Test: HK Audio Polar 10 Säulensystem

5. März 2020

Ein Musterschüler in Preis und Leistung

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Man könnte den Eindruck gewinnen, die Säulen-PA hätte jeglichen anderen Beschallungsformen komplett den Rang abgelaufen. Nicht ein etablierter Hersteller, der nicht sein Portfolio in den letzten Jahren um eine oder mehrere Komponenten dieser Systemklasse erweitert hätte. Als einer der Letzten hat nunmehr auch HK Audio mit dem HK Audio Polar 10 Säulensystem nachgezogen und liefert mit interessanten Eckdaten bei einem moderaten Preis auf den ersten Blick jede Menge Kaufargumente für den ambitionierten Kunden. Mal sehen, wie der zweite Blick ausfällt.

 

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HK Audio Polar 10 Front

Die Konstruktion der HK Audio Polar 10

Für knapp 700,- Euro erhält man mit der HK Audio Polar 10 ca. 2000 Watt Peak-Leistung, die aus einem 10 Zoll Subwoofer, sechs Stück 3 Zoll Mittenlautsprechern und einem 1 Zoll Hochtöner generiert werden. Laut Herstellerangaben wird ein Frequenzspektrum von 38 Hz bis 20.000 Hz abgedeckt, bei einem Abstrahlwinkel von 120 Grad.

Das Komplettsystem besteht aus insgesamt drei Elementen, wobei eine der beiden Säulenelemente ein reines Leergehäuse (Firmenbezeichnung „Spacer“) und lediglich als Distanzstange mit Durchleitung des Signals zu den Mittel- bzw. Hochtöner(n) (Firmenbezeichnung „Top“) dient. Anders ausgedrückt, um das System auf Bodenhöhe in Ohrhöhe der Zuhörer zu bringen, verwendet man den Spacer, befindet sich das System bereits exponiert auf einer erhöhten Bühne, verbindet man das Oberteil der Säulen per Stecksystem direkt mit dem Woofer. Mit den Abmessungen Top/Spacer: 10,8 x 82,5 x 9,8 cm (B x H x T) und einem Gewicht von 3,9 kg (Top) und 2 kg (Spacer) sind die beiden Säulenelemente leicht zu transportieren. Optisch haben beide Elemente ohnehin ein identisches Erscheinungsbild.

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HK Audio Polar 10 Rückseite

Im Woofer-Gehäuse, das mit den Abmessungen 366 x 625 x 541 mm (B x H x T) und einem Gewicht von 21 kg schon sehr kräftig in einer schwarzen Birkenmultiplex-Ausführung ist, befindet sich wie gewohnt auch die gesamte DSP-Abteilung inkl. Mixer und Endstufe. Setzt man alle Elemente zusammen, hat das System entsprechend eine Höhe von 2,13 m und ein Gewicht von knapp 27 kg, ohne Spacer entsprechend hat das System eine Höhe von ca. 1,35 m.

Wie bereits erwähnt, befindet sich die gesamte Elektronik im Unterteil der HK Audio Polar 10. Rückseitig befindet sich der Kaltgerätestecker nebst Kühlkörper und sämtliche Anschlüsse des Systems. Die Übergangsfrequenz zwischen Bass- und Mitteltöner liegt bei 180 Hz, was den vergleichsweise kleinen Mitteltönern eine Menge Richtung Tiefmitten abverlangt, der ewigen Achillesferse der Säulensysteme. Ich bin jetzt schon sehr auf den Praxisteil gespannt, zumal HK Audio explizit auf die Lösung dieses Problems hinweist.

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HK Audio Polar 10 Tieftöner

Der Mixerbereich des Systems gestaltet sich vergleichsweise einfach. Kanal 1 und 2 werden über eine Kombibuchse (XLR/TRS) versorgt und können mit einem Schieberegler in der Eingangsempfindlichkeit vorjustiert werden. Ein kleiner Lautstärkeregler entscheidet über die Endlautstärke. Kanal 3 ist für hochohmige Instrumente ausgelegt und verfügt ebenfalls über einen Lautstärkeregler. Kanal 4 ist als Stereokanal ausgelegt und regelt die Lautstärke für den Bluetooth-Empfänger oder aber die des RCA-Eingangs. Die Bluetooth-Version ist 5.0 und soll eine Reichweite bis zu 50 m haben.

Über einen XLR-Ausgang können die anliegenden Signale im Daisy-Chain-Verfahren an weitere Verstärkersysteme durchgeschleift werden. Als Abschluss befindet sich noch ein separater Lautstärkeregler des Subwoofers auf dem Mixerpanel, der neben einer Standard 0 dB Regelung auch einen Boost von bis zu 10 dB zulässt. Zum Schluss haben wir noch einen Mastervolume-Regler für das gesamte System.

