Test: WaveRex Refill Card für Korg M1, Wavestation, M3R und T-Serie

27. Juni 2020

Nachfüllbare PCM-Karten für Korg M1

Die Korg M1 Music-Workstation aus dem Jahr 1988 war ein Meilenstein in der Geschichte moderner Synthesizer. Sie veränderte nicht nur die Klangästhetik einer ganzen Pop-Dekade, sondern auch den Umgang mit Synthesizern und die Erwartungshaltung, die man von da ab an Synthesizer stellte. Für Vintage-Freunde empfehlen wir zur Korg M1 und die Zeit der „Music-Workstations“ folgende Artikel:

Die legendäre Korg M1 von 1988

Wir möchten euch heute eine Erweiterungskarte von WaveRex vorstellen, über die man per USB-Anschluss seine eigenen Samples in folgende Korg Klassiker verwenden kann: M1, M1R, M3R, T-Serie, Wavestation, Wavestation A/D und allen entsprechenden EX-Geräten. Aber erst mal ein kurzer Rückblick:

Der Sound einer ganzen Generation

Die Korg M1 hat nicht nur unmittelbar den Sound seiner Zeit geprägt, sondern auch den der nachfolgenden Geräte-Generationen, denn auch die Korg T-Serie, die 1989 erschien – und selbst die Workstation-Serie Korg 01/W von 1991 – baute auf der Soundengine der Korg M1 auf.

Und doch hat keine der folgenden Generationen, selbst nicht die Korg Trinity oder Korg Triton-Serie, jemals wieder so unverwechselbare Kultsounds hervorgebracht wie die Korg M1. Vielleicht ein Grund, warum selbst heute noch eine gut erhaltene Korg M1 mit der Ex-Erweiterung mehr am Gebrauchtmarkt kostet als einige ihrer Nachfolger.

Und auch wir haben eine Korg M1 in den Redaktionsräumen von AMAZONA.de stehen und freuen uns nicht nur an den Klängen, sondern auch an dem zeitlosen Design dieses Klassikers.

Kostspielig und nicht individuell konfigurierbar, die originalen Cards der Korg M1

Wellenformnachschub für Korg Vintage-Workstation

Die Korg M1 setzte von Anfang an auf die Möglichkeiten, ihren limitierten (4 MB, später T-Serie und M1ex 8 MB) und fest im ROM verewigten Wellenvorrat erweitern zu können, durch flache PCM-Karten mit einem Volumen von 512 kB, die man auf der Rückseite der M1 einsteckt.

Erst ab der Korg T-Serie hatte man die Möglichkeit, weitere Samples per Diskette nachzuladen. Bis zu 1 MB konnte der interne RAM-Speicher der T1 und erweiterten Modellen T2ex und T3ex per Diskette laden.

Die Korg-M1-Card und T-Disc-Edition ist im Korg Plugin M1 bereits vollständig inbegriffen

Eine ganze Serie an Karten für die M1 und Disketten für die T-Serie brachte Korg in den Folgejahren auf den Markt. Heute sind die Karten selten und teuer am Gebrauchtmarkt zu haben (je nach Inhalt zwischen 50,- Euro und 200,- Euro) und die Disketten schwer zu bekommen.

Und genau hier setzt WaveRex mit seiner „Refill“-Karte an.

User-Samples in Korgs Synthesizer-Klassikern

Steigen wir doch erst mal bei den Eckdaten ein. Die WaveRex Refill-Karte entspricht in Größe und Haptik in etwa den PCM-Karten, die Korg meist in Verbindung einer Program-Karte herausgebracht hatte. Auf den Duos verteilten sich somit die neuen Samples auf der einen, die dazugehörigen Presets, auf der anderen Karte.

Die WaveRex Karte ersetzt hingegen nur die Karte mit den Samples, Programme, die später auf diese Samples zugreifen, müssen im internen Speicher des Synthesizers abgelegt werden. Das ist systembedingt, aber laut WaveRex arbeitet man daran, auch Presets auf der WaveRex-Karte ablegen zu können.

Die WaveRex-Karte bietet zur Bereitstellung von Samples 512 kB. Das mag manchem extrem wenig erscheinen, aber das entspricht der Speichergröße der Originalkarten. Bei der vorgegebenen Sample-Frequenz von 31250 Hz bei 16 Bit Auflösung, mono, entspricht das einer Länge von 8,4 Sekunden. 29 Multisounds (bzw. Singlesounds) und 29 Drumsounds, können auf die Karte geladen werden.

Die Bespielung der Karte geschieht mit einer Software (siehe Download-Bereich des Herstellers), die für Windows ausgelegt ist. Wer Genaueres zu den Windows-OS-Kompabtilitäten oder einem Mac OS-Workaround wissen möchte, der wirft bitte einen Blick in die FAQs von WaveRex.

