Test: Dexibell Combo J7, Digital Organ

31. Januar 2018

Stage Organ en vogue

Dexibell Combo J7

Während der Musikmesse Frankfurt 2017 hatte ich die Dexibell Combo J7 auf dem Dexibell Stand kurz gesehen und angespielt, man gab mir auch ein Infoblatt dazu. Es ist eine Stage Organ hieß es und die hat motorisierte Drawbars. Schau an, dachte ich mir, das klingt ja mal interessant.

Und nun steht das Instrument vor mir, es hört auf den Namen Dexibell Combo J7 Digital Organ. In diesem Markt tummelt sich so einiges von Hammond-Suzuki über Clavia Nord bis Crumar Mojo und Vox by Korg und vieles davon ist auch richtig brauchbar. Daher muss die Combo J7 wohl etwas Besonderes zu bieten haben, um Aufmerksamkeit zu erregen. Und genau so ist es.

Dexibell Combo J7 Artikel Intro

Werfen wir einen Blick aufs Äußere

Man hat sich bei der Dexibell Combo J7 für einen eigenwilligen Look entschieden, so ganz im charmanten Papyrusweiß mit blauem Panel plus 73er Wasserfall-Tastatur und dem seitlichen Abschluss mit dunklen Holzwangen – das fällt durchaus auf unter den sonst oft roten, schwarzen und silbernen Instrumenten. Übersichtlich und aufgeräumt zeigt sich das Bedienfeld, deren Regler und Taster angenehm groß und gut ablesbar beschriftet sind. Und die gewählten Begrifflichkeiten sind zudem weitgehend selbsterklärend. In der Mitte ist ein eher kleines beleuchtetes Display, wir werden an späterer Stelle herausfinden, ob das so seinen Zweck erfüllen kann.

Dexibell Combo J7 seitlich Holzwangen 2

Und was steckt unter der Haube?

Ein Tongenerator mit der T2L Sampling und Modeling-Technik und ihren 320 Oszillatoren für Vollpolyphonie. Diese stellt in der Dexibell Combo J7 mehrere Orgelmodelle bereit: zwei Tone-Wheel-Typen sowie je eine Farf, VX und Pipe. Dexibell positioniert sich so nicht direkt als Hersteller einer geklonten Hammond, man hört jedoch anhand der Modelle und Presets auf Anhieb deutlich, wohin die Klangreise geht. Auch dass Farf wohl für Farfisa Compact und VX für Vox Continental steht. Und Pipe ist das Modell für eine Kirchenorgel mit richtigen Pfeifen. Es gibt noch die beiden User 1 und User 2 Modelle und hier schickt uns der Hersteller auf seine Website zur Download-Sektion.

Der Fokus liegt also bei der Dexibell Combo J7 zunächst auf den beiden Tone-Wheel-Modellen, diese klingen sehr Richtung Vintage Hammond, was keine Überraschung ist. Das ist nun mal der Steinway und Minimoog unter den Orgeln und klarer Fall für Benchmark. Jedoch, Leute mit ein bisschen Erfahrung auf diesem Sektor wissen oft sehr genau um der Details, die das gewisse Extra einer solchen Orgel ausmachen. Diese sind vielfältig und genau an die hat sich Dexibell rangemacht. Abgesehen von den wesentlichen Merkmalen wie 9 Drawbars, die hier Draw-Fader heißen, mehrere Vibrato-Typen, Overdrive, Rotary-Speaker und Reverb, gibt es noch einen ganzen Schwung einzelner Nuancen, in denen sich Instrumente und deren Soundsysteme der Vintage-Ära unterscheiden. Bauart- und zustandsbedingt klingen nämlich Instrumente A und B, obwohl gleiche Modelle, nie wirklich gleich. Und exakt diese wichtigen Kleinigkeiten kann man bei der Combo J7 unter dem Menüpunkt Tonewheel Parameter auf seine persönlichen Ideale hin trimmen. Sie heißen hier Leakage, Hum Noise, Click On und Off Noise, Perc. Manual und neben einigen weiteren auch Rotary Noise, was Sie in einem der Audio-Tracks besonders gut hören können. Meine Tests damit führten recht schnell zu genau den Resultaten, die mir so vorschweben. Dabei ist die Range ziemlich breit aufgestellt, man kann das von brav und gepflegt bis nass, rotzig und verbraucht haben, ganz nach Gusto.

