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Test: Das Doepfer A-100 Eurorack wird polyphon

31. März 2021

Doepfer A-100 wird polyphon!

Ein vollständiges, polyphones Eurorack-System von Doepfer

Vorwort der Redaktion

Die Redaktion des Fachmagazins SynMag und AMAZONA.de sind eine Kooperation eingegangen, die vor allem den Lesern zugutekommen soll. Vor jeder neuen Ausgabe des SynMags erscheint einer der Beiträge aus dem neuen Heft auch auf AMAZONA.de.

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So könnt ihr den Artikel zum polyphonen Doepfer A-100 System auch in der SynMag-Ausgabe 84 finden, die es am Kiosk oder per Abo gibt – aber eben noch sehr viel mehr: Welche spannenden Themen ihr in der neuen SynMag Ausgabe 85 findet, haben wir am Ende aufgeführt.

An dieser Stelle ein herzlicher Dank an Andreas Michel (für Interview HIER klicken), Herausgeber des SynMag Magazins, und Autor Markus Horn, der den Doepfer Artikel verfasst hat.

Ich übergebe hiermit an Markus Horn.

Die Doepfer Module A-190-5, A-111-4, A-141-4, A-105-4 und A-132-8 im Test

Polyphonie im Modularsystem wird oft diskutiert und selten umgesetzt. Eigentlich schade, denn vor allem Doepfer liefert eine Reihe von Modulen, mit denen es problemlos möglich ist, vierstimmig polyphone Strukturen innerhalb der modularen Welt zu erzeugen. Im folgenden Testbericht stellen wir diese Module vor und gehen auch auf die vielfältigen musikalischen Einsatzmöglichkeiten ein. Ein kleiner Workshop dazu findet sich zudem in unserem englischsprachigen Sonderheft.

Konfiguration des polyphonen Doepfer-Systems

Unser Testsystem ist ausgestattet mit dem polyphonen MIDI-to-CV/Gate-Interface A-190-5. Über interne Flachbandkabel sind die CV-Ausgänge dieses Interfaces direkt verbunden mit den beiden Quad VCOs A-111-4, die uns bei einer vierstimmig polyphonen Konfiguration je zwei Oszillatoren pro Stimme liefern. Ebenfalls intern vorverkabelt sind die Gate-Ausgänge des A-190-5 mit den beiden Hüllkurven-Generatoren A-141-4. Einer davon ist intern mit dem Filtermodul A-105-4 verbunden zur Steuerung der Filtereckfrequenz, der andere mit dem Poly VCA A-132-8 zur Steuerung der Lautstärke. Auch die Audioausgänge des Filtermoduls A-105-4 sind bereits in die Eingänge des Poly VCA A-132-8 geführt. Durch diese interne Verkabelung spart man vier Multiples vom Typ A-180-2 und 36 Patchkabel ein, die man sonst bei der Planung des Systems berücksichtigen müsste. Die internen Verkabelungen lassen sich jederzeit unterbrechen, indem man die entsprechenden Eingänge der Module mit anderen Signalquellen verbindet. Von Hand patchen muss man die Audioausgänge der VCOs in die 4 Mischer-Module A-138n, deren Ausgänge dann wiederum mit den Eingängen des Filter-Moduls verbunden werden. Ein polyphones Mischer-Modul wäre hier sicher hilfreich. Laut Auskunft von Dieter Doepfer ist ein solches bereits in Planung.

Unser Testsystem verfügt außerdem mit den Modulen A-145-4 und A-147-2 über insgesamt fünf LFOs, die z. B. für Vibrato, Pulsbreitenmodulation, Modulation der Filterresonanz etc. verwendet werden können. Der Rauschgenerator A-118-2 rundet die Klangerzeugung ab. Mehrere Multiples A-180-2, der Dual VCA A-130-2 und der Dual Attenuator A-183-1 dienen zur Formung und Verteilung diverser Steuerspannungen. Der Mini-Stereomixer A-138n ermöglicht, die vier Stimmen aus dem Poly VCA A-132-8 im Stereo-Panorama zu verteilen. Ein Kopfhörer-Verstärker A-139-2 rundet die Ausstattung ab.

