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Legendäre Keyboarder: Rick Wakeman, seine Musik, seine Instrumente

28. November 2020

The nine Minimoogs of Rick I

Legendäre Keyboarder: Rick Wakeman, seine Musik, seine Instrumente

Legendäre Keyboarder: Rick Wakeman, seine Musik, seine Instrumente

Rick Wakeman gehört zur heiligen Dreifaltigkeit der besten Prog-Rock-Keyboarder aller Zeiten. Die einen zählen außer ihm Keith Emerson (The Nice, Emerson, Lake & Palmer) und John Lord (Deep Purple) dazu, die beide schon verstorben sind. Andere ersetzen John Lord in diesem Dreigestirn durch den Genesis-Keyboarder Tony Banks, der sich – wie der inzwischen 71-jährige Rick Wakeman – noch bester Gesundheit erfreut. Ich bin Rick Wakeman zuerst auf Yessongs begegnet, einem Dreifach-Livealbum, das einen Höhepunkt des Prog-Rocks der 70er Jahre darstellt.  Zu Beginn der zweiten Platte gibt es ein kurzes Intermezzo auf der akustischen Gitarre von Steve Howe. Im Anschluss trällert Sänger Jon Anderson zweimal „lala lala lalaa“ bevor er den unsterblichen Satz spricht: „Ah, Mr. Rick Wakeman on keyboards“. Unmittelbar darauf prasseln schon die Klangkaskaden des RMI Electra Piano 386 auf den Hörer ein. Wenig später wechselt Wakeman zum Steinway Grand Piano: Die langen schlanken Finger des 1,91 großen Hühnen jagen in wilden Arpeggien über die Tastatur, um schließlich in einer schwülstigen Trillerorgie zu enden, die einem Liberace gut zu Gesichte gestanden hätte.

Hier ein Video aus dem Dezember 1972, das eine etwas andere Fassung des Wakeman-Solos enthält. Mit einem zur vorweihnachtlichen Zeit passenden Jingle Bells-Zitat.

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Halleluja vom Mellotron

Wie ein Merlin schreitet Wakeman in ein langes Cape gewandet seine Keyboardburg ab. Was die Hörer damals noch nicht ahnen konnten: Der Meister spielte hier Auszüge seines zweiten Solo-Albums „The Six Wives of Henry VIII“. Dieses Album sollte allerdings erst ein Jahr später – 1973 – erscheinen. Und es gab live auch einige äußerst effektvolle Passagen, auf die Wakeman auf der Platte dann verzichtete. So schmettert er mit Minimoog-Bass und Mellotron-Chor das „Halleluja“ aus Händels „Messias“. Mitreißend! Eine kurze, ebenfalls barock anmutende Passage mit Mellotron-Strings und Moog-Synthesizer leitet zu einem phantastischen Synthesizer-Solo über, bevor der große Wakeman-Auftritt des Abends in einem wahrhaft Danteschen Inferno aus Explosionsgeräuschen und Sirenenheulen  endet. Die Zuhörer waren entzückt!

Legendäre Keyboarder: Rick Wakeman, seine Musik, seine Instrumente

Einer der berühmten Minimoogs aus der Wakeman-Collection. (Foto mit freundlicher Genehmigung von London Vintage Guitars of Denmark Street, London)

Wakemans Keyboards auf Reverb

Ich habe mir die Excerpts from ‚The Six Wives of Henry VIII’“ gerade erst wieder zu Gemüte geführt, nachdem ich auf Reverb zufällig entdeckt hatte, dass dort ein ganzes Konvolut von Wakemans Keyboards zum Kauf angeboten wird. Und zwar von London Vintage Guitars of Denmark Street, London die mir großzügig erlaubt haben, ihre Fotos zu verwenden. Dafür an dieser Stelle ein großes Dankeschön der AMAZONA.de Redaktion!

Legendäre Keyboarder: Rick Wakeman, seine Musik, seine Instrumente

Mr. Rick Wakeman on Keyboards (Foto mit freundlicher Genehmigung von London Vintage Guitars of Denmark Street, London)

Wer also schon immer mal das Synth-Solo von „Anne Boleyn“ auf dem Original-Wakeman-Minimoog nachspielen möchte – bitte sehr. Für schlanke 10.000 britische Pfund kann man zuschlagen. Wobei ich etwas relativieren muss. Rick hat im Laufe seiner Musikerlaufbahn bis zu 20 Minimoogs besessen und unter neun Stück hat er den Pegelstand auch selten absinken lassen. Seinen ersten Minimoog bekam Rick Wakeman von Jack Wild, einem ehemaligen Kinderstar, der 1968 den Artful Dodger in der Filmversion des Musicals „Oliver!“ gespielt hatte: „Er hatte ihn gekauft und dachte, dass mit ihm etwas nicht stimmt, weil er immer nur eine Note auf einmal spielte. Ich erklärte ihm, er sei einstimmig, aber er sagte: ‚Ach, behalte ihn‘. Ich glaube, ich gab ihm 30 Pfund. Selbst wenn er nicht funktioniert hätte, hätte ich ihn gekauft und ihn auf der Bühne bei mir gehabt. Nur weil er so fantastisch aussah.“ (Musicradar)

Legendäre Keyboarder: Rick Wakeman, seine Musik, seine Instrumente

Umgerechnet gut 12.000,- Euro soll dieser Minimoog kosten. Für ein Sammlerstück ist das fast moderat. (Foto mit freundlicher Genehmigung von London Vintage Guitars of Denmark Street, London)

Mr. Minimoog

Wenige Keyboarder sind so mit dem Minimoog-Sound verbunden, wie Rick Wakeman. Er ist überall auf den Yes-Alben und Wakemans Solo-Arbeiten zu hören: „Er ist und bleibt für mich die Nummer eins. Der erste Synthesizer, den ich besaß und den ich am meisten benutzt habe.“ Was Rick Wakeman besonders schätzte – endlich gab es ein Instrument, mit dem Keyboarder die Gitarristen das Fürchten lehren konnten: „Ich konnte verrückte Soli spielen und sie laut aufdrehen. SEHR laut! Frequenzen, die man von einer Gitarre nie bekommen konnte. Es gibt eine spezielle Einstellung, die ich entdeckt habe, bei der man buchstäblich mit den Zähnen klappert.“ (Musicradar)

Bei Live-Konzerten konnten die Minis allerdings eine ganz schöne Herausforderung darstellen, wie sich der Toningenieur und Produzent Erik Jordan erinnert, der sich zeitweise auch um Ricks Synth-Menagerie kümmerte: „Sie sind dafür berüchtigt, dass sie nicht gerne auf Tournee gehen. Wir brauchen zwei für die Show, von denen einer hauptsächlich genutzt wird.“  Rick hat schon immer riesige Rigs geliebt mit einem Dutzend Keyboards, die sich manchmal quer über die Bühne verteilen: „Vielleicht stand er an einem bestimmten Punkt der Show ganz links auf der Bühne. Und genau in diesem Moment war eine Moog-Linie vorgesehen, also musste dort ein Minimoog stehen. Wenn es mitten in der Show eine Krise gibt und einer der Moogs ausfiel, konnte er immer noch zum zweiten wechseln.“

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Mit 32.000 Euro das teuerste Stück: Hammond C3 Organ owned & used by Rick Wakeman of YES, wie es in der Beschreibung heißt. (Foto mit freundlicher Genehmigung von London Vintage Guitars of Denmark Street, London)

