Making of: Metallica, …And Justice for All

2. August 2020

Zeitlos und gerecht - Metallicas Wiedergeburt

Metallica And Justice For All Making of

Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/File:Metallica_-_…And_Justice_for_All_cover.jpg

Pik-As.

Das war die Karte, die Cliff Burton zog.

26. September ’86. Spät abends. Metallica hatten mit Anthrax gerade die Bühne der Solnahalle in Stockholm zerlegt. Man spielte Blitzkrieg. Die Klassiker. Fans berichteten später, dass Metallica ein regelrechtes Feuerwerk entfachten. Man muss sich Kirk, James, Lars und Cliff vorstellen: Vier Junge Anfang/Mitte 20, die es aus der amerikanischen Pampa geschafft hatten und den kalifornischen Thrash Metal bis nach Schweden trugen. Am Ende des Abends, als man betrunken zu den Kojen taumelte, zogen Kirk und Cliff Karten, um zu bestimmen, wer wo schlafen würde. Eigentlich schlief Kirk in der Koje am Fenster. Sie war gemütlich. Leiser als die anderen, denn Kirk hatte einen leichten Schlaf.

Nicht in jener Nacht.

Survivor’s guilt ist ein Thema für sich – Kirk Hammett hat sich in vielen Interviews dazu geäußert, inwiefern ihn Cliffs Tod in der Nacht vom 26. auf den 27. September verändert hat. Man möchte nicht in seiner Haut stecken. Hätte er in Cliffs Koje gelegen – die Geschichte des Metals hätte einen anderen Verlauf genommen. Jene verhängnisvolle Nacht, als man sich auf dem Weg nach Kopenhagen befunden hatte, ist bestimmend für den Mythos dieser Band, sie hat alles verändert und hätte sie beinahe zerstört. Doch es kam anders – eins der am stärksten polarisierenden und spannendsten Metal-Alben aller Zeiten. war die Folge. Weshalb? Trotz. Und Wille. Und viel, viel Kampf.

Wir zeichnen den Weg nach, den die wichtigste Metal-Band aller Zeiten nahm, um aus der Cliff Burton-Tragödie herauszufinden. Es ist aber auch ein Stück weit Auseinandersetzung mit einem Album, zu dem ich persönlich – und damit bin ich nicht alleine – eine regelrechte Hassliebe pflege. Es ist ein Monument dafür, was passiert, wenn Trauma nicht aufgearbeitet, Ego nicht hinterfragt wird und Obsession einen blind macht.

Making of …And Justice for All – eine Frage des Respekts

Was genau zum Unfall in jener Nacht führte, wurde nie und wird niemals hinreichend geklärt. War der Fahrer betrunken, wie James Hetfield bis heute beteuert? War Eis auf der Fahrbahn im Spiel? Für die Szene in Kalifornien war Cliffs Tod ein Schock. Nicht nur war er eine spielerische Koryphäe – er war menschlich darüber hinaus eine ungemein beliebte Galionsfigur der Szene. Rohes Talent, ein breites, echtes Lächeln und mehr Musikalität im kleinen Finger als viele andere Zeitgenossen – er wurde eingeäschert, aber nie vergessen. Das erste Video, das Metallica herausbrachten, war Cliff ‚em all – eine 90-minütige Dokumentation dieses Mannes, zusammengetragen aus Schnipseln und Konzertmitschnitten.

Die Band war kaputt. Hinüber. Aber das war nicht der springende Punkt – man hatte einen Bruder verloren, und dazu auf eine niederschmetternde, unnötige Weise. Die Wut, die James, Lars und Kirk mit sich trugen, die Trauer – sie setzte sich als giftiges Sediment in den Herzen ab, sorgte dafür, dass James‘ Alkoholkonsum die falsche Abzweigung nahm, Lars sich in einen jähzornigen Diktator verwandelte und Kirk sich zunehmend in sich selbst zurückzog. Und man wollte gar nicht lange warten – Komposition war ein Mittel der Trauerbewältigung und man kann über Sound und Konzept von „…And Justice for All“ sagen was man will – das Album beherbergt einen großen Teil der mit Abstand stärksten Riffs, die James Hetfield je geschrieben hat.

