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Test: Zoom G6, Multieffekt-Pedal für E-Gitarre

8. Juni 2021

Das Zoom G6 - Spielerfreundlich, Carbon-Optik und Bluetooth!

Wenn es um den Bereich der Multieffekt-Prozessoren geht, ist die Firma Zoom wahrlich ein alter Bekannter in der Szene. Die Firma hat in so ziemlich jeder Preisklasse ein Floorboard im Angebot, welches den Klang der Gitarre in den wichtigsten Effektparametern bearbeiten kann. Beschränkten sich die ersten Modelle im Gain-Bereich noch auf die Emulation der wichtigsten Overdrive- und Distortion-Pedale, hat sich natürlich auch bei Zoom in den letzten Jahren die Prämisse eindeutig hin zur Nachbildung der gängigsten Verstärkermodelle inklusive ihrer Mikrofonabnahme entwickelt. Inwieweit Zoom dies mit dem neuen Zoom G6 gelungen ist, soll dieser Test zeigen.

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Der Ansatz des Zoom G6

Mit einem Ladenpreis von 399 Euro befindet sich das Zoom G6 im unteren Segment der Multieffekt-Prozessoren, was sich jedoch nicht unbedingt auf die Qualität der Algorithmen auswirken muss. Natürlich ist sich jeder darüber im Klaren, dass man im Allgemeinen ohnehin und für den oben genannten Ladenpreis im Besonderen keinen Vollröhren-Head inklusive einer hochwertigen Mikrofonierung 1:1 akustisch abbilden kann, aber ein möglichst authentisches Anlehnen an das Original ist dennoch sehr willkommen.

Test: Zoom G6, Multieffekt-Pedal für E-Gitarre

Doch man gestatte mir die Frage, warum sollte man überhaupt auf einen externen Floorboard-Prozessor zurückgreifen, wenn die meisten DAWs doch schon intern über jede Menge Plug-ins verfügen, welche die wichtigsten Verstärkertypen „nachbauen“. Sagen wir es einmal so, wer die Erfahrung hat, mit den Originalen in Form von Head, Cabinet und Mikrofon gearbeitet zu haben oder sie vielleicht sogar besitzt, kann zum Beispiel über die internen Logic Plug-ins nur noch laut lachen. Die klangliche Ausbeute ist so erbärmlich, dass es noch nicht einmal für eine Demo-Produktion reicht, geschweige denn für eine professionelle Aufnahme.

Des Weiteren kämpft man im Plug-in-Bereich immer mit dem Problem der Latenz, losgelöst davon, wie hoch die Leistungsfähigkeit des Rechners letztendlich ist. Bei einer Hardware -ösung hat man zumindest während des Einspielens über ein Direct-Monitoring die Möglichkeit, sein Timing zu optimieren. Wer also nicht die Möglichkeit hat, sein Instrument perfekt zu mikrofonieren, findet in einem entsprechenden Hardware-Prozessor eine schnelle und unkomplizierte Lösung für die Direkteinspeisung ins Interface, respektive USB-Anbindung bzw. eine umfangreiche Übungsmöglichkeit für die täglichen Fingerübungen. Genau hier setzt der Zoom G6 an.

Test: Zoom G6, Multieffekt-Pedal für E-Gitarre

Zoom G6 Profil 2

Die Konzeption des Zoom Multieffektpedals

Wie auch in anderen asiatischen Geräten ähnlicher Bauart, protzt auch der Zoom G6 ähnlich wie bei aktuellen Waschmaschinen mit ihren unzähligen Sonderprogrammen mit einer umfangreichen Auflistung von Speicherplätzen und Effektketten. 240 Patches bei 100 Speicherplätzen, 7 Effekte zzgl. der Verstärkersimulationen täuschen nicht darüber hinweg, dass sofern man nicht in mehreren Combos mit unterschiedlichen Sounds spielt, man in der Praxis zumeist mit einem Bruchteil der Möglichkeiten auskommt. Sie dennoch zu haben, ist auf jeden Fall hilfreich.

