Making Of: Orchestral Manoeuvers In The Dark, Architecture & Morality (1981)

25. April 2020

OMDs großer Wurf! Die Story zu Architecture & Morality

Orchestral Manoeveures in the Dark, kurz OMD, gelten als eine der einflussreichsten und kommerziell erfolgreichsten Synthpop/New Wave-Bands der 80er Jahre. Der prätentiöse Bandname deutet schon darauf hin, dass es hier nicht um irgendeine gewöhnliche Band geht. Vielmehr standen immer schon konzeptuelle Ideen im Vordergrund, die gerne im Licht von Kultgrößen wie Kraftwerk, Brian Eno oder David Bowie schwelgen. Heute soll es hauptsächlich um ihr, mit 4 Millionen verkauften Exemplaren erfolgreichstes Album gehen: Architecture & Morality.

Architecture & Morality

Bild aus „Electronics & Music Maker“ 1981, mit freundlicher Genehmigung von mu:zines – http://www.muzines.co.uk/articles/orchestral-manoeuvres-in-the-dark/3645

Gleich vorab, ein herzliches Dankeschön an mu:zines, die uns freundlicherweise ihre Magazinscans zur Verfügung gestellt haben. Die Seite ist ein Online-Magazin-Archiv mit Schwerpunkt 70er und 80er Jahre Musik/Musikelektronik, ich kann die Seite nur empfehlen, lohnt sich sehr zu stöbern und man entdeckt sehr interessante Sachen.

Zur Geschichte der Band OMD

Die britische Band wurde 1978 von Andy McCluskey (Gesang, E-Bass, Gitarre, Keyboard, Synthesizer) und Paul Humphreys (Gesang, Keyboards, Synthesizer) in Wirral, Merseyside gegründet und entstand aus der Vorgänger Band The Id. Die Beiden waren aber auch in einigen anderen lokalen Projekten involviert, eins davon, VCL XI, benannt nach einer falsch abgelesenen Bezeichnung einer Röhre auf dem Back Cover von Kraftwerks Radioaktivität, widmete sich schrägen elektronischen Experimenten mit Tapes, Radios und DIY Synthesizern.

Dem Duo gelang es ziemlich schnell, einen Plattenvertrag mit Factory Records abzuschließen, schon 1979 kam ihre erste Single Electricity raus, ein kleiner Achtungserfolg für die junge Band. Die Beiden spielten daraufhin als Vorband von Joy Division und kurz darauf auch für Gary Numan in relativ großen Venues, was sie schnell ins Bewusstsein der aufkeimenden New-Wave-Szene spülte.

1980/1 – das erste Album von Orchestral Manoeuvres in the Dark

Live war man immer noch zu Zweit unterwegs, na ja fast, ein TEAC 4-Track-Recorder, getauft Winston, war zu der Zeit sozusagen das dritte Bandmitglied. Schnell war Humphreys und McCluskey klar, dass sie nicht mit der Mentalität des Independent-Labels Factory Records zurechtkamen.

Architecture & Morality

Hier ist der TEAC 4-Track-Recorder prominent im Vordergrund

Sie suchten sich für das gesammelte Live-Material, das als Grundlage für das selbstbetitelte erste Album von OMD dienen sollte, ein anderes Label. Mit DinDisc fand sich schnell ein neuer Musikverlag, der als Virgin Sublabel ein relativ hohes Budget zur Verfügung hatte. Das Album war zwar kein riesiger Hit und war auch nicht als solcher geplant, hatte aber zur Folge, dass sich die Band vom Vorschuss ein eigenes Studio einrichten konnte: The Gramophone Suite. Sie heuerten dann Malcolm Holmes von The Id für die Drums an und Martin Cooper, der auf dem Album ein paar Saxophon-Parts beisteuerte.

Das Album ist heute sicherlich Kult – roher Elektropop mit Punk-Einflüssen, stark geprägt von Kraftwerk, Neu! und Brian Enos rockigeren Solo-Alben. Alle Synthesizer-Arpeggios und Melodien wurden per Hand gespielt. Das Live-Drumming wurde oft mit gestimmtem White-Noise direkt auf den Tasten der Klaviatur diverser Synthesizer gespielt (meistens Synthesizer der Korg MS-Serie), ungewöhnlich, aber legitim, strebte man doch den ikonischen Transistor-Drumsound von Kraftwerk an. Dazu gesellt sich der Klang einer Elgam Symphony Combo-Orgel, ein bisschen Korg MS-10 nebst Korg Micro-Preset M-500. Mit kleinen Hymnen wie Messages und Electricity hatten sie schnell eine ausgezeichnete Reputation, für den Durchbruch reichte es aber erst mit dem zweiten Album.

1980/2 – Organisation, das zweite Album

Das Album heißt übrigens wie Kraftwerks Vorgänger-Formation – Organisation, die mit Tone Float nur ein einziges Album hinterließen, das zudem auch nie wieder neu aufgelegt wurde (Ich habe dieses Album als Bootleg, es ist interessant, aber eher eine hippieeske Randnotiz als ein richtiges Kraftwerk Album). Warum Orchestral Manoeuvres in the Dark genau das im Kopf herumgeisterte, weiß ich zwar nicht, aber eine subtile Referenz zu ihrer damaligen Lieblingsband ist es allemal.

Im selben Jahr, als ihr Erstlingswerk entstanden war, war Organisation ihr erster größerer Erfolg. Die Antikriegs-Single Enola Gay, benannt nach dem Hiroshima Bomberflugzeug, eroberte im Sturm die britischen Charts und verkaufte sich weltweit 5 Millionen Mal. Das Album selbst ist relativ düster gehalten, mit seinen an Joy Division angelehnten Songs.

Prominenterweise gesellt sich hier eine Roland CR-78 zu den handgespielten Drumparts und auch die anderen Bandmitglieder wurden stärker ins Bandgefüge mit eingebunden, was der Organizität des Albums guttut und nicht mehr so roh und unbearbeitet wirkt wie noch auf dem Vorgänger. Neben den typischen Korg MS-10 Noise-Drums kommt noch ein MS-20 und ein Pearl Syncussion SY-1 Drumsynth mit an Bord, die jeweils mit zwei Pads getriggert wurden.

Die Formel ist aber noch eindeutig dieselbe, nur alles eben ausgefeilter. Der neu angeschaffte Sequential Circuits Prophet-5 Rev. 2 spielt zudem einen schönen, ausladenden und polyphonen Pad-Sound, während man mit den Roland SH-02 und SH-09 die perfekte Synth-Bass-Begeleitung fand und zusammen das letzte quintessenzielle Puzzleteil des klassischen OMD-Sounds vervollständigte. Genau diese Mischung an Instrumenten und synthetischen Drums findet sich dann auch auf Architecture & Morality.

