Test: E&S DJR 400 Rotary Mixer

14. Mai 2020

Der DJ-Mixer für die wahre Elite?

E&S DJR 400

E&S DJR 400

Mühsam ernährt sich unser Eichhörnchen im Rotary-Mixer-Bereich. Die neuste Nuss zum Testen hier im Hause heißt E&S DJR 400.
Neu? Nur für uns zum Testen, denn der E&S DJR 400 ist vor über 10 Jahren entwickelt worden. Dieser Rotary Mixer ist ein absoluter Klassiker, sein Alter sieht man ihm jedoch nicht an. Und würde er neben Modellen stehen, die in den letzten Jahren entwickelt und gebaut worden sind, es würde nicht auffallen. Spricht das nun eigentlich für die Nische der Dreh-Mixer? Whatever, wen juckt das schon. Ich habe hier einen E&S DJR-400 stehen zum Spielen, die philosophischen Fragen beantworte ich, wenn ich alt und weise bin.

Ein Grund, warum ich mich darüber freue ist, dass die Liste der Rotary-Mixer, die wir schon getestet haben, immer länger wird, die Modelle, die noch „offen“ sind, jedoch immer schwieriger zu finden sind. Werft doch mal einen Blick in unsere Rotary-Mixer-Charts, da sind schon so einige drin verhaftet.
Einige Dreh-Mischer sind gar nicht mehr zu bekommen, andere sind made on request, Wartezeiten stehen dann nicht vorhanden Testgeräten gegenüber. So sind es dann Bekannte, Kollegen oder auch bis dato Unbekannte, die freundlicherweise aushelfen und uns ein Gerät zur Verfügung stellen. Mein spezieller Dank heute geht an Just von Ahlefeld, meinen Hamburger DJ-Kollegen, Musik-Enthusiasten, Label-Gründer und Betreiber des gleichnamigen Record-Shops Smallville Records im Hamburger Schanzenviertel, am Lattenplatz. Wenn ihr mal in Hamburg seid…geht dort vorbei und oder werft einen Blick in den Label-Katalog mit Releases von den Smallpeoples selbst, Move D, Moomin oder Sven Tasnadi. Genug Werbung, Danke Just!

E&S DJR 400 Test

Ein Blick auf den E&S DJR 400

E&S DJR-400 – ein Klassiker unter den Rotary-Mixern

Gebaut wird der 4-Kanal-Mixer in Frankreich von Jérôme Barbé. Entwickelt wurde der Mixer in Zusammenarbeit mit DJ Deep, einer House-Legende aus Frankreich. Die Idee hinter dem Mixer ist geboren aus eigener Notwendigkeit, der Grund für vielleicht die besten Entwicklungen im Musikbereich. Nicht an jedem Ort waren und sind Rotary-Mixer verfügbar, am wenigsten noch der, den man gern spielen würde. Gleichzeitig ist Reisen mit einem eigenen Mixer nicht immer angenehm, die wenigsten schaffen es in eine Liga, in der die Entourage das Equipment trägt. So wurde die Idee gefasst, einen Rotary-Mixer zu bauen, der den Wünschen von DJ Deep genügt und zugleich reisetauglich ist. Davon gibt es heute sicher den einen oder anderen mehr, aber wohlgemerkt, der DJR 400 wird seit über 10 Jahren gebaut!

Entstanden ist das Modell DJR 400, später auch der DJR 200 als 2-Kanal-Version.

Wie so oft bei Drehern, gibt es unterschiedliche Varianten oder „orderbare Besonderheiten“, dazu später mehr. Ist auch nicht viel, versprochen.

Unser heutiger Gast ist der E&S DJR 400 FX Version, in der Version mit Send- und Return-Weg(en), aber hey ja, den gibt es auch ohne, als „simple version“ mit einem Master-Insert (so zumindest entsprechend des Blockdiagramms der simple version).

Der Mixer kommt mit den Maßen von 31 x 24 x 9 cm daher. Die Seiten sind verkleidet mit Holz, auch dies ist gegen Zusatzkosten „buchbar“.

Aber fangen wir wirklich mal vorne an, ich plapper schon wieder über Besonderheiten. Vier Kanäle mit einem 2-Band EQ, Level-Regler und Cue-Taste. Dazu ein Master-Isolator mit drei Bändern, Master- und Booth-Level, Metering und ein Level-Regler für den Kopfhörerausgang. Das ist die Oberseite, kurz und knapp.

