Green Box: Hartmann Neuron, Digital-Synthesizer

20. Mai 2017

Charakter statt Klon

Vorwort

Als im April 2003 der HARTMANN NEURON auf den Markt kam, konnte niemand ahnen, welch kurze Lebensdauer die Firma Hartmann haben würde. Somit hat der NEURON es deutlich schneller in unsere Vintage-Serie GREEN BOX geschafft als all anderen Synthesizer in dieser Kategorie. Ein digitaler Oldie, der heute ein teils umstrittener und selten zu findender Klangerzeuger ist.

Allerdings liegt heute ein gebrauchter Hartmann Neuron ca. 2.000 Euro unter seinem damaligen Neupreis. Das macht diesen außergewöhnlichen Synthesizer dann doch wieder für all jene interessant, die nach einem Klangcharakter suchen, der mit anderen Geräten oder Plug-ins kaum bzw. gar nicht erzeugt werden kann.

Ich selbst hatte den Hartmann Neuron leider noch nicht unter den Fingern, aber ich habe einige Freunde, die viel Gutes zu berichten hatten und den Neuron lange Zeit spielten, so auch z.B. Peter Mahr, der in seinem AMAZONA.de-Interview von 2007 den Neuron lobend erwähnt hat.

Eines noch. Mag der Hartmann Neuron auch nicht den gewünschten Erfolg erzielt haben, so habe ich allerhöchsten Respekt vor Axel Hartmann und seinem Team, die etwas Neues und Einzigartiges schaffen wollten. Im Zeitalter der „wir bauen eine Klon“-Mentalität, sind Visionäre wie Axel Hartmann willkommener denn je. Und so hat es mich ganz persönlich besonders gefreut, dass Axel vor gar nicht all zu langer Zeit mit dem Synthesizer ’20 ein neues Projekt gewagt und letztendlich auch realisiert hat.

In diesem Sinn,
ein spannendes und musikalisches Wochenende,
Euer Peter Grandl

Design made by Hartmann

Jetzt schon eine Legende? Irgendwie schon: Der erste Eindruck ist positiv. Der mit 17 kg mittelschwere Neuron ist in einem modern designten Gehäuse verpackt. Kein Wunder, denn kein Geringerer als Firmenchef Axel Hartmann, verantwortlich für das Design des Alesis Andromeda und diverser Waldorf Synthesizer, hat hier seine Handschrift hinterlassen. Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten und so könnte man das Äußere des Neurons vielleicht mit den Worten futuristisch, innovativ, sachlich, klinisch oder „neurologisch“ umschreiben. Auf jeden Fall enthält der Namenszug das Wörtchen „Neu“ und tatsächlich: so ziemlich alles innerhalb und außerhalb des Neurons ist irgendwie anders. Endlich mal eine aufregende Neuentwicklung!

Das Benutzerinterface

Der klassische Drehregler wurde im Neuron durch Endlos-Räder (sog. Wheels, insgesamt 14 Stück) mit 10-stufigen LED-Ketten ersetzt. Zusätzlich gibt es 4 Joysticks (Stickcontroller), neun Endlosdrehregler und 59 Taster, teilweise mit Mehrfachbelegungen. Das Hauptdisplay ist leider nur zweizeilig. Als Ausgleich gibt es dafür aber ein Dutzend kleine einzeilige Displays, die auf der Bedienoberfläche des Neurons um die Stickcontroller angeordnet sind. Links neben dem Hauptdisplay gibt es eine weitere Neuheit: ein Navigationstick, mit dem man zwischen den verschiedenen Parametern blättern kann.
Im Praxistest erwies sich dieser Stick als wertvolle und vor allem schnelle Eingabehilfe: Mit der linken Hand wählt man per Stick den gewünschten Parameter aus und mit der rechten Hand ändert man am Datenrad die Werte. Ergonomisch gut durchdacht! Leider wurde bei allen Displays ein milchiger Kunststoff verwendet, der die Lesbarkeit nicht unbedingt erhöht. Die Beschriftung der übrigen Bedienelemente lässt sich dank hellgrauer Oberfläche gut ablesen. Die 5-Oktaven-Tastatur kann angenehm gespielt werden und macht einen rundum positiven Eindruck. Der DSP im Neuron wurde übrigens von Stephan Bernsee programmiert, der mit seiner Firma Prosoniq schon viele innovative Software-Produkte auf Basis neuronaler Netze entwickelt hat.

