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Test: Rode NT1, Großmembran-Kondensatormikrofon

2. November 2020

Low Budget Mikrofon-Klassiker

Test: Rode NT1, Großmembran-Kondensatormikrofon

Test: Rode NT1, Großmembran-Kondensatormikrofon

Das Rode NT1 ist seit den 90er-Jahren eines der populärsten Großmembran-Kondensatormikrofon im unteren Preissegment. Seine Markteinführung glich 1990 einer kleinen Revolution, denn erstmalig war ein Mikrofon dieser Art für jedermann erschwinglich. Seitdem prägt sein Sound sowohl die Aufnahmen von zahllosen Homerecording- als auch professionellen Studios, allein von dem NT1-A hat der australische Hersteller bisher über 800.000 Exemplare weltweit verkauft.

In der 30-jährigen Erfolgsgeschichte gab es vier verschiedene Modelle des NT1: Während für die ersten drei Versionen noch das Neumann U87 als grobes Vorbild diente, soll die 4. Generation den klanglichen Stil der legendären Mikrofone aus den 50er-Jahre nachempfinden.

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Wer mehr Details über das NT1 bei Sprachaufnahmen erfahren möchte, sollte auch den Mikrofon-Vergleichstest von Stephan Merk lesen:

Test: Rode PodMic, Procaster, NT1, NT1-A, NT2-A, NT1000

Rode NT1

Die vier Generationen des Rode NT1

Rode NT1 auf den ersten Blick

Bereits an dem Design des NT1 lässt sich die Familienzugehörigkeit erkennen, denn die zylindrische Korpusform ist fast identisch mit der seiner zwei Vorgänger, dem grauen Kunststoff-NT1 und dem silbernen NT1-A.

Etwas unglücklich ist die Namensgebung, da die erste, zweite und vierte Version des Mikrofons mit NT1 betitelt wurde, aber die – immer noch erhältliche – dritte Generation NT1-A heißt. Das führt bei Musikhäusern und Vertrieben nicht selten zu Verwechslungen, so auch im Vorfeld dieses Tests. Grundsätzlich empfiehlt es sich daher bei einer Bestellung oder dem Kauf vor Ort stets von „dem schwarzen NT1“ zu sprechen.

Dessen solides Gehäuse hat einen Durchmesser von 5 cm, besteht aus 6061-Aluminium und ist fest mit dem Mikrofonkorb verbunden, beide zusammen haben eine Gesamtlänge von 18,7 cm. Um Korrosionen vorzubeugen, werden diese zwei Teile zunächst vernickelt und anschließend mit einer schwarzen Keramikbeschichtung versehen.

Rode NT1

HF6 Kapsel mit goldbedampfter Membran

Die 1 Zoll große, goldene Kapsel lässt sich gut durch das Netzgitter erkennen, sie hat eine Nierencharakteristik und reagiert somit hauptsächlich auf frontal eintreffenden Schall. Der für Rode typische goldene Punkt unterhalb des Mikrofonkorbs signalisiert unmissverständlich, wo die Vorderseite des Mikrofons liegt.

Für den Audioanschluss und die 48 Volt Stromversorgung ist eine obligatorische XLR-Buchse auf der Unterseite eingelassen. Angesichts des niedrigen Preises wurde auf eine Dämpfungs-Schaltung und ein Trittschallfilter verzichtet.

Rode NT1

SM6 Spinne mit Popfilter

Das Zubehör

Das Rode NT1 ist derzeit nicht einzeln, sondern nur als Kit mit praktischem Zubehör erhältlich:

  • Die Rode SM 6 Spinne inklusive Pop-Schutz hat eine erstaunlich gute Qualität: Die Halterung besteht aus schwerem, massivem Metall, wiegt fast 0,7 kg und besitzt eine hochwertige, elastische Aufhängung mit Schraubverschluss. Auch die integrierte Halterung für den doppelwandigen Pop-Schutz wirkt gut durchdacht, denn sie ist höhenverstellbar und mit zwei Gelenken ausgestattet, so dass sich der Abstand zum Mikrofon im Bereich von ein paar Millimetern bis maximal 16 cm einstellen lässt.
  • Etwas unscheinbar, aber im Alltag sehr nützlich, ist die schwarze Schutzhaube, welche die Kapsel des NT1 vor Staub behütet, so kann das Mikrofon auch mal längere Zeit aufgebaut stehen bleiben. Eine normale Transporttasche wurde dem Zubehör leider nicht beigelegt, sie ist aber für rund 9,- Euro optional erhältlich (Rode ZP-1).
  • Zu guter Letzt befindet sich in dem Paket noch ein 6 m langes XLR-Kabel.
Rode NT1