E&S DJR 400 Rotary Mixer

Vier große Potikappen für die Level-Regler

Was dem aufmerksamen Leser jetzt schon auffällt sind die von mir nicht erwähnten Regler für die Sends. Schuldig. Die findet man an der Front neben einem Cue/Mix-Regler.

Das ist die Folge von den kompakten Maßen, es ist nicht für alle Sonderwünsche Platz an der Oberseite. Aber der Cue/Mix-Regler …? Auch der ist optional und so kann man auch einen Mixer bauen lassen, an dessen Front man keine Regler findet – nur den 6,3 mm Klinkenausgang.

Wer den Send findet, sucht den Return. Zeit für die Rückseite. Hier finden wir die Eingänge der vier Kanäle in Cinch-Format. Dabei gibt es nicht straight Phono- und Line-Eingang für jeden der vier Kanäle, nein auch hier kann ein wenig gewählt werden. Zumindest zwischen zwei Varianten.

E&S DJR 400 Review

Spannender als die Front: Die Rückseite des DJR 400

Kanal 1: Line und Phono, ein kleiner Druckschalter neben den Eingängen lässt wählen. Kanal 2: In dieser Variante so wie das Original: Phono. Wahlweise gibt es diesen Eingang aber auch als Line-Input. Aber, es gibt nur entweder oder. Kanal 3 bietet dann wieder Line- und Phono-Eingang, erneut mit Druckschalter. Kanal 4 ist dann die Singularität in Eingangsform: Line. Immer. Nicht wählbar. Nicht umschaltbar. Line.

Neben diesen Eingängen geht die Reihe der Cinch-Buchsen weiter. Hier finden wir den Send-Weg ausgehend und den Return hineingehend, zudem einen Master- wie auch einen Booth-Out. Ungewöhnlich als Cinch-Form zugegeben, parallel nutzbar allerdings und somit im Zweifel auch als Rec-Out missbrauchbar. Dann aber Finger weg von den Level-Reglern während der Aufnahme. Man mag es vermuten, ja, einen Rec-Out gibt es nicht.

Das ist natürlich nicht alles, Master- wie auch Booth-Out sind als XLR-Ausgänge zu finden, symmetrisch, Master wie auch Booth.

E&S DJR 400 Test

Power rein und Audio raus!

Großartig finde ich im Manual den Hinweis (zwei Mal zu finden), dass man diese Ausgänge auf keinen Fall anschließen soll an den Main-Mixer / FoH-Mixer an Kanäle, an denen die Phantomspeisung anliegt. Man denkt das sei normal. Ich habe anderes erlebt, hier auf dem Tisch mit einem XONE:96, dessen Outputs „irgendwie“ nicht mehr funktionieren bis hin zu Bühnen im UK inmitten von mannshohem Monitoring für Green Velvet und Amelie Lens. Da kannste mal sehen, wie schnell der Tourmanager von Amelie die liebe Lady da wegzerren kann, wenn es das erste Mal richtig geknallt hat.

Ein Drehregler fällt ein wenig ins Auge, der ein wenig deplatziert über den Eingängen des Kanal 1 liegt, so in Mitten des Namens. Wofür dieser ist, das Geheimnis wird später gelüftet.

Der E&S DJR 400 wird durch ein externes Netzteil mit Strom versorgt, dafür gibt es auf der Rückseite einen vierpoligen Anschluss samt Arretierung, wie man es von XLR-Steckern kennt.

Der Rotary-Mixer in der Praxis

Vier Kanäle und übersichtliche Gestaltung, da kann ja eigentlich nichts schiefgehen. Beim Anschluss der Zuspieler sollte man sich jedoch die Rückseite kurz einprägen, denn die ist nicht so ganz logisch aufgebaut. Denn während die Eingänge für Kanal 1 (Phono und Line) nebeneinander liegen mit einem Umschalter für den Eingang neben den vier Buchsen, befindet sich der Umschalter für den Kanal drei nicht neben den vier Buchsen (was man denken könnte), sondern zwischen den beiden Buchsenpaaren. Das sollte man spätestens dann beachten, wenn man den Mixer vor sich stehend anschließt und die Beschriftung demnach nicht lesen kann.
Man könnte da rein vom visuellen Eindruck her Kombination erwarten wie Kanal 1 und Kanal 4 haben jeweils Phono- und Line-Eingänge mit Schaltern daneben, 2 und 3 sind dann nur Phono. Oder ähnlich. Da dieser Mixer jedoch nicht „einfach so“ hingestellt werden wird, wird sich ebenso sicher niemand „einfach so“ verkabeln. Außer mir natürlich, der erstmal auf „Versuch macht klug“ gesteckt hat.

