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Test: Sonic Farm Berliner, Dual Pentoden Mikrofonvorverstärker

7. März 2022

Der kanadische Berliner

sonic farm berliner test

Sonic Farm Berliner, Dual Pentoden Mikrofonvorverstärker

“No Cloning” – so das Konzept der kanadischen Firma Sonic Farm, die hierzulande bisher eher eine Underdog-Rolle spielt, aber in den Vereinigten Staaten eine nennenswerte Verbreitung hat. Fleetwood Mac, Rihanna, Bruno Mars und viele andere illustre Künstler bzw. deren Produzenten vertrauen auf die „hand-made“-Geräte aus Vancouver.

Wer beim Namen „Berliner“ nun an einen fettigen, süßen Klang denkt, der sei eines Besseren belehrt: Der Sonic Farm Berliner soll eine logische Weiterentwicklung des ehrwürdigen V76 Preamps von Telefunken sein. Ob diese hochgesteckten Ziele erreicht wurden? Nun, schauen wir uns das Gerät an – und es wird definitiv interessant!

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sonic farm berliner test

Sonic Farm Berliner: Die Ausstattung

Also eines können wir vor dem Einschalten schon ganz sicher klarstellen: Optisch ist die Verwandtschaft zwischen einem Lunchbox V76 und dem 1 HE Rackmount Preamp aus Kanada … nun, sagen wir überschaubar.

SonicFarm_Berliner_V76

Das 2-Kanal-Gerät verfügt über einige Ausstattungsmerkmale, die es zu Zeiten des V76 noch nicht gab, aber gerade den Reiz des Berliners ausmachen.

Fangen wir auf der Rückseite an: Je zwei Eingänge für Line- und Mikrofonsignale, zwei Ausgänge, ein Ground-Lift-Schalter und die Netzbuchse beschreiben die möglichen Anschlüsse des Gerätes. Alle Audioanschlüsse sind im XLR-Format (symmetrisch) verbaut.

Optional gibt es auf der Vorderseite noch pro Kanal eine (unsymmetrische) Klinkenbuchse mit 3,9 MOhm Eingangsimpedanz.

SonicFarm_Berliner_back_complete

Vorne finden wir je zwei Drehregler im Chickenhead-Design für Gain und Pegel. Die erwähnten Klinkenbuchsen können zwischen Line und Mic umgeschaltet werden. Dazu ein 48 V Schalter und ein PAD, das die Mikrofoneingänge um 10 dB absenkt.

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Auf der Vorderseite befindet sich je ein weiterer Line/Instrumenteingang, der – wie einige Funktionen – im Vorbild, dem Telefunken V76 nicht zu finden ist. Somit verfügt das Gerät über eine deutlich höhere Konnektivität als die Lunchbox von Telefunken.

SonicFarm_Berliner_switches

Für ein optimales Zusammenspiel zwischen Amp und Mikrofon kann die Mikrofoneingangsimpedanz angepasst werden: 900 Ohm (Low), 10 kOhm (Hi) und 2.400 Ohm (Mid) sind hier sehr praxisgerecht gewählt. Zur Erinnerung: Schauen Sie sich die Ausgangsimpedanz Ihres Mikrofons an und multiplizieren Sie diese mit fünf – dann können Sie den Wert (oder der diesem am nächsten kommt) am Berliner entsprechend auswählen.

Kaputt machen kann man unter normalen Umständen nichts – nur bei einer falschen Kombination (niedrige Ausgangsimpedanz beim Mikro und sehr hohe Eingangsimpedanz am Preamp) kann es zu Höhen- und/oder Bassverlusten kommen.

SonicFarm_Berliner_inside

Weitere Ausstattungsmerkmale des Sonic Farm Berliner

ATT schaltet eine Dämpfung hinter die Röhren, um eine exaktere Pegelanpassung zu ermöglichen: Durch diesen Attenuator kann der Ausgangspegel am Potentiometer viel genauer erfolgen. In meinem Setting bin ich hier mit -6 dB am besten gefahren. Optional stehen 0, -6 und -12 dB zur Verfügung. HP ist das Hochpassfilter, das bei 160 Hz (Pos 1) oder 80 Hz (Pos 2) eingreift. Und dann haben wir noch den Schalter für die Phasenumkehr.

SonicFarm_Berliner_regler

Der Schalter mit der Aufschrift SS/OT bestimmt die Wahl des Ausgangs: Während „SS“ mit einem „klassischen“ IC mit niedriger Verzerrung arbeitet, schaltet man bei OT auf einen Ausgangsübertrager. Hier hat man bei Bestellung des Sonic Farm Berliner die Wahl zwischen Modell „A“, der mit einem Nickel/Eisen-(Ni/Fe)-Übertrager ausgestattet ist und dem Modell „B“, einem reinem Eisenübertrager. Auf Wunsch ist auch eine Kombi mit 50 % Ni/Fe (auf Kanal 1) und 50 % Fe (auf Kanal 2) möglich. Ich habe hier ein Modell „B“, das laut Handbuch farbiger klingen soll.

