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Making of: David Bowie Let’s dance

18. August 2019

Let‘s dance - David Bowie in Tanzlaune

David Bowie „Let’s Dance“ von 1983

David Bowie und das Tanzen – dass er dem nicht abgeneigt war, hatte er bereits 1974 einem gewissen John klar gemacht. Einige Jahre später schlüpfte er in die Haut eines DJ, des Menschen also, der andere zum Tanzen bringt. Doch mit der Welteroberung klappte es für ihn erst nach über einem Dutzend Soloalben und 15 Jahren auf der Bühne, als er beschloss, die Dinge beim Namen zu nennen: Let‘s dance, eine schlichte Aufforderung ohne Ausrufezeichen und trotzdem so eindringlich, dass ihr von Millionen gefolgt wurde. Es war ein Song, es war ein Album und es war auch ein durchdachter künstlerischer Zug, der viele vor dem Kopf stieß („Verrat!“, schreien die Dogmatiker heute noch), aber noch viele mehr als eine unverschämt charmante Pop-Platte ins Herz schlossen. Tatsächlich gibt‘s auf und hinter Let‘s dance aber mehr zu entdecken als Gründe fürs Verreißen oder unkritisch abzufeiern. Für unsere Making-of-Reihe haben wir deswegen entschieden, to put on our red shoes and dance the blues. Oder so ähnlich …

Zwei gegen die Welt

Beide meinten, es sei der Zufall, der ihre Wege kreuzen ließ. Aber die Schnittmenge im Bereich der musikalischen Interessen war auch nicht zu unterschätzen. Was David Bowie und Nile Rodgers vor ihrem folgenreichen Treffen 1982 in einem New Yorker Nachtklub voneinander womöglich nicht wussten, war, dass beide mit einem gewissen Grad an Frust zu hadern hatte – „jammern auf hohem Niveau“, könnte man meinen, aber auch dieses Unbehagen, das den natürlichen Fluss der Inspiration dramatisch hemmen kann.

Für den erfolgs- und anerkennungsverwöhnten Rodgers war ein paar Jahre davor die Zeit des „disco sucks!“ angebrochen, jenes reaktionären Slogans aus dem Rocklager, der Disco-Musik der Oberflächlichkeit und politischer Apathie bezichtigte und das Genre samt seiner Vertreter in Verruf brachte. Dazu war Chic, seine Band, die Funk und Disco so prägend verschmolzen hatte, am Ende.

Wenn man sich wiederum bei David Bowie die Chart-Historie seines ersten Karrierejahrzehnts anschaut, dann wird konstatiert, dass er eigentlich kein glückloser Erfolgsverweigerer war: Gold- und Platinauszeichnungen hier und da (sogar für düstere Werke wie Station to station!) zeugten von einem gewissen Grad an Popularität. Aber an ihm haftete teilweise noch der Duft des – man traut sich kaum, es auszusprechen – Kultkünstlers, mit starker Betonung auf “Kunst” – nicht gerade vorteilhaft, wenn man anstrebt, die Massen zu begeistern. Für die Mission “Volks-Bowie” brauchte er also die Unterstützung von jemandem, der ein Gespür für Eingängigkeit, gepaart mit Klasse vorweisen konnte. “An diesem Punkt meines Lebens”, so Nile Rodgers, demütig und dennoch selbstbewusst “pickte dieser Typ, der als einer der großen, innovativen Rocker betrachtet wurde, einen Disco-Fuzzi raus, mit dem keiner arbeiten wollte, um mit ihm zu kooperieren und letztendlich das größte Album seiner Karriere zu machen: Let’s dance. (…) Es waren wir beide gegen die Welt”.

Let's dance

Nile Rodgers prägte Let’s dance mit seiner Funk-Expertise, sowohl als Produzent als auch als Rhythmus-Gitarrist (Foto: Shutterstock)

David Bowie Let‘s dance – ein Konzeptalbum?

Die Begeisterung der neuen Buddies Bowie und Rodgers füreinander hatte zwangsläufig ein Bauernopfer als erste Konsequenz, nämlich Tony Visconti, der sich dank seiner Mitwirkung an der hochgeschätzten “Berliner Trilogie” und dem nicht geringer bewerteten Scary monsters (and super creeps) bereits seine Meriten verdient hatte, als idealer Katalysator dessen, was im Kopf seines Freundes David B. herumschwirrte.

