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Synthesizer im Kino: EMU II in „Ferris macht blau“

Emulator II als heimlicher Kinostar

23. April 2022

Vorwort der Redaktion
Im Zuge unserer Kooperation mit dem SynMag-Fachmagazin wollen wir euch erneut eine journalistische Perle zugänglich machen, die wir in leicht geänderter Form nun hier präsentieren dürfen. Der Artikel erschien erstmal 2008 und ist selbst schon wieder Zeitgeschichte, betrachtet man Manfreds Schlusswort.

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Aus der Serie „Elektronische Musikinstrumente im Film“ von Manfred Miersch präsentieren wir Euch die Folge, in der es um FERRIS MACHT BLAU ging, in der ein Emulator II einen kleinen Auftritt hatte, der aber damals einen bleibenden Eindruck hinterließ.

Aus der Serie SYNTHESIZER IM KINO findet ihr bei uns bereits eine Folge zum Klassiker UNHEIMLICHE BEGEGNUNG DER DRITTEN ART.

Ferris Bueller´s Day Off (USA, 1986, Regie: John Hughes)

In den vergangenen Folgen dieser Serie wurden Filme vorgestellt aus Zeiten, in denen elektronische Instrumente und die damit produzierten Klänge allgemein eher wenig bekannt waren. Daher konnten die Instrumente, die in den meisten Fällen nur als Requisit verwendet wurden, z.B. für Exotik und Dekadenz stehen, wie das modulare Moog-System in „Performance“ (1968) und das Trautonium in „Anders als Du und ich“ (1957) oder auch für Exklusivität und Spezialistentum, wie in das EMS-Equipment in „The Shout“ (1978). Im Film „Phantom of The Paradise“ (1974) trugen die gigantischen T.O.N.T.O.-Modularschränke zur bizarren Kulisse des phantasievollen Pop-Movies bei und in „Close Encounters Of The Third Kind“ (1977) repräsentierte der ARP-2500 das Hightech-Werkzeug zur Kommunikation mit Außerirdischen. Ausgiebig vorgeführt wurde das Theremin in „The Delicate Delinquent“ (1957) und war dort als seltsames Spielzeug der Figur des verrückten Wissenschaftlers zugeordnet.

In den 1980er-Jahren hatte man sich an elektronische Klänge weitgehend gewöhnt und die ehemals raren Synthesizer gehörten standardmäßig zum Inventar der meisten Aufnahmestudios und vieler Schulen. Ab Mitte der 1980er konnte man monophone Synthesizertypen für wenig Geld kaufen, denn Polyphonie war längst angesagt und: Sampling.

Längst hatte die Filmindustrie auch erkannt, dass als zahlungskräftige Zielgruppe die 12-17-jährigen Teenies umworben werden mussten und man entwickelte Konzepte, um das Taschengeld effektiv in die Kinokassen zu leiten. Identifikationsfiguren für dieses spezielle Publikum wurden geschaffen und drum herum bunte Geschichten konstruiert. „Ferris Bueller´s Day Off“, der als „Ferris macht blau“ in die deutschen Kinos kam, hatte das gewünschte Format: eine nette, saubere und harmlose Komödie, süß wie Bubblegum und genauso zäh und nicht runterzuschlucken. Matthew Broderick spielt Ferris Bueller, einen cleveren und smarten Schulschwänzer, der ein Unwohlsein vortäuscht, um statt zur Highschool gehen zu müssen, den Tag lieber mit Freunden verbringen zu können: mit Mia Sara als Sloane und Alan Ruck als Cameron. Die Drei erleben nun alles, wovon ein durchschnittlicher amerikanischer Teenager in den 80ern offensichtlich bevorzugt träumte, z.B. einen Ferrari fahren, in ein teures High-Society-Restaurant essen gehen, im Stadion Sport angucken, von der Aussichtsplattform eines Wolkenkratzers auf die schöne amerikanische Großstadt hinunterschauen, und bei einer faschingsartigen Straßenparade mitfahren und mitsingen.