1980 – 1981 – im Vorfeld von Architecture & Morality

Eine der tragischeren Dinge, die auf der Organisation-Tour passiert sind, hatte eine ungeahnte Auswirkung auf den Nachfolger des Albums. Der Band wurde der geliebte Prophet-5 Rev. 2 gestohlen. Laut Aussage der Band haben sie dann einen Rev. 3 kaufen müssen, weil es die Rev. 2 nicht mehr gab, sie fanden zwar den Sound nicht so überzeugend wie den des Rev. 2 und hatten Probleme, den ursprünglichen Sound der originalen Presets hinzubekommen. Das ergab auch durchaus Sinn, waren in den ersten und zweiten Sequential Circuits Prophet-5 Versionen noch die SSM-Chips verbaut, kamen im Rev. 3 die CEM-Chips von Curtis zum Einsatz, die zwar stimmstabiler waren, aber einen etwas dünneren, weniger warmen Klang hatten.

Sequential Circuits Prophet-5

Laut Band gewöhnten sie sich aber schnell daran und lernten diesen Synthesizer als Ideenbringer sehr zu schätzen, bis heute ist er bei OMD im Einsatz. Zur Tour gesellte sich noch Dave Hughes als Live-Keyboarder, der eher unbeabsichtigt, einen großen Einfluss auf die Aufnahmen des nächsten Albums haben würde. Der Fuhrpark erweiterte sich dann noch maßgeblich um Polymoog und Yamaha CS10.

OMD machten sich dann schnell auf zum großen Wurf, der letztendlich Architecture & Morality werden sollte. Während einige unfertige Songskizzen in der Gramophone Suite erarbeitet wurden, meldete sich Dave Hughes mit einer interessanten Anfrage. Er leitete gerade die Aufnahmen für einen Chor in Liverpool, der in den Amazon Studios vor Ort produziert wurde. Hughes fragte die beiden OMD Köpfe, ob sie nicht Lust hätten, aus eben diesem Material Tapeloops mit Einzelnoten zu erstellen, wofür sie im Austausch eine Kopie des Materials erhalten würden. Angeregt vom Experimentierdrang sagten sie schnell zu und endeten so mit einem Katalog an Einzelsounds gesungener Vokale und Wörter ,bestehend aus Frauen-Chorälen. Ein ganzer Tag wurde nur damit verbracht, diese Bandschleifen zu schneiden, zu kleben und so die besten Stellen in Einzelnoten-Loops zu zerlegen.

Architecture & Morality

Bild aus „Electronics & Music Maker“ 1981, mit freundlicher Genehmigung von mu:zines – http://www.muzines.co.uk/articles/orchestral-manoeuvres-in-the-dark/3645

Das Erstellen von Tapeloops war sowieso schon immer eine der Grundtechniken bei OMD, die schon in den Anfangstagen oft verwendet wurde, als Backingtrack live, für Rhythmusaufnahmen oder auch kleine Soundexperimente, die als Geräusch-Loops im Hintergrund liefen oder Songs einleiteten.
Diesmal waren es eben Chor-Sounds.

Souvenir und die Choraufnahmen – ein Durchbruch für Orchestral Manoeuvres in the Dark

Humphreys mischte diese Loops mithilfe des Mischpults in der Grammophone Suite zu Akkorden zusammen. Fader wurden minutiös ausgepegelt, um den perfekten Klang des Akkords zu bekommen und die Bandmaschine in der Geschwindigkeit heruntergefahren, um tiefere Noten zu erreichen. Sie mixten diese Chor-Akkorde mit dem unfertigen Song-Souvenir. Der Song stammt aber nicht aus der Feder McCluskeys, der normalerweise sang und Texte schrieb, stattdessen war hier zum ersten Mal Martin Cooper mit als Co-Songwriter tätig, der zu der Zeit immer mehr festes Bandenmitglied wurde, gesungen und komponiert hat aber hauptsächlich Paul Humphreys, der dem Song einen ganz anderen, helleren Klang gibt, als wenn ihn McCluskey gesungen hätte. Ergänzend kamen noch Effekte und Prophet-5 Sounds dazu, die zusammen einen Teppich bilden, als Gegenpol eine handgespielte Synth-Melodie, die das Thema ergänzt, ein bisschen Saxophon und eine Synth-Bassline. Dazu findet sich auch ein akustisches Schlagzeug ein, das auf den weiteren Songs immer den Kontrapunkt zu den synthetischen Drumsounds bildet und den Songs in Kombination mit den Orgel- und Mellotron-Sounds etwas akustische Natürlichkeit verschafft, die es in der Form auf den frühen OMD Alben nicht gab.

An sich ist auf dem ganzen Album manchmal nicht exakt rauszuhören, woher welcher Pad-Klang eigentlich genau stammt, diese ganzen Keyboard-Teppiche mit ihrem Reverb beladenen Klang sind sozusagen ineinander verwoben und bilden fast schon eine Wall of Sound. Angetrieben von diesem neuen Klang sollte sich hier schon abzeichnen, dass Architecture & Morality in eine eher ätherische, ambienthafte Grundrichtung gehen wird, zumal viele der Songs langsamer waren als die früheren.

Mellotron – All over the Place

Obwohl sich Frontmann McCluskey nicht so mit dem Song identifizieren konnte, fand man schnell einen gemeinsamen Nenner, der Architecture & Morality in diese neue Richtung trieb. Angestachelt von dem Chorexperiment, das übrigens auf dem gesamten Album immer wieder zu hören ist, einigte sich die Band schnell darauf, ein Mellotron anzuschaffen. Angeblich handelte es sich hier um ein MK-II Modell, das später von einem Novatron 400 SM abgelöst wurde. Laut Aussage der Band war das Mellotron nötig, um die neu entdeckte Affinität zu Chor-Sounds besser kontrollieren zu können, den Chor quasi direkt unter den Fingern zu haben und tonal spielen zu können.

Und genau das sollte das ganze Album prägen – ein Ausloten der Möglichkeiten eines Mellotrons und das Arbeiten mit den Chor-Loops. Ungeachtet dessen benutzte man aber auch den Cello- und Violinen-Werkssound des Mellotrons intensiv. Vor allem auf den Songs Georgia, She’s Leaving und Sealand hört man den typischen Sound des Mellotrons klar heraus. Aber auch auf den anderen Songs war es überall untergebracht.

