Interview: Dave Smith zum Sequential Prophet 6

24. Januar 2015

SEQUENTIAL ist nicht DSI, oder doch?

2015 scheint DAS Jahr für Liebhaber von Analog-Synthesizern zu werden. Zunächst die Ankündigung, dass sich Korg und Behringer um den ARP ODYSSEY battlen wollen (wobei Korg da nun einen enormen zeitlichen Vorsprung hat) – und plötzlich kommt da ein Punch aus einer ganz unerwarteten Richtung – nämlich von SEQUENTIAL mit dem Sequential Prophet 6.

Und um es jetzt gleich vorab klar zu stellen: Nein, der Sequential Prophet 6 ist KEIN DSI Produkt. Wie ihr gleich im folgenden Interview sehen werdet, ist SEQUENTIAL tatsächlich mit Unterstützung von Yamaha wieder ins Leben gerufen worden. DSI spielt dabei als Company nur die Vertriebsrolle. Mastermind hinter der „neuen“ SEQUENTIAL ist aber wieder Dave Smith.

Auf der soeben laufenden NAMM SHOW in Los Angeles ist jedenfalls sein Prophet 6 das Tagesgespräch und hat den Korg-Nachbau des ARP ODYSSEY erst einmal in den Hintergrund gedrängt. Nun war natürlich für uns spannend zu wissen, sieht das Ding nur aus wie ein Prophet-

Prophet 5, oder gibt es da mehr Gemeinsamkeiten als den Look. Immerhin hat uns ja Roland vor gar nicht all zu langer Zeit einen Jupiter-8 Nachfolger verkaufen wollen, der nun rein gar nichts mit dem Original zu tun hatte außer ein paar bunten Knöpfen.

Aber lest selbst:

Amazona.de:
Hallo Dave, Du hast ja hier DEN Knaller der Messe platziert – Gratulation zum SEQUENTIAL Prophet 6!!!

Dave:
O ja, offensichtlich, vielen Dank.

Sequential Prophet 6

AMAZONA.de:
Für unsere Leser ist aber in erster Linie wichtig zu wissen, ist der Sequential Prophet 6 nicht nur optisch, sondern auch klanglich ein Replikat des Prophet 5?

Dave:
Das ist nicht einfach mit ja oder nein zu beantworten. Der Prophet-6 besitzt eine andere Schaltung als der Prophet 5, da das ursprüngliche „Circuitry“ nicht mehr verfügbar war. Außerdem kann ich es gar nicht leiden, Produkte neu aufzulegen. Die Idee war es, die Seele des Prophet-5 einzufangen, aber wir haben neue VCOs und Filter konstruiert, alles diskret aufgebaut und neue Chip-Sets erstellt. Der Prophet-6 hat also einen neuen Klangaufbau und auch einen neuen Sound. Aber ist auf keinen Fall eine exakte Nachbildung, obwohl er sehr nahe am Klang des Prophet-5 ist.

Dave:
Ich meine, er sieht aus wie ein Prophet 5, er hat die Seele und das Feeling eines Prophet 5, aber er ist ein eigenständiger, ein moderner Synthesizer, der deutlich mehr Funktionen hat als sein Vorgänger, aber trotz alledem immer noch sehr einfach zu bedienen ist.

Filter-Modul am Prophet 6

Filter-Modul am Prophet-6

Amazona.de:
Worin unterscheidet sich der Prophet 6 vom Prophet 8? Bleiben beide am Markt oder wird der Prophet-8 eingestellt?

Dave:
O nein, nein, das sind beides sehr verschiedene Instrumente. Als wir den Prophet 12 auf den Markt brachten, haben die Leute immer noch den Prophet 8 gekauft, weil es einfach zwei verschiedene Instrumente sind und sie auch vollkommen unterschiedlich klingen. Das ist wie wenn du eine „Telecaster“ hast und eine „Les Paul“ dazu kaufst. Dann behältst du ja auch beide und schmeißt nicht eine davon auf den Müll. Es ist also ein eigenes Instrument. Und genauso ist es mit den Prophets. Der eine mag den Prophet-8 lieber, der andere den Prophet-6. Zwar kostet der Prophet 6 mehr, dafür hat er auch mehr Funktionen und ein komplett neues Circuitry. Das ist einfach eine Entscheidung, die der Kunde selber treffen darf. Wir finden es gut, wenn wir mit uns selbst darum wetteifern, welcher Prophet der Beste ist, da kein anderes Unternehmen analoge Synthesizer so baut wie wir. Und da machen wir uns eben selbst ein bisschen Konkurrenz.

