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Test: Tierra Audio Gravity VCA Bus Compressor Take 2, Stereokompressor

9. August 2021

Nachhaltige Dynamikbegrenzung

tierra audio gravity compressor take 2 test

Test: Tierra Audio Gravity VCA Bus Compressor Take 2, Stereokompressor

Der spanische Hersteller Tierra Audio hat sich der Nachhaltigkeit als ein zentrales Element seiner Firmenphilosophie verschrieben. So wird etwa für jede verkaufte Hardwareeinheit ein neuer Baum gepflanzt und bei Materialwahl, Verarbeitung, Verpackung und Versand auf größtmögliche Umweltverträglichkeit geachtet. Dabei soll bei der Audioqualität ein höchstmögliches Qualitätsniveau erreicht werden. Nachdem sich der geschätzte Kollege Armin Bauer beim Calima Preamp vor allem wegen der Preisgestaltung eher mäßig begeistert zeigt, bekommt die Firma mit dem lobenswerten Ansatz in diesem Testbericht über den Tierra Audio Gravity VCA Bus Compressor Take 2 eine zweite Chance. Auch dieses Gerät bewegt sich mit einem Ladenpreis von 1.699,- Euro durchaus im Marktsegment „Professionelle Studiotechnik“ und muss dementsprechend gehobenen Ansprüchen genügen.

Die Bezeichnung „Take 2“ deutet darauf hin, dass es sich beim Testkandidaten um eine verbesserte, zweite Generation des Gerätes handelt. Tatsächlich wurde gegenüber „Take 1“ die komplette Schaltung überarbeitet sowie die schaltbaren Attack und Release Zeiten optimiert und erweitert.

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Lieferumfang & Verarbeitung des Tierra Audio Gravity VCA Bus Compressors

Die Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens zeigt sich gleich bei der Verpackung: Hier wird vollständig auf die Verwendung von Plastik oder Kunststoff verzichtet. Möglich wird das dank einer Box aus Paulovnia, einem schell nachwachsenden Holz, das neben seiner Stabilität und dem geringen Gewicht wasserabweisend ist und so das wertvolle Gerät vor Feuchtigkeit schützt. Diese Box ist mit einem Siegel versehen, wodurch das Ganze eine gewisse Exklusivität ausstrahlt.

Test: Tierra Audio Gravity VCA Bus Compressor Take 2 BB2

Sofort ins Auge fällt die Vorderseite samt Bedienpanel, deren Grundplatte aus Aluminium eine schmucke, aus massivem Kirschholz bestehende Frontplatte aufgesetzt ist. Durch hochwertige Veredelung kommt die Holzoberfläche sehr gut zu Geltung, zumal ein makelloses Stück Kirschholz ohne Mineraleinschlüsse oder Astlöcher ausgewählt wurde. Ohne Zweifel sieht das sehr schick aus, die Formulierung des Herstellers, dass durch die einzigartige Maserung des Holzes jedes Gerät zu einem Unikat wird, finde ich persönlich etwas, nun ja, übertrieben. Kein Stück Holz ist wie das andere und so könnte man letztlich jedes Kellerregal aus Kiefernholz zu einem Unikat erklären …

Die hochwertige Anmutung verstärkt sich durch den Einsatz von Lasergravur für das Firmenlogo auf der Frontplatte und die Beschriftung der Bedienelemente. Eine sympathische Idee finde ich die Verwendung von stilisierten Schildkröten und Hasen für die jeweils langsamsten und schnellsten Einstellungen der Zeiten von Attack und Release.

tierra audio gravity compressor take 2 test

Das Bedienpanel stellt zwei stufenlose Regler für Treshold (-15 bis 15 Dezibel) und Make-up Gain (0 bis 15 Dezibel) bereit, welche sich dank ihres optimalen Drehwiderstands und ihrer geriffelten Oberfläche hervorragend bedienen lassen. Das Gleiche gilt für die gerasterten Mehrweg-Schalter für Ratio (1:2, 1:4 und 1:10), Attack (0,14 bis 12 Millisekunden, in 6 Stufen schaltbar) und Release (15 bis 67 Millisekunden, in 4 Stufen zuzüglich „Auto-Modus“schaltbar)

Zwei Druckknöpfe schalten die Kompressorschaltung in den Bypass und aktivieren ein Highpassfilter im Sidechain, welches bei 100 Hz mit -3 Dezibel eingreift.

