Blue Box: Korg MS-20, Analogsynthesizer

21. Mai 2011

Halbmodular und schmutzig

Vorwort der Redaktion:

Wie bereits beim Blue Box Artikel „Roland SH-5„, so hat uns Martin Reuter nun auch für den „Korg MS-20“ wunderbare Aufnahmen (gekennzeichnet durch ein MR in der Bildunterschrift) überlassen, die auch die optischem Qualitäten dieses Synthesizers eindrucksvoll vermitteln. Selbstverständlich lassen sich alle Bilder auch vergrößern. An dieser Stelle ein herzliches Danke an Martin Reuter.

Wer sich für den Nachfolger KORG MS-20 mini interessiert, der findet übrigens HIER den Test dazu.

Der KORG MS-20

Der MS-20 kam 1978 auf den Markt und revolutionierte zusammen mit seinen Geschwistern MS-10, MS-50 sowie dem Sequencer SQ-10 den Synthesizer-Markt. Das bis 1982 gebaute und in Deutschland bis 1984 (!) erhältliche Instrument wurde für attraktive 1.200 DM angeboten und erfreute sich als kleines Quasi-Modularsystem großer Beliebtheit.

Ein Klassiker, der Korg MS-20 (MR)

Natürlich stellt der MS-20 keinen echten Modularsynthesizer dar, doch zumindest einen gut bestückten Monophonen mit umfassenden Patch-Möglichkeiten. Ein ARP-2600 war zu Beginn der 80er Jahre mit weit über 6000 DM immer noch verhältnismäßig teuer, und an „richtige“ Modularsysteme à la PPG, Moog oder Roland war gar nicht zu denken. Selbst die kleinste System-100M-Variante mit nur 3 Modulen und Tastatur kostete mit 3000 DM deutlich mehr als ein MS-20. Dann hatte man jedoch mit nur einem VCO (VCO-VCF-VCA Kombinationsmodul 110) verhältnismäßig geringfügige klangliche Möglichkeiten. Sogar der Basis-Synthesizer 101 des System 100 aus dem Jahre 1977 war mit über 1500 DM teurer als ein MS-20. Als günstige (und sehr gut klingende!) Modularsynthesizer-Alternative gab es zwar den Elektor Formant, jedoch war das selbständige Zusammenbauen der Platinen samt Erstellung des Gehäuses etc. nicht jedermanns Sache (und die gefertigten Produkte waren – wie man auch heute am Gebrauchtmarkt noch gut sieht – von sehr unterschiedlichem qualitativen Niveau).

Dass der MS-20 den Synthesizer-Markt revolutionierte bedeutet jedoch nicht, dass er uneingeschränkt erfolgreich war. Zwar erblickten mehr als 20 000 Instrumente das Licht der Welt (Quelle: Colbeck, Julian: „Keyfax Omnibus Edition, 1996), doch hatte der MS-20 trotz allem in gewisser Weise Pech. Ausgerechnet 1978 interessierte sich die Weltöffentlichkeit NICHT für einen attraktiv günstigen monophonen Synthesizer mit Patchfeld. Es war das Jahr des Sequential Prophet-5. Alle Augen richteten sich nach Amerika, wo Dave Smith nach kürzester Entwicklungszeit der Überraschungs-Coup gelang und das bis heute legendärste Sequential-Instrument der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Dieses Ereignis überschattete alle anderen Highlights am synthetischen Keyboard-Markt, die sowohl in den Vereinigten Staaten (Stichwort Oberheim OB-X), als auch in Japan (Stichwort Korg PS-3200, Yamaha CS-80, etc.) zu glänzen versuchten.

Herr Mieda (damaliger Leiter der Ingenieursabteilung bei Korg) und Herr Mori (Spezialist für die Entwicklung neuer Syntheseformen) entwickelten den MS-20 als abgespeckte Version der großen, klobigen (und ausgesprochen teuren – wenn auch sehr hochwertigen) polyphonen PS-Synthesizer. Dabei war es natürlich vor allem das Patch-Panel, das den MS-20 gegenüber der Konkurrenz hervortreten ließ. Bis heute ist dieser monophone Klassiker mit der etwas (sehr höflich formuliert) klapprigen Tastatur und der genialen High-Pass-/ Low-Pass-Filterkombination eines der beliebtesten Instrumente am Synthesizer-Markt. Das verdeutlichen auch die Preise, denn nach verhältnismäßig ausgewogenen 500 bis 750 Euro der späten 90er Jahre bzw. des sehr jungen 21. Jahrhunderts klettern die Preisvorstellungen für den MS-20 bereits eindeutig in die 1.000 Euro-Region.

