AMAZONA.de

Test: Cyclone Analogic TT-303 Bass Bot, Analogsynthesizer


Rückkehr des Acid-Sounds

Die letzten Monate müssen für den französischen Hersteller Cyclone Analogic anstrengend gewesen sein. In kürzester Zeit präsentierten die Franzosen nicht nur die Drum Drone TT-606 und den Beat Bot TT-78, sondern stellten auch ihre zweite Version der Cyclone Analogic TT-303 Bass Bot vor. Zeit für einen Test.

Geschichte

Die Roland TB-303 ist einer der kult- und geschichtsträchtigsten Synthesizer überhaupt. Als kostengünstiger tragbarer Begleitautomat (TB = „Transistor Bass“) für Gitarristen konzipiert, wurde „die 303“ schon bald nach der Markteinführung im Jahr 1982 zum Ladenhüter. Wenig später erfolgte der Ausverkauf zu Spottpreisen von teils weniger als umgerechnet 100,- Euro.

Der niedrige Preis machte sie erschwinglich für aufstrebende Elektronikmusiker, die sie neben ihrem eigentlichen Einsatzzweck der Bassgitarrensimulation auch zur Produktion der abgefahrenen charakteristischen Zwitscher- und Bellgeräusche zweckentfremdeten. Die TB-303 wurde so zum wichtigen Element des frühen Chicago-House und begründete gleich das gesamte Genre des britisch dominierten Acid-House Ende der 80er Jahre.

Die sprunghaft gestiegene Popularität des Geräts trieb nun ähnlich wie bei Rolands Drumcomputern TR-808 und TR-909 auch die Gebrauchtpreise auf ungeahnte Höhen – bis heute wechseln Geräte kaum unter 1.500,- Euro – oftmals auch deutlich mehr – den Besitzer. Während der 90er Jahre war die TB-303 in Techno-, Trance-, Dance-, Goa-, Psytrance- und selbst kommerziellen Mainstream-Dance-Produktionen ständig präsent. Erst mit der nachfolgenden Hinwendung zu Minimal-orientierten Tracks flaute die Begeisterung ab.

Kopien, Klone und 303-inspirierte Geräte kommen seit Mitte der 90er regelmäßig auf den Markt. Die Meinungen über die Authentizität der so generierten Klänge gehen dabei deutlich auseinander. Tatsache ist, dass Roland beim „Billig-Synthesizer“ wenig Bauteilselektion betrieb, so dass bereits jede TB-303 etwas anders klingt. Ausufernde Fachdiskussionen darüber, welche Bauteile, Besonderheiten der Spannungsversorgung usw. für den speziellen Klang der 303 verantwortlich zu machen sind, füllen diverse DIY-Foren im Internet.

Im Jahr 2013 erschien vom bis dahin unbekannten französischen Hersteller Cyclone Analogic der Bassbot TT-303, ein Gerät, das der Original-TB-303 nicht nur zum Verwechseln ähnlich sah, sondern auch recht authentisch klang. Die Rechtsabteilung des japanischen Roland-Konzerns nahm dies offensichtlich nicht klaglos hin – auch wenn Fans nach wie vor vergeblich auf eine analoge Neuauflage warten – so dass der Klon kurz darauf wieder vom Markt verschwand.

Nun präsentiert Cyclone Analogic also den Bassbot TT-303 in der Version V2, optisch in puncto Ähnlichkeit zum Original entschärft, aber weiterhin mit dem Anspruch authentischen Klangs.

Überblick

Der Cyclone Analogic TT-303 V2 wurde dem mitgelieferten Handbuch zufolge von Robotern in China gebaut. Anders als beim Original kommt also die platz- und kostensparende und heute allgemein verbreitete SMD-Technik zum Einsatz.

Der neue Bass Bot weicht bezüglich einer Reihe von Eigenschaften von seinem Vorgänger ab. Unter anderem wurde der Sequencer um  „Mute“- und „Hammer“-Funktionen erweitert und Einstellmöglichkeiten für Gate- und Slide-Zeit sowie Shuffle-Timings hinzugefügt.

Auf Batteriebetrieb wurde diesmal allerdings verzichtet – schade, bei einem so kleinen und handlichen Gerät eigentlich eine sinnvolle Sache.

