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Hersteller Report: Meinl

Zweifellos beeindruckend ist doch immer wieder eine Erfolgsgeschichte wie zum Beispiel die der deutschen Instrumentenfirma Meinl. Würde heutzutage jemand – wie damals Roland Meinl – in seiner kleinen Werkstatt anfangen, Becken zu schmieden und diese dann per Fahrrad ausliefern zu wollen, dieses Unternehmen würde heutzutage hoffnungslos scheitern. Aber gerade in diesen Zeiten waren die Menschen doch stark gefordert, sich allein um des Überlebens Willen etwas einfallen zu lassen, und manchmal kamen die Leute dann auf ganz besondere Ideen. Wie eben Instrumente zu bauen – und wie die Geschichte beweist, kann man wirklich viel erreichen, wenn man mit Leidenschaft dabei ist und liebt, was man tut.

Erste Schritte mit Blasinstrumenten in den Anfangszeiten des Unternehmens scheinen nicht gefruchtet zu haben, so dass man auf die bis heute anwährende Herstellung von Becken umstellte. Im Laufe der Jahrzehnte wurden einige interessante Meilensteine geschaffen, welche hier besondere Erwähnung finden sollen. Am Anfang stand die Roman Mark-Serie und wie der Zufall es will – ich konnte mir ein Hihat-Paar zum Testen organisieren. Diese Becken wurden zunächst aus einer Kupfer-Nickel-Legierung (Nickelsilber genannt) gegossen, die heutzutage kaum oder gar nicht mehr zur Beckenherstellung benutzt wird. Für dieses eher günstige Rohmaterial kam dabei ein ganz passables Ergebnis heraus, wie ich finde. Für einen schönen Vintage-Sound könnte man die Becken durchaus noch einsetzen. Sie sind nicht zu dünn, es gibt keine Beulen oder andere Verformungen und das nach über 40 Jahren im Einsatz. Sogar in die USA wurden damals schon Becken exportiert. Professionellere Klangeigenschaften sollte der Meinl Kunde mit der Meinl 100 und King Beat-Serie erhalten. Diese wurden in den 1970er Jahren aus B8 Bronze gefertigt. Durch verschiedene Abdrehtechniken wurden unterschiedliche Klangbilder erschaffen. Daraus entstanden Unterkategorien der Beckenserien, wie die Meinl 100 Spezial. Bis zu diesem Zeitpunkt waren alle Beckenserien noch im semiprofessionellen Bereich angesiedelt. Ab 1974 bot Meinl als erster Hersteller vorsortierte Beckensätze an.

Seit den 1980er Jahren sprudeln die sehr unterschiedlichen Serien nur so aus dem Unternehmen. Seriennamen Anfang der 80er Jahre waren: Steamer, Laser und Meteor. Wegweisend war 1984 die Profile-Serie, welche durch Computer gesteuerte Maschinen mit einem Höchstmaß an Präzision hergestellt werden konnten. Da erinnere ich mich gerne an mein zusammengespartes 17 Zoll Profile Rock Velvet Crash, damals mein ganzer Stolz. Leider hielt dieses Becken meinen jugendlichen Schlagzeug-Attacken dauerhaft nicht stand, was wahrlich nur mir selbst und nicht der Qualität des Instruments zuzuschreiben war. Durch den mehrfarbigen Aufdruck wirkten diese Becken sehr modern. Klanglich waren sie ebenso überzeugend. Mit der Raker-Serie 1985 ließen sich einige Endorsement-Partner finden, wodurch die Serie in der Rockdrummer-Szene guten Absatz erhielt. Beckenstarter-Sets unter dem Namen Marathon kennen bestimmt auch noch viele.

Die zusammen mit Billy Cobham 1990 in’s Leben gerufene Tritonal-Serie bewies endgültig, dass Meinl in der Lage war, Becken in der Topklasse zu produzieren. 1995 eröffnete der Custom Cymbal Shop, hier wurde von nun an handgehämmert, sandgestrahlt und in vielen Formen experimentiert. Es kamen 1996 die Classics Becken im semiprofessionellen Bereich, die One-of-a-Kind handgehämmerten Becken 1997 und 1999 die Amun-Serie, auch im Profi-Sektor angesiedelt.

2001 kam dann die in der Türkei handgehämmerte und bis heute unglaublich erfolgreiche Byzance-Serie mit all ihren vielfältigen Modellen, welche ständig erweitert wird. Auch spezielle, trashige Sounds gibt es zum Beispiel in der Generation X-Serie.
Ein ebenso vielfältiges wie qualitativ hochwertiges Percussion Angebot hält Meinl auch bereit, hier gibt es alles, von Kinder Percussion (Nino-Serie) bis zu professionellen Congas, Bongos, Cajones und vielem mehr.

Meinl ist heute ein durch konsequente Weiterentwicklung gewachsenes Unternehmen, das ein sehr breit gefächertes Angebot an Becken für jeden Geschmack bietet. Zudem ist Meinl gleichzeitig Vertrieb für viele andere große Instrumenten-Firmen wie Ibanez-Gitarren oder Tama-Drums.

Eine beeindruckende Erfolgsgeschichte, von der Ein-Mann-Produktion bis hin zum Weltkonzern.