Test: Xils Lab KaoX, FM-Synthesizer Plug-in

5. Mai 2021

Yamaha FM-Klassiker als Plug-in

Als ich die ersten Ankündigungen und Screenshots des neuen Plug- Ins von Xils-Lab – KAOX – auf amazona.de gesehen habe, wurde ich auf ein virtuelles Instrument aufmerksam, dessen Existenz mir bis dahin nicht geläufig war. „Inspired by a legendary fm synthesizer“ war da die Ankündigung.

Auf den Renderings war ein Holzgehäuse mit Klaviatur zu sehen, die eher an einen Stutzflügel erinnerten, denn an ein elektronisches Musikinstrument.

Ein wenig Geschichte zum Xils Lab KaoX

Der Artikel von Max Lorenz über die Yamaha DX-Story, klärte mich auf.

Der Urvater der FM-Synthese war nicht der Yamaha DX-7 sondern der  GS-1, der erste kommerziell erhältliche FM-Synthesizer. Das aus Nussbaum gefertigte Gehäuse mit 88-Tasten-Klaviatur war in Kontrast zur äußeren Erscheinung vollgestopft mit Elektronik in Form eines 2×4 Operatoren – FM-Synthesizers.

Der GS-1 war am Gerät selbst nicht programmierbar, wohl aber extern per Computer. Er verfügte über lediglich 16 Presets, zusätzliche Presets konnten über Magnetstreifen eingelesen werden. Der GS-1 war 16-Stimmig Polyphon und 2-fach multitimbral. Auch aufgrund des hohen Verkaufspreises wurden vom GS-1 nur etwa 100 Exemplare gebaut.

Ich selbst hatte im Lauf der Jahre einen Yamaha TX-816 mit 2 Modulen sowie einen Yamaha DX-5 im Studio, heute vertreten ein Yamaha Montage und ein Elektron Digitone die FM-Fraktion – die klangliche Power eines TX-816 wurde aber von allen Nachfolgern aus meiner Sicht nicht mehr erreicht – andererseits war die Programmierung des TX-816  höflich formuliert eine Katastrophe, er war eher auf seine Presets reduziert – Stichwort „Tänzerin“.

Die spannende Frage ist also: Wie viel Ur- FM Power können XILS-Lab in das KAOX Plug-in transformieren? Diese Erwartung wird ja durch das User -Interface mit Rendering des GS-1 getriggert. Das Xils-Lab ihr Handwerk verstehen, haben die Franzosen bereits mehrfach eindrucksvoll bewiesen.

Xils Lab KaoX – Chaos als Konzept?

Das Konzept des KAOX-Plug-ins geht über die Emulation des GS-1 hinaus , Xils-Lab erweitert den Ur-FM-Synthesizer mit analogen Oszillatoren, Filtern und bringt auch chaotic Algorithms als Oszillatoren und Chaos Modules als Modulatoren mit ins Spiel.

Was ist KaoX also tatsächlich?

Sehen wir uns zunächst einmal die Architektur des Plug-ins an:

Kaox bietet neben der vom Yamaha GS-1 „inspirierten“ FM-Klangerzeugung mit 2 x4 Operatoren  noch 2 weitere Oszillatorpärchen, O1 und O2 – virtuell-analoge Oszillatoren  – sowie OC1 und OC2 – Chaotic Oscillators. Die virtuell analogen Oszillatoren werden dabei prinzipiell durch die beiden Filter geroutet, die Chaotic Oscillators und FM können auch direkt in die beiden VCAs gesendet werden. Die VCAs lassen sich dabei unabhängig im Stereobild anordnen.

Wenn man das Plug-in öffnet, befindet man sich zunächst in der „simple View“, deren Rendering stark vom Yamaha CS-1 „inspiriert“ ist und in der Patches gewählt und generelles Verhalten wie Oszillatordrift, Tune und Vibrato und Tremolo eingestellt werden können. Ebenso können hier die 2 Layer der Klangerzeugung geschaltet werden – Kaox bietet drei Möglichkeiten: Single-Mode, Double- oder Split-Mode.

