Test: Ultrasone Pro 900i, Studiokopfhörer

27. April 2020

Kopfhörer mit S-Logic

ultrasone pro 900i test

Ultrasone Pro 900i, Studiokopfhörer

Der bayerische Hersteller Ultrasone bietet mit dem Pro 900i einen professionellen Studiokopfhörer an. Insgesamt fünf Modelle mit dem Zusatz „i“ findet man im Repertoire des Unternehmens, wobei der Pro 900i hiervon das vermeintlich beste, aber auch das teuerste Modell ist. Wir haben uns den Pro 900i einmal näher angeschaut und angehört.

Erster Eindruck

Gut verarbeitet, wenn auch nicht wirklich road-tauglich – so der erste Eindruck des Ultrasone Pro 900i. Einen stabilen Eindruck macht der Kopfhörer allemal und ist damit für den Studiobetrieb ausreichend gut ausgelegt. Ultrasone setzt, wie auch bei den anderen Kopfhörern der i-Serie, auf Kunststoff. Entsprechend leichtgewichtig ist der 900i und bringt 295 Gramm auf die Waage. Das ist ein mehr als erträgliches Gewicht, das sich auch im Tragekomfort widerspiegelt. In Kombination mit dem durchgehend gepolsterten Kopfbügel verteilt sich das Gewicht des Kopfhörers gleichmäßig und längere Sessions sind ohne Weiteres möglich. Auf beiden Seiten lässt sich der Kopfhörer um knapp 3 cm ausfahren, das sollte auch für größere Köpfe ausreichend sein. Die eingestellte Größe bleibt auch nach mehrmaligem Auf- und Abziehen erhalten.

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Der Anpressdruck fällt beim Ultrasone Pro 900i moderat aus. Er sitzt gut auf, drückt aber nicht zu sehr auf den Kopf. Beat-mäßiges Wippen mit dem Kopf macht er sehr wohl mit, Headbangen sollte man nach Möglichkeit aber vermeiden. Für den Studioeinsatz passt das alles, der Pro 900i macht hier eine sehr gute Figur.

Das austauschbare Kabel kann auf der linken Seite des Kopfhörers angeschlossen werden. Zur Wahl stehen ein rund 3 m langes gerades Kabel mit 3,5 mm Klinkenstecker sowie ein Spiralkabel, das auf einem 6,3 mm Klinkenstecker endet. Beide Kabel liegen dem Pro 900i bei. Am Kopfhörer werden die Kabel über einen 3,5 mm Klinkenstecker befestigt. Dieser lässt sich fest verschrauben, ein unbeabsichtigtes Herausziehen ist damit ausgeschlossen.

Alles zusammen bekommt man in einem stabilen Transport-Hardcase aus Stoff geliefert. Hierhin lässt sich der Kopfhörer nicht nur gut aufbewahren, sondern auch transportieren.

Hinsichtlich der Optik präsentiert sich der Pro 900i dezent. Der Aufbau ist geradlinig, bei der Farbe dominiert das klassische Schwarz. Lediglich die Außenseiten der Ohrmuscheln glänzen in einem hellen Silber. Die Ohrmuscheln sind innen mit Samt ausgekleidet, was zu einem sehr weichen Auflegen auf den Ohren führt. In der Vergangenheit hatte ich schon den einen oder anderen Kopfhörer mit Samt-Ohrmuscheln bei mir, die recht schnell warm und unangenehm wurden. Beim Pro 900i ist das zum Glück nicht der Fall. Gepaart mit dem moderaten Anpressdruck und dem geringen Gewicht ergibt sich somit trotz der geschlossenen Bauweise ein lockeres und angenehmes Tragegefühl.

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Die Ohrmuscheln des Pro 900i sind mit einem cleveren Mechanismus am Kopfhörer befestigt. Mit einer Art Bajonettverschluss lassen sich diese auf einfache Art und Weise vom Kopfhörer lösen.

Technik

Der geschlossene, dynamische Kopfhörer Pro 900i bietet laut Ultrasone einen Frequenzgang von 6 bis 42.000 Hz. Die Impedanz liegt mit 40 Ohm im unteren Bereich, der maximale SPL wird mit 96 dB angegeben. Wie so oft sagen die technischen Werte aber nur relativ wenig über den Klang aus, diesem widmen wir uns im nächsten Abschnitt.