Das einmal korrigiert wird der E&S DJR 400 korrekt mit Signalen versorgt und das Spielen kann losgehen. Wer schon einmal einen Mixer zum Drehen hatte, der wird mit dem E&S DJR 400 direkt loslegen können, ist er doch eigentlich sehr klassisch.

Die Kopfhörer-Sektion zum Vorhören teilt sich auf die Ober- und Vorderseite. Oben befinden sich in jedem Kanalzug Druckschalter zum Auswählen des Kanals zum Vorhören, ebenso der Lautstärkeregler. An der Front findet sich dann der Cue-/Mix-Regler – den der Just hier für seine Künstler mit einer weißen Potikappe versehen hat.

E&S DJR 400 Rotary Mixer

Vorn geht es raus für den Kopfhörer

Jeder Kanalzug besitzt einen 2-Band-EQ mit einer maximalen Absenkung von 12 dB und gleicher Anhebung. Die Crossover-Frequenz zwischen diesen beiden liegt bei 800 Hz, das Low-Band agiert also im Bereich von 20 bis 800 Hz, das Band „Treble“ beginnend bei 800 Hz bis 25 kHz.

Wohlgemerkt, der Frequenzgang soll von 10 Hz bis 25 kHz bei maximal +/- 1 dB liegen!

Die Kombination von Level-Regler zum Drehen und einem EQ, der kein Full-Kill besitzt, ist hier ein schönes Zusammenspiel, welches auch andere Wege des Mixing notwendig werden lässt. Der reine Mix über den EQ oder Filter ist unmöglich, der Mix kommt also gezwungenermaßen geschmeidiger aus der Mischung von Pegel und Frequenzen.

Ein Grund dafür ist auch, dass die EQ Potikappen einen verhältnismäßig großen Durchmesser haben (im Vergleich zu klassischen Linefader-Mixern, nicht im Vergleich zu anderen Rotary-Mixern), dabei aber aufgrund der Größe des Mixers nah beieinander stehen. Das sorgt dafür, dass der klassische DJ-Griff mit showtechnisch wirkungsvoll angewinkelten Armen quasi nicht stattfinden kann, ebenso wenig das ostentative Schrauben an Potis. Es ist eher ein zaghaftes Drehen mit Fingerspitzen und schon deswegen besonnener als beim Hick-Hack-Bass-Raus-Bass-Rein-Spiel.

E&S DJR 400 Rotary Mixer

Die EQ-Kappen. Funktionell aber nah bei einander

Dafür gibt es ja den Isolator, aber auch hier gilt rein haptisch: Massives Gedrehe ist hier nicht. Dazu gleich mehr.

Ein Wort zum Metering, denn das sollte getan werden. Eine Reihe LEDs an der Oberseite sind Master-Metering wie auch Cue-Metering zugleich. 10 LEDs, zwei orange, eine rot und keine Beschriftung.

Nun, wie gesagt, diese sind Master-Metering wie auch Cue-Metering zugleich, das heißt ohne gedrückte Cue-Taste zeigt das Metering das Master-Level an, mit gedrückter/n Cue-Taste(n), zeigen die LEDs den Pegel der ausgewählten Kanalzüge an.

Die den LEDs entsprechenden Werte gibt es im Manual nachzulesen. Dabei gibt es zu beachten, dass man bereits bei der vierten grünen LED 0 dB, erreicht. Bis +6 dBm bleiben die LEDs grün, zwei orange reichen zeigen dann +10 und + 12 dBm an, rot wird es ab +14 dBm. Was heißt das nun für uns? Nun, ausgehend vom visuellen 0 Wert (also von dort noch 3 grüne LEDs „Luft nach oben“, haben wir 20 dB Headroom, der genutzt werden kann, bevor wir in das analoge Clipping kommen würden. Folglich ist das Aufleuchten der  roten LED noch kein Anzeichen für das Übersteuern, sondern ab dieser sind noch 6 dBm Headroom. Dies heißt nun aber keinesfalls, dass man diesen nutzen sollten – dieser sollte als Puffer bleiben, denn spätestens im Mix wird man diesen brauchen.