Amazona.de:
Der Prophet-8 heißt ja noch DSI Prophet 8, der Prophet 6 heißt nun Sequential Prophet-6. Läuft der 6er unter einem neuen Firmennamen, also Sequential oder ist der Sequential nun auch von Dave Smith Instruments?

Dave:
Da gibt es keine Magie dabei. Der Prophet 6 ist ein Sequential Produkt. Also ein Produkt von SEQUENTIAL. DSI ist nur der Vertrieb, DSI verkauft den Synthesizer für SEQUENTIAL. Das ist alles. Darüber hinaus haben wir keine Ambitionen, Namen oder irgendetwas zu ändern, weder bei DSI noch bei Sequential. Immerhin ist es das erste Sequential Produkt seit 30 Jahren.

Envelopes am Prophet 6

Envelopes am Prophet-6

Amazona.de:
Wurden im Sequential Prophet-6 wieder Curtis Chips verbaut?

Dave:
Nein, nein …

AMAZONA.de
… weil sie nicht mehr verfügbar sind …

Dave:
Nein, nein … wir benutzen immer noch Curtis-Filter in anderen Synthesizern. Wenn Du den Curtis-Sound magst, ist der Prophet-8 der richtige Synthesizer für dich. Für den Prophet-6 haben wir ein komplett neues Filter-Design entworfen. Es liegt an dir, was dir besser gefällt, ebenso wie im Pro 2.

Amazona.de
Im Pro 2 sind keine Curtis Filter. Und im Pro 12?

Dave
Im Pro 12 haben wir noch Curtis Filter verwendet. Im Pro 2 nicht mehr. Hier haben wir erstmal ein komplett eigenes Filterdesign entwickelt.

Amazona.de:
Welche Art von Filter sind denn nun im Prophet 6?

Dave:
Auch diese sind komplett neu und haben weder etwas mit dem Pro 2 noch mit den Curtis Chips zu tun. Am ähnlichsten sind sie den Filtern vom original Prophet 5. Natürlich nicht dieselben, aber schon sehr ähnlich.

Amazona.de:
Toll, dass der neue Prophet 6 einige moderne Features hat, die dem Prophet-5 gefehlt haben. Aber warum hat er denn nicht ein Display zur Namensgebung bekommen? Die Soundsuche wird so wahrscheinlich sehr schwer!!!

Nummern statt Namen wie beim Orignal Prophet 5

Nummern statt Namen wie beim original Prophet-5

Dave:
Der Grund dafür ist tatsächlich das Retrofeeling. Die Leute haben sich beim Prophet 5 ja auch nicht beschwert. Die wussten damals einfach, dass zum Beispiel Sound 32 ihr Lead-Sound war. Das ist wirklich nur eine Gewöhnungssache. Und der zweite Grund ist, dass du immer 10 Sounds direkt über die Tasten verfügbar hast. Du erstellst also ganz einfach Deine Sounds, speicherst sie ab und hast den direkten Zugriff darauf. Du verlässt dich wieder mehr auf Deine Ohren.

Amazona.de:
Werden evtl. weitere Sequential Produkte neu aufgelegt? Wie wäre es denn mit einem neuen STUDIO 440? Oder einem neuen Prophet-2000?

Dave:
Weißt du, alles ist möglich und wir haben uns noch nicht entschieden, was als nächstes kommt. Ob es ein Sequential Produkt ist oder eines von DSI und welches es dann genau ist. Wir haben natürlich Ideen, aber was ich dir schon sagen kann ist, dass wir keine neues STUDIO 440 machen, da wir ja das Tempest schon haben mit digitalen Oszillatoren und analogen Filtern. Also, es ist ziemlich unwahrscheinlich, aber man weiß ja nie. Wie du weißt, war ja auch das hier bis gestern eine Überraschung für die ganze Welt  und genauso wird es auch mit unserem nächsten Produkt sein.

AMAZONA.de
Absolut, jeder hier auf der Messe hat plötzlich nur noch über den Prophet 6 gesprochen, der Korg Odyssey ging fast unter.

Dave:
Der Odyssey ist halt ein Odyssey, aber das hier ist komplett neu.

Amazona.de:
Zu guter Letzt noch eine Frage. Ab wann geht der Versand los?

Dave:
Wir dachten so an Mai. Vielleicht etwas früher oder später, aber in diesem Zeitraum auf jeden Fall. Wir sind eine kleine Firma – und die Nachfrage hier übersteigt gerade alle unsere Erwartungen!!!