Rein und raus

Eine kleine Überraschung ist die Anordnung der Ein- und Ausgänge an der linken Gehäuseseite. Wieder ein absolutes Novum! Hier findet man neben der Stromzufuhr das obligatorische MIDI-Trio, einen digitalen Ein- und Ausgang (S/PDIF), drei Stereoausgänge, einen Kopfhörerausgang, einen USB-Anschluss, der eigentlich keiner ist, sowie drei externe Controller-Eingänge. Der Neuron ist der erste Synthesizer mit Surround-Ausgabe im Format 5.1.

Der Stereoausgang 1 liefert die Frontkanäle (L, R), auf Stereoausgang 2 werden die beiden Back-Kanäle ausgegeben. Der Center-Kanal liegt auf Ausgang 3 links, Ausgang 3 rechts liefert das Signal für den Subwoofer. Zugegeben, das Verkabeln mit der Außenwelt geht mit dieser Anordnung der Anschlüsse viel leichter von der Hand – die Kabelführung ist jedoch nur perfekt, wenn sich der Mischer/Computer links neben dem Neuron befindet. Als Gegenpol gibt auf der rechten Neuron-Seite ein helles Holzstück dem Neuron ein unsymmetrisches Gesicht. Die größte Überraschung erlebt man jedoch, wenn man den großen beleuchteten Ein- und Ausschalter, der mich mehr an einen Not-Aus-Schalter erinnert, an der Neuron-Rückseite betätigt. Nach dem Einschalten bemerkt man nämlich, dass der Neuron kein normaler Synthesizer im klassischen Sinne ist, sondern ein spezialisierter Musik-Computer. Deutlich ist der 12 cm große Gehäuselüfter an der Geräteunterseite und die interne 20 GB Festplatte zu hören (!). Das Betriebssystem des Neurons benötigt knapp 40 Sekunden für den Boot-Vorgang. Die Wartezeit wird versüßt durch aufblinkende LED-Ketten à la Raumschiff Enterprise. Wer ein absolut leises Studio sein Eigen nennt, wird sich allerdings am deutlich zu hörenden Lüfter des Neuron stören.

Die Klangerzeugung

Der Neuron bietet einen 4-fachen Multimode bei maximal 32-stimmiger Polyphonie. Die Stimmenanzahl kann jedoch je nach Sound schwanken, so dass die maximale Polyphonie realistischerweise irgendwo zwischen 8 und 32 liegen wird.

Das Grundmaterial zur Erzeugung eines Neuron-Klanges liefert der Resynator, von dem der Neuron gleich zwei Stück an Bord hat. Das Wort „Resynator“ setzt sich aus den Begriffen „Resynthese“ und „Oszillator“ zusammen. Der Neuron verwendet nämlich als erster Synthesizer keine starren Wellenformen oder Samples als Ausgangsbasis, sondern komplexes Klangmaterial in Form von Modellen, die vorab im Computer aus beliebigen Samples (Einzelklängen, Drumloops oder kompletten Songs) erstellt werden müssen. Jedes Modell enthält je nach Soundgattung einen speziellen Parametersatz. Dieser ermöglicht später im Neuron die Kontrolle über das resynthesierte Material. Ein Satz ist grundsätzlich in zwei Parameterbereiche unterteilt: in einen Scape- und einen Sphere-Bereich. Der Scape-Bereich enthält alle Parameter, die sich auf die Erzeugungseigenschaften eines Klanges beziehen, also z.B. das Vibrieren einer Saite. In Sphere wird festgelegt, was den Klang formt, also z.B. der Gitarrenkorpus. Der Neuron hat ab Werk rund 280 verschiedene Modelle auf der 20 GB großen Festplatte gespeichert. Eigene Modelle können aber am Computer erstellt und zum Neuron übertragen werden. Mit dieser Funktionalität bleibt der Neuron immer aktuell. Neue Modelle könnten z.B. auf der Hartmann Internetseite zur Verfügung gestellt und zum Neuron geschickt werden. Doch dazu später mehr.

