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Test: Sequential Prophet-600 GliGli Upgrade

31. Oktober 2015

Prophet-600 im gligli-Glück

Prophet 600 gligli

Prophet-600 im gligli-Glück

Vor etwa zwei Jahren machte in einem Musikerforum erstmalig eine Nachricht die Runde, welche die Prophet-600 Community aufhorchen ließ. Diese hieß: „Sequential Circuits Prophet-600 Firmware Upgrade“ – oder anders gesagt: „Prophet-600 GliGli“.

HInter diesem Projekt steckt ein französischer Tüftler mit dem Pseudonym „GliGli“, der für den Prophet eine Frischzellenkur entwickelt hat, die es in sich hat. Diese basiert auf einer von GliGli komplett neu programmierten Firmware sowie einem Mikrocontroller-Bord, das den alten Prozessor ersetzt.

Das Ergebnis des Prophet-600 GliGli Upgrade ist verblüffend: Dort, wo einst stufige Signalverläufe und träge Hüllkurven zu finden waren, trumpft ein derart modifizierter Prophet-600 nun zu wahren klanglichen Höhenflügen auf. Und nicht nur das: Dadurch dass der Z80 Prozessor durch einen wesentlich leistungsfähigeren Mikrocontroller ersetzt wurde, konnten zahlreiche neue Parameter und Performance-Features implementiert werden, die den Prophet-600 aus dem MIDI Steinzeitjahr 1983 ins 21. Jahrhundert katapultieren, ohne dass der analoge Klassiker etwas von seinem Vintage-Charme einbüßt.

Das Upgrade kann jeder vornehmen, der ein gewisses Bastlergeschick besitzt. Die Kosten für Hard- und Software bleiben erfreulicherweise auch im moderaten Bereich (ca. 40 Euro). Eine Investition, die sich für jeden Prophet-600 Besitzer lohnt.

Mein Dank gilt hier meinem Co-Autor Claude, der mich auf dieses tolle Upgrade überhaupt erst aufmerksam gemacht hat. Das Ergebnis ist so überzeugend, dass Claude sich auch einen Prophet-600 angeschafft hat. Natürlich, um diesen sogleich „gliglifizieren“ zu lassen.

P600gligli 019

Einbau der Hardware

Um das Prophet-600 GliGli Upgrade vornehmen zu können, muss man zunächst den Original-Prozessor ausbauen. Hier stellt sich die Frage, ob der Prozessor direkt auf der Platine verlötet ist oder ob er sich auf einer IC-Fassung befindet (es gibt unterschiedliche Ausführungen der Platinenbestückung). Achtung: Im ersten Fall sollte man als Laie besser nicht selbst Hand anlegen, sondern einen Fachmann bemühen, der mit geeignetem (Entlöt-)Werkzeug vorsichtig die CPU entfernt und stattdessen eine passende Fassung einlötet. Diese Warnung sollte wirklich ernst genommen werden, denn zerstörte Leiterbahnen könnten den Synthesizer für immer unbrauchbar machen. Glückliche Besitzer eines Prophet-600 mit „CPU-auf-Fassung-ab-Werk“ hebeln den Original-Chip dagegen einfach vorsichtig heraus.

Nun kann dem Prophet das neue „Gehirn“ eingebaut werden, das „Teensy“ Board.
Teensy ist ein einfaches, universelles Mikrocontroller-Bord, das für vielfältige Zwecke zum Messen, Steuern und Regeln eingesetzt werden kann. Die End-Verwendung wird über die Software bestimmt, in unserem Fall ist das die P600fw Firmware von GliGli. Für den Einsatz im Prophet muss das Teensy Board aber noch geringfügig modifiziert werden. Technisches Geschick und ein wenig Löterfahrung sind hier von Vorteil. Zum Glück ist im GliGli Rundum-sorglos-Paket in Form eines ZIP-Files eine anwenderfreundliche, sehr ausführliche und bebilderte englischsprachige Anleitung enthalten, in der auf alle Hard- und Software-Fragen im Detail eingegangen wird.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Viertelnote  AHU

