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AMAZING Readers Music: Fliederkind – Happy Ocean Manufacturing

Amazona.de:
Erzählt mal was zu eurer Produktionsweise

Maximilian:
Wir leben ja 500 Kilometer voneinander entfernt und kommen nur alle paar Wochen zusammen, um gemeinsam an dem Material zu arbeiten. Daher ist es für gewöhnlich so, dass Egbert Songideen entwickelt, während ich an Texten schreibe. Wenn ich dann mit einem Text zufrieden bin, schicke ich ihn Egbert – und bekomme meist innerhalb von kurzer Zeit eine allererste Version zurück. Das passt nicht immer, aber meistens ist dieser Ausgangspunkt so gut, dass wir von da aus Komposition und Arrangement zu einem fertigen Demosong entwickeln können.

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Egbert:
Sei es meinem Alter geschuldet, der Vorliebe für Knöpfe drehen oder dem magischen Moment, wenn alle Geräte gleichzeitig einen Song spielen: Jede Stimme, jede Spur wird simultan von einem dedizierten Synthesizer gespielt. Gesteuert durch eine DAW (Cubase) kann ich dann, während der Song läuft, gleichzeitig an den Synths am Sound schrauben. Erst wenn alles komplett fertig arrangiert ist, spiele ich alle Spuren einzeln als WAVs aus und schicke sie unserem Produzenten. In dessen Studio nehmen wir dann auch den Gesang noch mal professionell auf und schließlich wird der Song mit einem riesigen Analogpult und mehreren Racks voller Effektgeräte für CD und Vinyl abgemischt. Das ist also alles nicht reproduzierbar. Wenn der nächste Song an der Reihe ist, sind die Einstellungen der ganzen Geräte und des Pults verloren.

Amazona.de:
Welche Auflage hat euer neues Album?

Maximilian:
Wir haben 1.000 CD und 500 Vinyl als „limited launch edition“ herstellen lassen, um nun Werbung für das Album zu machen und ein passendes Label zu finden.

Amazona.de:
Wo habt ihr das Album aufgenommen?

Egbert:
Die Synthesizer habe ich in meinem Heimstudio aufgenommen, das ist heutzutage ja kein Hexenwerk mehr. Im s17music Studio in der Nähe von Heidelberg wurden dann die Vocals aufgenommen und schließlich zusammen mit den Roh-WAV der Synthispuren abgemischt. Wobei abgemischt natürlich viel zu klein ausgedrückt ist. Was Horst durch seine Produktion aus den Songs herausgeholt hat, ist beeindruckend. Meine Einschätzung zu Produzenten hat sich seit dieser Zeit komplett gedreht.

Amazona.de:
Wo kann ich euer Album kaufen?

Maximilian:
Derzeit nirgends. Wir suchen noch nach einem passenden Label. Allerdings überlegen wir, ob wir nicht zumindest die Vinyls der limited lauch edition selber vertreiben wollen.

Egbert:
AMAZONA bekommt natürlich eine CD geschenkt. Oder ein paar Exemplare für eine Verlosung. Vielleicht wird die limited launch edition ja später einmal eine gesuchte Sammler-Edition.

Amazona.de:
Tolles Cover übrigens, wer hat sich das ausgedacht und was symbolisiert es?

Maximilian:
Nachdem die Songs so professionell geworden waren, war klar, dass das Cover diese Qualität, diese Klasse transportieren muss. Ich habe daher Wolfgang Höllerl angesprochen, einen Grafiker, mit dem ich früher mal zusammen gewohnt habe. Ich schätze sein Werk sehr und wusste, dass ich mich auf seine Intuition verlassen kann. Er hat uns dann schnell mit seinen Entwürfen auf Basis von Meereslebewesen begeistert, die aus meiner Sicht sehr gut das Organische widerspiegeln, das den Songs von Fliederkind innewohnt.

Amazona.de:
Ist Fliederkind eure erste Formation oder wart ihr vorher mit anderen Projekten unterwegs?

Maximilian:
Egbert und ich haben in der Schule gemeinsam in einer Band gespielt, die recht klassisch mit Drum, Bass, Gitarre und Keyboard eigene Songs erarbeitet hat. Aus diversen Gründen sind wir aber über einen Auftritt nicht hinausgekommen. So ähnlich ging es bei mir dann weiter – als Keyboarder in verschiedenen Bands während des Studiums und in unterschiedlichen kleinen Projekten in den darauffolgenden Jahren. Die abgefahrendste Besetzung war ein Trio mit einem Tablaspieler, einem Marimbaspieler und mir am Klavier. Nichts davon hat aber das professionelle Niveau von Fliederkind erreicht.