Per Klick kann man den Advanced-Mode hinzuschalten, der dann vollen Zugriff auf die Klangerzeugung bietet. Dieser ist grafisch ein völliger Bruch zur „simple View“ , blau, grau und schwarz dominieren, alles ist simplifiziert und zweidimensional – im Kontrast zum Rendering, es werden im Zusammenhang möglichst alle relevanten Parameter dargestellt – das alles ist durchdacht und sehr ergonomisch und graphisch angenehm unaufgeregt. Insgesamt stehen 4 Auflösungen zur Verfügung, es kommt zum Teil richtiges Cinemascope-Feeling auf.

Per Knopfdruck wird dem Rendering des GA-1 ein Advanced-Panel hinzugefügt, um tiefer in die Programmierung einsteigen zu können

Im Zentrum der Darstellung stehen natürlich  die klangbildenden Elemente und da primär

Der Frequency Modulation Oszillator

Die FM Klangerzeugung besteht aus 2x 4 Oszillatoren, im Gegensatz zum GS-1 können aber auch alle 8 Oszillatoren für einen Sound herangezogen werden. Dabei können zur Modulation nicht nur die Modulatoren der FM-Engine herangezogen werden, sondern auch die virtuell-analogen Oszillatoren A1 und A2 sowie die „chaotic oscillators“ C1 und C2.

Die Verschaltung der Operatoren wird dabei im FM algorithm Panel durchgeführt, in dem man die jeweiligen Modulationsintensitäten in einer Matrix einstellt und auch den Ausgangspegel auf die beiden Ausgänge regeln kann. Dabei können sowohl einzelne Modulationspegel, als auch der gesamte Algorithmus mit copy/paste übertragen werden, in einem eigenen FM Operator Panel werden dann die Parameter für jeden einzelnen Operator eingestellt.

Die Verschaltung der Operatoren wird in einer Matrix durchgeführt, die Operatoren selbst verfügen jeweils über eigene Hüllkurven

Analog Oszillator & Noise

Die virtuell analoge Abteilung wird durch die beiden Oszillatoren O1 und O2 abgedeckt. Die Schwingungsform lässt sich dabei stufenlos von Dreieck über Sägezahn, Rechteck zu Pulse einstellen.

Wenig spektakulär, aber wohlklingend, die VA-Oszillatoren des KaoX

Chaotic Oscillators

Etwas kryptisch ist die Beschreibung der Chaotic-Oscillators. Diese basieren auf Algorithmen, die das chaotische Verhalten der Welt da draußen nachahmen sollen. Derzeit stehen drei „Chaotic Algorithms“ zur Auswahl.

  • 2M – reproduziert Vocals mit 2 Massen und 3 Federn – Zitat aus dem deutschen Handbuch
  • Chaos – reproduziert ein standardisiertes chaotisches Verhalten in Form von Noise
  • Subh – erzeugt chaotische Subharmonien zu Sinusschwingungen

Weitere Algorithmen sollen in Zukunft folgen.

Wenige Parameter, kryptische Bezeichnungen – die Chaos-Oszillatoren

Filter, Hüllkurven und LFOs

In dieser Abteilung wird gewohnte Kost aufgefahren, es gibt 2 Filter, die nach analogen Vorbildern modelliert wurden und in Form von Lowpass mit 12 und 24 dB Flankensteilheit sowie Bandpass mit 6 und 12 dB sowie Highpass mit 12 dB Flankensteilheit vorliegen. Der Amount ist für jede Quelle frei zwischen den beiden Filtern regelbar.

Bei den Hüllkurven werden derer 4 dem geneigten Klangschrauber bereitgestellt, jeweils 2 dedizierte DADSR-Kurven für die VCAs und 2 dedizierte DADSR-Kurven für die Filter. Alle 4 Hüllkurven stehen auch als Modulationsquellen in der Modulationsmatrix zur Verfügung. Die Hüllkurven lassen sich zum Tempo des Hosts synchronisieren.

Weiters stehen 2 LFOs als Modulationsquellen bereit, als Schwingungsformen werden Sinus, Dreieck, Sägezahn, Ramp, Rechteck und Sample & Hold aufgefahren. Als Besonderheit können mehrere Schwingungsformen angewählt werden, die dann gemischt werden und somit LFO-Modulationen abseits üblicher Pfade auch im sehr subtilen Bereich ermöglichen.

