Green Box: Roland D-50, D-550, PG-1000 Synthesizer (1987)

29. Oktober 2016

Ruhm und Ehre für ein Jahr

Green Box: Roland D-50, D-550 Synthesizer (1987)

Green Box: Roland D-50, D-550 Synthesizer (1987)

Vorwort der Redaktion

Ein echter Klassiker verdient die Bezeichnung nur, wenn von ihm auch viele Jahre nach Produktionsende eine starke Anziehungskraft ausgeht. Beispiele aus der Analogwelt gibt es viele, aber auch aus den Hochzeiten der Digital-Ära dürfen heute einige Synthesizer als „Klassiker“ bezeichnet werden. Wahrscheinlich habe ich mir aus diesem Grund vor gar nicht allzu langer Zeit einen Yamaha TX7 zugelegt, der in kompakter Größe und mit entsprechendem Editor ausgerüstet vielseitig einsetzbar ist, dabei aber eben doch klanglich diesen Vintage-Charme versprüht, der mit modernen FM-Plug-ins gar nicht oder nur ähnlich erreichbar ist. In genau jene Ära fällt auch der Roland D-50.

Faszinierend dabei ist aber vor allem die enorm kurze Zeitspanne, in der der Roland D-50 zu Ruhm und Ehre gelang. Um genau zu sein, 1 Jahr. Auf der NAMM-Show 1987 war er die Sensation, um bereits nach 12 Monaten durch den Korg M1 verdrängt zu werden. Innerhalb dieses Zeitraums war der Roland D-50 Sound aber omnipräsent. Kaum ein Pop-Act, der seine Tracks nicht mit dem Sound des Roland D-50 veredelt hat. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir das Debut-Album von George Michael FAITH oder Prince LOVESEXY. Aber auch zahlreiche Hits sind für immer mit den markanten Werksounds dieses Klassikers verbunden wie z. B. ORINOCO FLOW von Enya.

Roland D-50 als Plug-in

16 Jahre hatte es gedauert, bis ROLAND seinen eigenen Klassiker wieder aufleben hatte lassen, als optionales Board für den Roland V-Synth (2003) sowie dessen Expander-Version Roland V-Synth XT (2005). Mit dem Roland D-05 erschien dann 2017 ein kleiner Boutique-Synthesizer, der 1:1 die Klangerzeugung des Originals enthielt und auch als Plug-in brachten die Roland Ingenieure den Roland D-50 heraus. Sogar der Hardware-Controler PG-1000 wurde kürzlich von Dtronics geklont und trägt die Bezeichnung Dtronics  DT-01.

Der Roland D-50 im V-Synth XT

Als kleine Nebeninfo für Interessenten des V-Synth: Die D-50-Karte ist in der Expander-Version V-SYNTH XT bereits fest implementiert. Nicht so bei der Keyboardversion. Hier also bitte darauf achten, die Karte mit zu erwerben, da die Karte einzeln bereits horrende Preise am Gebrauchtmarkt erzielt. Die Expanderversion hat darüber hinaus den Vorteil, dass sich der Betriebszustand zwischen D-50 und V-Synth ohne Neustart des Synthesizers vollziehen lässt.

Wir widmen uns daher heute ein weiteres Mal diesem digitalen Klassiker, der – längst totgehört – doch immer und immer wieder neue Freunde gewinnt. Warum, weshalb wieso – hier nun ein wunderbarer Report dazu von Marco Ettlich.

Euer Tyrell

Roland D-50, D-550

Rolands Synthesizer-Bestseller D-50

Diesmal geht es in der AMAZONA.de Green Box um einen sehr erfolgreichen Synthesizer aus dem Hause Roland. Der Roland D-50 gehört neben dem Yamaha DX7 von 1983 und dem Korg M1 von 1988 zu den meistverkauften Synthesizern. Erstmals zu hören war der Prototyp des Roland D-50 auf der Frankfurter Musikmesse im Jahr 1987. Damals rief das Instrument beim Fachpublikum wie beim musikalischen Laien großes  Erstaunen hervor. Zum einen war es der volle und warme Klang und zum anderen die für die damalige Zeit unglaublich realistischen Klangfarben.