Der Bass Bot wird mit einer praktischen verstärkten Tragetasche und einer stabilen durchsichtigen Kunststoffabdeckung geliefert. Die gedruckte, gut verständlich geschriebene Anleitung führt vorbildlich kapitelweise durch die auf den ersten Blick nicht gerade einfachen Bedienfunktionen – allerdings ausschließlich auf Englisch.

Im Lieferumfang befindet sich auch ein externes Netzteil mit ausreichend langem Anschlusskabel.

1 2 3 4 >

Klangbeispiele

  1. Profilbild
    mdesign ••

    das fehlen einer deutschen anleitung sollte heutzutage nicht mehtr als minus gelten. von einem hersteller, der weltweit verkauft, zu verlangen, für jeden sprachraum eigene anleitungen zu übersetzen und auch noch zu drucken, ist doch nicht wirklich nötig.

    eine gute (!) englische anleitung, bebildert, klar und einfach geschrieben, ist da mE sinnvoller. andernfalls findet man da idR doch nur wenig hilfreiche sätze à la ‚mit der shuffle-taste aktivieren sie die shuffle-funktion‘.

    • Profilbild
      Celador

      Die meisten Käufer hierzulande würden natürlich mit einer englischen Anleitung auskommen. Allerdings ist für fast alle Produktarten durch EU-Richtlinien geregelt, dass die Anleitung in der jeweiligen Amtssprache beigefügt werden muss. Es ist vom Herstller schon mutig, sich dieser Regelung zu widersetzen, da es immer mehr Kontrollen durch die Marktaufsichtsbehörde gibt und die Strafen immer empfindlicher werden.

      • Profilbild
        MichBeck

        Vielleicht sollte es mal zur EU-Richtlinie gehören, dass Hersteller verpflichtet werden, ihre Bedienungsanleitung als Videotutorials veröffentlichen zu müssen. Finde es immer spannender und einprägsamer, jemanden über die Schulter zu schauen.
        Zur TT-303 muss ich sagen, dass ich nicht mit dem Design der 2ten Edition und den Schwestermodellen TT-606 und TT-78 warm werde. Sieht irgendwie aus, wie meine Bundstift-Blechschachtel im Schubfach. ?

        • Profilbild
          sibbhold •••

          Finde auch, es hat was von einer Stiftdose. Oder einer Frühstücksdose. Und die könnten auch mal ihr Logo aus dem letzten Jahrtausend in die heutige Zeit bringen. Man sollte ja meinen, wenn der Sound stimmt, passt das schon. Aber irgendwie macht es mich so nicht an. Dann lieber der spartanisch industrielle Look der Acidlab Bassline :)
          Das Auge hört eben doch mit.

  2. Profilbild
    Christian's Sonic Spaces •••

    Diese EU-Richtlinie ist den meisten Herstellern ein Dorn im Auge, da es mit nicht unerheblichen zusätzlichen Kosten und Pflegeaufwand verbunden ist. Um das auszugleichen werden die Bedienungsanleitungen daher möglichst knapp gehalten. Eine umfangreiche englische Fassung ist mir aber lieber als eine möglichst kurz gehaltene deutsche Übersetzung.

  3. Profilbild
    justme

    Ein Beweis für die Überbürokratie der EU. Die Anleitung ist sehr gut gemacht (ich habe sie…). Weiter gibt´s heute zu fast allem endlose Youtube-Tutorials und etliche Foren. Möchte nicht wissen, wie teuer es für kleine Hersteller sein muß, Anleitungen in alle Sprachen der EU zu übersetzen und wie es sich auf die Produktpreise auswirken würde. Die Kiste ist´n bißchen ´ne Plastikdose (was echt stört, sind die zu kurzen Drehregler!) , klingt aber gut und der Sequenzer ist klasse, auch/gerade zum Ansteuern (mit Slide in CV…) anderer Klangerzeuger…

  4. Profilbild
    Shimanski Beats

    Das mit der Anleitung würde ich generell auch nicht als Minuspunkt werten, EU-Richtlinie hin oder her.
    Ich besitze den Vorgänger, dessen Verarbeitungsqualität etwas schwächer war. Mit dem Klang bin ich jedoch sehr zufrieden,und setze den Bassbot sehr gerne in meinen acidlastigen Live-jams ein.

