Test: WeissKlang V13, Großmembranmikrofon mit KlangFormer Modeling Software

11. Dezember 2017

Gelungenes Erstlingswerk

Weissklang V13

WeissKlang ist ein recht neuer deutscher Mikrofonhersteller, der mit dem V13 Großmembranmikro sein erstes Produkt vorstellt. Seit Sommer ist exklusiv für V13 User die KlangFormer Software erhältlich, die von WeissKlang zusammen mit Sonimus entwickelt wurde. Damit erweitert sich das WeissKlang V13 zum Modeling-Mikrofon. Wie gut sich die Kombi schlägt, soll dieser Test zeigen.

Hintergrundwissen

Das noch recht frische Unternehmen WeissKlang existiert seit 2013 und ist in Murr im Bottwartal nahe Stuttgart beheimatet. Das kleine Team von Inhaber Salvatore Di Fresco hat sich vorgenommen, in ihrer Mikrofonmanufaktur professionelle Studiomikrofone zu entwickeln und herzustellen. Aktuell ist als einziges Produkt das V13 erhältlich, das im Juni 2017 mit der Sonimus KlangFormer Software aufgerüstet wurde.

klassische Silhouette

Das WeissKlang V13 wird von Hand gefertigt. Hier führt die Internetpräsenz die Schritte Leiterplatten, Installation der Bauteile, Lackierung, Lötarbeiten, Bedienungsanleitung, Holzschatulle und Verpackung auf. Ein Gespräch mit dem Inhaber offenbart hier typisch schwäbisches Understatement, inzwischen werden z.B. sogar die Kapseln in Murr selbst gefertigt, erstaunlich für eine kleine Manufaktur. Vorwiegendes Ziel ist hier – auch in Anbetracht auf weitere Produkte – die Unabhängigkeit von Zulieferern.

Die selbst gefertigte Kapsel

Hervorzuheben ist auch die 3-jährige Garantie, die der Hersteller seinen Produkten mit auf den Weg gibt. Durch den Standort Deutschland ist eine schnelle und einfache Kontaktaufnahme und im Falle eines Falles schnelle Problemlösung gewährleistet.

Vertrieben werden WeissKlang Produkte (oder im Moment eben nur das V13) exklusiv im Direktvertrieb, was sich positiv auf die Kosten auswirkt und den direkten Kundenkontakt bietet.

Philosophie

Mit dem WeissKlang V13 möchte der Hersteller einen neutralen Klangaufzeichner anbieten. Dafür wurde ein übertragerloses Schaltungsdesign gewählt. Zusammen mit einer impulstreuen und linearen Übertragung soll das Mikrofon universell einsetzbar sein. Großer Wert wurde auf hochwertige Bauteile, niedriges Eigenrauschen und ein resonanzarmes Gehäuse gelegt. Durch eine exakte Einmessung und gute Qualitätskontrolle möchte die Manufaktur ein langlebiges Produkt anbieten.

Lieferumfang

Geliefert wird das WeissKlang V13 in einer Holzschatulle, die mit Noppenschaum gepolstert ist.

Das Mikro in der Box

Sie ist nicht besonders luxuriös ausgefallen, erfüllt aber ihren Zweck. Das ist auch von der mitgelieferten Spinne zu sagen, die das Mikro gut festhält und im Spannring mit Schaumstoff ausgelegt ist, so dass der Korpus des Mikrofon nicht verkratzt.

Die Mikrofonspinne

Mit dabei ist eine DIN A5 Bedienungsanleitung, eine personifizierte Garantiekarte mit Seriennummer und die Download-Karte für den KlangFormer. Der steht allen V13 Käufern kostenlos zur Verfügung.

Technische Daten und Verarbeitung

Das V13 bietet als Richtcharakteristik eine Niere an. Der Übertragungsbereich bietet die üblichen 20 Hz bis 20 kHz. Laut Frequenzverlauf werden tiefe Frequenzen ab ca. 85 Hz abgeschwächt. Der Grenzschalldruck liegt bei 130 dB. Ein Pad-Schalter und ein Low-Cut werden nicht angeboten.

Der Geräuschpegel liefert mit <10 dB (A-bewertet) einen sehr guten Wert. Die Impedanz ist mit 200 Ohm angegeben.