Im trauten Kreise der Verwandten: MS-20, PS-3100 und Korg 770

Zwar kann man mit etwas Glück noch ein Instrument für 800 Euro auftreiben, doch ist das schon eher die Ausnahme. Trotz allem finde ich, dass der MS-20 grundsätzlich nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Er liefert eine derart eigenständige und anziehende Palette an analogen Klängen, wie sie nur wenige – in dieser Art aber ohnehin KEINE – anderen Geräte zu erzeugen vermögen. Ob das nun einem gerechtfertigten Gegenwert von 900 oder gar 1.000 Euro entspricht, muss jeder Musiker für sich entscheiden. Tatsache ist, dass selbst nach Herausgabe der hauseigenen Legacy-Collection samt originalgetreuem MS-20 Controller (der nicht selten – ob Versehen oder Absicht – heute als „Korg MS-20“ angeboten wird), der originale MS-20 keineswegs an Wert verloren hat. Ein Klassiker eben, der den Wogen moderner Derivate mit stoischer Ruhe zu widerstehen weiß.

Poor Man ARP-2600…???

Verarbeitung und Aufbau

Der MS-20 ist allgemein sehr gut verarbeitet. „Sehr gut“ bedeutet robustes Metallgehäuse und Potis, die im schlimmsten Fall kratzen (weil verstaubt), aber wohl so gut wie immer ihren Dienst verrichten. Einziges Manko: die Tastatur. Sie klappert mitunter derart geräuschvoll, dass man beim Spielen eine Stufe lauter drehen muss, um die Musik zwischen den „Klappergeräuschen“ hindurch noch zu hören. Das ist natürlich weniger gut.

Der MS-20 ist für einen Analogsynthesizer der (ursprünglich) unteren Preiskategorie sehr umfangreich ausgestattet:

  • 2 x VCO
  • VCO Mixer
  • VC HP Filter
  • VC LP Filter
  • LFO (Modulation Generator)
  • ENV 1 (Delay, AR)
  • ENV 2 (Hold, ADSR)
  • 2 x VCA
  • S/H-Generator
  • Noise Generator (pink, white)
  • External Signal Prozessor
  • Patchbay
Klangbeispiele
Forum
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    Marko Ettlich  RED

    Sehr schöner Bericht wie immer :)
    Die Klangbeispiele sind sehr aufschlußreich. Komischerweise hab ich den MS20 immer links liegen lassen. Das sollte sich ändern… ;-)

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    gaffer

    Ich muss Dirk Matten und Kurt Dahlke da fast überall beipflichten, in unserer WG war der MS 20 einer der Synthies, was man auch machte fast immer kam ein Hubschrauber dabei raus, die Filter haben viele Möglichkeiten aber nur die, die fies zu den positiven Adjektiven zählen, können das gut finden. NDT (nichtsdestotrotzisteinfachzulang) war er ein bezahlbarer Einstieg in Synthese von Klängen. Ich glaube DAF hat ihn oft eingesetzt, da hat er mir allerdings ganz gut gefallen, falls er es wirklich war

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    gaffer

    Würde passen, mein MItbewohner mit dem MS-20 verkaufte seinen KORG und kaufte einen Odissey… :-)

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    tomeso  

    In jungen Jahren (vermutlich 1981) hatte ich ein wenig Geld für meinen ersten Synthesizer zusammen gespart. Nachdem ich im Synthesizer-Fachgeschäft meiner Wahl in Wiesbaden alle möglichen Kanditaten (Pro One, Prodigy und MS-20) ausgiebig getestet hatte, bestellte ich einen Prodigy bei Dirk Matten in Bonn. Der Pro One war zu teuer und der MS-20 gefiel mir klanglich überhaupt nicht.

    Die Entscheidung für den Prodigy habe ich nie bereut … das Teil nicht bei dem Händler vor Ort in Wiesbaden gekauft zu haben schon … :-)

    • Profilbild
      tomeso  

      bevor das jemand falsch versteht:
      natürlich habe ich das nicht wegen Dirk Matten bereut. Vielmehr war es mir später ein wenig peinlich, dass ich erst tagelang alles in Wiesbaden getestet und dann wegen ein paar DM weniger in Bonn bestellt hatte.

      Gruß

      Frank

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    tomeso  

    Hallo Dirk,
    war wohl etwas mißverständlich formuliert. Und es war mir durchaus bewusst, dass Du das nicht unkommentiert stehen lassen würdest.

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    FischerZ

    Es ist doch immer wieder Interesannt die Beispiele aus den Hardwarekisten mit den Softwareversionen zu vergleichen.

