ANZEIGE
ANZEIGE

Workshop: Was ist Hall?

Qualität von Halleffekten

6. Mai 2022
workshop was ist hall

Workshop: Was ist Hall?

Die Redaktion erreichte kürzlich ein Leserbrief, in dem nach einem Fachartikel zur Qualitätsbeurteilung von Halleffekten gefragt wurde. Wie es sich für ein richtiges Community Magazin gehört, haben wir die Idee sofort aufgegriffen und dieser Workshop setzt sich mit dem wohl wichtigsten Effekt jeder Tonaufnahme auseinander, dem Hall.

ANZEIGE

Was ist Hall?

Hall, im Englischen als Reverb bezeichnet, ist oftmals ein Oberbegriff für eine ganze Reihe von Raumeffekten. Bei Hall denkt man zunächst oft an den Nachhall riesiger Räume wie Kirchen oder Kathedralen. Doch auch ein relativ kleiner Raum kann einen entsprechenden Nachhall produzieren, der aber ganz anders klingt als der eines sehr großen Raumes. Zunächst sollten wir uns also damit auseinandersetzen, wie Hall überhaupt entsteht.

Hall entsteht aus einer Kette von Reflexionen. Für Reflexionen benötigt man Schall reflektierendes Material wie zum Beispiel Stein, Beton oder Glas. Doch auch Holz reflektiert den Schall sehr gut. Trifft der Schall auf eine reflektierende Fläche, wird dieser zurückgeworfen und zwar bei glatten Flächen nach dem Prinzip Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel. Ist eine Fläche nicht glatt, wird der Schall gestreut. Man spricht dann von Diffusion. Auf diese Art und Weise verteilt sich Schall dann meistens auch gleich über mehrere Reflexionsflächen von Wänden, Boden und Decke im Raum und springt von einer Reflexionsfläche zur nächsten. Je mehr Reflexionsflächen im Spiel sind und je mehr Schallenergie im Spiel ist, desto chaotischer wird das Rückwurfmuster: die Reflexionsdichte steigt. Nun werden bei hoher Reflexionsdichte keine einzelnen Rückwürfe mehr wahrgenommen wie bei einem Echo, sondern das, was wir als Nachhall bezeichnen.

workshop-reverb-hall aufbau

Die Grafik zeigt den Aufbau eines typischen Nachhalls eines Raumes. Auf den Direktschall folgen die frühen Reflexionen von den Begrenzungsflächen. Die Abstände der Rückwürfe werden kürzer und münden schließlich im Nachhall. Der Verlust an Energie sorgt für das Verklingen der Reflexionen und damit des Halls.

Durch Umwandlung von Energie (Reibung durch Schwingung der Luftmoleküle, Umwandlung in Wärme an der Reflexionsfläche) nicht der Pegel der Reflexionen und damit der Schalldruckpegel des Nachhalls mit der Zeit ab, der Nachhall verklingt also. Die Dauer dieses Verklingens wird als Nachhallzeit, kurz RT60 bezeichnet.

Das Kürzel RT60 deutet auf die Definition der Nachhallzeit hin: Diese ist nämlich definiert als die Zeitspanne, die vergeht, bis der Schalldruckpegel im Raum nach dem Abschalten der Schallquelle um 60 Dezibel gesunken ist. Klingt kompliziert, ist es aber eigentlich gar nicht. Die Nachhallzeit entspricht einfach der Dauer des Halls und wird bei allen Halleffekten in Sekunden oder Millisekunden angegeben.

Nun kann man anhand der Beschreibung von Nachhall schon einige Rückschlüsse ziehen:

  1. Hall benötigt reflektierende Flächen
  2. Hall ist von der Beschaffenheit/dem Material der reflektierenden Fläche abhängig
  3. Die Entfernung zwischen den reflektierenden Flächen spielt eine Rolle
  4. Hall baut sich allmählich auf
  5. Hall verklingt innerhalb einer gewissen Zeitspanne