Je nach Zuspieler wird man eh unweigerlich in den orangen Bereich peaken, je nach Track und Kompression wird man bei +6 / +10 dBm liegen eingangsseitig. Zwei Tracks aufaddiert, EQ flat und den Level-Regler der Kanäle voll aufgedreht landen wir dann auch mal im Bereich von +14 dBm und mehr, sicher aber noch im Bereich des Headrooms.

E&S DJR 400

Eine Erklärung zum Thema Metering

Dazu ist dann noch zu sagen, dass der Hersteller empfiehlt, den Level-Regler des Kanals nicht unbedingt weiter als bis zum Wert 8 zu drehen. Da gibt genügend Headroom für leisere Tracks, lässt aber auch zugleich noch genügend Headroom nach oben. Hält man sich wiederum daran, wird man mit zwei summierten Tracks trotz EQ flat hinsichtlich des Master-Meterings noch im grünen Bereich befinden und dabei weit entfernt von Sorgen über Übersteuerung. Spielt man nun Ping-Pong von einem CD-Player wie einem Pioneer CDJ zu Vinyl, dann wird man sich ein wenig anpassen müssen und mit dem Level-Regler den bestehenden Pegel-Unterschied ausgleichen müssen. Aber hey, that’s what it’s all about bei Rotary-Mixern. Am Ende entscheidet das Ohr, kein Metering, auch wenn dieses hier natürlich ein wenig hilft. Ohne Gain jedoch liegt am Level-Regler, hier die Balance zu finden.

E&S DJR 400 Rotary

Master-Level und Booth-Level auf der rechten Seiten

Herzstück Master-Isolator

Einen rein entsprechend der Menge fast überdimensionierten Platz nimmt auf der Oberfläche der Master-Isolator am E&S DJR 400 ein. Umgeben von genügend Platz befinden sich hier die drei großen Regler für die drei Bänder.

E&S DJR 400 Review

Ein Blick auf den Master Isolator

Auffällig ist hier direkt schon haptisch, dass die Regler sich nicht wie meist von 7 bis 5 Uhr drehen lassen, sondern lediglich von 9 bis 3 Uhr. Das ist zugegeben ungewohnt, man möchte eigentlich weiter drehen, zumindest nach unten hin wird man regelrecht gestoppt bei der 9 und 3 Uhr Position.

Ein Blick in das Manual hilft um zu erfahren, dass hier mechanische Sperren sitzen. Trotz des kurzen Weges der 90 Grad Drehung bewegt man sich mit dem Master-Isolator von Unity Gain zu Full Kill, also einer vollen Absenkung in allen drei Bänder. Entsprechend schnell und hörbar agiert der Isolator auch bei Bewegung des Reglers, der übrigens keine Mittenrasterung hat. Gerade beim Bass-Band ist es also geraten zu schauen, dass dieser Regler nicht leicht im absenkenden Bereich hängen bleibt aus Versehen.

Nach oben hin sind 12 dB Anhebung machbar, + 6 dB erreichen wir bei 45 Grad, 12 dB folglich bei 90 Grad.

Die drei Bänder liegen in den Bereichen 20 Hz bis 300 Hz, 300 Hz bis 4000 Hz und 4000 Hz bis 20 kHz.

Der Isolator klingt sehr sauber, sehr klar, wenig bis gar nicht färbend. Der Bassbereich mit Full-Kill und nur 90 Grad „Drehspielraum“ ist noch schneller aus dem Klangbild entfernt als bei den Mixern, die die 150 Grad bieten, also bis 7 Uhr. Hinsichtlich der Anhebung muss man dort unweigerlich aufpassen, denn auf den 90 Grad sitzen 12 dB Anhebung verteilt und die knallen im Bassbereich ganz massiv rein. Das sollte auf keinen Fall auf einer Club-Anlage aus Versehen mal dem Publikum (und der PA) antun. Vorteil aber: Hat der Track zu wenig unten rum, kann man mehr als solide nachhelfen.

