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Blue Box: ARP Avatar, ARP Odyssey Expander

10. Juli 2010

Der Odyssey ohne Tasten

Der ARP Avatar erschien erstmals 1977 (hier die Version mit CMS-Patch)

Vorwort der Redaktion:

Als Theo Bloderer 2010 diesen Artikel über den ARP Avatar für uns schrieb, gab es zum damaligen Zeitpunkt nur die CMS-Patch-Conversion, mit der man der sich der ARP Avatar in einen Halbmodularen Synthesizer verwandeln lies. Die CMS-Version hate nur einen großen Nachteil, die zur Verfügung gestellten Patchpunkte waren nicht besonders zahlreich und unbeschriftet.

Ganz anders verhält es sich bei der Patch-Version von NEW ENGLAND, die wir 2016 vorgestellt haben (HIER) und der wir zusätzlich sogar noch einen Soundworkshop gewidmet haben (HIER). Ganze 36 Patchpunkte und zwei Regler im Oszillator-Feld, machen die NEW ENGLAND Version wirklich zu einer Goldgrube für Modular-Fans. Dabei wurden alle Patchpunkte in das untere Drittel des ARP Avatar verlegt und mit einer professionellen Folie mit Beschriftung versehen.

Nun aber zurück zum BLUE BOX Report von Theo Bloderer,

viel Spaß, Euer Peter Grandl

Das Patchfeld des ARP AVATAR von New England (bitte vergrößern)

ARP AVATAR Analog Synthesizer Expander

Was genau ist ein AVATAR? Sieht aus wie ein Odyssey ohne Tasten und klingt angeblich wie ein ARP 2600. Der ARP Avatar ist schlechtweg die Expander-Version des ARP Odyssey. AMAZONA.de liefert nun die Geschichte dazu.

„The product that sank them“

… meint Mark Vail („Vintage Synthesizers“) zur wenig ruhmreichen Karriere des ARP Avatar. Die im Jahre 1977 erschienene „Expander-Version des Odyssey mit eigenwilligem Gitarreninterface“ brach der weltbekannten amerikanischen Synthesizerschmiede letztlich das Genick.

Die Entwicklungskosten des Avatar waren ein finanzielles Desaster erster Klasse und beliefen sich auf ein Vielfaches der aus dem Verkauf des Instruments erzielten Einnahmen. Dabei war es gerade das Gitarren-Interface – jenes Pickup-System, das zwar an sich funktionierte und dennoch wenige Gitarristen zu weiteren Synthi-Abenteuern ermutigte – welches den größten Teil der Entwicklung in Anspruch nahm. Schlechte Firmenpolitik und zerstrittenes Management gesellten sich zur tristen finanziellen Lage, weshalb ARP 1981 dann endgültig die Tore schließen musste.

Der ARP Avatar CMS

Doch heute – fast 30 Jahre nach Verkauf der letzten Instrumente – sind ARP Synthesizer so begehrt wie nie zuvor. Zu den Klassikern zählen der Modular-Riese ARP 2500, der 3 VCO-Synth und Effektsound-Spezialist ARP 2600, der 2 VCO Synth Odyssey/Avatar sowie (für viele Musiker) der 1 VCO Leadsynth Axxe.

Der hier vorgestellte Avatar ist eine erweiterte Version von CMS, dessen Begründer Phil Cirocco (Cirocco Modular Systems = CMS) sich darauf spezialisierte, Odysseys und Avatars patchbar aufzurüsten. Cirocco begann dann sogar mit der Herstellung eigener erstklassiger Modularsysteme, wobei ihm schon längst der Beiname „Filtergott“ zugeschrieben wird.

CMS ging von einem einfachen Grundgedanken aus: „Wenn der ARP 2600 so wunderbare Patch-Möglichkeiten bietet, warum nicht einen Odyssey oder Avatar zum „Quasi ARP 2600″ aufrüsten?“ So wurde dieses Instrument entsprechend modifiziert, mit ein paar zusätzlichen Funktionen (Env neg out, „Turbo“-Schalter für Env, LFO-freerun etc.) versehen, die obere Grenzfrequenz des Filters von 11kHz auf 28kHz erweitert und die berühmt-berüchtigten wackeligen bunten Potikappen (der Odyssey III-Generation) gegen solide schwarze ausgetauscht. Ich kann jedem Odyssey/Avatar Besitzer nur dringend raten, einen guten Techniker aufzusuchen und solche Modifikationen nach Möglichkeit vornehmen zu lassen. Ganz einfach deshalb, weil diese Instrumente dann zu 95% an den Klang eines ARP 2600 herankommen. Und DAS ist nicht schlecht! Doch nun endlich zum Test.

ARP AVATAR Patch Conversion

Aufbau und Aussehen eines Avatar entsprechen einem Odyssey III: 2 VCOs, LFO, VCF, VCA, 2 ENV und gute Interface-Möglichkeiten. CMS ging hier einen (großen) Schritt weiter und gab ALLEN Bedienelementen eigene Ein- bzw. Ausgänge.