Nun wissen wir bereits, dass eine Hallfahne nicht sofort entsteht, sondern über die Zeit. Zunächst einmal springen erste Reflexionen von einer reflektierenden Oberfläche zur nächsten. Diese ersten Reflexionen, die im Zeitabstand von 15 Millisekunden zum Direktschall stattfinden, werden als Early Reflections oder frühe Reflexionen bezeichnet. Diese Reflexionen sind maßgeblich für den Raumeindruck, denn das Gehör ist in der Lage, ihre Richtung zu orten. Die Zeit vom Direktschall bis zur ersten Reflexion nennt man Anfangszeitlücke (ITDG = Initial Time Delay Gap). Diese Zeit und die Art und Weise, welche frühen Reflexionen auf den Hörer treffen, definieren maßgeblich den Raumeindruck. So kann man über eine gezielte Steuerung der frühen Reflexionen zum Beispiel den Schallpegel am Hörerplatz erhöhen, wenn die Reflexionen in einer bestimmten Zeitspanne zum Direktsignal beim Hörer eintreffen. Eine andere Möglichkeit ist, eine bestimmte Räumlichkeit zu kreieren. Bauakustiker beschäftigen sich deshalb sehr intensiv bei der Planung bestimmter Räume mit diesen frühen Reflexionen und der Anfangszeitlücke.

Nach den Frühen Reflexionen setzt also der eigentliche Nachhall mit seiner dichten Hallfahne ein. Alles gemeinsam, Direktschall, Anfangszeitlücke, frühe Reflexionen und der Nachhall mit seiner Nachhallzeit ergeben das, was wir als Hall bezeichnen. Natürlich wird der Klang von Reflexionen im Vergleich zum Direktsignal durch die Beschaffenheit der Reflexionsflächen verändert. Hall hat also auch einen ihm immanenten Frequenzgang.

Künstlicher Hall

Neben dem natürlichen Hall spielt für uns in der Tontechnik vor allem auch künstlicher Hall eine große Rolle. Wurde früher Musik inklusive Hall in Konzertsälen aufgezeichnet, später dann in Tonstudios mit auf das Signal abgestimmten Aufnahmeräumen, wurde im Verlauf der Zeit der Wunsch laut, Räumlichkeit später hinzufügen zu können. So ließe sich dann ein „trockenes“ Direktsignal nachträglich mit einer Räumlichkeit versehen.

ANZEIGE
workshop-reverb-abbey road chamber

Die Hallkammer in den Abbey Road Studios. Quelle: Abbey Road

Für dieses Unterfangen wurden zunächst reale Räume in Form von Hallkammern genutzt, dann später Hallplatten und Hallspiralen. Bei der Hallkammer wurde ein Lautsprecher mit dem zu verhallenden Signal in eine Kammer mit reflektierenden Oberflächen gestellt. Das Gesamtsignal wurde dann mit zwei Mikrofonen stereo aufgezeichnet und anschließend dem Direktsignal am Mischpult zugemischt.

Bei der Hallplatte wird eine aufgehängte Stahlplatte elektromechanisch in Schwingungen versetzt. Diese Schwingungen werden dann über Mikrofone oder spezielle Tonabnehmer wieder in elektrische Signale umgewandelt, die dann am Mischpult dem Direktsignal beigemischt wurden. Wie man sich denken kann, besitzt so eine Hallplatte weder eine Anfangszeitlücke noch frühe Reflexionen. Es entsteht also nur eine Art Nachhall.

workshop-reverb-hallplatten abbey road

Hallplatten in den Abbey Road Studios. Quelle: Abbey Road

Bei der Hallspirale funktioniert das ähnlich, nur wird anstelle einer großen und schweren Platte eine Spirale genutzt. Der Hall ist nicht so dicht und besitzt einen scheppernden Klang. Dafür lässt sich die Hallspirale aufgrund des geringen Platzbedarfs sehr gut in Verstärkern oder Instrumenten unterbringen.

die Ikone - der Accutronics Type 4

Hallspirale: Accutronics Type 4

Insbesondere die Hallplatte hat das Thema Nachhall im Tonstudio lange Zeit bestimmt und die Musik von den Beatles über Pink Floyd bis in die heutige Zeit. Ein Nachteil war die schwere Stahlplatte. Sie wurde für eine mobile Version später durch Goldfolie ersetzt.

So richtig Fahrt auf nahm das Thema „künstlicher Hall“ aber mit den ersten digitalen Hallgeräten. Ein bis heute legendäres Gerät ist das EMT 250 von 1976, das schon aufgrund seines Erscheinungsbilds auffällt. Es wirkt wie eine Elektroheizung mit aufgesetztem Steuerpult für einen Bagger. Das eigenwillige Design hatte vor allem mit der enormen Hitzeentwicklung der ICs und deshalb benötigten Kühlkörper zu tun. Somit ist die Assoziation einer Heizung gar nicht so weit hergeholt.

