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Green Box: Hartmann Neuron, Digital-Synthesizer


Charakter statt Klon

Vorwort

Als im April 2003 der HARTMANN NEURON auf den Markt kam, konnte niemand ahnen, welch kurze Lebensdauer die Firma Hartmann haben würde. Somit hat der NEURON es deutlich schneller in unsere Vintage-Serie GREEN BOX geschafft als all anderen Synthesizer in dieser Kategorie. Ein digitaler Oldie, der heute ein teils umstrittener und selten zu findender Klangerzeuger ist.

Allerdings liegt heute ein gebrauchter Hartmann Neuron ca. 2.000 Euro unter seinem damaligen Neupreis. Das macht diesen außergewöhnlichen Synthesizer dann doch wieder für all jene interessant, die nach einem Klangcharakter suchen, der mit anderen Geräten oder Plug-ins kaum bzw. gar nicht erzeugt werden kann.

Ich selbst hatte den Hartmann Neuron leider noch nicht unter den Fingern, aber ich habe einige Freunde, die viel Gutes zu berichten hatten und den Neuron lange Zeit spielten, so auch z.B. Peter Mahr, der in seinem AMAZONA.de-Interview von 2007 den Neuron lobend erwähnt hat.

Eines noch. Mag der Hartmann Neuron auch nicht den gewünschten Erfolg erzielt haben, so habe ich allerhöchsten Respekt vor Axel Hartmann und seinem Team, die etwas Neues und Einzigartiges schaffen wollten. Im Zeitalter der „wir bauen eine Klon“-Mentalität, sind Visionäre wie Axel Hartmann willkommener denn je. Und so hat es mich ganz persönlich besonders gefreut, dass Axel vor gar nicht all zu langer Zeit mit dem Synthesizer ’20 ein neues Projekt gewagt und letztendlich auch realisiert hat.

In diesem Sinn,
ein spannendes und musikalisches Wochenende,
Euer Peter Grandl

Design made by Hartmann

Jetzt schon eine Legende? Irgendwie schon: Der erste Eindruck ist positiv. Der mit 17 kg mittelschwere Neuron ist in einem modern designten Gehäuse verpackt. Kein Wunder, denn kein Geringerer als Firmenchef Axel Hartmann, verantwortlich für das Design des Alesis Andromeda und diverser Waldorf Synthesizer, hat hier seine Handschrift hinterlassen. Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten und so könnte man das Äußere des Neurons vielleicht mit den Worten futuristisch, innovativ, sachlich, klinisch oder „neurologisch“ umschreiben. Auf jeden Fall enthält der Namenszug das Wörtchen „Neu“ und tatsächlich: so ziemlich alles innerhalb und außerhalb des Neurons ist irgendwie anders. Endlich mal eine aufregende Neuentwicklung!

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Klangbeispiele

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    SimonChiChi •••

    Die Klangbeispiele sind schon beeindruckend, aber bekommt man ähnliche Sounds nicht auch mit Softsynths wie Absnth hin? Oder andersrum gefragt, eigentlich müsste es einen Neuron, der doch durch und durch digital ist, auch als VST umwandeln können.

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      Marius Seifferth AHU

      Es gab kurze Zeit später eine Plug-in Version, mit passendem Controller. War aber sehr Leistungshungrig, für damalige Verhältnisse. Sofern Du Apple bzw. OSX benutzt, bekommst Du sie mittlerweile sogar als Freeware! Gib mal hier bei Amazona im Suchfeld „Neuron VS“ ein, dann findest Du sogar direkt die Meldung darüber und einen Link zum Download. *laut denk* Wenn das jetzt nur wieder neu aufgelegt würde…

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          Marius Seifferth AHU

          Das kann eine ganze Weile dauern ;) mit manchen DAW’s läufts allerdings unstabil. Also falls es bei Dir klemmen sollte, probier’s mal über eine Andere. Schade dass ich derzeit keinen Apple mehr hab :(

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        polyaural ••••

        Hier ist ein Link: http://www.neuron-synth.com/
        .
        Minimum System Requirements:
        VST 2.3 compatible host, MacOS X Intel 10.6.8+. Please check out the manual for more information. Nuke controller recommended.
        .
        Das +-Zeichen in „10.6.8+“ würde ich erst mal nicht wirklich ernst nehmen. Ich schätze es handelt sich dabei um eine 32bit-App, und wird maximal unter 10.7 laufen. Aber das ist eine Annahme, kein Wissen.