Chaos und andere Modulationsquellen

Nachdem das Chaos abseits der Namensgebung bereits als Oszillator abrufbar ist, hat Xils Labs auch Chaos als Modulationsquelle in Form des ChaoX-Modules entwickelt.

Bei den 2 als Modulationsquellen vorhandenen ChaoX-Modulen werden wie bei den Chaos-Oszillatoren Schwingungsformen generiert, die weder repetitiv wie klassische Schwingungsformen noch randomisiert sind, sondern chaotischen Regeln unterworfen sind.

Die derzeit 4 angebotenen Typen sind betreffend der Namensgebung ebenso exotisch wie die Chaos-Oszillatoren.

  • Flying Fly – zufällig wie die Flugbahn der Fliege
  • Bow Tie – zufällig auf der Bahn einer Schleife
  • Rainbow – ein zufälliger Spaziergang auf der Form eines Regenbogens
  • Butterfly – der Modulationsparameter folgt abweichenden Kreisen in Form eines Schmetterlings

Das alles wirkt in der Beschreibung zunächst abstrakt bis esoterisch, praktisch betrachtet bietet KaoX die Möglichkeit abseits der üblichen LFO-Schwingungsformen komplexe Modulationsformen zu generieren. Das kann subtil eingesetzt werden, um Klängen Leben einzuhauchen und durch ständige minimale unregelmäßige  Modulationen das Verhalten analoger Bauteile zu „simulieren“, kann aber ebenso für kreative Klanggestaltung eingesetzt werden.

Weiters ermöglichen eine umfangreiche Modulationsmatrix und ein Aftertouch/Velocity-Modul Modulationen des Klanges.

Als Draufgabe on Top beinhaltet das KaoX Plug-in auch einen Arpeggiator und einen Sequencer, der auch als Step-Modulator für die Modulation von Parametern in der Modulationsmatrix herangezogen werden kann.

Effekte im Xils Lab KaoX

Als Effekte sind die üblichen Verdächtigen Reverb, Phaser, Chorus und Delay vorhanden, allesamt in sehr ordentlicher Qualität.

Hintergrundinformationen zum Xils Lab KaoX

KaoX bietet eine unglaubliche Fülle an Möglichkeiten in Form einer Mischung aus FM-Synthese, analoger Synthese und chaotischen Oszillatoren und Modulationsquellen.

Ich würde mir ja definitiv  einen Hang zum Chaos attestieren, hin und wieder ist ein wenig Ordnung aber auch hilfreich, daher interessierte mich die Herangehensweise und das Konzept der Entwickler.

Xavier Oudin von Xils Lab hat mir freundlicherweise aus Sicht des Entwicklers geholfen, Licht in  das Konzept des chaotischen Plug-ins zu bringen:

„Es ist eine Weile her, dass ich einen FM-Synthesizer in der Xils-lab Produktlinie hinzufügen wollte, aber ich wollte keinen anderen DX7 reproduzieren. In weiterer Folge  begann ich an chaotischen Algorithmen zu arbeiten und einen ersten spezifischen Oszillator zu erstellen.

Bei der Recherche nach alten FM-Synthesizern stieß ich auf den Yamaha GS-1. Dessen Doppelbankstruktur hat mich interessiert. Ich fand FM-Synthese vom Sound her immer eher kalt und ich untersuchte, ob der Einsatz chaotischer Algorithmen den kalten FM-Sound beleben konnte.  Die logische Weiterentwicklung des Konzepts war, auch analoge Filter und Oszillatoren hinzuzufügen. Die Idee von KaoX war geboren.“

