Interview: Paula Maddox, Von Modal Electronics zu Dove Audio

28. Juli 2018

Comeback mit Dove Audio

Im April 2015 tauchten erstmals Features und Bilder um eine neue Synthesizer-Serie der bis dahin unbekannten Firma Modal Electronics auf. Schon bald zeigte sich, dass mit den Modal Synthesizern tatsächlich ein neuer und extrem spannender Player am Markt erschienen war, der tatsächlich einzigartige und kostspielige Synthesizer-Boliden wie den Modal oo2 oder den Modal oo8 im Programm hatte. Hinter all diesen Neuentwicklungen steckte vor allem der geniale Synthesizer-Schöpfer Paul Maddox. Im Oktober 2016 war es dann soweit, Paul besuchte uns mit einigen Exemplaren der Modal-Synthesizer in der Redaktion.

Zum einen waren wir von Anfang an Feuer und Flamme für diese Synthesizer, zum anderen hat uns Paul sofort mit seiner fachlichen Kompetenz und seiner frischen Art begeistert. Doch bevor wir das geführte Interview dieses Besuchs veröffentlichen konnten, hatte Paul die Firma Modal verlassen. Auch unsere damaligen Nachforschungen brachten keine Ergebnisse.

Umso mehr freuten wir uns, als wir vor einigen Wochen eine Pressemitteilung von Paula Maddox erhielten, die unter dem Label Dove Audio ein spannendes Kick-Starter-Projekt ins Leben gerufen hatte. Na endlich: Paul war nun Paula – und war ganz offensichtlich immer noch schwer daran interessiert, das Know-how der Synthesizer-Szene zu widmen. Wir nutzten die Gelegenheit und baten Paula erneut zum Interview, diesmal allerdings nur per E-Mail. Und los geht’s:

Peter:
Hi Paula, nun ist es schon über ein Jahr her, dass wir mit diesem Interview angefangen haben. Damals hast du uns in der Redaktion besucht und persönlich den Modal 002 und Modal 008 vorgestellt. Danach war erst einmal Funkstille. Wie wir später erfuhren, hast du dich von Modal getrennt. Was war passiert?

Paula:

Also eigentlich, Peter, sind es schon fast zwei Jahre! Zu dieser Zeit war in meinem Privatleben viel los und auch in meinem Berufsleben bei Modal hatte ich viel mit neuen Produkten zu tun.

Paul(a) Maddox und Peter Grandl in der AMAZONA.de-Redaktion 10.2016

Peter:
Die Modal-Synthesizer waren großartige Klangerzeuger. Vor allem die polyphonen Varianten 002 und 008 waren einzigartig am Markt und irgendwie ja auch deine Babys. Tat der Abschied nicht weh?

Paula:
Vielen Dank für deine freundlichen Worte! Um mit einem Wort zu antworten: „Ja!“ Es war schmerzhaft! Modal war mein Baby, in das ich mein Herz und meine Seele gelegt hatte. Modal zu verlassen, war eine der schwierigsten Entscheidungen, die ich in meinem bisherigen Leben treffen musste.

Peter:
Auch Modal scheint nun über eine Kickstarter-Kampagne den neuen Skulpt-Synthesizer finanzieren zu wollen. Warst du da noch involviert?

Paula:
Nein, das Letzte, woran ich mich beteiligt habe, war der Craft-Synth, aber damals nur in einer sehr untergeordneten Rolle. Ich arbeitete in dieser Zeit an anderen Dingen. Ich hoffe, dass Skulptur für Modal erfolgreich sein wird.

Peter:
Wenn man heute in Deutschland versucht, einen Modal 008 oder Modal 002 zu kaufen, können einem die wenigen Händler, die geblieben sind, keine Garantie zur Lieferzeit geben. Man hat den Eindruck, auch durch die Skulpt Kickstarter-Kampagne, dass Modal das Geld ausgegangen ist. Eigentlich sehr, sehr schade, denn ich denke, dass sich vor allem der Modal 002 zum Geheimtipp entwickeln könnte, ähnlich wie John Bowens Solaris, der immerhin nun seit 9 Jahren produziert wird – und durch diese Kontinuität langsam auch akzeptable Stückzahlen erreicht. Wie siehst du die Zukunft der großen Modal-Synthesizer?