VCO

Die VCOs bieten in typischer ARP Tradition keine Fußlagenschalter. Statt dessen ist das gesamte Frequenzspektrum mittels Fader zu durchfahren. Klänge schnell und exakt in ihrer Tonhöhe zu ändern, ist dadurch kaum möglich. Andererseits bietet ARPs Philosophie größere musikalische Möglichkeiten als jene analogen Synths mit vorgegebenen Oktavschaltern. VCO1 kann alternativ als LFO eingesetzt werden, wogegen VCO2 mit einer Sync-Funktion ausgestattet ist (ein Feature, das dem ARP 2600 leider nicht implementiert wurde!). Klanglich gesehen entsprechen die VCOs zu 100% ARP: ausgesprochen viel Power!

LFO

Der LFO kommt im Bundle mit einem sehr nützlichen Sample & Hold Einheit daher. Zusammen mit dem als zweiten LFO verwendeten VCO1 lassen sich mit diesen Möglichkeiten schon sehr ausgefallene Modulationen erzielen.

Filter und VCA

bieten sich als Einheit an. Gerade das Filter ist für viele Musiker die größte Motivation, nach ARP Instrumenten zu suchen. Es hat zwar keinen so eigenständigen Klangcharakter wie manche Oberheim Filter oder gar ein Yamaha oder Korg Filter, bietet ein sehr breites Klangspektrum und lässt sich daher musikalisch sehr flexibel einsetzen. Alternativ zum Low-Pass-Filter gibt es ein manuell einstellbares High-Pass-Filter, eine weitere Möglichkeit, die der ARP 2600 nicht vorzuweisen hat. Mit den von CMS eingebauten Buchsen kann nun jener „Super-ARP-Sound“ produziert werden, der seinesgleichen sucht: VCO1 wird als Klangquelle genutzt, VCO2 moduliert sehr hochfrequent das Filter. Ergebnis: analoge VOCAL-Sounds vom Feinsten (Klangbeispiel 8; ein Vergleich zum ähnlichen ARP 2600 Beispiel sei geraten – zu finden im Blue-Box-Archiv).

Hüllkurven

Die Envelopes sind zweimal vertreten: einmal als vollwertige ADSR-Hüllkurve, einmal in verkürzter Version mit Attack und Release. CMS hat eine „Turbo“-Schaltung hinzugefügt, welche die ADSR-Zeiten um ein Vielfaches reduziert und so die nuancierte Einstellung perkussiver Sounds ermöglicht. Diesen Wechsel zwischen zwei globalen Wirkungsgraden der Hüllkurve bieten auch die Yamaha Synthesizer CS-15/20M/30/40M.
Der

In der New-England Ausstattung, einer meiner absoluten Lieblings-Synths (PG)

Der Klang des ARP Avatar

ist und bleibt aber die entscheidende Frage über Sinn oder Unsinn eines Instruments. Gleich vorweg: Ein wie hier aufgerüsteter Odyssey/Avatar steht klanglich einem ARP 2600 kaum nach – das sollte als Urteil ja genügen. Der direkte Vergleich zeigt deutlich: Die VCOs des 2600 haben einen etwas größeren Frequenzumfang und sein Filter arbeitet noch selektiver. Aber die Unterschiede sind minimal. Auf der anderen Seite bieten Odyssey/Avatar dagegen sogar Möglichkeiten, die dem 2600er fehlen, so die OSC-Synchronisation und das High-Pass-Filter.

Zu den klanglichen Highlights von Odyssey/Avatar zählen brachiale Bässe, weiche bis extreme Solo-Klänge und gute Fx-Sounds. Es gibt kaum musikalische Einsatzgebiete, die ARP Instrumente mit ihren Möglichkeiten nicht bewältigen können. Die anschließenden Klangbeispiele seien jedem ans Herz gelegt, da sie die Bandbreite der Klangvielfalt sehr gut aufzeigen.

Fazit

Als Referenz aller ARP Synthesizer gilt (mit Ausnahme des ARP 2500 natürlich) der ARP 2600. Wer also auf der Suche nach diesem Gerät schon am Rande der Verzweiflung steht (im Schnitt werden diese Instrumente im deutsprachigen Raum 4-5 mal jährlich angeboten, wobei ein ARP 2600 inzwischen astronomisch hohe Preise erzielt), dem sei geraten: Ein aufgerüsteter Odyssey/Avatar ist eine wirkliche Alternative! Natürlich bedarf es eines versierten Technikers, der die erforderlichen CV-Buchsen nachrüsten kann.

Aber wenn ein gebrauchter Odyssey 1.200,- Euro kostet, und ein Upgrade z.B. weitere 500,- Euro, so sind Sie mit 1700,- Euro und den „Quasi-Möglichkeiten eines ARP 2600“ doch noch immer der deutliche Gewinner. Wenn nun manche den Vergleich von Odyssey/Avatar zu ARP 2600 nicht für vollwertig halten, so kann ich aus der Praxis dem nur widersprechen: Zwar bietet der 2600 drei VCOs, aber bei DEM Power der ARP Oszillatoren ist das mehr als ausreichend (zumal beim 2600 der ersten Generationen ein VCO oftmals ohnehin als LFO eingesetzt werden muss, womit Odyssey/Avatar mit separatem LFO wieder im Gleichstand sind). Fehlende Module wie Voltage-Processor oder Inverter eines 2600 lassen sich bei Odyssey/Avatar beispielsweise leicht durch Hinzufügen eines kleinen Döpfer A100-Systems ergänzen und ganz nach Belieben sogar durch weitere Module ausbauen.