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          Tyrell RED

          Sieht fast so aus, ich habs jedenfalls unter 10.12.5 nicht zum Laufen gebracht.
          Wirklich sehr schade. Ich wäre echt heiß auf das schöne Teil.

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            andreas2

            Auf meinem iMac mit 10.11.6 läuft es zwar unter den angegebenen Hosts, macht aber keinen Spaß, selbst mit dem Nuke nicht, Cubase 8.5 sowieso nicht. Da ich den Original Neuron VS besitze, habe ich einen ausrangierten Dualcore Laptop genommen, Win XP plus Cubase SE drauf gezogen und über das alte Mackie Spike ausgespielt. Das ist dann ein ganz ordentlicher Synth mit Shark DSP im Mackie für Dynamics/ EQ, incl. SPDIF In/ Out. Den Modelmaker habe ich genutzt, um eigene Modelle zu erstellen, die Ergebnisse waren nicht immer gut. Die Idee war schon gut, leider wurde die Fa. Hartmann (siehe Story dazu) aufgelöst, so konnte dieser Synth in beiden Inkarnationen nie das volle Entwickelungspotential bekommen, schade das. Für mich eher ein Exot, den ich vermutlich verkaufen werde, da ich den NeuronVS kaum mehr nutze.

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    costello RED

    Danke für diesen Bericht, der bei mir eine „Bildungslücke“ schließt. Ich kannte den Hartmann Neuron nämlich bisher nur vom Namen. Die kühle Ästhetik zieht sich vom Design bis zu den Sounds. Die sich entwickelnden Flächen sind wirklich toll. Aber es stimmt: Ab und an knackst der Loop ;-)

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    Wellenstrom AHU

    Denke, dass der Neuron Synth einfach noch nicht marktreif war. Die Zeit spielte gegen das Dingen. Würde man darin mit heutigen Prozessoren werkeln, leistungsfähiger und dabei energieeffizienter (auch kühlungstechnisch betrachtet ist da heute mehr drin), wären einige Kritikpunkte gar nicht mehr relevant. Das Konzept an sich ist nach wie vor zukunftszugewandt. Aber klar ist, dass man auch mit anderen Synths zu den Sounds kommen kann. Ob es dann dabei ähnlich intuitiv zugeht, steht allerdings auf ’nem anderen Blatt.
    Optisch nach wie vor noch `ne Augenweide.
    Schöner Artikel übrigens mit vielen aussagekräftigen Soundbeispielen. So muss dat.

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    iggy_pop AHU

    In zwanzig Jahren werden alle des zigsten Mini Moog Clones überdrüssig sein — dann werden Digitalkisten wie WSA-1, Fizmo, K-5000, FS-1R und Hartmann Neuron geklont werden.
    Gedulden wir uns also.

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      Christian's Sonic Spaces ••

      Das wäre cool! Vielleicht auch noch einen Yamaha VL-1 Clone bitte, aber mit mehr Stimmen, mehr Modellen und einer deutlich besseren GUI ;-) Und mit analogen multimode Filtern. So in die Richtung des neuen Waldorf Quantum.

