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Test: Austrian Audio Hi-X60, Studiokopfhörer

31. Dezember 2021

Der geschlossene Analytiker aus Österreich

austrian audio hix60 test

Austrian Audio Hi-X60, Studiokopfhörer

„Es wird vielleicht auch jede Todesstunde uns neuen Räumen jung entgegen senden“ – dichtete einst Hermann Hesse. Wobei er beim Schreiben dieser Verse sicherlich nicht Austrian Audio im Kopf hatte, obwohl dieser Satz auch auf das noch junge Unternehmen aus Österreich zutrifft. Denn als AKG 2017 in Wien die Pforten schloss, gründeten 22 ehemalige Mitarbeiter kurzerhand eine neue Firma, eben Austrian Audio, die sich auf die Produktion hochwertiger Mikrofone und Kopfhörer spezialisierte. Ob Studiomikrofone wie das OC18 , Gesangsmikros wie das OD505  oder die Kopfhörer aus der HI-X-Reihe (HI-X15, Hi-X25 BT, HI-X50 oder der Hi-X65, überall fuhren die Österreicher in unseren Tests gute bis sehr gute Bewertungen ein. Nun hat Austrian Audio dem offenen Hi-X65 eine geschlossene Variante hinzugefügt, den Austrian Audio Hi-X60. Hören wir mal rein, wie der sich schlägt.

Austrian Audio Hi-X60

Austrian Audio Hi-X60

Intermezzo: Die Austrian Audio Hi-X-Produktreihe

Im Februar 2020 brachte Austrian Audio mit dem Hi-X55 seinen ersten Studiokopfhörer auf den Markt (aktueller Preis: 296,- Euro), Modell „geschlossen und ohrumschließend“. Ein gutes halbes Jahr später folgte mit dem Hi-X50 ein technisch baugleiches Modell (245,- Euro), das sich lediglich in der Art der Ohrpolster unterschied – der Hi-X55 ist „ohrumschließend“ (over-ear) der Hi-X50 „Ohraufliegend“ (on-ear). Mit dem Austrian Audio Hi-X65 erschien im Mai 2021 der erste offene Studiokopfhörer der Österreicher (349,- Euro), der speziell für das Mischen und Mastern entwickelt wurde, dessen jetzt erschienene geschlossene Variante Hi-X60 ich hier teste. Im August 2021 präsentierte Austrian Audio schließlich mit dem Hi-X15 (99,- Euro) und dessen Bluetooth-Variante Hi-X25BT (149,- Euro) zwei Kopfhörer für das untere Preissegment; anders als die großen Hi-X-Modelle werden die beiden nicht in Österreich, sondern in China gefertigt, was der Verarbeitungsqualität aber nicht schadet (wie unser Test gezeigt hat). Allen Kopfhörern gemein sind die extrem niedrige Impedanz von gerade einmal 25 Ohm und ein relativ leichtes Gewicht von um die 300 Gramm, so dass sie auch für den mobilen Einsatz bestens geeignet sind.

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Technische Daten des Austrian Audio Hi-X60 Kopfhörers

Der Austrian Audio Hi-X60 ist ein geschlossener Studiokopfhörer mit ohrumschließenden Ohrmuscheln. Den Frequenzbereich gibt der Hersteller mit 5 Hz – 28 kHz an, die Nennbelastbarkeit mit 150 mW und die Empfindlichkeit mit 110 dB SPL/V. Die Impedanz schließlich liegt bei niedrigen 25 Ohm, der Klirrfaktor (@1 kHz) bei <0,1%.

Austrian Audio Hi-X60

Die Verpackung mit dem kleinen Extra

Austrian Audio Hi-X60: Überblick

Zugegeben: Ich bin ein großer Fan schön designter Verpackungen und nützlicher kleiner Gimmicks. Insofern hat Austrian Audio bei mir bereits einen Pluspunkt gesammelt, bevor ich den Karton überhaupt geöffnet habe. Mattschwarze Außenhülle mit einer Produktabbildung und dem AA-Logo vorne und den wichtigsten Produktinfos auf der Rückseite, der Innenschuber in dunklem Rot, während der Deckel nicht einfach lieblos zugeklebt ist, sondern von einem schmalen, farblich passenden, roten Klettband gesichert wird, das innen dezent mit dem Firmennamen bedruckt ist – und wunderbar zum Zusammenhalten von Kabelsträngen genutzt werden kann. Ja, da hat jemand mitgedacht (der augenscheinlich die ständige Kabelwüste auf meinem überladenen Zaor Studiotisch und meine immerwährende Knappheit an Klettbindern kennt).