Ein kleines, aber gut ablesbares Display, informiert über die wichtigsten Systempunkte wie Limiter Einsatz bei Übersteuerung und Bluetooth-Verwendung. Zudem verfügt das System über einen 3-Band-EQ (Bass 70 Hz, +/-12 dB, Höhen 12 kHz, +/-12 dB, Mitten semiparametrisch von 70 Hz – 12 kHz, +/- 2 dB) und drei Modi im Abstrahlbereich mit den Bezeichnungen Music, Voice und DJ. Zusätzlich kann man das System als Delay-Tower mit einer Entfernung von bis zu 100 m betreiben. Alle Einstellungen können auf bis zu fünf Presets gespeichert werden.

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HK Audio Polar 10 Bedienungspanel

In der Praxis

Von einer Säulen-PA erwartet man vieles, was bei anderen Systemen weniger ins Gewicht fällt. Insbesondere die Kombination aus leichter Transportabilität, unaufdringlicher Optik und überlegenem Abstrahlverhalten hat das Prinzip in der letzten Zeit zu einem Kassenschlager der ersten Kategorie werden lassen. Bei der HK Audio Polar 10 werden die o. g. Punkte auf den ersten Eindruck zweifelsohne erfüllt. Das Zerlegen des Systems dauert Sekunden und auch der Transport der einzelnen Einheiten gestaltet sich problemlos, vorausgesetzt, man verfügt über die Kraft, den Woofer mit seinen 21 kg zu bewegen, was sich aber aufgrund der praxisgerechten Griffmulden problemlos gestaltet.

In Sachen Optik gelingt den Saarländern ein wahrlich dezentes Erscheinungsbild, was auch im privaten Gartenfest Umfeld die Gäste nicht verschreckt, sondern eher als modernes Kunstelement wahrgenommen wird. Viele Tonexperten vergessen gerne, dass gerade bei dezenter Hintergrundbeschallung die Optik bei privaten Events teilweise wichtiger ist als der Klang. Das Konzept gefällt, die Verarbeitung ist sehr gut, der zu verwendende Kabelaufwand aufgrund der internen Verbindungsschienen minimal.

Überhaupt hinterlassen gerade die Steckschienen einen sehr guten Eindruck. Die Verbindungen sind verwindungssteif, massiv ausgelegt und lassen sich auch im Halbdunkeln einer spärlich ausgeleuchteten Bühne sicher zusammenstecken. Wer kennt nicht die Clubvariante, wo sich die Bühne ums Zerplatzen nicht ordentlich erhellen lässt, da alle Scheinwerfer mit irgendeinem Farbfilter zugekleistert sind, die Wände schwarz gestrichen wurden, und man schlicht und einfach vergessen hat, ausreichend weißes Licht für Auf- und Abbau zu installieren.

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HK Audio Polar 10 Soundmodi

Zwar lässt sich per Bluetooth ein entsprechender Audio-Stream auf die Anlage legen, allerdings gibt es keine App, mit der man das System fernsteuern könnte. Lässt man das Mischpult zu Hause, kommt man leider um die „einstellen-nach-vorne-laufen-hören-zurücklaufen-repeat“ Leier leider nicht drum rum.

Obwohl HK Audio nach eigenen Angaben einen speziellen Fokus auf das bauliche bedingte Mittenloch gelegt hat, kann man auch in diesem Fall die Physik nicht überlisten. 3 Zoll Lautsprecher sind einfach nicht in der Lage, entsprechende Tiefmitten zu liefern, um ein komplett ausgewogenes Klangbild zu generieren, erst recht, wenn nur sechs Stück zur Verfügung stehen. Man kann mit einem entsprechenden externen EQ etwas nachhelfen, aber das typisch leicht spröde Klangbild eines typischen Säulensystems ist wie bei allen anderen Anbietern auch bei der HK Audio Polar 10 zu vernehmen.

Im Gegenzug hingegen punktet das System mit einem sehr leistungsstarken Bass, der insbesondere im DJ-Preset eine solide Basis für bis zu ca. 150 zu beschallende Personen bietet. Der Headroom des Woofers ist überragend, zumal 1000 Watt RMS und 2000 Watt Peak bei Bedarf jede Menge Druck erzeugen können. Je nach Preset reicht das Klangspektrum von Scoop bis gemäßigt, wenngleich der Hochtonbereich auch Säulen-typisch zuweilen auch einmal „bissig“ werden kann.

HK Audio Polar 10 als Delay-Tower

Die Feedback-Festigkeit des Systems hängt wie immer vom Standort des Künstlers ab. Natürlich empfiehlt es sich, maximal auf gleicher Höhe mit den Lautsprechern, besser noch hinter den Speakern zu agieren, aber selbst bei leicht vorgelagertem Aufbau lassen sich Feedback-Attacken vergleichsweise gut im Griff behalten. Hierbei gilt es natürlich zu berücksichtigen, ob man den Spacer im Betrieb hat oder nicht. Ohne Spacer auf einer Bühne vor den Lautsprechern entpuppt sich erwartungsgemäß als keine gute Idee.