Dexibell Combo J7

Dexibell Combo J7 Organ Section Audio FX

Edit Funktionen gibt’s auch für die wichtigen Effekte

Mit jeweils angemessener Parameterliste werden Vibrato, Rotary Speaker, Overdrive und Reverb so angepasst, dass es einem komplett so richtig zusagt. Was auch notwendig ist, denn die Factory-Presets sind zwar durchaus ordentlich zusammengestellt, aber mir gefielen gerade die Effekte meistens nicht auf Anhieb. Da war mal Rotary Speaker Fast Speed viel zu schnell für meinen Geschmack, dafür die Abbremsgeschwindigkeit zu langsam. Solche Korrekturen waren in meinem Fall auch bei Overdrive notwendig, den fand ich viel zu aufdringlich und auch nicht wirklich wie ein Röhrenamp klingend. Da man aber ohne große Mühe an allen diesen Stellschrauben drehen kann, lässt sich das, zumindest mit ein bisschen Geduld, sehr schön feinabstimmen und schon stimmt das. Man merkt dabei, dass Dexibel zu diesem Zweck sämtliche Parameter und Basismodelle wie z.B. beim Reverb genau auf die Verwendung mit Orgel und anderen Keyboardsounds zugeschnitten hat.

Neben den zugehörigen Tastern, die auf dem Panel direkt erreichbar sind, ist das Display der Dexibell Combo J7 die Kommunikationszentrale. Sämtliche Parameter sind auf schnell erreichbaren Pages untergebracht und das Erlernen des Bediensystems geht, learning by doing, sehr rasch vonstatten. Ob man den eingebauten Rotary-Speaker-Effekt mag, kommt auf jeden selber an. Der ist zwar ganz ok, jedoch nicht der echte Stoff, also werden Puristen wohl auf ein externes wie NeoVentilator II oder EHX Lester K zurückgreifen, vielleicht sogar ein richtiges Rotary-Speaker-Cabinet bevorzugen. Die Reverb-Modelle sind durchweg gelungen, es gibt immerhin 24 verschiedene zur Auswahl. Von Concert Hall über Arena und Room bis zu Venue und Spring und deren Einstelloptionen sind einwandfrei. Mit den Vibrato Modellen dagegen wurde ich nicht so richtig warm, obwohl die Auswahl von V1, C1, V2, C2, V3, C3 grundsätzlich dem üblichen Besteck entspricht. Es jammert irgendwie nicht wirklich delikat. Im Gegensatz zu den anderen Effekten gibt’s hier leider keine Möglichkeit, Hand anzulegen.

Der Factory Content

… liefert eine ordentliche Menge an Presets und bedient dabei sowohl verschiedenste musikalische Stilrichtungen als auch typische Drawbar-Settings bekannter Organisten. Und an dieser Stelle kommen die motorisierten sogenannten Draw-Fader ins Spiel.

Dexibell Combo J7 DrawFader

Nicht nur, dass die bei Anwahl eines Presets sämtlich auf Position fahren, man kann obendrein beim Wechsel von einem zum nächsten Preset deren Morphing aktivieren und dabei definieren, wie lange dieser Vorgang dauert. Dies ist automatisch oder per Pedal möglich. Die Morphing-Fahrt verläuft auch erstaunlich seidig und Abstufungen sind kaum zu hören. Damit Sie das nachvollziehen können, gibt’s in der Playlist einen kurzen Track mit mehreren Presets, die nacheinander gemorpht sind. Motorisierung und Morphing, das ist gegenüber herkömmlichen Systemen eine komplett neue Welt und sehr komfortabel. Und: Es gibt noch die Full-Funktion, dann fahren die Drawbars auf Maximum, sowie Cancel, das entspricht einem Fade-Out – und das alles auf simplen Knopfdruck. Beides hören Sie am Ende des Audio Tracks. Cooler Nebenjob: Die Draw-Fader funktionieren auch als MIDI-Controls CC16 bis CC31 und CC84 bis CC90.

Die über 100 Preset-Speicherplätze onboard dürften noch für jeden Gig ausreichen, jedoch gibt es natürlich insgesamt so viele Drawbar-Settings samt Effect- und Amp-Kombinationen, etwa typische von Steve Winwood und Santana Keyboarder Tom Coster bis Bo Hansson und Klaus Wunderlich, die man dann per USB-Stick (Buchse rückwärtig) archivieren und ebenfalls direkt aufrufen kann. Unterm Strich macht die Tone Wheel Model Section durchweg eine richtig gute Figur in der Dexibell Combo J7.

