Test: Arturia PolyBrute, Morphing Analog Polysynthesizer

21. Dezember 2020

Polyphones Modulationsmonster

Arturia Polybrute Analogsynthesizer

Arturia PolyBrute Analogsynthesizer

Seit einer Woche steht er nun hier, der Arturia PolyBrute. Und ich versuche zur Abwechslung mal beim Schreiben dieses Testberichts zu bleiben, denn wenn ich mich kurz mal ransetze, zieht er mich erneut in seinen Bann und ich bin eine Stunde später immer noch am Schrauben. Es ist ein sehr komplexer Synthesizer, der einen mit seinen vielen, zum Teil ungewöhnlichen Möglichkeiten lange beschäftigen und immer wieder inspirieren kann – so viel sei schon mal verraten.

Aber der Reihe nach:
Als unser Chefredakteur Peter Grandl vor zwei Wochen nach einem Tester für den PolyBrute suchte, habe ich sofort laut „hier!“ gerufen. Warum? Zum einen habe ich eine Vorliebe für polyphone Synthesizer, denn wenn man zwei halbwegs bewegliche Hände hat, kann man mit ihnen nicht nur Bässe, Leads und Arps spielen, sondern auch Harmonien setzen und Töne im Spiel ausklingen lassen. Sind Tastatur, Sequencer und Effekte mit dabei, fehlt somit nichts, um auch unabhängig vom Rechner, ganz ohne Verkabelung loszulegen und Musik zu machen. Und mit einer analogen Klangerzeugung ist das Wohlgefühl meist noch größer, denn die freischwingenden Oszillatoren bringen eine gewisse Lebendigkeit und Fülle mit ins Spiel, die der Welt der Nullen und Einsen prinzipiell erst mal fremd ist.

Nun ist Arturia ja vom Ursprung her eine Software-Company. Mit ihrer V-Collection, von der gerade die achte Ausgabe erschienen ist, hat sich die Firma aus dem französischen Grenoble über Jahre einen guten Ruf erarbeitet. Auch auf meinem Rechner ist Version 6 davon nach wie vor installiert, obwohl andere Analog-Emulationen meines Erachtens inzwischen ein Quäntchen mehr Authentizität bieten. Vor über zehn Jahren gab es dann zum ersten Mal Synthesizer-Hardware aus Grenoble, allerdings digital: Der Origin enthielt unter anderem den Code der damals verfügbaren Moog-, Sequential-, ARP-, Roland- und Yamaha-Emulationen, wurde aber kein Riesenerfolg.
Im Zuge der Analog-Renaissance kam auch Arturia mit zunächst kleinen Synthesizern heraus, die es auch mal krachen lassen können. Ein cleverer Schachzug war es, das relativ kostengünstige Steiner-Parker-Filter zu verwenden, das klanglich zur der Zeit praktisch eine Alleinstellung darstellte. Das markante Feedback dieses 12 dB/Oktave Filters, von Arturia „Brute-Factor“ genannt, war namensgebend für die ganze Synthesizerreihe. Eine weitere Spezialität der Arturia Synthesizer ist der „Metallizer“, ein der Westcoast-Synthese entlehntes Oszillator-Waveshaping. Der vor vier Jahren erschienene monophone Flagship-Synthesizer MatrixBrute kombinierte diese Elemente mit einem weiteren, seriell wie parallel nutzbaren Ladder-Filter und der direkt im Zugriff befindlichen Modulationsmatrix.

Auf diesen Elementen setzt nun auch Arturias erster polyphoner Analogsynthesizer auf, den wir uns jetzt mal näher anschauen werden.

Erste Eindrücke zum Arturia PolyBrute

Test Arturia Polybrute

Hingucker beim PolyBrute ist der dreidimensionale Morphée Controller

Zwischen Weihnachtsstress und Lockdown schleppt der eh schon überlastete UPS-Bote ein monströses Paket in den ersten Stock. Zwanzig Kilogramm schwer ist das Testgerät, auf dem die laut deutschem Vertrieb Tomeso noch nicht finale Firmware-Version 1.0.0.1726 aufgespielt ist.

Also erst mal Platz gemacht und das feine Stück ausgepackt. Knapp 1 m breit ist der mit 5-Oktaven-Keyboard ausgestattete Arturia PolyBrute. Elegant glänzt das in Arturias „Sparkling Dark Blue“ lackierte, in Holz eingerahmte Metall, zwischen zahlreichen Potis glitzern silbern zwei Encoder und Alu-Handräder, die vertraute (wenn auch gegenüber dem MatrixBrute verkleinerte) Matrix und der auffällige Morphée Controller sind echte Hingucker.

Ein gedrucktes Handbuch fehlt leider, was ich für ein solches Premium-Produkt schon etwas schade finde. Auf der Website gibt es bislang nur eine englische Version zum Download, aber erfahrungsgemäß wird eine deutsche in Bälde nachgereicht werden. Das Handbuch ist didaktisch sinnvoll gegliedert, könnte aber durchaus etwas ausführlicher sein – sowohl in der Tiefe als auch in der Breite. Allerdings hat Arturia auf ihrer Website eine kleine Serie mit Videotutorials gestartet, in denen Sounddesigner Matt Pike sehr anschaulich durch die verschiedenen Abteilungen des PolyBrute führt.

Arturia Polybrute Analogsynthesizer

Das hochklappbare Panel hat Arturia sich eingespart und auch sonst gibt es bereits auf den ersten Blick nennenswerte Unterschiede zum MatrixBrute: CV-Ein- und Ausgänge sind weggefallen (außer Sync In und Out), ebenso leider auch der Audio-Input. Verständlich für einen Polysynth, der nicht vorrangig eine Schaltzentrale für ein Modularsystem sein muss. Auch die Stimmenarchitektur ist nicht ganz die gleiche, aber dazu später mehr.

Zeit für ein paar Presets, kurz angespielt und mit dem Morphée moduliert – sofern möglich. Man merkt nämlich beim Spielen, dass man doch noch ein paar Hände mehr gebrauchen könnte, schließlich gibt es neben dem neuartigen französischen Controller noch die Handräder und den Ribbon zu bedienen, und dann hat man immer noch an keinem Knopf gedreht oder gar die zweite Hand auf den Tasten gehabt.

Was im Kopfhörer ankommt, klingt jedenfalls sehr vielfältig und klanglich hochwertig – und natürlich voller Modulationen!

Sechs Stimmen hat der Arturia PolyBrute, was in dieser Preisklasse zwar nicht wenig ist, aber doch öfters mal zu abgeschnittenen Noten führt, wenn man nicht achtgibt. Da es auch einen Layer- und einen Split-Modus gibt, sind die Stimmen schon recht knapp bemessen, aber wie wir noch sehen werden, sind diese Modi eher Nebenprodukte des Sound-Morphings, das eine echte Besonderheit des PolyBrute darstellt.

Die Analog-Effekte des MatrixBrute wurden durch drei digitale Effekteinheiten (Modulation, Delay und Reverb) ersetzt, die seriell, parallel oder (für einen rein analogen Signalpfad) abgeschaltet sein können und recht gut klingen. Jeweils 9 Effektvarianten sind verfügbar, darunter ein schöner Shimmer-Reverb, ein Delay mit extrem kurzen Zeiten für Karplus-Sounds und ein Bitcrusher, der sich sehr gut mit der Resonanz des Steiner-Parker-Filters verträgt. Zwar gibt es für die Effekte nur die nötigsten Parameter, dafür sind diese modulierbar, wie es bei einem Synthesizer sein sollte.

Als nächstes möchte ich mal mit einem Init-Sound ganz von vorne beginnen.