Der Preis für so viel Freiheit liegt aktuell bei 229,- Euro.

Die WaveRex-Karte gehört in der M1 in den Steckplatz auf der Rückseite des Gehäuses

Über die Lust an Vintage

Wer bei Synthesizern Vintage hört, denkt vermutlich als erstes an Moog, Oberheim und Co. Aber wie unsere Green Box Serie zeigt, sind auch die digitalen Synthesizer und Sampler aus den 80ern und 90ern wieder stark im Kommen und gelten längst auch als Vintage. Sample-Auflösungen von 8 oder 12 Bit, lösen bei Liebhabern feuchte Hände aus und treiben die Preise von Sampler-Legenden wie AKAI S900 oder E-Mu Emax seit Langem wieder in die Höhe. Und auch eine Korg M1 oder eine Korg Wavestation haben auf Grund ihrer damals technischen Limitierungen, einen ganz besonders eigenen und durchaus reizvollen Sound. Ich bin z. B. ein großer Freund der Korg M1 Drumsounds (wie man sie auch in der Korg S3 findet), besonders in Verbindung mit den internen Effektgeräte der M1.

Obwohl ich die Plugin-Version der Korg M1 mit allen Sounds und damals optional verfügbaren Samples sehr schätze, habe ich doch die Originalversion lieber und bilde mir ein, dass sie auch anders klingt. Hier sind wir wieder im Reich der Synth-Nerds und Feinakustiker. Und als solcher habe ich mich sehr über die WaveRex-Karte gefreut und auch erworben. Dabei stellt sich überhaupt nicht die Frage, ob und ab welchem Preis eine Erweiterung der WaveRex-Karte sinnvoll ist. Der eine wird sich wohl nur an den Kopf fassen, der andere weiß die Entwicklungsarbeit und Umsetzung hinter dem Projekt zu schätzen und zahlt den aufgerufenen Obolus gerne. Zu Letzteren zähle ich mich.

Wertiges Gehäuse und angenehm in der Haptik

Die WaveRex Karte in der Praxis

Als eingefleischter Apple-Mac-User war die Limitierung auf Windows-User schon ein schwerer Brocken. Zum Glück gibt es aber noch Menschen, die Windows benutzen und so haben wir bei einem Freund Software und Karte ausprobiert.

Wer nun wirklich im Detail wissen möchte, wie Software und Karte zusammenarbeiten und bedient werden, dem empfehle ich einen Blick ins deutschsprachige und sehr gut erklärte Handbuch.

Übersicht DiscImage WaveRex

In der Kurzfassung: Die Software erstellt ein Disc-Image der Karte, das Benennen kann nach Lust und Laune mit Samples und sogar Multisamples bestückt immer unter Berücksichtigung der oben genannten Vorgaben geschehen. Die Software kann WAV-, AIFF- und sogar MP-3 Dateien konvertieren und passt dabei auch die Auflösung an.

Sind im Ausgangsmaterial Loop-Punkte gesetzt worden, werdend diese übernommen, allerdings ohne Crossfades oder sonstige Loop-Tricks. Man kann aber auch Loop-Punkte in der Software manuell setzen und die Zero-Funktion zu Ermittlung geeigneter Nulldurchgänge zu Hilfe nehmen. Es erfordert aber eine Engelsgeduld, mit dieser Methode sauber Loops hinzubekommen.

Auch das Erstellen von Multisamples oder die Zuordnung von Drumsounds in Multisamples oder das Abspeichern von Drumsounds für M1-Drumsets ist machbar, ebenso wie das Umbenennen und Löschen von Sounds – aber eben alles nur im Disc-Image. Ein fertiges Disc-Image lässt sich anschließend speichern oder per USB in die WaveRex-Karte übertragen. Das geht relativ schnell. Das Ganze funktioniert sehr unkompliziert und wird durch Leuchtdioden an der Karte auch optisch unterstützt.

Soundediting in WaveRex

Ist die Karte mal bespielt, kann man keine Änderungen mehr „auf“ der Karte vornehmen. Gewünschte  Änderungen werden am Disc-Image vorgenommen – anschließend überspielt man das Image einfach erneut in die Karte und löscht somit die vorhanden Einstellungen und Samples. Hier zählt also immer die Devise „alles oder nichts“.

Nach Einsatz der Karte in der M1 stehen die Samples wie normale Preset-Samples zur Verfügung.

Fertige Sample-Librarys von WaveRex

Waverex bietet jede Menge eigener Sample-Kreationen zum kostenlosen Download auf ihrer Website an, ebenso die Samples der T-Serie Disketten, Prophet VS Wellenformen, DW-8000 Wellenformen (DWGS), Adventure Kit Waveforms (Erklärung siehe Website) und jede Menge Drumsets.