Zu jenem Zeitpunkt war jedoch auch die Tatsache bekannt, dass Bowie kein Problem damit hatte, sowohl stilistisch als auch karrieretechnisch das Ruder herumzureißen, sobald es ihm langweilig wurde oder er das Gefühl bekam, seine Musik liefe Gefahr, ins Formelhafte abzudriften. Ein Chamäleon? Gern doch!

Und 1982 war die Zeit reif für eine neue Häutung. Gitarrensoli aus rückwärts abgespielten Fragmenten zusammenzuflicken – schön; Alter Egos mit einem Eigenleben zu erschaffen – noch schöner. Aber diesmal war die Prämisse kurz und eindeutig: “Nile, I really want you to make hits.” Gar von einem “commercial record” war die Rede, sehr zum Staunen von Nile Rodgers, der das Assoziieren von “Bowie“ mit “kommerziell” als bizarr empfand.

Let’s dance sollte, anders als andere Bowie-Alben, von keinem klaren Thema durchzogen sein. Was den Umgang mit den Begriffen “Hits” und “kommerziell” als Teile eines Konzepts angeht, löste das Album das Versprechen jedoch nicht nur im Titel ein, denn musikalisch zeigte der Kompass nur eine Richtung, nämlich die der Tanzfläche.

David Bowie Let‘s dance – im Studio

Nach der Vorproduktion in der Schweizer Idylle flog die frischgebackene kreative Partnerschaft nach New York, um den eigentlichen Plan umzusetzen.
Bowie, der zu jener Zeit ohne Plattenvertrag dastand, beschloss die Realisierung des Albums aus eigener Tasche zu finanzieren. Dabei ließ er sich schon bei der Studio-Auswahl nicht lumpen: Es ging ins Power Station, das damalige Hitlabor, in dem Nile Rodgers an seinen Disco-Erfolgen (Chic, Diana Ross, Sister Sledge usw.) zu tüfteln pflegte. Bob Clearmountain, der zu der Zeit nur noch als Toningenieur unterwegs war, saß an den Reglern, sowohl bei den Aufnahmen als auch beim Mix, wo er seiner Schwäche für riesig klingende Drums unüberhörbar frönen durfte.

Für die Sessions trommelte Rodgers eine Band zusammen, in deren Kern ein weiteres Opfer aus dem vertrauten Bowie-Lager zu beklagen war: der Puertoricaner Carlos Alomar. Es lag auf der Hand, dass der Produzent, musikalischer Direktor und Inspirator Rodgers sich und seiner Stratocaster das Einspielen der Rhythmusparts nicht nehmen lassen würde, obwohl Alomar der Aufgabe mehr als gewachsen war.
Am Schlagzeug sollten sich zwei junge Talente mit ähnlich druckvollem Spiel abwechseln, nämlich Tony Thompson (Bandkollege von Rodgers bei Chic) und Omar Hakim, der 23-Jährige, der wenig später an der Seite von Sting, Mark Knopfler und Miles Davis Weltruhm erlangen würde.

Dem erfahrenen Rob Sabino, Dauergast bei Chic, wurden zugleich die eher zurückgehaltenen und jedoch unentbehrlichen Keyboard-Einlagen anvertraut.
Warum also nicht gleich den Bassisten-Posten mit Bernard Edwards besetzen und so die erfahrene und gut geölte Funkmaschine Chic als Backingband dabei zu haben, bleibt ein Rätsel. Stattdessen kam mit Carmine Rojas ein weniger bekanntes Gesicht zum Zuge, das mit seinem 4-Saiter noch einige Jahre David Bowie begleiten sollte.
Untypisch für seine Arbeitsweise im Studio hielt sich Bowie während des gesamten Aufnahmeprozesses fern von jeder Form der instrumentalen Klangerzeugung oder wie es im O-Ton hieß: „Ich spielte kein verdammtes Ding; das ist ein Sängeralbum.“

Bei so vielen namhaften Beteiligten und dem ehrgeizigen Vorhaben, ein – wir werden nicht müde, es zu wiederholen – kommerzielles Album zu produzieren, denkt man automatisch an großen Aufwand und endlose Anläufe auf der Suche nach … doch bei Let‘s dance lief es anders – mit ganzen 17 Tagen Studioarbeit (für Aufnahme, Mix und Mastering, wohlgemerkt) erwies sich die Produktion nach eigenem Bekunden von Nile Rodgers als die schnellste seiner gesamten Karriere. Auch diesem raschen Arbeitsrhythmus ist die Tatsache geschuldet, dass es von den jeweiligen Songs keine alternate versions oder irgendein Bonus-Material existiert: War ein Stück fertig, ging man automatisch zum nächsten über. Geplant war ein Album und nichts anderes.