Eigenwillige PolyBrute Klangerzeugung

Test Arturia Polybrute

Die Oszillatoren- und Filter-Abteilung des PolyBrute hat ein paar ungewöhnliche Tricks auf Lager

Der Blick auf die Oszillator-Sektion beginnt mit ein paar Fragen, die zu neuen Fragen führen: Fußlagen-Wahlschalter für die Oszillatoren gibt es nämlich schon mal nicht. Stattdessen kann der erste Oszillator in Halbtonschritten zwei Oktaven nach unten oder nach oben gestimmt werden, was dank LED-Feedback auch bei schlechten Ohren sicher funktioniert. Um den zweiten ebenfalls oktavweise nach unten zu stimmen (denn diesem ist der Sub-Oszillator zugeordnet), muss man dann schon ins Einstellungsmenü, das aber, wie an vielen Stellen, durch Shortcuts (Regler drehen plus Settings-Button drücken) direkt erreichbar ist. Hier lässt sich der Regelweg für den Pitch ändern, der standardmäßig kontinuierlich über 7 Halbtöne auf- oder abwärts reicht. Ab einem Bereich von einer Oktave ist das Tuning dann wieder gestuft. Beim ersten Oszillator ist kontinuierliches Stimmen leider nur durch Modulation möglich und gar nicht von Hand, was ich insbesondere vermisse, wenn er mit Oszillator 2 synchronisiert wird. Dass der Sync, der übrigens in verschiedenen Stufen von Soft- bis Hard-Sync regelbar ist, nicht andersrum geschaltet ist, irritiert mich zunächst ebenfalls, ergibt aber Sinn, weil man ihn so nutzen kann, um die Frequenzmodulation von Oszillator 2 auf 1 tonal im Zaum zu halten.

Die Schwingungsformen beider Oszillatoren sind von Sägezahn über Dreieck nach Rechteck (mit variabler Pulsbreite) überblendbar, wofür zwei voneinander abhängige Regler verwendet werden. Der Sound ist sehr präzise und geht ordentlich tief runter. Bei Oszillator 1 lässt sich der Metallizer auf die Dreiecksschwingung hinzufügen, was schöne bis krasse Obertöne erzeugt (siehe Ende des Audiobeispiel 02, wo der Metallizer per LFO dazumoduliert wird). Auch der Sägezahn und das Rechteck profitieren davon, hierfür muss man die Arbeitsweise des Metallizers aber erst im Menü umstellen.

Derlei Einstellungen der Oszillatoren gelten nur fürs gerade gewählte Preset. Es wäre natürlich praktisch, wenn man sie für jeden Init-Sound entsprechend konfigurieren könnte. Als Workaround bietet es sich daher an, mit eigenen Init-Templates, die entsprechend voreingestellt sind, zu arbeiten.

Die Oszillatoren werden  gemeinsam mit dem Noise einmem der beiden Filter oder beiden zusammen zugewiesen. Der Suboszillator wird zusammen mit Oszillator 2 gemixt; das Lautstärkeverhältnis untereinander ist dabei auf zwei Arten regelbar (Volume oder Crossfade).
Sehr schön ist, dass das Noise stufenlos von Red (Bassbetonung) zu White (Höhenbetonung) eingestellt werden kann.

Die Oszillatoren lassen sich über den Stereo-Regler im Panorama verteilen. Per Einstellung ist dies auch für die Filter möglich – bis hin zur kompletten Extremstellung, die aufgrund der unterschiedlichen Filterklänge jedoch nur in seltenen Fällen empfehlenswert ist. Die Tatsache, dass hier bereits auf der Ebene der Klangerzeugung Stereophonie ins Spiel kommt, ist in jedem Fall begrüßenswert. Zwar werden die Stimmen nur statisch nach gewissen Regeln verteilt (wobei die Stereobreite auch moduliert werden kann), bei mehrstimmigen Pads schafft das aber schon eine homogene Fülle.

Filter im Doppelpack

Wie schon der MatrixBrute verfügt auch der Arturia PolyBrute sowohl über das bereits erwähnte Steiner-Parker- wie auch über ein gegenüber dem berühmten Moog Vorbild basskompensiertes Ladder-Filter.

Beim Routing hat der PolyBrute Feature-seitig die Nase vorn, denn hier sind nicht nur seriell (Steiner ins Ladder) oder parallel (Steiner und Ladder) möglich wie beim Matrixbrute, sondern auch alle Mischungen davon. Das eröffnet die Möglichkeit, zum Beispiel etwas Höhenanteile aus dem brizzeligen Steiner-Filter durchzulassen, während der Großteil des Oszillator-Mixes durch das smoothe Ladder gezähmt wird, ohne dass sich das Ergebnis wie zwei voneinander getrennte Sounds anhört.
Außerdem kann das Steiner-Filter nicht nur in den Modi Band-, High- oder Lowpass betrieben, sondern es kann SEM-style zwischen den Modi überblendet werden. Klar, dass hier gerade bei Padsounds oder auch brillanten Arps einiges geht.

Arturia Polybrute Analogsynthesizer

Weggefallen sind dagegen die 12 dB/Oktave- sowie die Highpass- und Bandpass-Varianten des Ladder-Filters, was ich beides für verschmerzbar halte.
Weniger gut gefällt mir, dass beim Ladder der Feedback-Circuit weichen musste, weil der bei den Moogs Garant für fette Lead- und Bass-Sounds ist und durch die nachgelagerte Distortion-Einheit, auch wenn sie gut und rund klingt, nicht ganz ersetzt werden kann. Dies gilt umso mehr, als das Gain-Staging im Mixer tendenziell eher clean ausgelegt ist – jedenfalls verglichen mit einem Subsequent37. Ich vermute mal, das zweite Feedback wäre aufgrund der flexiblen Filterzuweisungen beim PolyBrute schwieriger zu implementieren gewesen. Der „Brute“ ins vorgelagerte Steiner-Filter, ist aber zum Glück erhalten geblieben (sonst hätte man den Synthesizer ja auch kaum „PolyBrute“ nennen können). Somit kann bei seriellem Routing auch etwas Overdrive aus dem neutralem, d. h. voll geöffneten Steiner-Filter auf den Ladder gelegt werden. Vornehmlich ist die Feedback-Schaltung aber für den Steiner-Filter ausgelegt, wo sie insbesondere bei erhöhter Resonanz den Sound eindrucksvoll ins Kippen bringen kann.

Beide Filter klingen gut und ergänzen sich in dieser Kombination hervorragend. Mit dem Steiner-Filter kann man zum Beispiel „metallisierte“ Sounds noch krasser machen (Resonanz!) und im nachfolgenden Ladder-Filter übertrieben schrille Höhen wieder abrunden. Das flexible Routing ermöglicht viele Soundvariationen. So ist es auch ein Leichtes, auf runde Pluck-Sounds noch dezent ein paar hochpassgefilterte Noise-Attacks zu setzen.
Noch heftiger kann das Steiner-Filter klingen, wenn man seinen Cutoff durch Oszillator 2 moduliert. Dafür gibt es einen eigenen Regler in der Oszillator-Sektion, denn in der Modulationsmatrix sind die Oszillatoren nicht als Quellen vorgesehen. Auf das Ladder-Filter kann audioseitig leider nur der Noise gelegt werden. Dank des flexiblen Noise-Generators lässt sich der Sound des Filters damit zwar sehr dezidiert aufrauen, aber eine tonale Modulationsmöglichkeit hätte ich trotzdem noch ergiebiger gefunden.

Arturia Polybrute Analogsynthesizer

 

Einen Master-Cutoff für simultane Änderung beider Filtereckfrequenzen gibt es noch dazu. Dieser ist als großer Encoder ausgeführt und ermöglicht so sprungfreie Eingriffe ins Klanggeschehen. Encoder-Fans seien im Übrigen darauf hingewiesen, dass die Wirkweise der Potis in den globalen Einstellungen immerhin auf Catch oder Scaled umgestellt werden kann. Das Einzige, was die Potis leider nicht bieten, ist eine Anzeige von aktuellem und/oder gespeichertem Wert im Display.