Zur Kontrolle der Gainreduktion dient ein analoges, hintergrundbeleuchtetes VU-Meter des britischen Herstellers Sifam, rechts in der Font befindet sich der vom Design her an einen großen kalifornischen Hersteller von Hard-und Software angelehnte Powerbutton.Test:Tierra Audio Gravity VCA Bus Compressor Compressor back

In der Rückplatte des abgesehen von der Frontblende komplett aus Aluminium gefertigten Gehäuses befinden sich neben dem Anschluss für das Netzkabel und einem Spannungswahlschalter zwei XLR-Pärchen, die Ein-und Ausgänge mit Line-Pegel bereitstellen.

Insgesamt besticht die Verarbeitung des Tierra Audio Gravity VCA Bus Compressor durch eine Perfektion, wie man sie auch in höheren Preisklassen selten sieht. Das beginnt bei den mit dem Gehäuse verschraubten, mit hörbarem „Klick“ einrastenden Audiobuchse, setzt sich über die lupenreine und ästhetisch ansprechende Holzoberfläche der Frontplatte fort und endet bei den Bedienelementen, die kerzengerade in der Front montiert sind. Mit optimaler Schwergängigkeit glänzen die stufenlos regelbaren Regler für Treshold und Makeup Gain. Dies ermöglicht besonders feinfühliges und präzises Justieren und schützt zudem vor versehentlichem Verstellen

Der spanische Hersteller lässt sich seine Übertrager von namhaften Herstellern speziell für den Gravity-Kompressor anfertigen, wobei in der Eingangsstufe Übertrager von Carnhill Verwendung finden, während die Ausgangssignale von Produkten der Firma Trias Magnetics übertragen werden. Im Zusammenwirken mir der handgefertigten VCA-Spannung wird so laut Hersteller der doch außergewöhnlich gute Wert für den Signal-Rauschabstand von mindestens 120 Dezibel erreicht.

Test: Tierra Audio Gravity VCA Bus Compressor Take 2 02

Tierra Audio Gravity VCA Bus Compressor Take 2: Sound & Praxis

Hören wir also mal, ob der Madrilene die hohen Erwartungen, die man in der Preisklasse durchaus anmelden darf, auch erfüllen kann. Manuelle Bedienung und Haptik spielen jedenfalls schon mal in der höchst möglichen Liga.

Um die Beschriftung der Hörbeispiele richtig zu deuten benötigt man die Zuordnung der Schalterpositionen von Attack und Release zu den entsprechenden Kompressionszeiten in Millisekunden:

Attack:

  • slow (die Schildkröte)= 12
  • 2 = 4,6
  • 3 = 1,7
  • 4 = 0,6
  • 5 = 0,26
  • fast (der Hase) = 0,14

Tierra Audio Test.Gravity VCA Bus Compressor Take 2 03

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Release:

  • slow = 67
  • 2  = 38
  • 3 = 20
  • fast = 15

Wir haben es also mit den für VCA-Kompressoren typischen sehr schnellen Werten zu tun.

Die Hörbeispiele sind so benannt, dass man ihnen die Einstellungen des Kompressors entnehmen kann. „Tierra Audio Gravity VCA bass hpf, r 4 tr-12 atk slo rel 3“ bedeutet demnach: Quellsignal Bass, Highpass Filter ist aktiviert, Ratio 4:1, Treshold -12 db, Attack slow (Schildkröte =12 Millisekunden, siehe oben) sowie Release auf „3“ (=38 Millisekunden, siehe oben)

Dem Testkandidaten als reiner Stereokompressor gehört zunächst natürlich ein Summensignal zur Bearbeitung zugeführt. Dementsprechend starten die Hörbeispiele mit einer vom Logic-Drummer bereitgestellten Schlagzeugsumme, die verschiedentlich komprimiert wird.

Hier erfüllt das Gerät alle Erwartungen, von subtiler Verdichtung bis zu drastischer Effektkompression geht hier alles, was man sich wünscht. Bemerkenswert ist das wirklich gute Rauschverhalten selbst bei heftiger Gainreduktion. Die Verwendung des Triad Magnetics-Übertragers zahlt sich hier offenbar aus.

Auch mit elektronischen Signalen kommt das Gerät klar, wie folgende Hörbeispiele demonstrieren. Bei aktiviertem Hochpassfilter bleiben mehr Tiefbassanteile erhalten.

Eine vom Softube „Modular“ generierte Sequenz wird mit dem Testkandidaten bearbeitet. Man kann gut hören, wie der Charakter des Signals modifiziert werden kann und die Kompression so ein Bestandteil des Sounddesigns wird.

Im folgenden Beispiel wird eine Gruppe aus zwei E-Gitarren und einem Clavinets gebildet und bearbeitet.