Der erste digitale Hall von EMT, EMT 250 - das Cockpit.

Der erste digitale Hall von EMT: EMT 250.

Ebenso berühmt ist das 1979 erschienene Lexicon Model 224. Es bestand aus einem 19“ Mainframe mit 4 HE für das Rack und einer praktischen Fernbedienung, mit der sich das Gerät programmieren ließ. Mit einem Preis von circa 16.000,- DM war es zudem erschwinglicher als das teurere EMT 250 und heizte das Studio weniger auf. Mit anfangs vier und später acht verschiedenen und editierbaren Hallprogrammen war es erstmals möglich, eigene Hallräume zu schaffen.

workshop-reverb-lexicon model 224

Lexicon Model 224

Das Lexicon Model 224 wurde in den nächsten Jahren kontinuierlich verbessert und gipfelte schließlich im Studioklassiker Lexicon 480L (1986), welches ebenfalls über die nun LARC getaufte Fernbedienung verfügte, die man prima auf der Studiokonsole platzieren konnte. Parallel wurden Hallgeräte durch die immer leistungsfähigeren Prozessoren erschwinglich und kleiner. Lexicon hatte mit der PCM-Serie (PCM 70, PCM 80, PCM 90) großen Erfolg, ebenso mit den günstigen Geräten der LPX-Serie, die den Lexicon-Hall auch für Musiker erschwinglich machen sollten.

Ebenso erfolgreich waren Firmen wie Yamaha mit der SPX-Serie oder Alesis mit Microverb, Midiverb und später Quadraverb. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte.

All diese Geräte hatten aber eine Eigenschaft, die ihren teils legendären Status überhaupt erst begründen: Sie versuchten aus heutiger Sicht weniger, einen möglichst perfekt klingenden Raum zu simulieren, sondern einen musikalischen Hall. Insbesondere der auch als Lexikon „Wölkchenhall“ bekannte Effekt prägte die Musik der 1980er bis zur Jahrtausendwende wie kein anderer: ein besonders dichter und weich klingender Hall. Bis heute prägt dieser zum Beispiel unzählige Schlagerproduktionen. Dieser Effekt war eine Spezialität des Lexikon 480L. Ebenso gerne wurden Room-Effekte und Early Reflection-Programme eingesetzt, vor allem für Percussion und Drums. Die Room-Algorithmen sollten dabei den Klang einer Hallkammer simulieren, Plate-Algorithmen den einer Hallplatte.

Was ist ein guter Hall?

Hardware Hallgeräte sind in den letzten 20 Jahren zunehmend vom Markt verschwunden und wurden von Plug-ins verdrängt. Ob nun der mitgelieferte Hall der DAW oder das gesondert gekaufte VST oder AU Plug-in, alle Plug-ins haben den Anspruch, guten Hall zu erzeugen. Doch was ist eigentlich guter Hall?

Ein Hall ist dann gut, wenn er zu seinem Einsatzbereich gut passt. Diese etwas plakative Aussage fußt auf meiner Meinung, dass eigentlich abseits der Hallkammer kein mechanischer oder digitaler Hall existiert, der als natürlich bezeichnet werden kann. Es gibt zwar Algorithmen, insbesondere diejenigen, die auf Impulsantworten realer Räume basieren, die einen Raum sehr real simulieren. Dennoch kann kein Algorithmus das Gefühl ersetzen, das ein Hörer hat, der in einem realen Raum Nachhall empfindet, der den ganzen Raum erfüllt und nicht nur zweidimensional das Stereobild oder per Surround künstlich versucht, den Hörer zu umgeben. Stattdessen versuchten schon die ersten mechanischen Hallgeräte, einen bestimmten Klang zu erzeugen, der dann prägend war für ein Instrument oder eine ganze Ära.

Was wäre zum Beispiel der Surf Rock, der Rockabilly, Doo Wop oder andere Stilistiken der 1950er und 1960er Jahre ohne den scheppernden Hall der Hallspirale, von dem die Gitarristen gar nicht genug bekommen konnten? Fender schufen dafür eigens den Reverb Tank, einer Hallspirale für die extragroße Portion Federhall. Oder was wäre die „Dark side of the moon“ von Pink Floyd ohne die EMT 140 Hallplatte?