Die praktische Staubschutzhülle

Technische Details

Das NT1 hat ein sehr niedriges Eigenrauschen von 4,5 dB (A), während der Grenzschalldruckpegel bei 132 dB (SPL) liegt, somit kann das Mikrofon auch hohe Lautstärken, zum Beispiel von einem Schlagzeug, verzerrungsfrei aufnehmen. Wie schon bei seinen Vorgängern wird als Impedanzwandler eine JFET-Schaltung verwendet und kein Übertrager genutzt. Die Ausgangsimpedanz beträgt 100 Ohm, wodurch sich dieses Großmembran-Kondensatormikrofon mit den meisten Vorverstärkern vertragen sollte.

Die HF6 Kapsel mit goldbedampfter Membran wurde von Rode speziell für das NT1 entwickelt, wobei das Frequenzverhalten und der Klangcharakter von verschiedenen 50er-Jahre Klassikern als Vorbild diente. Um Schwingungsübertragungen bereits intern abzufangen, kommt als Schallkopfaufhängung das Lyre-System von Rycote zum Einsatz. Der britische Hersteller beliefert seit 2013 Rode mit Bauteilen und Zubehör, wie zum Beispiel den Aufhängungen für die Kamera-Mikrofone.

Rode NT1

Der Frequenzgang des NT1

Ein Blick auf die technischen Angaben zeigt deutlich die Vintage-Ambitionen der Entwickler: Das NT1 hat einen überaus linearen Frequenzgang mit einer ganz leichten Anhebung der oberen Frequenzen von 2 dB ab ungefähr 3 kHz. Im Bassbereich setzt ein Roll-off erst bei 30 Hz ein, in den Höhen schon ab 10 kHz, wodurch zwangsläufig das Topend einen recht behutsamen Charakter bekommen sollte.
Im Vergleich zu dem Vorgänger NT1-A, aber auch den Röhrenmikrofonen K2 und NTK, deren obere Mitten und Höhen häufig als etwas harsch kritisiert werden, ist der Frequenzgang des schwarzen NT1 deutlich entspannter und weist ein wesentlich geringeres Gefälle auf.

Rode NT1

X/Y-Stereomikrofonierung

Stereo-Mikrofonierung

Da es von dem NT1-A aufeinander abgestimmte Paare gibt und von dem schwarzen NT1 nicht, stellte sich während des Tests die Frage, ob zwei der Mikrofone auch für Stereo-Anwendungen genutzt werden können. Leider gibt es zu diesem Thema immer noch keine offiziellen Informationen auf der Rode Homepage, allerdings bestätigte der Hersteller auf Anfrage, dass die Produktionsgenauigkeit in zwischen so präzise sei, dass sich zwei NT1s ohne Probleme als Stereo-Paar nutzen lassen. Bei Abweichungen wäre das sogar ein Garantiefall und die Mikrofone können reklamiert werden.

Rode NT1

Die Rückseite

Praxis

Der Einsatzbereich des NT1 ist weit gefächert, es eignet sich nicht nur für Gesang und Sprache, sondern kann ebenso für akustische Instrumente, Gitarrenverstärker oder Ambient- und Raummikrofonierungen verwendet werden.
Dabei hat es stets einen sehr neutralen und ausgewogenen Klang, der in allen Frequenzbereichen mit einer klaren Definition und einem natürlichen Charakter trumpft.