In einer kleinen, stickigen Garage auf dem Carlson Boulevard, in der man die 87er EP „Garage Days Re-visited“ aufnahm, fand ein Großteil des Songwritings statt. Lars und James waren viel beisammen. Man ankerte sich. Spielte sich den kreativen Ball zu. „Harvester of Sorrow“ entstand in einer beschissenen kleinen Garage, ebenso der Übersong des Albums: „One“ und ein Haufen anderer Parts. Generell waren die komplexen und bisweilen verschachtelten Abzweigungen in dem Album neu. Dass Hetfield heute nicht mehr viel von dem Album hält, ist bekannt – zu mäandernde Songs, die nicht zum Punkt kommen. Insofern ist es auch richtig, das Black-Album als Reaktion auf diesen kompositorischen Overkill zu deuten. Man war eben ein bisschen verloren, saß sich gegenüber, frisch traumatisiert, und Guns n‘ Roses hatten gerade Appetite for Destruction rausgehauen. Zwar hatte man mit Slash und Axel einige wilde Partys gefeiert und war „Brüder im Geiste“, aber musikalisch wollte man woanders hin. Nur wohin?

Es begann damit, dass man sich durch Burtons Riff-Katalog arbeitete. Vielleicht war dies eine Frage des Respekts, vielleicht aber auch einfach der perfekte Ort, um nach Inspiration zu suchen. „To Live is to Die“ stammt aus Cliff Burtons post mortem-Feder. Er hatte das gesamte Konstrukt während der „Master of Puppets„-Session geschrieben. Damals war dafür kein Platz auf dem Album gewesen, aber für Lars und James gehörten diese Riffs schlichtweg auf das Album. Den Elefanten im Raum ignorierte man geflissentlich – wer sollte Cliffs Nachfolge antreten? Eine Frage, vor der sich James, Lars und Kirk fürchteten. Doch sie mussten sich ihr stellen. „Master of Puppets“ hatte die Band zwar nicht in den Mainstream, dafür aber in die Stratosphäre des Metals schießen lassen. Es musste Ersatz her, und zwar schnell – so kalt das auch anmutete.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Metallica#/media/Datei:Metallica_at_The_O2_Arena_London_2008.jpg

Leicht machte man es sich nicht. Jeder amerikanische Metal-Bassist, der was auf sich hielt, stand Schlange, um bei den neuen Größen des Metals vorzuspielen. Es waren die Ende der Achtziger, der klassische Thrash Metal hatte unzählige Bassisten hervorgebracht, die entweder mit Finger- und Plek-Picking die punktierten Achtel draufhatten. Aber das suchte man nicht. Was genau man suchte – die Band wusste es wahrscheinlich selbst nicht genau. Man ließ Musiker von Testament, Megadeth und Genies wie Les Claypool vorspielen (letzterer würde sich nach Jasons Ausstieg sogar erneut bewerben), ehe man sich für Jason entschied, der bereits auf der Garage EP mitgewirkt hatte. Und man nahm die Sache ernst: der gesamte Bewerbungsprozess war eine fast schon zeremonielle Angelegenheit, im Rahmen dessen sogar Cliffs Eltern anwesend waren, als Jason die Nachricht überbracht wurde. So emotional das Ganze war und so sehr Newsted sich gefreut haben musste, als Fan bei der damals größten Metalband des Planeten einzusteigen, es sollte der Beginn eines Martyriums sein.

Metallicas Sound in den 80ern – offene Wunden

Eine Million Dollar.

Das legten die Briten von Phonogram Records der Band auf den Tisch. „Master of Puppets“ war das letzte Album unter der Haube von „Music for Nations“ gewesen. Metallica waren hot shit und Martin Hooker von Phonogram wusste das: Metallica würden sich und alle um sie herum reich machen.

Auch Jason.

Doch daran dachte der junge Bassist nicht mal im Ansatz. Denn es zeichnete sich allmählich die Dynamik ab, die zum Stoff würde, aus dem Musiklegenden waren. Metallica waren als Quartett gereift. Nun standen sie als Trio da, ergänzt durch einen vierten Neuzugang, der vom kompositorischen Ansatz einen viel direkteren und härteren Spirit vertrat als Cliff. Es dauerte nicht lange, und Jason wurde zunehmend zur Zielscheibe bewusster und manchmal weniger bewusster Attacken, Seitenhiebe und regelrechter Schikane. Man will nicht wissen, wie viele Alkoholvergiftungen man dem jungen Musiker psychologisch aufgezwungen hatte. James und Lars taten es nicht bewusst, aber sie malträtierten Jason, weil sie nicht anders mit den unverarbeiteten Schmerz umzugehen wussten.

