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Test: mifki miRack, VCV Eurorack-Emulation, iOS

18. September 2019

Eine VCV-Rack Version für das iPad

mifki miRack iOS

mifki miRack iOS

Mit miRack präsentiert uns Entwickler mifki eine Version von VCV Rack für das iPad. Was es damit auf sich hat, sehen wir uns im Test an. (Wer sich für die Desktop-Variante interessiert, HIER findet ihre ausführliche Beschreibungen, Tutorials und mehr auf AMAZONA.de.

Modulare Software ist auf dem Desktop ja schon länger bekannt. Doch haben bisher Programme wie Native Instruments Reaktor, Cycling‘74 Max/MSP oder PureData nicht ganz den Geschmack der meisten elektronikaffinen Musiker getroffen, da sie offensichtlich zu sehr ins Detail der Klangschaffung gingen.

Die Suche nach neuen, selbsterstellten Klangwelten wurde dann erstmals von Doepfer mit dem Eurorack-Format als Hardware bedient und hat sich während der letzten Dekade zum Dauerbrenner entwickelt. Bei der Software blieb man diesbezüglich bis 2016 auf  semimodulare Synthesizer beschränkt, bis Softube die Doepfer Eurorack-Module lizensierte und auch bei der Software-Fraktion das Eurorack-Fieber ausbrach.

Seitdem kamen gleich mehrere Eurorack-Softwares auf den Markt, wie Voltage Modular von Cherry Audio, Reaktor mit seinen Blocks und zuletzt das Open-Source basierte VCV-Rack von 2017.

 Letzteres, VCV-Rack, hat es nun auch, zumindest auszugsweise, unter dem Namen miRack von Entwickler Mifki auch auf iOS geschafft.

iPad-Musikanten können sich schon seit 2013 mit Modular von Pulse Code und später mit KQ Minisynth, S-Modular von DesignByPaul und auch dem Moog Model 15 der Synergie zwischen virtuellem Verlegen der Patch-Kabel und einem Touchscreen begeistern. Doch waren bzw. sind die verfügbaren Module doch eher begrenzt.

Pulse Code Modular (2013)

Pulse Code Modular (2013)

Hier hat nun miRack eine echte Chance eine unendliche Anzahl von Modulen zur Verfügung zu stellen, die nur vom Speicher und der CPU des iPads begrenzt sind. Doch bevor die Sektkorken knallen, es gibt noch Einschränkungen. 
Da wäre zum einen, dass es Apple nicht erlaubt, ausführbare Software in Emulationsumgebungen laufen zu lassen. Apps wie die Pure Data-Umgebungen MobMuPlat oder Pd-Party konnten das umgehen, weil die Patches der „Drittanbieter“ als Quellcode vorlag.  Außerdem steht Apple immer noch auf Kriegsfuß mit der GPLv3 Software-Lizenzsierungen, unter der VCV-Rack und viele seiner Rack-Module veröffentlicht wird.

miRack greift zwar auf einen Resourcefork von VCV-Rack zurück, wurde aber offensichtlich so  angepasst, dass Apple die Veröffentlichung der App nicht behinderte. Whatever.

Einer der Hauptunterschiede zwischen der Desktop- und der iOS-Version ist dann auch, dass nicht jedes beliebige Eurorack-Modul aus der Desktop-Bbliothek von VCV geladen werden kann.

mifki miRack iOS Modules

mifki miRack iOS Modulauswahl

Alle Module müssen für die iOS-Version vom miRack-Entwickler aufbereitet und in die App integriert werden. Aber das sind bisher ca. 200 Module, was für den Anfang der Klangreise ausreichen sollte.

Wobei laut Mifki deutlich darauf hinweist, dass der CPU-Hunger zwischen den Modulen sehr schwanken kann. Ob in Zukunft weitere Module in kostenlosen Updates hinzugefügt werden oder ob sich eine IAP-Ökonomie daraus entwickelt, steht noch offen. Das hängt dann wohl von den Entwicklern der Module ab.
 Bisher gibt es die meisten Module, die auch in VCV-Rack kostenlos verfügbar sind, also z. B. von Audible Instruments, Befaco, Bogaudio, Frozen Wasteland, E-Series, Impromptu etc.

Die erstellten Patches können in der Dateien-App und dem iCloud-Drive abgespeichert und ausgetauscht werden. Es lassen sich (bisher) sogar Patches zwischen dem VCV-Rack und miRack austauschen. Natürlich nur solange der Patch von VCV-Rack (1.14) keine Module beinhaltet, die nicht in miRack verfügbar sind, ansonsten werden „Nicht-Verfügbarkeitsmeldungen“ ausgespuckt. Allerdings wurden im Test die Patch-Verbindungen und Parametereinstellungen zwischen den Modulen (bisher) nicht mit übernommen.

mifki miRack iOS Patch Import

mifki miRack iOS Patch-Import (Simple Subtractive Synth, Patches for beginners von Alessandro Bonino)

Für eine weiter Einführung in VCV Rack verfasste Thilo Goldschmitz einen Workshop

.