Im Inneren des roten Schubers liegt – geschützt unter einer festen schwarzen Schaumstoffmatte – der Hi-X60 plus zwei abnehmbare Anschlusskabel in 1,2m (für den Einsatz unterwegs) und 3 Meter Länge mit (vergoldeten) 3,5 mm Steckern plus einem Adapter auf 6,3 mm Klinke. Die Kabel sind am Kopfhörer arretierbar und sitzen wirklich bombenfest, der 6,3mm Adapter wird verschraubt. Die Kabel selber machen einen stabilen Eindruck und sind vor allem auch nicht so eng in der Verpackung gerollt, dass sie Knicke bekommen. Die Kabel können für 14 bzw. 19 Euro einzeln nachgekauft werden.

Austrian Audio Hi-X60

Nicht nur SIlence is golden

Was gibt es sonst noch? Eine Transporttasche aus Stoffe, ein von Hand ausgefülltes Quality Certificate, wo die einzelnen Punkte – End of Line Measurement, Visual Inspection, Box Content Verification – säuberlich abgehakt wurden, und auch ein „Quickstart Guide“ für den richtigen Umgang mit dem Klettband, das Arretieren des Anschlusskabels und für den Wechsel der Ohrpolster. Alles vorhanden, was irgendwie interessant und wichtig ist also.

Material, Verarbeitung und Tragekomfort

Zur besseren Unterscheidung zum offenen Hi-X65, der in einem Mix aus Schwarz und Grau kommt, ist der Hi-X60 komplett in einem glänzenden Schwarz gehalten, so dass sich die jetzt roten Firmenlogos und die Produktbezeichnungen links und rechts auf den Ohrschalen und auf den Bügelenden deutlich absetzen. Was für meinen Geschmack noch etwas stylischer aussieht. Ein weiterer Unterschied ist, dass die Außenplatten der Ohrschalen hier nicht gelocht, sondern geschlossen sind – klar, ist ja auch ein geschlossener Kopfhörer. Das ist wohl dann auch ein Grund, warum der Austrian Audio Hi-X60 mit einem Gewicht von 320 Gramm rund 10 Gramm mehr auf die Waage bringt als der offene Hi-X65.

Austrian Audio Hi-X60

Der Hi-X60 ist extrem gelenkig

Die Ohrmuscheln/-schalen lassen sich um etwa 100 Grad drehen, auch können sie an den Gelenken nach innen geklappt werden. Beides sorgt für eine verbesserte Transportfähigkeit, zudem passt sich der Hi-X60 so auch perfekt der Kopfform an. Die Unterseite des Kopfbügels und die Ohrpolster sind aus Memory-Schaumstoff  („aus speziellem Memory Foam“, wie der Hersteller schreibt). Sämtliche Polster können leicht ausgetauscht werden, einen vollständigen Satz (Cushion Replacement Kit) gibt es – zumindest für den fast baugleichen Hi-X65 – für 69,- Euro; der sollte auch für den Hi-X60 passen, aber vermutlich wird Austrian Audio da auch noch speziell etwas anbieten.

Der auf jeder Seite etwa 3 cm weit ausziehbare Kopfbügel ist, wie die Gelenke und die Halterungen für die Ohrschalen auch – aus Metall, die Ohrschalen selber und die Ummantelung der Kopfbügelenden aus Kunststoff. Insgesamt macht das einen recht wertigen und stabilen Eindruck. Ungewohnt ist anfangs, dass der Kopfbügel nicht senkrecht über den Ohrschalen angebracht ist, sondern leicht schräg. Dadurch liegt der Kopfbügel dann auch nicht mitten auf dem Kopf, sondern weiter vorne – sofern man die groß in den Ohrmuscheln angebrachten „R“ und „L“ richtig anwendet. Ist wie gesagt erst einmal ungewohnt, sorgt aber für einen komfortableren Sitz.

