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Workshop: Gitarre einstellen & Gitarrenhals

Kein Scharren & Scheppern - so stellt ihr die Gitarre richtig ein

9. August 2022

Workshop: Gitarre & Gitarrenhals richtig einstellen

Grundeinstellungen bei der E-Gitarre

Wie stellt man eine Gitarre richtig ein? Da gibt es einige Punkte, die man zweifelsfrei beachten muss: Saitenlage, das Aufziehen der Saiten, die Justierung des Halsstabs sowie das Intonieren. Da kann man ein bisschen was falsch machen – wir geben euch eine Übersicht, was beim Thema Gitarreneinstellungen wichtig ist. Grundsätzlich gilt zwar: Man kann sich das Leben leicht machen, zum nächsten „Gitarrendoktor“ gehen, ihm die Klampfe auf den Tisch legen und darum bitten, das Gerät auf Vordermann zu bringen. Zugegeben – so handhabe ich das in den meisten Fällen. Doch im Austausch mit anderen Gitarristen lernt man dann doch eben etwas dazu und in diesem Zusammenhang also der Versuch, ein paar wichtige Stichpunkte aufzulisten und zu erläutern.

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Wie ziehe ich Saiten richtig auf?

Eine Saite richtig und vorsichtig einzuführen ist von entscheidender Bedeutung für euer Spielgefühl. Man zieht die 1 m lange-Saite zum 4:1 Verhältnis auf – das heißt: Von dem einen Meter werden ungefähr 80 cm bis zur Wickelachse aufgezogen – das heißt: 20 cm werden umwickelt. Nicht, ohne vorher im Sattel verbaut zu sein – sonst macht das selbstredend keinen Sinn. Und auch wenn die Wickelachsen auf unterschiedliche Arten verteilt sind auf dem Gitarrenkopf, je nach Gitarrentyp nämlich, gibt es eine grundsätzliche Faustregel: Zwei bis drei Windungen pro Saiten reichen aus!

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Also: Saiten in den Saitenhalter anbringen, an die Stimmmechanik führen, im Sattel einrasten (so gut es geht) und nachdem die Saite eingeführt ist im Mechanikloch, dazu übergehen, die Saiten anzuziehen. Und hier, an dieser Stelle, passieren gerne Fehler: Bei einer 50/50 Verteilung der Mechaniken auf dem Gitarrenkopf zieht man die tiefen Saiten E, A und D in den Uhrzeigersinn, die hohen entgegen dem Uhrzeigersinn – das heißt: Drei Wickelmechaniken links, drei rechts, immer nach innen aufziehen. Bei der Wicklung sollte durchaus Spannung mit der Hand aufbauen, damit die Saite im Sattel bleibt – also schön feste ziehen, aber nicht zu sehr. Seid ihr durch, stimmt ihr – zum ersten Mal. Ich schiebe an diesem Punkt gerne die Hand unter die Saiten und hebe die Gitarre hoch ein bisschen. So werden die Saiten nochmal ordentlich gedehnt, und dann nochmal stimmen – so pendelt sich Stimmstabilität ein.

Wie verhält es sich mit der Saitenlage?

Bei dem ganzen Thema ist die Saitenlage definitiv der Punkt, wo es wirklich subjektiv zugeht. Wie tief sollen die Saiten liegen, was kommt einem entgegen? Die Bespielbarkeit des Griffbretts ist definitiv den persönlichen Präferenzen überlassen, und ich gehöre zum Beispiel zur Riege, denen die Saiten gar nicht hoch genug aufliegen können – grobmotorische Spieler bevorzugen das eben. Die Saitenlage ist aber auch historisch bedingt. Wer beispielsweise eine neue Fender American Original in der Hand hielt, wird merken – nicht nur ist der Hals um ein Vielfaches dicker: Er spielt sich anders, ist massiver, fast schon widerspenstig, verglichen mit den modernen C-Shapes. Da muss man mit der Saitenlage aufpassen.

