Traum-VCO Made in Germany
ACL steht für Audiophile Circuits League und der ACL Multi Function Discrete VCO ist im Wesentlichen das Kind von Stefan Lewin aus Berlin. Audiophile Circuits League hat mit dem ACL Variable Sync VCO zwar schon einen VCO im Sortiment, der zum Test vorliegende Oszillator baut darauf auf, aber die Fähigkeiten weiter aus.
Der neue diskret aufgebaute VCO mit einer Größe von 26 HP bietet nicht weniger als 10 Schwingungsformausgänge, wobei 5 davon Suboszillatorausgänge sind. Wie beim „kleinen“ VCO, bietet die Vernier-Mechanik eine sehr präzise Einstellung der Feinstimmung, wohingegen die grobe Arbeit von einem Standardpoti übernommen wird. Bei den Funktionen wurde wirklich nicht gespart und es wurde besonderes Augenmerk auf Details gerichtet, die den ACL Multi-Function Discrete VCO zu etwas Besonderem machen – auch preislich, aber dazu später mehr.
Solide Grundausstattung
Zunächst mal bietet der ACL Multi-Function Discrete VCO alles, was einem VCO nicht fehlen sollte: lineare und exponentielle FM mit entsprechenden Abschwächern, PWM-Eingänge für die Pulsschwingung und einen Sync-Eingang. Das wäre die Grundausstattung. Wie gesagt, gibt es alle fünf Schwingungsformausgänge auch als Suboszillatorvariante, wobei der Rechtecksub einen eigenen CV-Eingang (samt Abschwächer) für PWM hat. Bleiben wir bei den PWM-Eingängen. Diese verfügen über drei verschiedene sogenannte Carrier (aufsteigender und fallender Sägezahn sowie Dreieck), die den Klang der PWM beeinflussen. Das kann, je nach Patch, subtil bis sehr deutlich hörbar werden. Den Abschluss macht die VCO-Basisfrequenzwahl mit High und Low. Damit kann man den ACL Multi-Function Discrete VCO auch als V/Okt-steuerbaren LFO betreiben.
Gut gesynct ist halb gewonnen
Die Sync-Funktion wurde vom Variable Sync VCO übernommen und um zwei Optionen erweitert. Erstens kann man einstellen, ob man zur steigenden oder zur fallenden Flanke synchronisieren möchte, denn das beeinflusst die Phasenrelation des Oszillators zum Sync-Signal – das ist z. B. wichtig, um ein bestimmtes Timbre zu erhalten. Man stelle sich als Sync-Eingang einfach den Unterschied von aufsteigendem und fallendem Sägezahn vor. Der synchronisierte Klang hängt dann eben stark davon ab, welche Flanke man nun nimmt. Zweitens verfügt der ACL Multi-Function Discrete VCO über einen Sync-Gate. Kommt hier ein Trigger-Signal an, so wird der VCO-Kern zurückgesetzt. Damit bekommt man zum einen präzise gleichartige Attack-Verläufe für Percussion-Sounds hin und zum anderen kann man ihn natürlich als Hardsync-Eingang nutzen. Interessant ist hierbei, dass man eben verschiedene Signale auf den (Soft-) Sync- und den (Hard-Sync-) Gate-Eingang geben kann. Über Sync-CV steuert man dann den Sync-Threshold.
Lineare FM aufgebohrt
Die lineare FM wurde aufgebohrt und es stehen nun gleich zwei weitere Optionen zur Verfügung. Einmal kann man die lineare FM wahlweise in einem AC- und einem DC-Modus betreiben, so dass auch ganz reguläre Steuerspannungen für Tonhöhenänderungen genutzt werden können. Damit kann man quasi Melodien auf Melodien spielen. Und dann gibt es jetzt einen eigenen Detune-Regler für die lineare FM. Dadurch gelingt eine präzise Feinabstimmung zwischen moduliertem und modulierendem Signal.
Na dann mal ran
Okay, das scheinen ja eine Menge kleinere Verbesserungen zu sein, aber die alles entscheidende Frage ist: Sind diese neuen Features tatsächlich den beinahe doppelten Preis wert? Kostet der Variable Sync VCO nämlich 449,- Euro, so werden für den ACL Multi-Function Discrete VCO satte 860.- Euro fällig. Unabhängig von allen Erweiterungen befindet sich hier nämlich der Knackpunkt: Bereichern die neuen Möglichkeiten das Klangspektrum so sehr, dass der Preis in Ordnung geht?
Gut, dann erst mal einfach den Grundklang des ACL Multi-Function Discrete VCO angetestet. Das klingt schon mal satt und überzeugt auf den ersten Horch. Sattes Bassfundament, brillantes Obertonspektrum, sauberer Sinus. Das gilt auch für die Suboszillatoren. Als nächstes die beiden FM-Eingänge – auch hier zeigt sich eine Fidelität, die FM zur puren Freude werden lässt. Konturierte Verläufe, kombiniert mit einer sehr präzisen und gleichförmigen Ansprache, bieten alles, was man von einer FM erwarten kann. Auch der Sync-Eingang mit seinen Optionen zum separaten Soft-/Hardsync klingt kein bisschen lahm, sondern birgt eine Vielfalt an unterschiedlichen Klangfarben.