Egbert:
Nach unser Schulband habe ich eigentlich zwanzig Jahre nur sporadisch für mich Musik gemacht. Als beruflich wieder mehr Zeit war, habe mir eine moderne Music Workstation zugelegt. Alles in einer Box hat den Funken aber nicht überspringen lassen. Die Initialzündung waren dann wirklich Maximilians poetischen Texte und die BlueBox Artikel bei AMAZONA. Ich habe systematisch Berichte über klassische Synthesizer – angefangen beim PPG Wave 2.2 – verschlungen und dann gemerkt, dass ich Instrumente mit Eigenarten brauche.

Amazona.de:
Was macht für euch einen guten Song aus?

Maximilian:
Dass er einen sofort aus dem Alltag herausholt und in seine eigene Welt zieht.

Egbert:
Dass man ihm am Ende direkt noch einmal von vorne hören möchte.

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Amazona.de:
Habt ihr Vorbilder?

Maximilian:
Schwer zu sagen. Es gibt eine ganze Reihe von Musikern, die ich bewundere – was aber nicht bedeutet, dass ich die gleiche Musik machen möchte wie sie. Mich begeistert, wenn ich spüre, dass jemand seinen eigenen Weg, seinen eigenen Ausdruck gefunden hat. Von daher finde ich es toll, dass Fliederkind etwas ganz Eigenes geworden ist.

Egbert:
Die 80er mit allem rund um Wave haben mich stark geprägt. Als einzelne Bands sind es sicherlich Kraftwerk, Depeche Mode, aber auch Rammstein oder Doors, deren Lieder durch ständiges Hören Einfluss genommen haben.

Amazona.de:
Welche Synthesizer benutzt ihr für eure Produktionen?

Egbert:
Das klangliche Gerüst wird von einem PGG Wave 2 und einem Wave 2.2 sowie den Waldorf Microwaves I und WAVE gebildet. Die Drumsounds hat vor allem eine Jomox XBase 888 beigesteuert. Dazu kamen dann noch Q+, Microwave XT und Pulse I sowie ein MfB Dominion bei „Happy Ocean Manufacturing“ zum Einsatz. Man merkt deutlich, dass die Klangsynthese Wavetable + Analogfilter bei uns einen hohen Stellenwert genießt. Auch dass wir beim Sound eher das Harsche und weniger das Liebliche bevorzugen, lässt sich nicht verleugnen. Am Anfang habe ich mir vor allem mit dem PPGs einen Jugendtraum verwirklicht. Danach habe ich gemerkt, wie mystisch diese Geräte sind und dass sie genau die Sounds ermöglichen, die wir brauchen. Wie vorhin angedeutet: die Bluebox Vorstellungen auf AMAZONA haben das Setup mit geprägt.

Amazona.de:
Kann man euch auch live erleben?

Egbert:
Nicht im klassischen Sinne. Wir sind überein gekommen, dass wir unsere Musik in der Form nicht live darbieten könnten, ohne große Bestandteile aus der Konserve zu verwenden. Alleine schon die PPGs reagieren wie Zimmerpflanzen empfindlich auf einen Ortswechsel. Die mit auf die Bühne zu schleppen, ist mit zu viel Stress verbunden.

Maximilian:
Wir überlegen daher, ob wir Fliederkind nicht in anderer Form zu einem Live-Erlebnis machen können. Eine Idee ist, zusammen mit anderen Kunstformen, zum Beispiel einem Tanztheater, eine Live-Performance auf die Beine zu stellen. Aber das ist bisher nicht mehr als eine Idee. Am Ende ist natürlich auch alles eine Frage der Zeit, die uns neben dem Job bleibt.

Amazona.de:
Was habt ihr als nächstes geplant?

Maximilian:
Aktuell steht die Suche nach einem passenden Label im Vordergrund. Gleichzeitig haben wir erste Gespräche mit einem Videokünstler geführt, der zu „Asking for Permission to Break“ ein Video erstellen möchte. Das soll kein Musikvideo im klassischen Sinn werden, sondern – wie schon das Cover – dem Projekt eine weitere künstlerische Dimension hinzufügen.

Egbert:
Außerdem haben wir gerade den letzten Song für unser zweites Album in der Demoversion im Kasten. Ab Sommer geht es dann wieder ins Studio, um die Gesangsspuren aufzunehmen und anschließend das Album zu produzieren. Alleine schon weil diesmal deutschsprachige Texte die Grundlage bilden, wird es anders als Happy Ocean Manufacturing werden, aber musikalisch natürlich in der gleichen Tradition stehen.

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Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Nettes Interview!
    Einen PPG Wave zu verwenden in einer Produktion ist schonmal grundsätzlich nicht verkehrt. :-)
    Apropos Wave…. checkt da mal euren Text ab! Ihr meint da im Zusammenhang mit den Flaggen, wenn es sich dabei um Flaggenwedelei handeln soll, eher waving als waiving. Waiving ist was anderes.

