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Test: Arturia KeyLab 88 MKII, MIDI-Keyboard

6. November 2019

Kontrolle über DAW, MIDI & Software

arturia keylab 88 mk2

Arturia KeyLab 88 MKII, MIDI-Keyboard

Nach dem Update der 49er und 61er Modelle der KeyLab-Serie hat sich Arturia einer zweiten Version des 88er Modells gewidmet. Dieses ist seit kurzer Zeit erhältlich und wir haben das neue KeyLab 88 Mk2 für euch getestet.

Optisch – weiß und schick präsentiert sich das KeyLab 88 MkII

Der weißen Grundfarbe bleibt Arturia auch bei der zweiten Version des KeyLab 88 treu. Während sich die Franzosen bei den kleinen Mini-Controllern namens Microlab deutlich farbiger zeigen, gibt es beim 88er Model nur die weiße Version.

Hinsichtlich der Verarbeitung ist nicht nur der erste Eindruck sehr gut, Arturia hat in diesem Fall tolle Arbeit geleistet und die MK2-Version vorbildlich gefertigt. Während man bei den kleineren Controllerkeyboards von Arturia mittlerweile auf Kunststoff in Holzoptik für die Seitenleisten umgestiegen ist, kommt beim großen Modell echtes Holz zum Einsatz. Sowohl die Seitenleisten als auch die Abschlussleisten am unteren bzw. oberen Ende der Tastatur sind aus Holz gefertigt. Dies und vor allem die Maserung des Holz gibt dem KeyLab 88 MkII einen edlen Touch mit auf den Weg.

Die Bedienoberfläche macht einen aufgeräumten Eindruck, wurde gegenüber der MK1-Version aber deutlich verändert. Alle grundlegenden Bedienelemente sind weiterhin vorhanden, verteilen sich aber auf andere Stellen der Oberfläche.

arturia keylab-88-mkII

Technisch – welche Funktionen bietet das MIDI-Keyboard KeyLab 88 MkII?

Der rechte Bereich wurde von Arturia komplett freigehalten, denn hier lässt sich auf Wunsch ein Laptop abstellen. Hierfür liefert der Hersteller auch gleich ein L-förmiges Metallstück mit, das sich auf der Rückseite befestigen lässt und die Ablagefläche nach hinten erweitert. Eine gute Idee, denn alternativ müsste der Laptop auf einen extra Ständer gestellt werden und würde damit in der Regel nicht so im Sichtfeld des Spielers sein wie direkt auf dem Keyboard. Auf die gleiche Art und Weise wie die Ablage lässt sich auf der Rückseite auch ein Notenständer anschrauben, der ebenfalls zum Lieferumfang gehört.

Im Karton des KeyLab 88 MkII befinden sich dazu ein weißes USB-Kabel für den Anschluss an den Computer, ein Anti Ground Loop Adapter (zur Vermeidung von Brummschleifen. Hierbei werden die Stromversorgung und die Datenleitung gesplittet und damit Brummen verhindert), eine englischsprachige Kurzanleitung sowie DAW-Overlays für die Bedienelemente des Keyboards. Je nachdem welche DAW man nutzt, steuern diese nämlich unterschiedliche DAW-Funktionen und durch die Overlays ist stets klar, was man hier unter den Fingern liegen hat. Auf seiner Website bietet Arturia dazu eine deutschsprachige Anleitung zum Download an.

Neun kompakte Kanalzüge mit Endlosdrehregler, 50 mm Fader und darunter liegendem Button folgen links neben der Abstellfläche. Je nach Arbeitsmodus des Controllerkeyboards sind diese unterschiedlichen Funktionen zugewiesen und können beispielsweise Fader oder Potis in der DAW fernsteuern, MIDI-CCs an externe Hardware ausgeben oder in Zusammenarbeit mit Software Instrumenten (und da insbesondere mit der hauseigenen Software Analog Lab) Parameter steuern.

arturia keylab 88 mk2

Die drei Buttons rechts davon (Part1/Next, Part 2/Previous, Live/Bank) dienen zum Umschalten der Fader/Poti/Button-Belegung, so dass die Elemente 3-fach belegt werden können.