Der Arturia PolyBrute Klang

Nach so viel Technik wird es nun Zeit für eine erste Betrachtung des Grundklangs. Um den einzuordnen, vergleiche ich gerne recht einfache Sounds auf verschiedenen Synthesizern. In der folgenden Hörprobe kommt der simple Filterbass (Sägezahn im 8’- und einer Dreiecksschwingung im 16’-Register bei geschlossenem Filter in 24 dB/Oktave und voller Modulation durch die Filterhüllkurve) zunächst aus dem Moog Subsequent37, dann aus dem Novation Summit (mit digital erzeugten Oszillatoren), danach viermal aus dem PolyBrute, zunächst mit dem Ladder-, dann mit dem Steiner-Filter. Und um noch mehr Vielfalt des Arturia Synthesizer einzufangen, klingt danach der Ladder noch mit vollem Drive und der Steiner mit maximalem Brute-Faktor.
Interessant zu hören beim PolyBrute-internen Vergleich ist auch, dass sich die Filterhüllkurve bei identischer Einstellung auf das Steiner-Filter ganz anders auswirkt als auf das Ladder.

Als nächstes noch ein simples Sägezahn-Pad (mit nur einem Oszillator ins unmodulierte und zu 2/3 geöffnete Filter) zunächst vom Roland Alpha-Juno, dann vom Summit und schließlich vom PolyBrute (Ladder), zunächst immer trocken, dann mit dem jeweiligen Onboard-Chorus. Hier hört man einen deutlichen Unterschied, denn das Filter im PolyBrute klingt doch recht anders als ein Roland Filter.

Nun eine Hörprobe zum Filterrouting des PolyBrute mit beiden Filtern in Grundstellung, wieder mit dem Filterbass. Dabei überblende ich in jedem Durchgang von der parallelen zur seriellen Schaltung und zurück. Vor dem zweiten Durchgang wird der Brute-Faktor des Steiner-Filters aufgedreht, vor dem dritten die Distortion des Ladder-Filters. Zu Durchgang vier und fünf kommt dann die Resonanz zuerst des Steiner, dann des Ladders hinzu (Resonanz jeweils auf 3/4, damit es nicht zu sehr in wildes Gezwitscher ausartet).

Zum Schluss unserer kleinen Bass-Exkursion noch das Steiner-Filter im Highpass-Modus, wieder mit 3/4 Resonanz und umgekehrter Hüllkurven-Modulation. Brute-Faktor und Ladder-Distortion stehen auf 50 %. Es wird langsam von paralleler zu serieller Schaltung überblendet. Nun sollte auch der letzte Zweifler verstanden haben, dass der PolyBrute kein ätherischer Schöngeist sein muss.

Modulatoren und Modulationen

Test Arturia Polybrute

Die LFO-Abteilung und die übersichtliche Mod-Matrix des PolyBrute

Der Polybrute verfügt über drei LFOs (synchronisierbar und bis ca. 100 Hz) sowie über drei Hüllkurven, die als Fader ausgeführt sind. Wie in den anderen Sektionen gibt es hier kleine und feine Variationen, die man vielleicht nicht gleich auf den ersten Blick erkennt.

So haben die Amp- und die Filter-Hüllkurve dedizierte Velocity-Fader, bei der Mod-Envelope findet man dagegen an derselben Stelle einen Fader für ein Pre-Attack-Delay. Über die Settings können die Hüllkurven auch auf Loop umgestellt werden.

Die LFOs können frei laufen oder getriggert starten. Davon abgesehen unterscheiden sie sich wiederum in einigen nicht unwesentlichen Details: LFO 1 ist in der Phase variabel, LFO 2 bietet Fade-in. Die Schwingungsformen der ersten beiden LFOs sind schaltbar, während die von LFO 3 über zwei Regler für Kurvenform und Symmetrie variabel einstellbar ist. Damit lassen sich nicht nur spannende Filtermodulationen erzielen, zum Beispiel für die unmetrischen Pseudo-Arpeggios, die im Melodic Techno gerade so en vogue sind. Hier habe ich einen solchen Sound (üblicherweise wird so etwas ja meist in der DAW programmiert) über den Morphée-Controller und zwei Regler von Hand eingespielt:

Da LFO3 auch in den Oneshot-Modus gesetzt werden kann, kann man mit ihm auch maßgeschneiderte Hüllkurven für Analog Percussion bauen.
Und für noch komplexere Schwingungsform-Varianten kann LFO3 außerdem direkt per Schalter mit LFO1 moduliert werden.
Ansonsten gibt es außer den Potis für die Intensität der Filterhüllkurve keine der gebräuchlichen Modulationsregler wie beispielsweise für LFO auf Filter, Pulsbreite oder Schwingungsform oder für ENV auf Pitch. Das ist auch nicht unbedingt nötig, verfügt der PolyBrute doch über die tolle Matrix.

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich bei meinen Synthesizern nur sehr selten in die Modulationsmatrix abgetaucht bin. Ein Routing wie beim Subsequent 37 oder beim Pro-1 kann man zwar nach kurzer Eingewöhnung verstehen und allmählich einschätzen, allerdings sind bei diesen Maschinen auch nur zwei Modulationsbusse zu verwalten. Programmiert man aber einen Sound von Grund auf, so kann man doch recht schnell mehr Busse brauchen. Menübasierte Routings wie bei Dave Smith oder dem Virus TI bieten diese zwar, es mangelt aber schnell am Überblick, da meist nur je eine Quelle und ein Ziel gleichzeitig zu sehen sind.

Es ist also schon erstaunlich, dass vor Arturia noch kein großer Hersteller auf die Idee gekommen ist, die Modulationsmatrix auch tatsächlich als zweidimensionale Matrix auf dem Gerät darzustellen. Klar, aufs Display muss man trotzdem noch schauen, da beim PolyBrute alle Modulationsziele (die Spalten) frei konfigurierbar sind. Wenn man aber die Anordnung der Quellen (die Zeilen) erst mal verinnerlicht hat, ist es sehr einfach: per Tastendruck wird die Verbindung hergestellt und mit dem Amount-Encoder bipolar die Intensität geregelt. Auch die Zuweisung der Ziele geht schnell von der Hand: Man hält den Button für den gewünschten Modulations-Slot und betätigt kurz den Regler für das Ziel. Modulierbar ist fast alles (einschließlich der Modulationen selbst) – und hier zahlt sich noch mal aus, dass Parameter, die üblicherweise nur feste Werte kennen, wie z. B. das Filter-Routing oder der Oszillator-Sync beim PolyBrute, graduell einstellbar sind, so dass auch sie als Modulationsziele dienen können.

Test Arturia Polybrute

Die Modulationshüllkurve wird hier auf die Wiederholrate des Delays angewandt

Was Presets betrifft: selbst wenn hier eine Menge Modulationen vorhanden sind, die man nicht selbst angelegt hat, kann man sich anhand der leuchtenden Verbindungs-Buttons sehr schnell einen Überblick verschaffen, wie der Sound aufgebaut ist.
Gegenüber dem MatrixBrute ist die Matrixdarstellung zwar halbiert, verfügt aber über vier Pages, so dass trotzdem 32 Modulationsziele erreichbar sind. Mit maximal 64 Modulationsverbindungen (denn ein Parameter kann natürlich durch mehrere Quellen gleichzeitig moduliert werden) ist der PolyBrute also ein wahres Modulationsmonster, aber eines, das man bändigen kann.

Was ist ein „Morphing-Synthesizer“?

Bis hierher war der PolyBrute nun schon nicht gerade unterkomplex, dabei kommt mit dem Morphing das spannendste Feature erst noch – zumindest wenn man der Werbung für den „Morphing Analog Polysynth“ Glauben schenken mag.