Die weiteren verbauten Module sind nicht zwingend erforderlich, um einen in sich geschlossenen vierstimmig polyphonen Modularsynthesizer zusammenzustellen. Sie dienen vielmehr als Beispiele, wie die polyphonen Module in einer spezifisch modularen Weise genutzt werden können, die so nicht mit einem fest verdrahteten polyphonen Synthesizer möglich wäre. So kann man beispielsweise die Gate-Signale statt vom MIDI-Interface A-190-5 vom Trigger-Sequencer A-157 nehmen oder zufällige Trigger-Muster mit dem Modul A-149-2 erzeugen. In der unteren Reihe unseres Testsystems sind dafür beide Möglichkeiten vorgesehen. Mit dem Quad-Switch A-182-2 kann man jedes Gate-Signal zusätzlich von Hand zwischen dem A-157 und dem A-149-2 umschalten.

Mit dem Adressed T&H/Switch A-152 lassen sich zufällige Steuerspannungen erzeugen, die ggf. zuvor mit dem Dual Quantizer A-156 quantisiert werden können.

In Planung ist bei Doepfer ein vierstimmiges CV-Modul A-149-4, das aber noch nicht fertig ist. Es wird zufällige CV-Signale erzeugen, die aber bestimmten Kriterien folgen, welche von Hand oder per Steuerspannung einstellbar sein werden (Oktav-Umfang, Auswahl bestimmter Töne usw.). Man wird dann in Verbindung mit dem Modul A-149-2 sowohl zufällige Gate-Signale wie auch zufällige Steuerspannungen erzeugen können, mit denen man die polyphonen Module füttern kann.

Wie das Ganze klingt, könnt ihr vorab schon einmal hier hören:

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Die polyphonen Eurorack-Module im Einzelnen

Doepfer A-190-5 MIDI-to-CV/Gate-Interface

Das MIDI-to-CV/Gate-Interface A-190-5 bietet verschiedene Modi für monophone Verwendung auf vier Kanälen, vierfaches Unisono auf einem Kanal, zweifaches Unisono auf zwei Kanälen, vierstimmige Polyphonie auf einem Kanal oder zweistimmige Polyphonie auf zwei Kanälen. Hieraus ergibt sich eine Fülle von Anwendungen. So kann man etwa aus der DAW oder einem externen MIDI-Sequencer vier vollkommen unabhängige monophone Stimmen steuern oder mit dem MIDI-Keyboard mächtige Unisono-Sounds spielen. Der Haupteinsatzzweck wird aber natürlich vierstimmig polyphones Spiel in Verbindung mit den hier vorgestellten polyphonen Modulen sein. Die Stimmenverteilung im polyphonen Modus erfolgt dabei so, dass der erste gegriffene Ton immer Stimme 1 zugewiesen wird, der zweite gegriffene Ton Stimme 2 usw. Spielt man z. B. zweistimmig, so werden also immer nur die ersten beiden Stimmen verwendet. Erst wenn man einen dritten Ton gleichzeitig greift, wird Stimme 3 aktiviert. Einen Round-Robin-Modus, bei dem die Stimmen grundsätzlich rotierend nacheinander zugewiesen werden, gibt es leider noch nicht, ist laut Auskunft von Christian Assall, dem Entwickler des A-190-5, aber für das nächste Software-Update in Planung. Neben Gate und CV-Note stellt das A-190-5 für jede Stimme zwei weitere Steuerspannungen zur Verfügung. CV-2 ist dabei für Velocity reserviert, CV-3 lässt sich beliebigen MIDI-Controllern bzw. monophonem Aftertouch zuordnen.

Doepfer A-111-4 Quad Precision VCOs

Der Quad Precision VCO A-111-4 stellt vier VCOs in einem Modul zur Verfügung. Es gibt individuelle Eingänge für die Tonhöhensteuerung und die Modulation sowie einen gemeinsamen Eingang für die Tonhöhensteuerung und exponentielle Frequenzmodulation. Letzteren Eingang kann man sehr gut für Vibrato nutzen. Die Steuerspannung, die am Modulations-Eingang anliegt, lässt sich pro Oszillator zwischen exponentieller Frequenzmodulation und Pulsbreitenmodulation umschalten. Sofern man das mit den internen Jumpern wählt, ist statt der Pulsbreitenmodulation auch lineare Frequenzmodulation möglich. Jeder Oszillator bietet einen Oktav-Wahlschalter, einen Tune-Regler, einen Regler zur Einstellung der Modulationsstärke, Ausgänge für Dreieck, Sägezahn und Rechteck sowie einen Sync-Eingang.