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      Markus Schroeder  RED

      In diesem Sinne nochmal ein Ein „Rückblick auf den damaligen Vergleichstest zwischen echtem MS-20 und Korg Legacy Edition:

      http://ama.....cle_id=824
      von Andreas Kautz

      Und obwohl ich Deiner Ansicht bin, finde ich, dass das Klang/Preis Verhältnis zugunsten der Legacy Edition liegt.

      Aber Analog- und Oldtimerliebhabern kann man mit Wirtschaftlichkeit ja nicht beikommen LOL :D
      Grüße,

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        FischerZ

        Es ist, meiner Meinung nach, auch ein Unterschied ob man an Knöppen dreht oder mit der Maus über die Software huschen muß. Allein da ist schon eine Kreativbremse vorhanden. Die Wavestation kenne ich wie meine Westentasche da ich einige Bänke programmiert habe die damals sehr erfolgreich in der Keys getestet wurden ( ja, da bin ich auch a bisserl Stolz drauf). Ein klanglicher Unterschied zwischen Hardware und Software ist für mich da nicht feststellbar. Ich finde, die Japaner habe da einen super Job gemacht. Es ist auch sehr Schade das die WS nicht in die Legacy eingebunden werden kann. Mir ist das ein Rätsel wieso.

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    FischerZ

    Es kommt einfach viel mehr Bumms aus der Hardware.

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    Tricky

    Der MS-20 ist schon nen feiner Knarz-Synthie, keine Frage.
    Jedoch sind die 2nd-Hand-Preise in den letzten Jahren so nach oben
    geschossen, man zahlt heute bald mehr als damals neu !!

    Nee, also die Zeiten der gebrauchten (und teilweise defekten) Maschinen ist
    bei den derzeitigen „Analog“-Wahnsinns-Preisen eigentlich wirklich vorbei.

    Ok, der Freak & Sammler legt gerne bis 1000Tacken für einen MS-20 hin,
    oder bis zu 4000,- Euronen für einen Jupiter-8.
    Wenn es glücklich macht ;)

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      Bloderer  RED

      Ja, die Preis/Leistungs-Verhältnisse der Vintage-Ecke sind heute sehr fragwürdig. Aber eine Obergrenze ist schon erreicht, denke ich (und es wird die kommenden Jahre eher wieder nach unten gehen). Die 4000e Jupiter-8 Käufer gibt es kaum mehr, sieht man doch, wo in eBay immer dieselben (nicht verkauften) Instrumente ihre Kreise ziehen… oder auch die legendären SH-5-Versuche für 3500e, die haben ebenso nicht geklappt… Beim MS-20 bin ich dennoch nicht sicher, ob die – sagen wir mal – 900e – nicht „ok“ sind. Er hat klanglich ein enormes Spektrum und einen fantastischen Charakter (hier gibt es viele Gegenstimmen, ich weiß…).

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    Bloderer  RED

    Grundsätzlich: Klar. Überteuerte Forderungen sagen meist etwas über die Person oder ihre Ziele aus. Zielgruppe: Sammler. In „gemäßigten“ Bereichen sollten die Preise jenen Wert darstellen, die der Besitzer bzw. der Käufer dem Instrument aus musikalischer Sicht zugesteht. Zielgruppe: Musiker. Und die haben alle Freihiet, sich für günstigere, moderne Derivate ebenso wie für das vintage Original zu entscheiden.

    Ich finde es gut, dass wir heute so „inmitten verschiedener Welten“ leben und Zugriff auf alle bisherigen Epochen der Synth-Entwicklung haben. Neben mir steht gerade ein Synthesizer.com Modularsystem neben dem Synton Syrinx sowie Access Virus KB, und ich finde alle drei Instrumente unsäglich genial…

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    TiUser

    Mein erster Synth war ein Korg MS10. So richtig mochte ich den nie… der 20er war zwar deutlich flexibler aber der 10er war dann wohl „abgestandenes Oettinger“… ich war froh als ich das Ding später wieder los war… ehrlich.

  11. Avatar
    kpr

    Als mini-KORG 700S Besitzer hatte ich mir den MS20 gleich nach Erscheinen einfach dazugekauft. Zwei Synths, hui! Der MS20 war tatsächlich ein klasse Hubschrauber-Synth, nur total untauglich für den Einsatz auf der Bühne. Die Reglerwege sind so fein abgestuft, dass ich nie meine Sounds hingekriegt hatte. Schwupps wurde der MS20 wieder abgeschoben. Viele Jahre später habe ich ihn gründlich abgesampelt. Nun bin ich wieder mit ihm versöhnt :-)

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    polyaural

    1981 habe ich beim Tony Buklitsch in der Sternengasse in Köln meinen ersten Synthesizer für 800 DM gekauft – Ein MS-20. Ich habe mit dem Teil gelernt wie ein Synthi im Prinzip funktioniert und kann das Wissen immer noch einsetzen. Dies war ein „Anspruch“, den ich beim Kauf gar nicht realisiert hatte.