Obwohl ich mich in den 90er-Jahren mal mit Audio-Morphing beschäftigt habe (falls es jemanden interessiert, es war die Software sonicWorx von der deutschen Firma Prosoniq, die später an Zynaptiq verkauft wurde), assoziiere ich mit Morphing noch immer so etwas wie einen Zaubertrank für neue, unerhörte Sounds. In diesem Zusammenhang ist es wichtig anzuerkennen, dass das Morphing im PolyBrute natürlich keine Sounds generieren kann, die die Maschine nicht auch ohne Morphing erzeugen könnte. Das faszinierende Element, das Arturia da geschaffen hat, liegt also in erster Linie nicht im „er-morphten“ Sound, sondern im Morphing an sich, d. h. im Übergang.
Hätte man mehrere Dutzend Hände, könnte man auch ohne diese Funktion „morphen“. Das Morphing im PolyBrute ist nämlich nichts anderes (und nichts weniger!) als der graduelle Wechsel von einer Einstellung (A) fast aller Parameter zu einer anderen (B).
Dieser Wechsel kann manuell mit dem unscheinbaren Morph-Regler links oberhalb der Tastatur erfolgen, in dessen Extremeinstellungen die Sounds auch erstellt oder geändert werden. Er kann sogar als Modulation erfolgen, wenn der Morph-Regler als Modulationsziel ausgewählt wird. Und er kann – das ist die augenfälligste und interessanteste Möglichkeit – über das X/Y-Pad des Morphée-Controllers erfolgen. Dabei werden über die Y-Achse alle Pitch- und (undokumentiert zumindest in der von mir getesteten Firmware-Version) alle Cutoff-Einstellungen gemorpht und über die X-Achse alle sonstigen (d. h. beispielsweise Filterresonanz, Hüllkurven, Modulationsintensitäten und Effekteinstellungen). Diese zusätzliche Dimension ermöglicht es also, statt einem Übergang eine Vielzahl von möglichen Übergängen zu generieren.

Natürlich klingen die Zwischenstufen zwischen zwei verschiedenen Sounds nicht zwangsläufig immer „gut“, sondern im Zweifelsfall eher irgendwie verwaschen oder seltsam. „Happy accidents“ können sich aber einstellen und sind so definitiv eher erreichbar als z. B. mit einer konventionellen Random-Patch-Funktion.

Will man kontrollierter an die Sache rangehen, ergeben sich praktische Anwendungen zum Beispiel, wenn man zwei Timbres eines Padsounds einsetzen und zwischen Strophe und Chorus nahtlos wechseln will oder natürlich, wenn man einen Lead-Sound im Solo mit Modulationen und Verzerrung total „cranken“ und trotzdem safe wieder zum Ausgangsklang zurückkommen will. Möchte man die Basissounds für solche Morphings erstellen, freut man sich über eine Vielzahl praktischer Tools in den Morph-Settings, die einem zum Beispiel erlauben, den B-Sound mit einer Kopie des A-Sounds als Ausgangspunkt anzulegen oder den B-Sound aus einem Sound der Preset-Library einzusetzen.

Arturia Polybrute Analogsynthesizer

Arturia hat aber noch weiter gedacht und die Tatsache, dass in jedem Preset zwei verschiedene Soundeinstellungen gespeichert werden, genutzt, um Layer- oder Split-Sounds über die Tastatur spielbar zu machen. Da Split-Sounds sogar über verschiedene MIDI-Kanäle getrennt angesprochen werden können, wäre es natürlich nicht verkehrt gewesen, dem PolyBrute noch einen weiteren Stereoausgang zu spendieren. Aber als voll multitimbrales Instrument ist der PolyBrute mit seinen 6 Stimmen wohl auch nicht gedacht.

Ergänzend zum Morphée sei erwähnt, dass dieser Controller mit einer Druckempfindlichkeit noch über eine dritte Dimension verfügt, deren Einfluss in der Modulationsmatrix zugewiesen werden kann. Im Übrigen kann man den Morphée per Knopfdruck auch in einen anderen als in den Morph-Modus versetzen und dann auch die X- und Y-Achse frei in der Matrix belegen.
Der Morphée erinnert zwar optisch an den Expressive E Touché, bedient sich aber teilweise ganz anders. Während man beim E Touché auch mit der Neigung Steuersignale senden und ihn dabei mit der ganzen Hand umfassen kann, bewegt man auf dem Morphée den Finger in der Horizontalen, kann also auch nur mit diesem Druck ausüben. Das fühlt sich dann schon eher nach der Bedienung eines Touchpads als nach vollem Körpereinsatz an. Nichtsdestotrotz ist der Morphée aber ein toller Controller für den PolyBrute und ein Hingucker sowieso.

Gedanken zur Bedienung des PolyBrute

Und damit sind wir schon mitten im Thema Bedienung. Über einige Punkte habe ich schon gesprochen: die Offenbarung der Modulationsmatrix. Den Morphée. Fehlt noch der Ribbon-Controller oberhalb der Tastatur, ebenfalls über die Matrix frei zuweisbar und bezüglich Reset-Verhalten und Ausgangspunkt konfigurierbar, sehr geeignet für Pitchbends, die auf einem frei gewählten Ton enden sollen.

Der PolyBrute bietet wesentlich mehr Möglichkeiten, um Klänge zu verbiegen, als man Hände haben kann – selbst wenn man an keinem einzigen Knopf drehen würde. Sustain- und zwei Expression-Pedale gibt es neben den Standards Modulationsrad und Pitchbend ja auch noch.
Nur mit dem Aftertouch bin ich nicht zufrieden, denn der hat einen recht kurzen Regelweg, setzt relativ abrupt ein und der physische Widerstand ist so hoch, dass man, hat man ihn erst überwunden, schnell schon beim maximalen Hub angekommen ist. Fließende Übergänge wollen mir damit jedenfalls nicht gelingen, das kenne ich von vielen Synthesizern anders.

Ebenfalls nicht besonders happy bin ich mit den schwammigen Plastiktasten in der Modulationsmatrix, die ja auch für Step-Eingaben im Sequencer-Modus und zur Anwahl von Presets genutzt werden. Je nach gewähltem Winkel führt ein Druckversuch auch mal zu gar nichts und man muss erneut ansetzen. Vielleicht darf man von 92 Tastern mit verschiedenfarbigem LED-Feedback auf kleinem Raum nicht auch noch einen klaren Druckpunkt erwarten, aber etwas ärgerlich sind die Dinger leider schon, wo die Matrix doch so ein Alleinstellungsmerkmal dieses Synthesizers darstellt.

Test Arturia Polybrute

Die Mod-Matrix kann auch zur Anwahl der 768 Preset-Speicherplätze genutzt werden

Man ahnt es vielleicht inzwischen: Um den PolyBrute zu beherrschen, braucht es eine nicht unerhebliche Einarbeitungszeit.

Da gibt es zum einen Shortcuts, die vieles erleichtern, die man aber auch erst mal kennen muss. Will man zum Beispiel den Master-Cutoff auf neutral zurücksetzen, so kann man die linke Pfeiltaste unter dem kleinen Display drücken und – während man diese hält – auf den Cutoff-Encoder tippen. Sehr hilfreich – aber bitte die Pfeiltaste nicht zu früh loslassen, sonst ist man aus Versehen zum vorherigen Preset gesprungen und der eben mühevoll eingestellte Sound ist futsch. Futsch? Nein, natürlich nicht, denn zum Glück gibt es noch die Snapshot-Funktion, mit der man wieder zu den letzten fünf gespeicherten Zwischenzuständen zurückkann. Jetzt habe ich den Snapshot wieder aufgerufen, bin aber noch auf dem fälschlicherweise ausgewählten Preset, das ich nicht überschreiben will. Wie geht noch mal die Tastenkombination, um einen Sound auf einem anderen Speicherplatz abzulegen? Es gibt ja drei verschiedene Arten zu speichern …

Zum anderen gibt es eine Vielzahl von Funktionen, die man bei anderen Synthesizern nicht oder zumindest eher selten findet. Neben dem innovativen Morphing und den beschriebenen Besonderheiten der Synthesearchitektur zum Beispiel so eine tolle kleine Sache wie das Motion-Recording: Wenn es scharfgeschaltet ist, drückt man eine Taste und kann dann die Bewegungen eines Reglers in fast beliebiger Länge aufzeichnen. So bekommt man eine Modulationskurve, wie man sie mit keiner mathematischen Formel erzeugen könnte. Super zum Beispiel für Wonky-Filtermoves wie den folgenden:

Schade nur, dass sich diese Kurve nun zwar auch in anderen Geschwindigkeiten triggern lässt (im Oneshot- oder im Loop-Modus), dass man sie aber nicht in ihrer Intensität verändern kann. Auch langsam weg-morphen lässt sich die Modulation leider nicht. Vermutlich wurde für dieses charmante Feature einfach eine Funktion des Sequencers benutzt, der auch nicht gemorpht werden kann.