Mit Michael Douglas holten sie sich dann noch einen weiteren Keyboarder in die Band, der vor allem Live wichtig wurde, das Album besteht aus so vielen Spuren, dass es schier unmöglich war, in der kleinen Besetzung von zuvor weiterzuspielen. Zusammen mit Malcolm Holmes als Drummer und Martin Cooper als zusätzliche Verstärkung, der wieder dezent sein Saxophon einbrachte, hatten sie jetzt ihr klassisches Lineup beisammen.

Ochestral Menoeuvres In The Dark

Bild aus „Electronics & Music Maker“ 1984, mit freundlicher Genehmigung von mu:zines – http://www.muzines.co.uk/articles/junk-culture/7890

Orchestral Manoeuvres in the Dark – Architecture & Morality – die Sessions

Diese fruchtbare Orientierungsphase der ersten Sessions in der Grammophone Suite bildeten schnell einen Grundstock an neuen Songs und Ideen, die dem Namen der Band alle Ehre machten, auf kein Album der Band passt der Bandname Orchestral Manoeuvres in the Dark besser als auf Architecture & Morality. Zusammen mit den Rohaufnahmen ging es dann ab ins Virgin eigene Studio the Manor in Shipton-on-Cherwell, Oxfordshire, bekannt vor allem durch Mike Oldfields Tubular Bells, dem ersten Virgin Album und Artrock/Patternmusik Meilenstein, also durchaus ein namhaftes Studio mit der ländlichen Atmosphäre eines alten Herrenhauses, mit zwei Studio-Räumen und einem durch Mike Oldfield mitverursachten, interessanten Fundus an Tasteninstrumenten, die damals für Tubular Bells angeschafft wurden und teilweise im Bestand des Studios blieben. Außerdem hatte das Studio einen 16-Spur Ampex Recorder, Dolby Noise-Reduction, verschiedenste Halleffekte wie Plattenhall, Tapeechos, Spring-Reverbs, ein Drum-Reverb und ein Grand Piano zur Verfügung, Letzteres wurde auch von der Band genutzt nebst den verschiedenen Hallgeräten. Als Produzenten waren neben OMD noch Richard Manwaring und Mike Howlett verantwortlich. Simon Heyworth wiederum war für Mastering und Sound zuständig.

Virgins The Manor Studio

Die Songs von Architecture & Morality

Oben habe ich wieder das komplette Album als Playlist eingebettet und zwar samt der Bonustracks der Special-Edition,  Architecture & Morality besteht ursprünglich aus 9 Songs, der Rest sind B-Seiten und andere Versionen, klickt euch einfach durch.

Ich denke, das Album hat in gewisser Weise drei unterschiedliche Komponenten. Zuerst waren da diese ätherischen, ambientartigen Soundscapes, die man vor allem Humphreys zuschreiben kann und die ruhigeren Songs darstellen. Die anderen von McCluskey vorangetriebenen Ideen sind von Kirchenchören, gregorianischem Gesang und russischer Folklore beeinflusst und sollten in indirekter Weise eine gewisse pastorale Wucht induzieren, die aber nicht nach Kirchenmusik klingen sollte, sondern eher ein pseudoreligiöses Gefühl beim Hörer auslösen will, was sich auch in den Texten widerspiegelt. Dann waren da noch die OMD typischen Synthpop-Elemente, die natürlich von den Vorgängeralben beeinflusst waren und nicht fehlen dürfen.

Architecture & Morality

Bild aus „Electronics & Music Maker“ 1984, mit freundlicher Genehmigung von mu:zines – http://www.muzines.co.uk/articles/junk-culture/7890

Den Anfang des Albums macht The New Stone Age. Ein komisches, blechernes Knarzen und White-Noise-Zischen leitet einen 4 to the floor BD/Kick-Beat der Roland CR-78 ein und macht den Start, bevor eine scheppernde Rhythmusfigur der E-Gitarre McCluskeys reinpoltert. Dazu noch ein Synthhorn-Sound, der sich schräg durch den Song fräst. Ein komischer, leicht experimenteller Opener, der einen aufs Glatteis führt. Der Text verstärkt diesen Eindruck noch und man fühlt sich danach leicht irritiert, was man da gerade gehört hat. Eine merkwürdige Art, so ein Album anzufangen, aber doch steckt hier klassische OMD Logik dahinter.

She’s Leaving lenkt vom lärmenden Opener sofort in die gegenteilige Richtung ab. Ein schöner, romantischer Synthpop-Song mit einer schmelzenden, schönen Melodie, die einen in Beschlag nimmt. Das alles wird noch durch die String-Sounds des Prophets angereichert, die dem Ganzen einen ordentlichen Zuckerguss überziehen. Im Hintergrund werkelt hier eine Mixtur aus Pads der Violinen und Chorsounds des Mellotron. Die akustischen Drums werden mit den Pearl Syncussion SY-1 Drums erweitert, ein Drumsynth, der über Triggerpads gespielt wird und schon auf Organisation Verwendung fand. Der Song entwickelt mit seinem Stop-and-go-Arrangement immer wieder aufbäumende Klangwolken, die am Schluss noch durch den E-Bass McCluskeys und ein überwältigendes Anschwellen des Sounds in pompöse Gefilde voranprescht. Eine kleine, aber liebliche Urgewalt sozusagen.

Weiter geht’s mit dem schon besprochenen Souvenir, nur soviel noch, der Song war die erste Single des Albums und stieg in die britischen Charts ein und war ähnlich erfolgreich wie Enola Gay. Ich mag denn Song zwar aber persönlich und habe oft das Gefühl, dass es der seichteste Song des Albums ist, zwar wichtig für die Logik und den Sound des Albums, aber eben auch sehr poppig und etwas nichtssagend.

Sealand eröffnet mit einer Melodika und tackernden HiHats, die einen Spring-Reverb Einsatz nahelegen, gut erkennbar an dem resonanten Pling, der entsteht, wenn man Percussion durch die Hallspirale schickt. Dazu noch ein röhrender Pulssound eines Basssynths, wahrscheinlich handelt es sich dabei um einen Roland SH-09 oder SH-02. Die orgelartige Prophet Melodie spielt dann zusammen mit der Melodika eine Harmonie, die sich mit Flötenklängen des Mellotrons abwechselt, bevor am Schluss der Cello- und Violinen-Klang auch gut zu hören sind und den Soundteppich anschwellen lassen. Ein insgesamt sehr ruhiges pastorales Instrumentalstück, das sich erst gegen Mitte in eine gesungene Ballade verwandelt. Nach diesem Teil setzt ein scheppernder Drumpart ein, nur um am Ende, diesmal ohne die Rhythmussektion, wieder zurück in den von Strings und Cellos geprägten Teppich zurückzukehren. Ohne Frage, ein brillantes Stück, gehört für mich zu ihren besten Songs.

