Filmmusik-Komponist Jerry Goldsmith: Rambo, Star Trek, Alien uvm.

19. Dezember 2020

Die Geschichte und Musik einer Filmmusik-Legende

Jerry Goldsmith 2002 ( © by Shutterstock)

Fragt man Leute nach beliebten Action-Filmen, Thrillern, SciFi- oder Gruselfilmen der 1960er und 1980er Jahre, sind garantiert einige der folgenden Titel mit dabei: Planet der Affen, Papillon, Chinatown, Das Omen, Coma, Alien, Star Trek – der Film, Rambo, Poltergeist, Gremlins. Alle diese Filme haben einen gemeinsamen Nenner: Jerry Goldsmith, der für die Musik verantwortlich war.

Jerry Goldsmith, die ersten Jahre

Jerrald King Goldsmith wurde am 10. Februar 1929 in Pasadena, Kalifornien geboren. Mit sechs Jahren begann er mit dem Klavierspiel und im Alter von 14 Jahren erhielt er ersten Privatunterricht in Komposition und Kontrapunkt bei Mario Castelnuovo-Tedesco und Jacob Gimpel. Während seines Studiums am Los Angeles City College wurde er assistierender Dirigent für Oper und Tanz. Dort traf er den Komponisten Miklós Rósza (Ben Hur), was zu einem Semester an der University of Southern California im Bereich Filmmusikkomposition führte. Die Legende will (und die Bibliografie auf Goldsmiths Website), dass ihn neben Rószas Filmmusik zum Film Spellbound vor allem die Darstellerin Ingrid Bergmann faszinierte. Beides bekräftigte ihn angeblich in seinem Entschluss, Filmmusikkomponist zu werden.

In den 1950er Jahren war er zunächst als Komponist für CBS beschäftigt, für die er dramaturgische Musik für Radioshows und später Fernsehshows komponierte und produzierte, darunter auch Musik für die legendäre Sendung „The Twilight Zone“. Die bekannte Titelmusik zu Dr. Kildare entstammt ebenfalls dieser Schaffensperiode.

Nach seinem Wechsel zu Universal anfang der 1960er Jahre erhielt Jerry Goldsmith eine erste Oscar-Nominierung für seine Filmmusik zu „Freud“. 1963 traf Goldsmith Alfred Newman. Dieser überredete die Produzenten des Western „Lonely Are The Brave“ mit Kirk Douglas in der Hauptrolle, Jerry Goldsmith für den Filmscore zu engagieren, was wiederum zu einer Beschäftigung als Auftragskomponist für die 20th Century Fox führte. Aus dieser Schaffensphase dürfte den meisten Lesern vor allem „Der Planet der Affen“ ein Begriff sein.

Da Anfang der 1970er Jahre die Auftragslage für Film nicht sonderlich gut war, begann Jerry Goldsmith wieder damit, für das Fernsehen zu arbeiten. Aus dieser Zeit stammt das berühmte Titelthema zu „Die Waltons“. Doch auch einige Filme profitierten von seinen Kompositionen, darunter „Pappillon“, das legendäre Gefangenendrama nach der wahren Geschichte um Henri Charrière mit Dustin Hoffman und Steve McQueen in den Hauptrollen.

Ein echter Goldsmith -Klassiker „Alien-Soundtrack“ von 1979

Der erste Oskar für den Filmmusik-Komponisten

Ende der 1970er Jahre bekam Jerry Goldsmith einen Oscar für „Das Omen“. Der Horrorfilm rund um ein satanisches Kind bekommt erst durch die Filmmusik von Jerry Goldsmith seine gruselige Wirkung. Mehrere Fortsetzungen und weitere Aufträge im Horror-Genre folgten. Doch damit nicht genug: Mit Alien und Star Trek – der Film standen zwei weitere Klassiker auf dem Programm, die eine ganze Generation prägen sollten. Gene Roddenberry, der Schöpfer von Star Trek, war von der Titelmusik zum Film so angetan, dass sie später für die Erfolgsserie Star Trek – The Next Generation mit Patrick Stewart in der Hauptrolle verwendet wurde. Von da an war Goldsmith fest mit dem Star Trek Universum verbunden – so wie sein Kollege John Williams mit Star Wars. Weitere Star Trek-Serien und Filme bis Star Trek: Nemesis folgten. Auf der offiziellen Internetseite zu Jerry Goldsmith ist zu lesen, dass auch das ursprüngliche Star Trek Thema der Classic Serie von Goldsmith komponiert werden sollte, dieser den Auftrag durch Roddenberry aufgrund von Terminkonflikten jedoch ablehnen musste.