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Als geschlossener Kopfhörer eignet sich der Pro 900i vor allem für die Bereiche Recording und Monitoring. Zwar ist es grundsätzlich nicht ausgeschlossen, geschlossene Kopfhörer auch für Mix und Mastering zu nutzen, vor allem weil es mit ADAM SP-5 und Neumann NDH20 durchaus Kopfhörer gibt, die hier einen sehr guten Spagat schaffen und in ihrem Einsatzgebiet sehr breit aufgestellt sind. In der Regel erhält man über geschlossene Kopfhörer aber einen sehr kompakten und engen Sound, der sich teils auch im Mix widerspiegeln kann.

Eine Besonderheit einiger Ultrasone Kopfhörer zeigt sich in Form der „S-Logic Plus“ Technologie. Ultrasone platziert die Schallwandler des Kopfhörers nicht wie üblich mittig, sondern versetzt sie nach vorne und unten. Hierdurch wird der Schall zunächst auf das Außenohr gelenkt und die Anatomie der Ohrmuschel in das Hören mit einbezogen. Die räumliche Wahrnehmung soll hierdurch verbessert werden.

Bereits von außen erkennt man die gegenüber anderen Kopfhörern andere Position der Schallwandler.

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Neben der verbesserten räumlichen Wahrnehmung soll die S-Logic Technologie gleichzeitig die Ohren schonen. Bei gleichbleibendem Lautstärkeempfinden benötigt der Kopfhörer einen um rund 3-4 dB reduzierten Schalldruck. Dass diese Technologie teilweise in Richtung „Effekt“ tendieren kann, habe ich bei einigen Ultrasone Modellen bereits erlebt. Daher bin ich gespannt, wie sich der Pro 900i letztlich anhört.

Klang

Wie üblich muss sich der Kopfhörer an verschiedenen Signalquellen beweisen. Neben dem Kopfhörerausgang einer RME HDSP Karte kommen u. a. ein Mackie 1604, ein iPhone und ein SPL Phonitor Mini zum Einsatz. Neben aktuellen elektronischen Produktionen werden akustische Live- und Studioaufnahmen, klassische Orchestermusik und aktuelle Pop-/Rock-Produktionen über den Ultrasone angehört. Der offene AKG K812 Pro dient hierbei als Vergleich.

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Das Klangbild des Pro 900i präsentiert sich beim Einstieg sofort mit einem ordentlichen Bassfundament. Passend für elektronische Produktionen oder Hip-Hop-Songs ist mir das bei anderen Songs deutlich zu viel. Für Gesangs- oder Instrumentenaufnahmen mag das unter Umständen okay sein, bei Mix und Mastering hätte ich wohl meine Probleme. Auch kommt mir der Kopfhörer in diesem Frequenzbereich etwas behäbig rüber, denn beispielsweise agiert er bei kurzen Kickdrum-Anschlägen nicht so schnell und zackig wie der K812.

Schön klar, deutlich und detailliert bringt der Pro 900i dagegen Gesangsstimmen ans Ohr. Der obere Mittenbereich gefällt mir hierbei besonders gut. Hier werden auch frequenzähnliche Instrumente gut und differenziert abgebildet. Auch im Höhenbereich gibt der Ultrasone keinen Anlass zur Kritik. Er wird nie scharf, ist bei schlecht gemixten Höhen aber auch nicht zu gnädig und bringt den hohen Frequenzbereich klar und brillant ans Ohr.

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Punkten kann der Pro 900i auch bei der räumlichen Darstellung. Vor allem Live-Konzerte präsentiert der Kopfhörer von Ultrasone toll, einzelne Signale lassen sich sehr gut orten und getrennt wahrnehmen.

Fazit

Mit dem Pro 900i hat Ultrasone einen professionellen Studiokopfhörer im Programm, der gut verarbeitet ist und einen großen Lieferumfang inklusive Transport-Box und zwei Kabeln bietet. Die Verarbeitung ist sehr gut.

Die räumliche Darstellung des Kopfhörers ist sehr gut, die hauseigene S-Logic Technologie von Ultrasone scheint hier gut zu funktionieren. Als geschlossener Kopfhörer ist der Pro 900i für Aufnahmen und das Monitoring geeignet und macht in diesen Disziplinen eine gute Figur. Aufgrund des sehr prominenten Bassbereichs sollte man für Mix und Mastering allerdings auf andere Kopfhörer zurückgreifen.

Plus

  • Verarbeitung
  • Lieferumfang
  • gute räumliche Darstellung

Minus

  • Bassbereich

Preis

  • 389,- Euro
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