    als EX-Besitzer kann ich nur sagen, das ein
    Firmwarewechsel hier absolut Pflicht ist.
    Die eher trägen Hüllkurven und groben Parametereinstellungen waren für mich der Grund, ihn abzustoßen.
    Klanglich ist der Prophet-600 ein sehr guter Kontrast zum Juno/Polysix aus der damaligen Zeit. Der Prophet 600 klingt eher ruppig, ungehobelt und sehr direkt.
    Er kann stellenweise sehr knallen, er drängt sich immer irgendwie in den Vordergrund. Ein guter Vintagesynthesizer. Wenn man einen Prophet 600 hat, sollte man sein Geld nicht in einen anderen Synthesizer investieren, sondern genau in DIESEN.
    Warum: die Curtischips!
    Diese müssen für jeden Klangbaustein separat erworben werden. Osc, Filter, VCA
    und das kann ins Geld gehen. Die Chips sind fast vom Markt geblasen. Also ergattert euch diese Teile, denn diese gehen gerne mal kaputt.
    Ansonsten: Upgrade ist Pflicht!

    netter Gruß

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      YC45D  

      solche Upgrades von alten Analog-Synthies scheinen sich in letzter Zeit zu vermehren.
      Ich denke da z.Bsp. an das neue OS Upgrade für den Roland JX10 P.

      Diese Klangbeispiele vom Prophet 600 sind sehr anregend.Frage mich,ob der Prophet 08 aus gleichem Haus so etwas auch könnte…

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        Piet66  RED

        @YC45D: Vielen Dank! Mit den Upgrades bleibt es spannend, weil sie mitunter sehr viel bieten. Als gutes Beispiel sei hier auch das Europa Upgrade für den Jupiter 6 genannt.

        Frage in die Runde: mich würde noch interessieren, ob es Erfahrungen mit dem MTG Pro-One Upgrade gibt.

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      Piet66  RED

      @Viertelnote: ja absolut, dieses Upgrade ist ein „Muss“ für Prophet-600 Besitzer. Ich finde auch, daß dieser Synthesizer vom Sound her eine sehr gute Ergänzung zu den Junos darstellt, die doch eher etwas gefälliger daherkommen. Grüße!

  2. Profilbild
    Marko Ettlich  AHU

    Der Prophet-600 ist ein super klingender Synthesizer mit eigenständigem Sound. Mit geschickter Programmierung kann der auch weich und lebendig, was ihm sonst nicht so zugetraut wird. Leider hab ich ihn vor ein paar Jahren verkauft. Bei ihm tut es mir wirklich ein bisschen Leid.

    • Profilbild
      Piet66  RED

      @Marko: das Upgrade erlaubt es, den Prophet-600 klarer und, falls gewünscht, auch härter erklingen zu lassen. Sogar FM-ähnliche Sounds sind damit möglich. Es lassen sich aber auch weiche Klänge und Klangverläufe sehr schön abbilden. Insgesamt wird die Farbpalette deutlich erweitert, dem Programmierer stehen mehr Möglichkeiten zur Verfügung. Grüße!

  3. Profilbild
    SpotlightKid  

    Das ist schon bemerkenswert, dass dieses Upgrade als Open Source entwickelt und vertrieben wird und sich dadurch die Anschaffungs- und Einbaukosten in Grenzen halten (und die Entwickler erhalten idR davon nichts!). Wenn man vergleicht, dass das vergleichbare Kiwi-Upgrade für den Roland JX-3P ca. 300 EUR kostet (und dann noch nicht eingebaut ist), und man bei diesem bei den Features an das gebunden ist, was der Hersteller implementiert, können sich Prophet 6000 Besitzer sehr glücklich schätzen. Ich hoffe, in diesem Bereich tut sich in den nächsten Jahren noch mehr. Die Musikequipmentindustrie ist m.E. noch viel zu sehr von proprietären Entwicklungsmodellen geprägt.

    • Profilbild
      Piet66  RED

      @SpotlightKid: die Chancen stehen m.E. gar nicht so schlecht, dass auch andere Talente GliGlis Beispiel folgen und uns in Zukunft mit innovativen, kostengünstigen Upgrades überraschen werden. Immerhin wird GliGli bereits heute von einer aktiven Community unterstützt. Es muss halt immer einer den Anstoss geben. GliGli hat übrigens auch andere interessante Projekte im „Angebot“, z.B. im Kontext von RX-5 und Matrix1000, und er arbeitet u.a. an einem eigenen Synthesizer „Overcycler2“. Vielleicht sollte man einmal eine Reportage über GliGli andenken?! Wer es möchte, kann GliGli übrigens eine freiwillige Spende zukommen lassen: auf seiner Homepage gibt es ganz unten einen entsprechenden „Donate“ Button…

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