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Austrian Audio Hi-X60

„Manche meinen, lecht und rinks kann man nicht velwechseln“ (Ernst Jandl)

Womit ich dann beim Tragekomfort angekommen wäre. Da habe ich mit meinem Westfalenschädel ja bei manchen Kopfhörern so meine Probleme, nicht aber beim Austrian Audio Hi-X60. Der drückt nicht, sondern liegt auch bei längeren Sessions fast schon unbemerkt auf dem Kopf; der Anpressdruck trifft da genau die richtige Mitte. Die Ohrmuscheln liegen gut an, umschließen das ganze Ohr und dichten nach außen gut ab. Auch Menschen, die beim Hutkauf stets bei den Sondergrößen schauen müssen (wie ich), werden hier keine Probleme haben.

Wie klingt der Studiokopfhörer Austrian Audio Hi-X60?

Der Hi-X60 eignet sich laut Hersteller „ideal für den Einsatz in lauten Umgebungen, im Studio oder für FOH Einsätze“ (FOH = Front of House, also „vor der Bühne“) – also Abhören auch in lauteren Umgebungen.

Um mir einen Klangeindruck des Austrian Audio Hi-X60 zu verschaffen, höre ich mir einige Referenztracks (24/96er FLACs) an, die ich für solche Gelegenheiten auf der Festplatte habe plus einige CDs. Zum Vergleich nehme ich noch den Beyerdynamic DT-700 Pro X dazu (ich hoffe, dass dieses Mal dann alle Leser mit meiner Wahl einverstanden sind), ebenfalls ein geschlossener Studiokopfhörer, der mit 249 Euro allerdings etwas preiswerter ist – hier mein damaliger Test dazu.

Im Bassbereich geht der Austrian Audio Hi-X60 noch eine Spur dezenter ans Werk als der DT-700 Pro X, ohne dabei aber nun zu schwächeln; an einigen Stellen hätte er für meinen Geschmack vielleicht aber noch etwas mehr Biss haben dürfen, ist aber stets gut zu verorten und deutlich hörbar. So läuft man mit dem Hi-X60 zudem nicht Gefahr, dass der Bass sich vorlaut über die anderen Frequenzen legt und diese an die Wand spielt, eine Gefahr, die bei geschlossenen Kopfhörern ja gerne mal lauert. Die Mitten scheinen mir noch etwas akkurater und präsenter als beim Kollegen von Beyerdynamic zu sein, was aber auch daran liegen kann, dass sich der Bass beim Austrian Audio Kopfhörer noch etwas mehr zurücknimmt und dadurch weniger auf die Mitten drückt. Die Höhen passen sich da dem rundweg ausgewogenen, neutralen und sehr linearen Klangbild an und drängen sich nicht durch schrille, harsche Töne oder übermäßige Lautstärke auf, wohingegen ich beim DT-700 Pro X ja noch eine gelegentliche leichte Schärfe festgestellt hatte.