Roland D-50, D-550

Der rein digitale Roland D-50 vermochte so kraftvoll wie ein Analog-Synthesizer zu klingen und konnte ebenso klare, präzise Klangfarben erzeugen, die man sonst eher dem DX7 zuschreiben würde. Der D-50 verband somit das Beste aus beiden Welten und konnte eine riesige Bandbreite an universell einsetzbaren Sounds erzeugen. Eine weitere Sensation war der Einbau einer aufwendigen Effekteinheit inklusive Hall. Die Bedienung orientierte sich dabei an der klassischen Analog-Synthese und war für jedermann gut verständlich. Für nur knapp 4.000,- DM bekam man den (Synthesizer-) Himmel auf Erden. Folglich avancierte der Roland D-50 zu einem der kommerziell erfolgreichsten Synthesizer und hat selbst nach gut 22 Jahren immer noch eine treue Fangemeinde.

Roland D-50, D-550

Unzählige Spät-80er Pop- und Rock-Produktionen schienen ohne den D-50 Sound nicht mehr auszukommen. Die hervorragend programmieren Werksklänge waren allgegenwärtig und wurden so fast zum Klischee. Enyas Hit „Orinoco Flow“ wäre ohne den Werkssound „PizzaGoGo“ vermutlich nie entstanden. Zu hören ist der D-50 beispielsweise auch auf Foreigners „I Don’t Want to Live Without You” (Preset: Soundtrack), Paula Abduls “Straight Up” (Preset: Trumpet), auf Michael Jacksons Bad oder J.-M. Jarres Revolutions-Album. Die Liste der D-50 User und Songs ließe sich unendlich fortführen.

Auch als Live-Keyboard erfreute sich D-50 großer Beliebtheit. Er war handlich, robust und hatte sehr viele universell einsetzbare Standard-Sounds von ausgezeichneter Qualität im Speicher.

Roland D-50, D-550

Die Synthese im D-50

On My Way In LA

Der Roland D-50 „Linear Synthesizer“ arbeitet mit der sogenannten Linear-Arithmetic-Synthese. Was sich erstmal recht futuristisch anhört, ist so simpel wie genial. ROM-Speicherplatz war zur damaligen Zeit noch recht teuer und so kamen die findigen Roland Ingenieure auf die Idee, kurze Attack-Samples mit „analogen“ Schwingungsformen zu kombinieren. Dabei machte man sich die Erkenntnis zu Nutze, wonach das menschliche Ohr den Klangcharakter eines Instruments schon innerhalb der ersten Millisekunden identifizieren kann.

Die wichtigsten Synthese-Parameter

Die digitalen Oszillatoren mit ihren Standard-Schwingungsformen lieferten den Grundstock einen Klanges, den Klangkörper (das Sustain) und die vorgeschalteten Attack-Samples gaben dem Sound den jeweiligen Klangcharakter. Allein durch den Austausch dieser Attack-Samples war es somit möglich, dem Sound eine völlig andere Richtung zu geben. Beispielsweise wurde beim Sample „ViolinBow“ nur der Anstrich des Bogens gesampelt. Kombiniert man nun dieses Sample mit einem Sägezahn, erhält man einen sehr authentischen Streicher-Sound und das mit einem Minimum an Speicherplatzbedarf.

Die Klangerzeugung des Roland D-50 lässt sich grob in zwei Bereiche unterteilen: den Sample-Bereich und den Synthese-Bereich. Im Sample-ROM des D-50 fanden einen Vielzahl von Attack-Samples der unterschiedlichsten perkussiven Instrumenten wie Pianos, Streicher, Holz- und Blechbläser ebenso wie geloopte Schwingungsform-Samples und One-Shot Samples Platz. Die Samples wurden mit einer Auflösung von 16 Bit aufgezeichnet und haben teilweise eine leichte Rauschfahne.

So setzt sich ein D-50 Sound zusammen

Die ersten 47 Schwingungsformen sind reine Attack-Samples. Hier findet man beispielsweise Einschwingphasen von Instrumenten wie Klavier, Bass, Streicher, Gitarre, Holz- und Blechbläser, Marimba, Xylophon und noch einiges mehr. Die nächste Gruppe sind die Loops, wobei besonders die sogenannten Spectrum-Loops sehr interessant sind. Sie enthalten lediglich den oberen Bereich des Obertonspektrums eines Klanges, der unabhängig von der Grundfrequenz geloopt wurde. Grundlage waren Gläser, Hammerschläge und Glocken-Sounds. PCM-Sound 76 ist ein Noise-Loop, der gestimmt und tonal gespielt werden kann.