Im Vergleich zur ersten Version des KeyLab 88 hat sich der mittlere Teil, sprich alles was rund ums Display liegt, verändert. Ganz oben befindet sich das zweizeilige Display, darunter ein großer Push-Encoder mit vier Buttons. Die drei länglichen Tasten darunter aktivieren den jeweiligen Arbeitsmodus Analog Lab, DAW und User. Das Display ist zwar nicht sonderlich groß, reicht aber vollkommen aus, um die Belegung der Bedienelemente sowie weitergehende Informationen darzustellen. Letztlich ist das KeyLab 88 ein Controllerkeyboard, das, wie der Name schon sagt, zum Steuern und Spielen von anderen Instrumenten bzw. Computern dient. Da braucht man nicht unbedingt ein großes Touch-Display.

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Es folgen die Track und Global Controls, für die wie gesagt Overlays mit geliefert werden, direkt darunter bietet das KeyLab eine Transportkontrolle.

Die 16 Pads des MIDI-Keyboards sind anschlagsdynamisch und mit RGB-Farben beleuchtbar. Sie lassen sich sehr gut spielen, fallen mit einer Größe von 2,6 x 2,0 cm aber nicht allzu groß aus. Abgesehen vom Einspielen von Beats oder Triggern von Loops/Samples hat Arturia für die Pads noch weitere Funktionen vorgesehen. Diese sind vor allem für die Nutzer interessant, die nicht ganz so fit in Sachen Spielen von Akkorden sind. So lässt sich über die Chord Memory Funktion beispielsweise pro Pad ein Akkord festlegen und per Fingerdruck abfeuern.

arturia keylab 88 mk2

Noch weiter geht der Chord-Transpose-Modus, über den man eine Art Akkordbibliothek festlegen kann, die – je nach gedrücktem Pad – über die 88 Tasten des KeyLabs transponierbar spielbar ist. Die Auswahl der Akkorde speichert das Keyboard im User-Preset ab, d. h. man kann diese Funktion im Studio vorbereiten und live beim Auftritt nutzen.

Abgeschlossen wird die Bedienoberfläche des KeyLab 88 mit den zwei silbernen Pitchbend- und Modulationsrädern aus Aluminium (hier hat man richtig was in der Hand) sowie Funktionstasten für Oktavierung, Transponierung und Chord-Funktion. Die beiden Räder laufen sehr solide und bieten einen ordentlichen Widerstand, super.

arturia keylab 88 mk2

Welche Anschlüsse und Tastatur bietet das Controllerkeyboard?

Hinsichtlich der Tastatur hat sich Arturia beim KeyLab 88 Mk2 für eine Zulieferung vom italienischen Spezialisten Fatar entschieden. Zum Einsatz kommt eine TP/100LR (mit Aftertouch), eine Tastatur, die sich vor allem aufgrund ihres geringen Gewichts und dennoch guter Spielbarkeit für 88er MIDI-Keyboards und Stagepianos anbietet.

Fatar hat diese Tastatur in ähnlicher Form schon in eigenen Modellen verbaut, so beispielsweise im Acuna 88 oder im Numa Stage. Gefertigt wird diese aus Kunststoff, das Anschlagsverhalten ist sehr gut und die Gewichtung wird den „härter eingestellten“ Fingern gefallen. Insgesamt also super spielbar und trotzdem lässt die Tastatur das Gewicht des Keyboards nicht sonderlich ansteigen, denn das Keyboard bringt humane 15 kg auf die Waage.

arturia keylab 88 mk2

Bei den Anschlüssen offenbart Arturia, dass sie nicht nur Audiointerfaces und Controllerkeyboards bauen, sondern eben auch im Synthesizer-Bereich aktiv sind (bzw. aus diesem kommen). Anders sind die CV-Anschlüsse des KeyLabs 88 nicht zu erklären, ermöglichen sie doch den Einsatz in Verbindung mit Synthesizern oder Modularsystemen. Anschlussseitig bietet das Keyboard einen CV-In, jeweils einen Pitch- und Gate-Ausgang sowie die zwei Modulationsausgänge Mod 1 und Mod 2.

