Test: Zoom L-12, Mischpult und Mehrspur-Recorder

Klangqualität des Zoom L-12

Ich bin von den Mikrofon-Preamps überaus beeindruckt. Sie haben wirklich mächtig Gain-Reserven und fangen auch nur auf dem letzten Millimeter an zu rauschen.

Selbst mit einem leistungsschwachen Shure SM7B oder einem Bändchenmikrofon sind gute Aufnahmen möglich, wenn das aufzunehmende Signal nicht zu leise ist. Super! Mein Motu 8Pre der ersten Serie muss hier im Vergleich den Kürzeren ziehen. Der Kompressor macht mir auf den ersten 2/3 des Regelbereichs viel Spaß und verdichtet das Signal angenehm. Aufpassen muss man durch das fix eingestellte Auto-Gain – dadurch kann das Signal recht laut werden und übersteuern. Bei aktiviertem Kompressor sollte man also das Input-Gain der Vorverstärker wieder etwas zurücknehmen. Die LED-Ketten neben dem Volumefadern der einzelnen Kanäle sind sehr hilfreich zur Aussteuerung des Eingangs- und Ausgangsignals.

Auch der Klang der Effektsektion begeistert mich. Hier gibt es sehr inspirierende Hall- und Delay-Variationen wie Ping-Pong Delay, Gate Reverb, Federhall, Plate Reverb und vieles mehr.
Schade, wie gesagt, dass man sie nicht direkt zum Signal aufnehmen kann.
Ich selbst bin kein großer DI-Fan, aber habe euch ein Soundbeispiel angefügt, bei dem ihr den Hi-Z-Eingang des Zoom mit dem des RME UFX vergleichen könnt. Die 5 Kopfhörerausgänge haben viel Power und klingen wieder richtig gut. Sehr gut, denn wenn 5 Musiker miteinander (oder manchmal auch gegeneinander) spielen, kann es leicht recht laut werden.
Wie ihr merkt, bin ich klanglich mit dem Zoom L-12 äußerst zufrieden. Damit lassen sich meiner Meinung nach erstklassige Demos, aber bestimmt auch professionelle Aufnahmen anfertigen.

Externe Klangerzeuger wie E-Pianos, Synthesizer etc. lassen sich ohne Probleme an den Line-Eingängen anschließen. Mit einigen meiner Preamps hatte ich allerdings Probleme. Im Signal waren sehr plötzlich eintretende laute Übersteuerungen hörbar. Nach Rücksprache mit dem Zoom-Support-Team hat man mir nahegelegt, für die Kanäle 1-8 DI-Boxen vorzuschalten, was aber für mich keine wirklich praktikable Lösung darstellt. An den Eingangskanälen 9/10 bzw. 11/12 war der Anschluss von externen Preamps kein Problem.

Das sollte sich Zoom noch mal genauer anschauen, denn wenn man trotz der guten Qualität der Vorverstärker lieber externe Preamps benutzen will, ist man hier leider auf 2 Stereokanäle beschränkt.

Klangbeispiele

Effekte:

Mikrofoneingänge und Hi-Z:

Um euch die Audiobeispiele unvoreingenommen anhören zu lassen, lasst uns am besten über die klanglichen Eindrücke in den Kommentaren diskutieren. Für diesen Sänger würde bestimmt ein anderes Mikro besser passen, doch wollte ich euch zeigen, wie gering das Rauschen der Preamps mit einem Shure SM7b ist.

Was ich mir für die Zukunft von Zoom wünschen würde:

– Alternate-Takes für Overdubbing im SD-Karten-Modus
– Routing der Eingangskanäle auf unterschiedliche Aufnahmekanäle
– die Möglichkeit, innerhalb eines Projekts eine Spur zu kopieren
– zumischbare Effekte für die Kopfhörerausgänge
– digital kontrollierbarer Gain (Anzeige des Wertes im Display)
– bessere Einbindungsmöglichkeiten für externe Preamps (Line 1-8)
– der Kompressor sollte einen On/Off-Schalter und eine Status-LED besitzen
– eine MIDI-Schnittstelle zur Aufnahme von MIDI-Daten bzw. mit MIDI-Controller-Funktion
– ADAT-Anschlüsse, um das Zoom in ein bestehendes Setup einzufügen

Fazit

Es war noch nie so leicht, so schnell so gute Aufnahmen zu machen. Zoom ist definitiv auf dem richtigen Weg und es macht sehr viel Spaß, mit dem L-12 zu arbeiten.

„We Are For Creators“ haben sich die Japaner als Slogan auf die Fahnen geheftet und das kann ich nur bestätigen. Selten war man mit einem Aufnahmegerät so flexibel und ich bin mir sicher, dass das Zoom L-12 viel Zuspruch finden wird.

