VOCAL BOX: 12 Fragen an Andrea Paredes

31. März 2017

Vocals: Ein Leben als Gesangs-Profi

Willkommen zu einer neuen Workshop-Serie in der Rubrik Stage hier bei Amazona.de. Wir wollen in dieser Serie Sängerinnen und Sängern eine Plattform bieten, ihre Erfahrungen mit den Lesern zu teilen und interessante Teilaspekte zu beleuchten. Neben handwerklichen und persönlichen Belangen geht es natürlich rund um die Bühne und das möglichst praxisnah. Den Anfang macht Sängerin Andrea Paredes aus Frankfurt am Main, die ich als professionelle, freundliche und charmante Sängerin mit erstklasssigen Entertainer-Fähigkeiten kennenlernen durfte. Nun wünsche ich viel Spaß und neue Einblicke.

Bevor es aber losgeht, hier noch ein tipp für angehende Gesangstalente: Unsere Video-Tutorial-Serie „Online singen lernen“ mit Carina Böhmer:

Online Singen lernen am Mikrofon im Online Workshop mit carina Böhmer.

Headset oder Handmikro – hier lernst du, wie du mit den verschiedenen Mikros super klingst!

In bereits 6 Video-Beiträgen zum Thema „Online singen lernen“ führt Euch Carina Boehmer Schritt für Schritt von den Grundlagen des professionellen Singens bis hin zu beruflichen und gesundheitlichen Tipps, die eine Sänger/in 100% gut gebrauchen kann.

Die Video-Tutorials zum Thema Gesang gliedern sich in folgende Themenbereiche:

Nun aber los:

1. Was war für dich der Auslöser zum Singen? Seit wann singst du?

Gesungen habe ich schon als Kind gerne, dudelte immer die Platten meiner Eltern und sang fleißig mit. Später sang ich im Schulchor, lernte Gitarre und konnte mich dann auch selbst begleiten. Der Berufswunsch Sängerin stand für mich lange Zeit aber gar nicht auf dem Programm. Ich bin dann mit Anfang/Mitte zwanzig, als sich immer mehr Auftritte und Kontakte ergaben, eher in die Sache „reingerutscht“. Einen direkten Auslöser gab es aber nicht – höchstens die Freude an der Musik und besonders eben am Singen.

Andrea Paredes, Hessin mit südamerikanischen Einflüssen

2. Welche aktuellen Formationen/Bands mit welchen Musik-Stilen hast du momentan?

„Hauptband“ sind zur Zeit die „Wonderfrolleins“: drei Mädels (Gitarre/Querflöte/Bass) und ein Mann am Schlagzeug. Gemeinsam streifen wir musikalisch durch die Wirtschaftswunderzeit der 50er und 60er und interpretieren auf ganz spezielle Weise alte deutsche Schlager, aber auch Internationales wie Rock ’n‘ Roll, italienische Songs oder Latin. Macht viel Spaß und gute Laune. Ansonsten gibt es je ein Projekt in Richtung Jazz bzw. Blues, außerdem würde ich gerne wieder mehr eigene Stücke schreiben und aufnehmen. Wird zeitlich aber schwierig, denn eine gut gebuchte Unterhaltungsband gibt’s auch noch. Ach ja, und dann schreibe ich für Verlage Bewegungslieder und -spiele für Kinder, die im Studio aufgenommen werden und dann als Buch und CD erscheinen.

3. Wie steht bei dir um das Thema Lampenfieber bzw. was machst du dagegen?

Lampenfieber habe ich sehr selten – wahrscheinlich weil eine totale Routine entsteht, wenn man mit den gewohnten Formationen oft auf der Bühne steht. Es ist auch ein Unterschied, ob man in einem kommerziellen Rahmen Unterhaltungsmusik macht, ein Konzert gibt oder zum Beispiel in der Oper singt. Je höher der künstlerische Anspruch, desto größer ist wahrscheinlich auch das Lampenfieber. Am besten hilft meiner Meinung nach einfach eine gute Vorbereitung, die gibt schon mal Sicherheit und Selbstvertrauen. Erfahrungswerte mit erfolgreichen Gigs, die man schon absolviert hat, eine angenehme Atmosphäre unter den Kollegen, die Zuversicht, dass alles „gutgehen“ wird, aber auch eine gewisse Gelassenheit nach dem Motto „Nobody’s perfekt!“ – das alles hilft. Den Rest muss man einfach aushalten – das Lampenfieber vergeht sowieso meist, wenn man dann auf der Bühne steht.

