Vergleichstest: Softube Chandler Limited Zener Bender vs. Chandler Limited TG12413, Kompressor Limiter

27. Juli 2020

Software-Exzellenz oder Hardware-Ikone?

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Softube Chandler Limited Zener Bender vs, Chandler Limited TG12413, Kompressor Limiter

Vor Kurzem hatte ich den originalen Chandler Limited Zener Limiter zum Test bei mir und konnte mir in einigen Mix-Sessions einen Eindruck vom Klangbild und Charakter des Kompressors/Limiters machen. Deutlich günstiger, dafür aber natürlich in Plugin-Form, bildet der schwedische Software-Spezialist Softube den Zener Limiter im gleichnamigen Plugin ab. Wie nah sich Hardware und Software wirklich kommen, erfahrt ihr in diesem Test.

Softube Chandler Limited Zener-Bender: Eine Pub-Idee

Die Zusammenarbeit mit Chandler Limited wird auf der Softube-Website als zunächst als Brain-Storming im Jahre 2006 beschrieben, aus der dann aber schließlich die Zener-Plugins entstanden sind. Und das mit voller Unterstützung und Empfehlung des Mannes hinter den Zener-Geräten bei Chandler Limited: Wade Goeke. Der Softube Chandler Limited Zener Bender ist also Wade-approved.

Vorgehensweise beim Vergleichstest

Ach ja, so ein Vergleich macht immer Freude. Erst einmal erfordert er ein analytisches Herangehen an den Versuchsaufbau und die genaue Kontrolle über die wichtigsten Parameter: Im Falle eines Hardware-Software-Vergleichs ist die Kontrolle der Gain-Struktur am wichtigsten. Denn wie laut denn das Signal tatsächlich ist, das an die Hardware geschickt wird, kann man nicht direkt sehen, höchstens messen. Kurzum habe ich hier die Einstellungen bis auf Input und Output identisch gehalten; der Abgleich erfolgt dann über die Gain-Reduction. Drückt ein Signal dann die Soft- und Hardware auf genau die gleiche Gain-Reduction, sollte eine Vergleichbarkeit gegeben sein.

chandler limited zener limier tg12413 test

Das Original: Chandler Zener Limiter

Die Ergebnisse habe ich dann auf eine identische wahrgenommene Lautheit gebracht, mittels LUFS-Berechnung. Mehr zu Loudness-Units und LUFS hier. Zu beachten ist hierbei, dass LU und LUFS eine psychoakustische Messgröße ist, die primär über Perzeptionsexperimente ermittelt wird.

Wer Genaueres erfahren will, sollte sich die Psychoakustik-Bibel von Zwicker und Fastl (Psychoacoustics, Facts and Models 2nd Edition, Springer, ISBN 3-540-65063-6) zu Gemüte führen (basierend auf den dort vorgestellten Perzeptionsexperimenten wurde auch der MP3-Codec erschaffen). Dies sollte auch endgültig den Unterschied zwischen doppelter Amplitude (+3 dB) doppelter Lautstärke (+6 dB) und doppelter Lautheit (in weiten Bereichen ca. +10 dB) aufzeigen helfen.

Klangbeispiele

Als Testobjekte habe ich mir zunächst mal Real-Life-Spuren vorgenommen, in diesem Fall die Drum-Subgruppe aus einer Live-Aufnahme. Aber auch eine TR-808 kam zum Einsatz. Einige Leser beklagen sich (zu Recht, wie ich finde) über die Auswahl der Beispiele bei Studio-Plugins oder entsprechender Hardware. Meistens sind es (elektro-) akustische Instrumente, selten mal Synthesizer oder gar eine Drummachine. Ich möchte deswegen ab jetzt immer auch zumindest eine TR-808 mit einbeziehen. Um den Vergleich auch nachvollziehen zu können, wurden die Beispiele als 24 Bit WAV mit 96 kHz erstellt.

Beispiel 1

Softube Chandler Limited Zener-Bender - Hardware VS Software - BSP1

Softube Chandler Limited Zener-Bender – Hardware vs. Software – Beispiel 1

Im ersten Beispiel halten wir uns an Einstellungen, die auch der unmodifizierte Urahn des Chandler Limiters zu bieten hatte. Erkennbar sind solche Einstellungen an den weißen Ziffern auf der fotorealistischen Oberfläche des Softube Chandler Limited Zener Benders. Zum Einsatz kommt COMP1, der dem Drum-Set einfach mehr Punch verleihen soll.

Beispiel 1

Softube Chandler Limited Zener-Bender - Hardware VS Software - BSP2

Softube Chandler Limited Zener-Bender – Hardware vs. Software – Beispiel 2

Jetzt geht es schon mehr zur Sache, die Einstellungen der Zeitparameter bleiben, jedoch wird der Kompressor viel heißer angefahren, so dass die Threshold öfter überstiegen wird. Hier sollte man auf das Verhalten des Crash-Beckens achten.