So ist es nicht verwunderlich, dass selbst unter heutigen Plugins unzählige Emulationen alter mechanischer Hallerzeuger oder älterer digitaler Hallgeräte befinden.

Schlechter Hall?

Selbst der beste Hall wird zu einem schlechten Hall, wenn er seinen Zweck nicht erfüllt. Ein Schlagzeug mit schepperndem Federhall klingt selten gut, außer man nutzt diesen als gezielt eingesetzten Spezialeffekt, um beim Hörer Aufmerksamkeit zu erzeugen. Ein sehr unnatürlich klingendes Gated Reverb klingt auf Gesang oder einer Gitarre eher befremdlich, auf der Snare oder den Toms eines Schlagzeugs hat Phil Collins damit den Sound einer Generation geprägt. Die Kombination aus dem legendären Aufnahmeraum von „The Power Station“ in New York, Plattenhall und Federhall aus den Gitarrenverstärkern ist es, was Springsteens Doppelalbum „The River“ zum Leben erweckt und stellenweise wie ein Live-Album riesig klingen lässt. Der Sound des Halls passt zur Musik. Das ist am Ende das alles entscheidende Kriterium. Und doch…

…liest man auf Amazona immer wieder vom „schlechten Hall“. Was ist also damit gemeint?

Ich kann nicht von anderen Autoren sprechen, nur von mir. Für mich disqualifiziert sich ein Hall, wenn er seinem Einsatzzweck nicht gerecht wird. In der Regel geschieht dies dann, wenn es sich um einen Allround-Hall handelt. Diese sind zum Beispiel in kompakten Mischpulten zu finden. In der Regel steht diesen nur ein einzelner Algorithmus für alle Kanäle gleichermaßen zur Verfügung. Die implementierten Raumeffekte sollten also möglichst universell einsetzbar sein. Viele Hersteller sehen den Hall jedoch eher als Zugabe und entweder reicht die Rechenleistung der integrierten DSPs nicht aus, um einen dichten Hall zu berechnen, oder die Algorithmen sind einfach schlecht programmiert.mackie-onyx-8-left

Von einem universell einsetzbaren Hall erwarte ich, dass in der Hallfahne keine einzelnen Echos mehr hörbar sind. Einzelne Echos disqualifizieren den Hall für perkussive Signale. Gleiches gilt für das Initial Time Delay Gap, welches in der Regel durch ein Pre-Delay simuliert wird, und für die frühen Reflexionen. Ist das Pre-Delay zu lang, kann der Einsatz auf Kanälen mit Rhythmusinstrumenten dafür sorgen, dass das Ergebnis im Timing zu wackeln scheint, weil das Pre-Delay nicht mit dem Tempo des Songs synchronisiert ist. Gleiches gilt für die frühen Reflexionen. Sind diese zu laut, scheppert es oder man hat das Gefühl, schnelle und nicht zum Tempo passende Shatter-Echos zu hören.

Mit einem dichten Hall, bei dem sich gegebenenfalls die Nachhallzeit variieren lässt, ist man in Verbindung mit dem FX Sends-Regler, mit dem sich der Hallanteil regeln lässt, besser beraten. Auch zu höhenreicher Nachhall stört eher. Eine Nachhallfahne mit etwas gedämpfteren Höhen ist besser und universeller einsetzbar als eine sehr auffällige Nachhallfahne ohne Höhenabfall. Kombiprogramme aus Hall, Echo, Chorus oder gar Pitch Shifter, wie man sie häufig in kompakten Mischpulten findet, sind so gut wie nicht einsetzbar, wenn sie der alleinige Effekt sind. Dennoch findet man sie in nahezu jedem Produkt. Zu lange Nachhallzeiten, die sich vom Anwender nicht verkürzen lassen, disqualifizieren einen Allround-Hall ebenfalls. Ein Gated Reverb ist als Allround-Hall genauso ungeeignet wie die von Gitarristen und Keyboardern gerne benutzten Shimmer Reverbs. Mit einem guten Plate-Algorithmus mit mittlerer Nachhallzeit kommt man hingegen gut klar.

