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Test: Arturia Pigments 3 Software-Synthesizer

28. April 2021

Nun auch additive Synthese in Arturias Pigments

Arturia Pigments 3 Software-Synthesizer

Arturia Pigments 3 Software-Synthesizer

Mit diesem Update bohrt ARTURIA mit  Pigments 3 seinen Software-Synthesizer nochmals gewaltig auf. Da der folgende Test aber nur die neuen Features beleuchtet, empfehlen wir dringend als Lektüre auch unseren Basistest zu Pigments vom Januar 2019, den Bernd Kistenmacher für uns verfasst hat. HIER KLICKEN.

Arturia Pigments 3 – Wavetable, Granular und Samples

Arturia Pigments 3 ist einsatzbereit. Ich bin kein Pigments-Nutzer der ersten Stunde, aber die Integration von Sample- und Granular-Synthese in Version 2 sowie die wachsende Zahl hochwertiger Preset-Librarys für den Pigments haben mich vor einigen Monaten zum Kauf bewegt. Und den habe ich nicht bereut. Zwar liegen auch bei mir mehr Plug-ins auf der Festplatte als ich bräuchte, aber Pigments kommt schon regelmäßig zum Einsatz. Dies liegt weniger an seiner Klangqualität, denn die ist manchmal etwas „steril“ und ein Massive-X zum Beispiel, der ähnlich konzipiert ist, tönt schon „fetter“, sondern vor allem an der umwerfenden Bedienfreundlichkeit. Im krassen Gegensatz zu den Skeuomorphismen der Arturia V-Collection wurden hier die Vorteile eines Software-Synthesizers voll ausgereizt: Alles ist animiert, farbig codiert und sofort zuzuordnen. Trotz 24 möglichen Modulationsquellen und einer vermutlich unendlich großen Zahl an Bussen, blickt man hier schneller durch als bei u-he Diva oder der meisten Hardware. 

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Arturia Pigments 3 Software-Synthesizer

Der neue Harmonic-Editier-Screen links oben im Pigments 3 Hauptfenster

Nachdem sowohl stromgetrieben als auch virtuell die Analogsynthese mit Prophet-5 Reissue bzw. Diva und unzähligen anderen Synths allmählich ausgereizt scheint, wendet sich das Interesse in letzter Zeit wieder alternativen Syntheseformen zu. Meist sind dies derzeit ja FM oder Wavetable. Leider ist mir persönlich FM zu kompliziert und Wavetable zu unflexibel, um meine klanglichen Vorstellungen von Grund auf zu realisieren.

Arturia Pigments 3 nun mit additiver Synthese

Interessanterweise bringt Arturia Pigments 3 nun in seiner dritten Auflage mit der „Harmonics“ Engine die additive Synthese wieder ins Spiel. Sounds durch Schichtung von Sinusschwingungen zu erstellen, klingt erst einmal zwar genauso wenig aufregend wie 90er-Jahre Meditationsmusik mit gläsernen Pads aus dem Kawai K5000S.
Arturia hat diese Syntheseform in Pigments 3 aber kräftig aufgebohrt:
Ein Ausschnitt der bis zu 512 Partials („Window“) kann separat abgesenkt oder angehoben und moduliert werden. Im Bereich „Shape“ lassen sich zwei Spektren über den Klang oder einen bestimmten Frequenzausschnitt legen, zwischen denen gemorpht werden kann. Klanglich sehr ergiebig ist dabei die Möglichkeit, die Auswirkung der Spektren mehr auf ungeradzahlige oder geradzahlige Obertöne zu legen und über „Tilt“ den Lautstärkeverlauf der Partials zu beeinflussen. Per „Imaging“ kann man geradzahlige und ungeradzahlige Harmonische im Stereobild verteilen. Und dann gibt es noch einen Multiwave-Oszillator für Audiorate-Modulation.

Arturia Pigments 3 Software-Synthesizer

Der Harmonic-Screen vergrößert

Aber allein schon der „Ratio“-Regler im Arturia Pigments 3, mit dem man den Multiplikator für die erzeugten Partials stufenlos zwischen 5 und -1 einstellen kann, erlaubt so drastische Eingriffe in den Klang, dass man mühelos eine interessante Ausgangsbasis für die weitere Klangformung findet. So entstehen Sounds mit Westcoast-Touch, die nicht nur harmonisch, sondern auch druckvoll und ungewöhnlich tönen. Und die – da all die genannten Regler sehr einfach durch komplexe Modulatoren steuerbar sind – ein weites Feld für Experimente öffnen.

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Die neue „Harmonic“-Engine ist sicherlich das Highlight dieses Updates, zumal sie – wie schon die anderen Syntheseoptionen in Pigments – anschaulich visualisiert wird.

