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Vintage Guitar Classics: Framus 10940 Jan Akkerman (1974) E-Gitarre

Ein Signature-Modell für den Focus-Gitarristen Jan Akkerman

19. November 2022

Die Framus Jan Akkerman, Modell 10940, gehört zu den gesuchtesten deutschen E-Gitarren der 1970er-Jahre und war ein Signature-Modell für den Gitarristen der niederländischen Band Focus.

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Jan Akkerman und seine Band Focus

Focus? Hocus Pocus? Sylvia? House Of The King? Wem das alles nichts sagt, der, die oder das erfährt im folgenden Artikel so einiges über eine holländische Progressive-Rock-Band, die mal richtig groß war in Europa, ihren Gitarristen und ein ganz besonderes Instrument.

Ja, die Band Focus war Anfang der 1970er-Jahre ganz groß.Und das mit Instrumentalstücken! Flötist & Keyboarder Thijs van Leer gründete Focus 1969 gemeinsam mit dem Bassisten Martin Dresden, Drummer Hans Cleuver und dem 1946 in Amsterdam geborenen Gitarristen Jan Akkerman. 1970 erschien ihre erste LP ,In and Out Of Focus‘, 1971 folgten ,Moving Waves‘ und die skurrile Hit-Single ,Hocus Pocus‘ – und der internationale Durchbruch.

Fünf erfolgreiche Jahre und ein paar Alben später verließ Jan Akkerman die Band und startete eine eigene Karriere mit sehr vielseitiger Musik zwischen Rock, Pop und Jazz. Seine prominenten Nachfolger waren übrigens Philip Catherine und dann Eef Albers – wirklich ersetzt wurde er nie.

Jan Akkerman hatte schon vor Focus erfolgreich in der Band Brainbox gespielt, 1973 wurde er vom britischen Musikmagazin Melody Maker zum weltbesten Gitarristen gewählt. Mitte der ’70er arbeitete Akkerman auch kurz mit dem niederländischen Kult-Rocker Herman Brood zusammen. In den mehr als vier Jahrzehnten nach Focus hat Akkerman rund 40 eigene Alben veröffentlicht, darunter auch musikalisch ganz ausgefallenes wie altenglische Lautenmusik, Latin-Pop, dann wieder progressiven Rock und eigenwilligen Jazz.

Vintage Guitar Classics 07

Framus-Propekt von 1975

Jan Akkerman und Framus

Keine Frage, dass ein so besonderer Musiker auch ein ganz eigenes Instrument verdient hatte. Das kam 1974, also noch zu seiner Focus-Zeit, vom deutschen Hersteller Framus aus Bubenreuth. Der hatte mit Schlager-Rocker Peter Kraus, dem Musiker & Entwickler Billy Lorento und dem Jazz-Gitarristen Attila Zoller schon einige erfolgreiche Endorser am Start und mit einem eigenen Modell beglückt.

Das in den Jahren 1974 bis ’76 für Jan Akkerman gebaute Framus-Signature-Modell hieß „Jan Akkerman“, entsprach aber überhaupt nicht den gängigen Instrumenten dieser Zeit. Es sah zwar irgendwie aus wie eine große Les Paul, hatte aber ein F-Resonanzloch und einen halbhohlen Korpus; so eine Semi-Semiacoustic hatte Framus auch schon mit der ES-335-ähnlichen Billy-Lorento-Signature der mittleren 70er-Jahre im Programm. Eine sehr ungewöhnliche E-Gitarre, made in Germany.

Vintage Guitar Classics 07

Framus 10940 Jan Akkerman

Konstruiert war die „Akkerman by Framus“, wie auf der Trussrod-Abdeckung der Kopfplatte zu lesen war, wie folgt: Der Mittelteil und die Zargen des Instruments bestehen aus einem aus zwei Schichten zusammengesetzten Holzblock, aus dem zwei Hohlräume rausgefräst wurden; in der Korpusmitte befindet sich ein durchgehender Block. Die darauf sitzende fast 1 cm dicke Decke ist leicht gewölbt und besteht aus massiver Fichte. Der Boden wurde aus Ahorn-Laminat gefertigt.