Klangbeispiele

Die Klangbeispiele dokumentieren das oben Gesagte. Zu hören ist ein Percussion-Loop zunächst trocken und dann mit den mitgelieferten Effekten in Logic bearbeitet. Außerdem kommen Audio Unit-Effekte von Eventide und Arturia zum Einsatz. Schön zu hören ist, dass der Spring Reverb Effekt mit dem Percussion Loop nicht gut funktioniert, mit einer E-Gitarre aber wunderbar.

workshop-reverb-chromaverb

Logic Pro X ChromaVerb

Qualitativ hört man beim einfachen SilverVerb aus Logic einen deutlichen Unterschied zum viel neueren ChromaVerb. SilverVerb ist schon viele, viele Jahre Bestandteil von Logic und ein eher einfacher algorithmischer Halleffekt. Im Nachhall hört man deutlich einzelne Wiederholungen. Der Hall klingt nicht so dicht wie das ChromaVerb und scheppert etwas mehr. Dennoch eignet sich SilverVerb aufgrund der geringen erforderlichen Rechenleistung gut als Füller, zum Beispiel für Keyboard Pads.

workshop-reverb-silververb

Logic Pro X SilverVerb

Sehr interessant ist auch der Faltungshall Space Designer. Die Räume klingen sehr realistisch, manchmal aber innerhalb eines Mixes zu plastisch, so dass sich Instrumente schlechter in den Mix einfügen.

workshop-reverb-space designer

Logic Pro X Space Designer Faltungshall

Die Eventide Effekte gelten als sehr gut klingende Halleffekte und machen einen guten Job, wenn es um Tiefenstaffelung geht. Mit dem Eventide 2016 Stereo Room lassen sich Signale gut in der Tiefe verschieben. Der Spring Reverb ist gut für direkt ins Interface gespielte Gitarrenaufnahmen zu gebrauchen, wenn diese einen Vintage Charakter haben sollen. Zusammen mit dem Modell eines Fender Amps bieten sich tolle Sound-Möglichkeiten. Doch auch ein Rhodes oder Wurlitzer Sample lässt sich gut damit bereichern. Oder wie wäre es mit der Hallspirale für die Hammond B3?

workshop-reverb-eventide 2016 stereo room

Eventide 2016 Stereo Room

workshop-reverb-eventide spring reverb

Eventide Spring Reverb

Ein Spezialist ist das Eventide Blackhole. Die äußerst dichten und langen Hallprogramme eignen sich eher für Spezialeffekte. Sie sind niemals subtil, sondern immer aufdringlich und Teil des Gesamtklangs. Ganz Anders das Arturia Reverb Plate 140, welches eine EMT 140 Hallplatte nachahmt. Es klingt prima auf allen Vocal-Spuren.

workshop-reverb-eventide blackhole

Eventide Blackhole

Doch nicht nur die DAW bietet zahlreiche Hall-Plug-ins. Auch digitale wie analoge Mischpulte besitzen integrierte Effekte, ebenso manches Audio Interface. Ihr hört deshalb noch den integrierten DSP-Hall vom Antelope Audio Discrete 8 Pro Synergy Core Interface, verschiedene Hall-Programme eines Behringer X32 Digitalpults, zwei Programme eines DiGiCo S21 Digitalpults sowie des RCF M 20X Digitalpults. Außerdem kommt noch ein Hall-Algorithmus aus dem Audio Editor DSP-Quattro zum Einsatz.

workshop-reverb-arturia reverb plate 140

Arturia Reverb Plate 140

ANZEIGE
Fazit

Wirklich schlechte Halleffekte gibt es eigentlich heutzutage kaum noch. Es ist eher eine Frage, wofür man den jeweiligen Effekt einsetzt. Dennoch kann es sein, dass ein Hall, der universell einsetzbar sein muss, weil es zum Beispiel der einzige zur Verfügung stehende Effekt ist, Schwächen aufweist, die seine Universalität einschränken.

Hat man die Wahl zwischen mehreren verschiedenen Halleffekten, sollte sich eigentlich immer ein passender Effekt für ein Instrument, die Stimme oder den Mix finden lassen. Die heutigen DAWs bieten oft eine Fülle verschiedener Effekte, die gut klingen. Ergänzt man diese dann vielleicht durch einen Spezialisten, der für ein ganz bestimmtes Klangideal steht, dürfte man gut durch jeden Mix kommen. Bei Effekten in Mischpulten oder Instrumenten sollte man hingegen genauer hinhören, denn stellt man später fest, dass der oder die betreffenden Effekte nicht universell genug einsetzbar sind, gibt es oftmals kaum eine Möglichkeit für Ersatz.