Joan Of Arc, die zweite Single-Auskopplung, fängt mit Stimmfetzen und Glockenspielklängen und einem Text über ein katholisches „Mädchen“ an und schlägt damit sofort in das mit Religion kokettierende Konzept des Albums. Bei dem „Mädchen“ handelte es sich natürlich um Johanna von Orléans, der heilig gesprochenen Nationalheldin Frankreichs. Ein sehr merkwürdiges und ungewöhnliches Thema für einen Song. McCluskey orientierte sich hierbei vor allem an Kraftwerk und Eno, die seiner Meinung nach in der Regel auch Songs über ungewöhnliche Themen schrieben. Liebe als Thema ist hier im übertragenden Sinne gemeint, also dem Umstand geschuldet, wie sich Johanna von Orléans dem Glauben verschrieb und sich letztlich dafür geopfert hat und als Märtyrerin in die Geschichte einging. Harter Tobak für ein schräges Liebeslied.
Zum Song selber: ein weiterer, sehr gut arrangierter Popsong mit den typischen Insignien des Albums bestückt. Schön ist hier auch der runde Basssynth der OMD typisch ein handgespieltes Arpeggio ist. Im Chorus des Songs entladen sich dann die elegischen Stringpads und stimmen so eine Hymne ein. In England schaffte Joan Of Arc es auf Platz 5 der Charts und kam aber nicht in allen Ländern als Single raus.

Der nächste Titel ist die mit Abstand, bekannteste und erfolgreichste Single OMDs und wurde zum meistgespielten und meistverkauften Song des Jahres 1981 mit hohen Chart-Platzierungen in Deutschland, Japan, England und Holland – Maid Of Orleans. Zudem gleich der zweite Song, der sich mit Johanna von Orléans beschäftigt. Die Inspiration dafür kam McCluskey in Frankreich, nachdem die Band auf Tour Schauplätze der Jungfrau von Orléans besichtigte. McCluskey begab sich daraufhin in die Bücherei und befasste sich intensiv mit dem Thema, es war vielleicht noch nicht mal so ein großer Zufall, das 550. Jubiläum des Todestags der Heiligen stand nämlich bevor. Ich bleibe dabei, komische Idee für einen Song, aber großartige Komposition. Der Rhythmus war übrigens von Aufnahmen der Edinburgh Military Marching Band inspiriert, die wohl McCluskeys Mutter gern gehört hat.

Andy McCluskey in eigenen Worten über den Song, übernommen von der offiziellen OMD Seite:

„The intro was a problem for radio and we did do edited versions where it was shortened. The idea came about because we actually had the song recorded but thought the track started oddly and needed something else to announce it’s arrival. At the time of A+M we were making a lot of music that was ambient soundscapes. The natural thing was to give the song an intro that set up the feel for the main themes to resolve out of the noises.
It’s not meant to ‚mean‘ anything specific, just set up a feeling to let the track grow out of the strange noises. I think that it worked well!
BTW.. for the sound anoraks… most of the noises are melotron vocal sounds slowed down/sped up and greatly distorted simply by completely overdriving the old Helios desk in The Manor Studio. Pink noise and snare drum in lots of reverb.“

Der Song Architecture And Morality ist wieder wesentlich experimenteller und über und über voll mit dem Chor und Cellos des Mellotrons. Man hört aber auch gleich zu Beginn eine der Chor-Loop-Snippets. Zusammen mit der repetitiven Melodie und einem pulsierenden Synth-Percussion-Sound gibt es hier wieder dieses fürs Album typische Wechselbad an Soundscapes und postoralen Klängen.

Georgia ist ein schnellerer Popsong mit typischer OMD Melodie und fetten Synthtubas, die dem Song schon fast etwas Albernes geben. Im Hintergrund dudeln Fieldrecordings von Radiosnippets und Geräuschen.

The Beginning And The End ist der gelungen Abschluss für dieses ätherische Album und seinen fast schon zu vollgepackten Sound-Eskapaden. Hier gibt ein Chor-Sample und die Gitarre den Ton an und entlassen einen mit einem träumerischen Ende, begleitet von einem Piano, in die unprätentiöse Realität des Alltags.

Architecture & Morality war Orchestral Manoeuvres in the Darks großer Erfolg, die Singles verkauften sich zusammengerechnet über 8 Millionen Mal und insbesondere Maid Of Orleans dominierte den Klang des Jahres 1981. Der Titel wurde von Martha Ladly, von Martha and the Muffins, vorgeschlagen und spielte auf das Buch Architecture and Morality des Historikers David Watkin an. Das Artwork war hier auch wieder von Peter Saville und Brett Wickens. Ersterer gut bekannt als Hofdesigner von Factory Records.

OMD

Bild aus „Electronics & Music Maker“ 1981, mit freundlicher Genehmigung von mu:zines – http://www.muzines.co.uk/articles/orchestral-manoeuvres-in-the-dark/3645

 

Fazit

Orchestral Manoeuvres in the Dark machten ja sehr gerne mal weite Sprünge von Album zu Album, vielleicht manchmal zu weit, was eventuell Fans vergraulte. Dieses Album war das letzte, das die Fans noch vereinte und unzählige neue Hörer dazugewinnen konnte, ohne die alten Fans komplett vor den Kopf zu stoßen. Trotzdem ist Architecture & Morality ein Sprung, den es erstmal zu verdauen galt. Der Sound ist geprägt von langsamen Akkordfolgen und üppigen Arrangements die absichtlich etwas Religiöses implizieren wollten und einen künstlichen Naturklang heraufbeschwören, der aber einen warmen und sehr menschlichen Vibe hat. Zuweilen wird Architecture & Morality etwas schwülstig, prätentiös und ätherisch oder doch eher pompös und überfrachtet? Egal, fest steht, das Album war erfolgreich, meiner Meinung nach zu Recht, auch wenn ich den merkwürdigen Nachfolger Dazzleships (ein riesen Flop nebenbei bemerkt) viel lieber mag (und auch die beiden ersten) hat Architecture & Morality ein schlüssiges Klangkonzept und viele durchdachte Ideen, selbst wenn es bei einigen Songs nur dazu dient, einen romantischen Film im Kopf abzuspielen, träumerisch, schön aber auch ein bisschen drüber. Für mich ein Meilenstein, den ich weniger als Elektropop-Werk sehe, als eher einen Einfluss der ätherischen frühen Dreampop-Bands wie Cocteau Twins oder This Mortal Coil.

Forum
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    iggy_pop  AHU

    Mein Lieblingsalbum von OMD, und das zweite Album in meinem Leben, wo ich bewußt über den Begriff „Mellotron“ gestolpert bin — der Beginn einer lebenslangen Freundschaft.