Zwar sind die einzelnen Oszillatoren nach einer gewissen Aufwärmzeit wirklich sehr stimmstabil, aber stimmen muss man sie halt dennoch ab und zu. Dies wird dadurch, dass das A-190-5 keinen Round-Robin-Modus hat, man die vier Stimmen also nicht nacheinander durchsteppen kann, nicht gerade erleichtert. Man kann den Unisono-Modus des A-190-5 wählen und dann einzeln an den Mischer-Modulen die Stimmen nacheinander auf- und abdrehen. Das ist allerdings umständlich. Oder man kann versuchen, vierstimmige Akkorde auf einmal nach Gehör zu stimmen. Auch das ist nicht ganz einfach. Wer schon einmal eine zwölfsaitige Gitarre gestimmt hat, weiß ungefähr, auf welches Gefühl er sich einstellen muss. Eine Hilfe ist, dass man den Stimmbereich des Tune-Reglers durch interne Jumper beeinflussen kann zwischen der vollen Frequenz-Bandbreite, ca. einer Oktave und ca. +/- einem Halbton. Letztere Variante würde ich bevorzugen für polyphone Anwendungen, denn je feiner der Regler „auflöst“, desto einfacher geht das Stimmen von der Hand.

Der Klang der Oszillatoren ist kräftig und einfach gut – wer einen A-111-2 oder A-111-3 kennt, wird wissen, was zu erwarten ist. Das hier ist der gleiche Klang, nur vierfach bzw. achtfach, wenn man zwei A-111-4 einsetzt.

Natürlich ist das Modul keineswegs auf polyphone Anwendungen begrenzt. Es eignet sich z. B. auch als ultrafetter vierfacher Unisono-Oszillator oder für Experimente mit analoger FM-Synthese.

Doepfer A-141-4 Quad Poly VCADSR

Der Quad Poly VCADSR A-141-4 ist mit gemeinsamen Reglern für Attack, Decay, Sustain und Release ausgestattet sowie mit gemeinsamen Steuereingängen für alle vier Komponenten der Hüllkurven und entsprechenden Abschwächern. Pro Stimme sind ein Gate-Eingang und ein Ausgang vorhanden – letztere werden beim Testsystem nicht verwendet, da sie schon durch Flachbandkabel intern vorverkabelt sind. Die Regler haben jeweils einen sinnvollen, musikalisch gut einsetzbaren Regelbereich, der von sehr kurzen Attack-, Decay- und Release-Zeiten bis zu langen Zeiten eigentlich alles bietet. Zudem sind sie erfreulicherweise ja modulierbar, was man in fest verdrahteten Synthesizern leider viel zu selten findet und eine ganze Reihe musikalischer Möglichkeiten eröffnet wie z. B. die Abhängigkeit der Attack-Zeit von Velocity oder rhythmische Variationen der Decay-Zeit.

Doepfer A-105-4 Quad Poly SSI VCF

Das Quad Poly SSI VCF A-105-4 ist ein vierfaches 24-dB-Tiefpassfilter. Es basiert auf dem SSM2044/SSI2144-Chip. Inwieweit dieser identisch ist mit dem früher im Korg Mono/Poly und Polysix verbauten, kann ich nicht beurteilen, aber der Klangcharakter geht für meine Ohren schon in diese Richtung: sehr kultiviert mit einer großen Bandbreite von weichem bis kräftigem Klang, sehr angenehmem Resonanzverhalten und – sehr flexibel einsetzbar, da man Frequenz, Frequenzmodulation (in dem Fall durch die vorverkabelten Hüllkurven aus dem A-141-4), Resonanz und Level einstellen und jeweils auch noch einmal über eine eigene Steuerspannung mit Abschwächer modulieren kann. Es handelt sich somit um ein sehr feines, kleines Modul, das sich (wie auch die anderen hier vorgestellten Module) sicher nicht nur für den Aufbau eines polyphonen Synthesizers eignet, sondern z. B. auch für stereophonische oder quadrophonische Anwendungen, bei denen mehrere Audiosignale mit gleichen Einstellungen gefiltert werden sollen.