    • Profilbild
      Maximilian

      Hi Wellenstrom,

      danke für das Lob – und den Hinweis, da hast Du natürlich recht! Leider nicht der einzige Fehler, der mir unterlaufen ist. Soviel zum Thema Professionalität ;-) Die Songs des nächsten Albums werden deutsche Texte haben, da gibt es dann andere Probleme :-)

      • Profilbild
        AMAZONA Archiv

        Jo, passt schon. Den „Fehler“ sieht man ja nur, wenn er geschrieben steht, man hört ihn ja nicht – ist nur relevant, wenn ihr die Lyrics mit ins Inlay reinknallt.
        Ansonsten schomma viel Erfolg. Egal, ob nun mit deutschem oder englischem Text. Falls ihr mehr auf den nationalen Markt schielt (international ist für deutsche Projekte/Bands eh immer schwierig), dann sind die Chancen mit deutschen Texten ’nen Tacken höher.

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Mich würde aber schon mal interessieren, wie die Band, Projektbeteiligten genau „professionell“ in sahen Musikproduktion und Songwriting definieren. Persönlich habe ich da so’n Problem mit diesen generellen Abgrenzungen.

    • Profilbild
      Luis Miehlich  

      Ich kann heutzutage die Linie nicht mehr klar ziehen. Auch in einem Homestudio lassen sich inzwischen so gut klingende Produktionen machen, dass sie auch kommerziell Erfolgreich sein können – gerade bei elektronischer Musik, wo Aufnahmeräume und teure Mikrofone nicht so relevant sind. Ich hätte gesagt, sobald aus einem Hobby (ob es nun Geld abwirft oder nicht) ein Beruf wird, ist man Professionell unterwegs, das sieht aber wohl jeder anders.

    • Profilbild
      Maximilian

      … klar, was „professionell“ genau sein soll, darüber lässt sich trefflich diskutieren, gerade bei den technischen Möglichkeiten heute, wie Luis Miehlich ja schon erwähnt hat. Es war auch gar nicht als generelle Abgrenzung gemeint, sondern ist eher dem persönlichen Erleben geschuldet: Was unser Produzent an jahrzehntelanger Erfahrung, an Wissen und Können in das Projekt eingebracht hat, war einfach wahnsinnig beeindruckend zu erleben. Da stellte sich uns gar nicht mehr die Frage – es war klar, dass er „Happy Ocean Manufacturing“ auf ein ganz anderes Level gehoben hat, das man im Vergleich zu unseren Demos einfach als professionell bezeichnen muss.

    • Profilbild
      AMAZONA Archiv

      Bezieht sich das mit der Bewertung nicht eigentlich nur auf Test(produkte)?

      • Profilbild
        8-VOICE  AHU

        Früher nicht, da konnte man auch gute Workshops und interessante Interviews positiv bewerten. Bei Produkten ist es auch nicht immer einfach die objektiv zu bewerten ohne sie selbst in den Fingern zu haben. Ist mir einfach nur aufgefallen.

        • Profilbild
          Tyrell  RED 1211

          Ist tatsächlich ein Bug. Vielen Dank für den Hinweis. Ich jbs manuell hier wieder eingeschaltet. Aktuell liegt der fehler daran, dass wenn die Redaktion keine Bewertung abgeben hat (wie bei News oder Interview) kann auch der Leser keine bewertung abgeben. Wir fixen das am Montag :-)

  3. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Es muss sich inzwischen um Legionen von Designern, Architekten und Illustratoren handeln, denen Ernst Haeckels „Kunstformen der Natur“ als kontinuierliche Inspirationsquelle diente.

  4. Profilbild
    Henrik Fisch  AHU

    Ich bin durch Zufall über diesen Bericht über »Fliederkind« gestolpert und habe in ein paar Songs hinein gehört. Gibt es das Album denn jetzt zu kaufen? Auf Amazon habe ich nichts gefunden und auch die Website schweigt sich leider über Shopping-Möglichkeiten aus. Ich meine, ich würde da echt gerne Geld für ausgeben … kann aber irgendwie leider nicht. ;-)

  5. Profilbild
    e-online

    Hallo Henrik,

    es freut uns, dass Dir die Musik von Fliederkind gefällt. Wir stehen gerade in konkreten Verhandlungen mit einem Label und einem Vertrieb, die uns unter Vertrag nehmen möchten. Daher haben wir erstmal alle anderen Vertriebswege auf Eis gelegt. Wir haben aber aus der limited edition noch Vinyl und CD übrig. Wenn Du uns per email kontaktierst, machen wir einen exklusiven Direktverkauf für Dich.
    Das zweite Album ist übrigens gerade in der Mache. Die Studioaufnahmen liegen hinter uns und nun werden die Songs gemischt und gemastert. Dies schon mal zur Vorfreude.

    Viele Grüße
    Egbert

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