Andererseits war der Fundus an neuen Kompositionen, der zur Verfügung stand, in Zahlen zwar nicht so mickrig wie auf dem Nachfolgealbum Tonight, aber auch denkbar knapp. Der Weg führte also zu „Criminal world“, dem einzigen halben Hit der fast unbekannten Briten von Metro, und zur Überarbeitung von einem paar anderer Songs, an denen Bowie zumindest mitgeschrieben hatte. Zu den Letzteren gehörte „China girl“, das jahrelang ein raues, kantiges Dasein auf Iggy Pops The idiot gefristet hatte und jetzt dank hochglänzender Studiopolitur zu einem potenten Poprock-Song heranwuchs – ach, und zu einem veritablen Klassiker nebenbei.

Aber, wo bleibt der besondere Gast, der dem Album mit seinem muskulös-bluesigen Sound eine distinktive Note verpassen sollte? Nun, in der dritten Dezemberwoche durfte Stevie Ray Vaughan ins Studio, um, wie Bowie selbst Jahre später erinnerte, „alles zu zerreißen, was man über Dance-Platten bisher dachte.“

SRV – auf Dance trifft Blues

In der Musik David Bowies spielte die E-Gitarre seit den Anfangstagen (OK: seit dem Ende seiner Folk-Phase) eine entscheidende Rolle und bot den jeweiligen Instrumentalisten immer wieder eine Plattform, sowohl für individuellen Glanz als auch für das Mitgestalten am “Bowie-Sound”. War dieser wichtige Posten seit den Mitt-70ern von Gitarristen wie Ricky Gardiner, Robert Fripp oder Adrian Belew besetzt gewesen, die man pauschal als “experimentell” abstempeln würde, so wurde bei Let’s dance die Wahl des bis zu jenem Zeitpunkt nur in mittelgroßen Blueskreisen bekannten Stevie Ray Vaughan als Leadgitarrist selbst zum Experiment – und zum Highlight des Albums zugleich!

Wahl-Schweizer Bowie erlebte den jungen Vaughan zum ersten Mal bei dessen Auftritt auf dem Montreux Festival im Sommer 1982 und war auf Anhieb von seinem Spiel beeindruckt. Backstage konnte Vaughan, der mit der Musik seines Gegenübers nicht besonders vertraut war, seine Ohren wiederum nicht trauen, als er eine Probe von Bowies enzyklopädischer Blues-Kenntnis (und -Begeisterung) zu hören bekam. Bowie schlug vor, im Kontakt zu bleiben, und einige Monate später erhielt Vaughan den Anruf, um sich der Arbeit im Studio anzuschließen. Seinerzeit beschrieb ein anscheinend zufriedener Stevie Ray die Arbeitsweise bei seinem berühmten Auftraggeber folgendermaßen: “Mit David Bowie kann man wirklich einfach arbeiten. Er weiß, was er tut und spielt nicht herum. Normalerweise kommt er rein und geht an die Arbeit. Meistens nahm David seine Parts auf und dann spielte ich meine ein. Er wollte, dass ich einfach drauflos spiele. Danach gab er seine Meinung darüber, was ihm gefiel und was noch ein bisschen mehr Arbeit brauchte. Fast alles war nach einem oder zwei Anläufen fertig. Ich glaube, da war nur eine Sache, für die ich drei Takes brauchte.”