Weitere Neuerungen des Software-Synthesizers

Der Utilities-Tab des Arturia Pigments 3 stellt neben den Engines 1 und 2, bei denen die Syntheseform frei wählbar ist, einen dritten permanent verfügbaren Sound-Layer zur Verfügung. Dieser beinhaltet zwei Noise-Generatoren mit einer großen Zahl wählbarer „Analog-Noise“-, Textur- oder Transienten-Samples zum Aufpeppen der Sounds sowie einen simplen Zusatz-Oszillator. Verwendet man die Analog-Engine mit drei Oszillatoren, ist dieser eigentlich überflüssig, aber für die anderen Syntheseformen zum Beispiel als Sub-Oszi durchaus eine gute Ergänzung. Die drei Generatoren im Utilities-Tab haben übrigens jeweils individuelle Filter-Routings.

Ein nettes Feature ist, dass Oszillatoren in Pigments nun über eine Quantisierungsfunktion für Tuning-Modulationen verfügen. Diese ist nicht nur für Halbtonschritte zuschaltbar, man kann über eine kleine Klaviatur auch bestimmte Intervalle auswählen und so zum Beispiel mit einem LFO oder Random-Generator skalenreine Computermelodien erzeugen.

Schließlich sind im Arturia Pigments 3 noch ein paar weitere Effektalgorithmen wie ein Pitchshift-Delay und ein Juno-Chorus sowie der Jupiter-Filter aus der verbesserten Jup-8-Emulation hinzugekommen.  

Getestet wurde Arturia Pigments 3.0.0.1345.

Arturia Pigments 3 Software-Synthesizer

Ein weiteres Highlight von Pigments ist die Einbindung und Editierung on Wavetables

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Fazit

Mit dem Arturia Pigments 3 hat Arturia eine sinnvolle und starke Erweiterung präsentiert, die angesichts der vielen Möglichkeiten des Vorgängers, eigentlich kaum denkbar gewesen war.

Die übliche Frage, ob das Update auf Pigments 3 empfohlen werden kann, stellt sich hier gar nicht. Für Besitzer von Pigments 1 oder 2 ist es nämlich kostenlos – das ist schon maleine  vorbildliche Produktpflege! Wer Pigments noch nicht besitzt und interessiert ist, ungewöhnliche und/oder hoch-komplexe Sounds zu erstellen, kann beim aktuellen Einführungspreis von 99,- Euro bedenkenlos zuschlagen.  

Plus

  • additive Synthese und weitere Features ergänzen die schon vielfältigen Klangmöglichkeiten
  • Update kostenlos

Minus

  • Klang weiterhin etwas steril

Preis

  • Arturia Pigments 3: 99,- Euro
  • Update von Version 1 oder 2 auf Version 3: kostenlos
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Forum
  1. Profilbild
    MidiDino  AHU

    Noch bin ich kein Pigments-User. Der Einführungspreis für die dritte Version (99,-) gilt wohl noch bis in den Mai hinein. Ich habe mir den Synth für den Monatswechsel vorgemerkt …

  2. Profilbild
    0gravity  

    „Ein nettes Feature ist, dass Oszillatoren in Pigments nun über eine Quantisierungsfunktion für Tuning-Modulationen verfügen“

    Danke für den Hinweis, das war mir bisher entgangen.
    Es lohnt sich doch immer wieder mal verschiedene Tests zu lesen.

  3. Profilbild
    Thomsen  

    Danke für den Bericht. Ich sehe „steril“ nicht als Schwäche an, da gerade das Digitale die „altbekannten“ Analogen super ergänzt. Und dann kommt es auch darauf an, womit man ihn füttert. Ich habe mal einen recht schmutzigen Sound vom Verbos Complex Oszillator in die Wavetable Engine geworfen und kombiniert mit dem Pigments Wavefolder etc. klang das alles andere als steril.

  4. Profilbild
    Lapin  

    hab mal die demo besorgt.. klingt schon interessant.

    ist der sterile sound wirklich ein Problem?

    ich meine in einer daw ist es 2021 ja problemlos möglich, pigments mit saturation/distortion/reverb/kompressoren anzufetten.

    • Profilbild
      Michael Schill  RED

      Kann man. Es macht aber einen Unterschied, ob man hinten drauf noch Saturation legt, oder ob die Oszillatoren bereits vor dem Filter in eine gut klingende Sättigung gefahren werden können.

      Ein Problem ist der Sound nur, wenn man a) ein analoges Klangideal verfolgt und b) der Sound den Track tragen soll. Bei meiner Musik ist beides der Fall. Pigments kommt daher bei mir eher für Effekte oder akustisch anmutende Add-Ons zum Einsatz. Hierfür nehme ich ihn dann aber sehr gerne her, weil er sehr flexibel und dabei super einfach und übersichtlich zu bedienen ist.

