dreieck oder Sinus, was insbesondere dann sinnvoll ist, wenn der Mapping Generator die Schwingungsform eines Oszillators definiert.

Der Mapping Generator.

Der Mapping Generator

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    nativeVS  

    Mann kann doch für kleine verstimmungen den u-he feintrieb verwenden (bei windows shift gedrückt halten und poti drehen).
    Die effekte sind halt erst nach den abschwächern, da sie monophon gehalten wurden. Würde man die effekte in die signalkette integrieren müssten sie polyphon aufgebaut sein. Ausserdem kann man die reihenfolge der effekte zueinander ändern.

  2. Profilbild
    tompisa

    DAS nenn ich einen Test. Vielen Dank für den Hinweis , dass das Teil endlich geboren ist und vor allen Dingen Danke bezogen auf den hervorragend geschrieben Testbericht samt pers. Einschätzungen und Klangbeispielen.

  3. Profilbild
    Triple-U

    Hallo Martin, das mit den Polyrythmen musste ich gestern gleich mal ausprobieren. Mit dem Mod-Sequenzer geht das wirklich nicht. Aber mit einer Kombination aus LFO, Mapping Generators, evtl. auch den Stack Voices kann man sehr viele rythmische Kombinationen (z.B. 7/4 auf 3/4 aber auch viel abgedrehtere Sachen) verwirklichen. Als kleine Rätselaufgabe… ;)

    Mit dem Sequencer wäre es vllt. praktischer und man würde nicht so viele Module verbrauchen, aber man würde auch nicht auf NOCH ungewöhnlichere Rythmen kommen.

  4. Profilbild
    Urs  

    Hi,

    das ist ein super Test, vielen Dank!

    Kleine Anmerkung: Die Effekte lassen sich per Drag’n’Drop in der Reihenfolge verändern. Dort ist momentan noch dasselbe Bedienelement am Werke, das auch in Zebra die modulare Verschaltung ermöglicht. Da dies leider etwas unkomfortable ist, habe ich vor, dieses noch vor dem offiziellen Release für Bazille’s Bedürfnisse zu verbessern, weshalb dies auch noch nicht vollständig im User Guide berücksichtigt ist – und wer weiß, vielleicht erlauben wir auch eines Tages paralelle Verschaltungen.

    Allerdings wird es sehr schwiereig, die Parameter der Effektsektion über Kabel zu kontrollieren. Alles was verkabelt ist, ist ja polyphon. Wenn man mit sowas dann die Effekte steuert wird’s schnell brenzlig. Das wäre eher was für eine monophone Variante, die dann auch bei losgelassenen Tasten noch prozessiert.

    LG,

    – Urs

    • Profilbild
      Martin Andersson  RED

      Hallo Urs

      danke für Deinen ausführlichen Kommentar. Was Du schreibst, leuchtet natürlich ein. Wie ich schon im Text schrieb, ist meine Kritik an den Effekten als Anregung gedacht.

      Hingegen ist die fehlende Potiskalierung durchaus ein Problem, zumindest für meine Wenigkeit. Aber vielleicht habe ich da auch etwas Fundamentales übersehen?

      Alles in Allem ist dies ein wunderbarer, modularer Software Synthesizer, der mich (beinahe) wunschlos glücklich macht.

      Lieben Gruß

      Martin

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