Paula:
Da ich mich im Dezember 2016 zurückgezogen und die Firma offiziell im März 2017 verlassen habe, kann ich zu Modal Electronics keine Kommentare abgeben oder Aussagen treffen. Ich habe keine Ahnung, warum die Produktion von 002, 002R, 001, 008 und 008R nach meinem Weggang offenbar gestoppt wurde. Für mich war es ein großer Schock und wirklich schade, dass sie aus den wirklich guten Läden zurückgezogen wurden.

Ich denke, es immer riskant, jemanden abzutun, der etwas Großes und Erstaunliches für die Zukunft schaffen möchte – ich muss zugeben, dass Skulpt für mich eine völlige Überraschung war. Schau Yamaha in den frühen 80er Jahren mit dem DX7 an, niemand hat es kommen sehen und sie haben den Markt dominiert. Ähnlich der Access Virus! Ich denke, es ist heutzutage sehr schwierig, die Zukunft in der Synth-Industrie vorherzusagen und das ist Teil dessen, was es für mich so aufregend macht.

Peter:
Aus Paul wurde Paula und damit dürftest du die erste Frau sein – zumindest soweit ich weiß – die federführend an der Konstruktion von Synthesizern beteiligt ist.  Und auch wenn man sich unsere Leserschaft ansieht, besteht diese nur zu 5 % aus Frauen, wenn es um die Bereiche Studioelektronik und Synthesizer geht. Wir diskutieren oft darüber, ob dieses Ungleichgewicht gesellschaftliche Ursachen hat oder genetischen Ursprungs ist. Wie denkst du darüber?

Paula:
Danke für das Kompliment, aber ich bin bei Weitem nicht die erste Frau, die Synthesizer entwickelt. Man muss sich nur Leute wie Cynthia Webster (Cyndustries), Ninni Bergfors (Bergfotron) und Zoe Blade und Nina Richards (Transistor Sound Labs) ansehen, um die wenigen zu nennen, die mir spontan in den Sinn kommen.

Dennoch denke ich auch, dass es im Allgemeinen ein echtes Problem mit dem weltweiten Mangel an Frauen im Bereich STEM (Science, Technology, Engineering and Mathematics) gibt.

Der Grund dafür liegt meiner Meinung nach in zuviel Sexismus und Frauenhass in den Ingenieursberufen, was wirklich eine Schande ist. Man muss sich nur den Beitrag für die Branche ansehen, den Frauen wie Ada Lovelace, Katherine Johnson, Grace Hopper, Annie Easley und Hedy Lamarr geleistet haben! Daran sieht man, dass Kreativität und Technik sich nicht um Gender-Fragen scheren.

Peter:
Ich glaube, ich spreche allen männlichen Lesern aus der Seele, wenn ich sage, wir würden uns freuen, wenn der Anteil weiblicher Synthesizer-Liebhaber deutlich höher wäre. Was müsste deiner Meinung nach geschehen, um mehr Frauen für das Thema zu begeistern?

Paula:
Es gibt viele großartige Frauen in der Synth-Welt! Dass sie aber kaum jemand kennt, finde ich sehr schade! Um einige Beispiele zu nennen: Laurie Spiegel, Suzanne Ciani, Wendy Carlos, Gillian Gilbert, Kaitlyn Aurelia Smith, Delia Derbyshire und Bands wie Marsheaux, Synth Witch, Grimes und US Girls.

Ich denke, die Menschen müssen einfach all die alten, geschlechtstypischen Klischees über Bord werfen und endlich lernen, egal von wem, Musik ist Musik, Synths sind Synths – das müssen wir verinnerlichen!