Wie funktioniert nun ein Resynator?

Am besten erklärt man das am Beispiel einer Flöte, die als Modell im Neuron vorhanden ist. Lädt man dieses Modell in den 1. Resynator, so kann man unter anderem die Sphere-Parameter „Metal/Wood“ und „Large/Small“ verändern. Durch Bewegen des Controller-Sticks kann nun das Flötenmaterial von holzig bis metallisch und die Größe eingestellt werden. Mit Hilfe des Scape-Parameters kann z.B. mit den Werten „Wide/Narrow“ und „Clear/Rough“ die Klangweite und die „Rauheit“ verändert werden. Die verschiedenen Werte eines Parametersatzes werden in den 4 Resynatoren-Displays angezeigt. Alle Stick-Bewegungen können übrigens im Neuron nach Drücken der Stick-Animation aufgezeichnet werden. Außerdem steht eine Snapshot-Funktion zur Verfügung, mit der bis zu 50 Änderungen an einem Sound aufgenommen werden können.

Sehr kreative Funktionen! Beim Arbeiten mit den Stickcontrollern fiel allerdings auf, dass sich teilweise die Werte zu grob ändern. Da aber im Hauptdisplay jeder aktuelle Parameter angezeigt wird, sollte man nach einer groben Einstellung mit Hilfe des Stickcontrollers das Feintuning über den Navigation Stick bewerkstelligen. Auffällig war aber auch, dass sich bei einigen Sounds trotz heftiger Bewegungen des Controller-Sticks gar nichts änderte. Wurden hier die falschen Voreinstellungen für das Modell genommen oder leidet der Neuron vielleicht an einer Nervenkrankheit oder liegt das vielleicht an der mangelnden Erfahrung des Testers mit den Parameterwerten?
Überzeugen Sie sich am besten selbst mit Hilfe der folgenden Klangbeispiele von der Arbeitsweise des Resynators und der Beeinflussbarkeit eines Modells. Als Modell wurde eine Violine gewählt und der Stickcontroller in alle Richtungen bewegt. Jeder Resynator ist mit einer ADSR-Hüllkurve verschaltet. Als Hüllkurvengenerator dient im Neuron der Shaper, der sich unterhalb des Resynators befindet und über Wheels gesteuert wird. Selbstverständlich können die Lautstärke, die Tonhöhe und auch einzelne Parameterwerte über einen LFO moduliert werden. Zwischen beiden Resynatoren liegt der sogenannte „Blender“, ein Eingaberad, mit dem zwischen den beiden Resynatoren dynamisch überblendet werden kann. Verschiedene Blendertypen können definiert werden, damit diese Funktion auch auf einzelne Parameterwerte angewendet werden kann. Allein durch die Benutzung des Blenders entstehen völlig neuartige Klänge. So kann man z.B. ein Drumloop mit Hilfe einer Gitarrensaite oder einen Chor durch einen Flötenkörper erklingen lassen. Zu guter Letzt kann der Blender auch noch moduliert werden.

Das Slicer-Modul

„Slicen“ bedeutet schneiden und nichts anderes bewerkstelligt dieses Modul: Es erzeugt, ähnlich wie ein LFO zyklische, oszillierende Signale, mit denen der Klang zerschnitten wird. Es stehen zwei verschiedene Betriebsmodi zur Wahl: Im „Vertical Mode“ wird der Klang vertikal zur Raumachse, im 3D-Modus oder bei aktivierter Surround-Funktion entsprechend im ganzen Raum aufmoduliert.