Amazona.de:
Dave, du hast uns wieder mal alle überrascht. Wir danken dir für dieses Interview und wünschen dir noch eine sehr erfolgreiche Messe!

Forum
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    laubi  

    Na das nenne ich eine aktuelle Berichterstattung – gute Fragen & Antworten, spannend! Danke

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    lightman  AHU

    Ich finden Dave Smiths Ansatz beim P6 gut, den klassischen Analogsound mit modernen Elementen anzureichern und ein neues Schaltungsdesign zu verwenden, statt eine 1:1-Kopie abzuliefern. Wobei hier auch wirtschaftliche Überlegungen eine Rolle gespielt haben dürften, der exakte Nachbau bestimmter Schaltungen und Chips des P5 hätte den P6 wohl deutlich teurer gemacht und am Ende wären trotzdem wieder die Originalheimer dahergekommen, die in bestimmten Einstellungen eine 0,2%ige Abweichung vom Original entdeckt hätten…

    Zumindest gibts als Konzession an die alten Zeiten eine Oberfläche, die dem P5 zum Verwechseln ähnlich sieht. Man muß wahrlich kein Prophet (höhö) sein, um vorhersagen zu können, daß sich der P6 wie geschnitten Brot verkaufen wird, und das ist Dave Smith und Kollegen auch zu wünschen. Wer mit soviel Herzblut an einer Sache arbeitet, ist jeden Cent wert.

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    k.rausch  RED

    Sein Argument zur LED Programmanzeige „Die wussten damals einfach, dass zum Beispiel Sound 32 ihr Lead-Sound war.“ zieht bei mir nicht. Schon damals musste ich mir beschriftete Papierstreifen aufs Keyboard kleben, um die Soundnummern bestimmten Songs fürs Bühnen Setup zuordnen zu können. Auch heute noch. Im Studio sind des dann Listen, was nicht viel komfortabler ist. Wer nur 5 Sounds beherrschen muss, für den reicht, dass beim Propet 5 der Funkesizer Sync auf Programmplatz 17 liegt. Alle anderen und auch ich müssen das dann immer aufschreiben. Namensfähige Displays sind ein Fortschritt, auf den ich nun wirklich nicht verzichten möchte. Am besten recht große Buchstaben, damit man die auch bei buntem Bühnenlicht noch erkennen kann. Ansonsten bin ich vom Prophet 6 hellauf begeistert, auch wenn ich noch nicht einen Ton gehört habe :)

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      Tyrell  RED 1

      Das sehe ich ganz genau so. Ich vermute, dass einfach die Lizenz die an Yamaha zu zahlen ist, den preis unnötig in die Höhe getrieben hat und deshalb bestimmte Features dran glauben mussten.

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        Theo Möbus  

        Es gibt doch heutzutage diese kleinen tragbaren Flachbildschirme, die mit allen möglichen Zusatzfunktionen ausgestattet sind, ich glaube die nennen sich PDAs/Smartphones/iPads? Da würde ich mir eine Applikation draufladen, die den Prophet-6 per USB/MIDI automatisch erkennt und mir die Soundnamen anzeigt, wenn ich die entsprechenden Programmtasten am Prophet-6 betätige. Die Soundnamen muss ich vorher natürlich selber eintragen.

        Abesehen davon habe ich allergrößten Respekt vor Dave Smith, der in seinem Alter noch derartig viel leistet! Daran können sich andere mal wieder messen!

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      AMAZONA Archiv

      Sich 2 x 500 Sounds, wenn ich es richtig verstanden habe, zu merken ist wohl sein Beitrag zur Prevention altersbedingter Demenz. ,)

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    laubi  

    Nachdem Konzept und Erscheinungsbild ordentlich für Begeisterung sorgen (wie auch bei mir), wird sich der offizielle Nachfolger des legendären Propheten letztendlich klanglich beweisen müssen.

    Marketingtechnisch einfach genial Sequential wieder ins Leben zu rufen. Ist nur die Frage wieviel „Neues“ nun wirklich in den neu entwickelten Schaltungen steckt. Ich kann mich gut erinnern als Dave beim Erscheinen des Prophet 08 ähnliche Beschreibungen verwendete: keine Kopie, sondern Weiterentwicklung bzw. modern Vintage… Im Interview spricht er sich frei nicht mit dem Prophet-5 konkurrieren zu wollen – ob die neuen (diskreten) Schaltungen nun den heiß ersehnten organischen Vintage sound wieder auferstehen lassen… oder einfach (nur) eine geniale Neuinszenierung von DSI..?