Der Kern eines ARP sind sein VCO und sein VCF – und die sind beim Odyssey/Avatar exakt so, wie man sie sich erwartet: voll Power und einfach „edel analog“!

Plus

  • sehr überzeugender Analogsound
  • umfassende Modulationsmöglichkeiten
  • PPC-Pads bei Odyssey III

Minus

  • Fader von schlechter Qualität
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    lowcust

    hallo,

    muss ich an dieser stelle einfach mal wieder loswerden.

    wie immer sind die artikel von theo in gleichbleibender qualität text, recherche und vor allem audiobeispiele die hochwertigsten die man auf papier oder gar im netz finden kann, sowas hätte ich mir als langjähriger abo user einer gewissen „vom fach“ zeitschrift seit jahren gewünscht.

    und noch eine frage an den fachmann, seit ich auf dem synthesizer treffen in kufstein einen arp2600 probieren konnte lässt mich dieser brachiale sound einfach nicht mehr los. ist es möglich diesen typischen ringenden „ich kann es leider nicht besser zu beschreiben“ arp
    filtersound irgendwie zu kopieren, z.b. als module für ein doepfersystem. auf dem gebrauchtmarkt findet man kaum einen avantar mit mod bzw. gar einen 2600 unter 4000 euro.
    gibt es alternativen bzw. wie müsste z.b. ein modular setup aussehen um annähernt wie ein 2600 zu klingen?

    eines vorweg, mit arturia arp 2600 bekommt man diesen beschriebenen filtersound nicht annähernt hin. audio beispiel nr.5 des orginals findet man unter : http://www.....icle_id=73

    danke im vorraus, fg

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      a.jungkunst  AHU

      Vielleicht solltest Du Dir mal die Demo des Way Out Ware TimewARP 2600 anhören. Für eine kostengünstige Lösung kommt dieser Software Synthesizer ziemlich nah an das Originalgerät heran.
      Wenn Du nach Hardware-Filtern in Richtung ARP 2600 suchst, musst Du erst einmal wissen, welches ARP 2600-Filter es sein soll, denn es sind unterschiedliche Typen in den diversen Baureihen eingesetzt worden. Da diese, abgesehen vom ersten 24 dB Low Pass-Nachbau eines Moog Filters, doch im Gegensatz zum Moog eher neutral klingen, sind natürlich auch die anderen Komponenten für den Grundcharakter des 2600-Outputs entscheidend. Auch in diesem Fall macht es also die Zusammenstellung der Baugruppen. Der 2600 ist schon ein besonderer Synthesizer, der selbst in der ARP-Familie eine einzigartige Stellung einnimmt. Wer die Klänge eines 2600 1:1 verwenden möchte, kommt um das Originalgerät nicht herum.

      • Profilbild
        lowcust

        danke für deine antwort. wenn dann sollte es schon hardware sein. soweit ich mich erinnern kann war es die graue version des 2600 demnach sollte es rev.2 oder 3 sein, aber leider weiss ich nichts genaues, ausser das er aus der sammlung von theo stammen könnte. naja werd wohl die zeit für mich arbeiten lassen müssen, und die gelegenheit abwarten auf den erwerb eines orginals.

        danke fg

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          nativeVS  

          Wenn man genug kapital hat, kann man sich ja auch die CMS systeme kaufen, die meiners wissens nach identisch wie die ersten 2600’er klingen.

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    Harald

    Welches Modding ist besser, das von CMS oder von SaintEric, bin schwer am überlegen, vielleicht hat jemand einen Vergleich….oder einen Tip.

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      acidnoid  

      Würde mich auch mal interessieren. Mein AVATAR kommt bal aus den USA (mir grauts schon vor der Einfuhrsteuer).

      Würde ihn dann gerne modden lassen. Was kostet solch ein Modding, hatte schon SaintEric kontaktiert, aber noch keine ANtwort erhalten.

      • Profilbild
        Harald

        Saint Eric zieht, bzw. ist gerade umgezogen, hat zur Zeit kein Internet(Jan 2013), sein Modding beginnt bei ca.400€ und kann bis in die Tausende gehen. CMS und Zoll, rein raus, zu kompliziert, Carne ect., Holland ist ein Nachbarland, macht die Sache etwas einfacher, mal sehen wann Er Zeit hat. mfG

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          acidnoid  

          hmm ok gut zu wissen. wobei bei cms ja einfuhrsteuer ud zoll wegfallen, da es eine „art“muster ist, er wird ja nach USA geschcikt und dann wieder zurück, zur reperatur etc.
          somit dürfte keine enfuhrsteuer anfallen.
          aber wie dem auch sei, würde gerne meinen AVATAR bei Saint Eric modifizieren lassen, hoofe er hat bald wieder zum internet.

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