    Das neue Design ist wie immer Geschmackssache, wichtiger ist die Haptik. Schade, wenn da Abstriche gemacht werden müssen.

  5. Profilbild
    thegreathawk

    Besitze das „Kästchen“ auch und muss sagen das es echt gut klingt!

    Der Sound ist sehr authentisch und druckvoll!

    Die Sequenzer Möglichkeiten sind echt ein Traum gegenüber der originalen TB-303.
    Leider gibts für mich doch ein paar Mankos :

    – der Power Schalter ist echt zu klein und direkt über den Netzteil Eingang… kaum zu schalten.

    -In der Produktbeschreibung wird angepriessen das man ALLE Parameter über CC Midi Befehle ansteuern kann, dem ist nicht so :

    Zitat : „- All the parameters are controllable via midi control change (Midi CC).“

    Und da kommen wir auch zum Schwachpunkt:
    Der Support!

    Eigentlich nicht vorhanden, leider. Entweder sind die Jungs da total überfordert mit den ganzen Mails oder man hat einfach kein Intresse am Kunden…. schade

    Unzählige Mails an den Support geschrieben aber kam nie was zurück.

    Apropos Settings auf PC/Mac speichern… schon ausprobiert?

    Es gibt bis Dato keine Software für die V2!!!

    Was bleibt ist ein sehr guter 303-Clone mit bitteren Beigeschmack

    • Profilbild
      rio

      Da ich nirgends im Netz ansatzweise ein Manual, geschweige Midi implementation chart zum Bassbot V2 finde … Welche **CCs** existieren denn, bzw. welche nicht?

  6. Profilbild
    Baltan444

    Hallo,
    Klingt die denn jetzt überhaupt anders als die erste TT303? Bzw. hat sich an den Spezifikationen was geändert?
    Einen deutlich aufgebohrten Sequenzer mit Arpeggiator und diversen Zufallsgeneratoren hatte die erste schon, das macht viel Spaß. Und die Verarbeitung war da auch schon keinesfalls schlechter als beim Original.

  7. Profilbild
    aszent

    Die neue TT ist wirklich sehr gut verarbeitet und vom Klang her sehr lebendig, ganz im Gegensatz zur Roland TB-03, deren Klang irgendwie steif klingt. Die erste Version der TT (im Orginal 303-Kleid) war sehr instabil was die Bedienelemente betrifft, das Ganze Gehäuse wirkte sehr billig. Die neue fühlt sich wirklich gut an. Schöner Synthesizer!

  8. Profilbild
    Stobbert

    Ich persönlich kann keinen der Minuspunkte nachvollziehen. Der Sound stimmt, der Sequenzer ist klasse, die CV/VCO Outs sind fürs Modularsystem spitze, die Optik bzw. Knöpfe sind Geschmackssache (da stört mich eher die Lage des Tune Potis neben dem Cutoff Regler – seit jeher ein Unding!), Anleitungen/Tutorials gibts bei YouTube (die englische Anleitung finde ich übrigens sehr gelungen) und Batteriebetrieb war für mich noch nie eine Option. Ich würde Sie uneingeschränkt empfehlen!

    Da fällt mir ein: Das mitgelieferte Cover kann man übrigens bei eingestöpselten Midi und Klinkenkabeln nicht vollständig aufsetzen. Scheint also lediglich ein Transportschutz, jedoch kein Staubschutz zu sein (was ich sehr praktisch fände).

  9. Profilbild
    MichBeck

    …natürlich gibt es genügend Videotutorials auf YouTube, aber eben erst nach ner gut verstrichenen Veröffentlichung des Gerätes und zumeist von Privatleuten. Wer da immer fix beim Kauf (kurz nach dem Release) ist, muss sich durch die trockene Anleitung durchkämpfen oder verfährt nach dem „Ich-schau-mal-was-passiert Prinzip“. So, jetzt aber Schluss mit diesem Thema! ?

Kommentar erstellen Kommentar erstellen Leser-Story erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.

Über den Autor

Bewertung

Cyclone Analogic TT-303 Bass Bot V2

Bewertung: 4 Sterne Bewertung des Autors
Leserbewertung: 5
Jetzt anmelden und dieses Produkt bewerten.

AMAZONA.de Charts

Aktion