4. Hattest du Gesangsunterricht? Was waren für dich die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Unterricht?

Ich bin sozusagen Autodidaktin, hatte höchstens mal drei, vier Stunden Unterricht, um ein paar Tipps für Stimmübungen zu bekommen. Deshalb kann ich dazu gar nicht viel sagen. Was ich aber – unabhängig vom Unterricht – für ganz wichtig halte: viel Musik hören, sich mit den verschiedensten Stilrichtungen beschäftigen, viel ausprobieren. In Bands Erfahrungen sammeln, Stärken und Schwächen erkennen, seinen eigenen Weg finden. Die Praxis macht’s …

5. Was machst du bei Heiserkeit? Mit welchen Maßnahmen hältst du deine Stimme fit?

Bekanntlich soll man ja bei Heiserkeit – ich sag’s jetzt mal ganz salopp – die Klappe halten und die Stimme schonen. Aber das ist in der Realität, wenn dann Gigs anstehen, häufig nicht machbar. Hier hat jede Sängerinnen so ihre eigenen Tricks und das muss man einfach ausprobieren. Jede Menge Tipps dazu stehen auch im Internet. Ich persönlich bin jetzt wieder bei Emser Pastillen (Anmerkung Redaktion: Das war der Werbeblock) gelandet und versuche viel zu trinken (Wasser ohne Blubber). Wichtig ist es, die Schleimhäute gut zu befeuchten. Auf ein gutes Monitoring sollte man auf jeden Fall achten. Wenn sich Sänger nicht richtig hören, ist das nicht nur frustrierend, sondern schlägt auch auf die Stimme, weil man sich unnötig anstrengen muss. Na ja, den Hals mit einem Schal oder Tuch warmhalten, inhalieren, mit Salbei gurgeln, Stimmübungen vorm Auftritt etc. Wenn ich beim Singen merke, dass bestimmte Töne gar nicht gehen, dann phrasiere ich auch mal etwas anders, das ist in der U-Musik ja glücklicherweise erlaubt. Aber wenn dann noch Müdigkeit und/oder Erkältung hinzukommen und die Stimme völlig am Ende ist und gar nix mehr geht, dann geht halt nix mehr.

6. Wie bereitest du dich mit Aufwärmtechniken auf einen mehrstündigen Abend gesanglich vor?

Ich versuche vor den Auftritten ein paar Stimmübungen zu machen – die zugegebenermaßen ziemlich grässlich klingen, aber effektiv sind. Außerdem ist es gut, halbwegs ausgeruht zu sein. Aber das ist leider nicht immer machbar. Selbst fürs Einsingen ist manchmal einfach keine Zeit. Dann muss es auch mal ohne gehen.

7. Welches Live/Studiomikrofon benutzt du am liebsten?

Auf der Bühne mag ich immer noch das gute alte Shure SM58 – das passt einfach zu allen Stilrichtungen. Als Sender-Mic benutze ich häufig das PG58, auch von Shure. Im Studio haben sie ja meist sehr hochwertige Mikrofone, wie zum Beispiel die von Neumann. Da habe ich jetzt keine persönlichen Präferenzen.

8. Benutzt du Bodenmonitore oder In-Ear? Erkläre uns warum.

Ich benutze sowohl als auch, je nach Veranstaltung und Band. Auf großen Bühnen mit viel „Getöse“ und vielleicht sogar noch Satzgesang, bei dem man ganz besonders auf die Intonation achten muss, ist In-Ear eine feine Sache, weil man sich einfach direkt hört und seinen eigenen Sound einstellen kann. Wie schon gesagt: Sich selbst gut zu hören, ist für Sänger und Sängernnen das A und O, sonst singt man sich schnell mal kaputt. Bei kleineren Veranstaltungen und Besetzungen, besonders dann, wenn ich selbst die Moderation übernehme, singe ich aber lieber über Bodenmonitore – ich persönlich habe dann das Gefühl, irgendwie „direkter“ am Publikum zu sein.

9. Was ist für Dich die große Herausforderung als Leadsänger/in?

Das ist schnell gesagt: gut singen, gut unterhalten. Und dabei authentisch und natürlich rüberkommen.

10. Wer sind deine Einflüsse/Vorbilder und welche drei Songs nimmst du mit auf die „einsame Insel“?

Ach, auf die „einsame Insel“ will ich auf keinen Fall! Im Ernst: Die Frage mit den drei Songs kann ich gar nicht beantworten, da will ich mich einfach nicht festlegen. Vielleicht würde ich auch meine Ruhe haben und gar keine Songs mitnehmen wollen, sondern stattdessen drei Bücher. Aber welche drei – auch keine Ahnung! Gibt ja so viele …

Konkrete musikalische Vorbilder habe ich nicht, aber Einflüsse gibt es bestimmt jede Menge, da ich bisher ganz unterschiedliche Stilrichtungen – Jazz, Blues, Pop, Rock, Country, Schlager, Latin, etc. – gesungen und dadurch auch in die Aufnahmen vieler unterschiedlicher Sänger und Sängerinnen reingehört habe, von denen mich der oder die eine sicher inspirierten und beeinflussten. Man merkt dann nach einer bestimmten Zeit beim Singen selbst, welche Richtung einem besonders liegt, vor allen Dingen auch zur Klangfarbe der eigenen Stimme passt, was wichtig ist, damit es authentisch rüberkommt. Aber wenn ich hier mal Namen nennen soll: Im Augenblick habe ich Etta James wiederentdeckt – großartige Stimme. Und ich hab großen Respekt vor Sängerinnen, die kreativ sind, ihr eigenes Ding machen, stark aber unprätentiös rüberkommen …

Anmerkung Redaktion (Wikipedia): Etta James (* 25. Januar 1938 als Jamesetta Hawkins in Los Angeles, Kalifornien; † 20. Januar 2012 in Riverside, Kalifornien) war eine US-amerikanische Rhythm-and-Blues-, Blues-, Gospel-, Rock ’n’ Roll– und Jazzsängerin.