Im Hinblick auf Steg und den Vibrato zeichnet sich ein zusätzliches Problem ab, wenn es um die Saitenlage geht. Die Dehnungen und Biegungen durch ein Vibrato stehen in einem gewissen Verhältnis zu der Saitenhöhe über dem Griffbrett. Man muss sich fragen: Was will man wirklich? Eine gute, ideale Saitenlage oder doch eher das Ausschöpfen des kompletten Vibrato-„Weges“? Der Mechanismus selbst verlangt nämlich nach einem Kompromiss: Um den Ruhepunkt des Vibrato herum können die Saiten nur auf eine bestimmte Höhe aufliegen, ohne dass beim Hochziehen des Vibratohebels die Saiten so gespannt werden, dass sie das Griffbrett berühren und damit jede Saitenintonation abstirbt. Für alle Spieler also, die viel mit Vibrato arbeiten und auf ein stabiles Vibratosystem setzen, müssen ihren persönliche Kompromiss beim Verhältnis von Vibrato und Saitenlage finden, nicht zu hoch und nicht zu tief ansetzen.

Wie justiere ich den Halsstab?

Wird gerne ignoriert, und bei vielen Gitarristen vernachlässigt: Fester Bestandteil einer jeden Gitarre ist ein verstellbarer Halsstab. Wozu verstellbar? Das Ziehen der Saiten erzeugt Zugkräfte, die hier kompensiert werden sollen. Meistens hat der Halsstab fast schon eine bogenartige Form, die man mit dem bloßen Auge nicht wahrnehmen kann. Zieht man die Spannschraube Richtung Uhrzeigersinn an, verändert sich die Bogenform nach außen – es strebt dann einer nach außen gedehnten Halskrümmung entgegen – und die Saitenlage wird höher. Will man die Bogenform wieder verlängern, löst man die Spannschraube, lockert den Stahlstab. Und die Krümmung des Halses geht wieder zurück nach innen, die Saitenlage wird wieder wieder tiefer. Um jegliches Scharren und Scheppern zu eliminieren, lohnt es sich, her anzusetzen.

Workshop: Gitarre & Gitarrenhals richtig einstellen

Doch manchmal stimmt das Verhältnis über das Griffbrett nicht, dann hängt euch Hals durch. Einen durchhängenden Hals erkennt ihr daran, dass der Abstand zwischen Saite und Griffbrett bzw. Bundstäbchen in der Mitte wesentlich größer ist als am Anfang oder Ende. Hier gilt, es den Stab wieder etwas anzuziehen. Ist der Abstand in der Mitte geringer als in den tiefen und hohen Bundregionen, muss der Stahlstab gelockert werden. All das muss mit dem richtigen Maß an Gefühl erfolgen – auf keinen Fall pressen und zu viel Kraft aufwenden. Die Folge ist nämlich, dass euch durchaus eine Schraube des Stahlstabs abbrechen kann und ihr dadurch eine aufwendige Reparatur zahlen musst. Im Zweifel dann doch den Gitarrenexperten aufsuchen oder einen Reparaturdienst – kann im schlimmsten Fall nicht schaden.

Jetzt gibt es bei der Frage „Wie gerade muss der Hals sein?“ bei den Gitarrenbauern viele unterschiedliche Meinungen. Sagen wir, wie es ist: Auch hier greifen persönliche Präferenzen. Wenn es aber wirklich darum geht, Scheppern, Scharren verlorene Intonation und ein eingeschränktes Spielgefühl zu verhindern, gilt: Je gerader, desto besser. Da greift aber natürlich auch die Verarbeitungsqualität des Halses. Auch eine Krümmung muss gleichmäßig verlaufen, und das ist nicht immer gewährleistet. Ist das bei eurer Gitarre der Fall, ergibt es eher Sinn, die Halskrümmung stärker einzustellen. Doch bei einem gleichmäßig und gut verarbeiten Hals gilt: Am besten so gerade wie möglich  lassen und die Justierungen der Saitenlagen eher am Steg machen.

Workshop: Gitarre & Gitarrenhals richtig einstellen

Ab wann weiß man, dass die Saitenlage kein Scheppern mehr erlaubt? Ein bisschen umständlich, aber diese Methode hat sich bewährt: Ersten und letzten Bund herunterdrücken, und die Saite zupfen. Dann arbeitet man sich von unten die Bünde runter, während man den Finger auf dem ersten Bund lässt – so stellt man fest, ob die Saitenlage über alle Bünde ideal ist: Wenn kein Scharren einsetzt, egal welche Bundstellungen bei den Saiten greifen, ist eure Saitenlage ideal.