Synthesizer ohne Ende

Die jetzt zum Verkauf stehende Sammlung deckt ein weites Feld ab: Von zwei alten Hammond-Orgeln – einer L122 und einer C3 – über einen Yamaha DX5, zahlreiche Korg Synthesizer (Wakeman war Korg-Endorser und schätzte speziell den polyphonen Korg Trident sehr) – bis zu absoluten Raritäten wie dem RMI Keyboardcomputer. Man darf wohl mit Fug und Recht behaupten, dass es kaum einen Synthesizer oder überhaupt ein Tasteninstrument gegeben hat, das Wakeman in seiner langen Karriere nicht irgendwann unter den Fingern gehabt hätte: „Gott weiß, wie viele ich über die Jahre besessen habe. Ich glaube nicht, dass ich auch nur eine Vermutung riskieren könnte. Es wären bis weit in die Hunderte. Die aktuelle Sammlung wurde ein wenig verkleinert. Einschließlich aller im Lager befindlichen Synthesizer schätze ich, dass es etwa 50 oder 60 sind. Vielleicht auch mehr. Aber wer zählt schon mit? Sie haben mir alle ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.“ (Musicradar.com)

Bevor Wakeman den fetten Moog-Sound auf „Switched-on Bach“ von Wendy (damals noch Walter) Carlos das erste mal hörte und ihm restlos verfiel,  benutzte er die gleichen Instrumente wie andere Keyboarder: „Bis in die späten 60er Jahre hatte ich auf einem Klavier, einer Hammond und ein paar elektrischen Klavieren Musik gemacht. Wenn ich ein komisches Geräusch brauchte, schickte einfach ich die Hammond durch ein Gitarrenpedal.“ Zu den „elektrischen Klavieren“ gehörte übrigens auch das Hohner D6. Rick Wakeman spielte es natürlich komplett anders als etwa Stevie Wonder. Wakeman zelebrierte darauf eine Art barocker Funkmusik, als ob Johann Sebastian Bach seine Präludien fürs Clavinet geschrieben hätte.

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Etwas für Kenner: Der RMI Keyboard Computer – ein Digitalsynthesizer aus dem Jahr 1974 (Foto mit freundlicher Genehmigung von London Vintage Guitars of Denmark Street, London)

Berufsziel Konzertpianist

Rick Wakeman wurde am 18. Mai 1949 in Perivale geboren, das zum Verwaltungsgebiet Greater London gehört. Sein Vater Cyril Frank Wakeman hatte während seiner Militärzeit als Pianist in Big Bands gespielt. Er sorgte dafür, dass sein Sohn Rick bereits im zarten Alter von sieben Jahren Klavierunterricht bekam. Mit 12 Jahren kam dann noch Klarinettenunterricht dazu. Bei diversen Klavierwettbewerben in London sackte der Teenager damals bereits Preise und Auszeichnungen ein. Der junge Rick besuchte auch die Kirche und erlernte das Orgelspiel – die christliche Religion sollte für ihn später noch sehr wichtig werden. Während seiner Schulzeit spielte er bereits in diversen Bands und kaufte sich von den ersten Gagen ein Hohner Pianet. Seine offensichtliche musikalische Begabung führte ihn 1968 an das Royal College of Music: „Ich wollte tatsächlich Konzertpianist werden. Aber als ich dann am College zu studieren anfing, wurde ich wirklich auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht. Jeder andere dort war mindestens genauso gut wie ich; und manche von ihnen noch viel besser.“ (Rick Wakeman in Concert 1976)  

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Das Valdesta Concerto 1000 Electric Piano – wenn man keine Lust mehr hat, einen Steinway-Flügel auf Tour zu mitzuschleppen. (Foto mit freundlicher Genehmigung von London Vintage Guitars of Denmark Street, London)

Ground Control to Major Tom

Das führte schließlich dazu, dass Rick das College nicht mehr ganz so ernst nahm und lieber Jobs als Sessionmusiker annahm. Einen prominenten Auftritt hat er auf  David Bowies zweitem Studioalbum „Space Oddity“, wo er bei mehreren Liedern die Tasten drückt. Auf dem berühmten Titelsong spielt er das Mellotron. Mit diesem merkwürdigen Instrument, das auf Tastendruck Bänder abspielt, die nach 8 Sekunden abrupt enden und zurückgespult werden, kannten sich damals noch nicht viele Musiker aus.

Wakeman war auch bei den Songs „Memory of a Free Festival” und “Wild-Eyed Boy from Freecloud” beteiligt. Auf Bowies viertem Studioalbum „Hunky Dory“ verleiht er mit seinem Klavierspiel dem Song „Life on Mars“ die besondere Note: „Er spielte mir ‚Life On Mars‘ auf seiner ramponierten zwölfsaitigen Saite vor – dieses phänomenale Lied – und mir fiel die Kinnlade herunter. Er sagte: ‚Auf dem Album möchte ich, dass es vom Klavier kommt und nicht von der akustischen Gitarre.“ Bowie forderte Wakeman auf, seinen Part fast wie ein Klaviersolo zu interpretieren, während die Band sich an seinem Spiel orientieren sollte. Wakeman war begeistert: „Einige Leute haben gesagt: ‚Du musst wirklich hart gearbeitet haben, um dieses Arrangement zu machen‘, aber es war eigentlich sehr einfach, weil alle um meinen Part herum arbeiten mussten.“ (DME-Interview mit Rick Wakeman, 2014)

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Der Klang des Mellotrons ist magisch – leider ist es aber auch sehr anfällig.

Flammende Mellotrons

Das eben schon erwähnte Mellotron sollte für Wakeman, der den großen Orchestersound liebte, ein ganz zentrales Instrument werden: „Sie waren fantastisch, aber sie waren voller Probleme. Und oft ging ich auf die Bühne und sah überall kilometerlange Bänder verstreut und einen sehr wütend aussehenden Keyboard-Techniker, der mich anraunzte ‚Warum kannst du diese verdammten Dinger nicht loswerden?'“ Und auch auf Wakemans Seite war es wohl so etwas wie Hassliebe: „Ich hatte früher zwei einfache Mellotrons und ein Spezial-Mellotron mit zwei Tastaturen. Die beiden einfachen Mellotrons, die ich besaß, haben mich so frustriert, wegen der ständigen Stimmprobleme, wegen der Bänder … Voller Wut stellte ich die beiden Mellotrons auf ein Feld, habe sie mit Benzin übergossen und abgefackelt. Das Holz, das Metall – alles war verbrannt.“ (8trackheaven.com)

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In Rick Wakemans Augen der perfekte Ersatz für das Mellotron – das Manikin Memotron aus deutscher Produktion.

Vom Birotron zum Memotron

In den späten 70ern beteiligte sich Wakeman an der Entwicklung eines verbesserten Mellotrons, das nach seinem Entwickler – David Biro – Birotron genannt wurde. Das Birotron verwendete Achtspurkassetten und Endlosschleifen, wodurch der Nachteil der nur achtsekündigen Wiedergabe beim Mellotron behoben werden sollte. Rick setzte das Birotron auf dem Yes-Album „Tormato“ und dem Soloalbum „Criminal Record“ ein. Aber am Ende ging Biros Firma pleite und es wurde nur eine Handvoll Birotrons produziert. Wakeman quälte sich in der Folge mit einigen Samplern herum, die aber alle nicht wie ein gutes altes Mellotron klangen: „Weil man ein Mellotron auf eine bestimmte Art und Weise spielen muss. Man muss die Finger ständig bewegen, damit der Klang nicht abreißt. Und das ist es, was das Mellotron zu dem macht, was es ist. Man muss also immer noch so spielen, als ob man ein Mellotron spielen würde.“ Heute benutzt Rick für den Mellotron-Sound das Produkt einer deutschen Firma – das  Memotron, von dem er begeistert ist: „Es ist ein Geniestreich. Ich habe zwei davon und ich liebe sie über alles.“ (Musoscribe)