    Weiter habe ich mit dem MS-20 einige Stücke realisiert, die man „keinem Esel ins Ohr schütten kann“, die mich aber immer wieder anregen, endlich mal wieder Musik zu machen. Noch ein Anspruch, der sich erst sehr viel später realisiert hat. Dann war da natürlich der Anspruch einen richtigen Synthesizer zu besitzen (und keine Heimorgel). Dieser Anspruch wurde nur theoretisch erfüllt, Der MS 20 war ein Synthesizer (und keine Heimorgel). Aber ein „Richtiger“? Die Kiste klang so lausig das ich meine Kaufentscheidung oft bereuhte. Nicht das ich damals einen Vergleich hatte. Damals hatte ich keinen Zugang zu einem Pro-One, Minimoog oder Prodigy. Und das Synthesizerstudio Bonn war für meine Möglichkeiten zu weit weg :-)

    Ich denke, dass ich heute in der Lage bin aus vielen Synthies einen guten Sound herauszuholen (natürlich im Rahmen der Hardware und natürlich für meinen Geschmack gut). Ein Freund erzählte mir kürzlich, das sein DW 8000 einfach nur lausig klang, im Vergleich zu meinem DW 6000. Ich denke, das liegt manchmal auch daran, welche Parameter man wie kombiniert. Der MS 20 klang bestenfalls lustig. Meist langweilig, aber immer dünn und öde. Mir ist völlig schleierhaft, wieso diese Kiste so teuer werden konnt.

    Aber, auch das muss gesagt werden, ich wünschte, ich könnte einen davon kaufen. Ich bin halt ein wenig nostalgisch …

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    Klanggeist

    Redet das Teil in Grund und Boden, macht es schlecht, streut Gerüchte z.B. : der MS 20 ist extrem unzuverlässig und es gibt keine Ersatzteile, usw.

    Wenn es klappt dann singt der Marktpreis ins Bodenlose und dann schlage ICH zu, jawohl,
    für 100 Euro.
    So macht man Preise.

  14. Avatar
    Doc

    Ansprüche ?? Quatsch – man wollte nen geilen Sound !!
    Hatte n Minimoog, nen Odysse, Multimoog, Prodigy, ProOne, alles Kisten mit absolut überzeugenden Klang.
    Da hab ich mir dann nen MS10 und MS20 auch noch gegönnt…, man wollte ja mal was anderes. War ja nicht so teuer das Zeugs.
    Als dann die bezahlbaren Polyfonen kamen – wurde der Synthipark nach und nach ausgedünnt. Viele Kisten machten eh nur noch Ärger.. aaarrggghhh.
    Da wurde Geld vernichtet – oh Mann. Will die Zeit trotzdem nicht missen…. ;o)
    Heute ists einfach -> Demo testen, bei Gefallen -> Kaufen

  15. Avatar
    gaffer

    Der Synthie kostete damals um die 1200 DM, dafür bekam man viele Potis, Buchsen und ein ungewöhnliches Design. Der Klang war halt nicht ganz das, was zumindest ich erwartete, die Vorredner haben das zur Genüge angedeutet, dünn ist ganz sicher ein passendes Adjektiv, knarzig, naja auch dem Genuss von Bohnen klingt es mal knarzig. Aber man kann mit diesem Gerät die Bedienung eines Synths lernen, es gab ja auch so eine Riesenausgabe davon zu Demozwecken, halb so groß wie ein Billardtisch (naja fast…) und flach, nicht diese geknickte Pultform, die übrigens jedem Casebauer den Schweiss ins Gesicht trieb. Also kurz, man wollte einen richtigen Synth für wenig Geld und bekam so was ähnliches, so empfand ich das damals.

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      Tom Scheutzlich

      Ich wollte keinen fest verdrahteten Synth, ich war patchgeil.
      Man möge mich korrigieren, aber damals (t.m.) gab es in der Klasse nichts günstigeres.