    Oder sollte ich lieber sagen „Haßliebe“?

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      iggy_pop  AHU

      A propos „Melleotron“ — ich weiß nicht, wo der Unfug herkommt, daß OMD angeblich ein Mk. 2 verwendet haben sollen (offensichtlich von jemandem, der keine Ahnung hat vom Klangarsenal des Mk. 2): OMD kauften sich ein gebrauchtes Mello-/Novatron M-400: I don’t quite know how, but suddenly we discovered the Mellotron […] so we bought a second-hand M400. We were fortunate that it had a load of tapes with it, so we had a very interesting set of sounds. And off we went. […] As soon as we got hold of the Mellotron with the strings and the choirs, it was like ‚oh, listen to that!‘ and we immediately started writing songs with it.“ Nachzulesen im Interview mit McCluskey im (ansonsten eher mediokren) „Mellotron“-Buch von Nick Awde.

      Wenn ein Song das Mellotron in den Fokus rückt, dann ist es das Titelstück mit dem Male Choir Akkord (nix Snippet) und seiner industriellen Maschinenästhetik, und „Maid Of Orleans“ wäre ohne die Three Violins für die Melodiestimme wahrscheinlich nicht das geworden, was es ist.

      Klaus Hoffmann-Hoock erzählte mir mal die Geschichte, daß er OMD 1982 in der Düsseldorfer Philipshalle live gesehen hatte während der „Architecture & Morality“-Tour, und seinen Worten nach war das Mellotron von OMD das schrillste, das er je gehört hatte: „Die Three Violins, die die Melodie von ‚Maid of Orleans‘ spielten, gingen wie eine Kreissäge durch das Publikum. Das wäre was für Dich gewesen, Steffi.“

      Vergessen wurde bei der Aufzählung der Instrumente der prominent eingesetzte EKO Rhythmaker, ein Preset-Klopfgeist, der z. B. „Joan of Arc“ und andere Titel mit seinen knochentrockenen Hihats und der mittigen Kickdrum ergänzt.

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        Frank Prager  RED

        War mir klar das der Iggy das sieht (hast an anderer Stelle schon mal von OMD geschwärmt). Offensichtlich hat der Autor unter Umständen wirklich keine Ahnung von Mellotrons (außer vielleicht von den MKII Samples auf seinem Computer :)
        Danke für die Ergänzungen, du hast recht mit dem Mellotron, da hat sich ein Fehler eingeschlichen, ich hab eine Quelle falsch zitiert, aus einem Inteview, indem von einem M 400 MK 1 die Rede war. Das hab ich beim drüberlesen übersehen, war mir aber bewusst.

        Wir können das bestimmt noch fixen, falls Dirk noch Zeit übrig haben sollte, wäre sehr nett.

        Bei dem Song Architecture And Morality höhrt man beides, sowohl Mellotron und auch die Loops, hör mal genau auf den Anfang und das Ende, da ist noch was anderes als der Male Choir, nur so am Rande, der Rest ist aber voll davon.

        Das mit dem EKO Rhytmaker ist mir nirgends untergekommen bei der Recherche, grundsätzlich sind jegliche Ergänzungen immer sehr willkommen. Ich hab leider ein begrenztes Arsenal an Quellen, vor allem aus der Enstehungszeit des Albums, da geht manchmal auch was unter, geschweige denn ein Mellotron Buch, ist bestimmt interessant. Also nimms nicht so persöhnlich, ich freu mich über jeden Beitrag.

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          iggy_pop  AHU

          Beim Titelstück hört man im Hintergrund ein paar Einzelnoten auf dem Mellotron, die mit halber Geschwindigkeit wiedergegeben werden, was diesen spukhaft wabernden Chorklang erzeugt. Ob OMD ein modifiziertes M400 hatten, das auf halbe Wiedergabegeschwindigkeit umgeschaltet werden konnte (wie das M400 von Steve Dinsdale/RMI), weiß ich nicht. Wahrscheinlich haben sie eher eine Phrase auf Tonband aufgenommen und dann eingespielt (womöglich sogar rückwärts — mit Tonband kann man viel schönen Unsinn anstellen).

          Bei Bohren & Der Club Of Gore hört man das ebenfalls sehr schön — Morten Gass benutzt heute live ein Resch M4000D Mini, das — wie auch das Memotron — über dieses Halfspeed-Feature verfügt.

          Mit „M400 Mk. 1“ wird wahrscheinlich gemeint sein, daß es ein Mellotron und kein Novatron war. Ich kann mich leider nicht mehr erinnern, was John Bradley über das Thema erzählte, als wir damals zu Besuch in der Culture Corner waren.

          Den Rhythmaker habe ich mal irgendwann in einem Bericht gelesen oder abgebildet gesehen, und da ich dieses Ding auch mal hatte, kann ich bestätigen: Dieser Klopfgeist ist auch auf A&M zu hören.

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                Frank Prager  RED

                War für mich auch neu, bin durch die Recherche erst draufgestoßen, wie gesagt es waren Loops aus Vokalen, geb dir aber recht, dass sie klingen wie drübergesungen. Das ist ja auch das interessante, es klingt nicht maschinell.

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        Mick  AHU

        „und „Maid Of Orleans“ wäre ohne die Three Violins für die Melodiestimme wahrscheinlich nicht das geworden, was es ist.“
        Nö, das war einzig und alleine das Schlagzeug was den Song zu einem Hit machte!

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    Henrik Fisch  

    Enola Gay
    Als das Album mit dem Song heraus kam, hatten ein Kumpel und ich eine (sehr einfache) Elektropop-Band. Wir hatten uns von unserem hart ersparten, erarbeiteten und von den Eltern geliehenem Geld beide Keyboards gekauft: Ich ein Yamaha »SK10«, er ein Casio-Keyboard mit Rythmus-Begleitung.

    Ich war damals total stolz, dass ich einen Keyboard-Riff zusammen gebastelt hatte, der meiner Meinung nach echt etwas Magisches hatte (und das zu einem Zeitpunkt, an dem ich noch keine Ahnung hatte, was der Begriff »Riff« überhaupt bedeutet). Das Lied war klasse, stützte sich auf dieses Riff und hat einfach Spaß gebracht zu spielen.

    Und dann habe ich »Enola Gay« im Radio gehört. Und mir ist vor Schock die Kinnlade herunter gefallen: Die hatten EXAKT MEINEN Riff verwendet (das, direkt vor dem Gesang). Damit war mein Stück natürlich erledigt, zumal »Enola Gay« auch noch Riesen-Erfolge verzeichnet hat. Natürlich war ich damals schon nicht so vermessen zu glauben, dass OMD aus England tatsächlich etwas von mir kleinem Schüler-Wutzelzwerg aus Norderstedt/Schleswig-Holstein geklaut hätten. Es war purer Zufall. Tja, aber so etwas passiert. Und es hat mir die beruhigende Erkenntnis gebracht, dass die Großen auch alle nur mit Wasser kochen (wenn auch mit deutlich mehr, als man selber zur Verfügung hatte).