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In Rick Wakemans riesiger Keyboardsammlung befindet sich auch dieses Hammond Spinettmodell L122. (Foto mit freundlicher Genehmigung von London Vintage Guitars of Denmark Street London)

Morning has broken

Unter den zahlreichen Jobs als Sessionmusiker möchte ich noch „Morning has broken“ erwähnen. Cat Stevens Welthit aus dem Jahr 1970 berührt durch das wunderbare Pianospiel von Rick Wakeman. Die Melodie geht auf ein altes schottisches Weihnachtslied zurück, aus dem später ein evangelisches Kirchenlied wurde. Cat Stevens, der 1977 zum Islam übertrat und sich seitdem Yusuf Islam nennt, hatte damals eine schwere Tuberkulose-Erkrankung überstanden. Er suchte eine Möglichkeit, seine Dankbarkeit und das Gefühl „neugeboren“ zu sein, musikalisch ausdrücken. Wakeman soll für sein musikalisches Arrangement und seine Mitwirkung damals umgerechnet gerade mal 20 Euro erhalten haben. Und der Scheck soll dann auch noch auf dem Postweg verloren gegangen sein. Aber auch ohne solche Rückschläge merkte Rick Wakeman, dass das Leben als Sessionmusiker ihn auf Dauer nicht ausfüllen würde: „Ich bekam gutes Geld, aber ich hatte nicht die Chance, wirklich Teil der Musik zu sein“.

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Der Korg EPS1 gilt als einer der ausdrucksstärksten Stringsynthesizer, weil das Attack der Streicher über Velocity gesteuert werden kann. Ein E-Piano ist auch mit an Bord. (Foto mit freundlicher Genehmigung von London Vintage Guitars of Denmark Street London)

The Strawbs

Am Ende verließ er das College ohne Abschluss und schloss sich der Band „The Strawbs“ an. Bereits das insgesamt noch sehr folkige Live-Album „Just a Collection of Antiques and Curios“ von 1970 lässt erahnen, was für ein Ausnahmekeyboarder Rick Wakeman damals schon war.  Sein Orgelspiel bei der Eröffnungsnummer „Martin Luther King’s Dream“ ist noch sehr zurückhaltend.  Aber bei „Where is this Dream of Your Youth?“ lässt er die über Wahwah laufende Orgel schon ordentlich fauchen. Rick hat auf diesem Album auch einen Solo-Auftritt – „Temperament of a Mind“ –  der aufhorchen lässt. Da sind schon die klassizistischen Piano-Passagen, die später so typisch für ihn sein sollten. Und die Einführung zu „A Song of a sad little Girl“ könnte glatt von Tony Banks stammen.

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Rick Wakeman inmitten seiner Keyboards. Auf der Hammondorgel liegt übrigens das bereits erwähnte Hohner D6 Clavinet. (Foto mit freundlicher Genehmigung von London Vintage Guitars of Denmark Street, London)

Make sure there’s two of you

Falls Ricks Vater enttäuscht war, dass sein Sohn das College aufgegeben hatte, ließ er es sich jedenfalls nicht anmerken. Wakeman hat immer wieder betont, wie wichtig sein Vater als Mentor für ihn war. Als er frisch bei „The Strawbs“ eingestiegen war, nahm ihn sein Vater zur Seite und sagte: „Sorge dafür, dass es zwei von Dir gibt.“ Etwas verwirrt fragte Wakeman seinen Vater, was er damit meinen würde. „Du bist Rick Wakeman, der auf die Bühne geht, aber es muss auch einen Rick geben, der nicht auf der Bühne ist. Verwechsle niemals die beiden. Du bist genau wie alle anderen, wenn du nicht auf  der Bühne stehst. Du hast eine einzigartige Begabung und die ist dafür da, dass Du sie auf der Bühne einsetzt.“ (Classic Bands)

Niemand hatte das übrigens besser verstanden als David Bowie, der mit Ziggy Stardust oder dem Thin White Duke Kunstfiguren für die Bühne schuf, während er immer David Bowie bleiben konnte. Rick Wakeman hat mit seinem priesterhaften Auftreten im langen Umhang und Rockkonzerten, die manchmal wie Messen zelebriert wurden, ebenfalls ein alter ego geschaffen, hinter dem er zurücktreten konnte.

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Bill Bruford hat auch was zur Garage Party beizusteuern. Ein Drumset von Tama. (Foto mit freundlicher Genehmigung von London Vintage Guitars of Denmark Street, London )

Yes oder Bowie?

Bereits 1971 sollte Wakeman „The Strawbs“ wieder verlassen. Er hatte sich inzwischen einen Namen gemacht und stand nun vor der Qual der Wahl: Denn ausgerechnet an dem Tag, als Yes bei ihm anfragten, bekam er auch ein Angebot von David Bowie zusammen mit Mick Ronson die „Spiders from Mars“ zu gründen. Am Ende fügte es sich von ganz allein: „Ich sagte zu Yes, dass ich zu den Proben mitkommen würde, mal sehen, wie wir uns alle verstehen. Jedenfalls fuhr ich auf dem Rückweg zu meinem Haus in Harrow mit Steve Howe nach Hampstead, und als ich ihn absetzte, sagte er: ‚Kannst Du uns morgen früh abholen?‘ Und ich sagte: ‚Ja, mach ich.‘ Es sah ganz so aus, als ob ich jetzt dazugehörte.“(Classic Rock)

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Keine Prog Band, die etwas auf sich hält, ohne Moog Taurus-Pedal. Hier das nicht ganz so begehrte Modell II. (Foto mit freundlicher Genehmigung von London Vintage Guitars of Denmark Street, London)

Die Supergroup

Yes waren eine Band, die spätestens mit dem Einstieg von Wakeman zur Supergroup avancierte: Nach einigen Einwechslungen war die Mannschaft auf jeder Position mit einem Topspieler besetzt. Neben den Gründungsmitgliedern Jon Anderson als charismatischen Leadsänger mit unverwechselbarer Falsettstimme und dem Bassisten Chris Squire, spielte Bill Bruford sein Jazzrock-Schlagzeug, während der virtuose Steven Howe an der Gitarre brillierte. Der klassisch geschulte Wakeman war das Sahnetüpfelchen. Der Fantasy-Künstler Roger Dean sorgte für die entsprechende Optik. Er entwarf das Yes-Logo und das Cover für „Fragile“ – das erste in einer Reihe von unverwechselbaren Albumcovern mit utopischen Landschaftsszenen. Diese Bilder harmonierten mit der Musik der Platten in einer so idealen Weise, dass man von einem echten Gesamtkunstwerk sprechen kann. Ähnlich wie bei den „viktorianischen“ Coverbildern, die Paul Whitehead für die frühen Genesisalben gestaltete.