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    Chris

    Wer den MS-20 Sound nicht mag, der kann ihn entweder nicht richtig programmieren oder er erwartet von ihm Sounds, die in Richtung Moog oder ARP gehen. Der MS-20 kann äußerst brauchbare elektronische Klänge produzieren – die überhaupt nicht mit seinen damaligen Zeitgenossen vergleichbar sind. Von diesen Vergleichen muß man sich freimachen. Und nicht jeder wird aus einem MS-20 brauchbare Sounds ‚rausholen können.

  17. Avatar
    tox

    ich kann chris eigentlich nur zustimmen.ich hab selber n MS-20, für 1100 euronen erstanden, und ich bin am meisten verwundert über die kritik er klänge dünn. diese kritik kann ich mir nur mit drei gründen erklären:1.) die anlage des beurteilenden kann keine bässe wiedergeben (kann ich mir zwar nicht vorstellen, aber es gibt ja auch leute, die ne kompaktanlage als gute stereoanlage bezeichnen)2.) die beurteilung erfolgt aufgrund von mp3-samples. mp3s klingen scheiße und sind nicht im geringsten in der lage das potenzial eines MS-20 abzubilden.3.) wer das ding nicht programmieren kann kriegt auch nicht mehr als tischhupen-sounds raus.fazit: wer mit dem MS-20 umgehen kann, kriegt fette sounds raus. kombiniert mit einem multieffekt, wie z.b. dem alesis quadraverb, lassen sich auch kraftvolle, raumfüllende pad-sounds oder auch stringsounds erzeugen. man muss das ding lieben und seine innereien verstehen, dann kann man auch was damit werden. wer keine lust hat sich mit patching zu beschäftigen ist dagegen mit anderen synths besser beraten; der MS-20 ist was für soundtüftler, die einen klang haben wollen, den nicht jeder hat.

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    K. Kurzschluss

    Wie allgemein angenommen, hat der Korg MS-20 einen typischen Klang, den man sofort raushört. Das Gerät wurde damals in riesigen Mengen allein schon wegen des scheinbar günstigen Preises (Synthesizerstudio Bonn, DM 998,-) vertickt.
    Somit hat „jeder“ den klischeehaften MS-20 Klang.
    Maschinen für das Volk!

    Gruß, Karl

    • Profilbild
      Bloderer  RED

      Hallo Karl!
      Den „klischeehaften“ MS-20 Klang gibt es, denke ich, nicht wirklich. Jedenfalls dann nicht, wenn du die vielen Möglichkeiten des Instrument tatsächlich nützt. Ein einfacher Sägezahn-Sound mit übersteuertem Filter wird nach „typisch MS“ klingen. Aber das ist nur die sprichwörtliche Spitze des Eisberges, genau genommen sogar deutlich weniger. Ein MS-20 kann unerwartet böse/dick/breit klingen, und ebenso filigran/fiepsig. Er kann Bässe in 1A Qualität liefern, schöne Leadsounds, Effekte aller Genres. Die Kombination aus spannungssteuerbarem HighPass / LowPass schließlich sorgt für Filterklang-Möglichkeiten, die (beinahe) so gut wie alle Monophonen weit zurücklassen.

      Preislich war der MS-20 sicher die „Maschine für das Volk“, klanglich war – und ist – er ein offenes Buch. Hier würde ich viel eher dem legendären Minimoog die Etikette des klischeehaften Klanges anhängen. Preislich zwar kein Volksinstrument mehr, doch mit sehr charakteristischem (und leider auch eingeschränktem) klanglichen Repertoire – zumindest in der Art, wie er (vielfach) allgemein zum Einsatz gebracht wurde/wird.

      Viele Grüße
      Theo

  19. Avatar
    kajoter

    Wenn man ganz nüchtern und ehrlich ist, besitzt jeder analoge Synthie einen eigenen Klangcharakter. Die Mär von den ach so flexiblen, universellen Soundmöglichkeiten sollte man allmählich relativiert haben. Und in dieser Hinsicht erwecken die beiden Korg MS-Geräte bei mir die Assoziation `Säge´. Das mag bei einigen Musikrichtungen passend sein, nur mag ich die halt nicht. Daher sind beide MSs für mich eher abstoßende Geräte.

  20. Avatar
    rüdiger

    Ich finde, gemessen an heutigen Qualitätsstandards sind selbst die jetzt gezahlten Gebrauchtmarktpreise angemessen. Welcher Synth bietet noch eine derartige Verarbeitung? Kein anderer mir bekannter (voll analoger), egal ob alt oder neu bietet dermaßen viele Soundmöglichkeiten. Da sehen alle hier zitierten alten und wesentlich teureren Kollegen (Minimoog, etc.) alt aus. Es geht hier nicht um die pure Sinuswelle.