Nicht anders sieht es mit den Mitten aus, die in der Anhebung schnell mal auch unangenehme Frequenzen pushen können – das aber liegt dann am Track und nicht am Isolator. Nach unten kann der Track natürlich schnell mumpfig klingen, wenn man die Mitten killt. Man sollte also auch hier im Hinterkopf behalten, dass hier auf der Viertel-Drehung der gesamte Frequenzbereich erledigt wird. Nach oben hin können die eine ganze Menge und Klarheit in den Mix bringen und nachhelfen, wenn der Track von sich aus mumpfig klingt.

Das hohe Frequenzband ist dann der Spielbereich für die Hats, Shaker und Co. Aber auch da gilt, plus 12 dB sind eine Menge!

„Best sounding mixer“,

… sagt zumindest Frank Wiedemann, besser bekannt als die eine Hälfte von Âme, „Best sounding mixer I ever heard and played with, should be standard in every club!“ Ähnlich äußert sich auch Kerri Chandler, „Jerome Barbe‘ pays attention to every part and sonic detail …This is an instrument for the truly elite.“ Diese und einige weitere Zitate findet man auf der Homepage des Herstellers unter der Rubrik „Customer & Friends“.

Klanglich ist der E&S DJR 400 ohne Frage Oberliga. Der DJR 400 klingt unaufgeregt mit einer umwerfenden Klarheit über das gesamte Frequenzband. Ausgeglichen, ausgewogen und doch mit der Wärme einer analogen, audiophilen Maschine. Ich kann verstehen, dass viele diesen Mixer spielen und wünschen. Der E&S DJR 400 ist neben einigen anderen Rotary-Mixern wie einer Condesa Carmen oder Lucia oder auch einem Mixer aus dem Hause MasterSounds bereits in seiner Grundform ein klangliches Mittel. Ein Punkt, der neben Funktionen und Haptik bei vielen Mixern in den Hintergrund rückt, hier sich jedoch in seiner Urform zeigt.

Send- und Return-Weg: Einbindung von Effekten

Wie bereits erwähnt, nicht jede Version besitzt einen Send- und Return-Weg, dieses Modell hier jedoch schon. Das kommt mir natürlich sehr zu Gute, denn kein Set wird ohne mein geliebtes Eventide Delay gespielt.

Jeder Kanalzug verfügt über einen Send-Regler, mit dem das Signal anteilig zum Send-Weg gesendet werden kann, post Fader und pre Master-Isolator wohlgemerkt. Diese sitzen, wie schon erwähnt, an der Front. Ein Griff an die Front eines Mixers ist in der Tat immer etwas ungewöhnlich. Es fühlt sich an, als würde man eine große Machine bedienen, mit Reglern an der Front. Regler, die Großes bewirken. In diesem Fall bewirken diese, dass ich ein Teil meines Signals in eine Effekt-Schleife senden kann.

E&S DJR 400 Rotary Mixer

An der Front finden sich die Sends in jedem Kanalzug

An der Front geht es raus, auf der Rückseite kommt es zurück – zumindest hinsichtlich der Regler. Damit lösen wir das kleine Rätsel um den einen leicht verloren wirkendes Poti auf der Rückseite. Dieser ist der Regler für das Effekt-Return-Level. Das zurückkehrende Signal wird nach dem Return-Level direkt auf das Master-Signal gesendet und verlässt dann mit Zwischenstopp beim Master-Level den Mixer.

E&S DJR 400 Rotary Mixer

Wir lösen das Rätsel: Der kleine Regler ist das Return-Level

Da der Return-Level auf der Rückseite sitzt, empfehle ich dies vorher einzustellen und dann nur noch über den Send zu arbeiten. Je nach Intensität kann/muss man noch ein wenig am Kanal-Level regeln, denn die beiden Signale werden vor dem Master summiert. Dies kommt aber auch auf das Effekt-Gerät an – ob es ein volles Signal mit Delay ausgibt oder ein Kill-Dry-Signal.

Qualität und Haptik des E&S DJR 400

Mit oder ohne Holz and den Seiten, der E&S DJR 400 macht haptisch eine sehr gute Figur. Die kompakte Größe, die damals das Ziel war, ist heute gar nicht mehr so untypisch. Die Bauweise mit einem Metallgehäuse und soliden Potis lässt den Rotary-Mixer stabil erscheinen.