Rick Wakeman bezeichnet in der Rückschau die beiden Yes-Alben „Fragile“ und „Close to the Edge“  als die wichtigsten der Band. Den Schlüssel zur Kreativität bildete ein hemmungsloser Experimentierdrang bei gleichzeitig eingeschränkten technischen Möglichkeiten: „Für mich stellen die Jahre 1972 bis 1974 die goldene Ära des Prog Rocks dar. Synthesizer waren neu, es gab unendlich viel zu entdecken, und wir versuchten permanent, unsere künstlerischen Grenzen so weit wie möglich auszudehnen, immer auf des Messers Schneide mit der damals vorhandenen Technologie.“ (Classic Rock)

Legendäre Keyboarder: Rick Wakeman, seine Musik, seine Instrumente

Einen Polymoog setzte Rick Wakeman auf „Tormato“ ein. Steve Howe beschwerte sich, dass er die Frequenzen der Gitarre zukleistern würde. (Foto mit freundlicher Genehmigung von London Vintage Guitars of Denmark Street, London)

Perfektionismus und Gigantomanie

„Close to the Edge“  enthält insgesamt nur drei Stücke. Der Titelsong ist 18 Minuten lang und nahm eine ganze Schallplattenseite ein. Während einige Kritiker damals noch haderten, feierten die Fans das Album. Für die Band wurde es ein kommerzieller Erfolg. Heute zählt es zu den wichtigsten Alben des Prog-Rocks überhaupt. Yes gelang es hier tatsächlich, einen symphonischen Ansatz auf Rockmusik zu übertragen, und nicht einfach nur suitenartig verschiedene Versatzstücke zu einem überlangen Stück zu kompilieren. Ihren Anspruch als „Klassik-Band“ der Moderne machten Yes auf dem schon erwähnten Mega-Livealbum „Yessongs“ klar: Das Konzert wurde eingeleitet mit Auszügen aus „Der Feuervogel“ von Igor Strawinsky. Die überlangen Live-Versionen von Songs wie  „Yours no Disgrace“ dienten als Showpiece für das Können der Musiker. Weil die technische Aufnahmequalität nicht immer mithielt, wurden viele Stellen später im Studio verbessert. Hier zeigte sich schon ein Trend zum Perfektionismus und zur Gigantomanie, der den schmalen Grat zwischen Zenit und vorgezeichnetem Abstieg ausmachte. Wobei man festhalten muss, dass Yes auch später noch sehr erfolgreiche Alben produzieren sollte.

Legendäre Keyboarder: Rick Wakeman, seine Musik, seine Instrumente

„Die CX-3 ersparte mir, die blöde Hammond überallhin schleppen zu müssen. Und glauben Sie mir, es macht weder Ihnen noch der Hammond Spaß, mit einer Hammond zu touren. Realistische Hammond-Klänge und keine Bandscheibenvorfälle. Was kann man daran nicht mögen!“ (Foto mit freundlicher Genehmigung von London Vintage Guitars of Denmark Street, London)

Yes auf dem Tantrismus-Trip

Schlagzeuger Bill Bruford war schon nach „Close to the Edge“ überzeugt, dass man aufhören soll, wenn es am schönsten ist. Er wechselte zu King Crimson. Wakeman hielt noch bis zum Doppelalbum „Tales from Topographic Oceans“ aus dem Jahr 1973 durch. Das Album, dessen spirituelle Inspiration Sänger Jon Anderson aus den altindischen Veden, dem Mahabharata-Epos und tantrischen Ritualen bezog, besitzt eine Spieldauer von anderthalb Stunden. Ab „The Ancient/Giants under the Sun“ wird das Zuhören teilweise etwas anstrengend. Aber das ist nur meine bescheidene Meinung. Die Fans waren begeistert, das Album erreichte Platz 1 der britischen Albumcharts. Und doch war es irgendwie ein wenig „to much“. Rick Wakeman jedenfalls konnte mit dem mythologischen Konzept des Albums wenig anfangen. Ihn nervten aber insbesondere die viermonatigen, sich oft quälend hinziehenden Aufnahmesessions. Und ihm gingen Andersons selbstherrliche  Art und dessen Extrawürste zunehmend auf den Zeiger. Dazu gehörte, dass der Sänger sich im Manticore-Studio von Emerson, Lake & Palmer sein Badezimmer nachbauen ließ, dessen Akustik ihm für seine Stimme besonders zusagte. Ricks Resümee im Guardian fiel noch mit dem Abstand von 40 Jahren vernichtend aus: „‚Tales from Topographic Oceans‘ haben mir überhaupt nicht gefallen. Es war ein Doppelalbum und die Wahrheit ist, dass es aufgeplustert war, und das gefiel mir nicht. Aber ich war ein Fan von Yes – bin ich immer noch – und als solcher habe ich das Recht zu sagen, was ich denke. Aber ich war 1977 wieder bei ‚Going for the One dabei‘ – das war das Album, das Yes anstelle von ‚Topographic Oceans‘ hätte machen sollen.“

Ein Korg Stage Echo

Auch ein Tastengenie braucht Effektgeräte: Ein Korg Stage Echo aus der Wakeman-Sammlung (Foto mit freundlicher Genehmigung von London Vintage Guitars of Denmark Street, London)

Speed is the essence

In demselben Interview mit dem Guardian wurde Wakeman übrigens gefragt, mit welchem Fußballspieler er sich vergleichen würde: „Das ist eine wirklich gute Frage. Ich würde mich für Sergio Agüero oder David Silva entscheiden. Schnelligkeit ist das A und O.“

Es gibt wohl kaum einen zweiten Keyboarder, der so schnell und akkurat spielt, wie Wakeman zu seinen Glanzzeiten. Seine klassische Pose: Beide Arme sind weit ausgebreitet, um auf zwei Tastaturen gleichzeitig zu spielen. (Schaut mal in das Video bei Minute 2 herum rein). Dann sieht er ein bisschen wie der Cristo Redentor aus,  die monumentale Christusstatue auf dem Berg Corcovado in Rio de Janeiro. Viele Keyboarder brechen sich ja schon einen ab, mit nur einer Hand ein schnelles Solo zu spielen. Anders Rick, wie einem Sound on Sound-Artikel aus dem Jahr 1990 zu entnehmen ist: „Ich finde es schwierig, einen Part der rechten Hand ohne die linke zu spielen.“ Und wenn die Musik es doch erforderlich macht? „Dann drehe ich einfach die Lautstärke an dem zweiten Keyboard komplett runter und spiele weiter. Ich war auch noch nie wahnsinnig scharf darauf, Klänge auf einer einzelnen Tastatur zu splitten. Ehrlich gesagt, spiele ich lieber auf einer anderen Tastatur.“

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Gute Freunde – Rick Wakeman und Keith Emerson

Rick Wakeman wird wegen seines deutlichen Klassikeinschlags gerne mit Keith Emerson verglichen. Keith Emerson hat klassische Musikzitate sehr oft in seiner Musik verwendet und im Falle von Mussorgskis „Pictures of an Exhibition“ sogar ein ganzes Werk  für die Rockmusik adaptiert. Bei Wakeman gibt es zuweilen auch solche Zitate, etwa der schon erwähnte Halleluja-Chor aus Händels Messias. Aber insgesamt ist es bei Wakeman eher der Stil, der die Assoziation zur Klassik weckt.  Die perlenden Läufe und glitzernden Arpeggien, die Oktavsprünge und Trillerketten. Emersons Spielweise ist insgesamt aggressiver, seine Klangpalette klingt wesentlich kälter und elektronischer. Emerson gleicht mehr Bartok und Copeland, Wakeman dagegen Chopin oder Liszt. Er ist Romantiker – sehr pianistisch, manchmal etwas verspielt, inklusive gelegentlicher Ausflüge in die Gefilde des Kitsches. Stilsicherheit ist bei Wakeman nicht immer garantiert. Aber bei Rick gibt es häufiger auch Mal ein ironisches Augenzwinkern, was mich sehr für ihn einnimmt.