Das Mikrofon misst ca.180 mm in der Länge und hat an der dicksten Stelle einen Durchmesser von ca. 50 mm. Damit entspricht es in Form und Größe in etwa einem Neumann TLM 193. Auch das Rautenlogo erinnert an den großen Berliner Mikrofonhersteller, ist aber nur aufgeklebt. Das ist bei der schlanken Preiskalkulation zu verschmerzen. Mit 400 Gramm Gewicht ist das Mikrofon relativ leicht.

Das Logo, angelehnt an einen renommierten deutschen Mikrofonhersteller

Die Metallverarbeitung ist sauber ausgeführt, das Einsprechgitter sitzt gerade und ist stabil.

Öffnen lässt sich das Gehäuse nicht, so ist die Elektronik für mich nicht einsehbar. Auch hier wieder die Nachfrage beim Hersteller, der eine plausible Erklärung parat hat. Um die Elektronik perfekt abzustimmen, sind einige Trimmpotis verbaut und es wäre fatal, daran herumzudrehen. Also ist Wartung und Service dem Kundendienst vorbehalten und die Verschraubung wurde mechanisch recht fest gezogen. Für mich nachvollziehbar.

Soundcheck

Hier greife ich ja gerne zu einem mir gut bekannten Vergleichsmikrofon, so auch dieses Mal. Das Audio-Technica AT4040 erscheint mir ein geeigneter Kandidat, da es ebenfalls recht linear abbildet und auch im ähnlichen Preisbereich liegt. Für den Test nehme ich das nahezu baugleiche SPL Nugget her, das von Audio-Technica speziell auf den Channel One der Niederkrüchtener Klangschmiede abgestimmt wurde.

Oben das Nugget, unten das V13

Das Einpegeln verläuft problemlos, beide Mikrofone arbeiten hier in einem ähnlichen Bereich. Für das WeissKlang sind 3 dB weniger Vorverstärkung zu aktivieren, womit sich der gute Geräuschepegel theoretisch zum Vergleichsmikro noch zusätzlich etwas verbessert. In der Praxis sind aber beide Mikrofone sehr rauscharm. Beim leichten Klopfen gegen das Mikrogehäuse hingegen geht das Nugget als Sieger hervor, hier scheint die Kapsel besser entkoppelt zu sein.

Nun gilt es für mich, über meinen Schatten zu springen. Immer wieder von einem Teil der Leserschaft gefordert: Soundbeispiele. Hier ist es meiner Meinung nach auch sinnvoll, gerade um auch die Möglichkeiten des KlangFormers aufzuzeigen. Nichtsdestotrotz empfinde ich es während des Testbetriebs als lästig und unangenehm, mich auch noch als Sänger versuchen zu müssen. Aber ihr habt es nicht anders gewollt, also mache ich mich für euch zum Affen, lebt damit!

Für den Gesangstest mit der „Oberarmlänge“ Abstand benutze ich einen kleinen Testsong, den ich für solche Gelegenheiten zusammengestückelt habe.

Klanglich präsentiert sich das WeissKlang V13 sehr direkt und tatsächlich weitgehend linear. Der Höhenbereich klingt offen und feingliedrig und lässt dem Tonsignal viel Luft zum atmen. Der Mittenbereich klingt straff, ohne eine Frequenz besonders zu betonen. Auch auf eine Betonung der unteren Mitten, die für Stimmabnahme gerne etwas gepusht werden, hat man bei WeissKlang zugunsten der universellen Anwendung verzichtet. Die Bässe klingen recht schlank, so dass der nicht implementierte Low Cut selten vermisst werden dürfte.

Datenschrieb

Das Audio-Technica klingt insgesamt etwas weicher und intimer. Der deutlichste Unterschied zeigt sich in der Abbildung der Höhen. Obwohl der Frequenzgang des Nugget eine Anhebung ab 5 kHz mit Spitzen bei 11,5 kHz und 15 kHz anzeigt, klingt das Vergleichsmikrofon in den Höhen belegter. Hier kann das V13 punkten, allerdings klingt es dabei auch etwas härter.

Der zweite Versuch ist eine Sprachaufnahme mit geringem Abstand. Werden beide Mikrofone sehr nah besprochen, muss man beim WeissKlang mit dem seitlichen Anstand etwas umsichtiger agieren, die Niere des WeissKlang V13 ist etwas enger als beim Vergleichsmodell.