Bei den letzten 24 Samples handelt es sich um Sample-Loops mit unkorrekten Loop-Punkten. Hier wird richtig wild durcheinander gesprungen, teilweise sogar mit Wechsel der Tonhöhe. Diese Sample–Loops sind ideal für rhythmische Effekt-Sounds. Der Werkssound Digital Native Dance lebt allein von diesen Achterbahn-Loops. Im Gegensatz zu den Oszillatoren können die PCM-Samples nicht gefiltert werden und durchlaufen so nur noch den Verstärker und die Effektabteilung.

Alle internen Samples im Überblick

Digitale Oszillatoren und LFOs

Die digitalen Oszillatoren des Roland D-50 erzeugen Sägezahn und Rechteck. Die Pulsbreite ist per Anschlagdynamik, Aftertouch und LFO modulierbar. Eine Besonderheit des D-50 ist die ebenfalls modulierbare Sägezahn-Schwingungsform. Dazu muss man wissen, dass der D-50 Sägezahn gar kein richtiger Sägezahn ist, sondern durch Berechnung aus der Pulsschwingung gewonnen wird. Außergewöhnlicher Nebeneffekt: eine „Sägezahn-Pulsbreitenmodulation“. Beim Sägezahn ergibt sich bei eingestellter PW= 00 ein „reiner“ Sägezahn, dessen Frequenz allerdings eine Oktave höher, als die der Pulsschwingung liegt. Will man diesen „reinen“ Sägezahn nutzen, muss man gegebenenfalls den Oszillator noch um eine Oktave nach unten stimmen. Wenn man aber die Pulsbreite weiter erhöht, hört man wieder den eigentlichen tieferen Ton. Auch beim Sägezahn wird der Klang bei zunehmender Pulsbreite nasaler. Die Stimmung der Oszillatoren kann grob in Halbtonschritten und fein mit +/-50 Cents vorgenommen werden. Die Tonhöhe ist natürlich per LFO und Hüllkurve modulierbar.

Roland D-50, D-550 und PG-1000

Der Roland D-50 in guter Begleitung: Roland PG-1000

D-50 DCF: Gut gefiltert und veredelt

Je nach Verschaltung durchlaufen die rohen Schwingungsformen ein resonanzfähiges digitales Tiefpassfilter (Time Variant Filter genannt) mit mehrstufiger Hüllkurve. Beeinflussen lässt sich das Filter durch einem der drei LFOs oder durch die für das Filter zuständige Hüllkurve. Bei der Hüllkurven-Modulation stehen weitere Einflussgrößen zur Verfügung: Envelope Depth (Intensität der Wirkung auf das Filter), Velo Range (Intensität per Tasten-Anschlag), Key Follow Depth (je höher der Ton, um so mehr beeinflusst die Hüllkurve das Filter) und Key Follow Time (mit zunehmender Tonhöhe verkürzt sich die Envelope).

Nachdem der Klang das Filter passiert hat, gelangt er in den Verstärker (Time Variant Amplifier). Hier kann auf die Lautstärke per Velocity und LFO Einfluss genommen werden. Das aus dem Roland JX-10 und MKS-70 bereits bekannte Chase Play wurde im D-50 ebenfalls übernommen. Es ermöglicht, das Signal des Lower-Tones im Verhältnis zum Upper-Tone leicht verzögert auszugeben, was für interessante Delay-Effekte sorgt.

Der Roland D-50 ist maximal 16-stimmig polyphon. Diese 16 Synthesizer-Stimmen nennt man hier Tone. Jeder Tone besteht aus zwei Partials. Ein Partial ist eine Klangkette aus Oszillator oder Sample, einschließlich Filter, Hüllkurven und LFOs. Bis zu vier Partials lassen sich zu einem Patch zusammensetzen. Sind zwei Tones übereinander gelegt, spricht man vom Dual-Mode. Das Gerät ist dann folglich nur noch 8-stimmig spielbar. Ob nun ein Tone aus zwei Samples, zwei Oszillatoren oder aus einer Kombination aus beiden bestehen soll, wird in den Structures geregelt. Sieben dieser Verschaltungsmöglichkeiten sind geboten. Dabei ist auch eine Ringmodulation (mit R gekennzeichnet) vorgesehen, um bei Bedarf auch metallische und disharmonische Klänge zu erzeugen. Dynamische Klangverläufe bei der Ringmodulation sind beispielsweise möglich, wenn eine Hüllkurve die Tonhöhe eines Partials moduliert.

