Test: SPL Control One, Monitorcontroller

18. Januar 2021

SPLs neuster Monitorcontroller

spl control one test

SPL Control One, Monitorcontroller

Der SPL Control One ist einer der zwei neusten Monitorcontroller der recht jungen Series One, mit der das in Niederkrüchten ansässige Unternehmen Sound Performance Lab die Klangqualität seiner teureren Geräte mit reduzierten Features zu einem moderaten Preis anbietet.

Bei dem Control One handelt es sich um einen aktiven Monitorcontroller, der Anschlüsse für zwei Stereo-Quellen sowie zwei Boxenpaare besitzt und mit einem Kopfhörerverstärker inklusive einfacher Phonitor Matrix ausgestattet ist.
Genau wie bei dem Phonitor One und One d, die AMAZONA.de bereits getestet hat, verfügt der Control One über rein analoge Schaltkreise, während das 200,- Euro teurere Modell Marc One zusätzlich einen AD/DA-Wandler enthält.

SPL Control One

SPL Control One im Studio

Auf den ersten Blick

Wie alle Mitglieder der Series One hat auch der Control One ein kompaktes, schwarzes Metallgehäuse (21 cm Breite, 22 cm Tiefe und 4,96 cm Höhe) mit einem strengen, aber sehr eleganten Design, das durch seine abgerundeten, seitlichen Kanten besticht. Das Gewicht beträgt 1,5 kg, wodurch genügend Last auf den vier Gummifüßen unter dem Gerät ruht, um einen rutschsicheren Halt zu geben, selbst wenn die Hand leicht gegen das Frontpaneel drückt.

Entsprechend der wenigen Anwendungsmöglichkeiten ist die Bedieneroberfläche sehr überschaubar gestaltet:
Der Volume-Regler hat einen Durchmesser von 3,1 cm und besteht, wie bei SPL üblich, aus Aluminium. Sämtliche Kippschalter fallen zwar recht klein, dafür aber sehr hochwertig aus, da sie beim Betätigen einen gesunden Widerstand erzeugen und schließlich mit einem schönen, mechanischen Klacken umspringen.

Fast alle Anschlüsse liegen auf der Rückseite des SPL Control One und sind mit 6,3 mm Klinkenbuchsen ausgestattet. Dazu zählen zunächst einmal die zwei Stereoeingänge (Line 1 und 2), von denen der erste symmetrisch und der zweite unsymmetrisch ist.
Wahlweise können sie per 3-Weg-Kippschalter auf der Vorderseite einzeln oder gemeinsam angewählt werden.

SPL Control One test

Die Anschlüsse auf der Rückseite

Auch der erste Boxenausgang (A) hat im Gegensatz zu dem zweiten Boxenausgang (B) symmetrische Anschlüsse und ist zusätzlich mit einem Subwoofer-Ausgang bestückt. Beide lassen sich ebenfalls per 3-Weg-Schalter separat aktivieren oder stummschalten, aber nicht gemeinsam nutzen.
Das jeweils angewählte Boxenpaar kann in Mono oder Stereo abgehört werden, darüber hinaus sind die linke und rechte Seite des Stereobildes tauschbar.

Um zum Beispiel ein Signal an einen separaten Kopfhörerverstärker oder ein Mischpult weiterzuleiten, gibt es noch einen unsymmetrischen Stereo-Line-Ausgang, den stets die selektierte Eingangsquelle – unabhängig von der Lautstärkeregelung – speist.

Der runde Netzschalter befindet sich auf der Rückseite, genauso wie der Anschluss für das externe, zum Lieferumfang gehörende 12 Volt Netzteil. Da es intern eine Spannung von +/-18 Volt erzeugt, können laut Hersteller professionelle Pegel von bis zu +22,5 dB erreicht werden.
Direkt neben der Stromversorgung sind noch zwei Mini-Dip-Schalter eingebaut, mit denen sich das Signal der Boxenausgänge (nicht das des Kopfhörerverstärkers) um 10 dB reduzieren lässt.

Der Kopfhörerverstärker

Rechtsaußen auf dem Frontpaneel liegen die Bedienelemente des Class-A/B Kopfhörerverstärkers, der mit einem symmetrischen 6,3 mm Klinkenausgang ausgestattet ist. Ihm sind zwei kleine Potentiometer zugeordnet, deren Knöpfe jeweils 1 cm Durchmesser haben:
Der eine dient – separat von dem Master-Volume der Boxenausgänge – zur Lautstärkeinstellung und der andere für die Regelung des Crossfeeds der Phonitor Matrix.