In den 1980er Jahren zementierte Goldsmith schließlich seinen Ruf als hervorragender Komponist für Action-Filme und Horror-Filme und blieb diesen Genres fortan treu: Die Rambo-Trilogie, Poltergeist, die zwei Gremlins Filme, Twilight Zone – der Film. Doch auch Thriller wie Basic Instinct gehören zu seinem Werk. Weitere viel beachtete Action-Filme waren Airforce One und LA Confidential. In letzterem wirkten bekannte Darsteller wie Russel Crowe, Kevin Spacey, Guy Pearce, Kim Basinger und Danny DeVito mit. Ursprünglich sollte Elmar Bernstein die Filmmusik komponieren, doch er wurde durch Jerry Goldsmith ersetzt. Der Film wurde ein großer Erfolg.

Einer der letzten Filme war Star Trek: Nemesis. Geschwächt durch seine Krebserkrankung konnte Goldsmith nicht mehr so viel und intensiv arbeiten wie zuvor. Er starb am 21. July 2004 im Alter von 75 Jahren im Schlaf.

Goldsmith: Von harmonisch bis atonal

Jerry Goldsmith ist ein Meister des schnellen Wechsels: Ein lieblich und harmonisch klingendes Thema kann ohne Vorwarnung in Atonalität oder skurrilen Geräuschkulissen enden. Ein Pianissimo verwandelt sich abrupt in ein Forte Fortissimo. Spannung und Entspannung, Harmonie und Disharmonie, Tonalität und Atonalität, Laut und Leise wechseln sich beständig ab. Eine besondere Spezialität von Jerry Goldsmith ist das Verwenden von Zwölftontechniken in der Filmmusik.

Der Planet der Affen

Die Musik zu „Der Planet der Affen“ ist ein Beispiel für den Einsatz der Zwölftontechnik. In der Zwölftonmusik wird eine Reihe aus zwölf Tönen aufgestellt, die der Komponist anschließend verwendet. Diese zwölf Töne haben in der Regel keinen tonalen Bezug zueinander und entstammen der chromatischen Skala. In einer solchen Zwölftonreihe soll sich kein Ton wiederholen, alle Töne der chromatischen Skala sollen benutzt werden. Die so entstehende Reihe wird Grundreihe genannt. Die Oktavlage der einzelnen Töne der Grundreihe darf in der späteren Komposition mit dieser Reihe frei gewählt werden. Die Reihen dürfen transponiert werden und auch Spiegelungen und Umkehrungen sind zulässig. Durch diese Techniken entsteht eine sogenannte Reihentabelle für die Komposition. In der Regel erklingt die Grundreihe einmal unverändert zu Beginn des Musikstücks. Entwickelt wurde diese Technik von Arnold Schönberg in den 1920er Jahren. Sie wurde in der Folgezeit von seinen Schülern und anderen Komponisten weiterentwickelt. Die recht mathematisch anmutende Zwölftontechnik wird auch gerne als Grundlage algorithmischer Kompositionen genutzt.

Die Grundreihe, auf der die Filmmusik zu „Der Planet der Affen“ basiert, sieht folgendermaßen aus:

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Die Zwölftonreihe, die als Grundlage für die Filmmusik zu „Planet der Affen“ genutzt wurde.