Paula vor ihrem ersten Produkt von Dove Audio

Peter:
Nochmals zurück zu deiner neuen Firma Dove Audio. Als Keywords für deine Firmenphilosophie steht auf deiner Website „Purity, Integrity and Love“. Schöne Worte, was genau möchtest du im Hinblick auf deine Company zum Ausdruck bringen?

Paula:
In einfachen Worten gesagt möchte ich Menschen Produkte von hoher Qualität (Pure) liefern und unübertroffenen Kundenservice (Integrity) bieten. Außerdem fühle ich, dass es im Moment viel zu viel Hass in der Welt gibt. Ich möchte einen Beitrag leisten und helfen, indem ich 10 % der Gewinne an Anti-Hass-Gruppen auf der ganzen Welt spende (Love).

Peter:
Dieser wunderbare, federleichte Name DOVE AUDIO steht im krassen Gegensatz zu deiner ersten Produktbezeichnung WTF, was allgemein als WHAT THE FUCK verstanden wird. Wieso?

Paula:
😊
Mehrere Monate lang hatte ich den Namen „Window Transform Function“, aber erst als mich ein Freund lachend darauf aufmerksam machte, fiel mir auf, dass das Kurzwort aus den Anfangsbuchstaben das Gleiche war. Eigentlich war das nicht beabsichtigt. Danach habe ich über eine Namensänderung nachgedacht, aber ich glaube, die meisten Synthesizer-Leute haben eine gute Portion Humor und wissen diesen Witz zu schätzen.

Peter:
Auch das WTF-Module ist eine Kickstarter-Kampagne. War es tatsächlich nicht möglich, mit deiner umfassenden Reputation einen finanziell starken Partner für DOVE AUDIO zu finden?

Paula:
Danke, ich glaube, dass es leichter ist, finanzielle Unterstützung für den Aufbau einer Firma zu finden, wenn man etwas zu vorzuweisen hat. Es ist viel einfacher, Gespräche mit Investoren und Unterstützern zu führen, wenn man ein bewährtes Produkt mit einem wachsenden Kundenstamm besitzt. Ich hatte Modulus (Monowave) und Vacoloco (Gorf, Zira etc) gegründet, war als schon einmal an diesem Punkt gewesen, dieses Mal möchte ich allerdings die Kontrolle über das Unternehmen behalten.

Peter:
Hast du nicht die Befürchtung, dass der Markt für Euroracks langsam gesättigt ist. Fast wöchentlich gibt es neue Anbieter von Modulen. Der Wettbewerb wird immer größer und größer und sollte der Eurorack-Hype eines Tages vorbei sein, bleiben sicher nur ganz wenige Hersteller am Markt übrig. Wie siehst du das?

Paula:
Eines der Dinge, die ich am Eurorack-Markt so schätze, ist die große Vielfalt. Musiker können nach ihrem perfekten Modul Ausschau halten, anstatt sich wegen mangelnder Auswahl einzuschränken zu müssen. Durch die Konkurrenz bleibt man auch fokussiert. Aber ich baue die Module auch im MU-Format sowohl für die DotCom als auch für die MOTM-Style-Power. Ich glaube nämlich, dass dieser Markt sehr vernachlässigt wird. Ich bin überzeugt, dass modulare Synthese Kreativität und Flexibilität bedeutet.

Der „Window Transform Function“ Oszillator

Peter:
Soweit ich weiß, ist BEHRINGER intensiv auf der Suche nach Fachkräften wie dir, da er seine Synthesizer-Sparte enorm vergrößern will. Wäre das nichts für dich?

Paula:
Ich wurde von einigen Synth-Firmen angesprochen, aber aus verschiedenen Gründen kam dabei nichts zustande. Käme jemand auf mich zu, wäre ich schon gesprächsbereit. Allerdings hätte ich Angst, meine Kreativität nicht mehr ausleben zu können, wie es in großen Unternehmen ja oft der Fall ist.

Peter:
Wo geht die Reise hin, Paula?  Hast du auch wieder vor, stand-alone Synths zu bauen?