Über den CV-In lassen sich Steuerspannungen ins KeyLab bringen, gleichzeitig kann dieser auch als CV-to-MIDI- oder CV-to-USB-Converter genutzt werden. Der Spannungsbereich lässt sich zwischen 1 und 10 Volt einstellen, im Menü lassen sich dazu die folgenden Parameter editieren: MIDI Channel (1-16, User, Part 1, Part 2), CC, Max/MSB und Min/LSB.

arturia keylab 88 mk2

Die Ausgänge Pitch und Gate erlauben das Ausgeben von Spannungen auf Basis von MIDI-Notennummern oder Trigger-Signalem, MOD 1 und MOD 2 sind für die Steuerung eines VCAs (MOD 1) bzw. VCFs (MOD 2) ausgelegt und standardmäßig auf Velocity und Modulationsrad als Quelle festgelegt. Im Edit-Modus lassen sich jedoch auch andere Quellen festlegen. Hier eine Übersicht der Parameter für die vier CV-Anschlüsse:

arturia keylab 49 mk2

Strom bezieht das KeyLab 88 über den USB-Port, der dient auch gleichzeitig zur Verbindung mit dem Computer. Das Keyboard lässt sich auch mit einem externen Netzteil (9-12 V, 1 A) betreiben, dies gehört aber nicht zum Lieferumfang. Schön ist, dass es über einen Power-On/Off verfügt.

Maximal vier Pedale lassen sich am Arturia anschließen. Eines davon ist fest auf Expression eingestellt, die anderen drei lassen sich im Menü zuweisen.

Zur Steuerung anderer MIDI-Hardware bietet das Keyboard einen MIDI-Ein- und Ausgang.

Einsatz des Arturia KeyLab 88 MkII mit der DAW

Ab Werk bietet das KeyLab 88 MkII acht DAW-Presets für

  • Standard MCU
  • Standard HUI
  • Ableton Live
  • Logic Pro X/Garage Band
  • Pro Tools
  • Cubase
  • Studio One
  • Reaper

arturia keylab 88 mk2 11

Im Test habe ich die Implementierung mit Cubase und GarageBand getestet. Nach Aktivierung des entsprechenden Presets hat alles in beiden Fällen sofort funktioniert. Die Overlays zeigen, welche Funktionen gesteuert werden können, dies sind im Falle von Cubase Solo, Mute, Rec, Read, Write, Save, Punch In/Out, Metronom und Undo, wobei die Kommandos stets für den aktiv gewählten Track gelten. Logic bzw. GarageBand bietet bis auf eine Ausnahme identische Steuerungsmöglichkeiten. Während die Punch-Funktion bei Cubase in In und Out aufgeteilt ist, ist das bei Logic/GarageBand als Auto-Punch möglich, dafür lässt sich zusätzlich noch Replace steuern.

Zusätzlich sind auch die Fader, Encoder und Buttons gemappt. Diese dienen zur Anwahl des Tracks sowie zur Steuerung von Panorama und Lautstärke. Mit den Buttons links der Fader lassen sich die Spuren in Blöcken weiterschalten.