Selbstverständlich kann man auch Monosignale bearbeiten, hier beispielhaft an E-Bass und E-Gitarre:

Im folgenden Soundbeispiel wird ein Celloquartett bearbeitet, welches klanglich enorm profitiert. Charakteristische Frequenzbereiche werden optimal betont, beinahe hat man den Eindruck, dass das Gerät „hört“, welche Anteile besonders gut klingen, das Signal gewinnt an Kompaktheit und Räumlichkeit.

Für das letzte Hörbeispiel wird nun ein kompletter Mix durch den Kompressor geschickt. Als so bezeichneter Bus Kompressor sollte das eine leichte Übung sein. Auch hier wieder zweimal die identischen Einstellungen einmal mit und einmal ohne High-Pass-Filter. Durch den Einsatz des Filters im Sidechain wirkt der Tiefbassbereich wie befreit, der Track „atmet“ mehr und erhält mehr Druck untenrum.

Der Testkandidat gefällt im Praxistest mit überzeugenden Ergebnissen bei geringsten Nebengeräuschen.

Sicherlich wird man hier auf der Suche nach dem „Mojo“ nicht unbedingt fündig, man erhält hier vielmehr ein präzises Dynamikwerkzeug, bei dem sich der Spaßfaktor nicht zuletzt durch die hochwertige Verarbeitung und die sich wertig anfühlende Haptik der Regler und Schalter einstellt. Die stufenlosen Regler für Treshold und Gainmakeup haben eine wirklich optimale Schwergängigkeit und  ermöglichen feinfühlige Einstellungen, bei denen die Klang- und Lautstärkeveränderungen absolut gleichmäßig über den Reglerweg verteilt sind. Der schaltbare Hochpass im Sidechain „befreit“ den Bassbereich hörbar und dürfte besonders bei der Arbeit mit elektronischem Material höchst willkommen sein.

tierra audio gravity compressor take 2 test

Zusammen mit der hochwertigen Optik und dem präzise reagierenden VU-Meter kommt da wirklich Freude bei der Arbeit auf! Wir haben es hier sicherlich nicht mit einem Sonderangebot zu tun, im Gesamtpaket geht das Preis/Leistungsverhältnis aber absolut klar- eine so hochwertige Verarbeitung sollte in dieser Preisklasse eigentlich selbstverständlich sein, ist es aber nicht.

Inwieweit das Thema „Nachhaltigkeit“ hier den Preis in die Höhe treibt, vermag ich nicht so recht beurteilen, aber auch wenn man diesen Aspekt außen vor lässt, wirkt der Gravity Audio VCA Bus Compressor Take 2 auf mich keineswegs überteuert.

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Fazit

Der Tierra Audio Gravity VCA Bus Compressor Take 2 überzeugt beim Test nicht nur in der B-Note mit nachhaltigen Konzepten bei Materialien, Verpackung oder zu pflanzenden Bäumen, auch in den hier im Tonstudio entscheidenden Disziplinen wie Audioqualität, Verarbeitung und Bedienbarkeit kann er glänzen. Die perfekte Verarbeitung überzeugt auf ganzer Linie, klanglich gefällt die kristallklare und nebengeräuscharme Arbeitsweise bei präziser Dynamikkontrolle. Kleine Änderungen bei Treshhold und Make-up Gain sind deutlich hörbar und gut stufenlos kontrollierbar, die schaltbaren Werte bei Ratio und den Kompressionszeiten bewähren sich in der Praxis ebenso wie der schaltbare Hochpassfilter im Sidechain. Einzelne Instrumente oder Stimmen verarbeitet er ebenso gut wie Summensignale, für die er als echter Stereokompressor eigentlich konzipiert ist.

Die Ausstattung beschränkt sich auf das Nötigste, dennoch ist das Gerät vielseitig einsetzbar und kann sich in seiner Preiskategorie problemlos behaupten. Wer auf der Suche nach einem neutralen Stereokompressor ist, sollte den Tierra Audio Gravity VCA Bus Compressor Take 2 in die nähere Auswahl mit einbeziehen!

Plus

  • Verarbeitung
  • Optik
  • Sehr nebengeräuscharm
  • Transparenter Sound
  • Bedienbarkeit

Preis

  • 1.699,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    moinho  

    „Langsam“ kann das Ding anscheinend garnicht – 12ms für Attack und 67ms für Release sind durchaus…außergewöhnlich (andere Buskompressoren fangen mit so ner Release-Zeit grade mal an) – was freilich bei Allem mit LF zu LF-Modulation und damit Verzerrung im Release führt (für den ders mag).
    Aber vielleicht ist das garnicht so schlimm, immerhin gibts ja ne „handgefertigten VCA-Spannung“, während z.B. SPLs 120V wahrscheinlich aus nem schnöden Transformator kommen…

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