Doepfer VCA A-132-8 Octal Poly VCA

Der Octal Poly VCA A-132-8 schließlich bietet zwei hintereinander geschaltete VCAs für jede der vier Stimmen. Es gibt einen gemeinsamen Default-Gain-Regler für den jeweils ersten VCA und einen für den jeweils zweiten VCA. In unserem Testsystem ist ein A-141-4 intern vorverkabelt, der den ersten VCA steuert. An den zweiten VCA könnte man z. B. Velocity vom A-190-5 als Steuerspannung anlegen, einen LFO für einen Tremolo-Effekt anschließen oder Ähnliches. Was soll man zu einem VCA-Modul Weiteres sagen? Es funktioniert.

Weitere Eurorack-Module des polyphonen Systems

Den Rahmen dieses Artikels würde es sicherlich sprengen, auf jedes weitere Modul unseres Testsystems detailliert einzugehen. Aber ein paar Worte zu dem einen oder anderen Modul möchte ich doch noch verlieren.

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Sehr gut gefällt mir der Quad LFO A-145-4. Der Frequenzbereich jedes einzelnen der vier LFOs lässt sich durch interne Jumper zwischen ca. 50 Hz bis 0,1 Hz (ca. 10 Sekunden) und ca. 2 Hz bis 0,004 Hz (ca. 3–4 Minuten) wählen. Man kann sich also z. B. ein Set aus zwei „normalen“ und zwei extrem langsamen LFOs zusammenstellen. Und LFOs kann man nie genug haben. Der VCDLFO A-147 eignet sich besonders gut, um ein Vibrato zu patchen, das mit einer kleinen Zeitverzögerung einfliegt, wie man es z. B. von alten Roland-Synthesizern kennt. Die Narrow Mixer A-138n erfüllen ihren Zweck – aber für die polyphone Anwendung würde ich auf den zweiten Blick trotzdem eher die Interrupting Mixer A-138i einsetzen, damit man einzelne Stimmen einfach an- und abschalten kann, zumindest solange es noch kein polyphones Mischermodul gibt. Generell gefallen mir alle diese neuen Slimline-Module sehr gut mit der Anordnung der Patch-Buchsen unterhalb der Regler. Sie lassen sich trotz ihrer geringen Größe sehr gut bedienen und die etwas kleineren Poti-Kappen empfinde ich nicht als gravierenden Nachteil.

Mit den Modulen A-157-1/2/3 und A-149-1/2 sind eine so große Fülle spannender Einsatzmöglichkeiten denkbar, dass sie mit Sicherheit das Herz jedes eingefleischten Modularsynth-Enthusiasten höher schlagen lassen, insbesondere dann, wenn man viel mit „automatisch spielenden“ Sequenzen arbeitet sowie mit polyrhythmischen Strukturen und diese dann durch zufällige Elemente bereichern möchte.

Nicht vergessen sollte man bei der Zusammenstellung eines polyphonen Systems, nein, eigentlich bei der Zusammenstellung jedes Modularsystems, dass man ausreichend Hilfsmodule wie den Dual VCA A-130-2, den Dual Attenuator A-183-1 und genügend Multiples A-180-2 einplant. Letztere sind insbesondere dann sehr wichtig, wenn man auf die interne Verkabelung der polyphonen Module mit Flachbandkabeln verzichten möchte und mehr als einen A-111-4 bzw. A-141-4 im Einsatz hat.

Kennern des A-100 werde ich nichts Neues erzählen, wenn ich abschließend darauf hinweise, dass sämtliche Module einen äußerst soliden Eindruck machen. Die Potiachsen sind mit den Frontplatten verschraubt, die Regler bieten allesamt einen angenehmen Widerstand und die Taster einen klaren Druckpunkt. Die Schalter sitzen fest, es wackelt nichts. Somit ist die Verarbeitungsqualität durch die Bank als sehr gut zu bezeichnen.

Wozu nun Polyphonie im Modularsystem?