Paula:
Es sind viele neue Ideen und Konzepte in der Pipeline, darunter auch ein paar neue Module und der ein oder andere Polysynth. Der Fokus liegt auf der nachhaltigen Entwicklung des Unternehmens und ermöglicht es Dove Audio, seine drei Schlüsselwerte Reinheit, Integrität und Liebe zu erfüllen.

Peter:
Wir wünschen dir jedenfalls viel Erfolg und würden uns freuen, auch künftig noch ganz oft von dir und deinen neuen Produkten zu hören.

Paula:

Danke! Es war mir ein Vergnügen, wieder mit dir zu sprechen.

Forum
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    falconi  RED

    Gutes Interview!

    Ich war in Anbetracht des Verkaufspreises (und teilweise auch: Klangcharakters) nicht überrascht, fand es aber dennoch sehr schade, dass sich die großen Modal-Synths nicht verkauft haben. Die Entwicklung war mit Sicherheit viel harte Arbeit, und das Produktdesign und die Bedienoberfläche in Hard- und Software finde ich bis heute sehr gelungen.
    Gewundert hat mich, dass Modal seine drei großen Produkte (zumindest gefühlt?) in sehr kurzer Folge auf den Markt geworfen hat, anstatt mit einem Modell zu beginnen und erst einmal die Verkaufserfolge zu messen…

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      Soulhund

      Die Modal Synthesizer werden immer noch hergestellt.Wenn man was will bekommt man das auch.Aber das kennen so Leute auch nicht.

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        Tyrell  RED

        Richtig, aber Modal rückt keine Lieferzeiten raus. Dem Anschein nach wird wohl nur nach Auftrag produziert. Wäre aber toll, wenn dem nicht so ist. Weiß jemand mehr?

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        falconi  RED

        Na schön, dann hilf uns doch bitte weiter:
        Wirklich ausprobiert?
        Wo angerufen und zu welchem Preis bestellt?
        Und wann das Instrument bekommen?
        Happy damit?
        Und welche „so Leute“ sind gemeint?

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    Numitron  

    Guter Artikel, hab mich schon gewundert wo Maddox steckt. Kleine Korrektur: es gibt KEINE Garantie wann die Geräte kommen. Im Artikel steht es gibt EINE.

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      Tyrell  RED

      Korrekt, wurde soeben korrigiert. Vielen Dank.

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    fritz808  

    finde ich toll, dass amazona sich auch der gender-thematik annimmt, obwohl ich der festen überzeugung bin, dass das ungleichgewicht beim interesse an technik, nichts mit sexismus zu tun hat.

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      Paula Maddox

      I think these days the sexism is less of a barrier, but it is still there and for some people can make them reconsider their choice of career. It is getting better though.

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      digital-synthologie  AHU

      Ich möchte sowas hier nicht lesen. Sowas wird in schon in vielen anderen Medien abgearbeitet, wen es interessiert, der kann sich da sattlesen.
      ich möchte hier was über Musikinstrumente und alles drumherum lesen.
      Und wenn sich ein Mann ein Kleid anzieht und einen weiblichen Vornamen gibt, wird das ganze noch lange kein von einer Frau entwickelter Synthesizer.
      Abgesehen davon, Hut ab vor dem, was er schon alles entwickelt hat. Gut, das er nach den Misserfolgen nicht aufgegeben hat und weitermacht.

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    lena  

    Paula for President!!! Danke für das Interview Peter.

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    Paula Maddox

    Thank you to everyone for your kind words.