Einsatz der Karte in Wavestation und Korg M3R

Den Einsatz der Karte bei Korg Wavestation oder M3R konnte ich mangels Hardware nicht testen. Ganz offensichtlich verhält es sich die Anwendung relativ identisch und unkompliziert. Das erwähnte Handbuch geht aber auch hier auf die Unterschiede ein.

Die WaveRex-Refill-Karte on YouTube

Zu guter Letzt möchte ich noch ein paar Tutorial-Videos zur Karte verlinken.


Fazit

Die WaveRex Refill-Karte bietet für Korg M1 und Wavestation Freunde eine optimale Möglichkeit, den Sample-Vorrat der Klassiker individuell zu erweitern und mit eigenen Kreationen zu bestücken. Zur Verwendung der Karte wird ein Windows-Rechner empfohlen, eine Mac OS-Variate gibt es leider noch nicht. Die Editierung und Bespielung der Karte ist dafür kinderleicht und zuverlässig.

Der Preis mag manchem hoch erscheinen, aber echte Vintage-Freunde wird das nicht abschrecken, um ihren Schätzchen neuen Spirit einzuhauchen.

Plus

  • einfache Bedienung
  • individuelle Bestückung mit Samples
  • umfangreiche Sample-Sammlung als Freeware

Minus

  • hoher Preis
  • nur für Windows

Preis

  • 229,- Euro
Forum
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    JohnDrum  

    Für Roland ist doch auch was angekündigt? Sind das die? Oder andere?
    Würde mir was für meinen JD 800 wünschen!

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    TobyB  RED

    Krasse Idee. Der Preis ist angemessen, ich verpüre den Drang meiner M1 ein Update zu spendieren :-)

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      TobyB  RED

      Fände ich auch sinnvoll. Würde die Karten immens aufwerten. Ist aber so schon eine feine Sache. Die orginalen Korg Karten am Leben halten ist ein Sch…job. Ich hab schon mal eine Karte bestellt.

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      SynthastiX

      Hi Emmbot. Der Wunsch kam tatsächlich schon öfter auf. Es ist auch nicht so, dass wir uns da nicht im Vorfeld bereits Gedanken zu gemacht hätten. Wir hatten uns zu jener Zeit allerdings dagegen entschieden, da M1 und Wavestation leider separate Karten für die Wellenformen und die Patches nutzen. Die Patches die du erstellst, referenzieren die Wellenformen auf der PCM-Karte. Wenn du jetzt mehrere Bänke auf der WaveReX hast, wird dir das extrem den Überblick erschweren, welche Patches auf welche Wellenform in welcher Bank zugreifen. Sollte das Feature dennoch gewünscht sein, können wir das sehr gern als Anregung mitnehmen.

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    Th.W

    Habe mir kürzlich die WaveRex für meine Wavestation A/D zugelegt und kann eigentlich nur positives Feedback geben. Trotz der über 500 original Wavetables ist es immer schön, noch etwas mehr zu haben bzw. sich die Sounds richtig maßschneidern zu können.

    Wie im Handbuch beschrieben kam es anfangs zu Kontaktproblemen, aber die Karte nicht gerade sondern „diagonal“ reinzustecken hat nach einigen Versuchen geholfen. Das Sampling selbst ist eine nette Erfahrung, da man mit 512kB Speicherplatz und 31.2 kH/16bit arbeitet. Dafür lernt man noch etwas über Aliasing und Single Cycle Waveforms. Praktisch finde ich, dass der WaveRex Editor SCWs automatisch auf 8 Oktaven konvertiert. Mit dem WaveEdit von Synthesis Technology gibt es ein wunderbares und freundlicherweise kostenloses Tool mit dem man Wavetable-Sequenzen erstellen kann.

    Ich mag die breite Klangstruktur und die etwas nerdige Bedienung der Wavestation, weshalb sie mir auch die WaveRex wert war. Dieses Update verwandelt die Wavestation natürlich nicht in einen Waldorf Quantum oder eine Wavestate, aber darum geht es ja auch nicht…

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      SynthastiX

      Vielen Dank für die netten Worte. Danke, dass du auf WaveEdit hingewiesen hast. Ich nutze das tatsächlich auch öfter ;)

  4. Profilbild
    Loom9-Studio  

    Ich habe mir die Karte für meine M1 schon letztes Jahr gegönnt und kann mich den positiven Erfahrungen nur anschließen. Ich nutze die Sets die WaveRex zur Verfügung gestellt hat. Zum Wellenformen selbst erstellen bin ich noch nicht gekommen.

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      SynthastiX

      Auch dir vielen Dank für die Blumen! Anfangs ist das selber machen sicher nicht einfach, mit etwas Übung hast du aber relativ bald den Dreh raus.

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