Aus dieser Reihe leitete Goldsmith seine Reihentabelle ab, auf der die Komposition beruht. So erschafft er zu den 1968 äußerst befremdlichen Bildern eine ebenso befremdliche Musik, die jegliches Gefühl von „heile Welt“ in der Nachkriegszeit jäh zerstört und den Film anders als seine Remakes zu einem Kultfilm gemacht hat.

Die komplette Reihentabelle ist zu finden in der Dissertation von Vincent Gassi zum Thema „The forbidden zone, escaping earth and tonality: An examination of Jerry Goldsmith’s Twelve-Tone score for PLANET OF THE APES“, aufgerufen am 10.12.2020 unter der URL –HIER KLICKEN.

Alien – Klang des Alls und der Kreatur

Man muss den Film Alien nicht gesehen zu haben: Um die Dramaturgie des Films nachzuspüren, reicht das Anhören des Soundtracks. Ich empfehle die beiden ersten Tracks des Soundtracks: Main Title und Face Hugger. Allerdings ist die Musik, so wie sie heute auf dem Soundtrack zu hören ist, auf diese Weise nie im Film erschienen. Doch dazu später mehr.

Wie klingt das Weltall? Diese Frage hat sich auch John Williams gestellt und für Star Wars seine Antwort gefunden. Jerry Goldsmith verfolgt für Alien eine andere Vision. Er betont das Fremde, Kalte und nutzt dafür seltener zu hörende Instrumente und Geräusche:

Für das Erzeugen der Wind-Effekte hat Goldsmith auf eine Kombination aus ethnischen Musikinstrumenten und Elektronik gesetzt: Eine Muschel, die in Indien wie eine Trompete eingesetzt wird (Shankha, Infos unter https://en.wikipedia.org/wiki/Shankha) wurde durch ein Bandecho geschickt. Weiterhin kamen ein historisches Musikinstrument namens Serpent, das wie eine Schlange geformt ist (https://de.wikipedia.org/wiki/Serpent_(Musikinstrument), sowie Instrumente wie Didgeridoos zum Einsatz, um das Fremdartige des Aliens zu gestalten und zu betonen.

Das Omen – teuflische Musik

Für den Film „Das Omen“ musste sich Jerry Goldsmith mit dem Bösen auseinandersetzen und dafür eine musikalische Übersetzung finden. Der vordergründig zunächst harmonisch wirkende Titel „Ave Satani“ aus „Das Omen“ ist gespickt mit dissonanten Klängen, die – zunächst im Hintergrund wirkend – beständig zunehmen und dem Stück seine unheilverkündende Wirkung verleihen. Chöre spielen beim Das Omen-Soundtrack eine große Rolle. Ausgeklügelte Rhythmen machen immer wieder Tempo. Die Instrumente spielen große Intervallsprünge und Instrumentengruppen wechseln sich beständig ab. Es ergibt sich ein dichtes Gefüge aus mehreren Schichten, die zu einem dichten Klangteppich verwoben werden. Schon die Musik für sich genommen jagt dem Hörer einen Schauer über den Rücken.

Poltergeist

Ein gutes Beispiel für das Wechselspiel zwischen lieblichen Melodien und dissonanten und gruselig wirkenden Sequenzen ist die Filmmusik zu „Poltergeist“. Ein Element, das auch in der Musik zu „Das Omen“ zu hören ist, sind die häufig benutzten Glissandi in Instrumenten und auch Stimmen. Gleiches gilt für Triller und die bereits erwähnten großen Intervallsprünge. Erneut ist es die Vielschichtigkeit der Musik, die aufhorchen lässt. Orchesterinstrumente werden als Geräuschlieferanten genutzt. Ein Quietschen eines Instruments hier, das sich wie ein quietschendes Scharnier einer Tür anhört, ein Schlagen dort. Dazwischen immer wieder Instrumente, die Glissandi spielen, während ein anderes Instrument ein harmonisches Motiv spielt, untermalt von einem Ostinato der tiefen Streicher. Die ungeheure Dynamik des Orchesters wird komplett ausgeschöpft.