Zweifelsohne bedeutet es einen hohen Aufwand, einen vierstimmig polyphonen Synthesizer im Modularsystem aufzubauen. Warum sollte man sich diese Mühe machen, wenn es doch eine reichhaltige Auswahl polyphoner Synthesizer gibt, die speicherbar sind und zudem preisgünstig? Hierfür kann es vielfältige Gründe geben. Ein wichtiger Punkt ist der Klang. VCOs klingen nun einmal doch etwas anders als DCOs oder digitale Oszillatoren. Gute polyphone Synthesizer mit VCOs gibt es aber gar nicht so viele auf dem Markt. Die, die es gibt – man denke an den Sequential Prophet-5 oder den Oberheim OB-6 – sind meist teuer und die Synthese-Möglichkeiten sind aufgrund der festen Verdrahtung begrenzt. Verhältnismäßig preisgünstig wäre der MFB Synth Pro, aber seine Oszillatoren sind verglichen mit dem Doepfer A-111-4 sehr instabil hinsichtlich der Intonation. Ein Vermona Perfourmer ließe sich noch nennen, aber dort müssen die Parameter aller Stimmen einzeln eingestellt werden, nicht nur für die VCOs, sondern auch für die Hüllkurve, das Filter und den VCA. Und auch hier entsprechen die Modulations- und Synthese-Möglichkeiten bei Weitem nicht denen unseres Testsystems.

Der zweite Punkt ist der Workflow: Modulationen, für die man sich bei digitalen Synthesizern meist durch eine Modulationsmatrix und damit durch irgendwelche Menüs hindurcharbeiten muss, hat man hier in Nullkommanichts gesteckt und von Hand eingestellt. Das macht Freude und geht extrem flüssig von der Hand, sofern man weiß, was man tut. Anfängern würde man wohl eher nicht zu dieser Arbeitsweise raten, aber als erfahrener Synthesizer-Nutzer wird man die Unmittelbarkeit und Einfachheit des Patchens zu schätzen wissen. Man kann nichts speichern, das kann als Nachteil gesehen werden, ebenso gut aber als kreative Chance. Statt sich mit der Suche nach geeigneten Presets aufzuhalten oder den Versuch zu unternehmen, das selbst Erschaffene für die Ewigkeit zu sichern, muss man eben direkt aufnehmen, wenn man ein Patch erstellt hat. Danach die Patchkabel wieder raus, auf zum nächsten Sound, und damit auch auf zum nächsten musikalischen Part innerhalb eines Arrangements.

Ein weiterer Punkt ist die riesige Zahl von Patch-Möglichkeiten, die sich mit einem solchen System ergeben. Man kann die VCOs leicht gegeneinander verstimmen, jede Stimme mit einer anderen LFO-Frequenz modulieren (zum Beispiel hinsichtlich der Pulsbreite), die Stimmen im Stereo-Panorama verteilen oder im Panorama wandern lassen. Man kann die Hüllkurven-Parameter modulieren und überhaupt die unterschiedlichsten Modulationsquellen nach Belieben formen und mischen und damit höchst lebendige Klangstrukturen erzeugen. Sequencer wie der A-157-1 lassen sich unter anderem dazu verwenden, Akkorde polyrhythmisch zu „zerhacken“. Zufallskomponenten können Akkorde transponieren, Einfluss auf die Zusammensetzung der Akkorde nehmen oder deren rhythmische Abfolge beeinflussen.

Nicht zuletzt kann man jedes einzelne Modul des Systems auch für eine Fülle anderer Zwecke verwenden als nur rein dafür, einen vierstimmig polyphonen Synthesizer zusammenzustellen. Der langen Rede kurzer Sinn: Auch bei den polyphonen Modulen zeigt sich der grundsätzliche Vorteil aller Modularsysteme. Solche Systeme sind vollkommen offen. Der Phantasie des Anwenders sind keine Grenzen gesetzt – außer vielleicht durch den eigenen Geldbeutel in Form noch fehlender Module, die man gerne hätte, diese sich aber (noch) nicht leisten kann.

Zum Autor dieses Artikels: Markus Horn

Von klassischer Gitarre über E-Gitarre zum Synthesizer – ich fühle mich in den Bereichen Indie, Rock, Electro und Klassik zuhause. Seit meinem 16. Lebensjahr gebe ich Gitarrenstunden und unterrichte heute die Fächer Deutsch und Musik an einer Realschule. Für das SynMag bin ich seit 2017 als Autor tätig.