Das Verhältnis von Saiten, Steg und Vibrato

Man muss beachten: Wenn es darum geht, wie hoch oder flach die Saiten über den Bünden liegen, spielt die Entscheidung hinsichtlich der Saitenstärke eine besondere Rolle. Je dicker, desto straffer – desto großzügiger kann auch mit dem Vibrato gearbeitet werden. Und auch die persönliche Spielweise spielt eine besondere Rolle: Wie tief haut man in die Saiten? Wie fest? Und welches Plektrum nimmt man zur Hand? Am Ende greift eine gewisse Faustregel: Je „intensiver“ und durchaus rabiater und energetischer man spielt, desto höher sollte man die Saiten auflegen, weil es ansonsten ordentlich schnarrt und scheppert. Auch bedeutet das alles insgesamt: Ihr braucht nicht überall die gleiche Saitenhöhe einzustellen, sondern musst vor allem bei hohen Saiten, die gut und gerne bei Soli gezogen werden und Bendings unterzogen werden, anders justieren als bei den tieferen Saiten. Versucht am besten, durch Bendings das Sustain zu testen in den höheren Bundlagen. Verschwindet der Ton, schneidet eine Berührung mit dem Griffbrett an irgendeiner Stelle eure Intonation ab. Entsprechend muss diese Saite höher justiert werden. Bei den tieferen Saiten verläuft es eher so: Ihr findet eure komfortable Saitenhöhe, traditionsgemäß etwas flacher als bei den hohen Saiten, dann spielt ihr euch Bund für Bund hoch, bis ihr auf ein Scharren und Scheppern trefft. Und ab hier dann sachte und langsam auch höherjustieren.

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Forum
    • Profilbild
      harrymudd AHU

      Offenbar ist Dimitri in Schockstarre verfallen mit dem (Un-)Wissen um die Halsstabeinstellung😈

      Deshalb noch mal zum Mitschreiben: Der Halstab liegt bogenförmig in der Stabfräsung. Wird die Mutter an jenem Halsstab festgezogen also im Uhrzeigersinn gedreht, wird der Hals gerade bzw. nach hinten gebogen. Dadurch verringert sich die Saitenlage.
      Wird die Mutter jedoch gelöst, erhält der Hals weniger Unterstützung durch den Halsstab und biegt sich weiter durch. Dadurch wird die Saitenlage höher.

      Zur Kontrolle, ob der Hals eine Justage braucht, die tiefe E-Saite am ersten und letztem Bund herunterdrücken und in der Mitte den Abstand zu den Bünden prüfen. Liegt die Saite auf, ist der Hals definitiv zu geräde. 0,5-1mm sind hier richtig – je nach Anschlag.

      Schnarrt es auf den tiefen Bünden, ist der Hal zu gerade -> Mutter vorsichtig lösen.
      Schnarrt es auf den hohen Bünden, hängt der Hals durch -> Schraube vorsichtig festziehen.
      Immer nur in kleinen Schritten arbeiten – eine kleine Umdrehung in die richtige Richtung reicht meist schon.

      Ich schmiere das Gewinde nach dem Erwerb einer Gitarre mit einem geeigneten Fett, um eine Leichtgängigkeit der Mutter zu gewährleisten. So erlebe ich auch nach Jahren keine böse Überraschung.

      Wichtig: Saitenlage vorher einstellen und nach der Justage des Halses immer wieder kontrollieren!
      Die Saitenlage wird aber nicht mit dem Halsstab eingestellt!

  1. Profilbild
    dr noetigenfallz

    Beim Saiten aufziehen habe ich folgende Faustregel aus einem Youtube Video eines großen Gitarrenherstellers übernommen: Die Saite am Steg einfädeln und dann bis zur nächsten Mechanik nach der eigentlichen Mechanik abmessen. Das heißt: wenn ich die E-Saite aufziehe, dann messe ich die Saite bis zur Mechanik der A-Saite und schneide sie anschließend mit dem Seitenschneider kurz darüber ab. Danach wickle ich die E-Saite normal auf. So komme ich auf eine gute Länge (ca 3 Wicklungen) . Ist das verständlich? 😄 (Wenn keine Mechanik darüber ist – z. B. über der D bzw. G Saite auf den meisten A-Gitarren, dann halt bis ungefähr dort, wo die nächste Mechanik wäre, wenn es eine gäbe)

    • Profilbild
      Sven Blau

      Bei Kluson Style Tunern sollten es aber mindestens 2 Mechanik-Abstände sein, das man durch das „reinstecken“ in den Tuner Länge verliert.

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