Wakeman und Emerson waren gut befreundet, obgleich die Presse gelegentlich eine Konkurrenzsituation herbeischreiben wollte:  „Wir ließen das weiterlaufen, weil es eine tolle PR war. Ich erinnere mich, dass wir zu Mittag aßen, lachten und plauderten, als dieses Paar an unseren Tisch trat und sagte: ‚Wir sind so froh, dass Sie sich wieder versöhnt haben‘. Und Keith, der einen boshaften Sinn für Humor hat, drehte sich zu ihnen um und sagte: ‚Ja, es war nur eine Frage der Zeit, bis einer von uns den anderen umbringt.'“ (The Guardian)

Ein russischer Synthesizer - der Polivoks

Ein wunderschöner Polivoks aus der Wakeman-Kollektion (Foto mit freundlicher Genehmigung von London Vintage Guitars of Denmark Street, London)

Wakeman auf Solo-Pfaden

Nach dem wenig beachteten Solodebüt „Piano Vibrations“ von 1971 gab Rick Wakeman mit „Six Wives of Henry VIII“ ein echtes Statement ab. Dazu trug auch die Innenseite des Klappcovers bei, das den Künstler in seiner Keyboardburg zeigt. Jedes einzelne Instrumente (Steinway-Flügel, Hammond-Orgel, zwei Mellotrone, zwei Minimoog-Synthesizer und das RMI Piano) ist auf dem Foto akkurat beschriftet. Das etwas bildungsbürgermäßige Sujet aus der englischen Geschichte fand seine Entsprechung in dem klassisch angehauchten Musizierstil. Ohne, dass man sagen könnte: „Ah, das ist jetzt ein Ausschnitt aus einer Bach-Invention“.  Wakeman ähnelt da etwas dem früheren Genesis-Gitarristen Steve Hackett, der auch mühelos die Illusion erzeugen kann, es handele sich um alte Madrigalmusik, dabei aber immer seine eigene Musik spielt.

Prähistorische Monster und Eiskunstläufer

Rick Wakeman war schon immer zutiefst davon überzeugt, dass man den Konzertbesuchern für ihr Geld mehr bieten müsste, als einfach nur eine gute Musik-Performance. Er wollte vielmehr Ohren und Augen ansprechen: „Manche Konzerte werden schnell langweilig, wenn da nicht noch etwas anderes passiert. Rock Shows sind im Allgemeinen sehr schlecht präsentiert. Wenn’s da nichts zum Gucken gibt außer der Band auf der Bühne, fangen die Leute irgendwann an, sich umzublicken, ob vielleicht Elton John irgendwo im Publikum ist.“ (Rick Wakeman in Concert 1976)  

Rick Wakeman hat eine ausgesprochene Vorliebe für „Pomp and Circumstances“: „Journey To The Center Of The Earth“, das auf der Erzählung von Jules Vernes basiert, wurde im Januar 1974 während einer Live-Aufführung des Werks vor mehreren Tausend Zuschauern in der Londoner Royal Festival Hall aufgenommen. Seine Band wurde von einem Erzähler, dem London Symphony Orchestra und dem London Chamber Choir unterstützt.  In einem künstlichen See auf der Bühne kämpften eigens für die Show angefertigte prähistorische Ungeheuer. Wakeman musste sich über beide Ohren verschulden. A&M in Großbritannien wollte die Platte nicht veröffentlichen, aber Wakeman war bei der US-Mutter unter Vertrag, die grünes Licht gab. Das Album war ein großes finanzielles Wagnis für Wakeman, der für seinen Mut aber belohnt wurde. Es erreichte 1974 Platz 1 der englischen Charts. Ein Jahr später machte sich Wakeman an eine riesige Eisrevue im Wembley Empire Pool. Schlittschuhläufer tanzten „The Myths And Legends Of King Arthus And The Knights Of The Round Table“, wiederum unterstützt von großem Orchester und Chor.

Der Korg Monopoly aus dem Jahr 1982

Auch heute noch ein sehr begehrter Synthesizer: Der Korg Mono/Poly. (Foto mit freundlicher Genehmigung von London Vintage Guitars of Denmark Street, London)

Ein Herzinfarkt als Warnzeichen

Diese aufwändigen Inszenierungen und kostspieligen Tourneen setzten Rick Wakeman mehr unter Strom, als er es vielleicht selbst wahrhaben wollte. Sein Lebensstil war auch nicht sonderlich gesund, vor allem sein Bierkonsum legendär. 1975 brach Wakeman nach einem Konzert zusammen. Im Krankenhaus wurde ein leichter Herzinfarkt festgestellt. Ein Warnschuss. Eigentlich hätte er jetzt kürzer treten müssen. Aber das passte so gar nicht zu ihm; noch im Krankenhaus fing er wieder an zu arbeiten und schrieb die Musik für „King Arthur“. Im gleichen Jahr gründete er das English Rock Ensemble, mit dem er auf Tournee ging. Nach der aufwändigen Tour zum  darauffolgenden Album „No Earthly Connection“ (1976) saß Wakeman auf Verbindlichkeiten in Höhe von £350,000. Es mussten mal wieder ein paar Rolls Royce aus seinem exklusiven Rental Car Service dran glauben. Sicher auch ein Grund, dass er sich bald wieder für Offerten seiner alten Stammband Yes interessieren sollte.

Wenn er schon keine Revuen mehr inszenieren konnte, so konnte Wakemans Sehnsucht nach „Sound and Vision“ wenigstens durch verschiedene Filmmusiken befriedigt werden. „Lisztomania“ von Ken Russel aus dem Jahr 1975 handelte von Franz Liszt, dem Komponisten und Klaviervirtuosen. Ein Sujet, das Wakeman eigentlich auf den Leib geschrieben war. Trotzdem war er nicht sonderlich zufrieden und wenn man sich das Ganze anhört (Spotify macht’s möglich), versteht man auch warum. Es klingt über weite Strecken mehr nach Kirmesmusik als nach „Les Preludes“. Ein sicherer Kandidat für die Rubrik „Brilliantly Unlistenable Classics“

Der Korg Sampler DSS-1

Und noch ein Korg: Der DSS-1 Sampler aus dem Jahr 1986 (Foto mit freundlicher Genehmigung von London Vintage Guitars of Denmark Street, London)

Wer hat denn da geklaut?

1977 erschien der Soundtrack „White Rock“ zu einer Filmdokumentation zu den Olympischen Winterspielen in Innsbruck und im gleichen Jahr kommt „Rick Wakeman’s Criminal Record“ (1977) heraus. Eines der letzten „großen“ Rick Wakeman-Soloalben. Wenn man sich „Judas Iscariot“ – das letzte Stück der Criminal Record anhört – fühlt man sich sehr an „The Phantom of the Opera“ von Sir Andrew Lloyd Webber und Richard Stilgoe erinnert. Einschließlich des Einsatzes einer großen Kirchenorgel. Auf eine Plagiatsklage hat Wakeman gleichwohl verzichtet und das sehr humorvoll begründet: „Jeder, der Ohren hat, weiß, woher die Phantom-of-the-Opera-Akkorde stammen. Ich denke, mein Freund Tim Rice ist die Verbindung zwischen beiden Liedern. Außerdem heißt mein Album ja Criminal Record – da kann ich sowieso nichts machen“.

Der Sequential Circuits Prophet 5

Beim Layout für den Prophet 5 soll eine Serviettenskizze von Rick Wakeman eine gewisse Rolle gespielt haben. (Foto mit freundlicher Genehmigung von London Vintage Guitars of Denmark Street, London)

Der Prophet-5

Wir haben es beim Birotron schon gesehen: Rick Wakeman liebte nicht nur Keyboards. Er beteiligte sich auch an der Entwicklung neuer, verbesserter Instrumente. Im Jahr 1977 kam in Oakland Dave Smith auf ihn zu, den damals niemand kannte. Als er Rick erzählte, dass er einen Synthesizer entwickeln würde, war dieser zunächst nicht sonderlich interessiert: „In den 70er Jahren hat jeder Synthesizer gebaut. Du konntest ein Synthesizer-Kit mit Deinem monatlichen elektronischen Bastelmagazin bekommen.“ Als Dave aber präzisierte, er hätte vor, eine mehrstimmige Version des Minimoogs zu bauen, war Rick auf einmal ganz Ohr.  „Er holte Unmengen von Schaltplänen heraus, die für mich völlig nutzlos waren. Ich hatte keine Ahnung, was er damit meinte. Ich sagte: ‚Wenn Sie die Minimoog-Benutzer ansprechen wollen, muss das Layout ähnlich aussehen‘, und ich skizzierte eine grobe Moog-Anordnung auf einer Serviette. Wie auch immer, er ging weg, und ich erwartete nicht, jemals wieder von ihm zu hören.“ (Musicradar)

Ein Jahr später tauchte dann vor seinem Haus in der Schweiz ein riesiges Paket auf. Einer der ersten Prophet-5 mit einem Dankesbrief von Dave Smith. Wakeman war begeistert – von der Mehrstimmigkeit,  von dem Patchspeicher – und dem Layout des Synthesizers. Rick soll auch an der Namensgebung dieses Klassikers beteiligt gewesen sein. Er fand die ursprünglichen Bezeichnung „Model 1000“ wenig anziehend und überzeugte Dave davon, dass das Kind einen richtigen Namen brauchte.