Für die Zukunft unmittelbar nach Fertigstellung des Albums hatte Bowie verlockende Pläne für Vaughan in petto: Nicht nur sollte der Texaner Teil der Liveband werden, sondern seine eigene Combo Double Trouble sollte auf der Welttournee als Vorgruppe agieren. Würde sich jemand eine solch einmalige Chance entgehen lassen, sich selbst und seine Band der weltweiten Öffentlichkeit zu präsentieren? Nun, Stevie Ray Vaughan schon – auf der einen Seite tauchten Differenzen bezüglich der Gage des Bluesers auf, andererseits hätte die Welttournee womöglich eine Verschiebung der eigenen Pläne auf längere Zeit bedeutet, just zu einem Zeitpunkt, an dem Double Trouble das ersehnte Debütalbum im Kasten hatte.
Vor der endgültigen Absage kam es jedoch zu gemeinsamen Proben, die im mäßig klingenenden Bootleg David Bowie & Stevie Ray Vaughan ‎– Space Oddity (F.M. Broadcast 1983) dokumentiert sind.

Let's dance

Bandproben mit Stevie Ray Vaughan an der Leadgitarre – zwar hauptsächlich für Fans, dennoch nicht ohne Reiz … (Foto: Cristián Elena)

In den liner notes zu den posthum erschienen Montreux-Konzerte gab Bowie seine Ein- und Wertschätzung zum Beitrag Vaughans auf Let‘s dance preis: „Eins nach dem anderen riss er Solo über Solo, von Song zu Song. In unglaublich kurzer Zeit wurde er zur Hebamme (SIC) des Sounds, der das ganze Jahr in meinen Ohren geklingelt hatte – eine Form, deren Melodie in einer Art europäischen Verständnis verwurzelt, ihre Wirkung aber dem Blues geschuldet war.“

David Bowie Let‘s dance – ein Song

Aus Let‘s dance wurden seinerzeit zwar drei Songs als Singles erfolgreich ausgekoppelt, aber der Titel-Track sollte zur unumstrittenen Hymne werden. Er steht aber auch als Musterbeispiel für die Symbiose, die schon in der frühen Phase des Albumprojekts entstand, zwischen dem Künstler Bowie und dem Betreuer Nile Rodgers, der nicht nur das Ganze produzierte, sondern speziell diesen Song durch seinen Input zum (potenziellen) Hit reifen ließ.
Beide Protagonisten sind sich bei ihren jeweiligen Erzählungen des „Tathergangs“ einig: Während der Vorproduktion in Bowies Schweizer Domizil platzte dieser ins Zimmer von Rodgers und eröffnete ihm, er habe einen neuen, angeblich großartigen Song. Bowie sang seinem Partner das Stück vor … und es war ein Folksong! Sein Entsetzen brachte der gute Nile mit einem Satz auf den Punkt: „Ich komme selbst aus der Dance-Musik. Was du gerade gespielt hast, kannst du unmöglich ‚Let‘s dance‘ nennen.“
Rodgers Gegenvorschlag war das Schreiben eines eigenen Arrangements, für dessen Aufnahme er Studiozeit und ein paar Schweizer Musiker buchte. Als Bowie die neue Version zum allerersten Mal hörte, sang er seinen Part genau wie davor in Nile Rodgers Zimmer – das Ergebnis brachte ihn dann zu schlichter Einsicht: „You’re right! It works as a funky song!“

Wie man auf dieser fortgeschrittenen Demoversion hört, brauchte der Song mit dem unbändigen Hitpotenzial nur die Endausstattung, vor allem:

– eine „eigene“ Rhythmusgitarre anstelle von Nile Rodgers zu offensichtlichem Freak-out-Motiv;
– das clever von den Beatles entliehene Aaaah-Crescendo;
– einen dezenter Bläsersatz;
– die an Albert King gewidmeten Solopassagen des Stevie Ray Vaughan.

Wow, ich spiele es noch mal ab!

David Bowie Let‘s dance – Nachlese

Der Veröffentlichung des Titelsongs als fulminanter Vorbote folgte ein Monat später am 14. April 1983 bei EMI America die des Albums. Und ja, es wurde düster im Gemüt vieler alten Fans, denn Let‘s dance klang so, wie Bowie auf den neuen Werbefotos aussah: Wasserstoff-blondiert, im Anzug und positiv lächelnd. Vielleicht ahnten sie schon, diese würde die Schablone für weite Teile seines 80er-Jahren-Outputs werden – eine Skepsis, die zumindest diesem Album nicht ganz gerecht wird. Indes zeigte sich die Fachpresse nicht weniger überrascht, meistens jedoch wohlwollender in seinem Urteil gestimmt.
Millionen (ca. 11 sollten es im Laufe der Jahren werden) Musikliebhaber ließen sich unterdessen auf die pop-rockende Songsammlung unbekümmert ein und brachten das Album und die daraus ausgekoppelten Singles auf die Spitze sämtlicher Charts weltweit. An dieser Stelle darf die treibende Kraft des damals innovativen MTV nicht unberücksichtigt bleiben, der die von Videoclip-Ikone David Mallet für „Let‘s dance“ und „China girl“ gedrehten Clips in die ersehnte heavy rotation aufnahm. Während der anschließenden Serious Moonlight Tour bekam David Bowie reichlich Gelegenheiten, sein neues berufliches Zuhause zu besichtigen: großen Arenen und Stadien.