Ach, der Sequencer! Es tut mir leid, aber die sieben Tage haben leider bei Weitem nicht gereicht, ihn auch noch genauer zu erkunden. Grundsätzlich bietet er alles, was man von einem Built-in-Sequencer heutzutage erwarten könnte, zum Glück auch Echtzeit-Recording – neben Step-Recording und -Editing, variable Längen und Abspielrichtungen, alles selbstverständlich in polyphon und mit immerhin drei Modulationsspuren. Aber auch hier sind etliche Shortcuts und Modi zu erlernen.
Getriggert und transponiert werden die Sequenzen übrigens immer in den unteren beiden Oktaven, so dass sie auch als „Begleitautomatik“ für das Spiel der rechten Hand benutzt werden können – im Split-Modus auch mit den beiden verschiedenen Sounds im Preset.
Und wenn man gerade mal gar keine Idee hat, bietet der Arpeggiator einen smarten Random-Patch-Generator, dessen Ergebnisse zur weiteren Bearbeitung in den Sequencer transferiert werden können.

Richtig super finde ich, dass Arturia dem PolyBrute einen ausgewachsenen Editor zur Seite stellt, auch als Plugin für die DAW. Wobei: Welcher Synthesizer-Hersteller wenn nicht Arturia sollte das perfekt hinbekommen? Die Software ist sinnvoll unterteilt und es gibt eine Preset-Verwaltung, die der in Arturias Emulationen in nichts nachsteht – inklusive Favoriten, Kategorien etc. Es ist schon sehr praktisch, wenn man vor dem Aufnehmen Fader-Fahrten auch mal aufzeichnen und bearbeiten kann. Allerdings hatte die mir vorliegende Version doch noch mit ein paar Bugs zu kämpfen. Es fehlte ein Temposync zur DAW und es kam beim Ändern von Settings am Gerät sogar einige Male zum Einfrieren von Ableton Live. Wollen wir hoffen, dass Arturia hier bis zur Release-Version noch nacharbeitet.

Der Arturia PolyBrute on YouTube

Fazit

Der Arturia PolyBrute ist ein Synthesizer, der mit viel Liebe zum Detail konzipiert wurde und entsprechend erwartet, dass man sich mit seinen Details beschäftigt. Schwer macht er es einem dabei nicht, denn er gibt dem Spieler im wahrsten Sinne des Wortes vieles an die Hand, was immer wieder zu neuen Ideen führt. Aber er hat auch viel Tiefe, die erkundet werden will. Ein passionierter Sounddesigner kann mit dem PolyBrute vieles erreichen, für das man sonst ein Modularsystem von der Größe einer Schrankwand bräuchte. Und das bei voller Speicherbarkeit und einer akzeptablen Polyphonie.

Wenn man dieses Gesamtpaket betrachtet, kann man konstatieren, dass Arturia es nun definitiv ins Synthesizer-Premiumsegment geschafft hat. Mehr noch: Sie haben sich darin auch ein Alleinstellungsmerkmal erarbeitet. Günstigere analoge Polysynthesizer wie den Behringer DeepMind oder den Korg Prologue lässt der PolyBrute sowohl klanglich als auch funktional hinter sich. Er mag vielleicht nicht so brillant und direkt tönen wie ein Prophet und er drückt sicher nicht alles an die Wand wie ein trockener Moog mit seinem Signature-Sound (wobei bei Letzterem polyphon und speicherbar auch nicht unter dem zweieinhalbfachen Preis des PolyBrute zu haben ist). Der PolyBrute hat wie mir scheint schon einen leicht subtileren, manchmal auch bedeckteren Klang. Wenn der Prophet ein Hollywood-Blockbuster ist und der Moog ein Western, dann ist der PolyBrute vielleicht so etwas wie „Das fünfte Element“: futuristisch, changierend, voller charmanter Ideen. Unter den Demotracks auf der Arturia-Website findet sich eine Jean Michel Jarre Reminiszenz, bei der er richtig zu blühen beginnt. Aber vielleicht bin ich auch nur etwas zu sehr von den Presets der vorwiegend französischen Sounddesigner beeinflusst. Denn klanglich ist er sehr flexibel. Er kann meinen Subwoofer zum Vibrieren bringen, kann schneidend-schrill sein oder hintergründig, er bringt moderne Sounds, haucht aber auch Flächen hin, die weich und zart sind oder flirrend wie ein alter Digitalsynthesizer.

Es gibt Dinge am PolyBrute, die ich selber anders gelöst hätte. Sie wurden in meinem Testbericht auch kritisiert. Man kann aber mit ihnen leben, weil das Gesamtpaket so innovativ ist. Einem Citroen DS hat man auch vieles verziehen, weil er einen so elegant von A nach B schweben ließ. Ich gebe zu, es fällt mir wirklich schwer, mich wieder vom PolyBrute zu trennen. Dazu schon mal Glückwunsch an Arturia!

Plus

  • innovative, in seinem Segment konkurrenzlose Klanggestaltungs- und Modulationsmöglichkeiten
  • hochwertiger und sehr vielseitiger Analog-Sound
  • ungewöhnliche Performance-Features

Minus

  • Aftertouch mit hohem Widerstand und geringem Hub
  • Handbuch und Editor sollten in Teilen noch verbessert werden

Preis

  • 2.479,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    Henrik Fisch  AHU

    Whow! Vielen lieben Dank für diesen ausführlichen Test, der wohltuend auch Emotionen durchklingen lässt (keine Kritik an den Kollegen – echt nicht! – aber manchmal fehlt mir das ein bisschen). Bisher war der Arturia PolyBrute für mich eher nicht so spannend. Ich weiß auch nicht … polyphone Synthesizer sind für mich (und meine Musik) im Moment irgendwie nicht so interessant. Für Pads und anderes Hintergrund-Geschwurbel nutze ich entweder VSTs oder habe hier einen EMU UltraProteus und einen Korg EX8000 (neben anderen polyphonen Rack-Steinen). Was mir, wie gesagt, im Moment völlig ausreicht.

    Aber jetzt nach DIESEM Test … jetzt wird er doch spannend. Dass der Synthesizer »nur« sechs Stimmen hat, stört mich nicht. Man denke nur an den großartigen Roland Jupiter-6. Oder die Oberheim-Geräte. Oder den Sequential Prophet-6. Keiner meckert, großartige Sounds und Musik damit … also alles gut.

    Schade, dass Du Dir in der Zeit den Sequencer nicht noch genauer hast ansehen können.

    Schöner Test … und noch ein Gerät, von dem ich träumen (und evtl. mal kaufen) kann. Arturia scheint es jetzt echt drauf zu haben. 🙂👍

    • Profilbild
      Michael Schill  RED

      Hallo Henrik, vielen Dank!
      Meines Erachtens kann der Polybrute auch monophone Sounds gut abbilden. Jedenfalls hat er dem nur gut 500 Euro günstigeren Matrixbrute noch mehr voraus als die Stimmenzahl – jedenfalls wenn man auf CV, Audio-Input und allerheftigste Distortion verzichten kann…
      Ich hätte mich auch gern noch länger mit dem Gerät beschäftigt. Immerhin gibt es seit dem Wochenende nun auch ein gut gemachtes Erklärvideo zum Sequenzer auf der Arturia-Website.

  2. Profilbild
    cd.duenkel

    Klingt schon schön. Es ist aber auch nicht so, als ob man das nicht irgendwie alles schon mal gehört hätte. Und ein Morphing Controller gab es schon am Korg Z1 oder irre ich mich da ?

  3. Profilbild
    MrCosmo 1

    Morphing für analoge Polys gab es meines Wissens in der Form noch nicht.

    Ich hatte das Glück, den Polybrute ausgiebig testen zu können und muss sagen, ich bin wirklich begeistert.
    Der Sound ist edel und eigenständig und durch das Plugin lässt sich der Synth wirklich gut in einen Studio/DAW Workflow integrieren. Bei der Bedienung wurden etliche Details, die ich beim Matrixbrute vermisste, bedacht und umgesetzt.
    Zusammen mit dem UDO Super 6 für mich das Highlight 2020.