Beispiel 3 – Limiter

Softube Chandler Limited Zener-Bender - Hardware VS Software - BSP3

Softube Chandler Limited Zener-Bender – Hardware vs. Software – Beispiel 3

Bleiben wir beim heißen Anfahren und nutzen nun den Limiter, der schneller zupackt als COMP1. Hier tritt ganz klar das Pumpen in den Vordergrund.

Beispiel 3 – THD

Nun der Vergleich der THD-Schaltung. Diese ist explizit dazu gedacht, das Signal durch Hinzufügen von Obertönen zu formen, die bei der Übersteuerung entstehen. Hier kann man das Verhalten sehr gut an der Snare ablesen, diese tritt mehr in den Vordergrund.

Beispiel 3 – COMP 2

Jetzt noch COMP2, der mit seinem Regelverhalten zwischen LIMITER und COMP1 liegt.

Beispiel 4 – TR808 A

Softube Chandler Limited Zener-Bender - Hardware VS Software - BSP4

Softube Chandler Limited Zener-Bender – Hardware vs. Software – Beispiel 4

Gerade bei einer mächtigen Bass-Drum, wie sie die 808 nun einmal bietet, kann der Sidechain-EQ zeigen, was er kann. Die Einstellungen variieren zunächst die Kompressionseinstellung (COMP1, COMP2, LIMITER bei 90 Hz Sidechain-EQ) und danach den Side-Chain-EQ (OFF, 300 Hz) im Limiter-Modus. Sowohl bei der Hardware als auch beim Softube Chandler Limited Zener Bender hört man deutlich, welch massiven Einfluss der Side-Chain-EQ auf das Regelverhalten und damit den Gesamtklang hat.

Beispiel 4 – TR808 B

Im fünften Beispiel wurde ein anderer Beat benutzt, aber mit den gleichen Einstellungen und Einstellungsvariationen wie im vorigen Beat.

Unterschiede

Nach mehrmaligem Hören komme ich persönlich zu dem Schluss: Ja, es gibt Unterschiede; und nein, für mich sind es eher Nuancen und keine Welten, die Hardware und Software trennen. Manchmal wird beim Softube Chandler Limited Zener Bender hier ein Attack etwas anders verarbeitet, ab und zu hat dort eine Ausschwingphase eine etwas andere Kontur. Würde mir jemand die Beispiele in einem Blindtest verabreichen – ich würde mich außerstande sehen, die Unterschiede im Zusammenhang stehend herauszuhören.

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Interessanterweise kommen die Unterschiede am deutlichsten bei den TR-808 Beispielen hervor – also da, wo es ins Extreme geht. Namentlich das Übersteuerungsverhalten der Bass-Drum im zweiten Beat. Trotzdem liegen auch hier keine Welten dazwischen. Am ehesten kann man den Unterschied tatsächlich im Übersteuerungsverhalten hören.

Was ich überall heraushören konnte, war eine leichte Absenkung des Mittenbereiches um 3 kHz bei der Hardware. Das kann allerdings auch am verwendeten Wandler und Kabeln liegen (RME Fireface 802) liegen. Mit einer kleinen Korrektur im Plugin, das ja eben auch den EQ enthält, kann man das einfach kompensieren.

Fazit

Ist die Emulation des originalen Chandler Limiters gelungen? Keine Frage, das ist der Fall. Manchmal stand ich schier ungläubig vor den Beispielen, so nah dran ist der Softube Chandler Limited Zener Bender am Original. Zieht man noch die Preset-Verwaltung, die multiplen Instanzen, den M/S-Modus sowie die externe Side-Chain in Betracht, kann man hier nur von einer sehr guten Emulation sprechen. Nicht hundertprozentig identisch im Übersteuerungsverhalten und allen Nuancen, aber dennoch sehr überzeugend.

Plus

  • exzellente Nachbildung der Hardware
  • M/S-fähig
  • externe Side-Chain

Preis

  • Chandler TG12413: 5.259,- Euro
  • Chandler Limited Zener Limiter Plugin: 199,- Euro
  • Chandler Limited Zener-Bender Plugin: 449,- Euro
  • für Softube Console One: 116,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    solartron  

    Hallo Thilo,

    Zitat: “ Würde mir jemand die Beispiele in einem *Bildtest* verabreichen – ich würde mich außerstande sehen, …“

    Bin mir ziemlich sicher,dass ein BLINDtest gemeint ist… ??

    LG
    sol

  2. Profilbild
    syntach  

    „…Ja, es gibt Unterschiede; und nein, für mich sind es eher Nuancen und keine Welten, die Hardware und Software trennen. Manchmal wird beim Softube Chandler Limited Zener Bender hier ein Attack etwas anders verarbeitet, …“

    ______

    Aber genau der runde, „abgedunkelte“, liquide Punch ist es ja, was am TG und Zener (und anderen Chandler Geräten so geschätzt wird). Das sind keine Nuancen, das ist quasi das Alleinstellungsmerkmal. Insofern hört man die Unterschiede auch (erschreckend) deutlich.

