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DOC ANALOG: Roland SH-7 Refurbished

13. Mai 2017

Kleiner Fehler, große Wirkung

Allgemein gilt der Roland SH-7 als die Krönung der einst von Roland in 70ern eingeführten SH-Serie. Das Wasser reichen kann ihm eigentlich nur noch der Roland SH-5, der ein flexibleres Filter sowie einen zweiten LFO besitzt. Das Filter des SH-7 kann dafür mit seiner 24 dB pro Oktave Steilheit heftiger zupacken, besitzt zwei vollwertige Hüllkurven und deutlich mehr Modulationsmöglichkeiten inklusive FM. Ein weiteres Sahnestück des Roland SH-7 sind aber seine Oszillatoren. Hier lasse ich kurz unseren Autor Mic Irmer zu Wort kommen:

„Zwei Oszillatoren mit harter Synchronisation bilden die Basis. VCO 1 bietet zudem ein Mischsystem an, welches erlaubt, Rechteckschwingungen aller Oktavlagen von 32“ bis 2“ stufenlos zu mischen. Das System ist vom Roland-SH3a bekannt und flexibler als ein simpler Suboszillator. Die Schaltung selbst wurde mit Frequenzteilern realisiert und ermöglicht eine einfache additive Mischung zum Andicken der Klanges oder für orgelartige Sounds im Schnellverfahren.“

Auf Grund des hochgestellten Bedienpanels (ähnlich wie bei einem Minimoog) kostet heute ein Roland SH-5 trotz allem mehr als ein Roland SH-7. Von Schnäppchen kann man aber längst nicht mehr sprechen. Hinzu kommt, dass der Roland SH-7 sogar noch seltener am Markt anzutreffen ist als sein Kollege Roland SH-5.

Als wir nun einen optisch sehr gut erhaltenen Roland SH-7 in die Finger bekommen haben, bei dem aber das ein oder andere Feature nicht mehr richtig funktionierte, war klar, dass ist ein Fall für DOC ANALOG.

MISSION: ROLAND SH-7

  • Target: ROLAND SH-7
  • Age: 39 Jahre
  • Damage Analysis:
    • 1 NOTE MODUS
      • Grundsätzlich alles OK, aber die unterste Oktave bekommt offensichtlich keine CV-Information. Ab D#1 erzeugen nach unten alle Tasten dieselbe Tonhöhe
    • 2 NOTE MODUS
      • Unterste Oktave spielt keine Tonhöhen (wie im 1-Note-Modus)
      • VCO2 spielt IMMER dieselbe Tonhöhe auf allen Tasten.
    • Umrüstung des Trafos von 110 Volt auf 220 Volt
    • S&H LED defekt
  • Time for Mission: 3 Stunden
  • Material:
    • neuer Trafo
  • Budget: 200,- Euro plus 30,- Euro neuer Trafo

LOG FILE

Der Roland in seiner vollen Pracht wird angeschlossen und überprüft. Er funktioniert soweit bis auf die erwähnten Fehler (siehe Damage Analysis). Das Bedienpanel sieht sehr gepflegt aus. Die Potis und Fader funktionieren erstaunlich gut. Kein Kratzen, kein Hakeln. Rundum befindet sich der SH-7 optisch in einem sehr guten Zustand. Mal schauen, wie es innen aussieht.

Der erste Eindruck entspricht dem Zustand von außen. Keine Feuchtigkeit, keine Ablagerungen, keine Korrosionen. Tip,top!

Die oberen beiden Bilder zeigen den Netztrafo in 110V US-Ausführung. Leider gibt es keine Möglichkeit, die Netzspannung umzuschalten und mittels Brücke die Primärwicklung des Trafos auf 220V zu ändern. Die EU-Version des SH-7 unterscheidet sich laut Schaltplan hauptsächlich durch den Trafo und einer kleinen Modifikation auf der Netzteilplatine (zusätzliche sekundäre Sicherungen). Ein Umbau sollte hier kein großes Problem darstellen.

Kümmern wir uns erst einmal um den hauptsächlichen Fehler, bei dem mir beim ersten Funktionscheck doch ein wenig mulmig wurde. Und siehe da! Bei genauer Betrachtung der Keyboard-Unterseite kann man erkennen, dass die Kontaktschiene für die Tastatursensoren irgendwie nach rechts verschoben ist und mit einem Anschluss einen Kurzschluss mit der naheliegenden Gehäuseschraube verursacht.

Dieses Bild zeigt es deutlich. Das ist also die Ursache für den Totalausfall beim Betätigen einer Taste (allerdings nur in der oberen Oktave) Das ist ja witzig!

Jetzt erklärt sich auf der Fehler, warum die unterste Taste gar nicht reagiert. Durch die verschobenen Sensorstangen ist überhaupt kein Kontakt mehr zum Keyboard da.

Jetzt ist die Kontaktschiene wieder in ihrer Führung und wird von mir nochmals mit Lack fixiert.