      • Profilbild
        Lapin  

        ja das leuchtet mir ein.
        bei analogem klangideal ist ein griff zu Emulation von klassikern sicher naheliegender wie v-collection, diva oder den sachen von tal.

        gut das es beides gibt, jedenfalls wirkt pigments für mich interessanter als serum

    • Profilbild
      Dirk81

      Genau, ich war überrascht über das Angebot, da ich lediglich den (kostenlosen) Chorus Plugin besitze. Bei dem Crossgrade sind ja noch 5 Sound Packs dabei mit inges. 500 Presets. Somit ist das Angebot im Vergleich zum Listenpreis (ca. 300 € incl. Sound Packs) sehr verlockend. Die Installation der Sound Packs war bei mir etwas hakelig, brauchte 3 Anläufe incl. (einem schnell reagierenden) Arturia-Support.

      • Profilbild
        ShOAB-05  

        Das ist wirklich ein guter Hinweis. Habe ebenfalls den kostenlosen Chorus als einziges Produkt auf meinem Konto registriert und komme so in den Genuss des reduzierten Preisen von 69 EUR.

  5. Profilbild
    llIIllIlIIIlllIIllI  

    Der Test beschreibt die neuen Funktionen von Pigements 3 – ein kostenloses Update! – sehr gut. Mich stören aber sehr die Begriffe „fetter“ und „steril“. Was soll das sein? Solche Begriffe erwarte ich eher aus der Hifi-Esoterik und nicht von einem Fachmagazin. Darüber hinaus würde ich auch inhatlich widersprechen. Wenn man ein Filtermodell auswählt, das einem analogen Vorbild nachempfunden wird, fährt es schnell in die Sättigung und Verzerrung, was glaube ich allgemein nicht mehr als „steril“ bezeichnet wird. Ich liebe Pigments weil es macht, was es soll, sehr präzise ist und bei Bedarf die nötige Unsauberkeit in Bezug auf Stimmung, Filterübersteuerung und was man sonst so von gut klingenden Synthesizern erwratet, bedient.

    • Profilbild
      Michael Schill  RED

      Leider lassen sich Klangeindrücke nicht mit der gleichen Genauigkeit beschreiben wie technische Daten. Im Vergleich mit u-he’s Diva und erst recht mit analoger Hardware nehme ich beim Pigments schon eine gewisse Sterilität wahr (oder Leblosigkeit – was auch kein schönerer Begriff ist…). Was mich angesichts des sonst Gebotenen aber wie gesagt ja gar nicht so sehr stört. Man könnte auch Präzision dazu sagen. Witzigerweise wurde Arturias Polybrute in den Kommentaren zu meinem Testbericht auch Sterilität vorgeworfen, obwohl der über VCOs verfügt, denen man die Drift nicht „künstlich“ beibringen muss, sowie über richtig analoge Sättigung im Gain Staging – und das hört man auch. Offenbar kommt es hier stark auf die Erwartung an, mit der man an den jeweiligen Synth rangeht.

      • Profilbild
        Filterpad  AHU

        Michale Schill, sehe ich ebenso. Die meisten Plug-ins klingen mir „zu“ analog. Zugegeben, hätte niemals gedacht das dieser Satz eines Tages aus meinem Munde entspringt. Aber wenn alles nur nasal und drückend „moogig“ klingt, hört sich das komplette Werk eben auch so an. Aber gerade die kleinen digitalen Pads und Sweeps machen den Song doch abwechslungsreich und geben einen modernen „Touch“. Natürlich ist das für viele ein Qualitätsmerkmal, wenn ein Softwareinstrument äußerst analog anmutet und man sucht mittlerweile aufwendig eher nach guten Alternativen. Übrigens: Für mich klingt der Polybrute sehr analog, auch wenn ich ihn noch nicht in der Hand hatte.

  6. Profilbild
    falconi  RED

    Kurzer, informativer Test, in dem alles steht, was ich wissen wollte. Dankeschön.

  7. Profilbild
    The-Sarge  

    @Michael Schill
    danke für den schönen ergänzenden Testbericht der 3er-Version
    aber eine Sache verstehe ich beim besten Willen nicht: wieso wird ein Update, welches tolle neue Features mitbringt (und Presets^^) degradiert? also von Bernds Best-Buy zum normalen 3-Sterne?
    klar ihr seid unterschiedliche Autoren, aber wirkt schon komisch, da es ja „AMAZONA“-Wertung heisst

    und ergänzende Frage: was hat dich denn genau gestört?
    klar, ist kein Analoger und somit „steril“, aber hat Arturia ihm auch nie mit auf den Weg gegeben, das machen sie nur bei ihrer V-Collection – könnte es sein, daß daher der analoge Wunsch kommt? *Schulterzuck*

    freue mich über ne Antwort

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