Haptisch ein sehr schöner Mixer, Abzüge gibt es nur für die eng beieinander liegenden EQ-Potis. Das ist nichts für Wurstfinger. Da wäre es vielleicht sinnvoll gewesen, den großen Freiraum um Master- und Booth-Level-Regler ein wenig zu nutzen und die Kanalzüge breiter zu gestalten, Platz wäre gewesen. Aber es ist ein „wäre“, beziehungsweise ein „ich hätte es so gemacht“.

Ansonsten? Ja gut, für den Send- und Return-Weg hätte ich mir Klinknbuchsen gewünscht, aber da das Signal eh unsymmetrisch gesendet wird, ist das auch eher eine Befindlichkeit als ein realer Qualitätsunterschied. Klinke-Cinch-Kabel gibt es ja zu kaufen, also alles kein Problem.

Man merkt, ich suche Kritikpunkte? So will ich es nicht unbedingt ausdrücken, es ist vielleicht eher so, dass ich mich schwer tue, hier einfach zu schreiben, dass der E&S DJR 400 qualitativ wie haptisch wirklich die 99 % kratzt und ich eigentlich nichts zu bemängeln habe.

Die Potikappen fühlen sich toll an, die Potis selbst sind zum Großteil aus dem Hause ALPS. An den Level-Reglern und dem Master-Isolator wie auch den Level-Reglern sitzen die RK27 / Blue Velvet. Die RK27 sind die Klassiker unter den Potis für hochwertige Mixer, Synthesizer und Co, schon seit Jahren und sicher auch noch für Jahre.

Auf der Rückseite finden wir Neutrik Buchsen verbaut für den Stromanschluss ebenso für die XLR-Outs, mit je zwei Schrauben verschraubt. Die Cinch-Buchsen sind im Vierer-Block jeweils verschraubt und dürften somit auch über viele Jahre und Reisen schadensfrei ihren Dienst verrichten.

E&S DJR 400 Rotary Mixer

Optional: Die Holz-Verkleidung an den Seiten

Fazit

Der E&S DJR 400 gehört bereits zur alten Garde der Rotary-Mixer auf dem Markt und hat sich sein Standing über mehr als ein Jahrzehnt verdient erarbeitet. Er ist eine Institution neben Mixern wie von Bozak oder UREI, ein Klassiker, dem sicher jeder DJ Respekt zollen würde. Mit der Idee als kompakter Travel-Mixer identifiziert sich sicherlich nicht mehr jeder Nutzer heute, denn Verarbeitung und Klang überwiegen diesen Punkt noch um ein Weites und ist der DJR 400 an vielen Orten der Welt zum festen Bestandteil von DJ-Setups geworden.

In der Ausstattung eher minimal, durch kleine Modifikationen an eigene Wünsche anpassbar, überzeugt dieser Mixer durch gradlinige Formung durch DJ Deep und den Erbauer Jerôme Barbe. Stilsicher könnte man sagen, denn einige der „Einschränkungen“, zum Beispiel die mechanischen Sperren am Isolator sind Stilmittel und Formung der Nutzung und des Klanges, keine Schikane der DJs.

Klanglich ganz weit oben, da platziert sich dieser Mixer, hinsichtlich der Funktionen liegt es am Ende an jedem DJ selbst, was er braucht, mag und möchte.

Preislich liegen wir im Bereich von rund 1650,- Euro für das Grundmodell (+ 20 % UsSt.), Seitenteile und Cue-Optionen kosten rund 80,- Euro jeweils. Die „FX“-Version, also mit Send- und Return-Weg schlägt dann circa mit weiteren 200,- Euro zu Buche. Die Version wie hier getestet kostet also aktuell 1930,- € plus 20 % UsSt. – außer, man hat ein Gewerbe mit EU-ID-Nummer.