Klang  und Studioalltag

Klanglich und  die Möglichkeiten der Synthese betreffend ist KaoX ein herausragendes Plug-in. Das abgedeckte Klangspektrum ist riesig, die Klangqualität ist top. Gerade mit den Chaos-Oszillatoren und den Chaos – Modulationsmöglichkeiten lassen sich außergewöhnliche Klänge realisieren, aber auch FM mit einer Prise analoger Wärme, diffizilen kleinen und kleinsten Modulationen im Hintergrund.  Ein wenig fühlte ich mich in die Zeiten des TX-816 zurückversetzt, der KaoX kann echt Druck machen. Dabei hält der KaoX in puncto Klangqualität locker mit aktueller FM-Hardware wie Elektrone Digitone oder Korg OP-Six mit. Er klingt lebendig und so gar nicht nach Plug-in. Diese Klangqualität will aber erst errechnet werden. Ein Manko im derzeitigen Stand der Entwicklung ist der Ressourcenhunger des Plug-ins. Bis 48 kHz/256 ms Puffer gab es auf meinem System keine nennenswerten Auffälligkeiten mit der Prozessorauslastung. Fährt man das System aber mit 96 kHz  und 128ms (normalerweise bei mir Standard) gibt es abhängig vom jeweilig gewählten Patch Performace-Probleme bis hin zur Unspielbarkeit, ein Problem das bei anderen Plug-ins wie z.B. Omnisphere oder Parallels auch bei 96 kHz Auflösung auf meinem System nicht auftritt. Besonders kritisch sind Patches mit Nutzung aller Oszillatoren samt Double Mode. Es empfiehlt sich daher, nicht benutzte Oszillatoren abzuschalten, um Ressourcen zu sparen.

Xavier Oudin hat mir bestätigt, dass die Oszillatoren keine Frequenzen oberhalb von 20kHz erzeugen und somit aus rein technischer Sicht die 96kHz keine Verbesserung des Klanges bringen können. Das mag stimmen, hilft aber bei Verwendung in einem Projekt mit 96 kHz Audiospuren nicht direkt weiter.

Ich habe das Problem für meine Produktionsumgebung so gelöst, das ich KaoX auf einen Vienna Ensemble Host auf einem Laptop ausgelagert habe. Auch auf einem Laptop mit 48 kHz mit eigenem Audiointerface konnte KaoX problemlos  betrieben und mit allerlei Outboard verwurstet werden, und der Klang war stets überzeugend.

Update 1.1.o

Im Laufe des Tests hat Xils-Lab ein Update mit der Version 1.1.0 zum Download zur Verfügung gestellt, das einige  Bugfixes beinhaltet, betreffend Prozessorauslastung war keine signifikante Verbesserung feststellbar.

Fazit

Klanglich erfüllt KaoX die Erwartungen, die man an ein Plug-in von Xils-Lab stellt. Auch die Bedienung und das User-Interface sind vorbildlich gelöst, es macht Spaß an Sounds zu schrauben, und die Chaos-Oszillatoren zu erkunden. An Bord ist eine umfangreiche User-Library, die die Möglichkeiten von KaoX in hoher Qualität abbildet. Zusammengefasst ist KaoX ein Synthesizer Plug-in mit sehr innovativen Ansätzen, wenn auch das Konzept aus GS-1-Inspiration ergänzt um VA und Chaos auf den ersten Blick  unschlüssig wirkt. Ich würde ja gerne 3 Sterne vergeben, aber aufgrund des Ressourcen-Hungers unter 96 kHz werden es doch nur 2. In jedem Fall ist es jedem Soundschrauber empfohlen, sich die zeitlich limitierte Demo von der Xils-Homepage zu holen und das Plug-in selbst auszutesten – es zahlt sich aus!

 

Plus

  • Klang
  • innovative Chaos-Oszillatoren
  • KaoX-Modulationsmodul
  • übersichtliches und durchdachtes User-Interface

Minus

  • Ressourcenverbrauch bei 96 kHz

Preis

  • Einführungspreis bis 15.05.21: 99,- Euro
Klangbeispiele
Forum
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    Herr_Melin  

    Wenn das Ding tatsächlich wie ein GS-1 klingt, brauche ich den ganzen Rest wie die Chaos-Oszillatoren nicht.

    Soweit ich informiert bin, kriegt man den „echten“ Tänzerin-Sound auf einem DX-7 und seinen Derivaten nicht hin, auch nicht auf einem TX 816 oder einem DX-5. Oft versucht, nie erreicht. Gleiches gilt meines Wissens nach für die FM-Sounds auf Grönemeyers „4630 Bochum“. Auch aus einem GS-1 oder 2, der etwas road-tauglicheren Variante.