Die Bluetooth-Einspeisung gestaltet sich gut, die 50 m unter Bluetooth 5 werden erfüllt und selbst bei geringeren Versionen sollten 25 bis 30 m auch bei kleineren Hindernissen kein Problem sein. Für einen externen Mischpultbetrieb wären etwas hochwertigere Anschlüsse wie TRS oder XLR wünschenswert, im Consumer-Bereich hingegen machen die RCA-Anschlüsse einfach ihren Job.

HK Audio Polar 10 EQ-Diagramm

Fazit

Mit dem HK Audio Polar 10 Säulensystem hat das saarländische Unternehmen eine hochwertige PA mit sehr gutem Preis-Leistungs-Verhältnis im Programm. Mit einer sehr guten mechanischen Verarbeitung und einer einfachen Handhabung lassen sich kleinere Events bis max. 200 Personen auch bei akustisch ungünstigen Bedingungen akustisch ordentlich ausleuchten. Insbesondere im Bassbereich kann das System seine ganze Stärke ausspielen und liefert bei moderaten Abmessungen und vergleichsweise handlicher Haptik eine sehr gute Basis für verschiedene Ansprüche.

Plus

  • Klang
  • Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Verarbeitung
  • Konzept

Preis

  • 698,- Euro
Forum
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    gaffer  AHU

    Und ich dachte immer, die hätten das erfunden. Aber das waren oben vermutlich keine Säulen, sondern kleine Speaker.

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      Axel Ritt  RED

      Nun, wenn es sich bei einer „amtlichen“ PA um ein Line Array handelt, was mittlerweile bei großen Festivals den Standard darstellt, arbeiten beide Systeme nach einem ähnlichen Prinzip.

      Bei kleinen Veranstaltungen gibt es immer noch die gerne genommene klassische 15/1 oder 12/1 Variante, die über einen anderen Abstrahlwinkel und zumeist auch über ein anderes Klangverhalten verfügt.

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      Markus Galla  RED

      Nicht jede Säule ist ein Linienstrahler. Bei einem Linienstrahler werden vertikal Treiber gestackt. Damit diese koppeln und eine kohärente Wellenfront ausbilden, muss ihr Abstand gering im Vergleich zur Wellenlänge sein. Für tiefe Frequenzen kein Problem, für hohe schon. Dann kommt noch hinzu, dass ein wesentlicher Vorteil eines Linienstrahlers die Ausbildung eines Nahfelds mit lediglich 3 dB Pegelabfall pro Entfernungsverdopplung ist im Vergleich zu sonst 6 dB. Außerhalb des Nahfelds beträgt der Pegelabfall wieder 6 dB. Für den gesamten Frequenzbereich müsste aber für ein großes Nahfeld die Säule unendlich lang sein. Das geht natürlich nicht. Die Formel lautet d=(h•h•f)/2c. h ist die Höhe in Metern, c die Schallgeschwindigkeit. Man erkennt, dass es für tiefe Frequenzen längerer Säulen bedarf als für hohe. Gleichzeitig wird mit zunehmender Länge die Reichweite für Höhen auf Achse immer größer, während außerhalb der 0°-Achse die tiefen Frequenzen dominieren. Ausgeglichen wird das durch Curving und durch Waveguides. Beides fehlt den Säulen und auch die Länge lässt zu wünschen übrig. Deshalb sind Säulen in der Regel höhenlastig und haben ein Tiefmittenloch. Da aber der Höhenüberschuss in schwierigen großen Räumen die Sprachverständlichkeit auf den hinteren Plätzen leicht erhöht, werden sie gerne dafür empfohlen.

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        Markus Galla  RED

        Säulen, die ein separates Hochtonhorn einsetzen, sind übrigens erst recht keine Linienstrahler mehr. Und auch die Säulen mit verdrehten Speakern zur Aufweitung des horizontalen Abstrahlwinkels (Bose) sind keine Linienstrahler mehr.

  2. Profilbild
    DJ Ronny  

    Hi, das ist ja ganz informativ, aber ein Test ist ja wohl was Anderes. Die Infos in dem Bericht kann ich auch auf der HK Seite bekommen.
    Ich denke schon, das hier HK wieder was gutes entwickelt hat. Ich bin mit meinen Nano’s immer noch sehr zufrieden.
    Bitte wenn schon Test drauf steht, sollte es auch einer sein.

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        DJ Ronny  

        Wie und wo hast du getestet? Welche Musik? Live oder ohne Puplikum? Verschiedene Veranstaltungen? Nur so im Lager oder Studio finde ich für einen Test zu wenig. Sicher ist der Aufwand dann um einiges höher aber hat doch einiges mehr an Aussagekraft. Kommt sicher auch darauf an wie lange du das testen darfst. Wenn da Kurztest drüber steht, erwarte ich das auch nicht.

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          Axel Ritt  RED

          1. In einem großem, leeren Lagerraum und auf offenem Gelände (Parkanlage)
          2. Drum Loops, Gesangsaufnahmen, fertig gemasterte Produktionen aus dem Rock und Popbereich
          3. Ohne Publikum
          4. Keine Veranstaltung

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