Vintage Guitar Classics 07

Vintage Guitar Classics 07

Diese Beschreibung trifft auf das abgebildete Modells 10940 zu, das im November 1974 gebaut wurde. Dass Framus da auch mal experimentiert und variiert hat, so wie bei vielen anderen Instrumenten des Herstellers, ist nicht auszuschließen. Der ca. 6 cm dicke Korpus dieser ca. 4,5 kg schweren Gitarre ist oben mit fünffachem, unten mit dreifachem Binding eingefasst. Im Bereich des Cutaways wurde die Decke zur besseren Bespielbarkeit etwas abgeschrägt.

Auf dem flachen Ahornhals mit 628 mm Mensur und Ebenholz-Griffbrett sitzen 24 Bünde, an seine Breite muss man sich erst mal gewöhnen: 46 mm am Nullbund (noch so eine Framus-Eigenheit!) und ca. 60 mm am 21. Bund sind schon ordentlich. Auf der Kopfplatte sitzen schwere, geschlossene Stimmmechaniken, die in ihrer Gängigkeit justierbar sind.

„Cherry-Rot“ nannte Framus die hauseigene Sunburst-Lackierung, im Angebot waren aber auch Schwarz und Weiß, seltener zu finden sind schwarz/rote Two-Tone-Sunburst-Varianten oder auch klassische, fast Gibson-typische Tobacco-Sunburst-Finishs. Ob das Custom-Orders oder spätere Refinishs sind, lässt sich nicht mehr klären.

Vintage Guitar Classics 07

Die Hardware ist vergoldet, die einteilige Saitenhalter/Steg-Kombination mit einstellbaren Saitenreitern gab es in verschiedenen Varianten. Frühe Framus Jan-Akkerman-Modelle hatten keine Möglichkeit, die Oktavreinheit zu justieren. Deren Steg war ein klassischer Gibson Wraparound-Typ und wirkte wie ein schräg montiertes, leicht bearbeitetes Stop-Tailpiece, bei dem die Saiten in umgekehrter Richtung (also nach hinten) eingefädelt wurden und dann nach oben in Richtung Kopfplatte umgebogen wurden. Oktavreinheit war damit eher Glückssache.

Die Elektrik der Framus 10940

Zwei „Anti-Hum-Variosound“-Pickups (Humbucker, in Kunstharz vergossen) ohne sichtbare Polepieces, ein Lautstärke- und ein Tonregler sowie ein massiver Sechsfach-Drehschalter bestimmen das schlichte Design dieses Instruments. Der genannte Drehschalter ermöglicht eine Reihe verschiedener Sounds, alle brauchbar und interessant.
1. Beide Humbucker hintereinander
2. Hals-Humbucker
3. Hals-Singlecoil innen plus Steg Singlecoil innen in Reihe
4. Steg-Humbucker
5. Hals-Singlecoil außen und Steg-Singlecoil innen out of phase
6. Beide Humbucker in Reihe out of phase

Vintage Guitar Classics 07

Vintage Guitar Classics 07

Der Grund-Sound der Framus-Jan-Akkerman-E-Gitarre ist kraftvoll, mit der Option auf feine, brillante-Einstellungen für perlige Chords und Pickings. „Durch den neuen 6-Position-Schalter für Jazz, Rock, Lead, Beat, Folk und Renaissance gleichgut geeignet“ hieß das im Original-Prospekt von 1974. Und der Hersteller war selbstbewusst: „Framus stellt vor: Jan Akkerman. Die führende Gitarre der Welt.“ Und „Garantie auf Lebenszeit“ gab’s auch noch. Zum Instrument gehörte ein schwerer, schwarz bezogener Holzkoffer mit Plüschfütterung.

Framus Jan Akkerman & der Markt

Der Verkaufspreis war auch selbstbewusst: Ca. DM 2000 kostete die Framus Jan Akkerman vor knapp 50 Jahren, und war damit ein teueres Instrument, nicht nur für deutsche Verhältnisse. Im Framus-Repertoire dieser letzten Jahre des alten Unternehmens war sie ein Highlight, was Design, Ästhetik, Musikalität und Originalität anging. Die Jan Akkerman ist eines der schönsten Instrumente, das Framus je hergestellt hat – und seit vielen Jahren daher auch sehr gesucht. Bekam man sie vor 15 Jahren noch für 1000 Euro, beliefen sich die letzten Forderungen für gut erhaltene Modelle, die ich bei eBay-Kleinanzeigen und Reverb entdeckte, zwischen 3500 und 6500 Euro.