    Woran das liegt? Keine Ahnung. Vielleicht weil die Wandler des GS-1 noch aus Bakelit waren.

    Das 96 kHz Samplingfrequenz bei Frequenzen unter 20kHz keinen Sinn machen, ist mir neu. Höher reicht das menschliche Hörempfinden nicht, trotzdem sind 48 kHz komplett oldschool.

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      toneup  RED

      Also mein Wissensstand wäre, das DER Tänzerin-Sound mit einem TX-816 realisiert wurde. Ich kann nur aus persönlicher Erfahrung sagen, dass – trocken ohne EQ eingepegelt am Pult der TX-816 den besten Klang hatte, und diese Qualität wurde mit DX-5, DX-7, DX7-IID immer geringfügig schwächer, man könnte auch sagen direkt proportional zum sinkenden Gewicht der Hardware. Aber, in der DAW kann man diesen Unterschied heutzutage mit Plugins ja aufpolieren. Und zum Thema 96 vs. 48khZ, ich höre den Unterschied mit guten Kopfhörern deutlich. Präsenz, Breite, Tiefenstaffelung, alles besser – und aus Sicht des Produzierenden möchte ich das so haben, Dass das beim runterkonvertieren auf die mp3`s des für den Konsumenten am Smartphone wieder verloren geht – mag sein. Dem steht entgegen, das bei aktueller (Synthesizer)Hardware, die vom Prinzip her ein Rechner ist 96khZ mittlerweile auch Standard ist.

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        k.rausch  AHU

        Tänzerin = GS1. Nicht ganz unwesentlich beim GS1 Soundcharakter sind der Ensemble bzw. Chorus und Tremolo Effect und die Layers. Dem Schaltbild zufolge könnte diese Einheit analog sein, müsste man nochmal Kollege swissdoc fragen. Wenn die originalen Presets nachgebildet wurden, hört man das sicherlich auch heraus. Das GS1 rauscht auch nicht schlecht. Vielleicht hat jemand die Magnetic Cards Library für diesen Softsynth imitiert, das wäre für das Wiedererkennen des als GS1 assoziierten Klangbildes praktisch. Obwohl der Entwickler offensichtlich eher die Kreuzmodulation als Inspiration im Blick hatte und ansonsten eh eine weitreichende neue Sache draus gemacht hat, so wie das der Playlist zu entnehmen ist.

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          toneup  RED

          Ok, wusste ich so nicht. Die Frage ist halt auch, wie wichtig es ist, das ein Plugin genau diesen Sound, der ja auch schon „totgehört“ ist nachbildet. Es gibt da ein paar Patches mit den DX- typischen E-Pianos, die sich ganz FM-typisch auch sehr dynamisch spielen lassen, aber ich finde die Möglichkeiten der Chaos – Oszillatoren und Modulation weitaus spannender. Ich kann nur empfehlen, sich die Demo zu installieren.

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            Henrik Fisch  AHU

            > Die Frage ist halt auch, wie wichtig es ist, das ein Plugin genau diesen Sound […] nachbildet.

            Diese Frage kann ich für mich eindeutig beantworten: Gar nicht. 😀

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            k.rausch  AHU

            KaoX will schon optisch erkennbar beide Welten liefern: GS1 und Neu-FM gleichermaßen. Daran ist auch nichts falsch, im Gegenteil. Die dem DX7 vorgeschickten Instrumente GS1/2 und CE20/25 klingen tatsächlich einigermaßen anders, das betrifft den Grundcharakter. Eine schöne Mischung also, von der bislang jedoch nur die eine Seite zu hören ist, nämlich die neue. Die alte ist vielleicht weniger überraschend, einige Sounds aber haben sich in Hits bewährt und bewährt ist bei Musikinstrumenten ein Qualitätsmerkmal. Alt = nicht schlecht, neu = muss sich noch beweisen :)

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          swissdoc  RED

          Dem Schaltplan zum GS1 entnehme ich, dass der Ensemble-Effekt traditionell auf Basis 3er BBDs (MN3009) aufgebaut ist, die von einem speziellen Yamaha Chip (YM63300 – SECII – Symphonic Ensemble Controller) angesteuert werden. Der Chip stellt die nötigen LFO Wellenformen als Treppenspannungen bereit. Die Schaltung ist 1:1 im SK30 enthalten und interessierte Leser mögen dort weitere Details nachschlagen und dann überlegen, ob das nun analog oder digital ist.
           