Das Silver (Filter) Modul

„Silver“ heißt auf hochdeutsch silber und genau das soll dieses Modul mit einem Klang machen: ihn versilbern. Dafür stehen neben dem klassischen Filter noch zwei Multieffekt-Prozessoren zur Verfügung. Wie bei den Resynatoren kann der Silver entweder über das Menü oder mit Hilfe des Stickcontrollers gesteuert werden. Mit dem Stick können die Cutoff- und Resonanz-Werte gemeinsam manipuliert werden. Im Silver-Modul wird auch die Position des Klanges im Surround-Modus definiert. Zur Filterung kommen drei Tiefpässe (12, 24 und 6 dB), ein Hochpass (6 dB) sowie ein Bandpass zum Einsatz. Weitere Filtertypen sind in Planung. Das Filter kann selbstverständlich durch eine Filterhüllkurve (Shaper 3), einen LFO oder die Stick-Automation moduliert werden. Mit Hilfe einer Silver-Taste können Frequenzeffekte hinzugeschaltet werden. Z.Zt. steht ein EQComp, ein Ringmodulator, ein Distortion-Effekt und ein Decimator (verringert die Samplerate) zur Verfügung. Zusätzlich kann man zwischen den zeitbasierenden Effekten Stereo Spread (Stereo-Spreizung), LR Delay, Phaser, Flanger und Chorus wählen.

Master-Effekte

Neben den eben beschriebenen Silver-Effekten verfügt der Neuron zusätzlich noch über eine Mastereffekt-Einheit mit den Effekten Hall und Stereo-Delay (bis 1000 ms) inkl. aller wichtigen Parameterwerte. Das Effektsignal wird nur an den Ausgängen 1 und 2 ausgegeben.


Die USB-Schnittstelle, die eigentlich keine ist

Im Neuron dient die USB-Schnittstelle der Verbindung des Gerätes mit externen Peripheriegeräten wie z.B. PC/MAC, Festplatte, CD-ROM oder USB-Stick. Wer jetzt aber denkt, dass man den Neuron mit Hilfe eines USB-Kabels direkt an den PC oder MAC anschließend kann, liegt falsch. So innovativ und ergonomisch die Funktionen des Neurons auch anmuten, die Verbindung mit einem Computer stellt ein echtes Abenteuer dar. Zunächst benötigt man einen kompatiblen USB-Netzwerkadapter, damit der Neuron an ein Computernetzwerk angeschlossen werden kann. Dieser Adapter liegt dem Neuron nicht bei und muss extra angeschafft werden.

Eine Netzwerkkarte im PC/MAC ist ebenso Voraussetzung. Verbindet man den Neuron direkt mit der Netzwerkkarte des Computers, ist ein Cross-Netzwerkkabel erforderlich. Wird der Neuron an einen HUB angeschlossen, genügt ein normales Ethernet-Netzwerkkabel. Die Verbindung über einen HUB funktionierte zumindest mit meinem USB-Adapter nicht – die direkte Verbindung mit Hilfe eines Cross-Kabels funktionierte dagegen auf Anhieb. Als nächstes benötigt man eine FTP-Client-Software, die die Kommunikation zwischen Computer und Neuron steuert. Zu guter Letzt muss eine neue LAN-Verbindung mit der eindeutigen IP-Adresse des Neurons eingerichtet werden. Und wer noch eine Firewall installiert hat, muss eventuell auch hier den Zugriff auf den Neuron erlauben. Besonders schwierig wird die Einrichtung für diejenigen Computer-User, die bereits ihren Rechner in ein Netzwerk integriert haben.