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    Son of MooG  AHU

    Die Silbe ‚Brute ‚ assoziiert gleich mit ‚Wüstling‘ oder ‚Grobian‘, dabei habe ich mit meinem MicroBrute auch schön fragile und zarte Sounds erstellt. Es gab da ja auch jemand, der nur mit dem MicroBrute Soundtracks von Hans Zimmer produzierte…
    Der PolyBrute gefällt mir sehr gut und mit den zwei Filtern ist auch ein großes Soundspektrum zu erforschen. Allerdings ist meine Studio-Ecke schon jetzt überfüllt…

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    Toni

    Immer wieder erstaunlich wie dünn und steril ein zeitgenössischer Analogsynth klingen kann. Selbst mein steinalter DX21 (ist ein Digitalsynth) hat da deutlich mehr Druck und Fülle im Sound. Allerdings ist der moderne Keyboarder ja auch nicht mehr besonders anspruchsvoll. Wozu sollten die Hersteller sich also noch anstrengen und groß in Klangqualität investieren, wenn die heutigen User eh keine Ohren mehr haben um den Unterschied zwischen echten Analogsound von früher und dem kastrierten Gefiepe von heute zu hören.

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      zeitlos  

      Also, dieser Vergleich zwischen FM-Synthese und Analog macht mich sprachlos und lässt mich Kopf schütteln.

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        Toni

        Yamahas DX-Serie basiert auf FM-Synthese? Ich bin fassungslos!! Warum hat mir das in all den Jahren niemand gesagt?

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      syntach  

      @ Toni: Ich gebe dir in sofern recht, als dass ich bei meinem Matrixbrute seinerzeit auch nicht in den ersten Wochen die Sounds rausgeholt habe, wie ich es später konnte. Und es gab anfangs eine Menge Urteile über den Sound wie deines: zu dünn oder im Gegenteil zu „brute“, nicht vielfältig genug, etc etc. Aber diese Sounds kamen immer von Leuten, die sich nicht lange mit dem Synth beschäftigt hatten. Nach und nach kamen dann immer positivere Stimmen, weil viele user immer mehr den Umgang mit dem MxB erlernt hatten.

      Und genau so lief es auch beim Polybrute. „BoBeats“ aus obigem Video hatte auch gleich ein „review“ zum PxB rausgehauen, das von den Sounds her so schlecht war, dass er nach viel Kritik auf GS eben obiges Video nachgeschoben hat, dass dann schon ein bisschen mehr zeigte.

      Der Test hier zählt auch nur auf, was an offensichtlichen features da ist, aber man merkt Text und Soundbeispielen auch an, dass der Tester dieses – sehr komplexe Gerät – nur sehr kurz kennengelernt hat. Denn dann würden da, über eine feature Aufzählung hinaus, ganz andere Tipps und Tricks und Erfahrungen stehen.

      Ich bin mir jedenfalls sicher, wenn der PxB auch nur annähernd das kann, was der MxB kann, dann kann man damit von „dünn“ über dick und analog bis sehr sehr eigen alles machen. Es wird nicht wie ein 80er Analoger klingen. Aber dass er ein dünnes one-trick-pony ist, davon brauchst du nicht auszugehen ;)

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        pulpicon  

        Scheint so zu sein, dass der PolyBrute einen relativ kleinen SweetSpot hat – was vielleicht dadurch mehr als ausgeglichen wird, dass er sehr reichhaltige Klangestaltungsmöglichkeiten bietet.

        Man „verbraucht“ dann viele Matrix-Modulationen, um einen lebendigen Sound zu erreichen, den klassische analoge Synths direkt liefern.

        Dafür hat man bei den „neuen“ Synths mehr Kontrolle über die kleinen Schwankungen – dafür zahlt man den Preis des kleineren SweetSpots bzw. dass viel Sound-Tüftelei nötig ist.

        Wer auf der Suche nach „dem Analog-Sound“ ist, wird vom PolyBrute sehr wahrscheinlich enttäuscht werden. Insbesondere auch, weil die Filter ganz anders als Rolands Filter sind, ohne dabei auch Moog zu sein.
        Der Brute schein um so interessanter, wenn man diesen „klassischen“ Klangcharakter bereits anderweitig abgedeckt hat und auf der Suche nach etwas Neuem ist – und gerne tüftelt.

        Ich kann mir also das Geld zunächst sparen, bzw. wo anders ausgeben ;)

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          syntach  

          Kleiner sweetspot würde ich nicht sagen, es ist ja nicht so, dass nur wenige gute Sounds rauskommen und daneben meist Müll, im Gegenteil, zumindest beim MxB (also auch hier) ist das Spektrum riesig. Aber: es dauert, bis es „klick“ macht – dann kommen gute sounds non-stop. Bis dahin hat man den Eindruck, der könne ja nur dünn oder nur bratzig etc.
          Aber mit dem klassischen Analog Sound hast du recht: er ist keine Jupiter 4 und kein Oberheim und kein CS Poly. Wer hauptsächlich diese klassischen Sounds sucht, der wird wahrscheinlich beim PxB nicht fündig. Seine endlosen Stärken liegen eben woanders ;)

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    Trickle2007

    Sehr schöner Bericht mit einer sehr umfangreichen Betrachtung der Möglichkeiten.
    Auch für mich war der PolyBrute erstmal ziemlich uninteressant – nach diesem Bericht allerdings nicht mehr!

    Es klingt, als wäre dies ein Gerät für viele Jahre Entdeckung und Erkundung ohne langweilig zu werden.

    Schönes Ding Arturia – schöner Bericht Michael :)

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    iggy_pop  AHU

    Klanglich sicherlich interessant, aber optisch derselbe Schlag in die Fresse wie der Matrixbrute.

    Dieser schauderhafte Materialmix aus Holz und Metall, und dann noch blau und grau und kackbraun… erinnert mich an dieses eine Radrennteam… AG2R?

    Es tut mir leid, aber das Auge ißt mit, und hier möchte ich den Blick abwenden.

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      Toni

      Die Optik wäre mir egal wenn nur jemand wieder einen echten und 100% analogen Synthesizer bauen würde. Die sogenannten „Analogen“ von heute sind ja allesamt trojanische Pferde in denen in Wahrheit jede Menge Digitales steckt. Höre ich mir die alten Sachen von Kraftwerk oder Yellow Magic Orchestra mit ihrem superfetten, druckvollen und lebendigen Sound an, dann kriege ich Weinkrämpfe wenn ich die saftlosen Analogkisten von heute höre.

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        Entropee  

        „saftlosen Analogkisten von heute“…

        wenn Du damit stellvertretend den Polybrute meinst, gebe ich Dir recht.

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        Henrik Fisch  AHU

        Naja:

        — in dem Moment, in dem Du Speicherbarkeit haben willst, brauchst Du digitale Komponenten
        — in dem Moment, in dem Du MIDI haben willst, brauchst Du digitale Komponenten
        — in dem Moment, in dem Du einen USB-Anschluss haben willst, brauchst Du digitale Komponenten

        Und dann habe ich die Erfahrung gemacht, dass genau diejenigen, die analoge Synthesizern wegen mehr Fett im Sound fordern, genau diesen dann mit EQs im Mix wieder bekämpfen. Weil der Synthesizer sonst das Klangbild erdrückt. Und diese EQs dann ohne Supersampling und mit nur 48 kHz einsetzen. Und als Abhöre dann ihr iPhone und AirPods mit Noise-Canceling verwenden.

        Und die selben Leute können dann einen echten Minimoog nicht von einem u-he »Diva« oder einem Native-Instruments »Monark« unterscheiden (da gibt’s hier auf AMAZONA einen Super-Vergleich).

        Und wenn diese Leute dann einen echten analogen Synthesizer bekommen … dann kaufen sie ihn eh‘ nicht, weil irgend etwas anderes nicht passt.

        Nichts gegen den Moog One, aber ich finde den Waldorf Iridium/Quantum, den Novation Peak, den Modal Argon/Cobalt, ja sogar den Korg Minilogue XD oder den Arturia MicroFreak klangtechnisch deutlich spannender. Und bei den Möglichkeiten des PolyBrute wird man sich mit dem Brocken auch erst einmal ein paar Monate beschäftigen müssen.