SonicFarm_Berliner_left-side

Die Schalter FAT und AIR sind nicht einfach nur Shelving-Filter, denn durch die Beeinflussung der Röhren-Stages erreicht man ein Anheben und Absenken der tiefen und hohen Frequenzen. Um hier den gewünschten Boost-Pegel einzustellen, kann man dies mit einem feinen Schraubenzieher durch die Öffnungen im Deckel tun. Das Prinzip ist so unkonventionell, wie interessant, denn je nach Einstellung wird der Gain des Signals reduziert, um den Boost zu verstärken und bei den Bässen hat Sonic Farm sogar eine Spule in den Signalweg gebracht, um einen vollen und warmen Klang zu erreichen.

sonic farm berliner test

Da es sich beim Berliner um einen 2-Kanal-Preamp handelt, haben wir all diese Funktionen pro Kanal verbaut. So ist ein Stereobetrieb oder Doppel-Mono mit individuellen Einstellungen pro Kanal möglich.

Somit schließen wir das Kapitel Ausstattung noch mit dem ON/Off-Schalter, der blauen LED für die Spannungsanzeige der Röhrenheizung und der LED für die Peak-Anzeige ab, die von grün nach rot wechselt, wenn das System zu heiß angefahren wird.

SonicFarm_Berliner_logo

Sonic Farm Berliner: Die Verarbeitung

Das 1 HE Rackmount System ist relativ schwer, massiv gebaut und macht einen sehr soliden Eindruck. Alle Schalter rasten sicher ein, die Buchsen sind fest verschraubt und es wackelt und zappelt nichts. Der ON/OFF-Schalter ist relativ schwergängig, was ein versehentliches Bedienen unmöglich macht.

Nur hier kommen wir zum einzigen Manko, den ich dem Gerät ankreiden kann: Der Regler für Gain, wie auch für den Ausgangspegel sind viel zu leichtgängig. Nicht falsch verstehen: Die lassen sich sehr präzise drehen und sind überhaupt nicht wackelig. Aber schon durch leichten Schweiß auf den Fingern bleiben die Chickenhead-Regler an der Haut hängen und so verstellt man schon beim Wegnehmen der Finger den Pegel minimal. Da hier auch keinerlei Rasterung angeboten wird, ist der Links/Rechts-Abgleich im Stereobetrieb schon eine rechte Frickelei. Hier würde ich ein feines Raster, wie es z. B. Elysia macht, bevorzugen.

SonicFarm_Berliner_switches

Außerdem halte ich den Hochglanz lackierten Deckel für wenig praxisgerecht. Auf Nachfrage hat uns der Hersteller mitgeteilt, dass der Klarlack den Siebdruck auf der Frontplatte vor Kratzern schützt und so auch der Deckel mitlackiert wurde. Ich kann mir aber vorstellen, dass dieser beim Einbau ins Rack recht schnell verkratzt. Aber bei fast 3.000,- Euro Anschaffungspreis möchte der kanadische Hersteller sicher etwas „glänzen“. Da das Gerät aber knallvoll mit tollen Features und Funktionen ist, wäre ein matter Deckel meiner Meinung nach auch OK gewesen.

Wie klingt der Sonic Farm Berliner?

Um mir einen Eindruck vom Charakter des Berliners zu machen, habe ich verschiedene Testszenarien gewählt:

  1. Vergleich zum V76 Unison Plug-in von Universal Audio im Apollo X6
  2. Vergleich zum SSL SiX Superanalogue Preamp
  3. Mit dynamischen und Kondensatormikrofonen (Shure SM58 und Sennheiser e865)

Aufgenommen habe ich mit Logic X über das Universal Apollo X6 und mit UA Luna für die Demonstration des Unison Plug-ins. Bitte bei den Vergleichen berücksichtigen: Schon geringe Lautstärkeunterschiede können einen subjektiven Klangunterschied bewirken. Die Aufnahmen sind somit nur Anhaltspunkte, um einen ersten Eindruck vom Sonic Farm Berliner zu bekommen.

sonic farm berliner test

1. Vergleich zum V76 Unison Plug-in von Universal Audio im Apollo X6

Der Vergleich zum Plug-in ist immer so eine Sache. Zum einen hat man bei Universal Audio ja die Unison Technik, die beispielsweise das Impedanzverhalten des Originals auf Hardware-Ebene nachahmt. Dann ist hier auch immer ein psychologischer Faktor einzurechnen, dass ein günstigeres Plug-in doch niemals so gut klingen darf (!) wie die Hardware.