Einige Punkte für die nächste Version stehen schon auf meiner Wunschliste. Vielleicht gibt es ja bald so etwas wie eine L-12 „PRO“-Version, die MIDI, ADAT und Alternate-Takes mit an Bord hat und bei der sich externe Preamps leichter einbinden lassen. Gemessen am Funktionsumfang und der gebotenen Klangqualität ist der Ladenpreis von aktuell unter 600,-  Euro unglaublich günstig.

Plus

  • rauscharme Mikrofonvorverstärker
  • wertige Verarbeitung
  • gut klingende Effekte
  • geringe Latenz, keine Treiberinstallation notwendig
  • iOS Plug and Play
  • 5 (!) Kopfhörerausgänge mit viel Gain-Reserven
  • gleichzeitige Aufnahme auf SD-Karte und in der DAW bzw. iOS
  • gut aufgebautes und einfach zu verstehendes Handbuch
  • gut durchdachtes Menü
  • sehr gute, mobile "all In one" Lösung für Bands
  • exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • keine Effekte auf den einzelnen Kopfhörerausgängen
  • Line Eingänge von Kanal 1-8 nicht für jede Peripherie geeignet.
  • Aufnahmekanäle sind fixiert und lassen sich nicht neu zuweisen
  • innerhalb eines Projekts kein Kopieren von Spuren möglich
  • kein MIDI

Preis

  • Ladenpreis: 599,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    costello  RED

    Hallo Raphael, erstmal Glückwunsch zum gelungenen Einstand bei amazona :-)
    Ist schon lustig, dass es immer noch einen Markt für digitale Mehrspurrekorder gibt.
    Ich habe neben Ableton live und Logic Pro X auch noch einen Zoom HD16 und muss zugeben,
    dass das Arbeiten damit schon Spaß macht. Effekte wie Hall oder Delay kann man beim HD16 übrigens unmittelbar jedem Kanalzug zuweisen. Und MIDI hat das Teil auch. Da scheint der L-12 zumindest in diesen Bereichen ein Rückschritt zu sein.

    • Profilbild
      Raphael Tschernuth  RED

      Hi Costello,

      freut mich :)
      Gerade was Workflow angeht, rate ich selbst vielen Hobbymusikern (die nicht Tag und Nacht beruflich vor einer DAW verbringen) dazu, sich einen digitalen Mehrspurrekorder anzuschaffen. Vor allem wenn es darum geht kreativ zu sein und Ideen oder Demos aufzunehmen. Zoom hat sich noch ein paar Optionen für die nächste Version offen gehalten. Was man mittlerweile für 600 € an Recording-Equipment bekommt ist schon fast unglaublich. Ich bin gespannt, wo wir da in 5 Jahren sind :)

  2. Profilbild
    Franz Walsch  AHU

    Diesen Recorder sehe ich nicht als Interface zur DAW, sondern als das was er ist, als Recorder.
    Für diesen Zweck halte ich auch MIDI für entbehrlich.
    Wichtiger wäre für mich eine integrierte mobile Stromversorgung in einem passenden Case.
    So wäre das Tor zum Filmton offen. Auch für das Sounddesign ist das Ding gut zu verwenden.

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      Raphael Tschernuth  RED

      Eine mobile Stromversorgung für das Zoom L-12 wäre bestimmt eine tolle Idee.
      Auch akustische Projekte, Choraufnahmen, etc. könnten davon profitieren.
      Mit dem F8 Rekorder hat Zoom dafür auch schon eine gute Lösung im Angebot. ;)

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        1-Mann-Band Berlin  

        Also ich habe gerade festgestellt, dass der Zoom L-12 mit 12 V Gleichstrom läuft, 2 Ampere braucht und es für noch nicht mal 100 EUR eine Powerbank gibt, die 12 V Gleichstrom liefern kann und zwar 3 bis 4 Stunden lang.
        Der L8 läuft ja mit Batterien, aber diese halten vielleicht so um die 90 Minuten. Da bietet sich Powerbank auch an.

          • Profilbild
            1-Mann-Band Berlin  

            Hatte mich leider vertan. Die gute Powerbank kann entweder 12V, aber dann nur mit maximal 1,5 A oder 9V und diese nur mit 2 A.
            Sprich, man kann unterwegs nur die L8 verwenden und die fehlenden Möglichkeiten mit den TC Helicon Voicestompboxen Mic Mechanic & co ausgleichen.

  3. Profilbild
    Farbfalter  

    Ich spiele mit dem Gedanken, die größere Version den „L20“ zu kaufen, allerdings ist mir eine Sache noch unklar: Kann ich damit Teile des Signals an Externe Effekte schicken?

    • Profilbild
      1-Mann-Band Berlin  

      Es gäbe eine Möglichkeit, aber die ist ein bisschen tricksen. Dafür nutzt Du den Kopfhörermix und Ausgang und gibst den Effekt auf den Stereoeingang. Aber der Effektsend ist damit Prefader. Außerdem musst Du dann aufpassen, dass nicht versehentlich eine Rückkopplung entsteht.

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