In der Bedienung ist miRack prinzipiell sehr simpel, unterscheidet sich aber auch deutlich von der Desktop-Version, da es z. B. keine Kopfleistenmenüs gibt. Es gibt nur ein „Plus“-Symbol für das Hinzufügen der Module. Positioniert und umgestellt werden die Module bei aktiviertem „Bewegen“-Modus. Divere Grundoption des Moduls und Löschen, Kopieren oder Einfügen werden über Zwei-Finger-Tippen angezeigt.

mifki miRack iOS Modulverwaltung

mifki miRack iOS Modulverwaltung

Ein Anpassen der Vergrößerung und Justieren des Arbeitsbereiches erfolgt über den Zwei-Finger-Zoom. Hier sieht man ganz deutlich, dass keine Absicht besteht, der benutzbaren Modulanzahl eine künstliche Grenze zu setzen.

mifki miRack iOS Zoom-Out

mifki miRack iOS Zoom-Out

Um die Feineinstellungen der Parameter zu ermöglichen, gibt es einen Päzisionsmodus, etwas das man sich auch für so maches Hardware-Modul wünschen würde, für Software und Touschscreen aber noch einmal nützlicher ist. 
Ebenso wie der Reset-Taster der, solange er aktiviert ist, alle berührten Parameter auf Null setzt. Bei der Masse an Reglern in einem Modularsystem eine sehr willkommene Funktion.

Patches for beginners von Alessandro Bonino

Patches for beginners von Alessandro Bonino – VCV Rack

Der Verlegen der virtuellen Kabel geht schnell und flüssig und sehr exakt vonstatten. Hier kann der Touchscreen seinen vollen Vorteil grandios ausspielen. Es ist einfach ein ganz anderes Gefühl, als mit der Maus Verbindungen zu ziehen. Allerdings habe ich noch keine Möglichkeit gefunden, die Farbe der Kabel zu ändern.

Patches for beginners von Alessandro Bonino - miRack

Patches for beginners von Alessandro Bonino – miRack

miRack ist wie sein großer Bruder VCV-Rack eine Standalone-App, die nicht als Plugin läuft, respektive also weder Audiobus noch IAA noch AUv3 unterstützt. Es werden nur Core-MIDI (das erste angeschlossene MIDI-Interface, – Keyboard), Core Audio (die ersten beiden Kanäle eines angeschlossenen Audiointerfaces) unterstützt.

Zumindest gibt es noch Background Audio, damit man noch andere Apps parallel benutzen kann. Bisher kann nur KQ Minisynth als AUv3 auf dem iPad benutzt werden.

 Ich habe jetzt noch keinen Stresstest gemacht, bei wie vielen Modulen mein 2015 iPad Pro in die Knie geht und ob bzw. wie sich das auf die Bediengeschwindigkeit auswirkt, aber „Standard“-Sachen wie subtraktive Synthies und die beiliegenden Demo-Patches laufen ohne Probleme.

Am Klang konnte ich zwischen miRack und VCV-Rack auch keine qulitativen Unterschiede feststellen, da wie gesagt bei dem Patch-Import (bisher) außer der Modulanordnung nichts übernommen wird, ist die Anpassung der wertelosen Parameter schwer. Aber die Klang-DNA ist definitiv dieselbe. Doch das in beiden Patches verwendete Filter scheint doch sehr anders zu klingen und zu reagieren. Weitere Unterschiede müssen sich dann mit der Zeit offenbaren.

In den Klangbeispielen hab ich denselben Patch (Simple Subtractive Synth, Patches for beginners von Alessandro Bonino) auf beiden Plattformen benutzt. Der Peak liegt bei -12 dBfs.

Fazit

Mit miRack ist dem Entwickler mifki ein großer Wurf gelungen, der das Thema virtuelles Eurorack auf dem iPad konsequent weiterführt. Version 1 läuft nicht nicht ganz rund und eine Parameteränderung kann zu einem Knacken führen, aber ansonsten ist die App stabil. Von der Bedienung und vom Klang her gibt es absolut nichts zu bemänglen und die Klangmöglichkeiten mit den bereits 200 enthaltenen Modulen ist schon jetzt unendlich. Das Zweitbeste zum echten Eurorack – für 8,99 Euro sowieso!

Plus

  • 200 Module enthalten

Minus

  • nur CoreMIDI und Audio

Preis

  • 8,99 Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    TimeActor  AHU

    Das Strippenziehen am iPad ist jetzt auch nicht der Bringer – etwas fummelig es sei denn man hat ein iPad Pro mit entsprechender Bildschirmgröße.

  2. Profilbild
    Synthie-Fire  AHU

    Super App.
    Für mich definitiv kein Ersatz für die Hardware, weil die Haptik einer Hardware wird von mir wahrscheinlich immer den Vorzug bekommen.
    Aber einfach mal schnell Patchideen testen und aufm Sofa oder unterwegs unkompliziert Modulares zu basteln ist einfach genial :-)

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