  21. Profilbild
    Phil Wilhelm

    Die Diskussion ist zwar schon etwas älter, trotzdem: Meinen MS 20 kaufte ich bereits 1987
    für 300,– DM :-)) Es war mein erster Synthie und ich habe eine Menge durch ihn gelernt und
    bis heute viel Spaß. Live ist er allerdings ein Risiko-
    faktor (eine falsche Bewegung und…) , im Studio
    jedoch sehr wertvoll.

  22. Profilbild
    Pflosi  

    Der MS20 ist ein sehr flexibler Monosynth, dank seinem Patchfeld kann man schön andere Hardware einbinden und ihn auch als Effekt benutzen (S/H anyone?). Klar, man sollte keine Minimoog Bässe von ihm erwarten. Bei Leads hat er meiner Meinung nach aber ganz klar die Nase vorne, wegen dem VCHPF und der wunderbar dreckigen Resonanz. Sehr gut gelungen finde ich auch den External Signal Processor, der Pitch-to-CV Converter ist Gold wert (und kann als „Midiinterface“ funktionieren – Sinus aus dem Comp drauf und los gehts :)). Richtig lustig wird das Ganze in Verbindung mit einem MS10 oder MS50 (oder einem zweiten MS20), ein zusätzlicher Oscillator, LFO, EG, etc. Auch würde ich jedem die Anschaffung eines CV Splitter/Merger raten, um den MS20 so richtig auskosten zu können. Die MS-Reihe kann übrigens auf V/Oct skaliert werden, dank des zweiten Inputs für die Oscillatoren (das funktioniert übrigens auch mit Motu Volta!)… erfordert aber ein wenig tuning und scaling… Alles in allem ein schöner Synth, auch wenn damals Billigware!

  23. Profilbild
    Pflosi  

    stimmt, der S/H ist eher ein Track-and-Hold. Das macht ihn aber nur umso interessanter! Für die klassische S/H Einstellung: Square-LFO auf Clock, Symmetrie des LFOs ganz nach rechts. Pink oder White Noise auf Input, und Output raus zu Filter oder Osc…

  24. Profilbild
    Pflosi  

    da wird sehr wohl was gehalten! versuch mal die oben von mir beschriebene Einstellung, mit sehr langsamem LFO. das tönt für mich nicht, wie wenn einfach ein pink noise einen oscillator modulieren würde, sondern nach klassischem S/H! wie gesagt: LFO-Symmetrie ganz nach rechts ist entscheidend! man muss natürlich wissen, dass die Clock vom S/H – ganz in Korg Manier – einen S-TRIGGER braucht, um zu halten. i.e. immer wenn auf ground wird gehalten. ich habs jetzt gerade nochmals versucht, klappt wunderbar. nix fenster auf und zu. vielleicht verstehe ich dich aber auch falsch…?

  25. Profilbild
    Pflosi  

    Bei positiven Spannungen wird das Signal durchgeleitet, bei Ground gehalten. Wenn die Symmetrie des LFOs (square!) ganz nach rechts gedreht wird, dann bleibt nur ein kurzer positiver Trigger, bei dem dann immer ein neues Signal getrackt und für die Dauer des restlichen Pulswelle (Ground) gehalten wird. Dreht man die Symmetrie nach links, wird das Signal einfach durchgeleitet (weil dann der LFO ja grossteils im positiven Bereich arbeitet). Ich kann gerne ein Soundbeispiel dazu zur Verfügung stellen.

  26. Profilbild
    Pflosi  

    stimmt, da hab ich dir ja nicht widersprochen ;) die Bezeichnung track-and-hold ist eigentlich wie gesagt treffender…
    trotzdem ist der klassische S/H effekt möglich (wie oben beschrieben) – und noch vieles mehr!
    z.B. der Patch „poor man’s duophony“:
    KBD CV Out -> S/H In
    KBD Trig Out -> S/H Clock
    S/H Out -> VCO 2 CV IN
    Der zweite Oszillator spielt dann immer die zuvor gespielte Note. Kann ganz spassig sein :)

  27. Profilbild
    tortuga

    In der Syntacheless jetzt bei 845€, vor kurzem noch uber 1000€. Von den letzten 20 MS-20 auf ebay gingen gerade mal 2 (ok, das war gerade im Oktober) fuer unter 1000€ weg. Diese Preise verstehe ich nicht wirklich.

  28. Profilbild
    c.hatvani  AHU

    Ich würde es cool finden, wenn Doepfer ein Gerät in der Art eines MS-20 entwickeln würde. Mit eingebauter Tastatur, MIDI, 2 Oszillatoren, 2 Filter (Hochpass, Tiefpass), Ringmod., Sample & Hold, Noise Generator, 2 ADSR, vorverdrahtet, aber patchbar – um 1000,- Euro.
    Ich denke, das wäre machbar und es gäbe dann eine aktuelle Alternative zum MS-20.