Kommen wir zum Umbau auf 220V Version: Es handelt sich hier um einen Trafo mit sekundär 2 Abgriffen mit ca. 24V Wechselspannung, aus denen dann auf der Netzteilplatine am Ende eine saubere plus und minus 15V Gleichspannung zur Verfügung stehen. Ich entscheide mich für einen neuen Ringkerntrafo mit Eingang 220V und 2x 24V Anschlüssen am Ausgang. Die Leistungsaufnahme ist beim SH-7 relativ gering, sodass mein neuer Trafo eigentlich etwas überdimensioniert ist. Macht aber nichts.

Vorteil des Ringkerntrafos: kaum magnetisches Streufeld, hoher Wirkungsgrad. Die Leistungsaufnahme ist hier so gering, dass ich auf eine zusätzliche Einschalt-Strombegrenzung verzichte.

Der neue Trafo sitzt und passt.

Eine Kleinigkeit am Rande. Die Sample/Hold-LED ist einfach nur kaputt und wird von mir erneuert.

Das war’s mit der Roland SH-7 Reparatur.

Hier hatten wir einen schönes Beispiel von „kleine Ursache – große Wirkung“ bezüglich des Kurzschlusses auf der Keyboard-Unterseite.

Bleibt noch zu erwähnen (Fotos habe ich dummerweise nicht gemacht), dass der Synth noch ein neues EU-Netzkabel bekommen hat. Auch die Siebkondensatoren im Netzteil wurden von mir erneuert und die (+) und (-)15V Ausgangsspannungen mit Hilfe der Trimmpotis auf der Platine abgeglichen.

Bis zum nächsten Mal, Euer Doc.

STAR SHOOTING SH-7

Zurück in der  Redaktion wurde der Roland SH-7 wie üblich noch ins Studio gebracht und in seiner ganzen Pracht abgelichtet.

Forum
    • Profilbild
      doc analog  

      Vielen Dank. Nein, eigentlich nicht. Aber ich gehe sehr vorsichtig und mit großem Respekt and die alten Schätze ran. Als ich die vielen Löcher in den Arp Avatar gebohrt habe, habe ich zig mal Maß genommen und nachkontrolliert.

      • Profilbild
        dirkfwalther

        Hallo zusammen, ich bin glücklicher Besitzer eines (so nenne ich ihn liebevoll) Hasi-7 und habe eine Frage zur Midifizierung. Ich nutze wahlweise ein Doepfer Midi-to-CV Interface oder das CV/Gate des Akai Max 49 (mit externer Stromversorgung) Das klappt mit der Spannung auch gut, sprich, Tonhöhen sind richtig.
        ** Problem**: Die Release Time der Töne sind unendlich, d.h. es kommt nur ein Ton wenn ich rechts außen den Hold REgler hochschiebe. Der Ton hält so lange an, bis der nächste Ton gespielt wird. Das ist auch nicht reduzierbar, d.h. die Release Zeit ist nicht regelbar. Ich habe sämtliche Einstellungen getestet, und kriege das Problem nicht gelöst. Ideen? Oder altersbedingte Geräteeigenheit?

        An dem Doepfer/Akai Max liegt es nicht, ich kann meinen SH-101 (aka Hasi-101) problemlos midifizieren.
        Danke, Dirk (PS: Ich hatte den Kommentar schon einmal bei dem anderen Artikel zum SH-7 gepostet, sorry für die „Dopplung“)

        • Profilbild
          v. d. Linden

          Guten Tag dirkwalther! Der Sh101 benötigt eine Gate Spannung von 2,5V oder mehr; der SH 7 braucht eine Spannung größer 7V.Döpfer MIDI/CV Interfaces können in der Regel mit einem Netzteil als 9 Volt auf eine höhere Gatespannung umgestellt werden.Aloha

  1. Profilbild
    iggy_pop  AHU

    Diese komischen Probleme mit den Tastaturen gibt es bei den alten Rolands häufiger– bei meinem VP-330 war mal ein (Masse?-)Draht am Keyboard Buss Bar abgegangen, woraufhin das komplette Instrument nicht mehr spielbar war.
    .
    Schönes Gerät, der SH-7 — zusammen mit dem SH-5 für mich Grundpfeiler des klassischen Throbbing Gristle Klanges.

  2. Profilbild
    swissdoc  RED

    Beim SH-7 ist ja der Sync-Sound so ganz anders als man das sonst so kennt. Bist Du dahintergestiegen, woher das kommt?

  3. Profilbild
    Filterspiel  AHU

    Das ist ja mal ein netter Designfehler von Roland, wobei der Schaden sich ja glücklicherweise in kleinstmöglichen Grenzen hielt.

  4. Profilbild
    Coin  AHU

    Hallo Doc Analog, wie kann ich Dich erreichen ?
    Will fragen ob Du einen defekten Yamaha FS1R reparieren kannst ?
    Das Betriebssystem hat wohl nen Schaden.
    Der Support meint wohl es ist nicht reparierbar.
    PS:
    Wenn ich auf das Profil von Tyrell klicke kommt nur ein graues Fenster.

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