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Interview: Marco Pawlowski von WaveRex, RAM-Cards für Vintage-Gear

23. Juli 2022

Marco Pawlowski über das ReEngineering von Sample-Karten

Ergänzend zu unserem Test der neuesten WaveRex Soundkarten, diesmal für den Roland R8, haben wir mit dem Mann hinter der Marke WaveRex, Marco Pawlowski, ein Interview geführt.

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Peter:
Hi, Marc0. Erneut hast du seltene Samplesound-Karten adaptiert, diesmal zum Roland R8. Und wie immer kann man die Karten nun mit eigenen Samplesounds bestücken. War die Umsetzung der R8 Samplekarten aufwendiger als für die Korg M1?

Marco:
Oh ja, um Längen. Zum einen ist das Format wesentlich umfangreicher, es beinhaltet neben Samples auch Patterns und Songs, zum anderen liegen die Samples komprimiert ab und die Karte an sich ist kodiert. Alles Hürden, die erstmal überwunden werden mussten. Roland hat viel Aufwand betrieben, Daten platzsparend auf die Karten zu legen. Da muss man dann nicht nur jedes Byte, sondern jedes Bit umdrehen.

Ich musste die Karten also erstmal entschlüsseln, um überhaupt an den Karteninhalt zu kommen. Das war schon mal die erste Herausforderung. Dann musste das Kartenformat reverse engineered werden. Das passiert tatsächlich auf Bit- und Byte-Ebene. Erst wenn du jedes Bit verstanden hast, kannst du eine Software schreiben, die dieses Format erzeugt. Dann musste die Komprimierung der Samples entschlüsselt werden. Alles nicht ganz trivial, aber ich denke, das haben wir ganz gut hinbekommen.

Peter:
Klingt nach viel Detektivarbeit. Irgendwie ja auch cool zu sehen, wie die Ingenieure bei Roland das vor Jahrzehnten angepackt haben, oder?

Marco:
Absolut, das ist eine recht spannende Geschichte zu sehen, wie große Hersteller Dinge umgesetzt haben. Wir sehen zwar nicht den Code im Gerät selbst, wobei man sicher auch so an die Sache herangehen könnte, aber man kann relativ schnell ableiten, wie der Code und somit das Gerät funktioniert, wie die Programmierer ihre Problemstellungen gelöst haben. Manchmal sehr inspirierend, manchmal zum Davonlaufen. Man findet natürlich auch hier und da Bugs im Gerät, die natürlich so nicht auftauchen würden. Man muss dann eben einen Weg finden, wie man diesen Bug geschickt umschiffen kann. Da gäbe es spannende Geschichten zu erzählen. Ich hoffe, Software-Entwickler bauen heutzutage mehr Plausichecks in ihren Code ein.

Im Endeffekt habe ich, haben wir, an der M1 (effektiv) gut ein Jahr entwickelt. An der R-8 waren wir gut zwei, wenn nicht sogar drei Jahre dran (und wir entwickeln WaveR8 ja noch weiter), aber wer zählt das schon so genau. Frag mich lieber nicht, wie lange ich schon am Roland JV rummache … das steht in keinem Verhältnis.

Wir haben damals ganz naiv angefangen, von Tuten und Blasen keine Ahnung gehabt. Aber wir hatten doch recht schnell den Dreh raus und erkannt, dass wir anscheinend ein Händchen dafür haben. Es erfüllt mich mit Stolz, dass sich die Marke WaveReX langsam, aber sicher zu einem Synonym für derartige Produkte entwickelt. Ich bin auch davon überzeugt, dass das in der Qualität einzigartig ist.

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Peter:
Wie viel Sounds kann man nun auf eine Karte packen? Gibt es da Limitierungen?

Marco:
Auf eine Karte passen 26 Samples – oder wie sie bei der R-8 heißen – Instrumente. Die Limitierung kommt bereits vom Gerät selbst. Das Format der Karte könnte sicher auch mehr Instrumente darstellen, die R-8 adressiert aber nicht mehr als 26 Instrumente.

Peter:
Gab es auch eine Limitierung für den Sample-Speicherplatz?

Marco:
Wie die ROM-Karten der M1 auch, haben die ROM-Karten der R-8 eine Speicherkapazität von 512 kB (wie im übrigen die meisten Karten dieser Zeit). Durch die Komprimierung, die Roland verwendet hat, können aber fast doppelt so viele Daten abgespeichert werden. Man kann also sagen, die Karte entspricht einem Äquivalent von rund 1 MB.

In den seltensten Fällen haben die Hersteller ihre Geräte für größere Speicherkapazitäten ausgelegt. Soll heißen, dass die Geräte meist auch nur die Größe an Speicherkarte adressieren können, für die sie gebaut wurden oder andersrum, sie wurden für einen ganz bestimmten Typ Speicherkarte ausgelegt. Da unsere Karten nicht invasiv in das Gerät eingreifen, sondern nur die bereits vorhandene Struktur nutzen, haben unsere Karten folgerichtig die gleiche Kapazität wie die Originalkarten, was aber im Falle der R-8 wirklich keine große Limitierung ist, es sei denn, man möchte sekundenlange Cymbals oder dergleichen auf die Karte packen.