Für eine Grammy-Nominierung in der Kategorie „Album des Jahres“ reichte es letztendlich auch … ausgerechnet in dem Jahr, als sich alle und alles vor Michael Jacksons Thriller geschlagen geben mussten.

Fazit

Bei der Betrachtung von Musikalben aus der Perspektive eines langen zeitlichen Abstands läuft man Gefahr, entweder ohne Berücksichtigung seines Entstehungskontexts zu hart darüber zu richten oder in die Verklärungsfalle zu geraten und gleich alles Mögliche für ein Meisterwerk zu halten. Let’s dance war berechtigterweise populär und bot eine Flanke für Kritik und Polemik zugleich. In einem späteren Interview reflektierte David Bowie gewohnt ausgewogen über das eigene Werk: “Im Prinzip war es ein neuer Hybride, in dem Bluesrock-Gitarren für ein Dance-Format benutzt wurden. Es gab damals nichts, was ähnlich klang. Es scheint kommerziell nur anhand der vielen verkauften Exemplare. Auf seine Weise war es großartig, aber es stellte mich in einer Ecke, in der meine Integrität darunter litt.”

Forum
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    psv-ddv  AHU

    Zwei Ikonen der Siebzigerjahre bringen in unglaublicher Dichte und dennoch leichtfüssig die Lebensstimmung der Achtzigerjahre auf den Punkt.
    Und dann noch diese unglaubliche Besetzung.
    Eindeutig ein Meisterwerk!
    Danke für den sehr spannenden Hintergrundbericht.

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      Cristian Elena  RED

      Vielen Dank für das enthusiastische Feedback!
      Stichwort „Hintergrund“ > altersbedingt war dieses das erste Bowie-Album, das ich zu hören bekam. Und, weil in meiner Heimat damals seine Diskografie sehr unordentlich veröffentlicht wurde (wenn überhaupt, denn er war zu schrill und „zu wenig Macho“ :-/ ), war meine Reaktion „äh? Das soll der Typ sein, der so einflussreich ist? Der macht doch nur Radiofutter!“ Irgendwann bin ich dann erwachsen geworden … ;-)

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    Willemstrohm  

    Kleine Verbesserung und (böse) Anekdoten.

    Bowie machte dem John schon ’72 klar, dass er gerne (auch mit Mädels) tanzt. ;-)
    In dem verlinkten Video sehen wir u.a. den Tänzer und Choreographen Lindsay Kemp, der Bowies damalige Bühnenshow mitgestaltete und ein früher Förderer Bowies war. Video und inhaltliche Assoziationen sind insofern pikant, als dass der Song einer tatsächlich damals erlebten Dreiecksbeziehung nahekommt, in der sich Bowie, Kemp und eine damaligen Kostümbildnerin befanden. Kemp und Bowie waren zeitweilig ein Paar, bis Kemp Bowie in flagranti mit einer Frau erwischte (der besagten Kostümbildnerin und bis dato guten Freundin von Kemp).
    Kemp sagte übrigens einmal in einem Interview, dass Bowie kein sonderlich begabter oder intuitiver Tänzer war. Bowie musste sich das, wie einiges andere, erst erarbeiten. Aber das zeichnete Bowie ja auch aus – die Gabe, relevante Einflüsse zu erkennen, sie aufzunehmen und sie sich zum eigenen Stil zu machen. Das Chamäleon des Pop eben.