Im Bassbereich erzeugt das NT1 eine sehr saubere Kontur, so dass zum Beispiel bei der Aufnahme einer Akustikgitarre die tiefen Frequenzen klar artikuliert, aber trotzdem warm und vollmundig wirken. Durch die lineare Aufzeichnung und das fehlende Trittschallfilter sollte stets ein Mindestabstand von 10 – 15 cm zur Schallquelle bestehen, um Nahbesprechungseffekten vorzubeugen – es sei denn, diese sind bewusst erwünscht.

In den unteren Mitten ist der Klang tendenziell etwas schlanker, aber trotzdem überraschend fein auflösend. Wenn einer Aufnahme in diesem Bereich etwas Wärme fehlt, lässt sich das mit einem Equalizer gut ausgleichen. Grundsätzlich verhält sich das NT1 recht umgänglich in der Nachbearbeitung, was auch die Klangbeispiele gleich noch zeigen werden.

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Rode NT1

NT1 mit Pop-Filter

Dass es sich bei dem NT1 durchaus um ein modernes Großmembran-Kondensatormikrofon handelt, offenbart sich vor allem auf Grund der sehr präsenten oberen Mitten, in denen sein schnelles Ansprechverhalten am deutlichsten auffällt, was nicht gerade dem typischen Klang eines Vintage-Mikrofons entspricht.
Grundsätzlich mag das NT1 gerne etwas mehr Abstand, insbesondere bei recht hellen Klangquellen. Wenn z. B. Schlagzeugbecken etwas zu grell wirken, können 10 bis 20 cm mehr Distanz das Klangverhalten der oberen Mittenfrequenzen deutlich beruhigen.
Stets sehr angenehm und unaufdringlich verhalten sich hingegen die Höhen, die durch den Roll-off überaus entspannt klingen und abermals bei Bedarf viel Platz für die Bearbeitung mit einem Equalizer bieten.

Auch wenn der behutsame Klang des NT1 schon an gewisse Vintage-Klassiker erinnert,
so ist es nicht allein der Frequenzgang, der die Qualität alter Rundfunkmikrofone auszeichnet, sondern die besondere Art und Weise der dynamischen Übertragung und des Ansprechverhaltens.
Ein schönes Beispiel für diesen Unterschied hatte Rode bereits bei der Markteinführung des NT1 veröffentlicht – den gewagten Vergleich mit einem alten Neumann U47:

YouTube

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Klangbeispiele

Da es bereits zahlreiche Videos bei YouTube gibt, die das NT1 in unterschiedlichsten Anwendungen demonstrieren, sollen die Klangbeispiele dieses Tests zeigen, wie sich das NT1 bei einer Gesangsaufnahme mit verschiedenen Preamps verhält und wie die Ergebnisse nach der Bearbeitung mit einem Equalizer klingen.

Für diesen Zweck wird mit der Sängerin Isis Zerlett eine Aufnahme erstellt. Sie steht gut 10 cm vor dem Popschutz, der wiederum einen Abstand von 8 cm zu dem Mikrofon hat.
Der Ausgang des NT1 führt zunächst in ein Phantomspeisegerät und dann in einen Splitter, der das Signal an die drei verschiedenen Vorverstärker verteilt.
Bei dem Ersten handelt es sich um einen Onboard-Preamp des RME Fireface 800 und bei dem Zweiten um einen Kanalvorverstärker des Studer 962 Mischpultes, der mit einem Transformator bestückt ist. Um schließlich noch die Vintage-Qualitäten des NT1 etwas tiefer auszuloten, kommt in dritter Position ein Röhrenvorverstärker aus den 50er-Jahren zum Einsatz – ein Maihak V41.

Alle drei Vorverstärker haben einen überaus linearen Frequenzgang, um die Unterschiede der Beispiele gut hören zu können, empfiehlt sich eine erhöhte Abhörlautstärke.
Die Klangbeispiele sind wieder wahlweise im WAVE-Format (44,1 kHz, 24 Bit) oder als MP3s (320 kBit/s) aufrufbar.