Plus

  • Klangqualität
  • Verarbeitungsqualität
  • 3-Band Master-Isolator mit (zugegeben ungewöhnlichen mechanischen Sperren)
  • kompakte Maße
  • leichte Modifikationen (gegen Aufpreis) möglich (z. B. Send-/ Return-Weg)
  • & nicht zuletzt der E&S DJR 400 ist ein Klassiker – damals wie heute

Preis

  • Auf Anfrage beim Hersteller! Aktuelle Info wie folgt:
  • Simple Version: 1650,- € (+ 20 % UsSt.)
  • FX-Version (wie hier im Test): + 200,- € (+ 20 % UsSt.)
  • Holzverkleidung: + 80,- € (+ 20 % UsSt.)
  • Cue-Mix: + 80,- € (+ 20 % UsSt.)
  • LEDs neben den Cue-Tastern: + 80,- € (+ 20 % UsSt.)
  • Rec-Out mit -10 dB anstelle von Booth-Out (Cinch): Kostenfrei
  • Kanal 2 Line: Kostenfrei
  • Im Vergleich dazu der DRJ 200 als 2-Kanal Version:
  • Grundpreis: 1200,- € - bis auf die Holzseitenteile sind alle oben genannten Optionen kostenfrei erhältlich, die Holzseitenteile liegen bei 70,- €.
Forum
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      ctrotzkowski  

      :-) vielleicht ist im Titel des Testberichts ja auch ein „h“ zuviel: Ich fände „Der DJ-Mixer für die Ware Elite“ passender :-)

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      Bolle  RED

      Das ist ja in der Tat gerade bei Rotarys so eine Geschichte…da ist weniger Funktion = Purismus, Konzentration auf minimalistische Steuerungen, oder ein 2-Band EQ ist ein Stilmittel, welches ein 3-Band EQ vielleicht nicht so bieten könnte.
      Das mag sogar alles sein. Mag ja sogar sein, dass jemand sagt: „Also mit 2 Bändern und den und den Crossover-Frequenzen ist das genau mein Sound und das ginge mit 3 Bändern so nicht“. Ich mein, DJM-Nutzer sagen ja auch gern, dass 4-Bänder wie am XONE für sie zu viel ist.

      Es ist das alte Spiel, man kann alles auch als Vorteil verkaufen. Klanglich ist der E&S echt ein Highlight, kann ich zugeben. Ob man am Ende natürlich bereit ist für 5% mehr Klangerlebnis einen x % höheren Preis zu zahlen…zum Glück muss ich die Entscheidung nicht treffen. Hätte ich zu viel Geld…ich würde mir einen kaufen…und eine Condesa…und einen MasterSounds :)

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    DJ Ronny  

    Ja mit zu viel Geld, hätte ich sie wohl alle, in meinen viel zu großen Haus.
    So bin ich mit meinem Denon MC 7000 und seinen super Klang zufrieden. Da rauscht nichts, da zerrt nichts und unter Verwendung von Flac-Dateien und der entsprechenden DJ Software gibt es auch keine Tropout im Mastertempo.
    Vielleicht schaffe ich es ja doch einmal mir den Rane MP 2015 zu leisten. Aber das wäre dann wirklich für mein Ego.

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      Bolle  RED

      Maaahh..der ist aber auch wiederum echt ein schöner Mixer…ich hatte auch kurz überlegt. Vor allem, weil auch funktionell mit Effektwegen und so. Aber die Realität sagt im Moment 96, 92 und TRM-202MK3.
      Irgendwann..also irgendwan…wenn ich alt bin…und im Wohnzimmer echt einen guten Spot zum Hören habe…dann kauf ich mir eine Condesa Lucia oder so…und dann echt nur zum Hören.

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        DJ Ronny  

        Ja Bolle, alt habe ich schon erreicht. Der 96 ist ja auch ein geiles Teil.
        Der Spruch ist nicht von mir, aber stimmt.
        Wer keine Träume und Ziele mehr hat ist schon Tod. Also träumen wir weiter und arbeiten auf unsere Ziele hin.

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          Bolle  RED

          So machen wir das. Spruch zurück: Man ist immer so alt, wie man sich fühlt. Heute fühle ich mich sehr alt. Ich werde daher mal einen Plattenspieler reparieren, so ganz bequem zu hause auf dem Stuhl :)

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    DJ Ronny  

    Ist doch als Frage gestellt! Und was definiert Elite? Ich bin DJ weil’s mir Spaß macht. Das ich damit auch gut Geld verdienen kann, ist ein schöner Nebeneffekt. Weil mir zur Zeit die Veranstaltungen fehlen und ich DJ sein brauche, gibt es mich ab und zu im Internet zu hören und das für Minus den Gema geht auch weiter.

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