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      Frank Prager  RED

      Witzige und traurige Geschichte. Liegt aber auch ein bischen an der simplizität des Songs, mir ist sowas auch schon passiert, weniger mit Riffs und Melodien als mit kompositorischen und Sounddesign- technischen Ideen, irgendwer kommt immer früher auf was. Mit der Natur ist es das selbe, Stichwort konvergente Entwicklung. Das kann aber auch zum Weitermachen anregen :)

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        Henrik Fisch  

        Mir war damals zum Heulen zumute, heute finde ich’s saukomisch. Und natürlich ist der Song – bzw. mein eigenes Machwerk – total einfach; so’n bischen wie »Alle meine Entchen«. Da können schon mal mehrere drauf kommen. Wie schon geschrieben hat es mir damals aber eben auch gezeigt, dass die »Großen« auch nur die Sachen machen, die man selber auch so macht. Das Thema ist also nicht die Kreativität, sondern eher die Vehemenz, die dann auch andere überzeugt. Das war sozusagen eine Lebenslektion.

        Aus den erwähnten Gründen mag ich den Song trotzdem auch heute noch nicht. 😉

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          Tomstone  

          Hi! Das Gefühl kenne ich. Vor ein paar Wochen habe ich ein kleines Konzert eingespielt. Als ich fertig war, war ich fertig. Irgendwie klang das bekannt. Aber das Schlimmste ist, ich weiß nicht woher. Nun ist es in meinem Fall vollkommen egal, denn mich kennt keiner (Gott sei Dank!) und auf den bislang über 100CDs wird sicher die ein oder andere Nummer sein, die schon irgendwann irgendwer ebenfalls gefunden hat oder finden wird.
          Sei nicht traurig, immerhin sind auf Deine Musik ein paar Leute gekommen, die es zu bescheidener Popularität gebracht haben. -Okay, ich weiß nicht, ob das tröstet. :)
          Also, bleibt gesund!
          gruß
          Tom

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            Willemstrohm  

            Ach, mich erinnert das an meine Hafenkneipenmusikerzeit. So um 1962 hab‘ ich mit der Klampfe vor’m frisch eröffneten Star-Club in Hamburg einen Song zum Besten gegeben, den ich „Schwesterherz“ betitelte. So 3 Jahre später hörte ich dann ’nen Song aus ’ner Jukebox, der genau so klang wie meiner und „Yesterday“ hieß. ;-) C’est la vie.

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              Tomstone  

              Hi! Und bitte nicht die Flying Mantas aus Rüsselsheim vergessen, die damals den Hit „Opel hier, Opel da, springt nicht aaahann“ gesungen haben. Erschien dann in einer kruden, englischen Übersetzung bei Apple Records, dem einzigen Apfel, der mal was vernünftiges und bezahlbares gemacht hat.
              gruß
              Tom

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      Wah-Wah

      Ich glaube, es wäre ein Denkfehler, wenn man meinen würde, dass die erfolgreichsten Popsongs besonders kompliziert oder schwierig zu spielen sein müssten. Wahrscheinlich ist genau das Gegenteil der Fall. „Da Da Da“ ist so ein Beispiel. Man stelle sich nur vor, eine unbekannte Band würde das Stück heute ins Internet stellen. Aber damals passte es wie die Faust aufs Auge. Worauf es also viel mehr ankommt ist, mit einer netten kleinen Idee zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein. Und da hattest Du leider Pech, dass Du nicht am richtigen Ort warst ( der Zeitpunkt war schon mal gar nicht so schlecht ). Aber wenn es Dich tröstet, so ging / geht es wohl vielen anderen tausenden von Musikern neben Dir auch.

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        iggy_pop  AHU

        Die kanadische Synthipopband Rational Youth war Anfang der 1980er ein kleiner Szenetipp, der auch in Europa Gehör fand. Einer ihrer kleinen „Hits“ hieß „Saturdays in Silesia“, und der Eingangsriff wurde später 1:1 von den Pet Shop Boys für „Rent“ übernommen. Soviel zum Thema „schlechtes Timing“.

        Oops, wrong planet. Paßt da eher.

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      Codeman1965  

      @ Henrik:

      Ich komme auch aus Norderstedt (Bad Friedrichsgabe), und uns ist das damals ebenso passiert!
      Bei uns waren’s Depeche Mode, die Stories of old bei uns abgekupfert haben.
      Tja, Nordertown war wohl so etwas wie der VFL Bochum bei der Spielerausbildung:
      Die Einen machen die Drecksarbeit, die Anderen fahren die Ernte ein. :-)

      Schon verückt…

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    costello  RED

    Ganz herzlichen Dank für diesen detaillierten und schön geschriebenen Bericht! OMD waren eine Synthesizerband, die ich erst unterschätzt habe – so ein bisschen nach dem Motto „Electricity“ = „Simplicity“. „Enola Gay“ und die „Maid Of Orleans“ fand ich damals schon toll und ich muss sagen, diese Band lieferte auch in den letzten Jahren tolle Alben ab, die ich gut hören kann: „History of Modern“ und“English Electric“ beispielsweise.

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      Frank Prager  RED

      Danke auch. Ich mag vor allem die Dazzle Ships, mein OMD Lieblingssong ist eigentlich Genetic Engeneering. Mit A&M stand ich längere Zeit auf Kiregsfuß aber ein par Songs sind einfach brilliant und das Gesamtkonzept ist auch sehr schön. Die neuen Sachen sind ok aber ein bischen zu „Plastikartig“ für meinen Gemschack aber ich finds toll dass sie teilweise noch immer mit dem alten Equipment herumtüfteln.

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      TobyB  RED

      Die letzten drei Alben, History of Modern, English Electric und insbesondere The Punishment of Luxury sind für mich Klasse. Dresden(Enola Gay für das 21 Jahrhundert), What have done, The Punishment of Luxury, Isotype sind Gänsehaut Tracks. Das muss man den beiden lassen. Ich finds gut das die beiden sich wieder zusammengerauft haben. Auf ITV hab ich mal so eine Electropop Ranking Show gesehen mit Marc Almond als Host, was mich da gewundert hat, die waren nicht in den Top 10. Dafür aber die Thompson Twins oder Tears for Fears.