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    Loom9-Studio

    Alles in, allem ein schöner, objektiver Bericht und dem lauten Lüftergeräusch kann ich nur zustimmen.
    Ich habe die Originallüfter bei meinem Neuron durch deutlich leisere Lüfter getauscht und schon war es nur noch 1/3 so laut.
    Hörbar sind die Lüfter zwar immer noch, aber es stört nicht mehr.
    Zu der Verbindung an den Computer muss ich sagen, das ich das überhaupt nicht als abenteuerlich angesehen habe. Es ging alles auf Anhieb.
    Ich hatte mit direkten USB-Verbindungen bei anderen Geräten schon mehr Probleme.
    Zudem ist das Gute an dieser Ankopplung, das der Neuron im Ethernet ist und ich ihn von allen Rechner erreichen kann, ohne umstecken o.ä.
    Also ich sehe das immer als vorteilhafter als eine USB-Verbindung.
    Eine direkte Verbindung an einen Computer mit Crossover-Kabel habe ich zugegebener Maßen nie probiert. Daher kann ich die Probleme die hier beim Autor aufgetreten sind, nicht wiederlegen.
    Ich finde meinen Neuron jedenfalls super. Er kann z.B. durch den Slicer im 3D-Mode superbreite Padsounds erzeugen.

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      TobyB RED

      Hallo Loom,

      die direkte Verbindung von Host und Device ist bäh. Zum einen, welcher Rechner hat zwei NICs? Zum anderen musst du auf Device und Rechner die TCP/IP Settings korrekt haben. Insofern nicht machen ;-) Solche Verbindungen sind Admins vorbehalten, wenn sie an Managed Device per Konsole was einstellen möchten. :)

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    Thomas Columbo •••

    Das Problem, dass ich mit dem Neuron hatte: Man kann stundenlang quasi Filmmusik mit dem Teil machen, hab ich ihn aber dann in meinem Setup mit anderen Geräten benutzt, so war kein einziger Sound im Kontext wirklich brauchbar…Die Grundlage der Soundengine waren Samples (und deren Modelle) und da hatte Hartmann von Anfang wenige Gute drin und mangels Entwicklungszeit kam da nicht mehr viel. Hinzu kam, dass das Teil eigentlich ein bereits „veralteter“ Computer war, auf dem die Neuron Software so gerade mal lief. Der Multimode war schrecklich langsam… War dann froh, als das Teil endlich verkauft war. Sicherlich hat sich ein Kult um das Teil gebildet, aber der ist instrumententechnisch überhaupt nicht begründet, der Neuron ist halt –
    aus gutem Grund – einfach nur selten und sieht gut aus, Hartmann eben. Das Key Feature war die Berechnung von Modellen anhand eingespeister Samples, nur das dauerte, dauerte und dauerte. Meist Tage.
    Der Neuron ist ein schickes Keyboard, in dem aus heutiger Sicht ein uralter PC mit einer nicht vollendeten Software steckt… Und letztere beide Komponenten sind üblicherweise bald Elekroschrott…

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      fatheaddy

      Muss Dir zustimmen, in fast allen Punkten. Genaugenommen sind 8-32-fache polyphonie Wunschdenken, auch mit ausgebautem Ram, 1-8-fach ist eher der Fall, insbesondere im Multimode. Modellberechnungen haben bei mir allerdings nie Tage gedauert, ein paar Stunden aber manchmal schon.

      Die Freeware Neuron VS Version funktioniert min. bis OSX 10.85. Mit dem Original Nuke ein Hammer! Leider lassen sich mit dem VS keine Joystickbewegungen abspeichern, wie mit dem Keyboard und steht auch nur ein Joystick/Parameter auf einmal zur Verfügung.

      Weiter scheint mir, dass die Joysticks halt nicht mit dem selben Feeling wie normale Knöpfe und Regler zu bedienen sind. Daher auch die übliche Kritik, sie reagieren zu harsch, bezw. zu sprunghaft. Die benötigen halt sanftere und weichere Handhabung.

      Mit entsprechend eigenen Sounds/Modellen gefüttert ist diese Kiste trotzdem unvergleichbar und macht richtigehend süchtig(er als andere Spacesynths). Durchsetzbarkeit im Mix ist bei grellen Sachen tatsächlich limitiert, aber dafür ist die Kiste nicht gemacht worden – Filmmusik, Weltraum, Ambient, da gehört das Ding schon eher hin, obschon man theoretisch mit dem Ding eigentlich alles simulieren könnte, nur gibt’s da geeignetere (und billigere) Synths. In unserem Park zur Zeit ein Keeper.

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