In der neuen SynMag-Ausgabe 85 findet ihr außerdem:

Der Artikel zu den polyphonen Modulen von Doepfer ist im SynMag 84 erschienen. Die Ausgabe 85 erscheint am 30.03.2021 und enthält u. a. folgende Themen:

  • Korg opsix FM-Synthesizer
  • Korg SQ-64 Sequencer
  • Quadrophonie: Shakmat / Eurorack – Mit vier Kanälen arbeiten
  • Arturia Vintage Collection 8
  • GEMA lohnt sich doch

Wer wieder mal Lust hat, ein echtes Printmagazin in Händen zu halten, kann dieses übrigens auch direkt auf der Website von SynMag kaufen oder abonnieren.

Doepfer A-100 polyphon on YouTube

Hör einen schönen Beitrag von Musotalk. Dieter Doepfer im persönlichen Gespräch über seine neuen polyphonen Eurorack-Module:

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Und dieser Beitrag ist eine echte Empfehlung für Einsteiger. Jörg Riewenherm erklärt sehr anschaulich die ersten sinnvollen Patches an einem Doepfer A-100 System:

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Fazit

Mit den polyphonen Modulen von Doepfer zu arbeiten, hat mir sehr große Freude gemacht. Selten ist es mir so schwergefallen, mich von einem Testgerät wieder trennen zu müssen. Die Module zeichnen sich durch große musikalische Praxistauglichkeit aus. Sie sind angesichts ihrer hohen Verarbeitungsqualität und ihrer vielfältigen Möglichkeiten als preiswert zu bezeichnen und vor allem klingen sie gut.

Plus

  • sehr guter Klang
  • extrem viele Modulationsmöglichkeiten
  • hohe Verarbeitungsqualität

Preis

  • A-190-5: 299,- Euro
  • A-111-4: 389,- Euro
  • A-141-4: 160,- Euro
  • A-105-4: 199,- Euro
  • A-132-8: 159,- Euro
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Forum
  1. Profilbild
    raizen

    Je nach Version der Module auch mit ein bisschen löten, kann man die 5 Module recht weit intern verkabeln. So sieht es bei mir dann fertig aus:
    https://www.rusche.ch/wp-content/uploads/2021/03/IMG_9414.jpg

    Auf der Rückseite verbunden sind:
    A190-5 -> A-141-4
    A190-5 -> A-111-4
    A141-4 -> A-105-4
    A105-4 -> A-132-8

    Diese Verkabelung nutzt VC2 und VC3 des Moduls A-190-5 nicht, „tönt“ aber schon.

    • Profilbild
      Horn

      Hallo raizen,
      vielen Dank für den Hinweis. Ich denke, dass ich darauf in meinem Artikel ja auch eingegangen bin. Es gibt allerdings noch mehr Möglichkeiten als die von mir beschriebenen. So könnte man z.B. auch die Sägezähne oder die Pulsschwingungen als Default intern direkt zwischen A-111-4 und A-105-4 verkabeln. (Macht allerdings keinen Sinn, wenn man mehr als einen A-111-4 einsetzt.)
      Sofern man nicht Module aus der allerersten Marge hat, muss man dafür übrigens nicht löten, da seit der zweiten Marge schon ganz viele entsprechenden Steckverbindungen intern vorbereitet sind.
      Die Dokumentation dazu auf der Webseite von Doepfer ist zudem sehr gut und ausführlich.
      LG
      Markus Horn

      • Profilbild
        raizen

        Ja, Markus, das ist im Bericht gut beschrieben, danke!
        Ich habe von allen Modulen die ersten Versionen und musste beim VCO und ADSR löten, ging gut und ist auf der Website von Doepfer – wie Du sagst – auch gut beschrieben.
        Mehr Mühe hatte ich beim VCA: da muss man zwar nicht löten, aber der Stecker für den Audio Input liegt – bei Version 1 – zwischen Panel und Platine (https://www.rusche.ch/wp-content/uploads/2021/04/IMG_9415.jpg) und so muss man man das Panel entfernen. Tönt erstmal einfach, aber dafür das richtige Werkzeug zu finden war gar nicht so trivial.