Anschließend werden alle drei Aufnahmen mit der gleichen Equalizer-Einstellung in Logic bearbeitet. Das folgende Bild zeigt das Setup des Channel EQs:

Rode NT1

Vocal EQ-Setup

Aufnahme
Sängerin: Isis Zerlett
Mikrofon: Rode NT1
Phantompower: Palmer PAN 48
Splitter: Alphaton MPV-33
Preamps: RME Fireface 800, Studer 962, Maihak V41
Audiointerface: RME Fireface 800
DAW: Logic Pro

Die Klangbeispiele wurden außer mit der genannten EQ-Einstellung nicht weiter bearbeitet, lediglich die Lautstärken der Audiofiles sind aufeinander angepasst.

Rode NT1

Rode NT1

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Fazit

Das Rode NT1 ist ein einfaches Großmembran-Kondensatormikrofon mit einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Es hat einen modernen Charakter mit einem schnellen Ansprechverhalten und einer detaillierten Auflösung, dafür aber einen überaus linearen und entspannten Frequenzgang, der an Klassiker aus den 50er-Jahren erinnert.

Die Tradition der NT1-Familie wird gelungen fortgesetzt, gleichzeitig stellt das schwarze NT1 mit seinem sehr neutralen Klangbild eine schöne Alternative zu dem immer noch erhältlichen NT1-A dar.
Neben dem nützlichen und hochwertigen Zubehör bietet Rode, nach einer Produktregistrierung auf seiner Homepage, eine Herstellergarantie von beachtlichen 10 Jahren.

Das NT1 kann uneingeschränkt für Einsteiger und Heimstudios empfohlen werden, ebenso dürfte es aber auch durchaus für professionelle Anwender z. B. als Raum- oder Stützmikrofon interessant sein.

Plus

  • Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Klang
  • Verarbeitung
  • Zubehör

Preis

  • 252,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    janschneider  

    Die Benennung und damit einhergehende Verwechslungsgefahr von NT1 und NT1A ist wirklich sehr unglücklich. Das NT1 ist imho das viel bessere Einsteigermikrofon als das NT1A, dieses empfand ich in den Höhen als oft sehr britzelig und empfindlich, was zB Zischlaute anging, nicht sehr angenehm. Das NT1 ist da deutlich entspannter und ausgeglichener.

    Interessant ist, dass Rode offensichtlich die Spinne und den Poppschutz gewechelt haben, ich habe noch das Modell mit dem metallenen Poppschutz, welches auf die Spinne gesteckt werden kann.

    • Profilbild
      Stephan Merk  RED

      Das ist in der Tat ein Problem. Das aktuelle NT1, was ich auch besser als das NT1-A empfinde (gibt im RODECaster Pro auch zwei Profile), kommt mit Lyre-Spinne SMR und einer internen Lyre-Aufhängung der Kapsel. Es gibt auf YouTube auch einen Direktvergleich, wobei ich mich frage, was bei der Aufnahme schief gegangen ist. Während das NT1-A charakteristisch etwas mehr HiFi klingt, erinnert das NT1 doch stark ans NT1000, die Unterschiede sind vergleichsweise marginal.

  2. Profilbild
    UBeeh  RED

    Ich hab zwei NT1, die ich zuletzt in einem ORTF Stereo-Setup für Atmo Aufnahmen eingesetzt habe. Das war zwar eine Herausforderung für den Windschutz, aber machbar. Für Sprachaufnahmen fand ich das NT1 sehr gut, vor allem für meine leicht basslastige Stimme. Hier konnte allenfalls das 416er von Sennheiser mithalten.
    Wie der vorherige Kommentator schrieb, waren bei meinen NT1 aber andere Poppschutz dabei, aus Vollmetall. Um in akustisch problematischen Räumen vernünftige Stimmaufnahmen hinzukriegen, habe ich meistens eine Fame Mobile Mic Booth verwendet, die hervorragend auf das NT1 passt.

  3. Profilbild
    moinho  

    Was ich mich frage: in welchem Abstand ist der Frequenzgang aufgenommen? Beim Hersteller konnte ich dazu nix finden.

    @janschneider: Bezogen auf das alte (Kunstoffgehäuse)-NT1 gegenüber dem NT1A kann ich soweit bestätigen, daß ich das 1A als „klarer“ aber für manche Anwendungen (HH z.B.) als zu klar empfand.

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