Die IP-Adresse des Rechners muss nämlich mit der des Neurons bis auf die letzte Stelle übereinstimmen. Zum Schluss sollte noch geprüft werden, ob Java auf dem PC installiert ist. Wenn nicht, muss diese Software noch vom Sun-Server heruntergeladen (9 MB) und installiert werden – ansonsten startet die Model-Maker-Software nicht. Ist alles eingerichtet, können nach Identifizierung mit Benutzernamen und Passwort neue Modelle in den Neuron geladen, vorhandene Modelle in den PC übertragen oder die Software geupdatet werden. Herrlich kompliziert!

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Neue Modelle braucht das Land

Mit Hilfe der Software „Model-Maker“, die nach Registrierung des Neuron-Käufers von der Hartmann Internetseite geladen werden konnte, können eigene Modelle aus beliebigen Samples erstellt werden. Aktuell wird man in Foren nach Neuron Besitzern suchen müssen, die einem eine Kopie des Model-Makers zur Verfügung stellen, da die Neuron-Website längst abgeschaltet wurde.

Die Neuron Software verarbeitet nur AIF-Mono-Samples mit 16 Bit und 44,1 kHz. Die Generierung eines neuen Modells gestaltet sich recht simpel: einfach den Modellnamen und die gewünschte Nummer eingeben, unter der das Modell später im Neuron abgelegt werden soll und auf den Process-Button klicken. Damit das analysierte Modell auch nahezu wie das Original klingt, muss als nächstes ein Parametersatz ausgewählt werden. Z.Zt. stehen die Parametersätze Default, Stringed/Bowed, Plucked&Bells, Plucked&Picked, Carpet Shop, Piano, Woodwings, Extreme Pads, Loop Factory und Multipurpose zur Verfügung.

Zum Schluss muss noch der Komplexitätsparameter zwischen 1 und 10 eingestellt werden. Je höher der Wert, desto realistischer klingt das resynthesierte Material – je höher ist aber auch der Speicherverbrauch. Bei meinen Tests wurde aus einem 4 Sekunden Drumloop nach gut 2 Minuten ein 7 MB großes Neuron-Modell. Nach erfolgreicher Berechnung kann das Modell in den Neuron übertragen werden. Die Übertragung dauert dank schneller Netzwerkverbindung nur wenige Sekunden.

 

Wie klingt er denn nun?

Den Klang eines Neurons zu beschreiben, ist schier unmöglich. Da als Ausgangsmaterial alle möglichen Klangquellen dienen können, klingt der Neuron auch immer anders. Die Qualität des analogen Ausgangssignals ist mit 109 dB Rauschabstand sehr hoch. Die Wandlung erfolgt in 24 Bit. Der Neuron kann sehr druckvoll, aber auch transparent und feinfühlig klingen. In Zusammenspiel mit der Surround-Funktion klingt der Neuron absolut beeindruckend. Überzeugen Sie sich einfach selbst mit Hilfe der beigefügten Klangbeispiele. Leider erzeugen einige Sounds im Hochtonbereich unschöne Aliasing-Effekte. Manchmal ist sogar ein deutliches Loop-Knacken zu hören (und ich dachte, es werden keine Samples verwendet :o). Und bei einem Sound war eine Note auf der Tastatur deutlich lauter als alle anderen. Andere Sounds klingen in unterschiedlichen Oktavlagen zu unterschiedlich. Diese Fehler sind aber vermutlich nur bedingt dem Neuron zuzuschreiben, da die Qualität des Ausgangsmaterials ausschlaggebend ist. Hier sollte unbedingt besseres Material zur Verfügung gestellt werden.

Zweite Meinung?

Peter M. Mahr hat in seinem Synthesizer-Blog seine Erfahrungen mit dem Hartmann Neuron ebenfalls ausführlich beschrieben. Die folgende Soundcloud-Bespiele wurden von ihm ausschließlich mit dem Hartmann Neuron eingespielt.