SPL Control One

Der Kopfhörerverstärker

Mit diesem überaus praktischen Feature, das bereits von älteren Produkten wie dem Phonitor 2, Crimson 3 oder 2Control bekannt ist, hat SPL die komplette Series One ausgestattet, wenn auch in abgespeckter Form.
Da bei Kopfhörern das Stereosignal von dem linken und rechten Ohr stets vollständig getrennt wahrgenommen wird, entsteht ein überaus breites, aber auch sehr unnatürliches Klangbild. Um die Hörsituation mit zwei normalen HiFi- oder Studiolautsprechern nachzuempfinden, lässt sich mittels der Crossfeed-Funktion das Maß der Übersprechungen beider Seiten einstellen.

Während sich bei den großen SPL Geräten, wie zum Beispiel dem Phonitor 2, zusätzlich der Aufstellwinkel der „Boxen“ wie auch die Lautstärke des Center-Signals regeln lässt, sind diese zwei Parameter bei dem Control One als unveränderbare Presets festgelegt:
Das Center-Level beträgt -1 dB und der Winkel der Lautsprecher 30°.

Mit einem mechanischen Klacken im Signalpfad wird beim Betätigen des Crossfeed-Reglers das Aktivieren der Phonitor-Matrix bestätigt. Je höher der Regelwert ist, desto größer sind die Übersprechungen der beiden Seitensignale und umso schmaler erscheint das Stereobild.

SPL hat diese Funktion ganz anschaulich in folgendem Video beschrieben:

SPL Control One – Praxis

Der Aufbau des SPL Control One gestaltet sich recht simpel und ist weitestgehend selbsterklärend.

Lediglich das Kabel des externen Netzteiles fällt mit einer Länge von knapp 1 m sehr kurz aus. Bei einer durchschnittlichen Tischhöhe von 76 cm reicht der Weg gerade mal bis zum Boden, sofern die Steckdose sich unmittelbar darunter befindet und der Control One möglichst nah an der Tischkante steht.

Sobald alles verkabelt ist, lässt das komplett heruntergedrehte Master-Relais das Eingangssignal noch ganz minimal durch, um das hören zu können, muss allerdings ein Ohr direkt an den Lautsprecher gehalten werden. Bei dem Herabsetzen des Ausgangspegels um 10 dB verringert sich dieser Überrest nochmals.
Wenn anschließend das Master-Relais ganz leicht aufgedreht wird, sind sofort beide Seiten des Stereobildes wahrnehmbar, das ist ein wichtiges Detail, gerade wenn ein Engineer seine Tonmischung gerne mal sehr leise hört.

Das Gleiche gilt übrigens für den Kopfhörerausgang, auch er lässt die Signal bei heruntergedrehtem Volume geringfügig durch, dafür sind die linke und rechte Seite des Stereobildes ebenfalls umgehend präsent, wenn man den Lautstärkeregler betätigt.

SPL Control One

Der Volume-Regler

Obwohl die Bedienelemente nicht sonderlich groß ausfallen, ist das haptische Design des Control One sehr gelungen, was vor allem an der Qualität der Bauteile liegt. Das Master-Volume, der wohl am häufigsten genutzte Regler, hat eine passable Größe und lässt sich gut greifen, ebenso wie die zwei kleineren Knöpfe des Kopfhörerverstärkers. Auch wenn sie etwas schmächtiger geraten sind, ist ihr Regelweg genauso ausgewogen wie der des Masters, sprich nicht zu leicht- und nicht zu schwergängig.

Die drei robusten Kippschalter auf dem Frontpaneel können wiederum bequem mit einer Fingerkuppe bedient werden. Wie bereits erwähnt, erzeugen sie beim Betätigen mechanische Geräusche, die allerdings nicht im Signalpfad zu hören sind.

Grundsätzlich bietet der SPL Control One Monitorcontroller alle rudimentären Ausstattungsmerkmale für kleinere Studio-Setups, dennoch müssen angesichts des Preises natürlich Abstriche gemacht werden: Es gibt keine Talkback-Funktion, keine DIM-Schaltung, keine separate Mute-Funktion für den Subwoofer des Boxenausgangs (A), keine XLR-Buchsen und ungefähr die Hälfte der Anschlüsse ist unsymmetrisch ausgelegt.

SPL Control One

Die Eingangsanwahl

Klang des SPL Control One

Der Klang des SPL Control One ist zunächst einmal absolut nebengeräuscharm und ungefärbt. Er hat einen neutralen und analytischen Charakter mit einem sehr linearen Frequenzgang.