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      Emmbot  AHU

      Als das SOUND ON SOUND Cover geteasert wurde, dachte ich auch was ein heilloses durcheinander. Vielleicht was für die Pariser Vorstadt.

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        iggy_pop  AHU

        „cluttered“ würde das Design treffend umschreiben, und dann dieser schauderhafte Billig-Look — SB Möbel Boss, gibt’s ja gar nicht.

        Doch, bei Roller.

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        iggy_pop  AHU

        Was für ein DX-7?

        Es gab mehrere davon.

        Besser als ein YS-100/200 sieht er definitiv aus, aber auch das ist relativ.

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          SynthNerd   1

          DX-7 und DX-7 II sind so unterschiedlich nun auch wieder nicht. Weitere Varianten fallen mir nicht ein.

          Aber ja, schlimmer geht immer:
          https://mytoys.scene7.com/is/image/myToys/ext/3545665-03.jpg?$rtf_mt_prod-main-zoom_xl$

          Der PolyBrute hat schön viele Drehknöpfe – so was löst bei mir immer Schrauben-Wollen aus. Da kann ich kleine Design-Schwächen gut verzeihen. Wirklich schlimm finde ich die Optik des PolyBrute jedenfalls nicht. Die Oberfläche des Alesis Andromeda stört mich da eher.

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            iggy_pop  AHU

            Der Andromeda ist visuell auch schauderhaft — und genau das war der Grund, weshalb ich dieses Gerät nie haben wollte.

            Funktion folgt der Form. Was soll das?

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              SynthNerd   1

              Ja, diese Frage könnte man auch den Designern des Fiat Multipla oder Ssangyong Rodius (1st gen) stellen. Aber eine befriedigende Antwort wäre wohl nicht zu erwarten

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                iggy_pop  AHU

                Ich fahre einen 1998er Volvo V70. Das sollte viel über meine Designvorlieben aussagen:

                Klar gegliedert, übersichtlich, schnörkellos.

                Ornament ist (und bleibt) Verbrechen.

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    Viertelnote  AHU

    über das Design kann man diskutieren, aber der Klang ist sehr gut.
    Ich habe sehr lang gebraucht, um den Sound von Arturia für mich zu akzeptieren.
    Man muss sich eben lang genug damit beschäftigen, wie hier mehrfach gesagt wurde.
    Mein persönlicher Knochen ist immer noch der Z1. Hab ich schon viele Jahre, aber bin immer wieder
    überrascht, und so soll es ja sein. Man soll ja Spaß haben und nicht alles nach kurzer Zeit öde und fad finden. Ich denke überstürzte Urteile führen da nicht weiter.
    Für mich auch ein schönes Instrument, der Polybrute.

    beste Grüße an euch

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    Emmbot  AHU

    Mal ab von der Optik. Die Möglichkeiten dieser Kiste sind schon n Hammer, gerade das Morphing könnte ergiebig sein. Die Matrix ist natürlich auch ein Kracher. Leider trübt das Thema mit dem Aftertoch n bissel das Bild.

    Ich dachte des Teil kommt mit nem Expressive E Touché. Das Preisschild ist jetzt auch vernünftig. Andere Hersteller würden hier ganz andere Preise aufrufen. Im gesammten bin ich schon sehr überrascht was Arturia hier auf die Beine gestellt hat.

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    Entropee  

    „Best Buy“ würde ich aufgrund der Fiat Multipla Optik noch mit unterschreiben, aber klanglich ?

    6 Stimmchen, die anhand der Klangbeispiele z.B. 04, 05, 06 oder 09 gut einzuordnen sind.

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    gaffer  AHU

    Von der Optik her habe ich eigentlich nur ein Problem. Ich denke immer, da hat einer sein Smartphone vergessen. Liegt links neben der Tastatur auf dem Gesicht.
    Ansonsten finde ich den Ansatz wirklich gut. Ganz nebenbei bin ich nicht der Meinung, dass die Synths früher besser waren. Allein die Entscheidung zur Matrix hebt ihn für mich in die bessere Hälfte. Irgendwann werde ich ihn auch hören und spielen.

    Soundbeispiele höre ich mir fast nie an. Ich weiss nicht, was der Musiker erreichen wollte und wie groß die Differenz zwischen Wunsch und Ergebnis ist. Und zwischen Programmier-Skills und Ergebnis. Das ist immer nur ein Audio Polaroid. Das müsste ich selbst versuchen.

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    HOLODECK Sven  

    So toll dieser Alleskönner von Arturia auch auf dem Feature-Tablett erscheint, so erstaunlich ist es, wie dünn und „Seelenlos“ er klanglich m.E. erscheint. „dem Synthesizer ein Chance geben“ ist wie die Idee des „Lieben Lernens“. Wenn schon die ersten Kontakte nicht dem Funken zum Fliegen verhilft, ist die Chance für spätere Verliebtheit eher gering (meiner Erfahrung nach).

    Ich möchte mir keinesfalls die Ingenieurleistung von Arturia herabwürdigen, der Polybrute ist mit Sicherheit eine Bereicherung auf dem rar gesähten polyanalogen Markt, jedoch in der magischen Preis-Etage des 25. Stockwerks, weht schon etwas kritischerer Wind, als zBsp. unterhalb der 10..

    Wenn ich die Wahl hätte für einen polyphonen Analogen, dann würde ich dem MFB Synth Pro den Hof machen. Sicherlich nicht das gleiche Modulationsfeuerwerk, dafür jedoch Charme, Wärme und Charakter.

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    tomeso  

    DISCLAIMER: ich bin extrem voreingenommen! :-)

    Bis auf Michael Schill (und eine handvoll einzelne Musiker) hat keiner der hier Kommentierenden den PolyBrute bisher aus der Nähe gesehen, geschweige denn einen Ton selbst gehört/gespielt.
    Bisher waren alle, die den PolyBrute testen konnten (mich eingeschlossen), davon überzeugt, dass Arturia hier ein großer Wurf, sowohl im Handling als auch beim Sound, gelungen ist.
    Ich kann nur jedem Interessierten empfehlen, sich im Januar mit einem guten Paar Speakern oder einem guten Kopfhörer selbst ein Bild davon zu machen.
    Der Grundsound wird mit Sicherheit nicht allen gefallen, aber von „dünn“, „leblos“, „steril“ oder „kraftlos“ kann hier meiner Meinung nach keine Rede sein.

    DISCLAIMER: ich bin extrem voreingenommen! :-)

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      syntach  

      Dem kann ich – vom Kern her – als langjähriger MxB Nutzer nur von ganzem Herzen beipflichten: wer glaubt, dass obige sounds alles sind, was er kann, der / die liegt wirklich komplett daneben. Man tut – sorry- mit solchen „Schnelltests“ so einem Synth einfach keinen gefallen.

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      Tyrell  RED 13

      Hallo Frank, ich stimme dir voll und ganz zu. Ich bin jetzt schon gespannt darauf den PolyBrute mal spielen zu dürfen. Der kleine MiniBrute ist immer noch einer meiner liebsten Monosynths; klingt außergewöhnlich und ist schnell durchschaut. Wenn. der Sound beim PolyBrute ähnlich ist, sollte die BB-Auszeichnung absolut in Ordnung gehen. Und was den Look angeht, das ist eben Geschmackssache… ich würde den PB jetzt auch nicht in die Design-Oberliga einordnen, eher irgendwo in der Mitte. Aber Design spielt für mich auch eher eine untergeordnete Rolle, wenn der Klang und Bedienung stimmt. :)

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    astral800

    Mir gefällt der Sound nicht er hat auch so etwas plastikhaftes/statisches im Klang wie der Matrix Brute. Die Bässe klingen flach und hohl. Einige Sound Beispiele klingen wie von einem VA, Radias oder so. Und das er den Korg Prologue 16 vom Sound hinter sich lässt also das halte ich doch für ein Gerücht diesen schönen rauhen Blade Runner Pad Sound habe ich so vom Polybrute nicht gehört.Modulationsmöglichkeiten und Features sind eben nicht alles.