Aber richtig interessant wird der ACL Multi-Function Discrete VCO erst, wenn man alle Optionen gleichzeitig ausschöpft und ihn richtig fordert. Selbst dann gibt es so gut wie keine Stellen, an denen der VCO einbrechen würde (abgesehen von der gewollten Thru-Zero-PWM). Und er macht alle Modulationsschweinereien so klaglos und reproduzierbar mit, dass es eine wahre Freude ist.
Der ACL Multi-Function Discrete VCO gehört damit zu den VCOs, die nach mehr als „nur“ einer Stimme klingen können. Moduliert man die verschiedenen Eingänge mit unterschiedlichen Sequenzen und Steuerspannungen, bekommt man durch minimale CV-Änderungen erhebliche klangliche Unterschiede. So kann dieser VCO in einer Stimme Bass-Linie, Hi-Hats Percussion und FM-Sound einem sein, ohne dass ihn das anstrengen würde. Greift man nun noch mehr als eine Stimme ab, bearbeitet diese mit Filtern und mischt man sie zusammen, hat man ein echt veritables Monster-Brett an Sound.
In dieser oberen Preisklasse der OSC reizt mich der Rossum Trident bei weitem mehr!
Ich gestehe: ich habe nicht kapiert, was es mit diesen „Carriern“ bei der PWM auf sich hat. Sind das eingebaute LFOs oder sind das Modulations-Charakteristiken? Nicht mal die ACL-Webseite erläutert das.
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Hinter dem DETUNE LIN verbirgt sich übrigens laut ACL-Webseite tatsächlich lineares Detune, bei dem die Schwebungsfrequenz bei einem Shift beider VCOs über das gesamte Frequenzband konstant bleibt (siehe Moog 901er VCO Bank, oder Juergen Haibles Living VCOs).
AFAIK: Die Wellenform mit der der Sinus verglichen wird, um daraus die Pulsewelle zu generieren nennt man Carrier Wave. Die Carrier Wave ist im Regelfall eine Saw oder Triangle und das kann man da wohl einstellen.
> Die Wellenform mit der der Sinus verglichen wird, um
> daraus die Pulsewelle zu generieren
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Es wäre mir neu, dass eine Pulswelle aus dem Vergleich eines Sinus mit einer anderen Wellenform entsteht. Standard ist doch, dass man die Wellenform des Oszillatorkerns (meist Sägezhan) in einen Komparator schickt, der die aktuelle Spannung der Wellenform mit einer einstellbaren Schwellwertspannung vergleicht, ist die Spannung der Eingangs-Wellenform höher, geht der Ausgang des Komparators auf fast V++; ist die Spannung der Eingangs-Wellenform niedriger, geht der Ausgang des Komparators auf 0V. Das zwischen 0V und ~V++ wechselnde Signal wird als Rechteckwellenform genutzt.
Die Wellenform des Oszillatorkerns ist dabei für das klangliche Resultat eigentlich irrelevant (nur ein Rechteck aus dem Oszillatorkern wäre sinnfrei).
Verwendet man als Schwellwertspannung wiederum eine sich ändernde Spannung aus einem LFO, so bekommt man den typischen „schwebenden“ PWM-Sound.
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Wie funktioniert das mit Sinus und Vergleichswellenform?
Uff, bin Programmierer, kann daher gerade mal PlusPlus von Raute unterscheiden und es war ziemlich spaet/frueh, so dass ich wahrscheinlich groesstmoegliche, sprachliche Umstaendlichkeit habe walten lassen (so wie jetzt z.B.)
> Wie funktioniert das mit Sinus und Vergleichswellenform?
Ich glaube wir reden einfach nur etwas an einander vorbei. Denn eigentlich genau wie du es beschreibst, nur das die Schwellwertspannung einen Sinus (bei dir der LFO) beschreibt um die Modulation der Pulsweite zu realisieren. Fig.2 stellt es sicherlich besser dar als ich: https://en.wikipedia.org/wiki/Pulse-width_modulation#Principle Mein bescheidenes Wissen zur Signaltechnik besagt jedoch, dass erst dann PWM vorliegt, wenn tatsaechlich eine Schwingung mit einem ein Traegersignal verglichen wird und daraus entsprechend Pulse generiert werden. Eine Funktion mit einem konstanten Schwellwert wuerde auch nur eine konstante Pulswelle generieren.
Ich mag mich natuerlich irren, bin allerdings schon etwas, recht ziemlich, fast ganz sicher :)
Sorry, ich orientiere mich am Preis für das Modul, bei technischen Diskussionen kann ich nicht mithalten. Ich bekäme für den Preis je nach Anbieter drei hochwertige VCOs plus Subharmonic Generator. Ob ich mit diesem Set bei Ausnutzung aller möglichen Optionen weniger anstellen könnte, weiß ich nicht. Fetter würde es auf jeden Fall klingen. Ich denke, dass ACL die meiner Einschätzung nach derzeitige hohe Nachfrage nach Eurorack Modulen ausnutzt, um möglichst viel daran zu verdienen. Wieviel Entwicklungskosten hinter einem solchem Modul stecken und wie hoch die Fertigungskosten sind, kann ich ebenfalls nicht beurteilen, wohl aber den Klang, den der VCO erzeugt. Überzeugen kann er mich zum Kauf nicht!