Die Fernbedienung für den Prophet 5

Das Umhängekeyboard zum Propheten für den Keyboarder, der auch gerne mal vorn an der Bühnenrampe steht. (Foto mit freundlicher Genehmigung von London Vintage Guitars of Denmark Street, London)

Hop-on / hop-off

Mit dem Ausstieg 1974 bei Yes begann für Rick Wakeman die Phase des wiederkehrenden Ein- und Austretens aus der Band. Insgesamt sollte Rick Wakeman fünfmal bei Yes ausscheiden und wieder einsteigen. Es erinnert ein wenig an die „Hop-on / Hop-off“-Busfahrten, wie sie in London und anderen Metropolen angeboten werden. Dazu muss man sagen: Als er weg war, wusste vermutlich auch Herr Anderson, was er an ihm hatte. Drei verschiedene Keyboarder wurden ausprobiert, bevor Yes schließlich bei Patrick Moraz landeten. 1976 sandte Anderson frühe Demoversionen von „Going for the One“ und „Wonderous Stories“ an Wakeman. Der kehrte – zunächst als Sessionmusiker – zurück. Als es die Runde machte, dass er auf der anschließenden Tournee dabei sein würde, wurde das als echte Sensation gehandelt: „Wakeman rejoins Yes“ titelte der Melody Maker. „Going for the One“, das 10. Studio-Album von Yes, kam bei Kritik und Publikum gleichermaßen gut an. Es war  etwas poppiger, enthielt aber mit dem großartigen „Awaken“ auch ein echtes Schmankerl für die alten Yes-Fans. Dieses Mal blieb Wakeman bis 1980. An dem 1983 erschienenen, sehr erfolgreichen Album „90125“ war Rick Wakeman ironischerweise nicht beteiligt. Der stromlinienförmige Sound der Hitsingle „Owner of a Lonely Heart“ hatte freilich mit den frühen Yes auch nicht mehr viel zu tun.

Das von Der von Dave Smith entwickelte Programmer sollte den Nachteil von fehlenden Speicherplätzen bei den frühen Analogsynthesizern ausgleichen.

Der Programmer Modell 700 von Sequential Circuits ermöglichte es, bei Synthesizern wie dem Minimoog bestimmte Einstellungen zu speichern. (Foto mit freundlicher Genehmigung von London Vintage Guitars of Denmark Street, London)

Anderson, Bruford, Wakeman, Howe

Ende der 80er Jahre wurde es richtig verrückt, als Yes nach der Big Generator-Tour auseinandergingen. Anderson, dessen Stellung als „kleiner Napoleon“ bei Yes zunehmend angefochten wurde, sammelte einige alte Mitstreiter – darunter auch Wakeman – um sich und gründete die Artrock-Band „Anderson, Bruford, Wakeman, Howe“. Gleichzeitig führte der Yes-Bassist Chris Squire mit einer Gruppe Musikern „Yes“ weiter, bevor es schließlich zur Vereinigung der beiden konkurrierenden Bands kam. Auf dem Album „Union“ von 1991 werkelt Wakeman gemeinsam mit dem ersten Yes-Keyboarder Tony Kaye an den Keyboards. Die Bandgeschichte von Yes ist zugegebernmaßen etwas unübersichtlich. Und wenn man ehrlich ist, stand das Drama um die ständigen Umbesetzungen damals schon im umgekehrten Verhältnis zur musikalischen Relevanz. Die Musik von „Anderson, Bruford, Wakeman, Howe“ war streckenweise so kompliziert, dass Rick Wakeman die Keyboardparts live gar nicht mehr allein bewältigen konnte. Julian Colbeck war als sogenannter „support keyboard player“ auf der Tour dabei und erinnert sich daran mit einer Mischung aus Begeisterung und Schaudern.

Ein Cheetah Masterkeyboard

Mit MIDI-Expandern zogen die Masterkeyboards in Wakemans Rig Einzug. Hier ein Exemplar von Cheetah.  (Foto mit freundlicher Genehmigung von London Vintage Guitars of Denmark Street, London)

Assault on Everest

Schon die gemeinsamen Proben empfand Colbeck wie eine „Besteigung des Everest“. Rick Wakeman war, wenn es um die älteren Songs ging, keine große Hilfe. Er pflegte auf Nachfrage zu sagen: „Es ist zum Verzweifeln. Ich weiß, dass ich diese Lieder schon einmal gespielt habe, aber an mehr kann ich mich leider nicht erinnern!“ (Sound on Sound) Colbeck schlug vor, für einige der wirklich schwierigen Passagen moderne Sequencer-Technik zu benutzen. Aber da fuhr ihm Anderson in die Parade: „Wir möchten keine Sequencer benutzen!“ Das richtige Martyrium begann dann auf der Bühne, im glorreichen Wettstreit mit so profilierten Mitmusikern wie Bill Bruford: „Er ist ziemlich atemberaubend in seiner Musikalität… aber auf der Bühne ist er einfach nur der Schlagzeuger, der ebenso in der Lage ist, ein monströses Fill zu spielen, das einen Schauer über den Rücken laufen lässt, oder aber ein ‚off-the-wall‘-Fill abliefert, das einen völlig aufgeschmissen zurücklässt, ohne die geringste Spur eines Beats. Man reagiert entsprechend.“ Jon Anderson soll wie ein Habicht auf einen erkennbaren Downbeat für seinen Gesangseinsatz gewartet haben.

Der Yamaha DX 5

Ein echtes Schlachtschiff der 80er Jahre ist der Yamaha DX5. (Foto mit freundlicher Genehmigung von London Vintage Guitars of Denmark Street, London)

Boogie-Kram ist anders

Während Rick Wakeman damals darauf bestand, einfach an ein Keyboard heranzutreten und den gewünschten Sound zur Verfügung zu haben, ohne erst viele Knöpfe drehen zu müssen, arbeitete Colbeck mit bis zu acht Bodenpedalen, um die komplizierte MIDI-Steuerung unzähliger Synthesizer und Expander am Laufen zu halten: „‚Brother Of Mine‘ beinhaltet ein Dutzend oder mehr Patch-Änderungen; wahrscheinlich 4Mbytes an getriggerten Samples; eine Unzahl von Tonart-, Tempo- und grundlegenden Zeitänderungen; und dauert ungefähr 12 Minuten. Sicherlich macht es Spaß, aber es ist nicht gerade ‚Get Down‘ und Boogie-Kram!“ (Sound on Sound)

Ein Riesenopus von 100 Alben

Und so könnte ich hier unendlich weiterschreiben: Das Großartige an Rick Wakeman ist, dass er bis auf den heutigen Tag Musik macht und Platten produziert. An die hundert sind es mittlerweile   insgesamt – und damit bewegt sich sein Gesamtwerk in der Nähe der Inkommensurabilität. Ich selbst habe von den Soloalben genau zwei als Schallplatten besessen: „The Six Wives of Henry VIII“ und „Rick Wakeman’s Criminal Record“.  Und viele Fans haben all die Jahre auf etwas gewartet, was an diese Klassiker heranreichen würde. Im Interview mit „Eclipsed“ erklärte Wakeman, dass er dafür ein starkes Thema bräuchte, dass ihn zu besonderen Melodien inspirieren würde: „So vor gut zehn Jahren hatte ich das Gefühl, dass der Prog dabei war, seine Melodien zu verlieren. In den frühen Tagen begann die Musik von Yes immer mit einer starken Melodie. Statt ihr trat immer mehr der Rhythmus in den Mittelpunkt.“

Der Korg Lambda ist ein Multikeyboard aus dem Jahr 1979

Schöne Chor- und Streichersounds bietet der Korg Lambda ES-50 aus dem Jahr 1979. (Foto mit freundlicher Genehmigung von London Vintage Guitars of Denmark Street, London)

Wakeman oder Clayderman?