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      Tyrell  RED 13

      Das alles kannst du aus den Demos hören. Wow… dafür hätte ich dich liebend gerne mal bei einem Blindtest hier im Amazona.de-Studio. ;)

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    Ghostwalker  

    Über Geschmack lässt sich streiten, jedoch nicht über sauberes Handwerk, und da hat Arturia ein eigenständiges und gut durchdachtes Gerät abgeliefert, das soundtechnisch erstmal richtig gespielt werden will, um das volle Bukett entfalten zu können. Als Bassfetischist für analoge Klänge würde ich eher ein Modular System bevorzugen , doch dieses Konzept geht einen anderen Weg durch die Klanglandschaften. Mir gefällt er bis jetzt ganz gut und bin mal gespannt was man damit noch alles zu hören bekommt…schätze ihn als Spezialisten für Ambient ein, der aber auch mal so richtig böse werden kann, wenn man weiß wie man ihn ausreizt.

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    Michael Schill  RED

    Also, dünn und seelenlos klingt der Polybrute definitiv nicht – da kann ich auch nach dem leider recht kurzen Rendezvous schon meine Hand für ins Feuer legen.
    Der deutsche Vertrieb hat aktuell nur ein einziges Testgerät, und das musste eben schon weiterziehen. Daher hatte ich so kurz vor Weihnachten ordentlich zu tun, mir nur einigermaßen ein Bild zu machen – zumal das Gerät ja sehr komplex ist. Ich habe aber kurz vor seiner Abreise noch einige Spuren für einen melodischen Track, an dem ich gerade arbeite, aufgenommen, und da klang der Polybrute schon sehr lyrisch. Warme Pads kann er definitiv auch! Ich habe im Fazit ja diesbezüglich auf den JMJ-inspirierten Demotrack auf der Arturia-Website verwiesen.
    Bei einem kleinen Moog z.B. ist der Sweetspot natürlich riesig, weil auch die Möglichkeiten eher begrenzt sind. Ein Gerät wie der Polybrute verführt dagegen erstmal zu allerlei Experimenten, was ja auch Spaß macht. Um zu guten Ergebnissen zu kommen, braucht es aber länger.
    Wenn ich die Gelegenheit dafür bekomme, liefere ich auch gerne im neuen Jahr noch einen ausführlicheren Praxistest nach, versprochen!

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    CKMUC  

    Es gibt ja schon diverse Videos auf Youtube, aber die meisten konzentrieren sich auf die speziellen Features des PolyBrutes.
    Dieses hier (https://youtu.be/qVvSuBeFzwE) zeigt mehr konventionelle Sounds und hat mir bisher am besten gefallen.

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      Henrik Fisch  AHU

      Ja, tolles Video. Bei einem Demo-Video von Katsunori-San kann man nicht viel falsch machen. Danke für den Link.

      Ich verstehe zwar (so gut wie) kein Wort japanisch, aber aus seiner Gestik und der Betonung kann man sehr gut herauslesen, was er gerade meint. Außerdem hat hier jemand – meinem Gefühl nach – eine unbändigbare Freude am Spielen und kann sich in Millisekunden in einen Sound hinein denken, um mit diesem zu improvisieren. Laut seinem SoundCloud-Profil gehört er auch zu den Arturia-Sound-Designern diverser Software-Synthesizer.

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      HOLODECK Sven  

      sorry, aber auch hier höre ich nichts „charktereigenes“, alles konventionell und schon x-Mal irgendwo gehört. Ich will Arturia nix böses, aber für den aufgerufenen Kurs sollten sie auch etwas abliefern, was im Gedächtnis bleibt – tut er nicht, jedenfalls bei mir nicht.

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    Jazz Freund

    Hallo,

    ich finde es schrecklich, wenn ein Urteil über einen Sound unter dem Gesichtspunkt getroffen wird: Der klingt so wie …. Genau diese „Entwicklung“ verführt die Entwickler von Synthesizer dazu, Geräte zu bauen, die andere Geräte imitieren sollen. Was für ein Unsinn!

    Ich spiele und sammle seit über 40 Jahren Synthesizer und habe davon schon ca. 45 Stück …. Und welche Überraschung: jeder klingt anders. Ich liebe meine alten DXs und nach Jahrzehnten entdecke ich noch neue Sounds, die mir ein AHA oder Ooh entlocken ….

    Und das gilt auch für die Analogen. Sogar bei den Romplers gibt es Unterschiede. Denn oft mussten die „alten“ „Digitalen“ sich auf das Wesentliche im Sampling konzentrieren. Und das kann sehr wohl einen ganz eigenen Charakter haben. z.B. das „berühmte“ M1 Piano …. …. ….

    Ich freue mich über den Neuzugang des Polybrute. BRAVO Arturia !!! und nur weiter so !!! Mögen alle Synthesizerbauer sich auf ihr eigenes Instrument konzentrieren und viel Neues hervorbringen.

    :-)

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      iggy_pop  AHU

      Ich finde es schrecklich, wenn sich Leute ein Urteil über ein Instrument anmaßen, das einzig und allein auf Klangbeispielen irgendwelcher Grobmotoriker und Drückerkönige beruht, welche dafür bezahlt werden, im Internet virtuelle Klinken zu putzen und Abonnements zu verkaufen.

      Interessanter wäre es zu hören, was diejenigen, die meckern, aus dem Gerät herausholen würden bzw. in welche Grenzbereiche sie sich selbst und das Gerät brächten.

      Da dürfte es dann spannend werden. Oder auch nicht.

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        Jazz Freund

        Ja, das stimmt! Die meisten Synths werden kaum an ihre Grenzen gebracht oder virtuos gespielt. Ich selbst werde ein Event am Ende der 80er Jahr nicht vergessen, als plötzlich Friedrich Gulda sich an eines der ersten Clavinovas setzte und – aus Spaß – Mozart spielte. Keiner der Gäste hat sich da die Frage gestellt, ob die Loops der Samples zu kurz sind ….. und die Performance war einfach genial 🤩 Aber ich habe auch Zawinul erlebt als er in einem JJazz Konzert plötzlich einen klassischen Chor auf dem DSS1 in den Song „reingespielt“ hat ….
        Und Yamahas VL-1 in den Händen eines Könners läßt einem noch nach 30 Jahren staunen …. …. ….

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          iggy_pop  AHU

          Das sind ja auch mit allen Wassern gewaschene Musiker, keine Knöpfchendreher, die in ihrer Freizeit vor sich hin dilettieren, ohne größere Ansprüche dabei zu haben, außer einem völlig leeren Himmel, angereichert mit Musik vielleicht (wenn ich mal die Neubauten zitieren darf).

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    psalm69

    Ich konnte dem Polybrute heute eine Stunde widmen. Ich denke der Synth ist so konventionell nun nicht, mit dem Morphée-Controller hat er etwas Besonderes. Einen Character hat er für meine Ohren auch, allerdings empfand ich ihn…hmm, nicht Neu und eher…altbacken oder traditionell, wohl dass, was Sven mit „Irgendwo schon einmal gehört“ meint. Er hat halt einen bestimmten Klang und den muss man mögen, ein wenig wie ein Moog der halt nach Moog klingt. Kraftvoll klingen tut er und gut für raue, experimentelle Klänge, das ging am Besten.
    Trotzdem kann ich nicht verhehlen dass mir der Anspruch bei Presets ein ganzes Kopfkino zu erzeugen nach einer Weile auch auf den Magen schlug. Es kann doch nicht darum gehen dass Synths „an ihre Grenzen gebracht werden“ wenn das bedeutet in einem einzigen Synth einen ganzen Kinofilm unterzubringen. Sondern Charakter und Eigenheiten hörbar werden zu lassen. Und, ja, natürlich den Synth auch zu dahingehend zu spielen.
    Was mich zum letzen Punkt bringt: das Keybed. Einen gut verbauten Synth mit derartigen Tasten ins Rennen zu schicken muss dem Chef bei Arturia in betrunkenem Zustand in den Sinn gekommen sein. Oder wollte er den Kunden damit ärgern? Made in China u n d eine labile Tastatur darf bei dem Preis nicht sein und ich weiss nicht warum das der Artikel hier nicht erwähnt – oder habe ich es überlesen?

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