YT-VIDEO

Und zum Abschluss noch ein YT-Video, das die Live-Editierung ganz gut zeigt:

Wir möchten uns bei Peter M. Mahr auch für die vielen tollen Bilder bedanken, die er uns für diesen Artikel zur Verfügung gestellt hat.

Fazit

Der Neuron ist zweifelsfrei einer der außergewöhnlichsten Synthesizer seiner Zeit. Die neuronale Klangerzeugung, der Surround-Mode und das einfach zu bedienende Benutzerinterface sind einzigartig. Übrigens: Das sehr gute Handbuch in deutscher Sprache liest sich wunderbar und hilft bei vielen Fragen!

Doch wo aber viel Licht ist, ist auch Schatten. Das Lüftergeräusch ist eindeutig zu laut und das Handling über den USB-Netzwerkadapter unnötig kompliziert. Die von Werk aus angebotene Soundauswahl ist ebenfalls nciht besonders repräsentativ . Eine unbeantwortete Frage bleibt jedoch bis zum Schluss: Braucht man wirklich einen 3.000 Euro teuren neuronalen Synthesizer, wenn man ähnliche Sounds auch mit Software z.B. mit Native Instruments Absynth erzeugen kann?

Ist das ausschlaggebende Kriterium nicht das Klangresultat, das aus einem Synthesizer herauskommt – egal ob Soft- oder Hardware – und nicht der Weg (Synthese), wie man diesen Klang erzeugt? Hierüber kann man sich sicherlich streiten. Das Benutzerinterface ist natürlich ein klarer Vorteil des Neurons und für Liveauftritte ein absolutes Muss.

Soundschwerpunkte sind sicherlich schwebende Flächen oder sich ständige verändernde Klangtexturen. Aber auch realistische Nachbildungen von Instrumenten sind eine Stärke dieses Instrumentes.

Plus

  • durchdachtes, intuitiv bedienbares Benutzerinterface
  • flexible neuartige Klangsynthese
  • Surround-Funktion
  • gut verständliches Handbuch
  • hochwertige Verarbeitung, gute Tastatur

Minus

  • lautes Lüftergeräusch
  • Erstellung neuer Modelle nur mit externer Hardware (Computer) möglich
  • komplizierte Verbindung mit dem Computer über USB-Netzwerkadapter

Preis

  • Gebrauchtmarktpreis laut Syntacheles-Liste ca. 3.000 Euro
  • (Stand Mai 2017)
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    SimonChiChi  AHU

    Die Klangbeispiele sind schon beeindruckend, aber bekommt man ähnliche Sounds nicht auch mit Softsynths wie Absnth hin? Oder andersrum gefragt, eigentlich müsste es einen Neuron, der doch durch und durch digital ist, auch als VST umwandeln können.

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      AMAZONA Archiv

      Es gab kurze Zeit später eine Plug-in Version, mit passendem Controller. War aber sehr Leistungshungrig, für damalige Verhältnisse. Sofern Du Apple bzw. OSX benutzt, bekommst Du sie mittlerweile sogar als Freeware! Gib mal hier bei Amazona im Suchfeld „Neuron VS“ ein, dann findest Du sogar direkt die Meldung darüber und einen Link zum Download. *laut denk* Wenn das jetzt nur wieder neu aufgelegt würde…

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          AMAZONA Archiv

          Das kann eine ganze Weile dauern ;) mit manchen DAW’s läufts allerdings unstabil. Also falls es bei Dir klemmen sollte, probier’s mal über eine Andere. Schade dass ich derzeit keinen Apple mehr hab :(

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        AMAZONA Archiv

        Hier ist ein Link: http://www.neuron-synth.com/
        .
        Minimum System Requirements:
        VST 2.3 compatible host, MacOS X Intel 10.6.8+. Please check out the manual for more information. Nuke controller recommended.
        .
        Das +-Zeichen in „10.6.8+“ würde ich erst mal nicht wirklich ernst nehmen. Ich schätze es handelt sich dabei um eine 32bit-App, und wird maximal unter 10.7 laufen. Aber das ist eine Annahme, kein Wissen.