  29. Avatar
    Resonator

    Ein schöner Bericht, danke! Ich habe die MS-Reihe in den Endsiebziegern an den Kunden bringen dürfen, habe wochen- ach, monatelang damit rumgespielt und konnte mir selbst nie einen leisten. Nun arbeite ich seit 15 Jahren im eigenen Studio mit allerlei „Leckerbissen“ und habe mir nur aus romantischen Gründen kürzlich einen MS 20 gekauft. Mein erstaunliches Fazit: Das Gerät macht unglaublich Spaß und hat noch immer seine Reize. Die HPF/LPF-Kombination ist göttlich. In der Pop-Produktion ist diese Synthesizer-Gattung vielleicht weniger geschickt unterzubringen – in der zeitgenössischen, elektronischen und Neuen Musik ist er jedoch, ähnlich wie der kleine, aber feine Yamaha CS-5, ein wirklich sauberes, leistungsfähiges Instrument. Wer sich über kreischende oder gar dünne Klänge beklagt, sollte vielleicht ein wenig den Mixer herunterregeln (maximal bis 6!) und etwas sparsamer die Resonanz (Peak) einsetzen. Nach einer Woche MS-20 hab ich mir glatt noch einen MS-10 dazugeholt, was in Kombination schier unglaubliche Modulationsorgien ermöglicht.
    Sehr schön finde ich auch die Servicefreundlichkeit und die kinderleichte Möglichkeit, die Tastatur mit Filzplättchen oder Silikonstücken um etwa 500% aufzuwerten.
    Ich bin definitiv wieder infiziert – falls also noch irgendwo bei euch ein passender Sequenzer oder MS-50 rumsteht….

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      gaffer  AHU

      Ja Resonator, da denken wir offensichtlich ähnlich. Vor 30 Jahren lebte ich in einer WG zusammen (neben den Mitbewohnern) mit immer mindestens 2 Synthies. Lange Zeit war das der MS 20 und CS 5, die auch noch, mit ein wenig Nachhelfen, über CV/Gate zusammen spielten.

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      Theo M

      Woher bekommt man solche Filzplättchen und Silikonstücke, um die Tastatur aufzuwerten?

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        Resonator

        Der Filz ist ein etwa 55cm langer Streifen von 10mm Breite. Ich benutze festen Filz aus dem Schneiderbedarf, noch festeren gibt es im Klavierfachhandel, vermute ich. Der Streifen wird mit Sekundenkleber FÜR SAUGFÄHIGE MATERIALIEN (wichtig!!) aufgeklebt, etwa 20 Punkte auf die volle Länge genügen. Der Schlauch ist Silikonschlauch mit 1mm Wandstärke und 5mm INNENdurchmesser, wie er in Kaffeeautomaten oder Sanitätsgeräten verwendet wird. Gibt´s hier in Kiel bei Mordhorst & Bockendahl, der Meter kostet etwa 3 Euro. Die alten Gummis werden entfernt und die Schlauchstücke von etwa 5mm Länge werden einfach über die Dämpferlaschen geschoben. Die Tasten haben nun weniger Seitenspiel und schlagen leiser an. Wem das Geräusch beim Hochschnellen der Tasten auch noch zu laut ist, sei geraten, auch UNTER der Tastatur den Filz zu wechseln bzw. zu verstärken, man achte jedoch darauf, daß die Tasten keine zu niedrige Ruhestellung haben. Manchmal wird das Klappern beim Hochschnellen auch dadurch verursacht, das die Tasten an die Unterkante des Frontpanels anschlagen – dann sollte man die seitlichen Schrauben des Panels lösen, das Panel etwas hochschieben und dabei die Schrauben wieder anziehen. Das kann Wunder bewirken. Dieser Arbeitsgang ist am besten zu zweit zu bewerkstelligen. Viel Spaß, es lohnt sich!! Ach so: Ihr werdet für diese Arbeiten die Tasten entfernen müssen, erst die weißen, dann die schwarzen, beim Einbau umgekehrt.

        • Profilbild
          Theo M

          Danke für Deine ausführliche Beschreibung. Ich werde die Idee beim DSS-1 umsetzen, dessen Tastatur klappert ja auch extrem.