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        Frank Prager  RED

        Rankings sind krude, was die Verantwortlichen halt grad so in ihrem Nostalgie Topf rumliegen haben. Siehe die ganzen 80s Shows.

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          TobyB  RED

          Ich habs auch nicht verstanden. Ich vermute ja das OMD für UK das sind , was Kraftwerk für Deutschland ist. Wobei OMD eher die Jungs von Nebenan sind. So hab ich zumindest Humphrey mit Claudia Brücken bei einem Onetwo Gig im Nachtcafe FFM erlebt und OMD im Hammersmith Odeon 20.11.2019. Ich hatte auch nicht den Eindruck das es aufgesetzt war. Vielleicht sind die einfach zu normal „für eine Rankingshow“ ;-)

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            Frank Prager  RED

            Ich glaube die wurden einfach vergessen. Es gibt ja auch einfach zu viele Synthpop Bands. BTW hätte ich die Thompson Twins durch Talk Talk ersetzt, die sind wenigstens classy.

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            gaffer  AHU

            Steile These, Toby (Kraftwerk/OMD), aber ok, ich höre sie mir nochmal genauer an. Ich hatte die Szene damals miterlebt, ja mit Schaumburg, Neubauten DAF und OMD war ganz funny, aber ernst genommen hat die fast niemand. Aber ich werde das nochmal prüfen und auch Dazzle Ships mal intensiver anhören.

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              TobyB  RED

              Hallo Gaffer,

              das ist nicht auf meinem Haufen gewachsen, die beiden kokettieren mit dem Vergleich in etlichen Interviews in The Guardian. Dazzle Ships fällt laut OMD in die Kategorie how to burn squids. Oder heroic failure. Oder einfach nur Größenwahn gepaart mit Schreibblockade.

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        Frank Prager  RED

        Hab vor kurzem zwei NDW „Dokus“ auf WDR gesehen, plus eine Show mit Video Schnippseln mit Promis als Kommentatoren. Die eine über Nena, die andere über die Hagen Szene.

        Titel: 99 Luftballons über Hagen – Nena, Extrabreit und die Anderen

        War natürlich ein bischen langweilig und beliebig, aber die Reaktion der „Promis“ auf DAF war einfach nur genial, so nach dem Motto, was zu Hölle ist das denn, hab ich ja noch nie gehört. Oder auch bei „Der Plan – Da Vorne Steht Ne Ampel“ , „das soll ein Hit gewesen sein?“ Die „normalen Hörer“ haben die erste Welle der NDW mit ihren Punk Wurzeln halt nie wahrgenommen. Frag mich echt was passieren würde, wenn man solchen Leuten Palais Schaumburg oder die Neubauten vorspielen würde, die verdutzten Gesichter würde ich gerne sehen :)

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          TobyB  RED

          Die deutsche Musikszene ist medial ziemlich unwuchtig ausgeleuchtet. Der WDR ist da ganz vorne dabei ;) auf der einen Seite wird alles aus Köln abgefeiert und wehe es kommt was aus Düsseldorf. Dabei dürfte der Einfluss des Ratinger Hofes als Nukleus der deutschen Punk und Electroszene wohl gegeben sein. Ich hege ja die Vermutung, das NDW und Karnevalsmusik der Jetzt-Zeit aus dem selben Suppentopf kommen. Mit NDW kannst mich jagen. Da geb ich mir dann lieber erst Fehlfarben, dann Neubauten und dann Propaganda oder Tomm Stumpff Contergan Punk oder Ultra. ;-) Hagen ich vergleiche die Stadt immer mit Stoke on Trent, es ist besser wenn man da in einer Band ist. Ansonsten kann einem da schon die Decke auf den Kopf fallen.

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            lightman  AHU

            Geh‘ mir weg mit Licht, da kommt doch nix Gescheites dabei raus. Musikjournalismus ist zu 70% selbstgefällige Hit-Suche, die schon viel kaputtgemacht hat.

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            Frank Prager  RED

            Joa geht mir änlich, mir war nur langweilig und wollte was zum berieseln, ich hab aber einen Sweetspot für die ersten beiden Joachim Witt Alben und den späten Andreas Dorau Alben. Vor kurzem gabs auch noch ne „Ratinger Hof“ Doku vom WDR, hab ich aber noch nicht geschaut, bezweifle aber das die richtig gut ist. In Hagen war ich noch nie, hab aber mal ne Zeit lang in Essen gewohnt war nicht meins, kann man aber natürlich nicht mit dem kleinen Hagen vergleichen.

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              gaffer  AHU

              @Frank Prager – Bei Edelweiss, voll dabei. Strenges Mädchen, allein die Drums von Liebezeit (ich glaube der war’s doch).

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                Frank Prager  RED

                Ja das stimmt, auf Silberblick und Edelweiß spielt Jaki Liebezeit Schlagzeug. Überhaupt hat diese Phase von Witt einen starken motorischen Einschlag, „Sonne hat sie gesagt“ ist auch fast ne düsseldorfige Nummer von der musikalischen Logik her. Liebezeit hat übrigens auch bei den Michael Rother Alben Schlagzeug gespielt.

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    teofilo  

    Eine Erleuchtung (für einen 11-jährigen), unfassbare Sounds und Melodien. (Solar)Electricity ist ein Meisterwerk (selbst textlich). Ich habe das für mich mal gecovert. Dabei taucht man in die Einfachheit/Genialität des Songs ein. Ich habe dafür ähnlich klingende, jedoch moderne Sounds verwendet. Hörende finden meine Version gut, ich auch, aber das Original ist ist unerreichbar. Oder ist das nur persönliche Wahrnehmung? Wer Maid of Orleans oder auch Enola Gay nur aus 80er Jahre Radios kennt, wird das gut finden, aber in den frühen 1980ern – dieser Sound – diese Stimme – diese Stimmung… Ich habe immer noch ein genaues Bild im Kopf, wenn ich an die frühen OMD denke. Wenn die hier mitlesen würden (einer war ja mit einer – sehr guten – Deutschen liiert) DANKE!

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      costello  RED

      Inklusive eines Covers des Kraftwerk-Klassikers „Neon Lights“ auf Sugar Tax von 1991 :)

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          Frank Prager  RED

          Eine Tropicana Version von Neon Lights sozusagen ;) finds auch komisch, man hört die frühen 90er heraus sickern aber irgendwie hat das auch schon wieder was, ein cover soll ja auch eigenständig sein.

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            costello  RED

            Sugar Tax schaffte es in Großbritannien tatsächlich nochmal auf Platz 3. Was ich sympathisch finde: Das Album wurde mit absolut bezahlbaren Gear produziert. Unter anderem Matrix 1000, Akai S1000, Korg M1 und Alesis HR16.

