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Test: Zoom H1n, Mobiler Audiorecorder

1. Juni 2018

Kleiner Recording-Mann mit großem Sound

zoom h1n

Mit dem Zoom H1n hat der Hersteller Zoom nach rund zwei Jahren sein Einstiegsmodell überarbeitet und präsentiert einen soliden Audiorecorder mit deutlich erweitertem Funktionsumfang. Natürlich sind Kompromisse bei einem budgetierten Modell nicht zu vermeiden und so ist es wie so oft eine Frage der persönlichen Anforderungen, ob die Balance zwischen Preis und Leistung schlussendlich stimmt. Die Ausstattung und der Klang können grundsätzlich überzeugen, so viel sei vorab schon mal verraten. Den Testbericht zum Zoom H1 Matte Black von Matthias Steinwachs können Sie übrigens hier nachlesen.

Um das Jahr 2010 waren mobile Recorder ein richtiger Hype, viele Hersteller glänzten mit immer neuen Ideen. Da wollte auch Zoom mitmischen und der H1 richtete sich nicht nur an Musiker, weshalb sich das Gerät auch im Elektronikfachmarkt erwerben ließ. Man setzte auf die bewährte Technik des H4n und erreichte dadurch eine zu diesem Preis phänomenale Klangqualität. Allerdings war es wohl um die Haltbarkeit nicht sehr gut bestellt, die Abdeckung für die Speicherkarte löste sich schnell, auch sollen sich Tasten aus dem Gerät verabschiedet haben. Die Probleme wird Zoom im Laufe der Zeit sicher gelöst haben, mit einigen limitierten Farbvarianten hat man das Angebot erweitert, einige Modelle haben sogar eine gummierte Oberfläche.

Was bietet der Zoom H1n?

Zoom H1n hinten links

Der Zoom H1n kann eine Menge mehr, vor allem auch wurden die Wiedergabefunktionen erweitert. A/B-Repeat, variable Abspielgeschwindigkeit und Sprachmodi sollen besonders die Wiedergabe von Sprachinhalten optimieren. Neue Slate- und Cue-Töne erlauben die AV-Synchronisation zu einer Digitalkamera. Ist diese am Audioausgang angeschlossen, lassen sich die Steuertöne beispielsweise zur Audiosynchronisation oder Pegelanpassung einsetzen.

Mit Overdubbing lassen sich auf einfache Weise Aufnahmen schichten, so dass man selbst ohne weitreichende Kenntnisse eine Performance nur mit dem Zoom H1n erstellen kann. Diese Funktion gibt es erst ab dem H4n und somit auch nicht beim Vorgänger. Die im Übrigen selektierten Mikrofonkapseln vertragen einen maximalen Schalldruck von 120 dB SPL. Laut Handbuch erreichen die Kapseln im 90-Grad-Winkel einen 3D-Sound, hier kommt das Marketing an Modebegriffen bei ansonsten unveränderter Bauart wohl nicht vorbei.

Der Zoom H1n ausgepackt

Zoom H1n schräg links

Dies ist sicher das unspektakulärste Kapitel dieses Tests. Denn neben einer mehrsprachigen Kurzanleitung, zwei Batterien und dem Recorder findet sich nur noch ein Stoffbeutel, in dem der Recorder geschützt wird, in der Verpackung des Zooms. Man könnte diesen behelfsweise auch als Schutzbeutel verwenden, dazu scheint er aber nicht gemacht. Die Kartonage wirkt für ein solch günstiges Gerät ansprechend und vermittelt einen Hauch von Wertigkeit.

Dem H1 wurde noch eine Micro-SD-Karte mit 2 GB Speicher beigelegt, die fand sich zumindest beim gelieferten Testexemplar des Zoom H1n nicht. Das ist auch nicht schlimm, bei meinem eigenen H2n habe ich diese nicht einmal ausgepackt, weil man ohnehin größere Karten einsetzen wird. Trotzdem verwundert das Vorgehen, denn über einen internen Speicher verfügt das Gerät nicht und ist keine Karte vorhanden, kann man auch nicht unmittelbar loslegen.

Zoom H1n linke Seite

Das handliche Gehäuse des Zoom H1n hat eine Länge von 132,5 mm, ist 50 mm breit und misst an der dicksten Stelle 32 mm, im vorderen Teil ist er etwa 2 cm dick. Mit rund 60 g wiegt er kaum mehr als ein Einfach-Handy und das Display mit seiner hellen Beleuchtung wirkt auch etwas antiquiert. Zumindest relativ, denn einerseits ist das Gebotene absolut zweckdienlich, in Zeiten günstiger Smartphones könnte man aber schon die Frage nach einem OLED- oder Farbdisplay stellen. Immerhin verbraucht ein transflektives LC-Display kaum Energie und stört auch weniger als hochgezüchtete Anzeigen. Sie lassen sich auch bei Sonnenlicht und mit deaktivierter Beleuchtung gut ablesen, von daher sicherlich eine gute Entscheidung.