Integrierte Digitale-Effekte

Ein echter Quantensprung war die damals erstmals in einen Synthesizer verbaute Effektabteilung mit verschiedensten Reverb- (inklusive Gate und Reverse) und Stereo-Chorus- (inklusive Flanger, Tremolo) Effekten und einem 2-Band Equalizer. Die Effekte sind für jeden Tone separat einstellbar und wirken auf  beide Partials gleichzeitig. Nicht weniger als 32 unterschiedliche Hall- und Delay-Algorithmen lassen sich auswählen. Für die damalige Zeit ist die Qualität durchaus als sehr gut zu bezeichnen.

Der schon früher erschienene Korg DW-8000 bot nur ein Digital-Delay. Im Roland D-50 hatte man nun eine große Palette der beliebtesten Effekte als Bestandteil der Sounds, gerade für die Bühne ein unschätzbarer Vorteil. So musste man nicht mehr die verschiedensten Effektgeräte mit rumschleppen und jedes Mal neu anpassen.

Beim Roland D-50 wurden sogar erstmalig in einem Synthesizer 20 Bit D/A-Wandler eingesetzt. Dass der D-50 aber dennoch ziemlich stark rauscht, liegt an der damals noch weitgehend unausgereiften Digitaltechnik. Die Rauschfahne lässt sich nicht immer leicht kaschieren, gehört aber zum Charme des D-50 irgendwie dazu.

Roland PG-1000

Roland PG-1000 Controller

Bedienung bitte

Die 61er Tastatur des Roland D-50 besitzt Anschlagdynamik und Aftertouch und lässt sich recht angenehm spielen. Gerade der Aftertouch lässt sich sehr feinfühlig einsetzen, was leider nicht bei allen Roland Synthesizern der Fall ist. Dynamische Klangveränderungen beim Spielen sind somit gut möglich, z. B. lässt sich per Aftertouch ein Partial ein- und ausblenden.

Als weitere Spielhilfe verfügt der D-50 über den Roland-typischen Bender. Nach hinten gedrückt lässt sich die Modulation (leider nicht die Filterfrequenz) auslösen, rechts bzw. links ist für das Pitchbending zuständig. Auffällig ist der von der Korg Wavestation und dem Prophet VS bekannte Joystick neben dem Bedienpanel, mit dem sich das Mischungsverhältnis der Tones und Partials beeinflussen lässt.

Auch wenn die Parameterliste des D-50 recht überschaubar ist und sich die LA-Synthese am klassischen analogem Prinzip orientiert, so kann man hier kaum von einer komfortablen Bedienung des D-50 sprechen. Das kleine 2×40 Zeichen Display und nur sieben Funktionstasten vergraulen einem die Lust am Programmieren. Gut, dass sich der D-50 über Software Editoren wie Sound-Diver (nur noch gebraucht erhältlich) editieren lässt. Allerdings ist es nicht möglich, z. B. per Bankloader die Patches per MIDI-Dump auf bestimmte Speicherplätze zu laden. Dies ist erst beim Rack-Modell D-550 möglich.

Der Roland Controller PG-1000

Wer nicht „Mausschubser“ sein möchte, kann sich nach dem Hardware-Programmer PG-1000 auf dem Gebrauchtmarkt umsehen. Der Roland PG-1000 arbeitet mit Sys-Ex Befehlen und erlaubt den komfortablen Zugriff auf alle Parameter des Roland D-50 und ist jedem D-50/D-550 User ans Herz zu legen. Die Bedienung ist recht einfach. Dafür sorgen auch das gut lesbare und beleuchtete Display und der logische Aufbau der Einheit. Gut gelöst wurde, dass mehrere zusammenhängende Funktionen (z. B. alle Hüllkurven-Levels) gleichzeitig dargestellt werden können. Welchen Wert man letztendlich verändern will, bestimmt  man einfach durch das Drücken auf den jeweiligen Taster unter dem Display.