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Wären die Freunde in der Highschool geblieben, hätte der Film nicht langweiliger sein können, daran ändern auch einige bemühte Slapsticks und der melodramatische Ausklang nichts. Die amerikanische Tagespresse lobte „one of the best teen movies ever made“, während „the biggest, most up-to-date movie guide ever“, ein recht anspruchsvolles amerikanisches 1200-Seiten-Werk, den Film als „poor“ abqualifizierte. Der Film würde mehr über den Geschmack des Massenpublikums in der 80er-Jahren offenlegen, als man wissen möchte, heißt es in der Rezension im Buch. Die filmischen Charaktere sind simpel und kontrastarm angelegt. Ein Teenie mit gut verdienenden Eltern brauchte in dieser Zeit offensichtlich einen „Emulator II“, um besonders cool zu wirken, einen Sampler, mit dem man so schöne Sachen machen konnte, wie Keuch-, Hust- und Kotzgeräusche digital aufzuzeichnen und in unterschiedlicher Tonhöhe auf dem Keyboard abzuspielen! Zugegeben: ein Freund des Autors dieses Textes besaß damals einen „Emulator II“ und die Experimente, die wir damit anfangs veranstalteten, waren wenig fantasievoller …

Ja, sowas konnte viel Freude bereiten; es soll sogar Leute gegeben haben, die daraus ein Hobby machten (vielleicht gibt´s die immer noch?). Die Firma Wersi kam dem entgegen und brachte 1987 einen 17x7x2,5cm großen batteriebetriebenen, billigen „Hobby-Sampler“ auf den Markt. Damit kann man auch unterwegs prima sampeln und mit Hilfe des Schiebereglers die Sounds dehnen oder komprimieren. Man kann das Teil aufgrund der niedrigen Bit-Auflösung auch als Rauschgenerator verwenden …

Report Tony Banks, Emulator II

E-Mu Emulator II

Als analoger Vorläufer der digitalen Sampler kann das „Mellotron“ betrachtet werden. Es kam um 1963-65 auf den Markt, als eine Art intern vervielfachtes Tonbandgerät, denn im Gehäuse rotierten verschiedene Tonbandschleifen mit bereits aufgezeichnetem Ton-, Klang- oder Geräuschmaterial an Tonköpfen vorbei. Die Soundsamples waren demnach analog auf Tonband gespeichert und das Abrufen per Tastendruck setzte eine durchaus aufwändige Mechanik in Gang. Ein Austauschen der Sounds war nur durch das umständliche Wechseln des gesamten Bandrahmens oder eines Bandkassettensatzes möglich. Vom Musiker auf kompatibles Bandmaterial selbst aufgezeichnete Sounds per Bandwechsel in das System zu integrieren war schwierig.

Nicht unbedingt einfacher war die Bedienung eines aus Australien stammenden Gerätes, das ab 1980 produziert wurde, das „Fairlight Computer Musical Instrument (CMI)“. Das komplexe System präsentierte sich als äußerst flexibles Werkzeug für Datenmanipulation und Multi-Track-Recording. Das Erzeugen und Abspielen von Samples über das Keyboard war nur eine Funktion von vielen anderen. Das erste Soundsample, das während der Entwicklung des Instrumentes aufgenommen wurde, war das Bellen eines Hundes. Wuff! Waff! Der Dirigent Herbert von Karajan setzte das Fairlight System im Jahr 1980 zum Abspielen gesampelter Glockenklänge bei der Aufführung des „Parsifal“ ein.

Der Preis des „Fairlight CMI“ war hoch, um die 30.000 Dollar, doch die Funktion, beliebige Samples abzuspielen, war attraktiv, daher ließ sich die Firma „E-mu Systems“ davon inspirieren und baute ein Gerät, das sich anfangs auf diese Funktion beschränkte und das ab 1981 bereits für ca. 8.000 – 10.000 Dollar zu haben war, den „Emulator“. Die Weiterentwicklung, der „Emulator II“ erschien 1984, er hatte standardmäßig zwei Floppy-Drives eingebaut, zum Abspeichern der aufgezeichneten Samples, die Auflösung lag weiterhin bei 8-bit, die Möglichkeit zum Editieren der Klänge war allerdings größer als beim Vorgängermodell. Die analoge Nachbearbeitung der Samples war durch technische Beigaben machbar, die aus der Welt der Synthesizer stammten: Hüllkurven, Oszillator, Filter und LFO. Was war das erste Sample, mit der die praktische Loop-Funktion des „Emulators“ während der Entwicklungsphase getestet wurde? Husten, bellen? Nein, wenn man E-mu´s Mitbegründer und Chef-Ingenieur Dave Rossum glaubt, dann war es das Geräusch eines Mitarbeiters, der in eine Toilette pinkelt. Ferris Bueller, dem technisch versierten frechen Teenie aus „Ferris Bueller´s Day Off“, hätte dies sicherlich gefallen …