Nahabstand mit Poppschutz

Beide Mikros reagieren hier eher verhalten, ein ausgeprägter Nahbesprecheffekt ist nicht wahrzunehmen. Das WeissKlang bringt hier allerdings eine leichte Färbung in den tiefen Mitten mit ein, die der Stimme mehr Druck verleiht.

Bisher habe ich mit den recht neutralen Preamps meines Apollo Interfaces gearbeitet. Um zu testen, wie das WeissKlang auf verschiedene Preamps reagiert, lege ich nun das Vergleichsmikro beiseite, splitte das Signal und lege den zweiten Kanal auf den Channel One von SPL. Um der Stimme genügend Platz einzuräumen, werden hier meine Gesangsversuche nur von einem Drumbeat begleitet.

Ein Klangunterschied ist deutlich wahrnehmbar. Während das Apollo eher klinisch rein abbildet, ist der der Channel One Spur die Röhrenfärbung und eine leichte Kompression in den Höhen wahrnehmbar. Auch hier zeigt sich die Linearität des Mikros, das sich gut auf den vorgeschalteten Verstärker einlassen kann.

KlangFormer

Bisher zeigt sich das WeissKlang V13 als unkompliziertes Klangwerkzeug, das flexibel einsetzbar ist. Ob hier die mitgelieferte Software noch eins draufsetzen kann, soll nun überprüft werden. Die Software kann von der WeissKlang Seite mit der beiliegenden Download-Karte bezogen werden und ist schnell installiert.

Die KlangFormer Software

Der KlangFormer wurde speziell auf das V13 ausgerichtet. Er ist recht simpel parametrisiert. Zwei Regler für Input und Output im Wertebereich von -12 dB bis +12 dB werden von einem VU-Meter zur Aussteuerung begleitet. Fünf fest vorgegebene Klangpresets und ein Off-Button sind vorhanden. Die Bedienungsanleitung liefert die entsprechenden Soundvorgaben, die ich hier direkt übernehme.

„Modern“: Beeindruckt mit einer luftigen Höhenwiedergabe, druckvollen Mitten und Tiefen. Mit dem charakteristischen Klang von Übertragern fügt sich das Signal optimal ein. Eignet sich sehr gut für Vocals und akustische Instrumente.

„Vintage“: Besticht durch den druckvollen und rustikalen Sound der 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts, mit präsenten Mitten, definierten Tiefen und brillanten Höhen.

„Classic“: Klingt sehr musikalisch und warm mit natürlichen Höhen, präsenten Mitten und Tiefen. „Classic“ vereint die besten Eigenschaften aus Transistor- und Übertragertechnik und ist sehr vielfältig anwendbar.

„Tube“: Reproduziert die harmonischen Verzerrungen und den warmen Klang alter Röhren mit seidigen Höhen und vollen Tiefen. Das Signal gewinnt deutlich an Sättigung und wirkt dreidimensionaler. Dieser Modus ist auf zahlreichen Schallquellen anwendbar.

„Ribbon“: Bietet den charaktervollen Klang von Bändchenmikrofonen mit definierten Mitten und einer sehr dezenten Höhenwiedergabe. „Ribbon“ klingt hervorragend auf Vocals, Gitarren, Bläser und eignet sich zudem auch für Klavieraufnahmen.

Den größten Effekt erzielt man mit ganz aufgerissenem Input, dafür nehme ich den Output ganz zurück, um wieder auf die Ausgangslautstärke zu kommen. Den Gesangspart ergänze ich um Drums, akustische Gitarre, Piano und Saxofon ,um die entsprechende Auswirkung der Presets auf unterschiedliches Material zu dokumentieren. Eigentlich sollte ich das nun alles mit dem WeissKlang V13 aufnehmen, hier muss es aber die Konserve tun.

Schon in der „Off“-Einstellung zeigt sich, dass das VU-Meter nicht zur Aussteuerung zu gebrauchen ist, der Zeiger ist fast durchgehend am Rechtsanschlag. Hier sollte man also besser auf die Aussteuerung der DAW vertrauen.