Zoom H1n rechte Seite

Leider liegt mir der H1 nicht vor, so dass ich keinen direkten Vergleich in Haptik und Klang ziehen kann. Schlimm finde ich das aber nicht, denn so kann ich mich der Sache vorbehaltlos nähern. Das raue Plastikgehäuse ist leicht geschwungen und dem Preis absolut angemessen, die Tasten haben einen guten Druckpunkt und deutlich hörbare Knackfrösche darunter. Nicht aber die griffige und zentral platzierte Aufnahmetaste, so dass man den Beginn zumindest theoretisch nicht hört.

Links daneben befindet sich eine rote LED, welche über den Betriebszustand Aufschluss gibt und blinkt, wenn das Signal übersteuert. Das Tastenfeld ist gut strukturiert, vier Soft-Tasten befinden sich direkt unter dem Display, vier quadratisch angeordnete Tasten zur Transportsteuerung schließen das Tastenfeld unten ab.

Neu ist die mechanische Aussteuerung, das kleine Plastikrad ist allerdings aufgrund des wulstigen Gehäuses ergonomisch nicht sehr schön greifbar. Plastik ist übrigens auch das dominierende Thema, denn das betrifft sowohl die Mikrofonhalterung als auch die Buchsen und das Stativgewinde. Das muss man in diesem Preisbereich zwar in Kauf nehmen, in den stramm sitzenden Steckern und auch am Schraubgewinde sehe ich langfristige Problemzonen. Besonders Umwelteinflüsse werden die Haltbarkeit sicher begrenzen, zumal sich bei vorsichtigem Druck auch die beiden Mikrofonkapseln bewegen lassen. Dennoch muss der Hersteller die Geräte nach unten hin abgrenzen, der H2n wirkt diesbezüglich deutlich wertiger, ein Einsprechkorb in ähnlicher Manier hätte dem Zoom H1n sicher eher genützt als geschadet.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Numitron  AHU

    Kleine korrektur: der h1 hatte eine doppel a Batterie als Stromversorgung. Und der matte black vor 2 Jahren hatte nur eine neue Farbe. Der Rest des Geräts war mit dem originalen h1 identisch.

    • Profilbild
      Stephan Merk  RED

      Danke für die Ergänzung, ich habe mich da jetzt auf die Infos im Netz verlassen müssen. Da stand irgendwo etwas von einer Batterie. Ich hatte mich auch gewundert, hielt das aber für wahrscheinlich, weil das bei Olympus (LS-P2 und LS-P4) auch so ist.

  2. Profilbild
    Numitron  AHU

    Ich besitze einen h1. Für interviews in innenräumen oder demoaufnahmen im Proberaum für meine Zwecke völlig ausreichend. Aber im freien braucht man wie erwähnt einen guten windschutz.

  3. Profilbild
    Eibensang

    Verglichen mit dem Vorgänger H1 ist das Nachfolgemodell H1n nicht durchdacht. Die vermeintlichen Verbesserungen – mit Ausnahme des Gain-Rädchens vorne (das praktischer ist als die einstige seitliche Wippe) – laufen überwiegend ins Leere oder werden durch unerwartete Nachteile ganz ausgehebelt.

    Was bitteschön nützen mir schmucke Transporttasten vorn auf dem Gehäuse, wenn das Gerät kein einziges (via Rechner) umbenanntes File mehr erkennt? Nur automatisch generierte Filenummern zeigt das Display. Dieses aber sorgt für spürbar längere Hochfahr- und Umschaltzeiten – und erzwingt beim USB-Modus eine verstörend komplexe Eingabe über zwei Tasten, weil du vor jedem Überspielen erstmal die voreingestellte Interface-Option abwählen musst. Das war beim H1 automatisch besser gelöst. Wer nutzt denn so einen Taschenrecorder vorwiegend als Interface?

    Schade, dass der simple, aber umso praktischere Vorgänger H1 nicht mehr hergestellt wird. Allen, deren H1 noch funktioniert, empfehle ich tunlichst, dieses pfiffige Teil zu behalten. Freiwilliger Umstieg lohnt hier nicht.

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