Nicht viel anders geht in den Sections Farf, VX und Pipe zu. Die Draw-Fader sind bei dem Transistormodell Farf für die Register zuständig, im Falle VX für deren Drawbars. Bei Pipe regelt man damit die Pfeifen. Von Farfisa gab es in den 60er und 70er Jahren einige Instrumente, die recht häufig in Pop und Schlager zu hören war, darunter auch die Compact- und VIP-Modelle. Die Combo J7 liefert den typischen Sound dieser Orgeln. Ähnliches gilt für das VX-Modell, das sich offensichtlich die Vox Continental zum Vorbild genommen hat. Deren Klangcharakter hat so manchen Song der Doors wesentlich geprägt. Bei Pipe findet man unter den Draw-Fadern typische Begriffe wie Bourdon 16’, Principal 16’, Vox Humana 8’ und Cornet V, aufgeteilt für Upper, Lower und Pedal sind es insgesamt 16 Pfeifen. Alle drei Model-Sektionen klingen echt gut und ähneln den Originalen zumindest, selbst ohne die an dieser Stelle einen direkten Vergleich antreten zu lassen. Auch hier sind es die Effekte, mit denen man die Basissounds entsprechend wirkungsvoll veredeln kann.

Klangbeispiele
Forum
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    Son of MooG  AHU

    Die motorisierten Draw-Fader mit Morphing-Funktion sind schon eine feine Sache. Wenn man diese dann noch für MIDI-CCs selbst konfigurieren kann, wäre das noch feiner.

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      costello  RED

      Leider stimmt das. Und ausgerechnet die Orgel gehört nicht zu den Stärken des Kurzweil. Aber die Farfisa kriegt Dexibell ganz überzeugend hin, finde ich.

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        k.rausch  RED

        Vielleicht noch ein paar andere Demos anhören für ein klares Bild. Die Combo J7 stand hier im Test neben der Hammond-Suzuki SK1 und Nord Stage 2 und liegt mit beiden klanglich mindestens gleich auf, in einigen Details ist sie besser. Übertroffen wird die J7 von der neuen Hammond-Suzuki XK5 und vielleicht auch der Uhl und die Mojo liegt ebenfalls einen Tick drüber. Meine eigenen Ideale sind Vintage B3 und M3, und innerhalb dieser Range macht die J7 klanglich vor Ort eine super Figur. Schwachpunkt Rotary Speaker spielt bei den Audio Tracks sicherlich eine Rolle. Und da ist vorstellbar, dass der Hersteller bei einem OS Update nachlegt.

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        Organist007  

        Sooo schlecht ist der KB 3 Modus des Kurzweil auch wieder nicht. ich spiele mit dem Kurzweil Artis ganz gerne. okay, nord electro ist mir bei orgeln auch deutlicher lieber oder voce micro b in Verbindung mit einem BURN pedal.
        was ich aber wirklich suche und bisher nicht fündig geworden bin ist eine gute Simulation einer farfisa compact (wenn möglich mit integriertem binson echo..;)
        nord electro bietet da zu wenig einstellungsmöglichkeiten, vielleicht sollte ich einmal ARTURIA als Softwarelösung probieren. Und die „neue“ Vox Continental von KORG finde ich grottenschlecht, obwohl sie geil aussieht.Wenn es eine gute Simulation einer Farfisa Compact (duo) als hardwarelösung gäbe, würde ich sie kaufen – auch ohne zusätzliche sounds wie e-pianoetc.
        also BEHRINGER: baut doch bitte einen clone der farfisa compact, bitte!!!

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          costello  RED

          Nun ist die Tastatur beim großen Kurzweil für’s Orgelspiel ohnehin nicht so gut geeignet. Ich habe aber vor allem immer das Gefühl, die Klänge würden nicht unmittelbar umgesetzt. Also als ob ich quasi mit Latenz spielen würde. Vielleicht ist es auch die Leslie-Simulation, die mir nicht gut gefällt. Jedenfalls bin ich mit den Resultaten des Creamware B3000, gespielt über eine leichte Yamaha Mox 6-Tastatur, sehr viel zufriedener.

  2. Profilbild
    Organist007  

    weshalb gibt es nur so wenige Videos auf YouTube etc. ??
    nur professionelle Werbevideos Ralf schink und der Italiener, aber keine private user ?

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