ANZEIGE
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Filterpad AHU

    Vielen Dank für diesen Artikel. In der Musikproduktion, aber auch für Live-Aufmahmen und Situationen ist das Thema immer noch ein Ding zwischen „notwendiges Übel, „brauche ich nicht“ oder strenggehütetes Betriebsgeheimnis und Musikesoterik. Alle Meinungen und Spielarten kommen darin vor. Einen echten Federhall besitze ich in der Orgel. Leider hat man den noch nie zu Ohren bekommen, weil er defekt ist. Sehr schade und natürlich sind wir daran, dies durch Fachleute in die Gänge zu bekommen. Leider klemmt nicht nur dieses eine bei dem Gerät. Beim Moog, wie in der Leserstory von mir geschrieben, vermisst man den Hall schon ein wenig. Was im Grandmother den coolen Federhall darstellt, ist im Matriarch der analoge Delay. Gefällt mir zwar besser, aber beides zusammen wäre noch schöner gewesen. Bei Plugins hatte ich auch jahrelang Schwierigkeiten bzw. in meinen Augen die falschen Teile gehabt. Jeder matschte die Songs zu anstatt diese irgendwie hervorzuheben. Dazu gehörte ein einfacher von Lexicon und die von Cubase. Wirklich zufrieden ist man erst mit Native Instruments Raum. Egal wie eingestellt, macht dieser einen Song immer etwas homogener im Mix. Aber auch spezielle FX sind damit möglich. Mit Steinbergs REVelation kam ich noch nie zurecht. Das kann aber durchaus an mir liegen. Über einen noch ausführlicheren Test würde ich mich freuen. Ebenso selbiges für Equalizer. Hall it! PS.: Was benutzen andere so?

    • Profilbild
      MidiDino AHU

      „PS.: Was benutzen andere so?“ Bereits in 16-Bit bestand mein Lieblingshall aus Impulsen des Lexicon 960L, das Studio ‚Echochamber‘ (Schweiz) stellte sie zur Verfügung. In 24-Bit sind es ebenfalls Impulse des Lexicon 960L, die ich ebenfall umsonst erhielt: vom SoftwareSeller ‚Bestservice‘, die ich in Folge meiner sonstigen Einkäufe erhielt. Der Reverb ist im Vergleich mit dem 480L ebenfalls dicht, jedoch relativ hell, ’neutral‘, weniger aufdringlich. für die Musik, die ich mache, wie geschaffen ;-)

  2. Profilbild
    mdesign AHU

    als hallgeräte ein rares gut waren, hat man sie auch so eingesetzt: nur da, wo wirklich nötig. mein erstes hallgerät war ein selbst zusammengelöteter federhall von conrad so um 1980. besser als nix, wenn auch nicht viel. der hat im hintergrund ein bisschen mitgeschrammelt. als dann knapp 10 jahre später die microverbs von alesis den digitalhall in die kleinstudios trugen, habe ich das gemacht, was alle gemacht haben: zugesuppt, ging ja jetzt endlich. jahre später war dann hall eher etwas für könner, und der beste hall war der, den man nicht gehört hat. aber heute ist wieder wie früher: dank shimmer reverbs (die zugegebenermaßen oft echt gigantisch klingen) wird wieder gesuppt, was geht. ein synth arpeggio, hall drauf und fertig ist der song. kann man mal machen, ist für meinen geschmack aber etwas inflationär im gebrauch. was kommt als nächstes?

    • Profilbild
      RE.S

      Ja, es ist grausam, und die Industrie hat sich daran angepasst. Es scheint zu gelten: elektronische Musik = fetter Hall. Sämtliche Demotracks für Synthesizer-Plugins sind bis zur Halskrause mit Reverb und Delay zugedröhnt. Musik wie aus der Grotte. Wie soll einer, der es etwas trockener mag, so den Klang beurteilen? Es ist sicher eine Geschmacksfrage, aber ich halte übergroßen Hall für so etwas wie Speisewürze: Geeignet, um auf bequeme Art die anspruchsloseren Konsumierer zu beglücken, bei gutem Essen eher schädlich.