          Die Frage nach dem Tänzerin-Sound habe ich in den Kommentaren zur Ankündigung schon gestellt, leider wurde sie im Test nicht aufgegriffen. Ob man den Klang solch früher Digitaltechnik 1:1 im Rechner simuliert bekommt, ist eh noch eine prinzipielle Frage, müsste man eigentlich die Rechenwerke genau nachbauen und dann die Original SW darauf laufen lassen. Man liegt sonst bei den Details gerne mächtig daneben. Die Clock-Raten der Originale liegen auch locker über den 96 kHz.
           
          Der Song von Ulla Meinecke ist eh Magie, da braucht man mehr als nur einen authentischen GS1 Sound im Rechner.

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            toneup  RED

            Hallo Swissdoc, ich werde die Presets nochmal durchstöbern und schauen, was da mit nachschrauben möglich ist – werde berichten.

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              swissdoc  RED

              Das wäre super. Spannend ist ja, dass Ulla Meinecke und Edo Zanki in Interviews den Demo Charakter des Songs nicht mochten, vor allem die Drums. Bei neueren Aufnahmen ist das dann „korrigiert“ und es funktioniert – zumindest für mich – nicht so recht. Selbst die Live-Versionen mit DX7 aus den 80er fallen deutlich ab. Es ist aber auch nie Edo Zanki an den Keys.
               
              Überliefert ist nur der Umstand, dass es ein Layer aus zwei Presets des GS-1 war, aber nicht, welche. Ein Thema online seit den seligen Zeiten des Keyboards-Forums…

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                k.rausch  AHU

                Die GS1 Presets sind in der Übersicht gelistet, die im Mäppchen der weiteren Magnetcards drinsteckt. Als ich den GS1 gesampelt habe, ist mir sofort das Vibe und eins der EPs aufgefallen, deren Charaktere schon nah an „Tänzerin“ sind. Würde noch das Layer als zweiter Sound im Bunde fehlen. Kommen noch die onboard Einstellungen EQ und Ensemble bzw. Chorus dazu, dann die beim Songmix beteiligten outboard Effekte, EQ und Compressor. Das war schon so ein gewisses Wundermixwässerchen. Nachgebaut in passabler Qualität hatten das auf dem DX7 bzw. TX816 die Herren Maass und Gorges, live gespielt bei Ulla hatte das George Kochbek. Das Riff ist einigermaßen hoher Spiellevel, er hat den drauf.

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                  swissdoc  RED

                  Der Sound klingt beim Rockpalast Konzert (YouTube und DVD) einfach anders, das Schlagzeug plonkert eben nicht so diskret im Hintergrund wie die Beatbox. Einzig die von Frank Laufenberg im WWF-Club angesagte Version mit Rosa Precht am Jupiter 6 mit Vollplayback trifft es so richtig ;-)

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                    k.rausch  AHU

                    Rockpalast Mix war oft bescheiden. Dieser hier unten verlinkte bildet es besser ab, wie Kochbek das damals für sich live gelöst hatte. Übrigens sind sich nahezu alle DX Programmierer einig, dass man es mit DX7 und TX816 nicht ganz schafft, an den GS1 Charakter ranzukommen. Ist daher verständlich, dass Xils es nun hier mit Erwartungshaltung zu tun bekommt. Ulla und George live im Park hier: https://kurzelinks.de/xque

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                      swissdoc  RED

                      Vom FM Sound her offenbar das Maximum, was man ohne GS1 herausholen kann. Zu viel Chorus oder Detune für meine Ohren. Und eben, der Studio-Take hat für mich eine unvergleichliche Magie. Keine andere Version kommt da heran. That magic moment.