Darüber hinaus empfanden sie sich als Kern dieser an Aufwind gewinnenden Maschine namens Metallica. Sie wollten die Integrität der Band wahren. Kirk selbst hat in der gesamten Geschichte Metallicas mehr geschrieben als ihm viele zurechnen (das Creeping Death-Riff und die Unforgiven-Songs sind maßgeblich von ihm arrangiert worden), aber zu diesem Zeitpunkt rissen James und Lars das Ruder an sich. Kirk’s Meinung? Nicht wichtig. Und Jasons Wahrnehmung und Ideen waren im Grunde irrelevant. Die Folge? Man hörte sich durch die alten Tapes und packte sechs bis acht Riffs pro Song, übertrieb es in diesem selbstgewählten Mikrokosmos maßlos, warf Venom-Inspirationen und militärkritische Lyrics zusammen und agierte nach dem Motto: Mehr ist besser als zu wenig.

Für die Produzentenrolle gab es einen ganz klaren Kandidaten für James und Lars: Mike Clink hatte das Album produziert, von dem zu dem Zeitpunkt immer noch die halbe Welt redete: Appetite for Destruction. Doch es wollte nicht so richtig zünden: Mike war in der Lage, potentiell explosive Elemente zusammenzuführen. James und Lars hatten gerade die bislang komplexesten Songs ihrer Karriere geschrieben – und Mike Clink schien nicht richtig zu verstehen, worauf Metallica hinauswollten. Also stellte Lars den Kontakt zum dänischen Landsmann Flemming Rasmussen her – der Mann, der Ride The Lightning und Master of Puppets produziert hatte, war die logische Wahl, nachdem man sich mit Mike überwarf. Doch was in den One On One Studios in Los Angeles im Januar 1988 folgen würde, war die reinste Qual.

James und Lars verloren sich zunehmend in den labyrinthischen Songs. Einen Großteil der Zeit war es Flemming, der die zwei Hitzköpfe ein wenig beruhigen musste, während sie Jason und Kirk mehr oder minder an die Seitenlinien verfrachteten. Kirk war höllisch unzufrieden – er nahm das Solo zu „One“ eigenen Angaben nach gefühlte eine Millionen Mal auf, ehe er einigermaßen zufrieden war, und das am Ende der Session: Ganze zehn Tage blieben Kirk für seine Soli, mehr nicht. Und Jason? Der war von seiner Zeit bei Flotsam and Jetsam gewohnt, dass eine Band redete, diskutierte. Wann immer er versuchte, derartiges in die Wege zu leiten, wurde er von James und Lars brüsk abgewiesen. Doch was blieb dem jungen Mann? Sich gegen seine Helden aufzulehnen? Denn nichts anderes waren James und Lars für ihn zu diesem Zeitpunkt. Also behielt er ab einem gewissen Punkt seine Ideen für sich – und nahm sämtliche seiner Basslines alleine mit einem Mixing- und Recording-Assistenten innerhalb eines Tages auf. Der Clou dabei? Das war noch zur kurzen Mike Clink-Phase der Aufnahmezeit. In der gesamten Zeit, in der Rasmussen, James und Lars das Album zusammenhämmerten, war Jason nicht zugegen.

Making of: Metallica, ...And Justice for All

Und das war nicht das einzige. Jason Newsted, das hat die Zeit gezeigt, ist ein fantastischer Bassist. Er ist nicht so melodiös wie Cliff Burton, aber er versteht sich darauf, einer Band klanglich den Rücken zu stärken. Er prescht nach vorne, besitzt unglaubliche spielerische Energie – ein Stück weit ist er der Flea der Metal-Welt. Trotzdem zwangen ihn James und Lars mehr oder minder, am Bass James‘ Riffs zu kopieren – und zwar 1 zu 1. Und das war nicht alles – die beiden zwangen darüber hinaus Rasmussen, den Pegel des Basses so weit herunterzufahren, dass er quasi nicht mehr auszumachen war. Flemming erwähnte es in den Jahren, die nach der Aufnahme folgte, unzählige Male: Er verstand nicht, weshalb die Band das wollte und wehrte sich, musste sich aber letzten Endes fügen. James rechtfertige es hanebüchen damit, dass die Bassfrequenzen den Midscoop seines Gitarren-EQs verzerren würden. Letzten Endes war es zweifelsohne Schikane und einer der Gründe, weshalb meine Hassliebe zu diesem Album ungebrochen ist. Kann man James und Lars wirklich vorwerfen, dass sie ihr eigenes Trauma besser hätten verstehen müssen? Wahrscheinlich nicht. Aber gemessen daran welche Power Jason in sich trägt, wird man auf ewig dem echten Mix der Platte nachweinen – die straffen und trotzdem komplexen Arrangements hätten zweifelsohne von einem atmenden und stringenten Bass profitiert. So beschädigten die Egos der beiden Männer das Endresultat – umso tragischer, wenn man bedenkt, dass „...And Justice for All“ die letzte „Metal“-Platte von Metallica war. Doch lassen wir den Mixer der Platte, Steve Thompson persönlich zu Wort kommen:

Metallica Gitarren & Bass – the Equipment

Die späten Achtziger und die darauffolgenden Jahre waren für Metallica auch in Sachen Equipment eine Erneuerung. Man war die fräsende Hardrock-Schiene von Marshall und den JCM 800 leid. Schon zuvor hatten Kirk und James verstärkt mit Mesa Boogie experimentiert: der Mark-IIC wurde von James immer öfter genutzt, und bevor es ins Studio für die Justice ging, war die Transformation Richtung Mesa Boogie vollendet – James und Kirk schickten ihre JCM 800s vorläufig in den Ruhestand. Der Mark IIC wurde abgelöst vom legendären Mesa Boogie Mark IV, mit dem sich der charakteristische Mid-Scoop um einiges wirkungsvoller einstellen ließ als mit Marshall. Auch baute James dauerhaft in sein Live-Rig den ADA MP-1 Preamp ein, der einem saturierten Overdrive ebenfalls zugute kam. Doch auch in Sachen Clean Sounds wagte man Neuerungen: Der vor allem in der damals wachsenden Grunge-Szene beheimatete Roland Jazz Chorus 120 wurde in den Aufnahmen vorwiegend für die klaren und unverzerrten Passagen genutzt – und zwar sowohl von James als auch von Kirk.

Auch war die charakteristische Explorer das erste Mal fester Bestandteil von James Hetfields Setup: die ESP MX-220 wurde dauerhaft auch für die Aufnahmen genutzt und wird von James bis heute gespielt. Die aktiven Pickups der ESP taten es auch Kirk an: er baute EMGs in seine schwarze Gibson Custom und nutzte darüber hinaus auch eine schwarze ESP Eclipse für seine Soli.

Making of Metallica, And Justice for All – besides Jason

Equipment hin oder her – James und Lars hatten sich selbst ins Bein geschossen: kaum eine Metalplatte wurde zu dem Zeitpunkt so heiß erwartet. Die Kritik? Richtete sich natürlich sofort gegen den Sound, der in den Augen aller Beteiligten und der Musikpresse schlichtweg keinen Sinn ergab. Man muss schon den Hut vor James und Lars ziehen: Die ganze Welt kratzte sich angesichts des Sounds am Kopf, und es würden Jahrzehnte vergehen, ehe die beiden einsehen würden, dass Jasons Ausschluss der Platte geschadet hatte (wobei James Hetfield das immer noch relativiert).

Doch die komplexen Arrangements und die knochentrockene Produktion wurde auch gefeiert: als „mutig“ und „roh“, als „der Zeit voraus“. Die Billboard Charts wurden bis Platz 6 erklommen, während die Schuldzuweisungen innerhalb der Band immer lauter wurden: Rasmussen machte die Mixing Ingenieure Barbiero und Thompson verantwortlich, doch die wollten den schwarzen Peter nicht annehmen und schoben ihn weiter den Lars Ulrich und James Hetflied. Das tat dem Absatz keinen Abbruch: Die „…And Justice for All“ wurde bis 1989 zwei Millionen Male abgesetzt. Und das Video zu „One“ drängte sich in die Wahrnehmung des Mainstreams – ein stimmiges, atmosphärisch dichtes Klang- und Bilder-Mosaik, das die Performance der Band mit Ausschnitten aus dem Antikriegs-Film „Jonny Got His Gun“ vermengte und unterstrich: Metallica hatten etwas zu sagen. Im Jahr 1989 gab es kein populäreres Video auf MTV und der Mainstream musste reagieren: Man lud Metallica ein, bei der einundreißigsten Grammy-Verleihung auf der Bühne „One“ zum Besten zu geben. Und obwohl vielen Fans der älteren Kohorte dieser Schritt Richtung Mainstream ein Dorn im Auge waren, konnten Metallica sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. Die Resonanz war verhalten und man verlor gegen Jethro Tull – doch letzten Endes gab man einen feuchten Dreck darauf, wie der Mainstream einen wahrnahm. Die Band war selbstironisch genug, Kopien von „…And Justice for All“ mit „Grammy Award Loser“-Stickern zu versehen.