  3. Profilbild
    Chufu

    Unterm Strich sind zwei Faktoren entscheidend welche Hall-Gerätschaften man einsetzen sollte.
    Der eine ist die Frage, was ich damit erreichen will und die zweite ist der persöhnliche Geschmack.-
    Wenn ich etwas bestimmtes mit dem Hall/Reverb erreichen will dann ist der Artikel oben sehr hilfreich. Besonders der Teil wo erklärt wird was hall ist und wie er zu stande kommt. Wenn man sich die Theorie ein bischen zu eigen Macht kann man Reverb viel efizienter einsetzen und man kann sich vorstellen warum Studio Musiker immer eine ganze Batterie mit Reverbs im Rack haben. Wenn auch im Virtuellem Mischpult als Plugins.

  4. Profilbild
    Sudad G

    Schöner Artikel, der das Thema Hall und die Entwicklungsgeschichte dazu gut vorträgt.

    Meiner Meinung nach ist das Thema Hall eines der wenigen Audio-Disziplinen, bei denen Plugins der Hardware noch nicht ganz das Wasser reichen können – im Gegensatz zu anderen Disziplinen wie EQs, Delays, Kompressoren etc. oder Instrumente und Sounds.
    Vor allem ab einer gewissen Preiskategorie heben sich Hardware-Hallgeräte ganz extrem von Plugins ab, was die Räumlichkeit angeht (vor allem die Early Reflections) und die Fähigkeit mit unterschiedlichen Instrumenten gleichzeitig klarzukommen. Wer mit einem Lexicon 300, 480 oder AMS RMX-16 schon mal gearbeitet hat, weiß das zu schätzen.
    Bei Solo-Instrumenten, vor allem Vocals, machen die besseren Hall-Plugins aber inzwischen eine recht gute Figur, da es hierbei eher auf eine schön klingende Hallfahne mit viel Pre-Delay ankommt, als auf das letzte Quäntchen 3D Feeling.
    Wenn es aber um das gleichzeitige Platzieren verschiedener Instrumente in einem Raum geht, führt kaum ein Weg an einem guten Hardware-Hall vorbei. Liegt vielleicht auch daran, wie verwöhnt man bereits vom Hardware-Hall ist.
    Ich erlebe das öfters, wenn eigentlich mit ihren Plugins zufriedene Musikerkollegen zu mir kommen und dann erstaunt fragen: „Was ist das denn für ein geiler Raum???“ Meist ist es das Lexicon 300 oder der Eventide DSP-4000. Manchmal aber auch „nur“ das PCM-91.

    • Profilbild
      Filterpad AHU

      Ja Sudad, dass habe ich auch schon gehört. Das ist eines der Dinge, die viele nie gegen Software tauschen würden. Anscheinend ist das oft noch so das letzte Quäntchen im Song. Daher habe ich mal nachgeschaut, was ein Lexicon 300 kostet. Na ja, dafür müsste natürlich auch was reinkommen durch die Musik, im Idealfall, um diese Anschaffung zu würdigen. Aber ‚gut Hall‘ kostet eben.

    • Profilbild
      Fredi

      Hallo Sudad G,

      Du schreibst:
      > das Thema Hall [ist] eines der wenigen Audio-Disziplinen, bei denen Plugins
      > der Hardware noch nicht ganz das Wasser reichen können
      Das verstehe ich nicht. Ich könnte mir vorstellen, daß vielleicht ein Hallgerät mit Platte nicht perfekt simulierbar ist, aber ein Lexicon aus den 80ern? Das ist ein Mikroprozessor mit einer Simulation eines intelligenten Modells, wie Reflektionen in einem Raum aussehen. Wenn das komplett deterministisch ist, dann kannst Du das simpel über eine Impulsantwort scannen, die halt nur entsprechend lang sein muss.
      Und die damals verwendeten Algorithmen sind wahrscheinlich Firmengeheimnisse, aber erschließbar. Insbesondere war die Rechenleistung damals auch relativ bescheiden im Vergleich zu der heutigen (beispielsweise hat man damals keine Gleitkommaarithmetik in der Hardware gehabt). Warum sollte man also nicht ein Plugin schreiben können, das dieselben Algorithmen (oder welche aus der damaligen Forschung) benutzt?
      Ein wissenschaftlicher Test dazu wäre, dass man in einem tollen Hardwarehallgerät einen Preset auswählt, diesen „impuls-sampled“, ein Testsignal dann durch die Hardware und parallel durch ein Plugin mit Impulsantwort schickt und beide Ergebnisse voneinander abzieht.
      Mein Bauchgefühl sagt mir, dass die Differenz massiv unterhalb der Hörschwelle liegen wird. Aber ich lasse mich gerne belehren…