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    Filterpad  AHU

    Ich finde das DSI wirklich zu viele, ähnliche und das über einen relativ schnellen Zeitraum, Produkte auf den Markt wirft. Man kennt weder die Unterschiede (außer man befasst sich stundenlang damit), noch kann man sich alle aktuellen Synths (die ähnlich aussehen und ähnlich heißen) merken. Auf der anderen Seite zeigt es Innovation, Ideen, Konzept und Kampfgeist. Welcher DSI darfs denn nun sein?

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      moogist  

      Pro One, Pro 2, Prophet 5, Prophet 6, Prophet 08, Prophet 10, Prophet 12 … die geraden Zahlen hat Dave ja jetzt nun abgearbeitet, da kann er ja jetzt mit den ungeraden Zahlen weitermachen (Ausnahme Pro One).

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        moogist  

        (Doofe Grippe…) – Dave hat ja mit Pro One und Prophet 5 ja schon zwei ungerade Prophets herausgerbracht…

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    Dirk Sandoz  AHU

    Ich finde es mit den Bänken und den Preset Buttons gut. Da Zahlen schneller gelesen und verarbeitet sind.
    Zumal wenn ich einen bestimmten Sound suche, kann ich diese schon durch die Bänke kategorisieren. Bank1= Bass, B2= Lead usw. Zu B2 P16 komme ich auch auf direkteren weg anstatt 3x vorbei gelesen beim drehen, oder 35x die Pfeil taste gedrückt zu haben. Und zu guter letzt bleibt die Mürbe Hirnmasse im Einsatz ;-)

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    tsob

    Ich verstehe die Produktpolitik von DSI/Sequential nicht aber wer sich für polyphone Analogsynthesizer interessiert, kommt an Dave Smith nicht vorbei. Und es ist doch toll, dass da ein Enthusiast reihenweise super Synths baut. Ganz clever finde ich den Einstieg in die Modularwelt. Ich freue mich schon auf das Filter von DSI, dass kann ich mir wenigsten leisten…

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    L-Fis

    Ich bin verwirrt. Wer Curtis Sound mag, soll den Prophet 08 nehmen? Möchte uns Mr.Smith hier sagen, dass sich die neuen Filter im Prophet 6 an den Prophet 5 Modellen (Rev2) mit SSM Filter orientieren?

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    c.hatvani  AHU

    Ich muß Dave Smith recht geben, ein Klartext-Display ist bei einem Analogsynth nicht wirklich sinnvoll.
    Wenn ich Sounds an einem Juno-60, Polysix, oder sogar Poly-800 programmiere, habe ich nie ein Klartext-Display vermisst. Ich weiß genau, wo die Parameter sind, alles ist auf dem Panel, also wozu? Ich rufe einen Sound auf und sofort weiß ich worum es geht – und verlasse mich auf meine Ohren.
    Zumal ich den Namen eines selbst programmierten Sounds auch mühsam eingeben müsste. Taube Synthi-Spieler, die auf das Lesen von Soundnamen angewiesen sind, werden mir sicher verzeihen ;-)

  10. Profilbild
    c.hatvani  AHU

    Schönes Interview! Dave Smith liegt richtig, wenn er sagt, man sollte auf seine Ohren hören und nicht auf den Soundnamen… manchmal ist es schon blöd, einen neuen sound bennenen zu müssen, weil alle anderen Sounds einen Namen haben. Und damit Zeit zu verschwenden. Das macht vielleicht Sinn, wenn man hunderte von Sounds durchprobieren muß ob sie passen – kreatives Sounddesign funktioniert anders und da reicht das Display eines Prophet-5, Prophet-6 oder gar eines Polysix aus.

  11. Profilbild
    bytechop  

    Also der Tempest ist schon interessant aber der Preis scheint ziemlich fett zu sein. KORG hat ja mit dem Electribe Sampler einen ähnlichen Ansatz verfolgt nur gefallen mir die Tests nicht so. Einen Tempest für 1200 € mit viel Speicher und MPC ähnlichen Editierfunktionen könnte ich mir als Verkaufsschlager gut vorstellen. Und ich würde mir das Teil sofort kaufen. Die Synths sind natürlich der Hammer und den Preis wert. Welche neuen ICs werden denn nun verwendet? Ist das ein neues Patent oder gibt es die auch einzeln zu kaufen? Das wäre für Bastler interessant!

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