Test: Clavia Nord Drum 3P, Drum-Synthesizer

Schreibschutz

Die Nord Drum ist im Auslieferungsstatus schreibgeschützt. Es ist sehr zu empfehlen, diesen Schreibschutz zu deaktivieren. In der Anleitung ist dieser Vorgang allerdings nicht beschrieben (In der Anleitung der Nord Drum2 ist der Schritt erklärt), daher hier kurz der simple Weg zur Sache: „Shift“ und „System“ gleichzeitig drücken, schon blinkt „memory protect on“, diesen mit dem Endlosregler aus „off“ drehen. Jetzt lässt sich alles Veränderte speichern. Beim Ausprobieren der Presets fand ich schnell sehr Interessante Sounds, die ich leider nicht gleich reproduzieren konnte, da sie erstmal nicht zu speichern waren. Daher hier dieser Tipp vorweg.

Um einen Sound zu speichern, nachdem er editiert wurde, muss man zunächst über Chanel Select auswählen, auf welcher Schlagfläche er sich befindet (Auch zum Kopieren einzelner Sounds auf ein anderes Pad ist dieser Schritt erst nötig).

Der Klang

Alleine beim Durchspielen der Presets geht einem das Herz auf. Angenehm, warm, fett, druckvoll, inspirierend sind die  passenden Adjektive, die mir gleich einfallen. Die Möglichkeiten, die Sounds durch die Mangel zu drehen, sind riesig. Eine „Bassdrum“ lässt sich bis zur absoluten Unkenntlichkeit zum Beispiel in eine verzerrte Triangel verbiegen. Hier sind keine Grenzen gesetzt. Durch Verstimmen, Filtern, Verkürzen oder Verlängern oder das Hinzunehmen von zusätzlichen (Ober)tönen (Spektra genannt) entstehen ständig neue Klänge. Die verschiedenen tollen Hall- und Echo-Effekte verleihen dem Ganzen dann die entsprechende Tiefe. Einfach nur wow, wow, wow!

Die Kits sind in vier Bänken zusammengefasst, A bis D genannt. Bank A und B beinhalten weitestgehend schlagzeugähnlich klingende Aufteilungen mit Bassdrum, Snare, Hihat und Toms, allerdings immer elektronisch, eher selten an ein natürlich klingendes akustisches Set erinnernd. Die Bank C enthält viele schöne melodische an Mallet-Instrumente oder Glocken erinnernde Sounds. Sehr schön, um verträumte Melodien zu kreieren. Bei Bank D handelt es sich um viele Spezialsounds mit teilweise ordentlich Verzerrung. Perfekt, um die P.A. beim Soundcheck durchzublasen. Wie gesagt handelt es sich um Presets, die sich komplett ändern lassen. Im Grunde gibt es keine festen Kanalzuweisungen, wie schon von den zwei Vorgängermodellen bekannt ist.

Die Sounds sind in Gruppen zusammen gefasst: Bassdrums, Snares, Tom, Hihats, Cymbals, Percussions, Bells, tuned Percussions. So findet man als Schlagzeuger schnell Kits, um Elektrobeats und Grooves zu spielen. Natürlich lassen sich alle Klänge, wie schon oben beschrieben, völlig verändern. Einen einigermaßen breiten Querschnitt gibt’s in den Klangbeispielen zu hören.

Wie die integrierten Algorithmen funktionieren und auf die Sounds wirken, ist in der beigefügten Bedienungsanleitung sehr gut dargestellt. Da ich euch aber nicht mit Diagrammen langweilen möchte, daher hier nur kurz umrissen, wie die Sounds generiert werden.

Die Audiobeispiele sind alle live gespielt, nicht programmiert. Also genau, wie das auf der Bühne klingen könnte.

Klangbeispiele
Forum
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    chain  AHU

    Das liest sich super und schaut auch so aus, Preis stimmt, Daumen hoch… Gibts das auch in blau? Und endlich, so wie ich mir Geräte 2016 vorstelle. Tolle Entwicklung clavia

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    Atarkid  AHU

    Die Nord Drums sind ja schon seit der ersten Version in Sachen Klang der absolute Hammer. Schade nur, dass sich Clavia aus Prinzip gegen eine Studiovariante wehrt.
    Ich hatte vor nicht allzu langer Zeit die Nord Drum 2 hier, war vom Sound und von den feinen Nuancen total begeistert, aber unterm Strich fehlten mir die Single-Outs.
    Die Pads direkt mit dem „Brain“ zu verbinden ist für Drummer bestimmt eine gute Idee, für Leute die das Teil über Sequenzer triggern wollen, eher nicht. Wär ich Drummer, stünde das Ding bestimmt schon hier ^^…

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      Everpure  

      Die Single-Outs wären natürlich super, aber ich finde, man kommt schon sehr weit mit dem Stereo-Ausgang. Wenn ich mich richtig erinnere, war die erste Version sogar nur Mono.
      Ich finde hingegen die Verschmelzung von Soundmodul und Pads keine so gute Idee. Würde gern wissen, wie da die Entscheidungsfindung war, als man sich überlegt hat, was man von der letzten zu dieser Version ändert. Sind wirklich die überwiegende Mehrheit der Nord Drum Benutzer Schlagzeuger, die das Teil in ihr Drumkit integriert haben und immer alles live spielen? Für mich wäre das ein Grund, die neue Version nicht zu kaufen. Aber so ist als eben mit den Use Cases…

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        AMAZONA Archiv

        Bei der Vorstellung der Version 3 hatte Clavia auch ein Modul ohne Pads dabei, das dann aber nicht in Produktion ging. Ich persönlich glaube, dass dieses Modul noch in veränderter Form kommt. Ein Problem dieses Moduls war, dass kein Anschluss für das Nord-Pad mehr dran war, was Besitzer desselben natürlich verärgerte. Das war einfach von der Versionsfolge nicht durchdacht.