      Gruß
      Fredi

  5. Profilbild
    Flowwater AHU

    Sehr schöner Artikel. 👍

    Meine Einstellung ist ebenfalls: »Einen schlechten Hall gibt es nicht. Es gibt nur unpassend Halleffekte.«

    Ich mache im Moment so gut wie alles mit Reaper (noch v6.04, ja ich weiß, wir sind seit gestern bei v6.57). Dort gibt es mitgeliefert den »ReaVerbate« … das ist nun wirklich kann Hall (für meine Ohren), der auch nur ansatzweise mit Lexicon, Eventide, Quantec oder auch so etwas wie »Valhalla VintageVerb« mithalten könnte. Das ist nämlich so ein richtig heftiger Schepper-Flatter-Hall. Nun mache ich ja elektronische Musik, Ambient usw. Den also bewussten als »fiesen« Effekt auf Synthesizer und Geräuscheffekte gesetzt … das klingt manchmal einfach interessant. Da ist der Hall also quasie ein weiteres klangformendes Element.

    Wobei: Ich liebäugele seit einiger Zeit mit einem PCM80/81 von Lexicon. Und da interessiert mich durchaus die Parameterflut. Ich ahne, dass da spannende Klangkonstrukte verborgen sein könnten. Wenn man sich denn nur damit beschäftigen würde. 😉

    Ehrlich gesagt liebe ich so etwas: Auch mal etwas machen, wofür die Software oder Hardware eigentlich nicht gedacht war. 😀

  6. Profilbild
    Doc

    Hallo Markus,

    “ Hardware Hallgeräte sind in den letzten 20 Jahren zunehmend vom Markt verschwunden und wurden von Plug-ins verdrängt.“

    Dies mag vielleicht fuer 19″ Geraete zutreffen, aber wenn ich mir die Flut an Bodentretern anschaue ……

    Hab hier einige Halltreter stehen, da will ich keinen missen. ;o)

    • Profilbild
      Markus Galla RED

      Das stimmt. Leider sind viele davon mangels symmetrischer Ein- und Ausgänge im Studio nur begrenzt einsetzbar. Für Instrumente aber super. Ich nutze dafür manchmal den Eventide H9. Da es seine Effekte aber jetzt als Plugin gibt, ist das kaum noch notwendig.

  7. Profilbild
    julian

    Vielen Dank für den Artikel, genau so habe ich mir das vorgestellt :)
    Ich muss ehrlich sagen, gerade beim Vergleich chroma-room vs silver-room kann ich einen Unterschied bestenfalls erahnen (DT770 und FiiO dac), vielleicht liegt das aber auch daran, dass mein Gehör nicht geübt genug ist. Die generelle Aussage „es gibt kein schlechten hall“ kann ich gut nachvollziehen, allerdings wäre hier vielleicht ein Vergleich zwischen zb. einem Bricasti und einem Alesis midiverb (?) ein besserer Vergleich mit „größtmöglicher Spanne“ dazwischen. Die Kernaussage „Der Hall muss zum Einsatz passen“ ist denke ich entscheidend. Der Artikel hilft mir in Zukunft eine Auswahl für die einzelnen Spuren besser treffen zu können! Danke und Gruss

    • Profilbild
      Markus Galla RED

      Hi,
      ja, der Unterschied im Hörbeispiel ist sehr gering, was daran liegt, dass ich beim Room-Beispiel den Effekt sehr dezent eingesetzt habe. Es ist auch kein schlechter Hall, wenn man das Silver Verb richtig einsetzt: Kürzere Halldauer, eher dezent als vordergründig. Beim Ambience-Effekt habe ich den Wet-Anteil etwas erhöht, da kann man das eher hören. Und dennoch: Auch hier gibt es Einsatzbereiche. Ein Vergleich vom MIDIVerb mit Bricasti hinkt, weil das MIDIVerb aus einer anderen Ära stammt und in seiner Preisklasse und Zielgruppe einzigartig war. Bis dahin gab es im Homerecording keinen bezahlbaren Digitalhall. Und doch ist es auf unzähligen Produktionen zu hören, weil es nicht nur als günstiger Dritthall im Studio genutzt wurde, sondern unzählige Gitarren- und Keyboard-Racks der Stars gefüllt hat und auch auf den Bühnen oft genutzt wurde.

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum, um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Politische Inhalte und Statements werden durch die Redaktion gelöscht.

Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.

ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
X
ANZEIGE X