Vom All und dem Teufel zum Actionfilm: Rambo

Dass Jerry Goldsmith durchaus schöne melodische Wendungen ohne Überraschungen schreiben kann, zeigt der Eröffnungstitel von „Rambo – First Blood“. John Rambo, ein Vietnamveteran, möchte einen ehemaligen Kameraden besuchen, den letzten Überlebenden seiner Kompanie. Dieser ist jedoch zwischenzeitlich an Krebs verstorben. John Rambo zieht weiter und kommt dabei in eine Kleinstadt. Dort wird er wie ein Landstreicher behandelt, und der Kleinstadt-Sheriff startet einen persönlichen Feldzug gegen den Vietnamveteranen John Rambo und misshandelt ihn im Gefängnis. Gequält durch die Erinnerungen an Misshandlungen durch die Vietkong in Vietnam befreit sich John Rambo, und der Sheriff startet eine Hetzjagd, die am Ende einem Krieg gleicht.

Der Titel namens „Homecoming“ erweckt bei Kennern des Films sofort die passenden Assoziationen: John Rambo zieht durch eine atemberaubende Landschaft. Begleitet wird sein Weg durch eine emotionale Trompetenmelodie, die zunächst von einer Gitarre, später von einem Orchester begleitet wird. Trompete und hohe Streicher wechseln sich beim Spiel des Themas ab.

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Das bekannte Trompetenthema aus dem Rambo First Blood Main Theme.

Die Trompete weckt durch die Art und Weise, wie sie gespielt wird, immer auch militärische Assoziationen und das Stück legt den patriotischen Charakter des Films fest. So erinnert sie zum Beispiel an das Lied „Der gute Kamerad (Ich hatt’ einen Karmeraden)“ von Ludwig Uhland/Friedrich Silcher, welches bei Trauerfeiern des Militärs oft auf der Trompete gespielt wird:

Das Thema wird im weiteren Score immer mal wieder auftauchen, meist jedoch im Kontext einer zunehmend dissonanten und zerrissen wirkenden Begleitung. Doch schon kurze Zeit später ändert sich der Charakter der Musik ins Bedrohliche. Erneut übernehmen nach kurzer Zeit Dissonanzen und drängen konsonante Klänge immer und immer wieder zurück. Neben dem Orchester kommen immer wieder auch Synthesizer zum Einsatz.

Die Filmmusik zu „Rambo – First Blood“ lebt zudem von der Repetition und Sequenzierung von Motiven. Der Titel „Under Arrest“ ist ein gutes Beispiel dafür. Hier wird eine Bassfigur eingeführt, die wechselweise im weiteren Verlauf des Films vom Synthesizer, vom Flügel und vom Orchester gespielt wird. Ungerade Taktarten wie 5/8 und 7/8 prägen das Geschehen.

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Dieses kleine Bass-Motiv ist einer der Eckpfeiler des Scores. Es wird sequenziert, leicht verändert und von verschiedenen Instrumenten/Instrumentengruppen gespielt.

Das einfache Bassmotiv zieht sich von da an wie ein roter Faden durch den gesamten Score. Gut zu hören ist es auch bei „Escape Route“ und zum Beispiel beim Titel „The Tunnel“: Erneut startet der Song zunächst mit Bläsern und mit einem simplen Motiv, das zunächst in der Begleitung  (Klavier, E-Gitarre, Synth) sequenziert wird, während in den Oberstimmen wenige Töne, teils in dissonanten Intervallen gehalten werden. Eine einfache chromatische Melodie wird ergänzt. Die repetitive Begleitung setzt kurz aus, um dann nach einer kurzen Pause erneut einzusetzen. Erneut wird das Motiv sequenziert und „schraubt“ sich immer weiter in die Höhe. Mittendrin explodiert plötzlich das Orchester unvermittelt, um dann abrupt „anzuhalten“. Erneut setzt die vom Anfang bekannte Sequenz ein, um für einige, wenige Takte fortgesetzt zu werden. Zum Schluss erklingt noch einmal das Thema aus dem ersten Titel („Homecoming“) zu einem zunehmend dissonanten Background. Jerry Goldsmith trifft mit diesem starken Kontrast die Zerrissenheit von John Rambos Charakter. Auf der einen Seite Mensch mit einem Recht und Bedürfnis auf Leben, auf der anderen Seite gnadenlose Killermaschine, vom Staat für das Töten geschaffen.