Rick ist auf seinem langen Schaffensweg durch verschiedene Phasen gegangen: So hat er New Age- Musik komponiert: etwa die Sun-Trilogie bestehend aus „Aspirant Sunrise“, „Aspirant Sunset“ und „Aspirant Sunshadows“. Dann die Piano-Trilogie „Airs“: „Country Airs“, „Sea Airs“ und „Night Airs“. Seine christliche Orientierung fand Niederschlag in den „Gospels“.  Aus etwas jüngerer Zeit stammt das Album „Piano Portraits“ mit Piano-Adaptionen von Rockklassikern wie „Stairway to Heaven“, „Life on Mars“ und „Eleanor Rigby“ bis hin zu Bearbeitungen von Tschaikowskis „Schwanensee“ und Debussys „Clair de Lune“. Kann man sich durchaus anhören. Könnte aber auch durchaus ein Album von Richard Clayderman sein. Das ist ein bisschen gemein. Und soll auch nicht mein Schlusswort sein :)

"The Red Planet" heißt Rick Wakemans neuestes album aus dem Jahr 2020

2020 wurde Rick Wakemans Album „The Red Planet“ veröffentlicht. Und was ist auf dem Cover zu sehen? Natürlich ein Minimoog.

Prog-Rock is back: The Red Planet

Ausgerechnet in diesem Jahr hat Rick Wakeman ein Album veröffentlicht, das aufhorchen lässt: „The Red Planet“. Allein das Cover ist schon toll. Ein Astronaut auf dem Mars, der ein Vintage-Synthesizer in der Hand hält. Natürlich nicht irgendeinen: Einen Minimoog. Nach viel einsamer Soloarbeit am trauten Klavier zog es ihn wieder zu seinen Prog-Rock-Wurzeln. Der Anlass waren Fotos vom Mars – und sicher auch der Bowie-Song „Life on Mars“: „Das ist tatsächlich so ein Rock ’n’ Roll-Planet! Es sieht teilweise sogar so aus, als wäre dort Wasser, doch das ist Trockeneis, das auf diese riesigen Gebirge, massiven Schluchten und Vulkane ‚herabregnet‘. Wie viel mehr Rock ’n’ Roll kann man haben?“ (eclipsed)

Hier die erste Folge von GasTank, eine TV-Show, die in den 80ern auf Channel 4 lief. Die Moderatoren Rick Wakeman und Tony Ashton plauderten mit Musikern und machten natürlich auch Musik. Bei Minute 17 gibt es „Catherine Howard“ (auch eine der bedauernswerten Frauen von Henry VIII, die ihren Kopf verlor) zu hören. Und wer genau hinschaut, entdeckt auch den weiter oben abgebildeten Korg Lambda wieder.

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I Haven’t Finished Yet

Rick hat viel Rock ’n‘ Roll in seinem Leben gehabt. Man muss nicht alles toll finden, was er musikalisch gemacht hat. Was aber völlig außer Frage steht, was für ein toller und rundum sympathischer Musiker Rick ist. Seit vielen Jahren moderiert er auch Sendungen in TV und Radio.  Dabei zeigt er Sinn für skurrilen britischen Humor. „Grumpy Old Men“ ist der Titel einer TV-Serie, in der Rick Wakeman mitwirkt. Einige der besten Anekdoten aus seinem Musikerleben hat er in Buchform herausgebracht. Rick ist ein echter Stand-up-Comedian mit einem unglaublichen Sinn für Timing. Und ein netter Papa scheint er auch noch zu sein: „Ich bin megastolz auf Oliver und Adam. Sie sind ganz wundervolle Söhne und nicht nur talentiert, sondern auf ihre Sachen sehr fokussiert. Was mich aber am meisten freut: Sie machen ihr eigenes Ding, haben beide eine eigene musikalische Handschrift entwickelt und müssen sich hinter dem Schatten ihres Vater nicht verstecken.“ (classicrock.net)

Rick Wakeman ist der Verlust vieler einstiger Weggefährten wie David Bowie, Keith Emerson oder des Yes-Bassisten Chris Squire sehr nahe gegangen. Er selbst hat gesagt – wann immer die Reihe an ihn kommen wird – es wird zu früh sein: „If they’re ever gonna write anything on my tombstone, it’ll be something like „It’s Not Fair. I Haven’t Finished Yet.“ (Classicbands.com)

Lieber Rick, ich wünsche Dir noch viele tolle Jahre voller Schaffenskraft und Rock ’n‘ Roll!

Wakeman-Fan am Flügel

Wakeman-Fan Costello ca. 1980 mit blonder Perücke am Steinway.

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Forum
  1. Profilbild
    moogist  

    Danke, danke, danke, lieber Costello, für Deinen tollen Text über Rick Wakeman! Die „Excerpts from the six wives…“ auf der „Yessongs“ haben mich Mitte der 70er Jahre wohl ebenso ungehauen wie Dich. Du hast exakt meine Gedanken von damals ausgesprochen. Insofern ist Dein Artikel eine wunderbare Zeitreise für mich! Mit dem Minimoog hat der virtuose Keyboarder Wakeman ein Instrument an die Hand bekommen, um endlich dem virtuosen Gitarristen in der Band (Steve Howe) ordentlich einzuheizen – ein „Konzept“, das später von anderen (z.B. Saga) spektakulär aufgegriffen wurde. In den 70er Jahren habe ich Wakeman immens bewundert… Aus der Distanz von mehreren Jahrzehnten muss aber auch gesagt werden, dass viele seiner eigenen musikalischen Ergüsse von eher zweifelhafter Qualität sind. Dass auch Du das so siehst, beruhigt mich ungemein. Als Mitglied von YES oder als Sidemen hat er mich eigentlich immer am meisten überzeugt.

    P.S. Wer sich von den selbstironischen und komödiantischen Qualitäten des Mister Wakeman überzeugen will, möge seiner Dankesrede anlässlich der Aufnahme von YES in die Rock’n’Roll Hall of Fame lauschen…

    • Profilbild
      costello  RED

      Vielen Dank moogist! Ich denke, man tut Rick da nicht Unrecht, wenn man sagt, dass sein Output durchaus von unterschiedlicher Güte ist. Er hat ja richtig festgestellt, dass Prog-Rock von den Melodien lebt. Sein neuestes Album „The Red Planet“ kann man übrigens wirklich mit Vergnügen hören. Der alte Herr hat noch ein paar Tricks drauf :)

  2. Profilbild
    Henrik Fisch  AHU

    … unter neun Stück hat er den Pegelstand [an Minimoogs] auch selten absinken lassen.