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    tomk  

    Meine Schwester spielte immer mit Jungs Fußball, sie war immer unter den Besten, war bei der Manschaftsaufstellung stets begehrt. Allen war scheißegal ob sie ein Mädchen ist oder nicht. Hauptsache sie spielte gut!
    Denke man sollte Menschen so lassen wie sie sind, und diesen ganzen Gendernbullshit bei Seite legen. Wenn jemand auf Synths steht, dann findet er seinen Weg. Wenn Frauen da in der Unterzahl sind so liegt es anscheinend in der Natur der Sache, und dass es Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt ist ein offenbares Naturgesetz!
    So soll Paul sich als Paula fühlen, glücklich werden, geboren wurde Sie als Mann, vielleicht erklärt dies auch die technische Begabung. Genannte Ausnahmen bestätigen die Regel!
    UND … ich habe hier noch nie über Sexismus oder Gendermist gelesen, dachte hier geht es um Musikinstrumente. Wer zwingt jetzt wem eine Debatte auf? Als ich das Bild sah dachte ich mir … ah ne Transe, war somit erledigt. Aber nein … da mußte ausgeholt werden. Ganz ehrlich, das interessiert mich null, ich will kein Date mit Paula, mich interessieren „vielleicht“ die firmeneigenen Synths.

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      lena  

      Kannst du nur Brecheisen? Als Musiker solltest du wissen, dass der Ton die Musik macht. Und der Ton in deinem Post geht gar nicht.

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    swellkoerper  AHU

    „UND … ich habe hier noch nie über Sexismus oder Gendermist gelesen, dachte hier geht es um Musikinstrumente.“
    Schon vergessen, wie du dich hier beim „Knobs & Wires“-Kommentarthread ausgelassen hast? Ich nicht. Dass ein Thread wegen Typen wie dir gesperrt werden musste, habe ich bei amazona noch nicht erlebt. Und jetzt geht`s wieder von vorne los. Behalte deine Meinung doch einfach für dich, bitte.

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      Wellenstrom  AHU

      Der LETZTE der im besagten Thread seine Meinung abgelassen hat, bevor die Kommentarfunktion gesperrt wurde, war ein User namens swellkoerper, nicht ein tomk oder „ein Typ wie er“. Soviel mal dazu. Immer schön bei der Wahrheit bleiben. Denn während die Kritiker des Genderismus in aller Regel niemanden persönlich angreifen, sondern ideologisches Denken kritisieren, werden Leute wie „swellkoerper“ und ähnliche Typen regelmäßig ausfallend und persönlich.

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        swellkoerper  AHU

        Ja ja, „das wird man doch wohl noch sagen dürfen.“

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          Wellenstrom  AHU

          @ swellkoerper

          Ja, und? Ist da irgendwer beleidigt und/oder diskriminiert worden? Kann mir schon vorstellen, dass sich so jemand wie du in einer Meinungsdiktatur wohler fühlen würde.

          Um einmal zurückzukommen auf den Inhalt des Interviews:
          Zitat:
          „Ich denke, die Menschen müssen einfach all die alten, geschlechtstypischen Klischees über Bord werfen und endlich lernen, egal von wem, Musik ist Musik, Synths sind Synths – das müssen wir verinnerlichen!“
          Klischees werden gerade in Sachen Tasteninstrumente wohl eher in heutigen Zeiten geschaffen als in den letzten 150 Jahren zuvor. Eine Clara Schumann konnte übrigens schon im 19. Jhdt als Virtuosin Karriere machen – und das waren nun wirklich keine Zeiten des liberalen Denkens. Mittlerweile sieht es ja in der Klassik, im Jazz, im Folk, im Rock- und Popbusiness ganz anders aus. Da könnte man hier ellenlange Listen aufführen von erfolgreichen Frauen im BIZ.
          Und ja, es ist nun einmal so, dass die Synthesizerindustrie eher spärlich vertreten ist durch Frauen in Entwickler- oder Managementpositionen. Wenn sich daran etwas ändern soll, dann sollten sich MEHR Frauen in dieser Sparte einfach MEHR engagieren und auch von grundauf Interesse an dem Produkt haben. Da muss man keine Gender- und Quotenpolitik draus stricken.

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            pol/tox  

            „Klischees werden gerade in Sachen Tasteninstrumente wohl eher in heutigen Zeiten geschaffen als in den letzten 150 Jahren zuvor. “

            In der Musikologie haben geneigte Forscher (Musikgeschichtler, Musikpsychologen) allerdings Anderwertiges herausgefunden.