Verbaut wurde das System in ein Gehäuse aus Kunststoff, welches jedoch aufgrund seiner Carbon-Optik hübsch wirkt und auch einen Kunststoff der höheren Qualität verbaut hat. Brüche oder mangelhafte Versteifungen wie man sie von anderen Produkten in dieser Preisklasse her kennt, sind bei diesem Produkt nicht zu befürchten. Die Bodenplatte hingegen ist aus Metall. Das nötige Netzteil, welches extern verbaut ist, wird mitgeliefert. Mit den Abmessungen (B x T x H): 418 mm x 228 mm x 65 mm und einem Gewicht von 2 kg besitzt der Prozessor eine mittlere Größe, ist aber vergleichsweise leicht und somit einfach zu transportieren. Sechs hochwertige Druckschalter, 4 Drehregler und ein Touch-Display verwalten das Board. Zudem besitzt das Produkt eine mittelgroße Kombination aus Wah- und Expression-Pedal, welches über eine hochwertige Auflage aus Hartgummi verfügt. Der Regelweg ist für meinen Geschmack ein wenig kurz geraten, lässt sich aber noch gut handhaben und dosieren. Wie ebenfalls heutzutage üblich, verfügt das Zoom G6 zusätzlich über einen Looper und eine Drum-Machine zwecks Übungsunterstützung.

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Test: Zoom G6, Multieffekt-Pedal für E-Gitarre

Zoom G6 Rückseite

Die Anschlüsse des Zoom G6 Effektgerät

Alle Anschlüsse des Zoom G6 befinden sich auf dessen Stirnseite. Neben dem Input befindet sich von links nach rechts ein Miniklinken-Aux-In für den Anschluss externer Player, gefolgt von einem seriellen FX-Loop, um den Anschluss externer Pedale zu ermöglichen. Es folgt ein Stereoausgang über 2 Klinkenbuchsen, wobei der linke Ausgang für den Mono-, respektive Kopfhörerbetrieb verwendet werden kann. Den endgültigen Ausgangspegel bestimmt ein Master-Drehregler. Über einen Control In können bei Bedarf weitere Expression-Pedale angeschlossen werden.

Über einen SD-Slot können entsprechende Speicherkarten für einen erweiterten Loop-Betrieb verwendet werden. Wie auch bei einigen anderen Zoom Produkten, verfügt der Zoom G6 über eine Bluetooth-Adapter-Schnittstelle, bei der man mittels des separat zu erwerbenden BTA-1 Adapters das Pedal über die passende App über sein Mobil-Device fernsteuern kann. Im Studio oder auf einer regulären Bühne mag dies bei einem Floorboard eher weniger Sinn machen, aber zum Beispiel bei Theateraufführungen oder ähnlichen Veranstaltungen, wo der musikalische Leiter schon bei dem Anblick eines Gitarrenkabels die Krise bekommt, mag dies durchaus Sinn ergeben. Abschließend findet man rechts außen noch einen Mini-USB-Anschluss für 2-faches In und Out, den Netzschalter und die Buchse für das Netzteil.

Test: Zoom G6, Multieffekt-Pedal für E-Gitarre

Zoom G6 Expression-Pedal-Schalter

So klingt der Sound des Zoom G6 in der Praxis

Nach dem Aktivieren des Geräts durchläuft das Zoom G6 einen kurzen Startup-Prozess und zeigt sich schon nach wenigen Sekunden einsatzbereit. Das Konzept des Prozessors ist faktisch selbsterklärend. Über den Play-Mode-Schalter schaltet man zwischen den verschiedenen übergeordneten Menüs hin und her, die sich in die Bereiche Effect Board, Bank/Patch, Memory und Looper unterteilen. Je nachdem, welches Menü gewählt wurde, verändern sich die Schriftfarben und die Funktionen der vier unteren Schalter.

Über den Effect-Board-Bereich kann man die jeweiligen Pedal-Emulationen ein- und ausschalten, welche man vorher im Bereich der vier Drehregler auf den persönlichen Geschmack hin optimiert hat. Im Bereich Bank/Patch schalten die beiden linken Schalter zwischen den 60 verschiedenen Bänken, die beiden rechten Schalter die je 4 unterschiedlichen Patches. Im Memory-Modus werden die aktuelle Bank sowie die darin enthaltenen 4 Patch-Speicher im Touchscreen eingeblendet und können dann durch einmaliges Tippen ausgewählt werden. Der Looper-Bereich hingegen wandelt die Fußschalter in die klassischen Funktionen wie Rec, Play, Stop, Undo, Redo und Clear.

Schauen wir uns zunächst einmal das Expression-Pedal an. Von der Haptik her macht es einen robusten Eindruck, jedoch muss man sich zunächst an den Aktivierungsprozess gewöhnen. Unterhalb der Fußspitze befindet sich ein kleiner Druckschalter, welcher aktiviert wird, indem man eine Hartgummifläche unterhalb des Pedals zusammendrückt und damit einen Kunststoffstift gegen den Schalter drückt. Einen echten Druckpunkt gibt es nicht, somit auch kein haptisches Feedback, ob das Pedal aktiviert wurde. Lediglich ein roter LED-Balken oberhalb des Tuner-Switches informiert über die Aktivierung des Pedals. Im Prinzip funktioniert das System, aber sofern man vom klassischen Cry Baby und Konsorten kommt, muss man sich unter Umständen an diese Handhabung gewöhnen.

