Test: UVI PX P-10, Sample-Klon Sequential Prophet-10

21. Dezember 2019

Der doppelte Prophet-5 als UVI-Klon

Test: UVI PX P-10, Sample-Klon des Sequential Prophet 10

Test: UVI PX P-10, Sample-Klon des Sequential Prophet-10

Langsam, aber unaufhaltsam arbeitet sich der französische Software-Hersteller UVI durch alle berühmten Vintage-Klassiker. Diesmal auf dem Programm, der quasi doppelte Sequential Prophet-5, der Prophet-10. Für gerade mal 79,- Euro verspricht UVI eine authentische Nachbildung des seltenen Klassikers.

Warum aber macht sich UVI die Mühle, einen Prophet-10 zu rekonstruieren, wo es doch schon einige gute VSTs des Sequential Prophet-5 gibt, allen voran der höchst gelobte Repro-5 von U-He. Die Antwort könnte lauten: UVI hat selbst noch keinen vollwertigen Prophet-5 im Programm (nur innerhalb der UVO Synth Anthologie 2 gibt es einige P5-Sounds) und so dient der P-10 wohl auch dazu, diese Lücke im eigenen Sortiment zu schließen.

Der Sequential Prophet-10 war im Grunde genommen nämlich nichts anderes als ein 10-stimmiger Prophet-5 mit zwei Tastaturen.

Das Original, der Sequentiell Prophet 10

Das Original, der Sequential Prophet-10

Und wie auch beim Prophet-5 gab es beim 10er verschiedene Revisionen. Rev 1 und 2 arbeiteten noch mit SSM-Chips, während Rev 3 mit Curtis-Chips ausgestattet wurde. Welche Version für die ausführliche Sample-Session letztendlich zur Verfügung stand, darüber schweigt sich die Website des Herstellers aus.

Beeindruckende Fakten zum UVI P-10

Ganze 30.000 Samples des Originals dienen nun als Basis für 309 Presets und 188 Layer. Wer sich schon mal eine der UVI-Vintage-Synth-Libs zugelegt hat, wird bestätigen, dass UVI keine halben Sachen macht und wirklich enormen Wert auf eine hohe Audioqualität und Sample-Verarbeitung legt. Die Stacks, Layers und Multisamples sind wirklich State of the Art, da kann man absolut nicht meckern.

Die zweite Edit-Page

Bereits als Sample-Player würden die UVI-Libs eine gute Figur machen, aber ein paar wenige Synthese-Features wie Filter, Hüllkurven und Modulationen erlauben die Anpassung der Presets an die eigenen Wünsche. Wenn man hier vorsichtig zu Werke geht, bleibt der Grundcharakter des Originals erhalten. Wer hingegen tiefer in die Klanggestaltung eingreifen will, sollte lieber zu einer VA-Alternative greifen.

Einfach gehaltener Arpeggiator im P-10

Auswahl der Sounds

Die Auswahl der Klänge ist dem Produkt und seinem Zeitgeist geschuldet. Die 80er erleben damit ihr volles Revival. Wer hingegen sehr ausgefallene, neuartige Sounds sucht, wird nur zum Teil fündig. Aber diesen Anspruch erhebt meines Erachtens der P-10 auch gar nicht. Wer den Prophet-10 aufleben lassen will, bekommt hingegen genau das, was er gesucht hat.

Step Modulator für ausgefallene Sequenzen

Step-Modulator für ausgefallene Sequenzen

Der doppelte Prophet-5

So banal es klingen mag, gerade die Möglichkeit, zwei unterschiedliche Presets auf der Startseite vollkommen unkompliziert zu layern und ein wenig nachzubearbeiten, ist die absolute Stärke dieses Plugins. Bässe werden breiter, Pads lebendiger und überhaupt macht dieses Feature einfach unendlich Spaß. Unterm Strich: Wem es mehr darum geht, einen passenden Sound für seine aktuelle Produktion zu finden, wird hier sehr unkompliziert in den meisten Fällen schnell zum Ergebnis kommen. Wer hingegen die Freude am Schrauben genießen will, ist einfach bei den UVI-Libs am falschen Platz.

Die Effektabteilung des P-10

Effektabteilung des UVI P-10

Wie der Screenshot oben zeigt, gibt es eine ganze Menge an Effekten, die schnell ausprobiert und überlagert werden können. Die Qualität ist für ein Plugin dieser Preisklasse in Ordnung und bietet die Möglichkeit, schnell zu experimentieren. Am Ende wird man aber wohl eher zu spezialisierteren Effekt-Plugins greifen, um die Authentizität der Klänge zu erhalten.

Ein wenig schade ist auch, dass die Effekte immer auf der Summe der beiden Layers liegen. Hier hätte ein individueller Aux-Weg pro Layer sich Wunder wirken können.

Sounddemos zum UVI PX P-10

Fazit

Für Sound-Sammler ist das UVI PX P-10 fast schon ein Muss. Ich habe immer wieder mit den UVI-Libs viel Spaß und vergleiche sie auch gerne mit den Originalen (soweit sie mir zur Verfügung stehen). Das Ergebnis ist jedes Mal verblüffend – im positiven Sinn. Lässt man die Finger von Filtern, Effekten und Co., erhält man tatsächlich den puren Vintage-Sound am Rechner – manchmal mehr als von so manchem Plugin. Leidenschaftliche Schrauber werden damit aber nicht viel Spaß haben.

Für 79,- Euro ist UVI wieder ein unglaubliches Sample-Paket eines Klassikers gelungen. Und überlegt man sich mal, welcher Aufwand für die Umsetzung betrieben wurde (irgendjemand musste ja tatsächlich 30.000 Samples aufnehmen und zu Presets wieder zusammenbauen), erscheint der Preis extrem niedrig. Und obwohl es heute Hilfsmittel wie Sample-Robot gibt, ist der Operator bei einer solchen Menge an Sounds Tag und Nacht eingebunden. Also Hut ab.

Plus

  • authentische Reproduktion des Prophet-10
  • umfangreiche Library mit hervorragenden Samples
  • günstiger Preis

Minus

  • Effekte nicht pro Layer einsetzbar, sondern nur auf der Summe

Preis

  • 79,- Euro
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    Moin Tyrell,
    den Prophet 10, den Du hier beschreibst und der die Grundlage für das Plugin bildet gab es nicht als Rev 1, 2, 3 sondern immer nur mit Curtis Engine.
    Der Prophet 10 Rev.1 ist ein ganz anderes Instrument. Das ist ein Prototyp, der dem P5 Rev.1 entspricht, aber 10 SSM Stimmen im klassischen einmanualigen Prophet 5 Gehäuse unterbringt.
    Das ist quasi der Ur-Prophet.
    Es gab nur ganz wenige davon. Weil der P10 rev 1 zu heiss wurde entschied sich Sequential kurz nach Verkaufsstart den Synth nur noch mit halber Stimmenzahl als Prophet 5 rauszubringen.
    Jahre später kam dann der eigentliche Prophet 10 als 2-manualiges Riesenschiff mit verschiedenen Stimmenverteilungsmodi und Sequencer auf den Markt. Hiervon gab es offiziell keine Rev.1, 2, 3, etc. nur zwei Varianten des Speicherlaufwerks.

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