Interview: Harold Faltermeyer – Teil 1

31. Oktober 2010

For Ever "Axel F"? - Teil 1

Es hat eine Zeit gedauert, bis wir Harold Faltermeyer interviewen konnten. Aber nicht nur sein Terminkalender war ein Problem, sondern auch sein Dialekt. Ursprünglich war geplant, das Interview als Audio-File zu veröffentlichen. Da Harold Faltermeyer, gebürtiger Münchener, sich aber einen urbayerischen Dialekt bewahrt hat, folgt nun doch eine Niederschrift in hochdeutscher Sprache.

Geboren wurde Harold Faltermeyer am 5. Oktober 1952 in München und studierte in seiner Heimatstadt Musik. Weltweite Bekanntheit erlange Harold Faltermeyer 1985 durch seinen Titelsong „Axel F“ zum US-Spielfilm BEVERLY HILLS COP. Zahlreiche Hollywood Blockbuster folgten, bis es Mitte der Neunziger ruhig wurde um ihn. Mit knapp 60 Jahren hat Harold F aber nun zum fulminanten Comeback auf der Hollywood-Bühne angesetzt. Zwischen Jet-Lag und nächstem US-Termin trafen wir den – trotz allem – gemütlichen Harold Faltermeyer in seiner grünen Stadtoase bei Vaterstetten, Nähe München, in Gärtner-Arbeitskleidung, um über seine bewegte Karriere zu sprechen.

Aufgrund der Länge des Interviews veröffentlichen wir es als Dreiteiler. Teil 2 folgt am kommenden Sonntag, den 7.11. und Teil 3 am Sonntag darauf, den 14.11.

AMAZONA.de:
Fangen wir vielleicht ganz vorne an – wie bist du in die Filmbranche reingerutscht?

Harold Faltermeyer:
Tja, wie bin ich da reingerutscht? Ich bin in München im Insider-Kreis als Tontechniker und als Musiker schon relativ bekannt gewesen.  Ich hatte damals im „Arcor-Studio“, dem ehemaligen deutschen Grammophon-Studio, einen Job und habe mit deutschen Künstlern gearbeitet. Ich war eine Art „Zwitterfigur“ zwischen Technik und Musik. Von diesen Typen hat es damals relativ wenige gegeben.

AMAZONA.de:
Wann war das?

Harold Faltermeyer:
Das war Anfang der Siebziger Jahre. 1968 habe ich auf der Musikhochschule in München studiert, und in den Siebziger Jahren hatte ich dann den Job im „Arcor-Studio“. Ich habe dort quasi eigene Aufnahmen am Mischpult gemacht und auch selber gespielt, was damals noch relativ selten und sehr mühsam war. Aber irgendwie musste ich ja anfangen. Da hatte man Bandmaschinen – das waren nicht „Pro Tools“ oder „Logic“ oder irgend so etwas. Das war wirklich heftig. So hat damals Giorgio Moroder von mir gehört, der mir in seiner Arbeit sehr ähnlich war und ebenfalls ein Technik-Begeisterter. Er war aber schon ein wesentliches Stück bekannter als ich.

AMAZONA.de:
Giorgio war schon im Geschäft?

Harold Faltermeyer:
Ja, der war schon richtig im Geschäft. Donna Summer hatte durch ihn bereits ihren ersten Hit. Das war um 1975. Er hat dann wohl irgendwie von mir gehört und mich gefragt: „Wollen wir nicht mal etwas miteinander machen?“ Das war für mich natürlich eine riesen Ehre! Er galt damals als Erfinder des Synthesizer-Disco-Sounds.

AMAZONA.de:
Wie alt warst Du damals?