Am Ende wird das Main Theme vom Beginn erneut für den Track „It’s a long road“ aufgegriffen, instrumental wie gesungen. Dieses Mal wieder in seiner ganzen emotionalen wie epischen Breite mit Orchester. Nach all dem, was bis zu diesem Zeitpunkt im Film passiert ist, wirkt es wie Ironie, denn nachdem John Rambo seine Widersacher getötet und eine ganze Kleinstadt in ein Kriegsgebiet verwandelt hat, passt das Titelthema so gar nicht. Doch so ist Hollywood. Ein weiteres dissonantes und spannungsgeladenes Stück hätte dem Klischee nicht entsprochen. Das gilt umso mehr für die gesungene Fassung über den Credits.

Jerry Goldsmith und der Fluch der Temp Tracks

Jerry Goldsmith durfte am eigenen Leib erfahren, was Temp Tracks für einen Komponisten bedeuten. Temp Tracks sind vorübergehende Filmmusiken, die vom Regisseur und Produzenten eingesetzt werden, bis die endgültige Musik fertiggestellt ist. Oft erfolgt der Schnitt anhand der Temp Tracks. Die intensive Arbeit im Schneideraum hat zur Folge, dass die Verantwortlichen diese Temp Tracks immer und immer wieder hören und sich oft so sehr an sie gewöhnen, dass sie entweder von den Filmmusikkomponisten eine Art Cover-Version erwarten oder aber am Ende die Temp Tracks den Originalkompositionen vorziehen. So geschehen zum Beispiel beim Film „Alien“.  Jerry Goldsmith hatte eine ganz klare Vorstellung, wie die Musik klingen sollte. Im Interview sagte er einmal dazu: „Ich denke bei Weltraum immer an das große Unbekannte.“ Er wollte dem Weltraum zunächst etwas Romantisches verleihen, das sich dann schlagartig ins Gegenteil verkehren sollte: „Lasst mich die Eröffnung erst sehr romantisch und lyrisch gestalten und dann, während sich die Story entwickelt, den Schock kommen.“ (Aus dem Englischen übersetzt aus der Dokumentation: The Beast Within“ von 2004). Die Produzenten hatten jedoch etwas anderes im Sinn, und so musste Jerry Goldsmith einen neuen Main Title komponieren. Dieser sollte sich von Anfang an seltsam und fremd anhören und folglich musste Goldsmith seine eigentliche Idee verwerfen. Auch mit der weiteren Musik des Films hatte Goldsmith kein Glück. Die Produzenten bedienten sich seiner Filmmusik zu „Freud“, schnitten diese auseinander und setzten sie neu zusammen. Aus den Originalkompositionen schnitten sie ebenfalls Teile heraus, verwendeten sie für andere Szenen, für die diese Musik gar nicht gedacht war, und setzten sie neu zusammen. Bei wieder anderen Szenen nutzten sie Temp Tracks mit der Musik anderer Komponisten für die Endfassung. So ist die Musik Jerry Goldsmith’ in ihrer ursprünglichen Form nur auf Soundtracks und Special Editions-Fassungen von „Alien“ zu hören.

Doch Jerry Goldsmith war nicht das einzige Opfer des Temp Tracks-Fluchs. Auch sein Kollege Alex North, der ursprünglich 1968 die Musik für den Stanley Kubrick-Film „2001: Odyssee im Weltraum“ geschrieben hatte, musste die bittere Erfahrung machen, was passiert, wenn ein Produzent sich zu sehr in die Temp Tracks verliebt. North’ komplette Originalkomposition fand keine Verwendung, stattdessen nutzte Kubrick die Temp Tracks. Jerry Goldsmith hat in den 1990er Jahren die Originalkompositionen von Alex North in Konzerten aufgeführt und aufgenommen, um damit die Debatte um den Missbrauch von Musik im Film weiter anzuheizen. Leider ohne Erfolg, denn bis heute bleiben viele Temp Tracks endgültig im Film enthalten: aus Zeit- und Kostengründen.