  2. Profilbild
    Synthie-Fire  AHU

    Wunder mich ein bissle über die Überschrift…
    wird jetzt polyphon. Quad VCA, Quad VCO und Quad ADSR,Quad LFO gab es schon 2012…
    Hab ich aber alle wieder rausgeworfen..wenn ich überlege wie unterschiedlich die VCOs beim stimmen waren …(über eine 1/4 Umdrehung der Potis unterschiedlich)….. dann hab ich lieber einzelne die auch noch besser klingen ;-).
    Hoffe einfach mal das die Heutzutage besser sind…

    • Profilbild
      chardt  

      Der „Quad-VCO “ von 2012 war AFAIK eher ein „Quad-LFO, der auch VCO kann“. Der A 111-4 hat 4x 3340 an Bord, das ist ganz was anderes.

  3. Profilbild
    paap narF ZK  

    Ist das nicht sauteuer im vergleich zum mono-system? ein direkter vergleich wäre nice.

    btw
    deutsch und musik als unterrichtsfach? fehlt nur noch mathe^^

    man sollte dir die tapferkeitsmedaille verleihen^^. samt lohnverdoppelung jedes jahr ;D

    • Profilbild
      chardt  

      Geteilt durch vier Stimmen sind die Module eher billig: 1800 Euro für die Vollausstattung mit 2x VCO und 2x ADSR je Stimme (plus MIDI-CV-Wandlung) ergibt pro Stimme 450€ – das zahlst Du anderswo für ein Modul, und selbst beim Behringer wird es knapp, dafür eine volle Stimme zu bekommen. (Eurorack-Rahmen jeweils nicht mitgerechnet.)

      Und auch im Vergleich zu „normalen“ Poly-Synths wie Prophets oder OB-6 sieht der Preis jetzt nicht so extrem aus. Aber wenn Du es natürlich mit einem Minilogue vergleichst …

      • Profilbild
        paap narF ZK  

        ne ne, das war schon als direktvergleich zwischen modularsystemen gefragt. pro stimme gerechnet ist schon ok.
        ich würde da jedenfalls das – dezent im rahmen verbleibende – mehr an geld investieren, bevor ich überhaupt in ein modulares monosystem investiere. allerdings hab ich ja nichtmal das geld fürs monosystem mal so eben locker sitzen:D. und monosynth flasht mich jetzt ehrlich gesagt nicht so wirklich, um da das dicke geld auszugeben.

  4. Profilbild
    Synthie-Fire  AHU

    …ist ja gut das nach 9 Jahren was besseres auf den Markt kommt und dennoch war es damals schon für Polyphonie angedacht.
    War auch klasse solche Module zu bekommen.
    Für mich war es aber unverständlich, wie man 4 Osszilatoren (egal ob Audio- oder Low-Frequenz ) in einem Modul verbauen kann und mit so unterschiedlichen Werten an Bauteilen zu bestücken, ohne diese mit engeren Toleranzen zu verwenden.

    Aber selber bin ich wieder weg von Polyphonie im Modularsystem, da man schneller neue Ideen in einer Stimme ändern kann, als in mehreren Stimmen.

    So oder so:
    Happy Patching an alle ;-)

  5. Profilbild
    llIIllIlIIIlllIIllI  

    Ich sehe schon bei meinem Modularsystem die Knöpfe vor lauter Kabeln nicht mehr. Wenn ich mir vorstelle das noch mit vier mal so vielen Kabeln vor mir zu haben wird mir ganz schwindelig!

    • Profilbild
      Horn

      Du brauchst ja – wie im Artikel beschrieben und oben von raizen noch mal besonders erwähnt – für eine Standard-Konfiguration überhaupt keine sichtbaren Kabel, da sich alles mit Hilfe interner Flachbandkabel lösen lässt. Demnächst dann auch mit 2 VCOs pro Stimme, sobald es das polyphone Mischer-Modul gibt.
      Abgesehen davon befinden sich die Patchbuchsen bei den neueren polyphonen Modulen (also allen außer dem A-111-4, das es schon eine Weile länger gibt) unterhalb der Regler, sodass bei geschickter Platzierung im Rack die Kabel nicht die Regler verdecken.

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