Harold Faltermeyer:
Da war ich ca. 22. Er hat mich eingeladen ins Musicland Studio. Das Studio war im Arabellahaus in München. Es war ein ganz verrücktes Studio mit all den analogen Synthesizern und Krimskrams, mit viel Elektronik, mit einem alten Cadak Pult, also unglaublich. Oder es gab sogar noch ein Helios – ganz urtümliche Gerätschaften.
Das war damals für uns unglaublich, etwas ganz anderes. Ich habe ja auch bei der deutschen Grammophon Gesellschaft Technik gelernt, und die Klientel, die wir hatten, reichte von Peter Kraus bis Rita Pavone, von Freddy Quinn bis hin zu Hildegard Knef. Als ich aber zu Giorgio kam, stand auf einmal Donna Summer im Studio. Das war eine ganz andere Welt! Giorgio Moroder war für mich das Tor nach Amerika.

Synthesizer-Disco-Sound mit Donna Summer

Synthesizer-Disco-Sound mit Donna Summer

AMAZONA.de:
Und zu dem Zeitpunkt warst du nur in der Schlagerszene?

Harold Faltermeyer:
Ja genau, über die Schlagerszene möchte ich auch gar nicht schlecht reden. Das hat alles seinen Platz, aber ich habe schon sehr wehmütig zu dem geschaut, was die anderen gemacht haben. Und dann bekam ich die tolle Gelegenheit, mit Giorgio zu arbeiten.

Giorgio Moroder Anfang der 80er

Giorgio Moroder Anfang der 80er

AMAZONA.de:
Anfang der Siebziger kamen ja die ganzen Disco-Geschichten erst auf. Dein Jahrgang war doch aber eher dem Rock zugeneigt. Was ja ganz normal gewesen wäre Ende der Sechziger, Rolling Stones, Beatles, was auch immer. Du bist aber doch eher in diese Disco-Schiene reingerutscht.

Harold Faltermeyer:
Die Beatles haben mich damals wesentlich mehr fasziniert als die Stones. Ich war nie der Rocker. Ich war eher der, der versuchte, innovativ zu sein. Ich fand z.B. die Swing-Rhythmen bei „Michelle“ großartig. Das war meine Welt. Diese Verbindung, die Spielerei mit der klassischen Musik. Das waren meine großen Vorbilder und ich habe damals schon versucht, auch in die Richtung zu komponieren.
Aber München war so „discoverseucht“ – es gab den Munich-Sound, es gab Giorgios Munich-Machine. Es hat alles nur Bum-Zack geklopft, und die Art von Musik ist dann natürlich in alle Bereiche hineingekrochen. Wie ein Geschwür, und insofern konntest du in München gar nicht mehr ausgehen, wenn du Disco nicht mochtest.
Ich weiß nicht mehr wie viele Disco-Arrangements ich damals geschrieben habe, diese typischen Disco-Arrangements mit den Geigen, wie damals auch Silver Convention mit „Fly, Robin, fly“. Das durfte plötzlich bei keinem Lied mehr fehlen, und es machte auch vor der Schlagerszene keinen Halt mehr. Ich weiß noch, als ich damals für Rex Gildo Beats geschrieben habe, waren diese Geigen auch drauf. Das sind einfach Signaturen gewesen, da musste man mit. Das waren Stilmittel, und Synth-Leads statt E-Gitarren einzusetzen, war ein weiteres Stilmittel. Ich erinnere mich genau an die Anschaffung meines ersten Synthesizers. Das war ein „ARP Odyssey“. Ich fand das plötzlich so spannend, dass ich Nächte lang an diesem Instrument gesessen habe und erst einmal versucht habe zu lernen, wie das überhaupt technisch funktioniert und alle Komponenten zusammenhängen. Wie dieser oder jene Klang entsteht.

Forum
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    laubi  

    sehr fein, das interview! axel f…. ein schönes Stück 80er-Geschichte. Mein Ohr sagte mir immer – der Bass, so weich und breit – das kann nur ein moog sein… ;)

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    AMAZONA Archiv

    Ich würde Harold gern mal in meiner Landessprache hören. Wie wäre es denn mit einem kurzen Ausschnitt für uns Bayern?

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    ambee

    ach, also ich finde seinen dialekt nicht so schlimm. der klingt viel eher sympatisch und freundschaftlich. für die chatshow auf RTL hats auch gelangt.

    bin auch sehr gespannt auf die weiteren teile!

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