Sonic Farm Berliner

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Preis2.869,00 €

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Hier kann man aber im direkten Vergleich folgendes festhalten: Der Charakter ist definitiv sehr ähnlich. Die „Flat/3kHz“-Schaltung am Plug-in V76 ist definitiv nicht so fein und hochauflösend, wie die Air-Schaltung im Berliner. Ein HiFi-Tester würde sagen, der Sonic Farm klingt etwas edler.

SonicFarm_Berliner_luna

2. Vergleich mit dem SSL SiX

Das SSL SiX verfügt über die SSL eigenen Superanalogue Preamps, die natürlich einen ganz anderen Charakter haben als die V76-Schaltungen. Grundsätzlich bin ich persönlich (bzw. geschmacklich) mehr auf der SSL-Seite, denn ich mag den runderen Charakter des Amps. Der Sonic Farm klingt im direkten Vergleich für mich minimal mittenbetont und etwas heller. Hier scheint man die Röhren zu hören. Die FAT- bzw. AIR-Schaltungen sind sehr praxisgerecht und können zum Teil mit dem 2-Kanal-EQ des SSL SiX imitiert werden. Insgesamt Geschmacksache, wobei der Sonic Farm wirklich sehr amtlich klingt.

SSL-SiX_angle_low

Eine Pianosequenz (Korg Grandstage):

SonicFarm_Berliner_logicx

3. Mit dynamischen und Kondensator-Mikrofonen

Bei den Mikrofonen gibt es keine Überraschungen: Sehr feinzeichnend, warm und mit tollem Headroom zeigt der Berliner seine Qualitäten. Hier macht gerade der FE-Übertrager einen sehr überzeugenden Job. Die Obertöne, die Transienten und die Dynamik werden glaubhaft und sehr neutral wiedergegeben. Die akustische Gitarre wird mit seinem Korpus und den (etwas abgenutzten) Saiten sehr natürlich reproduziert und auch bei der Stimme merkt man dem rot-schwarzen Gerät seine Klasse an: Sehr überzeugend.

Akustische Gitarre, jeweils mit SSL SiX und dem SonicFarm mit dynamischem und Kondensatormikrofon:

Stimme (aus dem „Das ABC der Musik“ von Imogen Holst) mit SSL und SonicFarm und mit dynamischem und Kondensatormikrofon:

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Es fällt auf, dass der SonicFarm bei höherem Gain-Pegel schneller zum Rauschen neigt, insbesondere beim dynamischen Mikrofon. Ansonsten haben wir auch hier einen überaus sauberen Klang, detailreich und mit Hilfe der diversen Filter (AIR, FAT etc.) viele Möglichkeiten, den Charakter noch weiter anzupassen. Ich würde sagen: Glückwunsch an die Kanadier: Eine sehr überzeugende Vorstellung!

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Fazit

Ganz ehrlich – am Anfang dachte ich noch: Wieder ein 1 HE Preamp Klon und dann noch für fast 3.000,- Euro? Dafür bekommt man doch mittlerweile einige Klassiker und bewährte Studiotechnik.

Aber bei der gebotenen Ausstattung, den interessanten Features und dem tollen Klang kann ich letztlich nur sagen: ein sehr, sehr gutes Gerät, das zwar seinen Preis, aber dafür auch wirklich einiges zu bieten hat. Wer grundsätzlich den Klang des Telefunken V76 in seinem Setup wünscht, aber nicht 4.000,- Euro oder mehr in ein Vintage-Gerät stecken mag, was dann sicher noch überholt werden muss, der sollte sich den Sonic Farm Berliner unbedingt anhören.

Plus

  • umfangreiche Ausstattung
  • sehr guter, authentischer V76 Klang
  • hochwertige Verarbeitung

Minus

  • Drehregler zu leichtgängig
  • kein Schnäppchen

Preis

  • 2.869,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Danke für den Test!

    Erst dachte ich beim ersten Anblick an etwas Neues von Kush, Sonic Farm hatte ich tatsächlich noch nicht auf dem Zettel!

    Hab mich damals für den V76 Ersatz bei Triton-Audio bedient (gibt’s mittlerweile bei Kaufland, kein Witz), hier würde mich ein Vergleich interessieren!

  2. Profilbild
    dAS hEIKO AHU

    Oh ja. Irgendwas zwischen MindPRint und Focusrite Red mit Reglern eines 70er Jahre Backofens…
    …und ich liebe es. <3

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