    • Profilbild
      t.goldschmitz  RED

      Ich muss hinterherschieben, dass ich natürlich keine jahrelange Erfahrung mit dem Original habe. Über den EQ hätte ich auch noch mehr anpassen können. Nehme ich etwas bei 3k weg, kommt es dem abgedunkelte Klang viel näher.
       
      Ich wollte aber „roh“ Vergleichen… Und ich bleibe dabei, funktional und effektiv wäre der Unterschied für m-e-i-n-e-n Einsatzbereich nicht groß genug, um die Anschaffung der Hardware zu rechtfertigen. Und das ist ja auch genau die Aussage, hoffe ich?

  3. Profilbild
    Armin Bauer  RED 1

    Hi Thilo,

    ich höre schon Unterschiede. Bei den 808 Beats biete die Hardware deutlich mehr Tiefe und Druck. Die Frage ist aber, kriegt man Elektronikbeats nicht auch mit anderen Hilfsmitteln fett hin?
    Erstaunlicher Weise kommt bei den Naturdrums die Software besser, hat mehr Attack und klingt dadurch knackiger.
    Die Vollversion ist mir sicher zu teuer, aber die Console 1 Version höre ich mir sicher mal an, vielleicht muss ich da doch zuschlagen.

    Grüße Armin

    • Profilbild
      t.goldschmitz  RED

      Ja, bei den 808s hört man deutlich anderes Verhalten. Es ist interessant wie unterschiedliche Ohren verschiedenes hören, siehe die Kommentare von @starstreet.
       
      Cheers!

  4. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Spannender Vergleich!
    Ich hatte ja schon beim Hardwaretest geschrieben, dass der Zener eher nicht so mein Geschmack ist. Aber den speziellen Sound den er macht, macht er wirklich gut.

    Die Software klingt für mich anders und die Unterschiede sind nicht besonders subtil.

    Ob die Software für sich genommen gut ist möchte ich garnicht bewerten, denn das findet man auf diesem Niveau erst heraus nachdem man damit mal gearbeitet hat.
    Wie ein Chandler Zener Limiter klingt sie für mich hier nicht.

    Andererseits hat die Softube Frontplatte mehr Knöppe und lässt sich leichter reinigen. Das ist ja auch schon mal was wert…

    • Profilbild
      t.goldschmitz  RED

      >Andererseits hat die Softube Frontplatte mehr Knöppe und lässt sich leichter reinigen. Das ist ja auch schon mal was wert…
       
      Auch das sind Faktoren, die nicht zuverachten sind! :D

      • Profilbild
        TheTick123  

        Aber spricht es nicht Bände, dass selbst ein erfahrener Tontechniker es kaum vermag, Unterschiede festzustellen? Wie lange muss ich mit einem Gerät Erfahrungen gesammelt haben, damit das der Fall ist? Also scheinen die Unterschiede ja doch recht klein zu sein.

  5. Profilbild
    starstreet

    Der Unterschied kommt leider in diesem Test nicht so richtig rüber. Ich verwende seit 2007 das Original. Wenn man sich auf das Vovox Stromkabel Spiel und besondere Kabel einlässt, dann ist der Unterschied ganz deutlich da. Ich habe noch 1 Tag, bevor ich diesen Test gelesen habe, ein Master analog mit dem Curve Bender und dem Zener gemacht und dann mit der Software verglichen. Das ist was ganz Anderes. Der Sound kam mir 3-dimensional entgegen, während das Plugin an den Boxen klebte.

    Vorsicht mit solchen Tests. Ich finde auch das Ausgangsmaterial mit der Drumloop nicht so glücklich gewählt. Ich nehme mit dem Zener gerne Gesang auf. Da kommt auf einmal eine Brillanz hinzu, die das Plugin komplett vermissen lässt. Aber natürlich kommt es immer auf Wandler, Kabel etc. an.

    • Profilbild
      t.goldschmitz  RED

      Danke für die Einsicht eines langjährigen Users! Genau diesen Vergleich konnte ich nicht machen, da ich das Gerät eben nicht in und auswendig kenne.

  6. Profilbild
    starstreet

    Der Unterschied kommt leider in diesem Test nicht so richtig rüber. Ich verwende seit 2007 das Original. Wenn man sich auf das Vovox Stromkabel Spiel und besondere Kabel einlässt, dann ist der Unterschied ganz deutlich da. Ich habe noch 1 Tag, bevor ich diesen Test gelesen habe, ein Master analog mit dem Curve Bender und dem Zener gemacht und dann mit der Software verglichen. Das ist was ganz Anderes. Der Sound kam mir 3-dimensional entgegen, während das Plugin an den Boxen klebte. Vorsicht mit solchen Tests. Ich finde auch das Ausgangsmaterial mit der Drumloop nicht so glücklich gewählt. Ich nehme mit dem Zener gerne Gesang auf. Da kommt auf einmal eine Brillanz hinzu, die das Plugin komplett vermissen lässt. Aber natürlich kommt es immer auf Wandler, Kabel etc. an.

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