Das 1975 in den USA entwickelte „Synclavier“ , das hier nicht unerwähnt bleiben soll, bot in der Version „Synclavier Modell 9600“ eine 16-Bit Auflösung. Der Hersteller, die Firma „New England Digital“, verkaufte den Hyper-Sampler zu einem Preis, der den des „Fairlight CMI“ noch erheblich übertraf.

Ein grundsätzliches Problem, das beim „Emulator“ und bei ähnlichen preiswerteren Produkten auftrat, war die Tatsache, dass die Dauer des aufgenommenen Klanges beim Transponieren variierte: wurde ein Sample z.B. mit höherer Tonhöhe als der Originaltonhöhe abgespielt, verkürzte sich die Dauer des Samples. Beim Sampeln von Sprache gab es das unvermeidbare Problem, dass die Formanten ebenfalls transponiert wurden, mit dem Resultat einer oft unerwünschten Künstlichkeit. Derartige Probleme waren für jene Käufer weniger bedeutsam, die den „Emulator II“ vorwiegend als Spielzeug nutzten, um ihn nach kurzer Zeit wieder abzugeben. Ein „Emulator III“ wurde vor einiger Zeit auf eBay für 1.250 Euro angeboten, ein Käufer fand sich nicht. Der „Emulator“ war ein Produkt seiner Zeit, das heute als veraltet erscheint. Dies gilt ebenso für „Ferris Bueller´s Day Off“.

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Forum
  1. Profilbild
    [P]-HEAD AHU

    Ferris macht blau ist definitv ein Kultfilm geworden, und genau diese Szenen haben dazu auch beigetragen. Oder die Ticks der Lehrer in dem Film: „Wer weiß es? … Wer weiß es!“
    Auch das Haus aus dem der Oltimer ins Grüne gefahren ist, gibt es immer noch und ist sowas wie eine Kultstätte geworden.

  2. Profilbild
    astral_body

    Kann eigentlich ein AKAI MPC den Emulator emulieren ;-) ? Tips?

    Der EMU ist ein Sampler, der mich schon in den 80er fasziniert hat (ohne das ich mich damals mit dem Zeug auskannte. Aber zahlreiche coole Bands hatten den. Daher hätte ich auch gerne einen gehabt…)

    Kann man eigentlich den Sound von einem EMU II einigermaßen authentisch mit einem aktuellen Sampler „emulieren“?

    Habt ihr einige Tips, wie man z.B. mit einem aktuellen AKAI MPC (ist ja auch ein Sampler) den Emulator nachmachen kann? Vintage Samples aus der Zeit helfen sicher. Aber dann noch weitere Tipps?

    Hat das schon mal jemand probiert? (Ja, EMU VSTs sind mir auch bekannt. Aber geht es auch mit einem „normalen“ zeitgenößischen Sampler).

      • Profilbild
        astral_body

        Ich möchte z.B. den Sound von Depeche Mode in den 80er Alben nachmachen.

        Für den Sound braucht man vermutlich mehr als eine Eigenschaft sondern vermutlich eine Mischung zw. alten Sampels, 8 Bit Charm, analogen Filtern, usw.