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              Wellenstrom  AHU

              @ pol/tox
              Na, das sind bestimmt Forscher, die vor allem den Genderstudies nahestehen.
              So weit mir bekannt ist, sind im Laufe der Zeit Klischees dahingehend abgebaut worden. Das Keyboard und das Klavier gelten nun bei weitem nicht als Instrumente für Machos. Das war auch im letzten Jahrhundert nicht so, dass diesen Instrumente irgendwelche machoattitüdenhaften Klischees anhafteten.
              Klischees werden eher geschaffen, in dem man heute das Gegenteil behauptet,von dem was historischer Fakt ist und ahistorisch argumentiert. Und darin sind unsere „Genderspezialisten“ und Feministinnen besonders geschickt.

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                pol/tox  

                nein, mein Musikgeschichte Prof. war eher traditioneller und entschiedener Gesinnung und seines Redens nach Gegner des Binnen-I’s.

                Clara Schumann + ein paar wenige Ausnahmen gab es (und die hatten es alles andere als leicht und hatten zu ihrem Glück liberaler denkende und fördernde Männer im Umfeld), dennoch herrschte in allen Bereichen die kreatives Denken gepaart mit Fähigkeit erfordern (Musik, Malerei, Literatur, Physik) bis ins früher 20. Jhdt. die Meinung, Frauen wären dazu nicht imstande.

                Befasse dich mit Rezeption von von Frauen geschaffener Kunst/Technik. Unmengen an übermittelter Information in Form von Faksimiles, Briefen, Partituren usw. findet man im RISM (Répertoire International des Sources Musicales).
                Das hat nix mit Gender zu tun, das ist schlicht Geschichte. Im RISM findet man Originaldokumente, die nicht mal Trump „ahistorisch“ uminterpretieren vermag.

                • Profilbild
                  Wellenstrom  AHU

                  @ pol/tox

                  Du sprichst von Vorurteilen, die in vorigen Jahrhunderten stärker ausgeprägt waren und offener artikuliert wurden. Das bestreitet ja niemand. Trotz allem war der soziale und berufliche Aufstieg für Frauen in JEDEM Bereich prinzipiell möglich (und mit der Zeit mehrten sich ja die großen Namen von Akteurinnen in Kunst und Wissenschaft). Das lässt sich doch nicht von der Hand weisen. Vorurteile sind nicht gleichzusetzen mit rechtlichen Einschränkungen. Die sind viel früher gefallen, als oft dargestellt. Und die Vorurteile gingen auch schon in Zeiten flöten, wo noch nicht krampfhaft und ideologisch Frauen- und Genderpolitik durchgesetzt wurde.

                  Hätte übrigens auch noch Cosima Wagner usw. aus dem 19. Jhdt aufführen können, die gut aufzeigen, dass künstlerischen Schaffen und Leitung künstlerischer Veranstaltungen durchaus auch akzeptiert wurden, wenn Frauen die Verantwortung trugen.

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            pol/tox  

            „Und ja, es ist nun einmal so, dass die Synthesizerindustrie eher spärlich vertreten ist durch Frauen in Entwickler- oder Managementpositionen. “

            Das ist in westlichen Gesellschaften in allen technischen Bereichen so, außer interessanterweise in der Chemie.

            Anderswo herrschen andere Erziehungsmethoden und -ansichten woraus sich ein deutlich höherer Anteil an Frauen in den STEM (dt. MINT) Disziplinen ergibt.

            Moderne Forschung sagt : Es scheint anerzogen bzw. gesellschaftlich bedingt (Umfeld usw.) zu sein. Und nicht „Art-bedingt“ oder sonstiger Schädlvermessungsschwachsinn.