Austrian Audio Hi-X60

Der Kopfbügel sitzt nicht senkrecht über den Ohrschalen

Wechselt man fast nahtlos zwischen den beiden Kopfhörern, hat man anfangs das Gefühl, beim Austrian Audio Hi-X60 würde etwas fehlen, er würde flacher klingen. „But it’s not a bug, it’s a feature“ – genauso muss ein vollkommen neutraler, linearer Kopfhörer klingen, damit man vernünftig abmischen und pegeln kann und jede Nuance hört, ohne dass sie von schöngefärbten Frequenzanteilen überdeckt oder abgemildert wird. So mag es dann auch an der absoluten Ausgewogenheit liegen, dass der Hi-X60 trotz geringerer Impedanz (25 Ohm) etwas leiser klingt als der DT-700 Pro X mit seinen 48 Ohm. Wie der DT-700 Pro X auch reagiert der HiX60 schnell auf Pegelspitzen und Dynamiksprünge, die von Austrian Audio entwickelten 44 mm Hi-X-Treiber leisten da gute Arbeit. Die „etwas zu weit aufgespannte Stereobreite“, die dazu führt, dass „so mancher Mix etwas breit wirkt“, die Kollege Felix dem offenen Hi-X65 in seinem Test attestierte, kann ich beim geschlossenen Hi-X60 nicht entdecken – geschlossene Kopfhörer sind aber nun auch dafür bekannt, es mit der Räumlichkeit nicht ganz so zu haben wie die offenen Headphones. Nein, beim Austrian Audio Hi-X60 steht alles da im Klangraum, wo ich es im Mix auch hingestellt habe, ohne dass mir der Kopfhörer aus dem 20 qm-Raum eine Halle macht.

Austrian Audio Hi-X60

Die Gelenke sind stabil, die Verarbeitung ist gut

Zu den Dämpfungseigenschaften der Ohrmuscheln macht der Hersteller keine Angaben, doch scheinen die mir subjektiv auf einem ähnlich hohen Niveau wie die des hier zum Vergleich herangezogenen Beyerdynamic DT-700 Pro X (die Beyerdynamic mit 20 dB angibt). Heißt: Es wird ordentlich was weggenommen von den Umgebungsgeräuschen, aber natürlich ohne nun gleich alles komplett auszublenden. Schön: Das Anschlusskabel des Hi-X60 ist nicht so empfindlich, was Reibegeräusche mit den Fingern angeht, da ist beim DT-700 Pro X etwas mehr zu hören.

So ist der Austrian Audio Hi-X60 am Ende kein Schönfärber, kein Kopfhörer für den gepflegten Stereogenuss im Ohrensessel, sondern ein knallharter Analytiker, dessen Schonungslosigkeit und Neutralität mit der Zeit auch schon mal anstrengend werden kann, hört man doch jeden noch so kleinen Fehler im Mix. Leider, muss ich da schon fast sagen, hat er mir doch im Test aufgezeigt, dass bei meinem aktuellen Track (einem Remake einer alten Games-Musik), den ich eigentlich schon fertig wähnte, anscheinend doch noch sehr viel Arbeit auf mich wartet. Danke dafür.

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Fazit

Der Austrian Audio Hi-X60 zementiert das gute Testergebnis seines offenen Pendants. Optisch mit den roten Ausrufezeichen ein klein wenig mutiger, sehr gut verarbeitet und mit einem hohen Tragekomfort ist er dank seiner fast schon schonungslosen Neutralität ein willkommener Helfer bei der Suche nach dem richtigen Mix – und das auch in etwas lauterer Umgebung. Hier und da finde ich persönlich ihn beim Bass vielleicht etwas zu zurückhaltend, aber das passt insgesamt wiederum gut in das sehr ausgewogene, präzise Klangbild. Wer wirklich wissen will, wie sein Mix klingt (und das auch in lauterer Umgebung) und keinen Honig in den Ohren braucht, der sollte den Hi-X60 unbedingt mal antesten.

Plus

  • ausgewogener, neutraler Klang
  • gute Verarbeitung
  • hoher Tragekomfort
  • Polster und Kabel auswechselbar

Preis

  • 339,- Euro
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Forum
  1. Profilbild
    Filterpad  AHU

    A.A. machen anscheinend wirklich gute Kopfhörer. Hätte ich nicht schon welche, wären Kopfhörer dieser in Österreich ansässigen Firma garantiert in der engeren Auswahl. 25 Ohm? Das kommt mir tatsächlich äußerst niedrig vor! Aber wenn es keine Qualitätseinbußen für’s Produzieren gibt? So zumindest das Gerede bei niedriger Ohm-Zahl. Ich denke, inzwischen kann man davon absehen. A.A. beweist es. Apropos Österreich: Von mir gerade mal ein Katzensprung entfernt. ;)

  2. Profilbild
    earl75  AHU

    Toll – alles richtig gemacht AA! Und dann zu diesem Preis Made in Austria – schon in der Wunschliste gespeichert.

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