Sein präzises und straffes Lowend verleiht den tiefsten Frequenzen eine saubere Kontur mit einem klar definierten Übergang zu den oberen Bässen, wodurch gerade Bassdrum und E-Bass eine gleichberechtigte Einheit bilden.

Auch das komplette Midrange wirkt sehr ausgewogen: Die unteren Mitten werden überaus sachlich und nüchtern wiedergegeben, während die oberen Mitten eine angenehme Präsens haben und vor allem bei hoher Lautstärke stets sehr behutsam bleiben, so dass Snares, Vocals oder Lead-Instrumente nicht das Gehör stressen – sowohl über Lautsprecher als auch über Kopfhörer.

Die Übertragung der Höhen erfolgt ebenfalls auf sehr filigrane Weise. Sie ertönen offen, luftig und schön transparent, was zum Beispiel besonders bei dem silbrigen Schimmer einer Akustikgitarre oder bei Beckenschlägen deutlich wird.

Neben seiner objektiven Beschaffenheit hat der Control One eine sehr edle Note, die sich nicht nur anhand seines ausgeglichenen Klangbildes, sondern sich vor allem an der differenzierten und fein gestaffelten Tiefendarstellung zeigt. Raumanteile und Hallfahnen werden überaus plastisch und detailreich wiedergegeben, während die Ortung von Signalen im Panorama sehr präzise ist.

Test-Setup: Adam S3V, Genelec 1029A, Beyerdynamic T5, Beyerdynamic DT-100

SPL Control One test

SPL Control One

Fazit

Der SPL Control One eignet sich sehr gut für kleinere Studio-Setups oder Post-Produktionen, in denen ein einfacher, analoger Monitorcontroller benötigt wird. Trotz des flachen Formates und der überschaubaren Funktionen bietet er einen edlen Klang, der normalerweise nur von teureren Geräten erwartet werden darf.

Qualitativ ist der Control One hochwertig und robust verarbeitet, wovon auch die Haptik der kleinen Bedienelemente profitiert. Sein Ausgangssignal erklingt überaus neutral, mit enormer Präzision und erfüllt alle Ansprüche an einen professionellen Abhörpfad.

Angesichts dieser hohen Qualität ist auch der Preis von 499,- Euro absolut gerechtfertigt, wer mehr Features benötigt, sollte sich die größeren Modelle von SPL, wie den Marc One, 2Control oder MTC, ansehen.

Plus

  • neutraler, professioneller Klang
  • Phonitor-Matrix
  • Verarbeitung
  • Haptik

Minus

  • sehr kurzes Netzteilkabel

Preis

  • 499,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    janschneider  

    Hübsch, ich könnte sowas in dem Format gebrauchen, die meisten solcher Geräte sind ja gerne mal (im für mich platzbedingt unbrauchbaren) Desktopformat, aber das ist preislich etwas außerhalb meines Budgets. 250,- wäre eher mein Limit, dafür könnte ich auch auf Crossfeed und den zweiten Monitorausgang verzichten. Gibt’s da auch was von ratiopharm? ;-)

    • Profilbild
      JohnDrum  

      Wenn du was von „Ratiopharm“ haben willst, dann kann ich den Behringer Monitor2USB empfehlen! Da wird dir geholfen!

  2. Profilbild
    Markus Schroeder  RED

    Das Teil hat jetzt aber keinen Crossover-Filter um das Signal zwischen Sub und Satelliten für 2.1 aufzutrennen, oder?

    M.

      • Profilbild
        Markus Schroeder  RED

        Danke Chris,

        sehr schade, hätte ein Killerprodukt sein können.

        Die meisten Satelliten in einem 2.1 Setup mögen keine tiefen Frequenzen, von den Phasenproblemen bei nicht-Auftrennung der Frequenzen mal ganz zu schweigen.
        So ist es m.M.n. nur eine verpasste Chance und SPL hätte sich den Sub-Ausgang auch gleich sparen können.

        Das wird beim Marc One sogar nochmals schwerer wiegen.

  3. Profilbild
    andresnol

    Could you comment on the headphone output? The headphone output impedance of Control One is 20ohm and the impedance of T5 is 32ohm, so the Control One does not fall under the 1/8 impedance rule for these headphones. Is not the frequency response skewed with these headphones?

  4. Profilbild
    Letigo

    Danke für den Test.
    Hoffe das bald ein vom Marc One model Test folgt. Bin gespannt wie gut der intergrierte D/A ist

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