  30. Profilbild
    rauschwerk  

    Der MS20 ist ein in der Tat ein Klassiker, den es – so in dieser Form – bis jetzt nicht mehr „neuaufgelegt“ oder „geclont“ gab/gibt (bis auf die hauseigene Ausnahme = die KLC). Ich schätze dieses Gerät sehr und verwende es bei meiner Klanggestaltungen oft und gern.

    Die Idee der VÖ einer „ähnlichen“ Plattform (gerade mit den beiden VCFs in Reihe) z.B. von z.B. Dieter Doepfer würde ich ebenfalls sehr begrüssen. Bei einem UVP von ca. 599,- währe ein solches Gerät sicherlich – alternativ zu den inzwischen teuren und doch schon um 30 Jahre alten MS20er – sehr interessant (dann aber auch mit einer normalgrossen 3-Oktaven-Klaviatur – nix mit mini-Tasten!)

  31. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    1983 konnte ich einen gebrauchten MS10 incl. Koffer für 300,-DM ergattern, der mir lange Jahre als Leadsynthie zum Juno 6 diente. Ich schließe mich der Meinung an, daß das Filter „einzigartig“ ist, und auch die etwas spartanischen Patch-Möglichkeiten des MS10 habe ich voll ausgenutzt. Dennoch war das Klangspektrum relativ begrenzt, was nicht nur am 1-Osc-Prinzip lag. Daher ist der MS10 einer der wenigen Analogen, deren Verkauf ich nicht bereut habe, erst recht, da ich einen MFB-Synth Lite ll und einen Dark Energy als Ersatz habe. Besonders der DE kann bei entsprechender Einstellung sehr nach MS klingen, aber eben nicht nur. Auch aus meinem MicroKorg habe ich MS-ähnliche Sounds herausgeholt. Außerdem gibt es ja noch die Monotron/Monotribe-MS-Filter-Inputs, wenn man unbedingt diese Filter haben, aber keine übertriebenen 1000,-€ ausgeben will.
    PS: Der MFB Nanozwerg mit seinem 12dB-LP-Filter klingt auch sehr nach MS10; die perfekte Ergänzung zum DE…

  32. Profilbild
    Goofy

    Vor einigen Wochen habe ich mir einen MS-20 zugelegt. Er klingt anders, das stimmt. Doch auch als überzeugter Korg-Fan kann ich den Hype um den MS-20 nicht nachvollziehen. Durch sein Filterkreischen ist sein Klang natürlich etwas Besonderes doch abgesehen von dieser Extremeinstellung kann er nicht (viel) mehr als andere Synthesizer auch. Bevor ich jetzt als Ketzer an die Wand gestellt werde – ich liebe den MS-20! Nur kann ich das Filterkreischen im musikalischen Zusammenspiel nicht unbedingt einsetzen. Dann aber wird der MS-20 zu einem ’normalen’ Synthesizer. Als Vergleich habe ich meine anderen monophonen Analogsynthesizer (*) herangezogen – die Unterschiede fand ich trotz intensiver Nutzung der Patchmöglichkeiten nicht so gravierend. Möglicherweise liegt das aber auch an meinem Unvermögen oder ’meiner’ Musikrichtung.
    Trotz allem bin ich froh meinen MS-20 zu einem fairen Preis erstanden zu haben und ich gebe ihn auf keinen Fall mehr her!

    *Analogsynthesizer zum Vergleich : Moog Minimoog Voyager Old School, Yamaha CS-10, Yamaha CS-15, Waldorf Pulse, Novation BassStation Key, MFB Kraftzwerg, Oberheim Matrix 1000, Korg Poly-800, Novation BassStation Rack

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    Andreaz Vogel

    Es wurde schon viel gesagt hier, deshalb möchte ich es nochmal auf den Punkt bringen.
    „Klassisch“ musikalisch ist der MS20 in der Tat kaum nutzbar, aber wo es um einfache und statische Sequenzerläufe oder gar um krude Effektsounds geht, ist er nach wie vor ungeschlagen.
    Meinen werde ich nicht hergeben, unter anderem auch deshalb, weil ich ihn Ende der 80er/Anfang der90er von Herrn Dinger bekommen habe (im Tausch mit einer 303 und ein paar Scheinen). Auf meine Frage, weshalb denn der Schriftzug auf der Rückseite mit einem großen schwarzen Quadrat überlackiert sei, antwortete er mir, dass das Gerät aus dem Fundus von Kraftwerk kommt und auf einer Tournee genutzt wurde.
    Selbst wenn das nicht stimmen sollte, ist es eine schöne Geschichte und eine ebenso schöne Erinnerung, die mittlerweile ein Vierteljahrhundert auf dem Buckel hat. So wird man alt, gemeinsam mit den Gerätchen…..

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