        Diese Soundengine hat so viel Potential, ich denke, da kommt noch einiges. Ich würde mir ja ein komplettes E-Drum-Modul wünschen, um die Nord-Drum in einem kompletten Mesh-Set zu spielen.

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    Filterspiel  AHU

    Absolut faszinierend und nachdem ich mit der Korg Wavedrum geliebäugelt hatte (die mich beim Testen dann aber irgendwie nicht mitzureißen wusste) kommt wohl stattdessen ein weiteres Rotkäppchen ins Heim.

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    AMAZONA Archiv

    Bei den Presets wird ja eine bestimmte Belegung angenommen von Bass-Drum, Snare, Toms, HiHat, Crash usw. Wenn ich die anders haben will als vorgegeben, muss ich dann jedes einzelne Preset umsortieren oder gibt’s eine Möglichkeit die Belegung irgendwie zentral zu steuern für alle Presets? Und wie ist die vorgegebene Belegung?

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      chain  AHU

      Ich meine, man kann so ziemlich alles in der Software lösen und dann Speichern und spielen, genau dafür ist er da und beim Loopen benötigt er eben einen Rechner dazu.

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    mb-music  

    Die Reverbs in den Audiodemos klingen nicht gut. Flach und nicht schön. Wie soll man die Drums ohne Einzelausgänge abmixen? Jeden Klang nacheinander einzeln aufnehmen? Der Preis ist zwar günstig, man hätte aber z.B. eine I/O-Erweiterung vorsehen können. Oder zumindest einen Adat-Out. Wer analog braucht, hätte dann seinen 8xDA-Wandler der Wahl anschließen können.

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      Everpure  

      So, wie das Gerät gestaltet ist, gehe ich mal davon aus, dass es wirklich um Performance und nicht um Studio-Recording geht. Das ist eben eine aktive Entscheidung bei Clavia, um den Preis niedriger zu halten. Einzelausgänge sind insgesamt eben nicht so einfach und billig zu haben. Das sind ja nicht nur 6 Stecker (für die auch erstmal Platz sein muss – im Gehäuse und auf der Platine), sondern auch jede Menge zusätzliche Softwarefunktionen.

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        mb-music  

        > So, wie das Gerät gestaltet ist, gehe ich mal davon aus, dass es wirklich um Performance und nicht um Studio-Recording geht.
         
        Und da braucht es keine schönen Reverbs? Nicht nur einen auf der Summe bzw. je einen pro Mono-Ausgang L/R.
         
        > Einzelausgänge sind insgesamt eben nicht so einfach und billig zu haben. Das sind ja nicht nur 6 Stecker (für die auch erstmal Platz sein muss – im Gehäuse und auf der Platine),
         
        Ich habe doch extra von einem ADAT-Ausgang als günstigen und platzsparenden Kompromiss gesprochen.
         
        > sondern auch jede Menge zusätzliche Softwarefunktionen.
         
        Ein Parameter pro Timbre für die Bus-Zuweisung.
         
        Wenn man das Gerät aber für maximal zwei Mono-Sounds braucht, dann reichen natürlich zwei Mono-Ausgänge.

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    swellkoerper  AHU

    das Gemecker wg. der Einzelouts hört wohl nie auf. Begreift man das Teil als multitimbrales Modul mit 2 Ausgangsbussen, sieht die Sache doch schon viel besser aus. Das sollte doch für die meisten Sachen reichen. Nicht vergessen darf man, dass der UVP der 3er inkl. Pads genau wie bei der 2er OHNE pads liegt. Für mich siehts so aus, dass die 2er zum reduzierten Preis weiterläuft und das 3er Modul ohne Pads gar nicht kommt.

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    swellkoerper  AHU

    Schlimmer wiegt da schon das Fehlen der Triggerinputs, die Vorgänger waren nicht zuletzt deswegen in der Modularszene so beliebt. Also schnell noch die 2er günstig schiessen, bevor es sich Clavia anders überlegt!

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    Moonbooter  

    Wer eine ähnliche Drum-Synthese als VST-Instrument sucht, sollte sich mal den Microtonic von Sonic Charge anschauen.

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      TZTH  

      Genau – der Microtonic! Hatte den mal bei einem Track eingesetzt – eher zufällig – und war sehr begeistert. Hat u.U. auch mein Interesse auf die Nord Drum gelenkt.

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      Xenox.AFL  

      Das stimmt zwar mit dem Microtonic, aber, er hat einen sehr markanten sound, man hört fast immer raus das der Microtonic eingesetzt wurde, was ja nicht schlimm ist, der sound ist aber nicht so flexibel wie der des Nord Drums…

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