Die „Modern“ Einstellung fügt dem Signal Höhen zu, die allerdings etwas hart ausfallen. Vom Druck in den Mitten und den Tiefen kann ich nichts vernehmen, die Kickdrum klingt hier deutlich lascher.

„Vintage“ unterscheidet sich nicht wesentlich von vorher gehenden Preset, die tiefen Mitten geraten hier minimal druckvoller.

Besser gefällt mir „Classic“. Das Signal wird weicher, wie ganz leicht mit einem Optokompressor bearbeitet. Dadurch gerät es etwas weiter nach vorn.

In der Einstellung „Tube“ scheint man tatsächlich eine harmonische Röhrenverzerrung wahrzunehmen. Auch hier wirkt das Signal leicht komprimiert und dadurch nach vorn gebracht. Die Mitten werden ein wenig nasal, so dass ich den Gesang nicht unbedingt dieser Einstellung anvertrauen würde. Das Drumset hingegen gewinnt hier deutlich an Druck und Tiefe.

„Ribbon“ nimmt dem Klang etwas die Höhen, dadurch wird der Sound intimer. Das passt nicht immer, der Gesang gerät mir dabei zu weit in den Hintergrund. Sehr schön gefällt mir hier die Gitarre, auch Piano und Sax können von dem Preset profitieren.

Zusammengefasst liefert die KlangFormer Software einige gute Ansätze. Sie bietet allerdings nichts, was nicht auch mit einem anständigen EQ und Kompressor machbar wäre. Der Vorteil ist hier, dass man sich nicht um verschiedene Parameter kümmern muss, der Nachteil ist, dass man sich hier nicht um verschiedene Parameter kümmern kann. Ein Kaufargument ist der KlangFormer für mich nicht.

Fazit

WeissKlang liefert mit ihrem Erstling ein gelungenes und stimmiges Produkt „Made in Germany“ ab, das zudem noch mit einer recht zurückhaltenden Preisgestaltung zu punkten weiß.

Die Idee eines linearen und damit universell einsetzbaren Klangaufzeichners geht voll auf. Die zugehörige KlangFormer Software ist ein nettes Gimmik und kann dem technisch weniger erfahrenen Musiker durchaus eine Hilfestellung bieten.

Abgerundet wird das Konzept durch hochwertige Materialien und saubere Verarbeitung. Auch der Direktvertrieb mit direkter Kundenanbindung kann als Pluspunkt gewertet werden.

Plus

  • linearer, vielseitiger Sound
  • offene, direkte Klangstruktur mit fein aufgelösten Höhen
  • saubere Verarbeitung
  • sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • alternativer Vertriebsweg

Minus

  • KlangFormer macht kein Modeling-Mikro

Preis

  • Direktverkauf: 499,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    MidiDino  AHU

    Danke Armin für den Test und die Audios, obwohl ich niemals Audios eingefordert hatte. Aber sie ergänzen wunderbar.

  2. Profilbild
    Armin Bauer  RED

    Hallo Helge,

    danke dir.
    Wie schon öfters ausgeführt, wenn ich es für sinnig erachte mache ich mir die Mühe mit Soundbeispielen schon.

  3. Profilbild
    Wolli63  

    Das Weissklang V 13 hat mich sehr überrascht. Es klingt einfach fantastisch. Es erhält die Dynamic ohne dabei aufdringlich zu wirken.

    Das V 13 klingt sehr warm und natürlich.

    Die Frequenzgänge sind allesamt sehr neutral und die Stimme klingt wirklich „echt“.

    Der Nahbesprechungseffekt wirkt eher zurückhaltend und verstärkt den Bassbereich nicht unangenehm.

    Mitten und Höhen klingen Brillant ohne dabei unangenehm zu wirken. (keine Verzerrungen in den Mitten,- keine Spitzen in den Höhen)

    Auch sind keine „S“ oder „Zischlaute“ überbetont.

    Die Zugabe, das VST Plugin „Klangformer“ kitzelt noch mehr aus dem V 13 raus. Dieses Plugin macht seinen Job wirklich gut und ein
    Nachbearbeiten der Stimme ist kaum noch von Nöten.

    Ich habe selten ein so gutes Mikro in den Händen gehabt.

    Es gibt von einem großen namhaften Hersteller aus Berlin ein Micro das ca. 100 Euro teurer ist, aber nicht an die Qualitäten des V 13 heran kommt.

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