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          Tyrell  RED

          Sieht fast so aus, ich habs jedenfalls unter 10.12.5 nicht zum Laufen gebracht.
          Wirklich sehr schade. Ich wäre echt heiß auf das schöne Teil.

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            andreas2  

            Auf meinem iMac mit 10.11.6 läuft es zwar unter den angegebenen Hosts, macht aber keinen Spaß, selbst mit dem Nuke nicht, Cubase 8.5 sowieso nicht. Da ich den Original Neuron VS besitze, habe ich einen ausrangierten Dualcore Laptop genommen, Win XP plus Cubase SE drauf gezogen und über das alte Mackie Spike ausgespielt. Das ist dann ein ganz ordentlicher Synth mit Shark DSP im Mackie für Dynamics/ EQ, incl. SPDIF In/ Out. Den Modelmaker habe ich genutzt, um eigene Modelle zu erstellen, die Ergebnisse waren nicht immer gut. Die Idee war schon gut, leider wurde die Fa. Hartmann (siehe Story dazu) aufgelöst, so konnte dieser Synth in beiden Inkarnationen nie das volle Entwickelungspotential bekommen, schade das. Für mich eher ein Exot, den ich vermutlich verkaufen werde, da ich den NeuronVS kaum mehr nutze.

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    costello  RED

    Danke für diesen Bericht, der bei mir eine „Bildungslücke“ schließt. Ich kannte den Hartmann Neuron nämlich bisher nur vom Namen. Die kühle Ästhetik zieht sich vom Design bis zu den Sounds. Die sich entwickelnden Flächen sind wirklich toll. Aber es stimmt: Ab und an knackst der Loop ;-)

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    AMAZONA Archiv

    Denke, dass der Neuron Synth einfach noch nicht marktreif war. Die Zeit spielte gegen das Dingen. Würde man darin mit heutigen Prozessoren werkeln, leistungsfähiger und dabei energieeffizienter (auch kühlungstechnisch betrachtet ist da heute mehr drin), wären einige Kritikpunkte gar nicht mehr relevant. Das Konzept an sich ist nach wie vor zukunftszugewandt. Aber klar ist, dass man auch mit anderen Synths zu den Sounds kommen kann. Ob es dann dabei ähnlich intuitiv zugeht, steht allerdings auf ’nem anderen Blatt.
    Optisch nach wie vor noch `ne Augenweide.
    Schöner Artikel übrigens mit vielen aussagekräftigen Soundbeispielen. So muss dat.

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    iggy_pop  AHU

    In zwanzig Jahren werden alle des zigsten Mini Moog Clones überdrüssig sein — dann werden Digitalkisten wie WSA-1, Fizmo, K-5000, FS-1R und Hartmann Neuron geklont werden.
    Gedulden wir uns also.

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      AMAZONA Archiv

      Das wäre cool! Vielleicht auch noch einen Yamaha VL-1 Clone bitte, aber mit mehr Stimmen, mehr Modellen und einer deutlich besseren GUI ;-) Und mit analogen multimode Filtern. So in die Richtung des neuen Waldorf Quantum.

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    Loom9-Studio

    Alles in, allem ein schöner, objektiver Bericht und dem lauten Lüftergeräusch kann ich nur zustimmen.
    Ich habe die Originallüfter bei meinem Neuron durch deutlich leisere Lüfter getauscht und schon war es nur noch 1/3 so laut.
    Hörbar sind die Lüfter zwar immer noch, aber es stört nicht mehr.
    Zu der Verbindung an den Computer muss ich sagen, das ich das überhaupt nicht als abenteuerlich angesehen habe. Es ging alles auf Anhieb.
    Ich hatte mit direkten USB-Verbindungen bei anderen Geräten schon mehr Probleme.
    Zudem ist das Gute an dieser Ankopplung, das der Neuron im Ethernet ist und ich ihn von allen Rechner erreichen kann, ohne umstecken o.ä.
    Also ich sehe das immer als vorteilhafter als eine USB-Verbindung.
    Eine direkte Verbindung an einen Computer mit Crossover-Kabel habe ich zugegebener Maßen nie probiert. Daher kann ich die Probleme die hier beim Autor aufgetreten sind, nicht wiederlegen.
    Ich finde meinen Neuron jedenfalls super. Er kann z.B. durch den Slicer im 3D-Mode superbreite Padsounds erzeugen.