Making of: Metallica, ...And Justice for All

Wenn man jetzt, Jahrzehnte später, jemanden fragt, was das persönlich liebste Metallica-Album ist: Man bekommt in 5 von 10 Fällen gesagt: „…And Justice for All„. Ich bin da nicht anders – kompositorisch ist „…And Justice for All“ mein liebstes Metallica-Album. Und auch die Band steht dem Ganzen versöhnlicher gegenüber: James und Lars wissen inzwischen, dass dieses Album ihnen half, aus dem Schatten von „Master of Puppets“ herauszutreten, indem sie progressiver wurden. Das rettete die Band, denn alles, was in der Nomenklatur von Master of Puppets hätte gesagt werden können, war bereits gesagt worden. Als es 1988 rauskam, erklomm es jedoch nur wenige Pole-Positions unter den Kritikern – in den meisten Listen wurde das Album im Mittelfeld angesiedelt. Doch insgesamt lässt es sich nicht anders sagen: „…And Justice for All“ ist hervorragend gealtert.

Der große Verlierer des Ganzen? Jason Newsted.

Man kann von James Hetfield und Lars Ulrich halten, was man will. Speziell Lars zeigte sich nicht immer von der sympathischsten Seite. In der „Some Kind of Monsters“-Dokumentation stand er, in selbstvergessener Weltschmerz-Pose vor seiner Kunstsammlung, die er mit Champagner-Glas in der Hand dann versteigerte. James, Lars und Kirk sind den längsten Teil ihres Lebens bereits Millionäre. Jason war im unmittelbaren Vergleich das rohe, ungestüme Element, dessen Impulse nie wirklich ernst genommen wurden. Wenn, dann passierte interessantes: Der stärkste Song der Load- und Reload-Ära ist meines Erachtens das vielfach übersehene Juwel „Where the wild things are“, dessen Gesangsmelodie und Riffs Jason maßgeblich geschrieben hat.

Die leichten Grunge-Vibes standen der Band hervorragend zu Gesicht. Als Jason Newsted seine letzte Show mit Metallica im November 2000 spielte, waren die Gräben und das Misstrauen so tief, dass James Jason nicht mal mehr erlaubte, seiner Zweitband „Echobrain“ nachzukommen. Auf eine Art war er der ewige Gast innerhalb der Gruppe, das ewige „Kid“, stetig angehalten, gefälligst dankbar zu sein dafür, mit seinen Idolen spielen zu dürfen. Doch Jason wahrte sich seinen Respekt, indem er die eine rote Linie in den Sand zog, die nicht überschritten werden durfte: „Don’t fuck with my creativity.“ Dafür erntete er den Respekt der Musikwelt. Und die Demütigungen hat sich der Sympathieträger nie zu sehr zu Herzen gehen lassen – und findet inzwischen sogar versöhnliche Töne für seine ehemaligen Bandkollegen:

Forum
  1. Profilbild
    wolftarkin  AHU

    Das war meine erste und letzte Metallica-Scheibe. Ich weiß nicht, warum ich die damals gekauft hab, die meisten Songs fand ich gut. War halt kein Bass drauf.
    Aber die beiden Frontleute fand ich spätestens seit dem Therapiefilm unerträglich. Allein auf die Idee zu kommen, so einen „Film“ zu machen. Ne, danke.

    • Profilbild
      Thorsten Praest  RED

      „…and Justice for all“ ist meine absolute Lieblingsscheibe von Metallica. „Master of Puppets“ ist schon sehr geil, aber die Riffs auf „…and Justice…“ und die „in your face“-Produktion sind einfach unerreicht! Das Jason Newsted so übel mitgespielt wurde, ist allerdings unter aller Kanone und wirft kein gutes Licht auf Hetfield und Ulrich.

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