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    teofilo  

    Danke für den sehr schönen Artikel. Da ich die Veröffentlichungen damals „live miterlebt“ habe, musste ich immer die Verrisse der „studierten Musikkritiker“ anhören, die einfach nicht verstehen konnten, dass Bowie nicht in den 70ern verharrt. Klar ist es Pop, aber einer, der nicht auf Geldverdienen durch Recycling aus ist. China Girl ist immer wieder Gänsehaut, aber Modern love geht derartig nach vorne.

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      Cristian Elena  RED

      Gern geschehen!

      „Modern love“ (musikalisch eine Verbeugung Bowies vor Little Richard) ist so etwas wie der perfekte Albumaufmacher.

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    cosmolab  

    Vielen Dank für den schönen Artikel!
    Dass Nile Rodgers an der Sache beteiligt war usw. – ich hatte ja keine Ahnung.

    Aber eine Sache interessiert mich dann doch:
    „– das clever von den Beatles entliehene Aaaah-Crescendo;“

    Wo von den Beatles haben sie denn das „entliehen“?
    Denn WENN es ein musikalisches Zitat gibt, an das mich diese Stelle immer wieder erinnert, dann wäre es „Sugar Baby Love“ von The Rubettes (es ist praktisch dasselbe, nur doppelt so lang). Bis heute muss ich Jedes Mal für ein paar Sekunden in Gedanken den Rubettes- Song „weitersingen“, wenn ich das Crescendo bei „Let´s Dance“ höre… ;-)

    Aber am Ende haben vielleicht auch die Rubettes „zitiert“- bei den Beatles??

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      Cristian Elena  RED

      Vielen Dank!

      Zum Thema „Aaaah-Crescendo“: Möglicherweise borgten sich die Rubettes diese kurze aber markante Gesangseinlage von den Beatles auch, und zwar aus deren Version von „Twist and shout“ (1963), die wiederum im Original von den Isley Brothers stammt.

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      Willemstrohm  

      Bowie selbst sah die 80er auch eher kritisch. Gesamtmusikalisch. War mit seinem Output der 70er und 90er zufriedener (sofern ich ein gedrucktes Interview aus den Mitt/End 90ern noch richtig in Erinnerung habe). Ich halte diese kommerziell erfolgreichste Phase auch eher für eine seiner schwächeren.

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        TobyB  RED

        Es gab von der BBC eine Doku, Seven Stages of Rock. Eine Folge widmet sich der Entstehung des Stadionrock. Ein Meilenstein des Bombast David Bowie. Man hat einfach die Theatralik des Art Rock der Siebziger mit dem New Wave geschliffen und mit Glam Rock nachpoliert. Und übrig blieb Stadion Rock.

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        Cristian Elena  RED

        Ein paar Anmerkungen:

        1) Zur selbstkritischen Haltung > siehe Bowie-Zitat im „Fazit“.

        2) In der letzten Phase seiner Live-Laufbahn (2000-2004) hatte sich Bowie mit dem (vermeintlich) schwächeren Material teilweise versöhnt: Auf den aus jener Zeit stammenden Livealben sind einige der Songs (Let’s dance, Loving the alien, China girl, Absolute beginners, This is not America) vertreten.

        3) Vor seinem Tod war Bowie bei der Planung der Boxset-Retrospektive involviert, die seit 2016 im jährlichen Abstand erscheint. Für „Loving the alien“ (die Box, die das Werk von 1983 bis 1988 umfasst) hinterließ er eine detaillierte Liste der Musiker, die für eine Remake von „Never let me down“ (*seinem womöglich schwächsten Album) zu holen waren. Hört man sich eben diese Remake (*auf allen Streamingdiensten verfügbar), stellt man fest, dass NLMD nicht so sehr am Material, sondern an der Produktion litt … und zugegebenermaßen auch daran, dass Bowie offensichtlich für die großen Stadien sang ;-)

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    dAS hEIKO  

    Mit 14 machte ich mir sicher keine Gedanken, wie Lets Dance aufgebaut war. Geschweige denn, wer „dieser“ Nile Rogers war. Aber über 30 Jahre später den Song von eben diesem „Le Freak“Nile Rogers erklärt zu bekommen ist schon geil. Überhaupt, weil Bowies Songs allesamt butterweich in den Ohrkanal gehen, vom Aufbau und den Akkorden her aber oft sehr anspruchsvoll bis eigenwillig.
    …war damals ein Popsong. Ist heut immer noch ein Popsong…und macht, laut aufgedreht, immer noch Laune.

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