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                costello  RED

                Ob sie ihre Kohle verballert hatten, weiß ich nicht. Aber das Equipment war wirklich bezahlbarer Standard, keine Extravaganzen: Ein Roland Super JX war noch dabei, ein Yamaha TX81Z, eine Yamaha RX-5, Roland D110, ein Proteus von E-Mu und etwas von Casio. Der englische Wikipedia-Artikel hat die komplette Liste: https://kurzelinks.de/7x5c

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                iggy_pop  AHU

                Du liegst wahrscheinlich gar nicht mal so falsch. Ich meine, daß es Ende der 1980er, Anfang der 1990er ziemlichen Knatsch zwischen Humphries und McCluskey gegeben hatte, und ich denke, im Zuge der Auflösung der alten Band, der Rechtfrage, wer den Bandnamen unter welchen Bedingungen weiterführen darf, und dem Druck der Plattenfirma, wird das Eine oder Andere auf der Strecke geblieben sein.

                Billigequipment hin oder her: Der S1000 kostete damals im Vollausbau fünfstellig, der Rest im unteren bis mittleren vierstelligen Bereich. Mit solchem „bezahlbaren“ Gear hätte ich Anfang der 1990er auch gerne gearbeitet. Es reichte aber nur für Minimoog und Roland Vocoder Plus.

                Zum Glück.

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                  TobyB  RED

                  Allzuviel kann das nicht gewesen sein Iggy, Mc Cluskey und Humphreys haben ja immer mal wieder ihr Lieblingsgear präsentiert und McCluskey ist nicht so der Typ der was verscherbelt. In einem Rechtstreit mit irgendeinem Label konnte er die Namensrechte an OMD sichern. Nach Dreaming war bei Humphrey wohl eher die Luft raus.

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                    Frank Prager  RED

                    Ja TobyB hat recht, ein par Schätzchen haben die auf jeden Fall noch, da gibts einige Interviews auf Youtube. Außerdem glaube ich auch dass McCluskey bei jedem Album neue Instrumente verwendet hat, um quasi ein neues Kapitel aufzuschlagen. Diese Veränderungen waren gewollt. Rückblickend fand McCluskey auch die ersten vier Alben am kohärentesten, wie er sagt, vor allem im Vergleich zu den darauffolgenden (auch die ohne Humphreys). Die neuen Sachen sind ja auch eher wieder ein Rückgriff auf die alten Stärken der Band.

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                      TobyB  RED

                      Hallo Iggy,

                      Mr. Mc Cluskey ist nicht unclever. Er war ja nicht der einzige der sich gegen die unfairen Vertrags-Klauseln der UK Labels wehren musste. Siehe auch Frankie Goes To Hollywood, Holly Johnson. 30 Seconds to Mars et al. Die meisten Verfahren hatte übrigens Virgins/Island Richard Branson an den Hacken. Ein echter Philanthrop. ^^

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        iggy_pop  AHU

        Das war ja so übel…

        Ich kann mich noch erinnern, wie im Frühsommer 1984 Mal Sondock in seiner mittwöchlichen Radiosendung im WDR die neue Single von OMD ankündigte, „Talking loud and clear“ — und der kleine Steffi sitzt voller Vorfreude („juhu, OMD!“) vor seinem Universum-Radio-Cassettenrecorder, um die Aufnahmetaste zu drücken. Ich erinnere mich noch ebenso gut an mein fassungsloses Entsetzen angesichts dieses dümmlich vor sich hin klingelnden Stücks Musik.

        Für mich persönlich waren OMD nach „Architecture & Morality“ im Prinzip uninteressant geworden; die „Dazzle Ships“ war für mich ein über weite Strecken eitler Ausflug in die Möglichkeiten des Samplings und der Fairlightspielereien — was für Jarre „Magnetic Fields“ war, war für OMD „Dazzle Ships“.

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          Marcus_Kiel  

          Fand ich super! Vor dem Küchenzelt im Jugendlager abgehangen mit den coolen Großen. Da liefen den ganzen Tag Mixtapes. Die haben bei Herbert Grönemeyer abgegrölt..Männer… , und ich fand „talking loud and clear“ einfach wunderschön.

          „Dazzle Ships“ war mein einziger OMD Langspieler und ich habe es geliebt. Das war einfach anders und teilweise sehr melancholisch. „International“ war mein Favorit. Bewertet und eingeordnet habe ich damals nichts, sondern einfach nur gehört.

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        teofilo  

        Wenn ein Cover gelingt, ist ein Gêniestreich, wenn nicht, das Grauen. Das ist Chance und Risiko von Covers;o)

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    swissdoc  RED

    Zu „Maid Of Orleans“ habe ich damals Walzer tanzen gelernt, Der DJ in der Tanzschule hat den Plattenspieler etwas heruntergepitcht und das Intro übersprungen. Dann ging es im 3/4 Takt los.
     
    Cha-Cha-Cha war der Anfang und dazu lief Kim Carnes – Bette Davis Eyes. Wilde Zeiten waren das.

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    teofilo  

    Nachdem ich euphorisch erst mal was zum enormen Einfluss des Albums/OMDs sagên „musste“, noch mal herzlichen Dank an den Autor für den ausgezeichneten (strukturiertên, verlinkten, bequellten) Artikel – Weltklasse!

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    Viertelnote  AHU

    Maid of Orleans ist einer meiner Lieblingssongs.
    AndyMccluskey trifft zwar hier kaum einen Ton sauber, aber das Gesamzkonzept ist
    hier stimmig.

    „Sugartax“ ist für mich das größte Album, finden sich hier doch alle Synthesizerklassiker der 80er
    wieder (D50 usw.)

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    Viertelnote  AHU

    was mir noch an Fragen einfällt:

    Die Cover sind immer ziemlich „schmucklos“ gehalten.
    Wer hat die gemacht? Weiß jemand da etwas genaues dazu?

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      Frank Prager  RED

      Steht ganz unten im Text:

      Das Artwork war hier auch wieder von Peter Saville und Brett Wickens. Ersterer gut bekannt als Hofdesigner von Factory Records. Peter Saville hat übrigens auch viele New Order Cover gestaltet.

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        Willemstrohm  

        Die Inspiration zu Covergestaltung generell bei Saville lag übrigens bei Kraftwerks „Autobahn“. So schließt sich auch wieder der Kreis zur Düsseldorfer Elektronik.

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          TobyB  RED

          OMD haben Düsseldorf ja eh immer als eine musikalische Heimat gesehen. Zumindest sagen sie dieses in Electri_City und Paul Humphreys war ja mit Claudia Brücken liiert. Da schliessen sich dann mehrere Kreise.

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