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                toneup  RED

                So, ich habe jetzt nochmal die Werkspresets durchgeackert – FM-Piano – mäßig ist die Werkslibrary des Kaox erstaunlich schwach. Es findet sich kein Sound, der nur annähernd selbst an den Tänzerin-Sound des DX-7 herankommt. Das ist alles nicht knackig und dynamisch genug, es gibt auch fast keine reinen FM-Presets. Es gibt ein paar Mallets und Percussion-Sounds die man für die Attack anpassen kann , wenn man die mit kurzen Orgelpresets kombiniert (man hat ja 2 Layer und kann auch 2 Sounds kombinieren) dann kann man sich langsam in die Richtung vortasten. Der KaoX kann sehr gut klingen, das Bedarf aber im Fall von FM-Pianos einiger Arbeit, die sind im Momentanen Stand nicht seine Stärke

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                  k.rausch  AHU

                  Danke dass du dir diese Mühe gemacht hast. Eine extra „Abteilung Classic & Vintage“ wird bei neuen FM Synths herstellerseits manchmal glatt vergessen und sich nur auf die Suche nach neuen Sounds konzentriert. Den Audio Tracks nach zu urteilen geht offensichtlich auch einiges in Sachen Orgel und Bässe. Gibt also noch genug zu tun mit diesem schönen KaoX.

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                    toneup  RED

                    Das Rendering des GS-1 erweckt da glaube ich falsche Erwartungen, die Stärken (momentan) liegen nicht in der Reproduktion klassischer FM-Sounds. Der Kaox kann z.B. wirklich tolle Leads, tolle Bässe, FX. Die FM – Pianos fühlen sich derzeit nicht dynamisch genug an. Mit dieser Engine kann die Magie – und da stimme ich Swissdoc vollinhaltlich zu -nicht erreicht werden. Diese Nuancen und die unglaublich gefühlvolle aber trotzdem dynamische Peformance kann das Plugin im momentanen Status nicht bieten – da muß an der Prozessorauslastung deutlich optimiert werden.

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        fitzgeraldo   1

        Der Song „Die Tänzerin“ erschien 1983, der TX-816 ein Jahr später. Dazu Edo Zanki in einem Interview in der Ausgabe von KEYBOARDS 03/1986:

        „Im Fall der „Tänzerin“ war es so, dass wir das Demo ganz authentisch nachgebaut haben. Ich habe den Song zuhause auf einem GS 2 gespielt und fand in Berlin sogar einen GS 1! Ich bekomme sehr viel Anrufe, was denn das für ein DX-7-Sound auf dem Song sei. Leider kann ich all die mitgeschickten Soundsheets nicht ausgefüllt zurücksenden, weil es gar kein DX-7-Sound war. Natürlich kann man derartiges auf einem DX erreichen, in diesem Fall war es aber eine Übereinanderlegung von 2 GS 1 Werksprogrammen.“

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    Henrik Fisch  AHU

    Toll Wurst (und vielen Dank für den Test). Ich finde das Ding seit seiner Ankündigung sehr spannend.

    Ich bin ja seit einigen Jahren schon der Meinung, dass VSTs vom Klang her wenn überhaupt kaum noch hinter Hardware-Synthesizern hinterherstehen. Von den Möglichkeiten der Verkettung mit diversen weiteren VSTs mal ganz abgesehen (und ich denke da auch an Reaktor, VCV-Rack, etc.).

    Es gibt leider eine Kleinigkeit, die mich (noch) vom Kauf abhält und das ist der iLock-Kopierschutz. Nicht, dass ich schlechtes darüber gehört habe … aber … noch eine Komponente, die irgend etwas in meinem PC macht.

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    gaffer  AHU

    @Herr Melin (ich bin starker Unterstrich- und „Quasi“-Allergiker) Habe vor ein paar Tagen eine längere Abhandlung gesehen, diezum Fazit kam, dass 48 khz Samplingfrequenzen klanglich besser abschneiden als 96 und gar 192. Ja, ich weiss wenig darüber, wie seriös das war, versuche die Quelle nochmal zu finden. Was ich aber weiss, größere Wortbreite z.B. war etwas, das aufgeklärten Musikern schon mal die Runzeln auf die Stirn trieben. Das war in den Neunzigern ganz übel, jede Soundkarte warb mit 16 Bit, klang aber um Meilen lausiger als viele seriöse 12 Bit Geräte.