Sehr interessante Entwicklung, zumal ja kaum jemand, außer kurze Zeit um 1974 der Namensgeber selbst, dieses schwere Instrument gespielt hatte. Mir fällt da spontan nur Rik Emmett ein, Gitarristen der Band Triumph: Emmetts Jan-Akkerman-Modelle waren allerdings massiv modifiziert.

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Jan Akkerman ist auf Fotos aus dieser Zeit auch mal mit einer Gibson Les Paul Personal zu sehen, einer Solidbody, die ebenfalls eine Menge unterschiedlicher Sounds bietet, die aber auch nicht so direkt abrufbar sind, wie bei einer klassischen Les Paul mit zwei Pickups und Toggle-Switch. Wohl aus diesem Grund hatte Akkerman sich seine Personal schon früh umbauen lassen: Sie bekam eine Flamed-Maple-Decke, zwei Humbucker und die Les-Paul-Schaltung. Man erkennt diese Gitarre in Videos am abgeschrägten Griffbrettende und dem Wraparound-Tailpiece – beides auch Baumerkmale seines Framus-Signature-Modells. Ich habe auch schon Framus-Akkerman-Modelle gesehen, die genau dahin modifiziert worden waren. Mit dem Sechsfach-Drehschalter musste man eben umgehen können, denn live-freundlich für schnelle Sound-Wechsel war er nur bedingt geeignet. Trotzdem: Ein sehr schönes und mittlerweile selten zu findendes Instrument aus den 1970er-Jahren. Antesten!

Stark modifiziert: Framus Jan Akkerman von 1975 mit P90-Pickups, Toggle-Switch und Wraparound-Saitenhalter

Und noch zwei Tipps: Die Band Focus ist heute immer noch aktiv, mit Thijs van Leer (org, fl, voc), Pierre van der Linden (dr), Menno Gootjes (g) und Udo Pannekeet (b). Den großartigen Jan Akkerman kann man ebenfalls noch live genießen – und hoffentlich gibt es bald mal wieder ein Album dieses spannenden Musikers, der europäische Rock-Geschichte geschrieben hat.

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STORY & FOTOS: LOTHAR TRAMPERT

 

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Forum
  1. Profilbild
    Sven Rosswog RED

    Jan Akkermann ist schon megacool. Klar ist Hokus Pokus echt der Knaller. Mein liebstes Album ist aber Eli mit Kaz Lux. Auf dem Stück Tranquillizer lässt sich Jan Akkermann nur von einem Drumcomputer begleiten. Wunderschöne Melodie, die nach Fingerakrobatik klingt. Im Sommer sind, glaube ich auch Akkermann Les Pauls herausgekommen, die innerhalb kurzer Zeit ausverkauft waren. Vor ein paar Jahren habe ich ihn Live gesehen. Ein Träumchen kann ich nur jedem empfehlen.

  2. Profilbild
    MidiDino AHU

    Das Modell 10940 gefällt mir relativ gut, zumal ich von der Konzertgitarre komme: die Halsbreite habe ich bei einer E-Git. stets gesucht, ebenso ist die Fichtendecke äußerst selten. Und die Umarbeitung mit P-90 PickUps kann günstig für den Klang sein, bringt den Sound eventuell zum Perlen. Dass sie Semi-Hollow ist … Ach schade, dass kein Test bevorsteht … Aber für einen Kauf wäre ich ohnehin inzwischen zu alt.

  3. Profilbild
    gaffer AHU

    Interessant ist, dass der Name Framus, zumindest hier in Deutschland damals ziemlich unten war. Nicht dass sie es nicht gekonnt hätten, aber der Name stand für Wandergitarren oder günstige Einstiegsmodelle, meist Kopien irgendwelcher angesagteren Marken. Dafür war Akkerman zu der Zeit sehr hip. Meine erste Gitarre, etwa 1970 war eine Framus, ziemlich klein, was zu meinen 1,95 gut passte ;)

    • Profilbild
      LOTHAR TRAMPERT RED

      Framus hat schon einige großartige Gitarren gebaut – und die kosteten auch was. Die günstigeren Modelle waren dagegen nur OK bis grenzwertig. Ab ca. 1972 machte ihnen Japan dann schwer zu schaffen … mit guter Qualität und niedrigen Preisen.

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