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              Wellenstrom  AHU

              @ pol/tox

              Liest du in der oben gemachten Aussage von mir eine derartige Behauptung raus? Es ist klar, dass in patriarchalisch geprägten Gesellschaften, wie in der westlichen Zivilisation vorherrrschend, Frauen dementsprechend sozialisiert sind. ABER – die hiesige Gesellschaft ist mittlerweile dermaßen liberal, dass Karriereeinschränkungen für Frauen nicht mehr zwingend sein müssen. Übrigens stehen heutzutage allein in Deutschland einige Frauen den größten Konzernen vor (Springer, Bertelsmann…) – und wenn ich mal Rückschau auf die eigene Biographie halte, dann kam es durchaus mal vor, dass ich Informatikkurse bei einer weiblichen Informatikerin belegte, die schon für Siemens programmierte z.B. als ich noch quasi in die Windeln schiss. In jedem Bereich der Wissenschaft und Technik finden sich auch erfolgreiche Frauen. Undurchlässig für den Aufstieg von Frauen sind die Gesellschaft und der Forschungsbetrieb schon lange nicht mehr. Das ist Nonsens. Wer Karriere machen will, muss 100 % Einsatz dafür als Grundvoraussetzung geben. Vielleicht scheitert es ja bei einigen Frauen auch daran. Es ist zu einfach, alles auf verkrustete „männliche“ Strukturen zu schieben, die zum großen Teil ja schon längst aufgelöst sind.

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                Wellenstrom  AHU

                Übrigens… was mir wirklich bisher noch nicht begegnete, waren weibliche Müllwerker oder Malocherinnen im Bergbau. Soviel mal dazu. Jede Medaille hat zwei Seiten. Klassische Männerjobs sind auch nicht unbedingt das, was viele Frauen anstreben.
                Es ist im Übrigen diese Gleichstellungspolitik, die Jobs von Frauen z.B. im Handwerk verhindert. Warum? Ein praktisches Beispiel. Stelle dir einmal vor, du hast einen kleinen Handwerksbetrieb und es findet sich eine weibliche Beweberin für den Ausbildungsplatz. Weißt du, woran es scheitert, dass Du die Bewerberin einstellst? Ganz einfach. Es gibt die Vorschrift, dass Frauen ein gesondertes WC benötigen. Wenn nicht vorhanden, dann kannst du die Frau auch nicht einstellen. Allein aus pragmatischen Gründen würde der Arbeitgeber dann lieber auf den männlichen Bewerber zurückgreifen.

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                pol/tox  

                „Liest du in der oben gemachten Aussage von mir eine derartige Behauptung raus? “

                Nein. Wollte nur anmerken, dass es in allen technischen Bereichen so ist, nicht nur im SynthBiz und was ein Grund dafür sein kann (ich schreibe „EIN“ Grund, denn es gibt garantiert mehrere)

                Zum Rest : DU sprichst von patriachalen Strukturen, ich nicht. Frauen tragen diesen Scheiß seit Eh und Je mit bzw. können gar die noch strengeren Ansichten haben. Krasses Beispiel: Puffmutter.

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                  Wellenstrom  AHU

                  @ poltox

                  Richtig!
                  In der Politik seien da z.B. Katharina, die Große genannt, Maria Theresia, Indira Gandhi, diverse weiblichen Angehörigen der Medicis, Maggie Thatcher, Angela Merkel…. Machtmenschen durch und durch, die die Philosophie Machiavellis stärker beherzigten als ein Großteil der Männer auf diesem Planeten jemals ansatzweise verfolgen würden.

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                    TobyB  RED

                    Hallo Welle,

                    Maggie Thatcher kann man mit TINA und ihren kruden wirtschaftspolitischen Ideen, welche dem Monetarismus folgen, wohl eher als positives Negativbeispiel sehen. Aus machtpolitischer Sicht, kann man ihr Unionbusting und das gleichzeitige Verkaufen, von Wohnraum an die zuvor gebusteten wohl als cleversten Schachzug ihrer Ära bezeichnen. Auch im Hinblick auf die Staatsfinanzen. Ich persönlich möchte nicht wieder in die Hände des NHS fallen. Als Ergebnis ihrer Ära hat sich die soziale Spaltung in GB drastisch erhöht. Und die Infrastruktur in GB ist mal sowas von für die Füsse. Okay, im Feld globale Umweltpolitik war sie etwas weitsichtiger. Bis auf ihre Haltung zu Kernenergie. Theresa May ist jedensfalls auf dem besten Weg ihrem Vorbild zu folgen, der Brexit wird GB richtig weh tun. Und da die Staatskasse privatisiert wurde, können die das noch nicht mal abpuffern.