Peter:
Wäre es nicht möglich gewesen, die Karte gleich mit umschaltbaren 10 Bänken auszustatten?

Marco:
Jetzt kommen wir zu meinem Lieblingsthema 😃

Das hätte man bestimmt. Da spielen aber verschiedenste Faktoren rein. Nun entwickeln wir uns ja auch weiter … so mussten wir zunächst einmal die Anforderung an unsere Produkte erkennen und ein Konzept entwickeln, wie das umgesetzt werden kann. Ich persönlich habe einen gewissen Anspruch und möchte nicht irgendwelche hässlichen Dip- oder Hex-Schalter auf der Karte haben. Dann stellt sich die Frage, wie zeigt man die aktuelle Bank an. Machen wir ein Display? Baue ich Taster auf die Platine? Was macht das alles mit der Ästhetik der Karte. Wie findet das der User? Die größte Herausforderung ist, wie bekommt man das alles auf dieses winzige Karte. Wir müssen im Hinterkopf behalten, die Karte darf nur 2 mm dick sein … wir haben dann zum ersten Mal ein neues Konzept (mit Bänken) bei der neuen KORG DDD-Karte ausprobiert und bisher für gut empfunden. Das Konzept werden wir sehr wahrscheinlich beibehalten. Wenn dies der Markt wünscht, werden wir WaveR8 MKII an dieses Konzept anpassen.

Peter:
Kann man demnächst bei dir evtl. auch die Original-Samplepacks von Roland zum Download für deine Karten bekommen?

Marco:
So ist der Plan, wir haben auch schon etliche Packs in den Startlöchern und planen auch noch mehr, auch für andere Produkte. Wie so oft ist hier Zeit ein entscheidender Faktor. Wir sind alle berufstätig und machen WaveReX nur nebenbei.

Peter:
Welche WaveReX-Karten habt ihr denn als nächstes in Arbeit?

Marco:
Wie vorher schon angedeutet, testen wir zurzeit unseren Prototypen für die Korg DDD-1 und Korg DDD-5. Wenn das Ergebnis überzeugt, können wir bis Herbst eine neue WaveReX anbieten.
Außerdem haben wir aktuell eine DMX und eine Linn im Labor. Hier versuchen wir grade etwas zu entwickeln. Alle bisherigen Lösungen mit EPROM-Tausch fanden wir nicht optimal, deswegen arbeiten wir an einer neuen Konzept.
Oberste Priorität haben aber zunächst die Mac-Versionen der vorhandenen Produkte. Bisher sind die Mac User leider zu kurz gekommen, wir möchten das schnellstens nachholen, zumal zwei Leute in unserem Team selber Mac User sind.

Peter:
Na dann viel Erfolg und vielen Dank für das Gespräch, Marco.

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Forum
  1. Profilbild
    costello RED

    Marco leistet wirklich phantastische Arbeit. Ich habe von WaveReX | SynthastiX die große Cartridge für den Sequential Circuits VS mit 32 Bänken, inkl. des Don Solaris Soundsets und bin super zufrieden. Es ist, als ob man an einem neuen Synthesizer sitzen würde :)

  2. Profilbild
    Sontopi

    Sehr spannend, vielen Dank für das Interview. Wird die Sample-Karte für die JV-Serie ein Board wie von Sector101 sein? Bis zum JV-1080 könnte ja auch der Einschub an der Front (bis 2 MB?) genutzt werden. Dann müsste man zum Überspielen von Samples nicht jedes Mal das Rack zerlegen ;)

    • Profilbild
      Marco@WaveReX

      Das ist eine gute Frage! Tatsächlich haben wir für beides einen Prototypen. Beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile. Am Anfang hatten wir nur ein Expansion-Board, da kommt genau das Problem zum tragen, dass du erwähnst. Ein USB-Kabel durch den Schacht nach außen zu legen wäre noch eine halbwegs praktikable Lösung. Wir haben aber bis heute EMV-Probleme. Entweder laufen die Geräte oder das Board grenzstabil. Die Karte hingegen läuft bisher super. Allerdings sind die Anschlüsse kaum noch zu bekommen und sie hat eben nur 2MB.

      • Profilbild
        U-MAN

        Bitte lieber Marco, habt die Kraft dieses Projekt fertig zu stellen. Alle 1-2 Monate schaue ich bei euch vorbei und bete innerlich das es neue News zum JD 990 Projekt gibt. Ich besitze schon Waverex und WaveR8 und bin einfach nur begeistert. Die Geräte erstrahlen im neuen Licht, man kann sie quasi neu erfinden und wirklich noch über Jahre weiter nutzen. Dafür danke ich euch sehr. Macht weiter so und lasst euch nichts madig reden. Die Welt braucht mehr davon und weniger Behringer.

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