    Das Design ist grauslich, das bezieht sich auf den Holzrest des GS-1. Der absolut nicht zum Rest passt, wie zusammengeklebt. Hört das nie auf? Klingt es besser? Sind die Hölzer wenigstens abgelagert?

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      Henrik Fisch  AHU

      Schön, dass das mal jemand schreibt. Ein Kumpel von mir hat mal einer Demonstration auf einer »HighEnd«-HiFi-Anlage beigewohnt (bewusst in Anführungszeichen geschrieben), wo der Unterschied zwischen 48 kHz und 96 kHz mit dem selben Musikstück demonstriert wurde. Er hat gesagt, dass er im direkten Vergleich einen Unterschied gehört hat. Er hat aber auch genau so ernsthaft eingeräumt, dass er im nicht-direkten Vergleich wohl nichts gehört hätte.

      Ich wende dann immer ein: Ja, ich glaube euch, dass man einen Unterschied hört. Aber ist der Unterschied tatsächlich nur (!) auf die Sample-Frequenz zurück zu führen? Oder hört man da ein Artefakt vom Runterrechnen auf 48 kHz? Oder wurde ein ganze andere Aufnahmekette für 48 kHz genommen? Oder – böse Vermutung – wurden da bewusst vielleicht ein klein wenig die Höhen raus oder bei 96 kHz die Höhen rein gedreht?

      Ich halte die Mär um 96 kHz beim Hörer einfach für Esoterik. Am schönsten finde ich dann noch, wenn mir jemand erzählt, dass er seine Platten mit 96 kHz gesampelt hat, weil’s noch besser klingt.

      Was ist der Unterschied zwischen einen Musik-Fan und einem HiFi-Fan?
      Der Musik-Fan nutzt seine HiFi-Anlage um die Musik zu genießen. Der HiFi-Fan nutzt die Musik um seine HiFi-Anlage zu genießen.

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        TimeActor  AHU

        Als Hifi Händler bin ich Hifi als auch Musik Fan…
        Deinem Vergleich „Der Musik-Fan nutzt seine HiFi-Anlage um die Musik zu genießen. Der HiFi-Fan nutzt die Musik um seine HiFi-Anlage zu genießen.“ muss ich schmunzelnd ohne Einschränkung zustimmen.
        Ich habe berufsbedingt beide Kategorien Kunden in den letzten Jahrzehnten kennengelernt…verstehe auch beide Ansätze. Selbst und als Musikant bin ich aber mehr der Musik Fan und Zahlen interessieren mich privat eigentlich eher nicht ;-)

  4. Profilbild
    binary_idol  

    Was war denn das für ein Computer zum Erstellen der Presets auf dem Magnetkarten? Hat jemals ein Käufer des GS-1 eigene Presets erstellt oder nur Yamaha selbst? So ein Magnetkartenschreiber war ja sicherlich auch keine Standardoption damaliger Rechner.

    • Profilbild
      swissdoc  RED

      Yamaha hatte eine Reihe von Entwicklungs-Systemen und Hardware-Programmern, da konnte sicher einer diese Karten beschreiben oder die Daten für die Produktion erzeugen. Solche Magnetkarten waren in diesen Tagen üblich, sogar HP-Taschenrechner haben entsprechende Karten benutzt.
       
      Hier zwei Links mit mehr Details und Bildern:
      https://yamaha.io/3b6VhIo
      https://bit.ly/2RzCFcQ

      • Profilbild
        binary_idol  

        Danke für die Links. Scheint, als ob nur die FM Väter an der Stanford Uni und Yamaha selbst die Programmer benutzt haben.

  5. Profilbild
    egmmond

    Das Edo Zanki 2019 verstorben ist habe ich überhaupt nicht mitbekommen.
    Habe ihn mal live in Köln erlebt, was für ein Verlusst

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