Kommen wir nun zum Klang des Prozessors. Kurz gesagt, er klingt seinem Ladenpreis angemessen. Wer eine hochwertige Emulation der klassischen Verstärker/Cabinet/Mikrofon-Kombinationen erwartet hat, die sich nur marginal vom Original unterscheidet, wird unter Umständen etwas enttäuscht werden. So viele Kombinationsmöglichkeiten der Prozessor auch bietet, so schön das Touch-Pad auch die einzelnen Effekte bzw. Verstärkermodelle abbildet, alle Sounds leiden unter einem latent dumpfen, zuweilen auch undynamischen Grundklang, denen der „Esprit“ der Originale fehlt.

Für den täglichen Übungsbedarf über Kopfhörer oder PC-Boxen, das schnelle Festhalten von Songideen zzgl. einfacher Drum-Arrangements bietet der Zoom G6 jede Menge Tools für ein effektives Arbeiten und viel Freude am Produkt, aber für ein ambitioniertes Aufnehmen in einem prof. Studio reicht die Klangqualität leider nicht aus. Ich bin allerdings auch sicher, dass die Japaner mit diesem Prozessor keinen Angriff auf die Kemper Liga erreichen wollten, sondern dem User ein einfach zu bedienendes Tool mit einer ansprechenden Optik und einer guten Verarbeitung zugänglich machen wollten, was ihnen zweifelsohne gelungen ist.

Test: Zoom G6, Multieffekt-Pedal für E-Gitarre

Zoom G6 im Einsatz

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Fazit

Mit dem Zoom G6 führt das japanische Unternehmen einen Multi-Funktions-Prozessor in seinem Portfolio, welcher mit guter Verarbeitung, viel Speicherplatz und flexibler Benutzung glänzt. Die optische Umsetzung der einzelnen Sounds ist ansprechend, die Handhabung intuitiv, so dass es auch ungeübten Usern leichtfällt, binnen kurzer Zeit praxisgerechte Sounds zu finden.

Wer mit dem durchschnittlichen Sound der einzelnen Presets gut klarkommt, sollte das Gerät einmal antesten.

Plus

  • Verarbeitung
  • Konzept
  • Optik

Minus

  • durchschnittliche Klangqualität

Preis

  • 399,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
    • Profilbild
      Eibensang  

      Davon, befürchte ich, werden die meisten Sounds nur spitzer und ggf. schriller, nicht aber differenzierter, tiefenschärfer/transparenter oder gar dynamischer. Das „Muffige“ an solchen Klängen ist eher Symptom als Ursache (schon gar nicht alleinige oder vorwiegende).

      Ich kenne das obige Gerät nicht, meine Annahme resultiert aus Erfahrungen mit (vergleichsweise) unzureichenden Modeling-Sounds generell – unabhängig von Gerätemodellen und Herstellern.

    • Profilbild
      someuser

      so einen „Test“ bei dem der Autor scheinbar in ca. 1h mal kurz durch die Presets geschaltet hat, kann man sich sparen.
      Wer glaubt dass er mit einem 1500€ Kemper oder 1000€ Helix besser klingt muss eben sowas kaufen, sei diesen Herstellern gegönnt. Gutes Marketing z.B. durch Support von bekannten Bands ist natürlich nicht umsonst.
      Röhrenverstärker gibt es ab 200€ bis 4000€ mit welchem Gerät soll man ein Multieffekt nun dabei vergleichen? Von den möglichen Varianten bei Box und Microphon ganz abgesehen?
      Zoom Multieffekte sind meiner Meinung nach die underrated underdogs, zu günstig um gut genug zu sein zu schlechtes Image um damit als „Profi“ gesehen werden zu wollen.
      Und in einem hat der Autor vermutlich dann auch Recht, wenn man sich ein High End Gerät leisten kann oder muss z.B. als kommerzielles Studio dann kommt keines der günstigeren Geräte in Frage. Nur wird auch z.B. mit 100 Kemper Profiles erstmal kein Lied besser ;)

  1. Profilbild
    Hein Schlau  AHU

    Irgendwie verpricht jeder 200 Euro-Combo + 2 Boss/Ibanez-Pedale nach Wahl mehr Spaß, auch wenn man dann nur ein paar Sounds hat. Und ich beziehe hier ausdrücklich Transistor-Verstärker oder diese kleinen Bantamp-Dinger mit ein.

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