11. Bist du Amateur/Semi/Profi? Welche zukünftigen Ziele hast du?

Ich bin Profi, seit mehr als einem Vierteljahrhundert (oh je, jetzt habe ich mich mit meinem Alter geoutet – macht nichts!). Meine zukünftigen Ziele: Neben dem Mainstream und der Musik als Dienstleistungssektor einfach wieder mehr Raum haben für andere Projekte. Da ich mich aber nicht auf eine Stilrichtung festlegen will, weiß ich im Moment noch nicht so genau, wie ich das zeitlich alles auf die Reihe kriegen soll. Was ich mir für dieses Jahr auf jeden Fall vorgenommen habe: Die Gestaltung einer eigenen Homepage, auf der all diese unterschiedlichen musikalischen Facetten nebeneinander stehen können. Das wird aber noch ein bisschen dauern …

12. Hast du/eure Band einen festen Techniker/Tonmann? Wenn ja, wie wichtig er für einen Konzertablauf?

Einen wirklich festen Tontechniker, der jedes Mal – praktisch als weiteres Bandmitglied – mit von der Partie ist, habe ich mit keiner meiner Bands. Es gibt aber PA-Firmen, mit denen wir immer wieder zusammenarbeiten. Einen guten Sound auf und vor der Bühne zu haben, ist enorm wichtig. Hier gibt’s, was Kompetenz und Können angeht, natürlich auch Unterschiede. Aber ein Tontechniker, der sein Equipment beherrscht, Gespür für die Musik hat und auf die Wünsche der Musiker eingeht, kann auch einen guten Sound zaubern, wenn er die Band und deren Programm vorher nicht kannte.

Ich möchte mich bei Sängerin Andrea Paredes herzlich für die Antworten bedanken. Mit diesem Interview hat sie uns kleine Einblicke in das „musikalische Leben“ einer Profi-Sängerin gegeben. Mehr Informationen über Andrea Paredes und ihre Musik – auch in Bild und Ton – bekommt ihr über die Links unten.

Klangbeispiele
Forum
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    p.ludl  RED

    Danke für das positive Feedback. Wir wollen in der Vocal-Corner eine Mischung aus Tipps und Erfahrungsberichten von Sängerinnen und Sängern präsentieren.

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    Pirella

    Hallo zusammen, warum werden eigentlich so selten Workshops bzw. Artikel für und von Sängerinnen/Sängern hier eingestellt ? Die Frontfrauen-/Männer sind doch das wichtigste einer Band – ohne sie ist ein Auftritt nur die halbe Miete.
    Ich finde die Idee wirklich sehr gut mal über den Gesang zu schreiben.

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    AMAZONA Archiv

    Das finde ich auch ein toller Beitrag, ja hier gibt es viele die sind reine Synthesizerfreaks die nicht unbedingt in einer klassischen Band mit Gesang spielen sondern mit ihrem Technosaurum Laptop und Schallplatte als DJ oder Electronic Musiker dudeln und sich jahre lang mit dem Klangcharakters ihres Resonanzparameters und dem Filter inclusive Hüllkurvendiskussionen beschäftigen als mit Gesang der dann eher als Fertigware aus dem Sampler vom Herrn DJ persönlich programmiert geschossen werden. Denn Gesang ist etwas geheimnisvolles und aufregendes! Toller Beitrag.

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    Pirella

    Ich bitte mal um die ausführliche Erklärung der Funktion des Leadgesanges und der des Backgroundgesanges.

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      p.ludl  RED

      Hi Pirella.
      Wegen des vielen positiven Feedbacks wollen wir diese Serie weiter ausbauen. Dazu haben wir eine Profi-Sängerin „angeheuert“, die sich demnächst um alle Themen was den Gesang betrifft kümmert. Hab noch etwas Geduld, dann werden sicher auch deine brennend heißen Fragen Gehör finden.
      Schön, das du unser Magazin liest. Viele Grüße, Peter

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        Pirella

        Hallo Peter, vielen Dank für die Info ;-)

        Ich sende dir ebenfalls viele Grüße
        Pirella ♥

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      Michael Baum  RED

      Hi Lena, auf alle Fälle kommt da noch was! Leider hatten wir die eine und andere Absage, nachdem uns schon grünes Licht gegeben wurde. Ich bitte dies zu entschuldigen. LG Michael

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