Zusammenarbeit von KeyLab 88 MkII und Analog Lab

Softwareseitig gehören neben Analog Lab, eine standalone oder als Plugin (VST, VST3, AU, AAX) nutzbare Software, die mit über 7000 Sounds aus Arturias bekannten Software-Synthesizern und Instrumenten daher kommt, auch Ableton Live Lite und die eigenständigen Software-Instrumente Piano V, Wurli V sowie Vox Continental V zum KeyLab 88 MkII Paket dazu. Mehr zu den Instrumenten erfahrt ihr in den folgenden Videos:

Die Analog Lab Software ist für Neukunden von Arturia ein schönes Paket. Die Preset-Auswahl ist groß und sehr gut und die Sounds lassen sich gewinnbringend in Produktionen einsetzen. Wer schon ein oder mehrere Produkte von Arturia besitzt, bekommt hier natürlich nur wenig bis gar keinen Vorteil, denn Analog Lab (wenn auch nicht immer in der Vollversion) gehört zu einem Großteil der Arturia Produkte dazu. Für Neukunden erhöhte dieses Paket aber definitiv den Nutzen des KeyLabs.

arturia keylab 88 mk2

Ohne Frage sehr gut gelungen ist die Einbindung des KeyLab 88 MkII in die Software. Sounds lassen sich per Category-Taster filtern, aktivieren, bearbeiten und spielen. Da schenkt man sich viele Wege zwischen Keyboard und Computermaus, das Arbeiten ist intuitiv und macht Spaß.

MIDI-Kontrolle mit dem Arturia KeyLab 88

Zu guter Letzt noch ein paar Worte zum Einsatz als Masterkeyboard. Ein Großteil der KeyLab-Bedienelemente lassen sich mit MIDI-Kommandos programmieren, d. h. egal ob man Software-Instrumente, die Fader der DAW oder Effekte steuern möchte, all dies lässt sich entweder direkt am Keyboard oder über Arturias MIDI-Control-Center festlegen. Die Programmierung geht dabei schnell von der Hand. Maximal 10 Presets lassen sich intern speichern. Möchte man mehrere Software-Instrumente steuern, kann das schnell knapp werden, hier wäre eine Aufstockung schön gewesen.

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Fazit

Das Update des MIDI-Keyboards KeyLab 88 ist Arturia gelungen. Analog zu den kleineren 49er und 61er Modellen hat Arturia die Funktionen des KeyLabs 88 Mk2 erweitert und die Bedienoberfläche neu gestaltet. Schick sah es schon in der ersten Version aus, auch in der zweiten Version (wieder mit Seitenteilen aus Holz) ist dies den Franzosen gelungen.

Das Einsatzgebiet des KeyLab 88 sehe ich sowohl im Studio, beispielsweise zur Steuerung von DAW oder Software/Hardware-Instrumenten als auch auf der Bühne mit Laptop & Co. Auch Modularfreunde, die 88 Tasten benötigen, könnten hiermit einen passenden Partner finden.

Insgesamt also eine sehr gute Weiterentwicklung des Konzepts. Für die dritte Version wünsche ich mir lediglich einen Arpeggiator und Markierungen für Fader und Potis.

Plus

  • Aussehen und Verarbeitung
  • großes Einsatzgebiet
  • CV-Anschüsse

Minus

  • keine Markierungen an Fadern und Potis
  • kein Arpeggiator

Preis

  • 873,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    Hectorpascal  AHU

    Ja wer hätte das gedacht? Arturia liefert mir etwas was ich schon immer wollte! Es ist nicht lange her da war mir bei einer Vox Continental und Crumar Seven plötzlich ganz warm ums Herz, weil man (improvisiert) Laptop, Monitor, Mousepad oder iPad darauf stellen konnte und so quasi ein kleines Studio in der Wohnzimmerecke einrichten konnte. Dazu die iLoud-Monitore und ein kleines Modular-Setup mit zwei kleinen Behringer-Synths, das sollte reichen.
    Stellflächen in Synths zu integrieren ist so naheliegend und es ist zum Haare raufen wie selten sowas angeboten wird. Damals wollte ich mal meinen ASR gegen einen ASR-88 tauschen um rechts etwas Platz zu haben. Der absolute Wahnsinn wäre noch ein passender Ständer oder Beine zum anschrauben gewesen, wie das Bild oben suggeriert. Ein integriertes Audio-Interface finde überflüssig, gibt es doch das AudioFuse oder besser noch Audient iDXX. ;) P.S. Ein Surface in den Notenhalter stellen geht auch???

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