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                      TobyB  RED

                      Ob die nun Machiavelli gelesen haben, weiss ich nicht. Ich glaube nicht, dass was die abliefern ist allenfalls Möhren pflanzen und Null Nachhaltig. Für mich war und ist der Thatcherismus der Rückfall in einen Raubtierkapitalismus mit viktorianischen Werten. Siehe auch Clause 28 und den noch von ihr mit auf den Weg gebrachten Criminal Justice and Public Order Act. Das heisst jetzt nicht ich find Corbyn oder Wagenknecht-Lafontaine gut. Andersrum finde ich das „Bätschi“ von Frau Nahles ebenso unpassend. Mir geht nur Realpolitik auf den Sack, wahlweise Eier.

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                wolftarkin  

                @Wellenstrom
                „Übrigens stehen heutzutage allein in Deutschland einige Frauen den größten Konzernen vor (Springer, Bertelsmann…) “

                Ähm, worin Bestand deren Leistung? Einen älteren Sack zu beerben, nachdem eine der Vörgängerinen verdrängt wurde?
                Das sind aber keine guten Beispiele für deine Theorie.

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                  Wellenstrom  AHU

                  Speziell deren Leistung bestehen aus mehreren „Komponenten“:

                  1. haben sie die Ehefrauen „weggebissen, die ihnen zuvor im Weg standen. ;-)

                  2. Bestehen diese Konzerne nach dem Tod der ehemaligen männlichen Gründer noch immer und haben ihren Einfluss und ihre Gewinne (zumindest über weitere Jahrzehnte – derzeit stecken wir ja – zurecht – in einer Medienkrise) vermehrt. Sie haben wichtig Konzernentscheidungen mitgetragen und Personalentscheidungen getroffen, die für den Erfolg relevant waren/sind.
                  Sollte man nicht unterschätzen, die Damen.

                  Da gäbe es natürlich auch genügend Beispiele von Selfmade Mittelständlerinnen, die man aufzählen könnte.

                  Wenn du ein wirklich großes Beispiel genannt haben willst, dann kann ich mit einem Firmennamen aufwarten, der hier einen wichtigen Player in der Region darstellt, in der ich aktuell lebe.
                  Melitta
                  Die Gründerin des Konzerns war Melitta Bentz – eine Erfinderin (Stichwort: Filtertüte) und Geschäftsfrau – und das im frühen 20. Jhdt.

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                  Wellenstrom  AHU

                  @ wolftarkin

                  übrigens… das Beispiel von Bertelsmann und Springer ist schon allein deswegen angebracht, weil hier Frauen die Hierarchie anführen und auch dementsprechend die Entscheidungen treffen können, vermehrt Frauen in relevante Positionen zu bringen. Ob sie nach diesen Kriterien handeln, steht auf einem anderen Blatt.
                  Wir stellen hier laufend die Positionen von Männern der Position der Frau gegenüber…. darum geht es in Forschung, Wissenschaft und Business aber nicht. Da interessiert immer mehr die Frage nach Befähigung und Talent, Einsatzwille, Motivation, (auch Vitamin B) etc. danach wird letztendlich der Arbeitgeber wirklich entscheiden, wen er einstellt, wen er befördert etc.

    • Profilbild
      Hectorpascal  

      Und genau hier bitte wieder zurück zur wunderbaren Klangsynthese und deren kreative Designer. Ich würde das WTF gerne mal mit Braids und Graphic VCO abgleichen. Da muss mal jemand versiertes ran und die neuen „Digitalen“ durchtesten. Definitiv!

  8. Profilbild
    TobyB  RED

    Cooles Interview!!! Paula ist schon okay. Aber ich glaube zu Behringer nach Manchester passt sie nicht.
    https://bit.ly/2mRREfT

    Manchester ist schon sehr speziell :)

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