    Haha, was für eine Formulierung. Und ich dachte schon, Klaus Schulze ist ein wenig verrückt, wenn er drei Minimoogs sein Eigen nennt (no pun intended, ich bin nach wie vor ein Fan von Klaus Schulze).

    Zu den vollen fünf Sternchen für den Artikel gibt’s ein Extra-Sternchen für das Bild von Dir mit der blonden Perücken. Sehr schön, ja, doch.

    ⭐⭐⭐⭐⭐ 🌟

  3. Profilbild
    moinho  

    Jup „Yessongs“ als einen der Höhepunkte des Genres unterschreibe ich so. Beim ersten Anhören des Albums seinerzeit dachte ich mir nach Andersons Lalala „wenn der Strawinsky singt wirds jetzt interessant“. Wurde es.

    Danke für den vielschichtigen Artikel!

  4. Profilbild
    iggy_pop  AHU

    „Six Wives“ — zwei Mellotrons, ein Grauen: Dieses Album zeigt, wie man niemals, ab-so-lut niemals Mellotrons abmischen sollten, will man sie nicht in all ihrer Scheußlichkeit bloßstellen.

    Unter diesem Aspekt ist es sogar nachvollziehbar, daß Wakeman seine M-400 abgefackelt hat (was ich wahrscheinlich eher mit einem Mk. 2 oder einem M-300 gemacht hätte).

    Richard Stutenkerl… äh, Weckmann live zu sehen, ist in der Tat ein Vergnügen — ich habe ihn vor 20 Jahren mal auf einem EM-Festival in den Niederlanden erlebt, und auch wenn das überhaupt nicht meine Musik ist, ist es schön, mal einen Musiker dabei zuzusehen, wie er allein durch die Beherrschung seines Handwerks mit den ganzen Freizeitkapitänen den Boden aufwischt.

    • Profilbild
      costello  RED

      Bis auf den Schlussabschnitt von Catherine Howard ist der Mellotronsound auf „Six Wifes“ eigentlich gar nicht sehr prominent vertreten. Die Flöte am Ende finde ich auch etwas aufdringlich abgemischt, vor allem im Kontrast zur anschließenden Kirchenorgel auf Jane Seymour. Oft sind die Strings mit etwas Phaser relativ dezent im Hintergrund und klingen nach x-beliebigen Stringensemble. Auf Yessongs klingen die Mellotrons dagegen wirklich gut. Das Halleluja kommt richtig mit Schmackes :)

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        iggy_pop  AHU

        Ich will ja nicht den Englischlehrer raushängen lassen, aber… der Plural von „wife“ ist „wives“.

        Hat eigentlich niemand gemerkt, daß in der vierten Abbildung von oben ein R. A. Moog Minimoog zu sehen ist, augenscheinlich ein ganz frühes Modell?

  5. Profilbild
    TobyB  RED

    Sehr schön! Wakeman Fan mit blonder Perücke, könnte ein Hit werden. Cool das du Gas Tank von C4 gefunden hast. Ich hab während meiner Zeit in UK in den Neunzigern immer die Wiederholungen gesehen. Solche Formate fehlen heute sehr im TV. Meine Lieblingsfolgen sind die mit Eric Burdon, Godley & Cream und Rick Parfitt. Der Kreis schliesst über die Vorliebe für teure Nobelkarossen. Parfitt stand auf Porsche und war Teilhaber eines Porsche Autohauses in London. Burdon gediegen auf Autos mit einer Emily. In dem Pub in Birmingham, wo ich damals Bier zapfte, standen regelmässig solche Kisten, inklusive Aufpasser.

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      costello  RED

      Hi Toby, die kompletten Gas Tank-Folgen mit Rick gibt es auf seiner YouTube-Seite. Ich finde das Format auch absolut klasse. Nette Gespräche und zwischendurch wird richtig abgerockt. Ja, für die Luxusschlitten hatten die damals ein Faible. Rick besaß ja sogar einen Rolls Royce-Verleih. Ich freue mich auch jedesmal bei „The Crown“, wenn da so eine Reihe von alten Phantoms vorfährt :)

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        TobyB  RED

        Falls du mal durch Birmingham mit einem Phantom cruisen möchtest, sag an ;-) The Crown, ich will ja nicht spoilern, Wachsjacken spielen in Staffel vier eine große Rolle. Die Serie ist schon Klasse, nicht das ich nun die Monarchie gut finde, oder als Herrschaftsform bevorzuge. Aber die Serie ist schon ein Highlight, irgendwo zwischen Drama und Komödie.

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          costello  RED

          Staffel vier ist für mich besonders spannend weil die Ereignisse aus dieser Staffel mir noch ganz präsent sind: Ob Thatcher, Falkland-Krieg oder Lady Di. Für meinen nächsten Report (Roland Space Echo) habe ich übrigens Teile einer Thatcher-Rede auf Dub-Rhythmen gelegt und es ist unglaublich, was die eiserne Lady für ein präzises Timing beim Reden hat – sie ist eine richtige Rapperin ;)

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            TobyB  RED

            Gillian Anderson als Maggie zu besetzen, ist nicht die dümmste Entscheidung gewesen. Genauso wenig wie Teile ihrer Reden zu dubben ;-) Die Thatcher Ära war schon besonders. Ich mag und mochte die eiserne Lady nie. Wenn ich an ihre TINA Reden denke, there is no alternative, gruselt es mich.

  6. Profilbild
    ukm  

    Sehr schöne Sonntags-Lektüre. Ich hatte mal die Gelegenheit, Rick Wakeman bei einem Open-Air-Konzert ganz aus der Nähe zu sehen und zu hören. Als der Regen einsetzte, verzog sich das Publikum unters Dach, nur ein paar Unverzagte hatten jetzt Platz vor der Bühne.
    Musiker diesen Typs waren und sind für mich immer Ansporn zum Üben.

  7. Profilbild
    0gravity  

    Herzlichen Dank für diesen tollen Bericht.
    Ich frage mich, ob du zwischen zwei Artikeln noch Zeit für was anderes findest als Recherchen anzustellen.
    Seit seinem Solo auf Yes Songs gehört Wakeman zu meinen Tastenhelden, aber in den letzten Jahren habe ich nicht mehr verfolgt was er so macht. Allerdings habe ich ihn 2018 mit YES nochmal auf der Loreley bei einem sehr stimmungsvollen Konzert erlebt.
    Eine gute Gelegenheit also, sich nach dieser schönen Sonntagslektüre mal wieder mit seinen Werken zu befassen.

  8. Profilbild
    lightman  AHU

    Feiner Artikel, costello, macht Spaß zu lesen, auch das Bild von dir von 1980 mit Blondschopf, also wirklich, ganz reizend! :)

    Musikalisch waren Rick Wakeman und die anderen Jungs nicht ganz mein Ding, obwohl mir gewisse King Crimson- und Yes-Stücke durchaus einen Kick gegeben haben. Ich habe immer schon das technische Können von Rick oder Keith bewundert, als tastenaffiner Dilletant hörte ich immer ehrfürchtig zu und schlich dann zu meiner klapprigen Bontempi mit Akkordbegleitung zurück. Es kann halt nicht jeder ein Wakeman sein.

  9. Profilbild
    hunsitho

    Obwohl ich zu dieser Zeit schon Fan von Pink Floyd und Rush war, habe ich Yes erst mit „Owner of a lonely heart“ kennengelernt – und die alten Sachen erst danach, aber mit grosser Begeisterung entdeckt!
    Yessongs ist noch heute eines meiner absoluten Top 3 Lieblingsalben.

    Vielen Dank für diesen tollen Artikel über einen unglaublichen Keyboarder, seine Geschichte und sein Equipment. Ich habe darin viel über ihn gelernt!

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