        Ich kenne zwar die Depche Mode Songs mit dem EMU, aber ich habe keine Ahnung, wie ich die reprodzieren kann. So trivial ist das vermutlich nicht. Mit meinem anlogen Synth kommt man da nicht weit :-)

        Hier steht z.B. wie Depeche Mode bestimmte Sounds gemacht haben soll:
        https://dmlive.wiki/wiki/Depeche_Mode_sample_sources

        • Profilbild
          lunatic AHU

          Also Motoren, Flaschen, Mülltonnen sampeln ist das Eine. Viel wichtiger finde ich tatsächlich FM Sounds. Kommt öfter vor das ich Tracks verwerfe da sie zu DM-lastig klingen durch Chimes oder andere metallische Sounds. Ich denke FM ist für Depeche-Sound von 1984 bis 1988 der Schlüssel.
          Und sich überlagernde Melodien sowieso

          • Profilbild
            astral_body

            Danke für die Antwort. Ja, FM ist sicher auch ein wichtiger Faktor für den Sound der 80er.

            Depeche Mode hat ohnehin so ziemlich alles an Synth genutzt, was es damals gab (PPG, EMU, FM, Analog,…).

            Martin Gore verwendet heute z.B. auch gerne Modular. Vince Clark und Martin Gore haben offensichtlich auch GAS :-)

        • Profilbild
          emulator2hd

          Die waren faul , das meiste aus den 80ern waren gelayerte Preset Sounds.
          DX7/Fairlight/Synclavier/Emulator 1&2.

    • Profilbild
      Edobot-V

      also ein Husten oder Hunde Furz kann nur auf einem EII so klingen, alles andere ist doch nicht das Wahre :)

      Ich hatte 10 Jahre einen EII kenne den sehr gut, der EII klingt eigentlich ziemlich gut , wer meint alles gesampelte klingt nach Depeche Mode oder so wie von Alan Wilder in dem Christmas Island dargestellten Video der irrt sich, das tut es nicht.

      Allerdings hat der EII ein sehr schönes Analoges Filter, das sehr eigenständig klingt, gibt es so nicht in Software, habe gesucht, nichts gefunden

      • Profilbild
        astral_body

        Ich vermute auch, dass der Filter fast das wichtigste Kernelement für den EII-Sound ist.

        Das ist bei vielen alten Synth mit analogen Filter so, dass irgendwie anders klingen als moderne. Und erst recht wie Softwarefilter.

        Die alten, analogen Filter verhalten sich irgendwie anders.

  3. Profilbild
    Filterpad AHU

    Eigenlob mag fürchterlich stinken, aber ich habe genau das an anderer Stelle schon mal erwähnt, sprich: Emu. 2 und Ferris macht blau. Er macht diese Keuch und Hustsamples, um seinen Eltern eine Erkältung vorzutäuschen und präsentiert diese durch das Telefon. Noch einer der besten Szenen im Film. Ansonsten ist der Streifen relativ lustig, sehr typisch 80er und wie schon erwähnt zieht er sich etwas dahin. Viele Schauspieler hatten hier eine kleine Rolle, die heute vermutlich jeder kennt. Dazu gehören z.B. Charlie Sheen von Two & a half men und Jennifer Grey von Dirty Dancing, die in dem Film auf Ferris aufpassen muss und daher zur Weißglut auftrumpft. Charlie Sheen spielt genau den Typen, wie man ihn einfach kennt.

  4. Profilbild
    MartinM.

    Dieser Film hat mir einen der einsamsten Momente in einem voll besetzten Kino beschert, als er neu war und hierzulande lief, also wahrscheinlich 1986. Ich hatte das Gefühl, der Einzige im ganzen Kino zu sein, der wusste, was das für ein unförmiges Keyboard war, und dass es rund achttausend DMark kostete. Und alles, was der sechzehnjährige Character Ferris damit anzufangen wusste, waren Rotz- und Schnarchgeräusche wiederzugeben. (Ganz ohne Mischpult …)
    Die verschwenderische Steuerpolitik von Ronald Reagan hatte den Dollarkurs damals hochgetrieben, sodass US-Importe wie der Emulator für einige Zeit unverhältnismäßig teuer waren. Und selbst für Vollzeitarbeitende kaum erschwinglich. Und das sollte dann einem Teenager als Spielzeug dienen!
    Davon abgesehen, fand ich den Film klasse und hoch amüsant — voller gut getimter Pointen und Running Gags. (Ferris‘ genervte Schwester — „Ich hasse ihn!“ — ist für mich sowieso der eigentliche Star des Films,)

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