Hat man erst einmal selber Sounds erstellt, lassen sich diese in 8 Bänken mit jeweils 8 Speicherplätzen ablegen. Ein Sound (Patch) enthält die komplette Kombination aus den Tones und Effekten. Weiterhin konnte man 64 weitere Sounds auf einer externen Memorycard ablegen. Die Memorycards gab es als RAM- oder ROM-Karten. Gerade für den D-50 gab es eine Vielzahl an ROM-Karten direkt von Roland oder von Drittanbietern. Es war die Zeit, in der man mit selbst erstellten Sounds noch viel Geld verdienen könnte.

Roland D-50, D-550

Eine Schönheit, der Roland D-50 Synthesizer

MIDI im Roland D-50

MIDI-seitig ist der Roland D-50 recht spartanisch ausgestattet. Das größte Ärgernis ist sicherlich der fehlende MIDI-Multimode. Beide Tones eines Patches lassen sich aber auf getrennten MIDI-Kanälen ansprechen. Der MIDI-Mono-Mode (auch Gitarren-MIDI-Mode genannt) erlaubt es, einzelne Stimmen auf verschiedenen Kanälen zu empfangen, allerdings nur mit einem separatem Klangprogramm.

Diesem Manko nahm sich der Entwickler Oliver Schwarz an und fertigte Ende der 80er-Jahre die Musitronics Multimode Expansion für den D-50 M-EX. Die Erweiterung, die es auch heute noch  erhältlich ist, macht den D-50 8-fach multitimbral und stattete ihn mit zwei neuen Keyboard-Modes aus. Die MIDI-Kanäle wurden in den Multi-Parts frei zuweisbar gemacht und die bis zu acht Tastaturzonen erweitern den D-50 wirklich beträchtlich. Die Anzahl der Speicherplätze wurde sogar verdreifacht.

Weiterhin sollte auch nicht verschwiegen werden, dass das MIDI-Timing des D-50 sehr zu wünschen übrig lässt. Der D-50 reagiert unterschiedlich und mit Verzögerungen auf eingehende Notenbefehle. Das macht sich besonders bei kurzen Sequencer- und Bass-Sounds negativ bemerkbar.

Die Roland-LA Enkel

In puncto MIDI hat man beim etwas später erschienenen Rack-Modell D-550 einige Verbesserungen eingebracht. Der zwei Höheneinheiten große, aber sehr tiefe (40 cm!) D-550 hat ein weitaus besseres MIDI-Timingverhalten als der D-50 und verfügt über einen besseren Grundsound. Der Klang ist einfach klarer und transparenter. Allerdings vermisst man beim D-550 den Joystick zum Verändern des Mischverhältnisses der Partials und Tones.

Roland D-550

Die Expander-Version Roland D-550

Die abgespeckten LA Synthesizer D-20, D-10, D-5 und D-110 reichen klanglich nicht an den D-50 heran und das betrifft nicht nur die Grundfunktionen. Die MIDI-Funktionen wurden sogar teilweise drastisch erweitert, ein Floppy Laufwerk hinzugefügt und der D-20 bekam schließlich einen Sequencer spendiert. Der volle und warme Klang des D-50 wurde nicht mehr erreicht. Allerdings waren diese D-50 Ableger auch für weniger Geld am Markt erhältlich.

Einige Jahre später erschien dann noch der Roland D-70, als Super-LA-Synthesizer in der Werbung bejubelt. Mit 76 Tasten und Multimode sollte er an der großen Erfolgt des D-50 anknüpfen. Diese Rechnung ging für Roland nicht auf, denn der Klang des D-70 hatte mit dem D-50 überhaupt nichts mehr gemein. Er erinnert vielmehr an die neue Roland JV-Synthesizer-Generation. Er ist also nur noch ein schnöder ROMpler. Allein die umfangreichen Masterkeyboard-Funktionen des D-70 waren lobenswert.

Für den ersten Roland V-Synth gab es eine Steckkarte, welche die komplette Synthese des D-50 nachbildete und so den Sound auf ein modernes Instrument übertrug. Ich konnte selbst einen Vergleich machen und musste dabei feststellen, dass der Charakter schon in einigen Bereichen mehr oder weniger erreicht wurde, aber trotzdem Unterschiede hörbar waren. Der D-50 hat viel angenehmen „Schmutz“ im Klang und das lässt sich so nicht emulieren.

roland-v-synth-xt

Der Roland V-Synth XT mit D-50 Expansion

Die oben kurz erwähnten Ur-Engel Roland D-05 sowie die Plug-in-Version Roland D-50 Cloud erwähnen wir hier nur kurz und verweisen auf die Artikel zu diesen Ur-Enkeln hier im Magazin.