    • Profilbild
      TobyB  RED

      Hallo Loom,

      die direkte Verbindung von Host und Device ist bäh. Zum einen, welcher Rechner hat zwei NICs? Zum anderen musst du auf Device und Rechner die TCP/IP Settings korrekt haben. Insofern nicht machen ;-) Solche Verbindungen sind Admins vorbehalten, wenn sie an Managed Device per Konsole was einstellen möchten. :)

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    Thomas Columbo  

    Das Problem, dass ich mit dem Neuron hatte: Man kann stundenlang quasi Filmmusik mit dem Teil machen, hab ich ihn aber dann in meinem Setup mit anderen Geräten benutzt, so war kein einziger Sound im Kontext wirklich brauchbar…Die Grundlage der Soundengine waren Samples (und deren Modelle) und da hatte Hartmann von Anfang wenige Gute drin und mangels Entwicklungszeit kam da nicht mehr viel. Hinzu kam, dass das Teil eigentlich ein bereits „veralteter“ Computer war, auf dem die Neuron Software so gerade mal lief. Der Multimode war schrecklich langsam… War dann froh, als das Teil endlich verkauft war. Sicherlich hat sich ein Kult um das Teil gebildet, aber der ist instrumententechnisch überhaupt nicht begründet, der Neuron ist halt –
    aus gutem Grund – einfach nur selten und sieht gut aus, Hartmann eben. Das Key Feature war die Berechnung von Modellen anhand eingespeister Samples, nur das dauerte, dauerte und dauerte. Meist Tage.
    Der Neuron ist ein schickes Keyboard, in dem aus heutiger Sicht ein uralter PC mit einer nicht vollendeten Software steckt… Und letztere beide Komponenten sind üblicherweise bald Elekroschrott…

    • Profilbild
      fatheaddy

      Muss Dir zustimmen, in fast allen Punkten. Genaugenommen sind 8-32-fache polyphonie Wunschdenken, auch mit ausgebautem Ram, 1-8-fach ist eher der Fall, insbesondere im Multimode. Modellberechnungen haben bei mir allerdings nie Tage gedauert, ein paar Stunden aber manchmal schon.

      Die Freeware Neuron VS Version funktioniert min. bis OSX 10.85. Mit dem Original Nuke ein Hammer! Leider lassen sich mit dem VS keine Joystickbewegungen abspeichern, wie mit dem Keyboard und steht auch nur ein Joystick/Parameter auf einmal zur Verfügung.

      Weiter scheint mir, dass die Joysticks halt nicht mit dem selben Feeling wie normale Knöpfe und Regler zu bedienen sind. Daher auch die übliche Kritik, sie reagieren zu harsch, bezw. zu sprunghaft. Die benötigen halt sanftere und weichere Handhabung.

      Mit entsprechend eigenen Sounds/Modellen gefüttert ist diese Kiste trotzdem unvergleichbar und macht richtigehend süchtig(er als andere Spacesynths). Durchsetzbarkeit im Mix ist bei grellen Sachen tatsächlich limitiert, aber dafür ist die Kiste nicht gemacht worden – Filmmusik, Weltraum, Ambient, da gehört das Ding schon eher hin, obschon man theoretisch mit dem Ding eigentlich alles simulieren könnte, nur gibt’s da geeignetere (und billigere) Synths. In unserem Park zur Zeit ein Keeper.

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