Fazit

Jerry Goldsmith Lebenswerk in einem einzigen Artikel darzustellen ist unmöglich. Die gewählten Beispiele zeigen nur einen kleinen Ausschnitt aus seinem Schaffens und der eine oder andere Leser hätte bestimmt andere Stücke als charakteristisch ausgewählt. Fest steht, dass ähnlich wie die Musik von John Williams auch die Kompositionen von Jerry Goldsmith einen hohen Wiedererkennungswert haben. Mit dem Wechsel zwischen Tonalität, Atonalität und der dadurch erzielten Wirkung heben sich seine Stücke deutlich ab. Ob SciFi, Horror oder Action, Jerry Goldsmith hat für diese Genres immer die richtige musikalische Sprache gefunden. Seine Stücke sind keine leichte Kost und vielleicht auch nicht so gut konzertant umzusetzen wie die großen Themen eines John Williams oder Ennio Morricone. Und doch entstehen schnell passende Bilder im Kopf, hört man die Musik auch ohne den Film dazu zu sehen. Da viele Filme, die er vertont hat, zu Klassikern zählen, wird uns sein Erbe noch lange erhalten bleiben.

Forum
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    Benny  

    Nicht zu vergessen der zeitlose Klassiker Total Recall, in dem Goldsmith`s brachiale orchestral scores die Urgewalt Arni, mit kaltschnäuziger Kompromisslosigkeit durch den Alptraum der technologischen Illusion perfekt begleitet. Einer meiner Lieblingsfilme in dem alle Komponenten genau aufeinander abgestimmt sind und super funktionieren , wie man es nur selten zu sehen und zu hören bekommt.

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      Markus Galla  RED

      Ja, leider musste aufgrund der Länge eine Auswahl getroffen werden. Ich habe deshalb aus den Genres die Filme genommen, die herausragend sind und über die es überhaupt Infos gibt. Bei StarTrek ist es auch gefährlich, Notenbeispiele zu bringen. Das ist eine riesige Gelddruckmaschine und alles wird ausgeschlachtet.

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    JM4  

    Erwähnen sollte man auch die für ihn typischen Klavierstakkato-Läufe, die er zum Beispiel in Coma einsetzt oder in Chinatown.

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    TobyB  RED

    Er hat schon ein Händchen für den Horror Schocker und auch für ganz feinen Fug. Neben Alien, war die Titelmelodie zu den Waltons auch so ein Highlight. Temp Tracks sind sicher schlimm für den Komponisten oder das Orchester. Man kann Kubrick aber auch weitsichtig empfinden, den Walzer in der Eröffnungssequenz von 2001 zu lassen. Ich denke dies kann man zum Bild nicht stärker untermalen.

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    Sven Blau  

    Jerry Goldsmith ist ein ganz Großer. Planet der Affen, Tora! Tora! Tora!, Papillon, Chinatown, Rambo…. Wenn ich zwischen Jerry Goldsmith und John Williams wählen müsste.. ich glaub ich würde Jerry Goldsmith jederzeit bevorzugen. Obwohl.. kann man die beiden Hollywoodgrößen überhaupt vergleichen?

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      Markus Galla  RED

      Beide sind so unterschiedlich, dass ein Vergleich gar nicht möglich wäre. Und dennoch sind beide erstklassig auf ihre Art.

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    0gravity  

    Vielen Dank für diesen sehr interessanten Artikel.
    Die Problematik mit den Temp Tracks war mir gar nicht bewusst.
    Aus Musiker Sicht ist das sicherlich ärgerlich.
    Aber die Musik ist eben nur ein Aspekt unter vielen beim Filme machen und letztendlich ist der Regisseur für das Gesamtergebnis verantwortlich.
    Ich finde z.B. Alien perfekt so wie er ist und glaube, dass der Regisseur da den richtigen Riecher hatte.

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