Der Klang des D-50: Crème de la Crème

Viele D-50 Klänge wie Staccato Heaven, Future Pad, Digital Native Dance, Fantasia oder Soundtrack, um nur ein paar Sounds zu nennen, sind mittlerweile Legende – teilweise bis heute kopiert und doch nie ganz erreicht.

Ich selbst setze meinen D-550 am liebsten für dezente Flächen und PPG-ähnliche Digitalsounds ein. Der D-50 ist kein „Rowdie“, der sich in den Vordergrund drängt. Seine Stärke sind mehr die dezenten Klangfarben. Hauch und Röchel beherrscht er wie kein anderer, annähernd vielleicht noch der JD-800. Durch die Kombination von Schwingungsformen und disharmonischen Spektren erinnert der Sound oft an den Sequential Circuits Prophet VS oder PPG Wave. DX7-ähnliche Klänge wie auch satte analoge Synthie-Bläser und subtile Flöten-Sounds gehören zum breiten Klangspektrum des D-50. Die Fülle an guten und allseitig einsetzbaren Flächensounds ist sehr groß und macht den D-50 zu einem ausgezeichneten „Teppichleger“.

Wer also den typischen, Spät-80er-Jahre Sound mag, sollte sich den D-50 oder D-550 ruhig einmal näher anschauen. Die Geräte sind recht häufig zu finden und bei Gebrauchtmarktpreisen von 200,- bis 300,- Euro riskiert man wirklich nicht viel. Ich hatte meinen D-550 sogar schon einmal verkauft, dann schmerzlich vermisst und schließlich wieder gekauft. Das sagt doch alles.

Budget-Varianten, von MT-32, D-10 und D-20

Mit dem Roland MT-32 brachte Roland erstmals eine preisgünstige Version des Roland D-50 auf den Markt. Obwohl sie sehr erfolgreich war und auch über einen Multimode verfügte, war der Roland MT-32 Expander nie ein vollwertiger Erdsatz für das Original. Er erreichte weder die Klangvielfalt, noch die Wärme seines großen Bruders.

1988 erschien mit Roland D-10 (Keyboard), Roland D-20 (Keyboard mit Sequencer) und Roland D-110 (Rack-Expander mit zusätzlichen Drumsounds und Einzelausgängen) eine ganze D-Familie für den Budget-Bereich, die aber ebenso wie der MT-32 klanglich dem Original nicht das Wasser reichen konnte.

Roland Desktop-Synth MT-32

Der Roland D-70, der inoffizielle Nachfolger

Erst 1990 erschien mit dem Roland D-70 ein würdiger Nachfolger, der allerdings auf Grund seines 76-Tasten-Umfangs nicht jedermanns Geschmack war und dem damaligen Geschmack nach „realistischen Akustik-Sounds“ der Korg Workstations nur wenig entgegenhalten konnte.

Heute zählt der Roland D-70 zu den Hidden-Champions. Aber auch er ist klanglich ein vollkommen eigenständiges Produkt, erinnert zwar deutlich an den Roland D-50, ist aber dennoch kein Ersatz für ihn, wenn man eben genau jene Sounds sucht, die den Roland D-50 berühmt gemacht haben.

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Fazit

Der Roland D-50 bietet auch heute noch einen charismatischen und einzigartigen Sound, der eigentlich nur durch die Emulationen im Roland V-Synth und Roland V-Synth XT erreicht werden kann. Nach Jahren eines Gebrauchtmarkt-Tiefs von 200,- Euro steigt der Wert für einen Roland D-50 inzwischen wieder deutlich an und liegt mittlerweile wieder bei über 400,- Euro.

Plus

  • extrem eigenständiger Klangcharakter
  • erweiterbar durch die Musitronic-Erweiterung M.EX und PG-1000 Controller
  • als Rack und Keyboard erhältlich

Minus

  • deutliches Grundrauschen
  • MIDI-Timing lässt zu wünschen übrig
  • kein Multimode

Preis

  • laut Syntacheles Liste Juni 2021:
  • Roland D-50: ca. 400,- Euro
  • Roland D-550: ca. 330,- Euro
  • Roland PG-1000 ca. 350,- Euro
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